Ride or Die
Staffel 1, Prime Video


Judith Butler ist nicht zum Vergnügen in den österreichischen Alpen. Sie soll einen Mann namens Oleg töten. Doch statt ihn mit dem Scharfschützengewehr zu erschiessen, mischt sie sich unter die Après-Ski-Gäste und ersticht ihn. Es folgt eine spektakuläre Verfolgungsjagd auf Skiern, die nicht zufällig an die Eröffnungssequenz des Bond-Klassikers «The Spy Who Loved Me» erinnert.
Hannah Waddingham zeigt von Beginn an, dass sie Action beherrscht. Doch «Ride or Die» ist auch eine Serie über beste Freundinnen. Judith ist seit 20 Jahren eng mit Debbie befreundet, die nichts von ihrem Doppelleben als Auftragskillerin einer privaten Geheimorganisation weiss.
Als Debbies Ehemann einen albanischen Mafiaboss betrügt, gerät auch Debbie ins Visier der Gangster. Judith muss ihre Tarnung aufgeben und Debbie auf einer Flucht quer durch Europa beschützen. Dabei wird auch Judith von einem rachsüchtigen Schatten aus ihrer Vergangenheit verfolgt.
«Ride or Die» lebt von der Dynamik zwischen Hannah Waddingham und Octavia Spencer. Daneben verblassen alle anderen Figuren, auch wenn etwa Bill Nighy als britisch-unterkühlter Chef der Geheimorganisation durchaus amüsiert.
Waddingham und Spencer beweisen: Humorvolle Buddy-Action funktioniert perfekt mit Frauen. Besonders, wenn es sich um «W.O.A.C.A.» handelt, wie Judith despektierlich bezeichnet wird: als «woman of a certain age». Von diesen beiden Frauen «im gewissen Alter» sehen wir gerne mehr.
Maximum Pleasure Guaranteed
Staffel 1, Apple TV


Paula ist frisch geschieden und streitet mit ihrem Ex-Mann um das Sorgerecht für ihre Tochter Hazel. Zwischen Kinderbetreuung, Job als Factcheckerin, Umzug und ihrem Engagement als Coach der Soccer-Mannschaft ihrer Tochter sucht sie Ablenkung bei einem «Camboy».
Doch aus dem harmlosen Online-Flirt wird ein Albtraum: Paula wird Zeugin eines Überfalls, Opfer von Erpressung und zur Hauptverdächtigen in zwei Mordfällen. Während die Polizei gegen sie ermittelt, versucht sie mit Hilfe ihrer Arbeitskolleg:innen, den wahren Täter zu finden.
«Maximum Pleasure Guaranteed» trägt bei der Handlung zwar ordentlich dick auf, nimmt sich dabei aber nie ganz ernst. Die Serie verbindet Thriller, Komödie und Krimi mit viel Tempo und Gespür für absurden Humor. Selbst in den spannendsten Momenten blitzt immer wieder Selbstironie auf.
Tatiana Maslany ist das Highlight der Serie. Wie schon in «Orphan Black» beweist sie ihre Wandlungsfähigkeit und wechselt mühelos zwischen überforderter Mutter, einfallsreicher Ermittlerin und sympathisch-chaotischer Heldin.
Auch der restliche Cast überzeugt: Dolly De Leon als stoische Polizistin, Murray Bartlett als überforderter Killer sowie das zerstreute Helferduo Geri und Rudy sorgen für abwechslungsreiche Momente.
Die zehn Episoden vergehen wie im Flug und machen «Maximum Pleasure Guaranteed» zu einer ausgesprochen kurzweiligen Binge-Serie. Die Geschichte findet einen runden Abschluss, lässt aber genug Raum für eine mögliche zweite Staffel.
Star City
Staffel 1, Apple TV


Die Amerikaner haben das Rennen zum Mond gegen die Russen verloren. Das zeigte bereits «For All Mankind». Das Spin-off «Star City» spielt hinter dem Eisernen Vorhang und erzählt die alternative Geschichte der Raumfahrt aus sowjetischer Sicht.
Statt Pioniergeist prägen Misstrauen, Bespitzelung und Gewalt den Alltag in Star City, wo Kosmonaut:innen leben und ausgebildet werden. Die Handlung setzt mit der ersten bemannten Mondlandung der Sowjetunion ein und führt zu Verrat, Folter und politischen Intrigen.
Ein Chefkonstrukteur, dessen Identität geheim gehalten wird, träumt von der Erforschung des Weltraums, während Partei und KGB ihre Macht mit brutaler Konsequenz durchsetzen. Parallel verfolgt die Serie weitere Erzählstränge über die erste Frau auf dem Mond, einen Spion in amerikanischen Diensten und eine Abhöragentin, deren Loyalität auf die Probe gestellt wird.
«Star City» zeigt eine Gesellschaft, in der Angst der treibende Faktor ist und der Staat keine Fehler eingesteht. Besonders die KGB-Offizierin Raskowa, hervorragend gespielt von Anna Maxwell Martin, verkörpert diese Logik mit eisiger Kälte und gehört zu den eindrucksvollsten Figuren der Serie.
«Star City» ist ein gelungenes Spin-off. Die Serie entwickelt eine eigene Identität mit bedrückender, klaustrophobischer Atmosphäre und wirkt noch intensiver als die Ursprungsserie. Die visuelle Gestaltung in Grau- und Brauntönen unterstreicht diese Stimmung, wirkt jedoch klischeehaft. Das bleibt der einzige Kritikpunkt an einer faszinierenden Serie.
In Kürze


