The Good Fight (Staffel 5) – Covid, Cancel Culture und der Sturm aufs Kapitol

Läuft bei: Disney+ (5 Staffeln, 51 Episoden à 45 Min.) / Amazon (Staffeln 1-3)

Diane Lockhart gerät zunehmend unter Druck: Die mehrheitlich afroamerikanische Belegschaft will sie nicht mehr an der Spitze der Kanzlei. Das strapaziert Dianes Beziehung zu Liz Roddick, der zweiten noch verbliebene Chefin der Kanzlei, nachdem Adrian Boseman die Firma verlassen hat.

Auch mit ihrem Ehemann Kurt durchlebt Diane turbulente Zeiten, weil er mit Leuten in Kontakt stand, die am 6. Januar das Kapitol stürmten. Kurt kommt deshalb ins Visier des FBI.

Auf der juristischen Seite beschäftigt die Kanzlei – neben anderen Fällen – ein selbsternannter Richter. Hal Wackner (Mandy Patinkin – immer wieder schön, ihn zu sehen) hat im Lagerraum eines Copy-Shops das «Amtsgericht 9¾» eröffnet, in dem er frei von rechtlichen Regeln seine Urteile fällt. Diese Anarcho-Justiz findet zum Entsetzen von Diane grossen Anklang bei Rechtssuchenden.

Ich finde

In der fünften Staffel heisst es leider Abschied nehmen von zwei tragenden Figuren: Der bisherige Firmenchef Adrian Boseman wendet sich der Politik zu und die Anwältin Lucca Quinn hat ein lukrativeres Angebot angenommen als Finanzchefin für ihre superreiche Freundin Bianca.

Dafür beginnt mit Carmen Moyo eine neue Anwältin. Sie kommt zwar direkt von der Uni, macht aber einem wichtigen Klienten der Firma so viel Eindruck, dass er sie als seine Hauptanwältin will.

Aktuelle Themen unterhaltsam verpackt

Auch dieser Anarcho-Richter Wackner sorgt für viel Aufruhr mit seiner unkonventionellen Rechtsprechung, die aufzeigt, wie sehr das «richtige» Justizsystem (in den USA) sich von den Ansprüchen der Bevölkerung entfremdet hat.

Mit dem Sturm aufs Kapitol, Cancel Culture, Covid-Krise, Rassendiskriminierung und -bewusstsein finden sich wie gewohnt aktuelle politisch-gesellschaftliche Themen wieder, die in Rechtsfälle verpackt werden. Immer kritisch, witzig, teilweise auch sarkastisch und deshalb sehr unterhaltsam.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «The Good Fight» Staffel 5?

Besetzung: Christine Baranski | Sarah Steele | Nyambi Nyambi | Audra McDonald | Michael Boatman | Gary Cole | Mandy Patinkin | Charmaine Bingwa
Showrunner: Michelle King | Robert King
Genre: Krimi | Drama
USA, 2022

Star Trek: Discovery (Staffel 4) – Eine Crew in der Sinnkrise

Läuft bei: Paramount+ oder in deutscher Synchronfassung auf Pluto TV

Michael Burnham ist jetzt Captain der USS Discovery. Eine Dunkle-Materie-Anomalie (DMA) taucht in der Galaxie auf und zerstört ganze Planeten, darunter auch die Heimat von Book, Michaels Freund.

Die Wissenschaftler können sich nicht erklären, wie dieses Phänomen entstanden ist, und wissen auch nicht, wie es zu stoppen ist. Mit der Zeit stellt sich heraus, dass die DMA kein natürliches Phänomen ist – nur: Wer oder was steckt dahinter? Die Discovery muss es herausfinden, um die Zerstörung der Erde zu verhindern.

Ich finde

Ich war bis jetzt ziemlich angetan von der Serie. Die Abenteuer, die die ehemalige Meutererin Burnham mit der Discovery-Crew absolvierte, waren spannend und unterhaltsam in guter Star-Trek-Tradition.

