Lucky
Staffel 1, Apple TV


Lucky und ihr Mann Cary haben den grossen Coup gelandet. In ihrem Hotelzimmer in Las Vegas liegt eine Tasche mit zehn Millionen Dollar. Das Geld haben sie allerdings nicht im Casino gewonnen, sondern geklaut.
Eine Nacht lang feiern sie ausgelassen ihren Reichtum, bevor sie am Morgen auf Nimmerwiedersehen verschwinden wollen. Doch als Lucky aufwacht, sind Cary und das Geld weg.
Für Wut oder Trauer bleibt ihr keine Zeit. Das FBI unter der Leitung von Agentin Billie Rand stürmt bereits das Hotel. Lucky gelingt eine waghalsige Flucht, nur um kurz darauf in die Fänge der Gangster zu geraten, denen sie das Geld geklaut hat. Die Anführerin der Bande? Ihre Schwiegermutter Priscilla.
Erneut gelingt Lucky die Flucht, diesmal mit brutaleren Methoden. Sie entkommt blutverschmiert, ein Anblick, an den wir uns gewöhnen müssen. «Lucky» geizt nicht mit Action: Schlägereien, Schiessereien, turbulente Verfolgungsjagden.
Dazu kommt Luckys komplizierte Beziehung zu ihrem Vater John. Er war sein Leben lang ein «con man», kein «con artist», wie er selbst zugibt. Dafür fehlt ihm die Cleverness. Von klein auf spannte er Lucky in seine Betrügereien ein. Eine andere Ausbildung hat sie nie bekommen.
Jetzt sitzt John im Gefängnis, nachdem Lucky ihn und Priscilla ans FBI verraten hat. Da sind also einige Rechnungen offen. Doch obwohl die Serie nur sieben Episoden umfasst, zieht sich die Handlung in die Länge und wiederholt sich oft. Immerhin unterhält das Finale wieder gut mit Action und einem cleveren Twist.
Recalé
Staffel 1, Netflix


François Uzan, Autor und Regisseur von «Recalé», hat mit der Politkomödie «En place» und als Drehbuchautor von «Lupin» bereits bewiesen, dass er Serien mit ungewöhnlichen Helden und überraschenden Wendungen schreiben kann.
Diesmal dreht sich alles um einen mathematisch begabten Trickbetrüger. Die Polizistin Lucie stellt Eddy vor die Wahl: sieben Jahre Gefängnis oder drei Wochen als Lehrer undercover an einem Gymnasium.
Er soll herausfinden, wer unter den Schüler:innen der Sohn oder die Tochter eines russischen Mafioso ist. Für Eddy eine klare Sache: Lieber in den Knast als nochmal in die Schule.
Natürlich landet er trotzdem am Charles-Baudelaire-Gymnasium. Dort begegnet er seiner Jugendliebe Tiphaine, die inzwischen Rektorin und damit seine Vorgesetzte ist. Ihre gemeinsame Vergangenheit – alles andere als harmonisch – sorgt für zusätzlichen Zündstoff. Und das ist nur eine von vielen Hürden, die seinen Auftrag erschweren.
Ein unqualifizierter Lehrer, der eine Klasse widerspenstiger Teenager bändigen muss – das Setting erinnert sofort an die deutsche Erfolgskomödie «Fack ju Göthe».
Allerdings verpasst es «Recalé», diesen Konflikt für die Komödie zu nutzen. Stattdessen versucht die Serie im Lehrerzimmer mit superwoken, abgelöschten, esoterischen oder rechtsnationalen Lehrpersonen einige Lacher zu erzeugen. Das gelingt nur teilweise.
Deshalb schafft es «Recalé» nicht übers Mittelmass hinaus und bekommt zudem eine Note Abzug für einen einfallslosen Cliffhanger.
My Brilliant Career
Staffel 1, Netflix


Sybylla macht von Beginn an klar: Männer interessieren sie nicht, heiraten will sie schon gar nicht. Genau deshalb schicken ihre Eltern sie aber zur Grossmutter. Aufgewachsen auf einer Farm, soll sie auf deren herrschaftlichem Anwesen Manieren lernen – und einen Ehemann finden.
Doch sie hat andere Pläne. Sie will schreiben. Und wenn sich Sybylla etwas vorgenommen hat, lässt sie so schnell nicht locker. Denn sie ist eigensinnig bis zur Sturheit.
Als junge Frau um 1900 in Australien hat sie allerdings nicht die besten Karten, ihr Leben selber zu bestimmen. Unterstützung erhält sie dabei nur von der exzentrischen Nachbarin Augusta, einer Frauenrechtlerin.
«My Brilliant Career» erzählt von der Selbstermächtigung einer jungen Frau und ihrem Kampf um ein unabhängiges Leben. Ganz ohne Männergeschichten kommt die Serie allerdings nicht aus. Den ersten Bewerber lässt Sybylla noch abblitzen. Bei Harry Beecham, Augustas Neffen, wird sie schwach. Dumm nur, dass er praktisch verlobt ist.
Damit kippt die Serie in die Welt der «Bridgerton»-Romanzen. Doch sie ist dank ihrer eigensinnigen Hauptfigur weniger kitschig und vorhersehbar. Die Spielfreude der Hauptdarstellerin passt perfekt zu Sybylla.
Erstaunlich ist zudem, dass Miles Franklin erst 16 Jahre alt war, als sie 1901 die Geschichte dieser unkonventionellen Frauenfigur schrieb. Franklin vermeidet viele Klischees, die «Bridgerton» zuhauf bietet. Davon könnte sich Produzentin Shonda Rhimes eine dicke Scheibe abschneiden.
In Kürze


