The Endgame (Staffel 1) – Clever bis zur Unglaubwürdigkeit

Läuft bei: Sky (1 Staffel, 10 Episoden à 50 Min.)

Den US-Behörden ist ein grosser Fang gelungen. Elena Federova (Morena Baccarin), internationale Waffenhändlerin und führender Kopf einer kriminellen Organisation, wurde gefasst und wird von den Chef:innen des FBI, Justizministeriums und Homeland Security an einem versteckten Ort verhört.

Gegenschlag von langer Hand vorbereitet

Sie schlagen ihr einen Deal vor, um aus der hoffnungslosen Situation herauszukommen. Doch alles ist ein bisschen anders, als sich das die Behörden vorgestellt haben.

Gleich nach Federovas Festnahme werden in New York mehrere Banken überfallen, offensichtlich von langer Hand geplant und orchestriert durch Federova. Das ruft die FBI-Agentin Val Turner (Ryan Michelle Bathe) auf den Plan.

Rache für den Bombenanschlag

Sie kennt Federova von einer früheren Begegnung in Gambia, als sie beinahe von ihr erschossen wurde. Federova gibt Turner Rätsel zur Lösung auf, die auf die Spur von Spitzenbeamt:innen und Politiker:innen, die alle Dreck am Stecken haben.

Mit der Zeit wird klar, was dahinter steckt. Federova will Rache für den Bombenanschlag auf ihre Hochzeit, bei der nur sie und ihr Mann überlebten. Und die Verantwortlichen für diesen Anschlag, auf die sie jetzt Turner ansetzt, sitzen alle in hohen Positionen in der Verwaltung und Regierung.

Immer einen Schritt zu spät

Turner löst mit Hilfe ihres Kollegen Anthony Flowers (Jordan Johnson-Hinds) ein Rätsel nach dem andern. Sie merkt dabei, dass auch ihr Mann Owen (Kamal Angelo Bolden), der im Gefängnis sitzt, mit Federova zu tun hat und Federova ihr immer einen Schritt voraus ist.

«The big picture», was das «Endgame» Federovas ist, erschliesst sich Turner erst ganz am Schluss.

Einschätzung

Es macht durchaus Spass, zuzuschauen, wie unglaublich clever Elena Federova ihre Rache geplant hat. Dutzende von Entscheidungen ihrer Gegner:innen hat sie antizipiert, so dass am Ende exakt alles so herauskommt, wie sie es geplant hat.

Spannend auch, wie Val Turner diese Rätsel oft in letzter Sekunde löst, obwohl ihr Umfeld ihr immer wieder Steine in den Weg legt. Vor allem ist da ihr ziemlich unfähiger, aber extrem ehrgeiziger Boss Doak (Noah Bean). Er will Turner eigentlich aus dem FBI rausbugsieren, weil ihr Mann ein krimineller Ex-Agent ist.

Übertrieben und etwas repetitiv

Und doch resultiert am Schluss nicht das ganz grosse Vergnügen, wie man es von Heist-Movies wie etwa «Ocean’s Eleven» oder «Inception» kennt. Dass Federova über Tage hinaus alle Aktionen und Gegenmassnahmen präzise voraussehen und planen konnte, strapaziert die Wahrscheinlichkeit doch etwas übermässig.

Nach dem zweiten oder dritten Rätsel wirkt die Handlung auch etwas repetitiv. Was in zwei Stunden Film vielleicht gut funktioniert hätte, wird hier stark überdehnt.

Keine zweite Staffel

Zudem spielt Morena Baccarin die Federova mit einer Selbstgefälligkeit, die mit der Zeit etwas nervt. Von ihrem selbstsicheren Lächeln im Verhörraum hat man ebenfalls nach dem dritten Mal genug.

Von daher ist es auch nicht so tragisch, dass «The Endgame» mit einem Cliffhanger endet, die Serie aber von NBC abgesetzt wurde. Nochmal zehn Episoden nach demselben Muster hätte ich mir eher nicht mehr angeschaut.

