Dutton Ranch
Staffel 1, Paramount+


Das neueste «Yellowstone»-Spin-off hat einen grossen Makel: die Kulisse. Die majestätische Landschaft der Rocky Mountains mit schneebedeckten Bergen, endloser Prärie und glasklaren Flüssen ist nur zu Beginn zu sehen.
Denn die Ranch von Beth Dutton und Rip Wheeler wird durch eine Feuersbrunst zerstört und sie verlassen Colorado. Gemeinsam mit ihrem Pflegesohn Carter ziehen sie nach Rio Paloma in Texas, wo sie trockenes Grasland und drückende Hitze erwartet. Hier wollen sie sich auf ihrer neuen Ranch eine Zukunft aufbauen.
Der Empfang in der Kleinstadt fällt frostig aus. Die alteingesessenen Jacksons machen den Neuankömmlingen sofort klar, wer das Sagen hat. Matriarchin Beulah bietet Beth zwar ihre Hilfe an, allerdings zu miserablen Bedingungen. Rip gerät prompt mit Beulahs Sohn Rob-Will aneinander, während sich Carter in Beulahs Enkelin Oreana verliebt. Unterstützung erhalten die Duttons einzig von Everett, dem Tierarzt.
Die Serie deutet zunächst bekannte Westernmuster an: zwei verfeindete Familien, eine Romeo-und-Julia-Romanze und ein korrupter Sheriff. Doch zur Mitte der Staffel überrascht «Dutton Ranch» mit einigen unerwarteten Wendungen und wirkt deutlich weniger vorhersehbar als anfangs vermutet.
Mit einem grossen Figurenensemble und den überzeugenden Alt-Stars Annette Bening und Ed Harris legt die Serie den Grundstein für mehrere Staffeln. Der Auftakt überzeugt trotz der wenig spektakulären Texas-Kulisse und macht Lust auf die Fortsetzung.
The Bear
Staffel 5, Disney+


Mit der fünften Staffel endet das Restaurantdrama «The Bear». Die Serie bot eine Reise voller Höhen und Tiefen, nicht nur für die Protagonist:innen hinter den Kochherden und im Service, sondern auch für die Show selbst.
«The Bear» startete als Überraschungshit, der emotional packte und den Adrenalinspiegel in der Hektik des Küchenalltags hochschiessen liess. Danach hielt die Serie ein hohes Niveau, verlor sich aber zwischendurch in hypergetakteten Dialogen und Schreiduellen. Auch das strapazierte die Nerven, aber auf unangenehme Weise.
In der letzten Staffel ändert die Serie den Tonfall. Sie häuft nicht mehr ein Problem aufs andere, sondern wird versöhnlich. All die Konflikte, die uns über die Jahre begleitet haben, finden nicht immer eine Lösung, deuten aber zumindest einen Weg dorthin an.
Was bleibt, ist die Hektik. Eigentlich war schon Lichterlöschen angesagt im Restaurant, weil das Geld ausging. Doch die ganze Crew stemmt sich ein letztes Mal gegen den Untergang, um ihren Traum weiterzuleben.
Ein Traum, der alles von ihnen fordert, sodass man sich manchmal fragt, ob er wirklich erstrebenswert ist. Aber wenn Carmy, Syd, Richie und alle anderen am Schluss Freudentränen in die Augen schiessen, gönnt man es ihnen von Herzen. Der Abschied von einer Serie, die zurecht haufenweise Auszeichnungen eingeheimst hat, fällt so etwas leichter.
Alice and Steve
Staffel 1, Disney+


Alice und Steve sind seit Jahrzehnten sehr eng befreundet. Vor 30 Jahren war da mal was zwischen ihnen, aber das ist Vergangenheit. Heute ist Alice zum zweiten Mal verheiratet und hat zwei Kinder. Steve ist geschieden und kinderlos. Ihre Freundschaft bleibt für beide das Wichtigste.
Die Dynamik kippt, als Steve nach einer Partynacht bei Alice übernachtet und dort mit ihrer Tochter Izzy schläft. Am nächsten Morgen schwören sie sich, dass das nie wieder passieren darf. Doch dann merken sie, dass sie echte Gefühle füreinander empfinden – und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.
Alice rastet aus, bis sie sich vermeintlich einsichtig zeigt. Sie lädt zum versöhnlichen Abendessen, nur um Steve vor Izzys Freund:innen zu demütigen. Er kann sich gerade noch retten, verrät allerdings ein Geheimnis aus seiner Arbeit mit Promis. Das nutzt Alice, um seinen Ruf zu zerstören. Jetzt eskaliert der Konflikt.
Die Serie pendelt zwischen aggressiver Konfrontation und halbherzigen Versöhnungen, ohne je klare emotionale Konsequenz zu entwickeln. Der zentrale Konflikt wirkt konstruiert, die Figuren handeln zunehmend egoistisch und wenig glaubwürdig. Auch der Humor zündet kaum. Die Komik bleibt eher bemüht als pointiert.
Insgesamt enttäuscht die Serie: Trotz starker Besetzung bleibt sie dramaturgisch schwach, tonal unausgeglichen und verfehlt sowohl emotionale Tiefe als auch komödiantische Wirkung. Wer Nicola Walker mag – wie ich – ist wohl mit der Serie «The Split» auf arte besser bedient.
In Kürze