House of the Dragon (Staffel 3, HBO Max/Sky Show)
Meine Königin Rhaenyra, es fällt mir schwer es auszusprechen, doch die Stunde ist gekommen, an der sich unsere Wege trennen. Ich stand Euch lange Zeit treu zur Seite, als Ihr furchtlos gegen die hinterhältigen Hightowers, den Thronräuber Aegon und dessen blutrünstigen Bruder Aemond gekämpft habt. Dabei nahm ich hin, dass Eure mächtigsten Kämpfer, die Drachen, oft langatmigen Plots weichen mussten. Nun erobert Ihr zwar endlich den Eisernen Thron. Doch es offenbart sich endgültig, dass Eure Geschichte nur ein blasser Schatten dessen ist, was noch kommen wird. Es fehlt Euch zur sehr die Strahlkraft einer Daenerys Targaryen, Eurem Umfeld ein Held wie Jon Snow und Euren Gegnern ein Schalk wie Tyrion Lannister, als dass ich bei Eurem vorbestimmten Niedergang zuschauen möchte.


Matlock (Staffel 2, Sky Show)
Madleine «Matty» Kingston, die unter dem falschen Namen Matlock in einer Anwaltskanzlei arbeitet, sucht immer noch nach Beweisen, dass der oberste Boss der Kanzlei eine Studie zur Gefährlichkeit von Opioiden verschwinden liess. An ihrer Seite steht die Anwältin Olympia, ehemalige Schwiegertochter des Chefs. Daneben vertreten die beiden mit einem Team Klient:innen vor Gericht. Die Mischung von Gerichtsfällen und Mattys Mission funktioniert wiederum gut. Allerdings schlägt der Hauptplot mehr Haken als eine Hase auf der Flucht, um den Bogen über die ganzen 16 Episoden zu ziehen. Das wirkt auf die Dauer ermüdend. Einige Nebenfiguren und ihre Geschichten sorgen für etwas Ablenkung. «Matlock» bleibt unterhaltsam, hat aber von seinem Glanz eingebüsst.


Rivals (Staffel 2, Disney+)
Eigentlich ist es zu früh, die zweite Staffel von «Rivals» zu besprechen. Disney splittet die Staffel in zwei Teile, sechs Episoden jetzt, sechs folgen erst im November. Das verärgert die Fans. Denn die Affären, Liebschaften, zerbröckelnden Ehen sind erneut unglaublich amüsant. Man bekommt nicht genug von den unglücklichen Romanzen, einer zarten ersten Liebe, triebgesteuerten Seitensprüngen und schwülstigen Bettszenen. Dass das Ganze nicht ins Peinliche abrutscht, liegt am satirischen Unterton – und an David Tennant. Er brilliert wieder in seiner Rolle als machtbesessener Bösewicht mit der dicken Zigarre im Mund. Doch dieses Mal vergeht ihm sein fieses Lächeln, als Unheil seine Familie heimsucht. Ich kann es kaum erwarten, bis es November wird mit kühleren Temperaturen, dafür heizt «Rivals» ein mit Intrigen und lustvollem Sex.
Auf der Watchlist

Blodsoffer/Blutopfer (Staffel 1, Netflix)

Silo (Staffel 3, Apple TV)

Star Trek: Strange New Worlds (Staffel 4, Paramount+)
Serien-Top-Ten
| 1️⃣ | ![]() | Ride or Die Actionkomödie, Prime Video |
| 2️⃣ | ![]() | Rivals (Staffel 2) Drama/Satire, Disney+ |
| 3️⃣ | ![]() | Star City Sci-Fi-Drama, Apple TV |
| 4️⃣ | ![]() | The Bombing of Pan Am 103 Dokudrama, Netflix |
| 5️⃣ | ![]() | Sugar (Staffel 2) Mysterykrimi, Apple TV |
| 6️⃣ | ![]() | A Spy Among Friends Spionagethriller, Sky Show |
| 7️⃣ | ![]() | Maximum Pleasure Guaranteed Mysterykomödie, Apple TV |
| 8️⃣ | ![]() | Dutton Ranch Western, Paramount+ |
| 9️⃣ | ![]() | The Bear (Staffel 5) Dramedy, Disney+ |
| 🔟 | ![]() | The Hack True-Crime, arte |
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Das kann leider noch dauern. SRF hat die erste Staffel über ein Jahr nach der Ausstrahlung auf Disney+ gezeigt. Kann…