Wie viele Sterne gibst du «The Endgame»?

Besetzung: Morena Baccarin | Ryan Michelle Bathe | Costa Ronin | Jordan Johnson-Hinds | Mark D. Espinoza | Noah Bean | Kamal Angelo Bolden
Serie entwickelt von: Jake Coburn | Nicholas Wootton
Genre: Krimi | Thriller
USA, 2022

Ms. Marvel (Staffel 1) – Superheldin dank kulturellem Erbe

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 6 Episoden à 40 Min.)

Kamala Khan (Iman Vellani) ist ein grosser Fan von Captain Marvel. Eines Abends schleicht sie sich aus dem Elternhaus, um mit ihrem Schulfreund Bruno (Matt Lintz) die erste «AvengerCon» zu besuchen.

Superkräfte durch Grossmutters Armreif

Zu ihrem selbstgemachten Superheldendress trägt sie einen Armreif, den ihr ihre Grossmutter aus Pakistan geschickt hat. Und dieser Armreif verleiht ihr Superkräfte.

Die ersten ungelenken Versuche, diese Superkräfte einzusetzen, gelingen nur halbwegs. Kamala muss zuerst noch ein bisschen üben. Bruno hilft ihr dabei.

Aus einer anderen Dimension

Gleichzeitig versucht sie herauszufinden, was es mit dem Armreif auf sich hat. Ursprünglich gehörte er ihrer Urgrossmutter Aisha (Mehwish Hayat), die, wie sich herausstellt, aus einer anderen Dimension stammte.

Kamala wird kontaktiert von anderen «Clandestines», wie sich diese Dimensionsreisenden nennen. Ihr Armreif soll ihnen das Tor in ihre Heimat öffnen. Als Kamala zögert, weil das Unterfangen sehr gefährlich sein könnte, werden die Clandestines aggressiv.

Die böse Regierungsorganisation

Auch die Regierung ist hinter Kamala her. Das Department of Damage Control, angeführt von der skrupellosen Agentin Deever (Alysia Reiner), will sie unschädlich machen.

Einschätzung

Was für eine angenehme Überraschung: Nach den eher ärgerlichen Ausflügen von Marvel in die ägyptische («Moon Knight») und asiatische («Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings») Mythologie, gelingt der Superheldenfranchise ein überzeugender Sprung in die muslimische Welt.

Coming-of-Age-Geschichte

Eigentlich ist «Ms. Marvel» weniger eine Superheldenserie. Vielmehr ist es eine Coming-of-Age-Geschichte einer jungen amerikanisch-pakistanischen Frau in ihrem muslimischen Umfeld, die zwar auch ihre Superkräfte, aber vor allem ihr kulturelles Erbe entdeckt.

Kamala kämpft vorerst mit typischen Teenagerproblemen: Schule, Jungs, Elternhaus. Die Eltern sind zwar durchaus modern, pflegen aber ihre Traditionen.

Verzicht auf politische Stereotypen

Dieses Leben schildert «Ms. Marvel» leichtfüssig, respektvoll, auch mal mit einem Augenzwinkern, wenn etwa Kamalas Bruder alle ein bisschen nervt mit seinen dauernden Gebeten.

Kamalas Leben ist einfach normal und nicht dauernd überschattet von einem aufgeladenen politischen Kontext. Wobei durchaus auch mal Rassismus aufscheint. Aber der Imam in der Moschee etwa weist die Agenten von Damage Control sehr selbstbewusst in die Schranken.

Superkräfte als Metapher

Besonders ansprechend erzählt ist Kamalas Reise in ihre Familiengeschichte. Eine ganze Episode zeigt, wie Kamalas Urgrossmutter mit ihrem Mann und ihrer Tochter während der «Partition», der Trennung von Indien und Pakistan, fliehen musste.

