Kastanjemanden
Staffel 2, Netflix


Fünf Jahre nach der ersten Staffel kehrt der dänische Krimi «Kastanjemanden» zurück. Das lange Warten lag vor allem daran, dass Autor Søren Sveistrup die Romanfortsetzung erst 2024 veröffentlichte. Gelohnt hat es sich trotzdem – auch wenn die erste Staffel in meiner Erinnerung noch düsterer und verstörender war.
Der Titel führt diesmal etwas in die Irre, denn der ursprüngliche Fall ist abgeschlossen. Stattdessen steht ein neuer Fall im Zentrum, der sich um einen Kinderzählreim dreht. Dieser taucht in Nachrichten auf dem Handy einer verschwundenen alleinerziehenden Mutter auf. Als ihre Leiche gefunden wird, übernehmen Ermittlerin Naia Thulin und ihr Team den Fall.
Unterstützung erhält sie durch den Europol-Beamten Mark Hess. Die beiden verbindet eine komplizierte Vergangenheit: Nach ihrer Beziehung verliess er Naia und ihre Tochter. Trotzdem raufen sie sich für die Ermittlungen zusammen. Bald stossen sie auf einen alten Mordfall mit auffälligen Parallelen. Als weitere Opfer entdeckt werden, erkennen sie das Muster: Alle wurden zuvor gestalkt.
Die Jagd auf den Serienmörder bleibt spannend und wird durch ein einschneidendes Ereignis für die Hauptfiguren zusätzlich aufgeladen. Dennoch erreicht die zweite Staffel nicht ganz die beklemmende Atmosphäre der ersten. Der Plot wirkt weniger bedrohlich und unheimlich.
Trotzdem bleibt «Der Kastanienmann – Versteckspiel» ein gelungener Nordic-Noir-Krimi, der Fans des Genres bestens unterhält.
Margo’s Got
Money Troubles
Staffel 1, Apple TV


Margo hat Geldprobleme – und ist daran nicht unschuldig. Sie lässt sich von ihrem Professor verführen, wird schwanger und entscheidet sich für das Baby. Der Professor lässt sie deshalb sitzen und ihre Mutter Shyanne hält die Entscheidung für einen fatalen Fehler.
Um sich und ihren Sohn über Wasser zu halten, startet Margo eine Karriere auf OnlyFans. Der Job bringt Geld, sorgt aber auch für neue Konflikte mit ihrer dysfunktionalen Familie. Ihr plötzlich wieder aufgetauchter Vater Jinx, ein ehemaliger Wrestler mit Drogenproblemen, bringt zusätzliches Chaos in ihr Leben.
«Margo’s Got Money Troubles» erzählt diese Geschichte leichtfüssig, aber nicht oberflächlich. Serienmacher David E. Kelley («Big Little Lies») präsentiert einmal mehr eine Geschichte, in der es aus jeder schwierigen Situation einen hoffnungsvollen Ausweg gibt.
Die grösste Schwäche der Serie liegt jedoch im Tonfall. Sie schwankt zwischen schräger Komödie und Familiendrama, ohne sich klar zu entscheiden. Kaum wird es humorvoll, folgt schon wieder ein ernster Konflikt, den man in diesem Kontext aber bereits zu oft gesehen hat.
Gerettet wird die Serie von ihrer Besetzung. Fanning, Pfeiffer, Offerman, Kinnear und Nicole Kidman in einer Nebenrolle verleihen den Figuren genug Charme und Glaubwürdigkeit, dass man trotz der Schwächen bis zum Ende dranbleibt – und wahrscheinlich auch bei der bereits angekündigten Staffel 2 wieder einschaltet.
The Boroughs
Staffel 1, Netflix


Monster aus einer anderen Welt und ein Jungbrunnen, der ewiges Leben verspricht: «The Boroughs» erinnert gleichzeitig an Ron Howards Film «Cocoon» und an «Stranger Things». Kein Zufall: Die Duffer Brothers, Schöpfer von «Stranger Things», produzieren auch diese Serie.
Schauplatz ist eine komfortable Alterssiedlung in New Mexico mit Bungalows, Golfplatz, Restaurants und eigener Klinik. Neu zieht dort Sam ein – widerwillig. Es war der Wunsch seiner verstorbenen Frau, den Lebensabend hier zu verbringen.
Die freundliche Begrüssung der Nachbarn lässt ihn kalt. Erst eine verstörende Beobachtung verändert alles: Eines Nachts beobachtet Sam ein Monster, das seine Tentakel in den Mund eines schlafenden Nachbarn steckt.
Gemeinsam mit seinen Nachbar:innen beginnt er zu ermitteln. Das sind Judy, eine ehemalige Journalistin, ihr kiffender Hippie-Ehemann Art, der todkranke Ex-Arzt Wally und die frühere Musikmanagerin Renee. Nach und nach erkennen die Oldie-Detektive, dass hinter den Boroughs ein düsteres Geheimnis steckt, bei dem sicher nicht das Wohl der Senior:innen im Vordergrund steht.
Neben den Monstern stehen andere Dämonen im Zentrum: Einsamkeit, Trauer, Geringschätzung und die Angst vor dem Tod. Dank der starken Besetzung entwickelt die Serie dabei einen überraschend berührenden Unterton – auch wenn die Figuren oft deutlich zu vital wirken, als dass der Sensemann schon um die Ecke warten würde.
In Kürze


