The Pitt
Staffel 1&2, HBO Max


Wer hätte gedacht, dass es gelingt, das Genre der Krankenhausserie aus dem Koma zu holen. Was in den letzten Jahren über den Bildschirm flimmerte, könnte man – mit wenigen Ausnahmen – als hirntot bezeichnen. Es bewegt sich zwar etwas, aber es ist völlig seelenlos.
«The Pitt» knüpft dort an, wo «ER», vor 17 Jahren aufhörte. Zum einen mit Noah Wyle, der in «ER» einen angehenden Arzt spielte und jetzt als Dr. Michael «Robby» Robinavitch die Notaufnahme eines Krankenhauses in Pittsburgh leitet.
Vor allem aber orientiert sich «The Pitt» am Erfolgsrezept von «ER»: die rasante Erzählweise, die hektische Kameraführung, episodenübergreifende Handlungsstränge, die Einbindung von politisch-gesellschaftlichen Themen und Authentizität.
«The Pitt» fesselt von der ersten Minute an. Jede Episode wird (fast) in Echtzeit erzählt. Der Arbeitstag auf der Notaufnahme für Robby, seine Ärzt:innen, ein paar Medizinstudierende und das Pflegepersonal dauert 15 Stunden. Da zeigt sich nicht nur, was alles mit dem menschlichen Körper schiefgehen kann. Auch zwischenmenschlich brodelt es.
Wer «The Pitt» einschaltet, wird Mühe haben, wieder abzuschalten. Die Serie entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Warum niemand früher auf die Idee kam, wieder eine Krankenhausserie im Muster von «ER» zu produzieren, bleibt ein Rätsel. Denn «The Pitt» beweist, dass das heute noch bestens funktioniert.
Stenbeck
Mini-Serie, Sky Show/ZDF


Jan Stenbeck? Nie gehört. Dabei ist der schwedische Geschäftsmann mit der schweizerischen Mediengeschichte verknüpft. 1995 gründete er in Stockholm die erste Pendlerzeitung «Metro». Fünf Jahre später erschien sie als «Metropol» in der Schweiz.
In Schweden machte sich Jan Stenbeck einen Namen, nicht nur als Unternehmer, sondern auch durch den erbitterten Streit um das Familienimperium mit seinen Schwestern. «Stenbeck» schildert diesen Erbstreit und seinen Aufstieg zum Medienpionier und Erzfeind der staatlichen Monopolbetriebe.
«Stenbeck» zeichnet einen Visionär, der technologischen Fortschritt bringt, aber auch einen jähzornigen Egoisten, dem einzig Erfolg wichtig ist. Mitarbeiter:innen sind ihm egal. Gefühle zeigt er nur für seine Frau und Kinder.
Die Serie bleibt in der Charakterzeichnung oberflächlich. Jan Stenbeck bleibt dem Zuschauer fern, obwohl er eine schillernde Figur war. Auch die anderen Charaktere wie seine Schwestern oder seine Wegbegleiter bleiben blass.
In der Serie hinterlassen daher weder der Mensch Jan Stenbeck noch seine Leistungen einen bleibenden Eindruck. Der Reiz, in die Anfänge technologischer und medialer Umwälzungen zu blicken, verpufft schnell. Schneller als «Metropol» aus der Schweizer Medienlandschaft verschwand. Nach nur zwei Jahren stellte das Blatt 2002 sein Erscheinen ein.
Kacken an der Havel
Staffel 1, Netflix


Eine Serie über einen Möchtegern-Rapper, in der eine Ente namens Tupac die Erzählerin mimt, und «Kacken an der Havel» heisst. Das kann nur in die Hose gehen, oder? Weit gefehlt!
Die Komödie der Brüder Dimitrji und Alex Schaad setzt nicht, wie der Titel vermuten liesse, auf Schenkelklopferwitze oder Fäkalhumor. Stattdessen lebt sie von verrückten Figuren, überdrehten Plots und absurden Dialogen. Dieser Mix macht wirklich Spass.
«Kacken an der Havel» beschreibt keine Tätigkeit, sondern einen fiktiven Ort in Brandenburg. Hier ist Toni aufgewachsen und bei erstbester Gelegenheit abgehauen, um in Berlin Rap-Star zu werden. Daraus wurde nichts. Toni arbeitet als Pizzabäcker, Rappen blieb ein Hobby.
16 Jahre später kehrt er zurück, um seine Mutter zu beerdigen. Sie war beim Retten einer Ente vom Baum gefallen und von einem Blitz erschlagen worden. Die Rückkehr nach Kacken stellt seine Welt auf den Kopf. Er ist plötzlich Vater, muss sich mit seiner Familie rumschlagen und erhält ein Angebot für einen Plattenvertrag.
Die Gebrüder Schaad haben ein buntes Panoptikum mit einer Unmenge an schrägen Geschichten und noch schrägeren Figuren geschaffen. Das erinnert manchmal an Wes Anderson, aber auch an Monty Python. Ihre Serie erweist sich als gelungenes Alchemistenexperiment: Aus Kacke(n) haben sie (Komödien-)Gold gemacht.
Auf der Watchlist

The Madison (Staffel 1, Paramount+)

Jo Nesbøs Detective Hole
(Staffel 1, Netflix)

Nautilus (Staffel 1, ZDF (VPN))
Serien-Top-Ten
| 1️⃣ | ![]() | The Pitt (Staffel 1&2) Krankenhausdrama, HBO Max |
| 2️⃣ | ![]() | A Knight of the Seven Kingdoms Ritterdrama, HBO Max |
| 3️⃣ | ![]() | The Night Manager (Staffel 2) Spionagethriller, Prime Video |
| 4️⃣ | ![]() | Kacken an der Havel Komödie, Netflix |
| 5️⃣ | ![]() | Unfamiliar Thriller/Drama, Netflix |
| 6️⃣ | ![]() | The Night Agent (Staffel 3) Actionthriller, Netflix |
| 7️⃣ | ![]() | The Artful Dodger Historienromanze/ Komödie, Disney+ |
| 8️⃣ | ![]() | How to Get to Heaven From Belfast Mysterykomödie, Netflix |
| 9️⃣ | ![]() | The Lincoln Lawyer (Staffel 4) Krimi/Gerichtsdrama, Netflix |
| 🔟 | ![]() | La Linea della Palma Thriller, Play Suisse |
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