Wieviele Reporter brauchts für eine Katastrophe?

A UNDP cash for work programme is putting Haitians on the street clearing rubble and rebuilding. Foto: UNDP (cc ##http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de##by##)

Das Medienmagazin «On the Media»von NPR hat die Frage aufgegriffen, die ich mir beim ganzen Rummel um das Erdbeben in Haiti auch mal gestellt habe: Wie viele Journalisten tummelten sich da eigentlich im Erdbebengebiet? Standen die nicht dauernd im Weg rum? Hielten sie die Rettungskräfte nicht von der Arbeit ab? Kurz: Wie sinnvoll ist es eigentlich, wenn sich der Journalistenstrom in ein Katastrophengebiet ergiesst?

Die drei grossen US-Fernsehstationen entsandten offenbar je zwischen 25 und 75 Leuten. Und die mussten ja zu Essen haben, Unterkünfte und waren nur ein kleiner Teil des ganzen Trosses. Im Interview mit «On the Media» sagt ein Journalist, dass nicht zuletzt wegen der Journalisten aus aller Welt die Lebensmittelpreise in den Himmel schossen. Einige hätten zwar ihre Nahrungsmittel selber mitgenommen – aber auch da ist die Frage: Weshalb für sich und nicht für die Notleidenden?

Sicher: Diese Fragestellung ist irgendwo naiv. Die Leser, Hörerinnen, Zuschauer wollen und sollen über eine solche Katastrophe informiert werden. Und ohne die schrecklichen Bilder aus Haiti wären wahrscheinlich auch die Millionenspenden für die Glückskette nicht zusammengekommen.

Aber auf der anderen Seite gibts da auch den Wettbewerb unter den Medien, das Rennen um die exklusiven Bilder des Schreckens, den man durchaus in Frage stellen darf. Muss das in solchen Fällen wirklich sein? Oder wäre es nicht ausreichend, wenn ein begrenzter Pool von Journalisten die Networks und Agenturen mit Informationen und Bildern versorgt und man für einmal den Quotenwettbewerb vergisst?

Ich weiss es nicht. Ich war noch nie bei einem solchen Ereignis vor Ort. Ich habe keine Ahnung, ob sich die Journalisten als vernünftige Reporter oder als Meute gebärden. Aber als Medienkonsument stellt sich die Frage eben schon: Überwiegt der Nutzen dieser Reportereinsätze oder der Nachteil, den sie vor Ort verursachen? Und natürlich darf sich auch jeder Medienkonsument selber fragen, wieviel er oder sie mit seiner Sensationslüsternheit dazu beiträgt.

Immerhin sind wir noch nicht so weit wie die Amis. Die zweite Geschichte von «On the Media»verursacht bei mir nur Kopfschütteln. Die grossen Networks haben offenbar eigene Ärztinnen und Ärzte, die normalerweise als Reporter arbeiten, in solchen Fällen dann aber als operierende TV-Ärzte fungieren. Sie helfen zwar, aber immer im Licht der Scheinwerfer ihrer Kameras – und verlieren dabei offensichtlich manchmal die nötige Objektivität.