Rivals (Staffel 2, Disney+)
Eigentlich ist es zu früh, die zweite Staffel von «Rivals» zu besprechen. Disney splittet die Staffel in zwei Teile, sechs Episoden jetzt, sechs folgen erst im November. Das verärgert die Fans. Denn die Affären, Liebschaften, zerbröckelnden Ehen sind erneut unglaublich amüsant. Man bekommt nicht genug von den unglücklichen Romanzen, einer zarten ersten Liebe, triebgesteuerten Seitensprüngen und schwülstigen Bettszenen. Dass das Ganze nicht ins Peinliche abrutscht, liegt am satirischen Unterton – und an David Tennant. Er brilliert wieder in seiner Rolle als machtbesessener Bösewicht mit der dicken Zigarre im Mund. Doch dieses Mal vergeht ihm sein fieses Lächeln, als Unheil seine Familie heimsucht. Ich kann es kaum erwarten, bis es November wird mit kühleren Temperaturen, dafür heizt «Rivals» ein mit Intrigen und lustvollem Sex.


Criminal Record (Staffel 2, Apple TV)
Die Wege von DI June Lenker (Cush Jumbo) und DCI Dan Hegarty (Peter Capaldi) kreuzen sich erneut. Bei einer Kundgebung von Muslimen wird ein Jugendlicher von einem Vermummten getötet, der zu einer Gruppe von rassistischen Nationalisten gehört. Als Lenker und Hegarty ein Mitglied der Gruppe identifizieren, beginnen sie, gemeinsam zu ermitteln, allerdings mit unterschiedlichen Zielen. Lenker will den Mörder fassen, Hegarty die Gruppe infiltrieren, die mutmasslich Bombenanschläge plant. Wie schon zuvor ist die Zusammenarbeit geprägt von Misstrauen. Zurecht: Hegarty weiht seine Partnerin nicht in alle Details seiner Pläne ein. Spannender Krimi mit einem genial widerlichen Dustin Demri-Burns als Gegenspieler von Lenker und Hegarty.


The Four Seasons (Staffel 2, Netflix)
Zwei Paare und was von einer dritten Ehe übrig blieb, verbringen erneut gemeinsam Ferien. Einmal zu jeder Jahreszeit treffen sie sich und verhandeln ihre Beziehungs- und Midlife-Crisis-Probleme. Zu Beginn kriselt es am meisten zwischen Anne und Ginny, die beide um Nick trauern, aber als Ex-Frau und schwangere Geliebte sich nicht gegenseitig unterstützen können. Kate und Jack suchen neue Wege, um ihre Ehe wieder aufregender zu gestalten, während Danny und Claude sich die Frage stellen, ob sie noch jung genug sind, um Eltern zu werden. Auch wenn die Probleme neu sind, die verhandelt werden, fühlt sich vieles vertraut an. Den Charme und Witz der ersten Staffel erreicht die Serie deshalb nicht mehr ganz.
Auf der Watchlist

Matlock (Staffel 2, Sky Show)

Sugar (Staffel 2, Apple TV)

House of the Dragon (Staffel 3, HBO Max)
Serien-Top-Ten
| 1️⃣ | ![]() | Ride or Die Actionkomödie Prime Video |
| 2️⃣ | ![]() | Rivals (Staffel 2) Drama/Satire, Disney+ |
| 3️⃣ | ![]() | Star City Sci-Fi-Drama, Apple TV |
| 4️⃣ | ![]() | Spider-Noir Retro-Superhelden- Krimi, Prime Video |
| 5️⃣ | ![]() | Maximum Pleasure Guaranteed Mysterykomödie, Apple TV |
| 6️⃣ | ![]() | Dutton Ranch Western, Paramount+ |
| 7️⃣ | ![]() | The Bear (Staffel 5) Dramedy, Disney+ |
| 8️⃣ | ![]() | The Hack True-Crime, arte |
| 9️⃣ | ![]() | Widow’s Bay Horrorkomödie, Apple TV |
| 🔟 | ![]() | Your Friends & Neighbors (Staffel 2) Krimi/Satire, Apple TV |
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Die Macher:innen haben sich in die Finger geschnitten… Trotz Cliffhanger gibt es keine zweite Staffel von «Ponies».