Furious
Staffel 1, Disney+


Ein Agent jagt besessen einen Serienmörder – das ist abgedroschen. Eine Agentin jagt eine Serienmörderin – das klingt frisch. Doch «Furious» belässt es nicht beim Geschlechtertausch. Der Thriller entwickelt eine Hintergrundgeschichte, die erst Unbehagen weckt, dann Entsetzen und Wut.
Catherine scheint eine klassische Psychopathin zu sein, die aus Vergnügen tötet. Ihre Gegenspielerin Alice Black, eine neue FBI-Agentin, wirkt zunächst ebenfalls wie eine stereotype Figur. Sie will sich im neuen Job beweisen. Da kommt der Mord am Sohn eines einflussreichen Geschäftsmanns gerade recht.
Nach und nach wird klar: Catherine steckt hinter mehreren Morden. Sie war als Jugendliche Teil eines Sexrings, in dem Männer junge Frauen ausbeuteten. Eine Freundin starb dabei. Jetzt will Catherine Rache.
Auch Alice wurde Opfer von Gewalt. Ihr ehemaliger Freund misshandelte sie regelmässig, während Kollegen und Vorgesetzte ihn deckten. «Furious» führt damit in ein moralisches Dilemma: Catherine mordet grausam, doch ihre Wut und ihr Rachefeldzug sind nachvollziehbar. Alice versteht ihre Beweggründe und will sie trotzdem fassen. Gleichzeitig versucht sie, den Mann zur Verantwortung zu ziehen, der über Jahrzehnte junge Frauen missbrauchte.
Die Serie greift dabei die Geschichte Jeffrey Epsteins auf. Sie nutzt sie jedoch nicht bloss als Empörungsvehikel, sondern beleuchtet die Komplexität sexueller Gewalt. Das und die hervorragenden Schauspieler:innen und die klischeefreien Dialoge machen «Furious» zu einer Serie, die dem Genre frischen Wind einhaucht.
GIGN/Elite Force
Staffel 1, Netflix


Einen Superlativ verdient «GIGN» («Elite Force»): Die Serie endet abrupt wie keine andere. Das passt zu ihrem unentschlossenen Stil, der nicht recht weiss, was er erzählen will.
«GIGN» schwankt zwischen dem actionreichen Alltag einer Eliteeinheit der französischen Polizei und dem komplizierten Privatleben der Hauptfigur David, das von Familie, Freundschaft, einer Affäre und Loyalität geprägt ist.
David kommandiert eine GIGN-Einheit. Zu Beginn beobachtet er Polizist:innen, die sich für die Antiterroreinheit bewerben. Sein besonderes Augenmerk gilt Max. Der besteht die Prüfung mit Bravour. Doch David will verhindern, dass er aufgenommen wird. Dahinter steckt eine persönliche Geschichte: Max’ Vater gehörte zur GIGN und kam im Dienst ums Leben. Max will in seine Fussstapfen treten. David, sein Götti, will das verhindern, weil Max’ Mutter nicht noch einen geliebten Menschen verlieren soll.
Genau hier liegt die Schwäche von «GIGN». Die persönlichen Dramen wirken klischeehaft und banal. Wie auch dieses: David wollte eigentlich den Dienst quittieren, um Frau und Tochter mehr Zeit zu widmen. Doch er stellt die Loyalität mit der GIGN über die Bedürfnisse seiner Familie.
Die Stärke der Serie liegt dagegen in den Einsätzen. Hier kommt Spannung auf und es ist Action drin. «GIGN» hätte besser funktioniert, wenn sich die Handlung auf die Abenteuer der Antiterroreinheit beschränken würde. Das hätte saubere, wenn auch unoriginelle Action geboten – ohne den misslungenen Versuch, den Figuren mit stereotypen Hintergrundgeschichten Tiefe zu verleihen.
Braunschlag 1986
Mini-Serie, HBO Max


Österreichische TV-Serien lieben das Skurrile – eine Tradition, die weit zurückreicht. Von 1976 bis 1984 produzierte der ORF die Krimiserie «Kottan ermittelt», die das Genre auf den Kopf stellte. Statt klassischer Krimi-Kost bot sie anarchische Satire. Skurrile Figuren, Wiener Schmäh, schwarzer Humor und die gnadenlose Demontage von Polizei und Obrigkeit machten sie zu einem eigenwilligen TV-Experiment.
In dieser Tradition steht auch «Braunschlag». 2012 rückte das fiktive Dorf im Waldviertel erstmals ins Rampenlicht. Der Ort stand vor der Pleite. Doch Bürgermeister Gerri Tschach und Discobetreiber Richard Pfeisinger hatten eine rettende Idee: Sie inszenierten ein Marienwunder. Bald strömten Hunderte Pilger:innen ins Dorf. Die geniale Idee endet allerdings im Chaos.
14 Jahre später knüpft «Braunschlag 1986» daran an. Gerri und Richard blieben als Einzige zurück, nachdem das Dorf wegen illegal gelagerter radioaktiver Abfälle evakuiert werden musste. Um Braunschlag neu zu beleben, erklären sie kurzerhand, dass im Dorf das Jahr 1986 geschrieben wird: ohne Internet, Handys, Flüchtlinge und Globalisierung. Die Mauer steht noch, Tschernobyl liegt in der Zukunft.
Die Nostalgie-Idee zieht neue Bewohner:innen an: Digital-Detox-Fans, völkische Nationalist:innen und einen Teenager-Milliardär. So schräg die Geschichten wieder sind, schwingt diesmal mehr Nachdenklichkeit mit. Die Vergangenheit liefert keine Antworten auf die Fragen von heute oder morgen. «Braunschlag 1986» ist dadurch bedrückender – ein Spiegel der Gegenwart. Unterhaltsam bleibt die Serie trotzdem.
In Kürze


