BaZ-Verleger Wagner: Der Wirtschaftsfreund

Basler Zeitung

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Eine Seite lang interviewt der oberste Angestellte, Baz-Chefredaktor Matthias Geering, seinen neuen Chef, Verleger Martin Wagner, in der heutigen Basler Zeitung. Es steht zwar gross darüber „Ich werde für guten Journalismus kämpfen“, aber dieser Titel spiegelt den Inhalt des Interviews nicht wirklich.

Wagner ist schon lange im Mediengeschäft oder besser: im Geschäft mit Medien. Letztlich geht es ihm ums Geschäft, davon versteht er was. Beim Journalismus ergeht er sich in wohlklingender Selbstbeweihräucherung („Die Basler Zeitung ist ein Qualitätslabel“).

Am interessantesten finde ich aber die Vertiefung seiner Aussage, die BaZ solle eine wirtschaftsfreundliche Haltung einnehmen. Klar muss da Geering fragen, ob das bedeute, „unkritisch“ zu berichten. Klar verneint das Wagner:

Nein, überhaupt nicht. Das erwartet auch niemand aus der Wirtschaft. Die Redaktion soll frei, aber fair recher­chieren und schreiben. Man muss der Zeitung anmerken, dass sie im zweit­wichtigsten Wirtschaftsraum der Schweiz gemacht wird. Und die Ex­ponenten der Firmen und der Wirt­schaftsverbände sollen spüren, dass wir uns für ihre Anliegen einsetzen.

Am erstaunlichsten daran ist, wie selbstverständlich Wagner es findet, dass sich eine Zeitung für die Anliegen von Firmen und Wirtschaftsverbänden einsetzen soll. Das heisst doch konkret: in vielen Fällen gegen Angestellte und Gewerkschaften. Und daraus resultieren keine Probleme für die Redaktion und eine eine objektive Berichterstattung, die eigentlich die Meinungen und Ansichten von allen Seiten einbringen soll? Was dann, liebe BaZ? Wird dann frei und fair recherchiert und geschrieben, aber einfach nicht gedruckt? Martin Wagner hat mit dieser Aussage in der BaZ-Wirtschaftsredaktion eine ganz grosse Schere aufgehängt, die – da bin ich sicher – zum regen Einsatz in vielen Köpfen kommen wird.

Das Interview ist leider nicht online. Wagner – das nur noch am Rande – ist dezidiert der Auffassung, er wolle nicht, wie das jetzt auf „newsnetz“ geschehe, hochstehende qualitative Inhalte verschenken. Man kann das Gespräch aber hier als PDF-Dokument herunterladen.

2 Kommentare

  1. Merci für den Link, das Interview hatte ich noch nicht gelesen. Ich bin gespannt, was mit der BaZ passieren wird. Irgendwie liegt sie mir halt am Herzen, schliesslich liegt diese Zeitung jeden Tag im Briefkasten seit ich denken kann…

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