Auch in dieser vierten Staffel ist die Hauptgeschichte mit der zerstörerischen DMA, die die ganze Galaxie bedroht, nicht unspannend. Allerdings macht dieser Erzählstrang fast den kleineren Teil der ganzen Story aus. Immer wieder geht es um Probleme und Sinnkrisen von Crew-Mitgliedern.

Book stürzt in tiefe Depressionen nach der Zerstörung seines Heimatplaneten, das ist ja noch nachvollziehbar. Dr. Culber, der von den Toten auferstanden ist, kämpft mit der Frage: warum gerade ich? Lieutenant Tilly sucht den Sinn des Lebens. Captain Saru entdeckt die Liebe, usw.

Was bewegend sein sollte, nervt nur

Dass Seriencharaktere individueller gezeichnet werden, ist nicht ungewöhnlich oder per se schlecht. Was aber auf den Geist schlägt, sind diese pseudo-tiefsinnigen Dialoge, in denen diese Probleme gewälzt werden. Was eigentlich bewegend sein sollte, nervt nur. Weil in jeder Episode mindestens zwei Figuren eine grosse Krise schieben, zerstört es zu einem grossen Teil den Spass an der Serie.

Einen anderen nervigen Aspekt, in dem sich dieser Hang zu banalem Pathos auch zeigen liesse, muss ich hier auslassen, weil sich das nicht ohne Story-Spoiler erklären liesse.

Wer sich ärgerte, als Discovery bei Netflix verschwand, kann sich jetzt trösten. Es ist nicht wirklich schade drum. Leider – denn die ersten drei Staffeln waren recht gut.

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Wie viele Sterne gibst du «Star Trek: Discovery» Staffel 4?

Besetzung: Sonequa Martin-Green | Doug Jones | Anthony Rapp | Mary Wiseman | David Ajala | Oded Fehr | Tara Rosling | Chelah Horsdal | Sonja Sohn
Showrunner: Bryan Fuller | Alex Kurtzman
Genre: Science-Fiction
USA, 2021

The Marvelous Mrs. Maisel (Staffel 4) – Witze reissen im Striplokal

Läuft bei: Amazon (4 Staffeln, 35 Episoden à 45 Min.)

Stand-up-Comedienne Midge Maisel kommt nicht darüber hinweg, dass Shy Baldwin sie vor seiner Europatour rausgeschmissen hat, weil sie Anspielungen auf seine Homosexualität machte. Sie schwört sich, dass sie nur noch dort auftritt, wo sie sagen kann, was sie will.

Das stellt sie und ihre Managerin Susie vor einige Herausforderungen. Doch Midge findet ihre Bühne – in einem illegalen Striplokal.

Auch wenn ihr neues Engagement erfolgreich ist, löst es weder ihre ewigen Geldprobleme, noch bringt es ihre Karriere voran. Stand-up-Star und Freund Lenny Bruce sagt Midge das auch unmissverständlich. Ob und wie Midge ihr Leben und ihre Karriere ändern will, bleibt allerdings offen.

Ich finde

Mit der vierten Staffel von «Mrs. Maisel» sind wir mittlerweile im Jahr 1960 angekommen (weshalb auch Jackie Kennedy einen Auftritt hat). Die Serie spinnt den Faden nahtlos weiter mit allen bekannten Elementen: witzige Dialoge, tolle Ausstattung, fantastische Kostüme und schräge Geschichten, die Midge, ihrer Familie und ihren Freunden widerfahren.

Ihre Mutter betätigt sich als erfolgreiche Heiratsvermittlerin, bis sie Ärger bekommt mit Konkurrentinnen. Ihr Vater wird in der Synagoge während einer Bar Mitzwa-Feier angefeindet, weil er das Musical eines Gemeindemitglieds verrissen hat. Midges Ex-Mann lebt mit seiner chinesischen Freundin zusammen und weiss nicht, wie er das seinen Eltern beibringen soll und Managerin Susie bekommt dank zwei Mafiosi ein grosszügiges Büro mit Sekretärin.