Der Armreif, der Kamala ihre Superkräfte verleiht, wird so zur Metapher. «The strength in who you are comes from where you’re from and where you’ve been», sagt Sana Amanat, Produzentin der Serie.

Zielgruppe erreicht, aber Wirkung darüber hinaus

Ich hege eine grundsätzliche Skepsis gegenüber Disney und anderen Konzernen, wenn sie sich divers geben. Ich unterstelle, wohl nicht ganz unbegründet, dass es oft mehr darum geht, aus finanziellen Gründen Zielgruppen zu erschliessen, als um Aufklärung.

Das mag auch bei «Ms. Marvel» irgendwo auf der Chefetage mitschwingen. Aber die Macher:innen, viele wie Sana Amanat mit einem muslimischen Hintergrund, haben es geschafft, eine Serie über eine muslimische Superheldin zu kreieren, die offensichtlich die Zielgruppe begeistert, aber darüber hinaus Wirkung entfaltet. Sehr gelungen und sehr erfreulich.

Wie viele Sterne gibst du «Ms. Marvel» Staffel 1?

Besetzung: Iman Vellani | Matt Lintz | Yameen Fletcher | Zenobia Shroff | Rish Shah | Mohan Kapur | Mehwish Hayat
Serie entwickelt von: Bisha K. Ali
Genre: Superhelden | Abenteuer
USA, 2022

Howards End (Mini-Serie) – Leicht vermodertes Historiendrama

Läuft bei: Sky (Mini-Serie, 4 Episoden à 60 Min.)

Drei Familien begegnen sich in der nachviktorianischen Ära, kurz vor dem Ersten Weltkrieg.

Da sind die Schlegels. Margaret (Hayley Atwell) ist die älteste von drei Geschwistern. Sie hat ihre Schwester Helen (Philippa Coulthard) und ihren Bruder Tibby (Alex Lather) nach dem offenbar frühen Tod der Eltern gross gezogen.

Reich und sozial oder nur reich

Die drei leben gut von ihrem Erbe. Obwohl sie reich sind, scheinen sie gesellschaftspolitisch progressiv und haben so etwas wie ein soziales Gewissen.

Ganz im Gegensatz zu den Wilcoxes. Henry (Matthew Macfadyen) ist strammer Kapitalist. Er verdient sein Geld mit Handelsgütern aus britischen Kolonien und findet die Unterteilung der Welt in Arme und Reiche richtig und logisch. Mrs. Wilcox (Julia Ormond) hält sich aus solchen Diskussionen raus. Dafür gibt sie im Haus den Ton an.

Die Armen in der Runde

Und dann gibts noch die Basts. Leonard (Joseph Quinn) arbeitet als Büroangestellter und verdient knapp genug für den Lebensunterhalt für sich und seine Frau Jacky (Rosalind Eleazar). Er lernt die Schlegels kennen und Jacky hat eine überraschende Verbindung zu den Wilcoxes.

Margaret und Ruth Wilcox befreunden sich, als Ruth ein paar Tage alleine in London verbringt. Kurz darauf stirbt sie und hinterlässt ihrer Familie eine Notiz, dass sie Margaret Howards End, den Familiensitz, vermachen möchte.

Und immer wieder Howards End

Henry und seine Kinder beschliessen, den Wunsch der Mutter zu ignorieren.

Über die Jahre begegnen sich die Schlegels, Wilcoxes und Basts wieder. Dramatische und romantische Ereignisse spielen sich ab und immer wieder taucht Howards End auf.

Einschätzung

Ab und zu passiert mir das. Da taucht eine ältere Serie in einer Empfehlungsliste auf und ich schaue sie mir tatsächlich an.

Hier, weil ich Hayley Atwell und Matthew Macfadyen mag. Sie ist grossartig als «Agent Carter» (Disney+) und er super in «Ripper Street» und als ziemliche Dumpfbacke in «Succession» (Sky). Auch Tracey Ullman und Julia Ormond sind klingende Namen.

