Alice and Steve
Staffel 1, Disney+


Alice und Steve sind seit Jahrzehnten sehr eng befreundet. Vor 30 Jahren war da mal was zwischen ihnen, aber das ist Vergangenheit. Heute ist Alice zum zweiten Mal verheiratet und hat zwei Kinder. Steve ist geschieden und kinderlos. Ihre Freundschaft bleibt für beide das Wichtigste.
Die Dynamik kippt, als Steve nach einer Partynacht bei Alice übernachtet und dort mit ihrer Tochter Izzy schläft. Am nächsten Morgen schwören sie sich, dass das nie wieder passieren darf. Doch dann merken sie, dass sie echte Gefühle füreinander empfinden – und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.
Alice rastet aus, bis sie sich vermeintlich einsichtig zeigt. Sie lädt zum versöhnlichen Abendessen, nur um Steve vor Izzys Freund:innen zu demütigen. Er kann sich gerade noch retten, verrät allerdings ein Geheimnis aus seiner Arbeit mit Promis. Das nutzt Alice, um seinen Ruf zu zerstören. Jetzt eskaliert der Konflikt.
Die Serie pendelt zwischen aggressiver Konfrontation und halbherzigen Versöhnungen, ohne je klare emotionale Konsequenz zu entwickeln. Der zentrale Konflikt wirkt konstruiert, die Figuren handeln zunehmend egoistisch und wenig glaubwürdig. Auch der Humor zündet kaum. Die Komik bleibt eher bemüht als pointiert.
Insgesamt enttäuscht die Serie: Trotz starker Besetzung bleibt sie dramaturgisch schwach, tonal unausgeglichen und verfehlt sowohl emotionale Tiefe als auch komödiantische Wirkung. Wer Nicola Walker mag – wie ich – ist wohl mit der Serie «The Split» auf arte besser bedient.
The Hack
Mini-Serie, arte


Die britischen Boulevardmedien geniessen seit jeher einen zweifelhaften Ruf. Kein Wunder also, dass einer der grössten Medienskandale genau hier passierte.
Journalist:innen der «News of the World», Teil von Rupert Murdochs Medienimperium, hörten über Jahre hinweg illegal Voicemails ab und bestachen indirekt Polizist:innen. Die Doku-Fiction «The Hack» erzählt diese wahre Geschichte spannend und unterhaltsam – wenn auch mit etwas zu viel Pathos.
David Tennant spielt «Guardian»-Reporter Nick Davies, der den Skandal aufdeckte. Was 2005 mit dem Abhören der Voicemails von Angehörigen der königlichen Familie als vermeintlicher Einzelfall begann, entpuppte sich als systematische Praxis mit Hunderten, wenn nicht Tausenden Opfern. Lange blieb die Resonanz auf die Enthüllungen des «Guardian» aber aus. Erst als bekannt wurde, dass das Telefon einer entführten und später ermordeten Jugendlichen gehackt worden war, kippte die öffentliche Stimmung.
«The Hack» singt das Hohelied des unabhängigen Journalismus bisweilen etwas zu laut. Das macht die Serie jedoch wett, indem sie die Skrupellosigkeit der «News of the World» schonungslos offenlegt. Frustrierend bleibt, dass die mächtigsten Verantwortlichen, allen voran Rupert Murdoch und sein Sohn James. weitgehend ungeschoren davonkamen. Konsequenzen tragen musste einzig Andy Coulson. Der Ex-Chefredaktor musste als Pressesprecher von Premierminister David Cameron zurücktreten und wurde später zu 18 Monaten Haft verurteilt.
Widow’s Bay
Staffel 1, Apple TV


Horror-Fans werden ihren Spass an dieser Serie haben. Vielleicht weniger wegen der Handlung als wegen der vielen Referenzen auf Klassiker des Genres. Zudem verbindet «Widow’s Bay» Horror mit viel skurrilem Humor.
Bürgermeister Tom Loftis will eine kleine Insel vor der Küste Neuenglands in ein Ferienparadies à la Martha’s Vineyard verwandeln. Unterstützt wird er von seiner charmant unbeholfenen Assistentin Patricia, einer betagten, vergesslichen Sekretärin und einer Dauer-Nörglerin.
Doch ein Fluch lastet auf der Insel. Während der Fischer Wyck vor diesen dunklen Mächten warnt, holt Tom einen Journalisten der «New York Times» auf die Insel. Dessen Artikel lockt tatsächlich Tourist:innen an – und die Katastrophen nehmen ihren Lauf.
Jetzt greift «Widow’s Bay» tief in die Horrorkiste. Wie in «Jaws» muss Tom entscheiden, ob er die Gefahr verschweigt, um den Tourismus zu retten. Wyck erinnert an den Haijäger Quint aus «Jaws», Patricia an Shelley Duvall aus «The Shining». Dazu kommen Anspielungen auf «Carrie», «It», «Halloween», «The Fog», «The Ring», «The Wicker Man» und «Scream». Mit etwas Fantasie lassen sich auch «Twin Peaks» und «Lost» erkennen.
So entsteht ein unterhaltsames Mosaik aus 50 Jahren Filmgeschichte – vom Slasher über Folk- und Psycho- bis zum Arthouse-Horror. Trotz aller Hommagen erzählt die Serie ihre eigene Geschichte und überrascht zum Schluss mit einem cleveren Twist, der die Tür für eine zweite Staffel öffnet.
In Kürze