Criminal Record (Staffel 2, Apple TV)
Die Wege von DI June Lenker (Cush Jumbo) und DCI Dan Hegarty (Peter Capaldi) kreuzen sich erneut. Bei einer Kundgebung von Muslimen wird ein Jugendlicher von einem Vermummten getötet, der zu einer Gruppe von rassistischen Nationalisten gehört. Als Lenker und Hegarty ein Mitglied der Gruppe identifizieren, beginnen sie, gemeinsam zu ermitteln, allerdings mit unterschiedlichen Zielen. Lenker will den Mörder fassen, Hegarty die Gruppe infiltrieren, die mutmasslich Bombenanschläge plant. Wie schon zuvor ist die Zusammenarbeit geprägt von Misstrauen. Zurecht: Hegarty weiht seine Partnerin nicht in alle Details seiner Pläne ein. Spannender Krimi mit einem genial widerlichen Dustin Demri-Burns als Gegenspieler von Lenker und Hegarty.


The Four Seasons (Staffel 2, Netflix)
Zwei Paare und was von einer dritten Ehe übrig blieb, verbringen erneut gemeinsam Ferien. Einmal zu jeder Jahreszeit treffen sie sich und verhandeln ihre Beziehungs- und Midlife-Crisis-Probleme. Zu Beginn kriselt es am meisten zwischen Anne und Ginny, die beide um Nick trauern, aber als Ex-Frau und schwangere Geliebte sich nicht gegenseitig unterstützen können. Kate und Jack suchen neue Wege, um ihre Ehe wieder aufregender zu gestalten, während Danny und Claude sich die Frage stellen, ob sie noch jung genug sind, um Eltern zu werden. Auch wenn die Probleme neu sind, die verhandelt werden, fühlt sich vieles vertraut an. Den Charme und Witz der ersten Staffel erreicht die Serie deshalb nicht mehr ganz.


Achtsam morden (Staffel 2, Netflix)
Björn Diemel wollte seine Work-Life-Balance mit Achtsamkeitstherapie in den Griff bekommen. Einige Probleme hat er tatsächlich – und höchst illegal – gelöst, sich dabei aber neue eingehandelt. Neben seinem Job als Strafverteidiger leitet er nun eine Kita und steht an der Spitze zweier krimineller Clans. Das stresst. Zum Glück weiss sein Therapeut erneut Abhilfe. Björn muss sich mit seinem inneren – nein, nicht Schweinehund, sondern Kind versöhnen. Erneut funktioniert das sehr gut. Das innere Kind liefert ihm wertvolle Tipps, wie er die Polizei auf Abstand hält und einen Erpresser ausschaltet. Björns kriminelle Karriere nimmt weiter Fahrt auf – direkt in Richtung dritte Staffel.
Auf der Watchlist

Star City (Staffel 1, Apple TV)

Rivals (Staffel 2, Disney+)

Ride or Die (Mini-Serie, Prime Video)
Serien-Top-Ten
| 1️⃣ | ![]() | Spider-Noir Retro-Superhelden- Krimi, Prime Video |
| 2️⃣ | ![]() | Daredevil: Born Again (Staffel 2) Superheldenaction, Disney+ |
| 3️⃣ | ![]() | Dutton Ranch Western, Paramount+ |
| 4️⃣ | ![]() | The Bear (Staffel 5) Dramedy, Disney+ |
| 5️⃣ | ![]() | The Hack True-Crime, arte |
| 6️⃣ | ![]() | Widow’s Bay Horrorkomödie, Apple TV |
| 7️⃣ | ![]() | Your Friends & Neighbors (Staffel 2) Krimi/Satire, Apple TV |
| 8️⃣ | ![]() | Criminal Record (Staffel 2) Krimi/Thriller, Apple TV |
| 9️⃣ | ![]() | Kastanjemanden (Staffel 2) Krimithriller, Netflix |
| 🔟 | ![]() | Achtsam morden (Staffel 2) Krimikomödie, Netflix |
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Die Macher:innen haben sich in die Finger geschnitten… Trotz Cliffhanger gibt es keine zweite Staffel von «Ponies».