Howards Bloody End

James Ivory hat zudem einige Bücher von E.M. Forster verfilmt, darunter auch 1992 «Howards End» mit Starbesetzung. Ein Film, den ich nicht gesehen habe, dafür aber «A Room With a View und der gefiel mir.

Kommt hinzu: Unvergessen ist für mich die Szene aus «Educating Rita», als Julie Walters entnervt Michael Caine sagt, dass sie dieses Buch «Howards Bloody End» einfach Sch… findet😄.

Ok für Anglophile

Zu guter Letzt bin ich auch ein Sucker von britischen Historiendramen. Also wollte ich wissen, worum es hier geht.

Jetzt weiss ich’s und sag’s mal so: Noch anglophilere Menschen als ich würden der Serie vielleicht vier Sterne geben. Wer damit nichts am Hut hat, sicher nur zwei Sterne. Ich gebe drei als Kompromiss.

Es mieft und modert

Denn das Flair des frühen 20. Jahrhunderts kommt zwar gut rüber, aber die Story bemüht schwerfällig gesellschaftspolitische Debatten über Reichtum, Armut, Verpflichtung, Ehre und Frauenrechte. Setzt man das heute eins zu eins um, riecht die Geschichte ziemlich vermodert. «Downton Abbey» hat’s besser gemacht.

Auch der Cast kann diesen altbackenen Groove nicht wettmachen. Bei der dramatischen Schlussszene, zu der ich nur verraten will, dass Henry in Tränen ausbricht, löste das bei mir den gegenteiligen Effekt aus. Ich musste laut lachen.

Hey, hier kommt Eddie

Was dafür extrem witzig war: Schaut euch den armen, verdrucksten Lenny Bast genauer an. Und? Er war erst kürzlich zu sehen: als der wilde, rockende Eddie Munson in «Stranger Things»!

Wie viele Sterne gibst du «Howards End»?

Besetzung: Hayley Atwell | Matthew Macfadyen | Philippa Coulthard | Tracey Ullman | Joseph Quinn | Alex Lather | Julia Ormond
Genre: Historie | Drama
UK, 2017

Tokyo Vice (Staffel 1) – Aus dem Innenleben der Yakuza

Läuft bei: Sky (1 Staffel, 8 Episoden à 60 Min.)

Jake Adelstein (Ansel Elgort) ist Amerikaner und lebt in Tokio. Er hat sich ein fast unmögliches Ziel gesetzt. Er will als Reporter zur grössten Tageszeitung «Meichu Shimbun».

Tokio by night

Tatsächlich schafft er die Aufnahmeprüfung und wird als Polizeireporter angestellt. Sein Job führt ihn in Tokios Nachtleben und die Welt der Yakuza, der organisierten Verbrecherbanden Japans.

In einem Nachtclub lernt er Samantha (Rachel Keller) kennen. Die Amerikanerin arbeitet dort als Hostess. Sie träumt davon, einen eigenen Club zu eröffnen und einige ihre Kolleginnen wie Polina (Ella Rumpf) mitzunehmen.

Krieg der Klans

Auch Sato (Shô Kasamatsu) ist Stammgast im Club und hat ein Auge auf Samantha geworfen. Er gehört der Yakuza an. Zuerst quasi noch Lehrling steigt er die Karriereleiter hoch und gewinnt das Vertrauen seines Klan-Bosses.

Die Chihari-Kai werden von einem Eindringling herausgefordert. Tozawa (Ayumi Tanida) will mit seinem Klan in Tokio Fuss fassen. Dabei geht er brutal vor und hält sich nicht an die ungeschriebenen Gesetze der Yakuza.

Tokio tickt anders

Weil Jake im Umfeld der Yakuza recherchiert, wird er in die Fehde hineingezogen. Unterstützung erhält er von Hiroto Katagiri (Ken Watanabe), einem erfahrenen und im Gegensatz zu einigen Kolleg:innen nicht korrumpierten Polizisten.

