Als den Australiern ein Premierminister abhanden kam

Australien ist ja in manchen Dingen ziemlich einzigartig: Von der Schönheit des Great Barrier Reef bis zu diesen drolligen, dauerzugedröhnten Baumbären, die dort leben. Australien ist aber auch eines der wenigen, wenn nicht das einzige Land, dem ein amtierender Regierungschef abhanden kam.

Harold Holt, 1964. Foto: Wikimedia/National Archives of Australia

Vor 45 Jahren, am 17. Dezember 1967, beschloss der damalige australische Premierminister Harold Holt, an seinem Lieblingsstrand Cheviot Beach in der Nähe der Stadt Portsea schwimmen zu gehen. Er war nicht alleine. Drei Freunde und zwei Leibwächter begleiteten Holt. Holt wurde gewarnt, dass der hohe Wellengang gefährlich sein könnte. Aber er liess sich nicht abhalten, ging ins Wasser, schwamm hinaus und ward nie mehr wieder gesehen. Seine Leiche wurde nie gefunden.

Von Haien gefressen?

Aber selbstverständlich glaubt eine so einfache Erklärung auch nur, wer davon überzeugt ist, die Amerikaner seien tatsächlich auf dem Mond gelandet. Die Wahrheit, wissen viele Australier, ist eine ganz andere. Nur welche, da sind sie sich nicht so einig. Einige erzählen, Holt habe eine Geliebte gehabt und seinen eigenen Tod nur vorgetäuscht, um mit ihr zu verschwinden. Andere sind davon überzeugt, dass Holt ermordet wurde, weil er sich gegen die Errichtung US-amerikanischer Militärbasen wehrte.

Das chinesische U-Boot

Am besten gefällt mir aber diese Geschichte: Holt sei auf offenem Meer an Bord eines chinesischen U-Boots geholt worden. Entweder freiwillig, weil er eigentlich als Spion für die Chinesen gearbeitet hatte. Oder er sei entführt worden als Strafe für das australische Engagement im Vietnamkrieg.

Die Geschichte des Premierministers, der dem Land abhanden kam, beschäftigt die Australier bis heute. Erst kürzlich sind zwei Fernsehfilme gedreht worden, die sich Holts Schicksal annahmen, mit verschiedenen Theorien. Vom Dokudrama «The Prime Minister Is Missing» (2008) ist nur ein Ausschnitt auf YouTube online.

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