The Four Seasons (Staffel 2, Netflix)
Zwei Paare und was von einer dritten Ehe übrig blieb, verbringen erneut gemeinsam Ferien. Einmal zu jeder Jahreszeit treffen sie sich und verhandeln ihre Beziehungs- und Midlife-Crisis-Probleme. Zu Beginn kriselt es am meisten zwischen Anne und Ginny, die beide um Nick trauern, aber als Ex-Frau und schwangere Geliebte sich nicht gegenseitig unterstützen können. Kate und Jack suchen neue Wege, um ihre Ehe wieder aufregender zu gestalten, während Danny und Claude sich die Frage stellen, ob sie noch jung genug sind, um Eltern zu werden. Auch wenn die Probleme neu sind, die verhandelt werden, fühlt sich vieles vertraut an. Den Charme und Witz der ersten Staffel erreicht die Serie deshalb nicht mehr ganz.


Achtsam morden (Staffel 2, Netflix)
Björn Diemel wollte seine Work-Life-Balance mit Achtsamkeitstherapie in den Griff bekommen. Einige Probleme hat er tatsächlich – und höchst illegal – gelöst, sich dabei aber neue eingehandelt. Neben seinem Job als Strafverteidiger leitet er nun eine Kita und steht an der Spitze zweier krimineller Clans. Das stresst. Zum Glück weiss sein Therapeut erneut Abhilfe. Björn muss sich mit seinem inneren – nein, nicht Schweinehund, sondern Kind versöhnen. Erneut funktioniert das sehr gut. Das innere Kind liefert ihm wertvolle Tipps, wie er die Polizei auf Abstand hält und einen Erpresser ausschaltet. Björns kriminelle Karriere nimmt weiter Fahrt auf – direkt in Richtung dritte Staffel.


Will Trent (Staffel 4, Disney+)
«Will Trent» ist kein spezieller Krimi. Die Serie bietet solides Handwerk mit leicht ausgefallenen Figuren, die einem mit der Zeit sogar etwas ans Herz wachsen. Deshalb habe ich alle vier Staffeln geschaut, obwohl weder die Fälle der einzelnen Episoden noch der staffelübergreifende Plot besonders ausgefallen oder aufregend sind. Aber «Will Trent» hat eine Qualität, die ich schätze: Man kann sich zwischendurch eine oder zwei Episoden zu Gemüte führen, wenn man gerade keine Lust hat, in eine neue Serie einzusteigen. Dafür ist «Will Trent» bestens geeignet und deshalb bleibe ich der Serie auch in Zukunft treu.
Auf der Watchlist

Spider-Noir (Staffel 1, Prime Video)

Your Friends & Neighbors (Staffel 2, Apple TV)

Dutton Ranch (Staffel 1, Paramount+)
Serien-Top-Ten
| 1️⃣ | ![]() | Daredevil: Born Again (Staffel 2) Superheldenaction Disney+ |
| 2️⃣ | ![]() | Kastanjemanden (Staffel 2) Krimithriller, Netflix |
| 3️⃣ | ![]() | Achtsam morden (Staffel 2) Krimikomödie, Netflix |
| 4️⃣ | ![]() | For All Mankind (Staffel 5) Sci-Fi-Drama, Apple TV |
| 5️⃣ | ![]() | The Boroughs Mysterydrama, Netflix |
| 6️⃣ | ![]() | The Boys (Staffel 5) Superheldensatire, Prime Video |
| 7️⃣ | ![]() | Legends Thriller, Netflix |
| 8️⃣ | ![]() | High Potential (Staffel 2) Krimi, Disney+ |
| 9️⃣ | ![]() | Good Omens (Staffel 3) Fantasykomödie, Prime Video |
| 🔟 | ![]() | DTF St. Louis Drama, HBO Max |
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