Jake lernt schnell, dass Journalismus, Polizeiarbeit und das organisierte Verbrechen in Japan etwas anders funktionieren, als er sich das vorgestellt hat.

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Einschätzung

Investigative Journalisten, Polizisten, unbestechliche und korrupte, organisiertes Verbrechen – ein klassischer Serienplot, der, richtig gemacht, gute Krimiunterhaltung garantiert. «Tokyo Vice» legt noch drauf.

Das Nachtleben in Tokio mit viel Neon, japanischer Alltag Ende der 90er-Jahre mit sozialen Verhaltensregeln, die uneingeweihten Europäer:innen wie mir nicht vertraut sind. Das funktioniert und fasziniert.

Eine wahre Geschichte fiktionalisiert

Die Serie basiert auf dem Buch «Tokyo Vice» des US-amerikanischen Journalisten Jake Adelstein, das 2009 erschien. Die Geschichte hat also einen wahren Hintergrund, wobei das gleich wieder einzuschränken ist.

J.T. Rogers, der die Geschichte als Serie adaptiert hat, betont in mehreren Interviews, dass «Tokyo Vice» fiktional sei und sich einige Freiheiten erlaube mit der Vorlage. Es sei ihm aber wichtig gewesen, eine authentische Schilderung der Zeit und des Orts zu bieten.

Oder doch nur gut erfunden`?

Zum anderen sind Jake Adelsteins Memoiren nicht unumstritten. «I don’t think half of that stuff in the book happened», zitiert der Hollywood Reporter einen Produzenten, der mit Adelstein für einen Dokumentarfilm zusammenarbeitete.

Für die Serie spielt es aber keine Rolle, ob Adelstein seine Arbeit in Japan überhöht hat. Wenn’s nicht wahr ist, ist es zumindest gut erfunden und spannend.

Spannend ist nicht die Hauptfigur

Obwohl das Tempo, mit dem die Geschichten der verschiedenen Figuren entwickelt werden, eher gemächlich ist. Das passt aber auch zum Setting. Jake muss lernen, dass der schnelle Scoop nicht gefragt ist, wenn die Regeln nicht eingehalten werden.

Zudem ist Jake Adelstein zwar der Dreh- und Angelpunkt der Serie, aber bei weitem nicht der spannendste Charakter. Am interessantesten ist Sato, der hin- und hergerissen ist zwischen seinem Leben in der Yakuza und einem Traum von einem normalen Leben. Aber letztlich hat er keine Wahl.

Kein Schluss, aber eine zweite Staffel

Auch die Yakuza-Bosse und der Polizist Katagiri sind kantiger und facettenreicher als Jake. Und über Samantha und Jakes Chefin Eimi wird die Rolle der Frauen in der japanischen Gesellschaft thematisiert.

Was einzig das Vergnügen an dieser gut inszenierten Serie trübt, ist der Schluss, der wieder mal keiner ist. Die Geschichte ist nicht zu Ende erzählt. Das wird sie aber. HBO hat die zweite Staffel gerade in Auftrag gegeben.

Wie viele Sterne gibst du «Tokyo Vice» Staffel 1?

Besetzung: Ansel Elgort | Ken Watanabe | Rachel Keller | Shô Kasamatsu | Ella Rumpf | Rinko Kikuchi | Shun Sugata | Ayumi Tanida
Serie entwickelt von: J.T. Rogers
Genre: Krimi
USA, 2022

King of Stonks (Staffel 1) – Überdrehte Satire ohne Tiefgang

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

Felix Armand (Thomas Schubert) hat’s ganz nach oben geschafft. Er ist vom Softwareentwickler aufgestiegen in die Chefetage des gehypten Fintech-Start-ups CableCash.