Criminal Record (Staffel 2, Apple TV)
Die Wege von DI June Lenker (Cush Jumbo) und DCI Dan Hegarty (Peter Capaldi) kreuzen sich erneut. Bei einer Kundgebung von Muslimen wird ein Jugendlicher von einem Vermummten getötet, der zu einer Gruppe von rassistischen Nationalisten gehört. Als Lenker und Hegarty ein Mitglied der Gruppe identifizieren, beginnen sie, gemeinsam zu ermitteln, allerdings mit unterschiedlichen Zielen. Lenker will den Mörder fassen, Hegarty die Gruppe infiltrieren, die mutmasslich Bombenanschläge plant. Wie schon zuvor ist die Zusammenarbeit geprägt von Misstrauen. Zurecht: Hegarty weiht seine Partnerin nicht in alle Details seiner Pläne ein. Spannender Krimi mit einem genial widerlichen Dustin Demri-Burns als Gegenspieler von Lenker und Hegarty.


The Four Seasons (Staffel 2, Netflix)
Zwei Paare und was von einer dritten Ehe übrig blieb, verbringen erneut gemeinsam Ferien. Einmal zu jeder Jahreszeit treffen sie sich und verhandeln ihre Beziehungs- und Midlife-Crisis-Probleme. Zu Beginn kriselt es am meisten zwischen Anne und Ginny, die beide um Nick trauern, aber als Ex-Frau und schwangere Geliebte sich nicht gegenseitig unterstützen können. Kate und Jack suchen neue Wege, um ihre Ehe wieder aufregender zu gestalten, während Danny und Claude sich die Frage stellen, ob sie noch jung genug sind, um Eltern zu werden. Auch wenn die Probleme neu sind, die verhandelt werden, fühlt sich vieles vertraut an. Den Charme und Witz der ersten Staffel erreicht die Serie deshalb nicht mehr ganz.


Achtsam morden (Staffel 2, Netflix)
Björn Diemel wollte seine Work-Life-Balance mit Achtsamkeitstherapie in den Griff bekommen. Einige Probleme hat er tatsächlich – und höchst illegal – gelöst, sich dabei aber neue eingehandelt. Neben seinem Job als Strafverteidiger leitet er nun eine Kita und steht an der Spitze zweier krimineller Clans. Das stresst. Zum Glück weiss sein Therapeut erneut Abhilfe. Björn muss sich mit seinem inneren – nein, nicht Schweinehund, sondern Kind versöhnen. Erneut funktioniert das sehr gut. Das innere Kind liefert ihm wertvolle Tipps, wie er die Polizei auf Abstand hält und einen Erpresser ausschaltet. Björns kriminelle Karriere nimmt weiter Fahrt auf – direkt in Richtung dritte Staffel.
Auf der Watchlist

Dutton Ranch (Staffel 1, Paramount+)

Star City (Staffel 1, Apple TV)

Rivals (Staffel 2, Disney+)
Serien-Top-Ten
| 1️⃣ | ![]() | Spider-Noir Retro-Superhelden- Krimi, Prime Video |
| 2️⃣ | ![]() | Daredevil: Born Again (Staffel 2) Superheldenaction, Disney+ |
| 3️⃣ | ![]() | The Hack True-Crime, arte |
| 4️⃣ | ![]() | Widow’s Bay Horrorkomödie, Apple TV |
| 5️⃣ | ![]() | Your Friends & Neighbors (Staffel 2) Krimi/Satire, Apple TV |
| 6️⃣ | ![]() | Criminal Record (Staffel 2) Krimi/Thriller, Apple TV |
| 7️⃣ | ![]() | Kastanjemanden (Staffel 2) Krimithriller, Netflix |
| 8️⃣ | ![]() | Achtsam morden (Staffel 2) Krimikomödie, Netflix |
| 9️⃣ | ![]() | For All Mankind (Staffel 5) Sci-Fi-Drama, Apple TV |
| 🔟 | ![]() | The Boroughs Mysterydrama, Netflix |
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Die Macher:innen haben sich in die Finger geschnitten… Trotz Cliffhanger gibt es keine zweite Staffel von «Ponies».