Die Staffel hält das Niveau der vorangehenden. Die Story bleibt amüsant, turbulent, unterhaltsam über alle acht Episoden. Einzig Midges Stand-up-Auftritte sind etwas seltener als zuvor. Das ist schade. Aber es gibt immer noch genügend Comedy im Leben der Maisels und Weissmans, die das fast ganz wettmacht.

Eine fünfte Staffel ist bereits angekündigt, voraussichtlich für Sommer 2023. Es wird die letzte sein und damit die offene Frage beantworten, wo die Hausfrau aus der Upper Westside, die Stand-up-Comedienne wurde, mit ihrer Karriere landet.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «The Marvelous Mrs. Maisel» Staffel 4?

Besetzung: Rachel Brosnahan | Alex Borstein | Michael Zegen | Marin Hinkle | Tony Shaloub
Showrunner: Amy Sherman-Palladino
Genre: Komödie
USA, 2022

Suspicion (Staffel 1) – Ein britisch-amerikanisches Verwirrspiel

Läuft bei: Apple TV+ (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

In einem Hotel in New York wird der Sohn einer prominenten PR-Frau (Uma Thurman) entführt. Fünf Britinnen und Briten, die zufälligerweise (?) alle zu diesem Zeitpunkt in New York waren, werden von der Polizei als Entführer:innen verdächtigt. Doch alle fünf beteuern ihre Unschuld und die Polizei findet keine eindeutigen Beweise.

Dennoch gibt es genug Ungereimtheiten, sodass die Polizei ihre Ermittlungen auf die fünf konzentriert. Die wiederum schliessen sich zusammen, um herauszufinden, wer ihnen diese Entführung anhängen will. Doch nicht alle scheinen wirklich so unschuldig zu sein, wie sie sich geben.

Ich finde

Die Ausgangslage ist sehr vielversprechend. Eine israelische Serie als Vorbild («False Flag») – wie bei «Homeland». Showrunner Rob Williams war Autor von Episoden für «Killing Eve» und «The Man in the High Castle». Regisseur Chris Long hat als Produzent und Regisseur bei «The Americans» mitgearbeitet. Und der Cast ist mit Uma Thurman, Noah Emmerich (u.a. «The Americans»), Kunal Nayyar (Raj aus «The Big Bang Theory») oder auch Elizabeth Henstridge (Jemma aus «Agents of S.H.I.E.L.D.») sehr ansprechend besetzt.

Anglo-amerikanischer Kulturgraben

Die ersten Episoden bieten dann auch gute Unterhaltung mit überraschenden Plot-Twists. Der kulturelle Graben zwischen der korrekten britischen Ermittlerin und dem amerikanischen FBI-Agenten mit Haudegen-Methoden sorgt für einige Schmunzler. Und das dunkle Geheimnis von Katherine Newman (Thurman) taugt gut als Spannungsträger über die Episoden hinweg.

Doch je mehr die wahren Absichten und Hintergründe der Figuren entschlüsselt werden, desto unübersichtlicher wird die Geschichte und auch uninteressanter, weil einiges ziemlich banal und auch konstruiert wirkt.

Nebulöses Ende

Die finale Episode klärt zwar vieles auf, bleibt aber doch so nebulös, dass es schwer nach einer zweiten Staffel aussieht. Allerdings ist die noch nirgends angekündigt. Vielleicht war der Publikumserfolg zu gering.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Suspicion»?

Besetzung: Uma Thurman | Kunal Nayyar | Georgina Campbell | Elizabeth Henstridge | Angel Coulby | Elyes Gabel | Noah Emmerich | Tom Rhys Harries
Showrunner: Rob Williams
Genre: Krimi
USA, 2022

The Last Kingdom (Staffel 5) – Bridas Rache

Läuft bei: Netflix (5 Staffeln, 46 Episoden à 45 Min.)