Der CEO als Bühnenzampano

Ebenfalls ganz nach oben gespült wurde Magnus Cramer (Matthias Brandt). Vormals ein blasser Wirtschaftsprüfer ist er jetzt der CEO von CableCash mit gebleachtem Gebiss. Er versteht zwar nichts vom Geschäft seiner Firma, weiss aber Angestellte, Aktionäre und Medien mit überkandidelten Bühnenshows zu begeistern.

Zwischen Felix und Magnus entwickeln sich Spannungen. Einerseits will Felix Co-CEO werden, aber Magnus speist ihn mit der Funktion des COO ab. Andererseits muss Felix all die Katastrophen abwenden, die Magnus zu verursacht droht, weil er wilde Versprechungen macht, wie toll sich CableCash entwickle.

Liebe, Betrug und die grosse Abrechnung

Felix und Magnus bringen CableCash an die Börse und reiten das Unternehmen gleichzeitig immer tiefer in den Abgrund. Sie fälschen Kundenzahlen und Bilanzen. Dass hier was nicht stimmt, vermutet die Shortsellerin Sheila Williams, die den Betrug der CableCash-Manager aufdecken und damit viel Kohle verdienen will.

Sie gibt sich bei Felix als Investorin aus und versucht, sein Vertrauen zu gewinnen. Nicht geplant war, dass sie zu Felix eine Zuneigung entwickelt, die in einer Liebesnacht mündet. Doch es kommt der Tag der Wahrheit und der grossen Abrechnung zwischen Sheila und Felix.

Einschätzung

Wem der Erzählstil von «King of Stonks» mit Off-Stimme und temporeichen Erklärstücken bekannt vorkommt, der hat wahrscheinlich «How to Sell Drugs Online (Fast)» gesehen. Kein Wunder, die beiden Serien wurden vom gleichen Autorenduo geschrieben.

Gnadenlos überdreht

In «King of Stonks» legen Philipp Kässbohrer und Matthias Murmann aber noch einen Zacken zu. Die Satire über Start-up-Wahn und Geldgier an der Börse ist gnadenlos überdreht.

Magnus fletscht sein strahlend weisses Gebiss bei jeder Gelegenheit und trommelt sich in grenzenloser Selbstüberschätzung auf die Brust. Das wichtigste Utensil für die Angestellten von CableCash ist die Flute, da Komasaufen mit Champagner zur Firmenkultur gehört.

Felix behält die Bodenhaftung

Auch die Politik bekommt ihr fett weg. Der Digitalministerin ist egal, was die Firma wirklich bietet. Hauptsache, der Hype um CableCash stellt auch sie in ein gutes Licht. Und Sheila, die den grossen Betrug aufdecken will, tut das nicht aus ethischer Überzeugung, sondern schlicht, um Millionen zu scheffeln.

Das ist alles so schrill inszeniert, dass einem anfänglich schwindlig wird. Zum Glück ist da Felix. Er ist der einzige, der etwas Bodenhaftung bewahrt und noch zwischen Grössenwahn und Realität unterscheiden kann. Das hält ihn aber nicht davon ab, mit betrügerischen Tricks Betrug die Bilanzen der Firma aufzublähen.

Der wahre Skandal verschwindet im Absurden

Letztlich alles ziemlich unausstehliche Figuren, die da ihr Unwesen treiben. Das ist aber nicht das Problem der Serie. Bei allem Vergnügen, das einem das irre Treiben in der Welt des grossen Geldes durchaus bereitet, ist der Plot so absurd inszeniert, dass man den grossen Skandal, der eigentlich in dieser Geschichte steckt, nicht mehr ernst nimmt.

Dabei gab es ihn ja: «King of Stonks» bedient sich verschiedentlich an tatsächlichen Ereignissen aus dem Wirecard-Skandal, der in Deutschland die Finanzwelt und die Politik erschütterte.