House of the Dragon (Staffel 3, HBO Max/Sky Show)
Meine Königin Rhaenyra, es fällt mir schwer es auszusprechen, doch die Stunde ist gekommen, an der sich unsere Wege trennen. Ich stand Euch lange Zeit treu zur Seite, als Ihr furchtlos gegen die hinterhältigen Hightowers, den Thronräuber Aegon und dessen blutrünstigen Bruder Aemond gekämpft habt. Dabei nahm ich hin, dass Eure mächtigsten Kämpfer, die Drachen, oft langatmigen Plots weichen mussten. Nun erobert Ihr zwar endlich den Eisernen Thron. Doch es offenbart sich endgültig, dass Eure Geschichte nur ein blasser Schatten dessen ist, was noch kommen wird. Es fehlt Euch zur sehr die Strahlkraft einer Daenerys Targaryen, Eurem Umfeld ein Held wie Jon Snow und Euren Gegnern ein Schalk wie Tyrion Lannister, als dass ich bei Eurem vorbestimmten Niedergang zuschauen möchte.


Matlock (Staffel 2, Sky Show)
Madleine «Matty» Kingston, die unter dem falschen Namen Matlock in einer Anwaltskanzlei arbeitet, sucht immer noch nach Beweisen, dass der oberste Boss der Kanzlei eine Studie zur Gefährlichkeit von Opioiden verschwinden liess. An ihrer Seite steht die Anwältin Olympia, ehemalige Schwiegertochter des Chefs. Daneben vertreten die beiden mit einem Team Klient:innen vor Gericht. Die Mischung von Gerichtsfällen und Mattys Mission funktioniert wiederum gut. Allerdings schlägt der Hauptplot mehr Haken als eine Hase auf der Flucht, um den Bogen über die ganzen 16 Episoden zu ziehen. Das wirkt auf die Dauer ermüdend. Einige Nebenfiguren und ihre Geschichten sorgen für etwas Ablenkung. «Matlock» bleibt unterhaltsam, hat aber von seinem Glanz eingebüsst.


Rivals (Staffel 2, Disney+)
Eigentlich ist es zu früh, die zweite Staffel von «Rivals» zu besprechen. Disney splittet die Staffel in zwei Teile, sechs Episoden jetzt, sechs folgen erst im November. Das verärgert die Fans. Denn die Affären, Liebschaften, zerbröckelnden Ehen sind erneut unglaublich amüsant. Man bekommt nicht genug von den unglücklichen Romanzen, einer zarten ersten Liebe, triebgesteuerten Seitensprüngen und schwülstigen Bettszenen. Dass das Ganze nicht ins Peinliche abrutscht, liegt am satirischen Unterton – und an David Tennant. Er brilliert wieder in seiner Rolle als machtbesessener Bösewicht mit der dicken Zigarre im Mund. Doch dieses Mal vergeht ihm sein fieses Lächeln, als Unheil seine Familie heimsucht. Ich kann es kaum erwarten, bis es November wird mit kühleren Temperaturen, dafür heizt «Rivals» ein mit Intrigen und lustvollem Sex.
Auf der Watchlist

Silo (Staffel 3, Apple TV)

Babylon Berlin (Staffel 5, ARD)

Star Trek: Strange New Worlds (Staffel 4, Paramount+)
Serien-Top-Ten
| 1️⃣ | ![]() | Furious Thriller, Disney+ |
| 2️⃣ | ![]() | Ride or Die Actionkomödie, Prime Video |
| 3️⃣ | ![]() | Rivals (Staffel 2) Drama/Satire, Disney+ |
| 4️⃣ | ![]() | Star City Sci-Fi-Drama, Apple TV |
| 5️⃣ | ![]() | Braunschlag 1986 Komödie, HBO Max |
| 6️⃣ | ![]() | The Bombing of Pan Am 103 Dokudrama, Netflix |
| 7️⃣ | ![]() | Sugar (Staffel 2) Mysterykrimi, Apple TV |
| 8️⃣ | ![]() | A Spy Among Friends Spionagethriller, Sky Show |
| 9️⃣ | ![]() | Maximum Pleasure Guaranteed Mysterykomödie, Apple TV |
| 🔟 | ![]() | GIGN/Elite Force Action/Drama, Netflix |
Newsletter abonnieren

Alle zwei Wochen die neuesten Serien-Tipps als Newsletter in deinem Postfach.

























Das Aus für „Spider Noir“ nach nur einer Staffel. Die sehr spezielle Superhelden-Serie war wahrscheinlich zu wenig massentauglich. Schade.