Zu Beginn der finalen Staffel lebt Uhtred friedlich in einem Vorposten im Norden von Wessex. Doch der Frieden wird nicht andauern. In Island sticht Brida mit ihren Kriegern in See. Ihr einziges Ziel ist es, Uhtred zu töten. Dazu muss sie aber zuerst Fuss fassen in England. Sie sucht sich dafür Eoferwic (York) aus, den Sitz der «Danes» (dänische Wikinger), wo Uhtreds Tochter Stiorra als Königin lebt.

Intrigen am Hof von König Edward führen dazu, dass der Frieden zwischen Angelsachsen und den Danes zerbricht. Edward sieht seine Chance, den Traum seines Vaters von einem vereinten England zu verwirklichen.

Und mittendrin wie immer Uhtred, hin- und hergerissen zwischen seiner Loyalität zum König und seiner Verbundenheit mit den Wikingern.

Ich finde

Der Abschluss der Serie erfüllt alle Erwartungen, wie sie über die ersten vier Staffeln aufgebaut wurden. Viel Kampf, viel Drama durch einige aufwühlende Todesfälle, viel Intrige und ein Finale, von dem man nur so viel verraten kann, dass es Uhtred wieder an den Ort zurückführt, wo alles für ihn begann: Bebbanburg.

Als Anglophiler hat mir «The Last Kingdom» schon immer besser gefallen, als Serien wie «Vikings» oder «Vikings: Valhalla». Erzählt wird zwar dieselbe Geschichte: Wie Angelsachsen im 9. und 10. Jahrhundert gegen die dänischen Wikinger um die Vorherrschaft auf der Insel kämpften. Aber die Perspektive ist eine andere, wie schon das Motto verrät: «England is born».

Dennoch kommen auch die Wikinger nicht zu kurz, weil Uhtred zwar in Northumbria geboren wurde, also Angelsachse ist, aber von Wikingern aufgezogen wurde.

Serie zu Ende – jetzt kommt der Film

Auch wenn die Serie zu Ende ist, wird die Geschichte von Uhtred noch weitererzählt. Muss sie auch, denn am Ende der 5. Staffel sind nicht alle Erzählstränge abgeschlossen. Da taucht bspw. noch ein junger Mann auf, dessen Beziehung zu Uhtred sehr eng ist, und König Edward scheidet nicht im besten Einvernehmen mit Uhtred.

Man darf also gespannt sein, was der angekündigte Film «Seven Kings Must Die» noch liefern wird.

Fun Fact: Die Serie basiert auf der Buchreihe «The Saxon Stories» von Bernard Cornwell. Cornwell lernte seinen leiblichen Vater William Outhred erst kennen, als er schon über 50 war. Von ihm erfuhr er, dass er von Sachsen abstammt, denen die Befestigung Bebbanburg (heute Bamburgh Castle) gehörte. Deshalb nannte er seinen Protagonisten Uhtred of Bebbanburg.

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Wie viele Sterne gibst du «The Last Kingdom» Staffel 5?

Besetzung: Alexander Dreymon | Eliza Butterworth | Emily Cox | Millie Brady | Timothy Innes
Genre: Historie | Abenteuer
USA, 2022

Landscapers (Mini-Serie) – True-Crime, fantastisch inszeniert

Läuft bei: Sky (Mini-Serie, 4 Episoden à 45 Min.)

Susan (Olivia Colman) und Christopher Edwards (David Thewlis) sind ein eigentümliches Paar. Sie haben keine Freunde, leben nur für sich, sind tief verbunden miteinander. Sie leben in Frankreich in einer ärmlichen Wohnung. Ihnen ist das Geld ausgegangen. Chris bittet seine Stiefmutter um Hilfe. Er gesteht ihr dabei, dass sie vor Jahren nach Frankreich geflüchtet sind, weil sie im Garten von Susans Elternhaus die Leichen der Eltern vergraben haben.

Die Stiefmutter informiert die Polizei. Susan und Christopher kehren freiwillig nach England zurück, werden sofort verhaftet und verhört. Die beiden erzählen ihre Geschichte: Susans Mutter erschoss den Vater, Susan darauf im Streit ihre Mutter. Gemeinsam vergruben sie die Eltern im Garten. Doch im weiteren Verlauf der Verhöre beginnt sich eine andere Geschichte abzuzeichnen.

Ich finde

True-Crime ist normalerweise nicht mein Ding. Die übliche Doku-Fiktion-Erzählweise mit pensionierten Ermittlern, Fernsehclips, nachgespielten Szenen und einer bedeutungsschwangeren Off-Stimme vermag mich nicht zu packen.

Ganz anders bei «Landscapers», das diese Geschichte der Edwards in einer aussergewöhnlichen Art nacherzählt (Spoiler! BBC Artikel nach dem Gerichtsurteil 2014; Wikipedia – Aber auch wenn man die Geschichte im Voraus kennt, schmälert das den Genuss der Serie in keiner Weise).

Da ist zum einen dieses äussert wunderliche Paar. Susan und Chris versichern sich immer wieder ihrer gegenseitigen Liebe. Es scheint, keiner könnte ohne den anderen leben, denn die wirkliche Welt ist nicht für sie geschaffen. Gemeinsam flüchten sie gerne in die Traumwelt von Filmen, Western etwa, am liebsten mit Gary Cooper. Susan gibt viel Geld aus, das sie eigentlich nicht haben, für Gary Cooper-Memorabilien. Oder auch französische Filme mit Gérard Depardieu, mit dem sie eine Brieffreundschaft zu pflegen scheinen.

Zum anderen fasziniert die Inszenierung. Die Grenzen zwischen Realität und der Fantasiewelt der Edwards verschwimmen immer wieder. Dass Szenen aus ihren Lieblingsfilmen eingeflochten werden, ist fast erwartbar. Hier werden aber Kulissen klar als solche kenntlich gemacht und bespielt. Oder die vierte Wand wird unvermittelt aufgebrochen, wenn die ermittelnde Kommissarin im Verhörraum aufsteht, durchs Filmset läuft und im Schlafzimmer der Eltern die Schauspieler:innen auffordert, sie sollen die Szene nachspielen, wie die Schüsse fielen.

Zum dritten sind da die Schauspieler. Olivia Colman und David Thewlis sind schlicht überragend. Sie, die – vermeintlich? – weltfremde, fragile Ehefrau, nahe am Zusammenbruch in der Zelle, weil sie getrennt ist von ihrem Mann, und scheinbar naiv im Verhör. Er, der wohlüberlegte Beschützer, der präzise ausgerechnet hat, wie das Paar einigermassen ungeschoren davon kommt, am Ende dann aber doch im Verhör nicht ganz standhält und überfordert ist.

Mit diesem Mix wird «Landscapers» zum Vierteiler, der einen nicht loslässt bis zum Schluss.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Landscapers»?

Besetzung: Olivia Colman | David Thewlis | Kate O’Flynn | Samuel Anderson | Daniel Rigby
Showrunner: Ed Sinclair
Genre: True-Crime | Krimi
GB/USA, 2021

Space Force (Staffel 2) – Mission nicht erfüllt

Läuft bei: Netflix (2 Staffeln, 17 Episoden à 30 Min.)

Die Space Force unter dem Kommando von General Naird (Steve Carell) schrammt knapp an der Auflösung vorbei, muss aber massive Budgetkürzungen in Kauf nehmen.

Die Mars-Mission wird gestrichen, stattdessen wird das Team vor Herausforderungen gestellt, wie etwa eine Powerpoint-Präsentation zu erstellen über die Gefahr einer Alien-Invasion oder Geldquellen zu erschliessen mittels Partnerschaft mit einem Hersteller von Energydrinks.

Alles deutet darauf hin, dass dem Space Force-Team über kurz oder lang die Lust vergeht an seinem Job.

Ich finde

Die erste Staffel von Space Force war leidlich amüsant, die zweite legt jetzt aber nicht zu, sondern hält bestenfalls das Niveau.

In der ersten Staffel sorgten die irrwitzigen Forderungen eines minderbemittelten Präsidenten (klar, wer gemeint war) noch für die eine oder andere Mundwinkelzuckung.

Ohne Trump keine Politsatire

Jetzt hat die Administration gewechselt, ein Präsident taucht nicht mehr auf (klar, weshalb der Neue nicht für Comedy taugt). Einzig ein neuer Verteidigungsminister piesackt hämisch die Space Force. Das ist nicht besonders witzig und der leise Unterton von Politsatire ist verloren gegangen.

Dennoch bringen einen manche Dialoge zum Schmunzeln. Einzelne Plots sind unterhaltsam und John Malkovich als selbstüberzeugter und -gefälliger Wissenschaftler bleibt die witzigste Figur im Cast.

Vieles deutet aber darauf hin, dass der Serie die Luft ausgeht (nur 7 statt 10 Episoden in dieser Staffel). Es wäre auch kein grosser Verlust, wenn Netflix auf eine dritte Staffel verzichten würde.

Eine zweite Chance für «BrainDead»?

Wenn schon Sci-Fi-Politsatire, sollte sich der Streaminganbieter vielleicht überlegen, ob nicht die Serie «BrainDead» eine neue Chance verdient hätte, die von CBS 2015 schnöde nach einer Staffel abgesetzt wurde.

Ausserirdische Käfer setzen sich in den Hirnen u.a. von Politiker:innen in Washington fest. Wenn man bedenkt, was nach 2015 alles passierte in der amerikanischen Politik, wäre das eine ziemlich plausible Erklärung. Von daher war «BrainDead» schon fast prophetisch und geeignet für eine adäquate Aufarbeitung der Ära Trump 😜.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Space Force» Staffel 2?

Besetzung: Steve Carell | John Malkovich | Ben Schwartz | Diana Silvers | Tawny Newsome | Jimmy O. Yang | Lisa Kudrow | Noah Emmerich
Showrunner: Steve Carell | Greg Daniels
Genre: Komödie | Science Fiction
USA, 2022

Vikings: Valhalla (Staffel 1)

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

In der Wikingerstadt Kattegat versammeln sich verschiedene Stämme, um ein Massaker des englischen Königs Æthelred an den Wikingern zu rächen. Dazu gesellen sich Leif Eriksson (der Entdecker von Vinland, also Amerika, was hier aber keine Rolle spielt) und seine Halbschwester Freydís Eiríksdóttir.

Leif schliesst sich den Wikingern an auf ihrem Feldzug gegen London. Freydís unternimmt eine Wallfahrt nach Uppsala, wo ihr in einer Vision offenbart wird, dass sie «Die Letzte» sei.

Leif wird zum Helden in der erfolgreichen Schlacht gegen die Engländer. Freydís wird zur Kriegerin, die sich einen christlichen Wikinger zum Feind macht und den traditionellen Glauben ihres Volkes verteidigt.

Ich finde

Die Serie spielt etwa 100 Jahre nach ihrem Vorläufer «Vikings» (die ich nicht ganz gesehen habe). Die Wikinger und auch ein paar Wikingerinnen sind immer noch recht wild, festen gerne, saufen viel, kämpfen noch mehr und brüllen in der Schlacht, was die Stimmbänder hergeben. Aber die glorreiche Wikinger-Ära geht zu Ende.

Knut der Grosse, der die Wikinger auf ihrem Rachefeldzug gegen die englische Krone anführt, hat zwar eine klare Vorstellung, was er will: Ein Wikinger-Grossreich im Norden Europas (und es wird ihm auch gelingen). Es ist aber ein letztes Aufbäumen.

Christentum gegen die alten Götter

Denn die Wikinger sind bereits gespalten. Ein Teil bekennt sich zum christlichen Glauben, der Rest verehrt noch Odin, Freya und Thor. Das sät Zwietracht zwischen den Stämmen.

Aus diesen Zutaten entwickelt die Serie ein Netz von Machtkämpfen, Intrigen, Freund- und Feindschaften, die immer wieder überraschende Wendungen nehmen. Das ist alles sehr unterhaltsam und dank der beiden Figuren Leif und Freydís bleibt man auch emotional involviert. Sonst könnte man ob der vielen Jarls und sonstigen Edelleute etwas den Überblick und das Interesse verlieren.

Wer sind die historischen Figuren?

Mein grösstes Problem mit der Serie war aber ein ganz anderes. Ich begann parallel dauernd auf Wikipedia nachzulesen, wer die wirklichen historischen Figuren waren und was tatsächlich geschehen war.

Wie schon in «Vikings» nehmen sich die Drehbuchautor:innen auch bei «Vikings: Valhalla» viele Freiheiten und nicht alles ist tatsächlich so oder zu diesem Zeitpunkt passiert, wie es die Serie erzählt. Da ist der Blick in Wikipedia (oder in die Website deines Vertrauens) durchaus mindestens so spannend und manchmal ähnlich unübersichtlich, wie das Geschehen auf dem Bildschirm.

Also: Handy oder Tablet bereithalten (machts besser als ich und drückt auf «Pause») und bspw. Emma von der Normandie, Danegeld oder Olav der Heilige googeln.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Vikings: Valhalla»?

Besetzung: Sam Corlett | Leo Suter | Frida Gustavsson | Jóhannes Haukur Jóhannesson | David Oakes | Laura Berlin | Bradley Freegard
Created by: Jeb Stuart
Genre: Historie | Abenteuer
USA, 2022

Young Wallander (Staffel 2)

Läuft bei: Netflix (2 Staffeln, 12 Episoden à 45 Min.)

Obwohl er eigentlich aufhören wollte, kehrt der junge Kurt Wallander in den Polizeidienst zurück. Diesmal geht es um eine Fahrerflucht mit Todesfolge.

Allerdings wird es einiges komplizierter, als herauskommt, dass das Todesopfer in einen alten Fall von Wallanders Kollegin Frida Rask verwickelt war. Gesucht wird jetzt ein:e geheimnisvolle:r Rächer:in, die:der Gerechtigkeit will für das Mordopfer von damals.

Ich finde

Wie schon die erste Staffel von «Young Wallander» bietet auch die zweite solide Krimiunterhaltung. Aber nicht viel mehr. Bei allen Bemühungen, den jungen Wallander auch als zweifelnden, introvertierten und etwas gespaltenen Charakter zu zeichnen, bleibt die Figur ein hitzköpfiger Jungspund mit Polizeimarke.

Das ist ziemlich weit weg von dem, was wir aus den Serien mit Kenneth Branagh (ebenfalls auf Netflix) oder Krister Henriksson kennen.

Dennoch gibt der Fall genug her, dass man ohne Mühe sechs Episoden dabei bleibt. Nicht zuletzt wegen verschiedenen Nebenfiguren und -geschichten.

Wallanders neue Mentorin Frida wird mit Fehlern aus ihrem alten Fall konfrontiert. Sein bester Freund Reza kämpft nicht nur mit einer posttraumatischen Störung. Er hat es auch nicht verwunden, dass Wallander befördert wurde und nicht er. Das treibt einen Keil in ihre Beziehung. Und der neue Chef der Abteilung bringt auch etwas frischen Wind, auch wenn man lange nicht genau weiss, wohin der bläst.

Wo ich aber weiterhin meine liebe Mühe damit habe, sind all die englischen Akzente, die in Malmö und Lund zu hören sind. Immerhin hat Wallander (Adam Pålsson) selber eine schwedische Einfärbung in seinem Englisch.

Besetzung: Adam Pålsson | Leanne Best | Ellise Chappell | Yasen Atour
Created by: Ben Harris
Genre: Krimi
SWE | UK, 2022