Amüsant, aber kein Vergleich zu den Vorbildern

Jetzt soll Satire ja übertreiben und lächerlich machen und so Missstände anprangern. Manchmal sollte einem aber auch das Lachen im Hals stecken bleiben. Das passiert hier nie, weil die Kritik in der überdrehten Inszenierung völlig untergeht.

Deshalb: amüsant? Ja. Aber «King of Stonks» kommt nicht an Vorbilder wie «The Wolf of Wall Street» oder «Schtonk» heran. Vielleicht wäre die dokumentarische Herangehensweise, wie sie bei «The Dropout» zu sehen ist, die bessere Form gewesen.

Wie viele Sterne gibst du «King of Stonks» Staffel 1?

Besetzung: Thomas Schubert | Matthias Brandt | Larissa Sirah Herden | Andreas Döhler | Altine Emini
Genre: Komödie
D, 2022

The Blacklist (Staffel 9) – Reddington will Rache

Läuft bei: Netflix (9 Staffeln, 197 Episoden à 45 Min.)

The Blacklist für Einsteiger

Der intellektuelle Lebemann und Grosskriminelle Raymond Reddington arbeitet mit einer geheimen FBI-Taskforce zusammen. Er liefert dem FBI Hinweise auf andere Kriminelle, dafür ist ihm Immunität garantiert für seine Aktivitäten. Mit der FBI-Agentin Elizabeth Keen verbindet ihn eine besondere Beziehung, die über die Staffeln hinweg langsam enthüllt wird.

INHALTSANGABEN ZU STAFFEL 9 ENTHALTEN SPOILER ZU VORHERIGEN STAFFELN!

Zwei Jahre sind vergangen seit dem Ende der letzten Staffel. Die Taskforce wurde aufgelöst, Reddington (James Spader) ist von der Bildfläche verschwunden.

Die Taskforce lebt wieder auf

Reddingtons Bodyguard und Freund Dembe (Hisham Tawfiq) hat die Seiten gewechselt und ist jetzt FBI-Agent. Bei einem Undercover-Einsatz wird er verletzt, sein Partner getötet.

Harold Cooper (Harry Lennix) trommelt die Taskforce wieder zusammen, um den Hintermann zu fassen, der dafür verantwortlich ist. Dazu braucht er die Hilfe Reddingtons, den er tatsächlich wieder aufspürt.

Das grosse Geheimnis

Die Taskforce nimmt ihre Arbeit wieder auf, auch Reddington kehrt zurück in sein kriminelles Reich.

Mit der Zeit entdeckt das Team, dass sie nicht die ganze Wahrheit über den Tod von Elizabeth Keen kennen. Verschiedene Spuren führen Reddington und die Taskforce zur Person im engsten Umfeld, die tatsächlich verantwortlich ist für Liz‘ Ermordung.

Einschätzung

Die achte Staffel war eher langfädig. Sie litt auch darunter, dass Liz Keen/Megan Boone schon mit Projekten beschäftigt war für die Zeit nach ihrem Ausstieg aus «The Blacklist». Deshalb stand sie nicht für alle Episoden zur Verfügung, was einige irritierende Erzählkniffe verursachte.

Liz Keen – zum allerletzten Mal

NBC hatte sich schon vorher entschieden, die Serie auch ohne Liz weiterzuführen. Jetzt prägt sie, respektive ihre Ermordung zwar immer noch das Geschehen. Dieser episodenübergreifende Plot ist aber gut integriert als Spannungsbogen für die ganze Staffel.

Die neunte Staffel greift auf die bewährten Muster zurück. Jagd nach «Blacklistern» und daneben werden alle Hauptfiguren noch mit persönlichen Herausforderungen konfrontiert.

Allerdings gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Reddington und der Taskforce etwas kniffliger, weil sich ein Zielkonflikt manifestiert im Umgang mit der Person, die Liz‘ Tod verantwortet.

Zwei weitere Figuren verlassen die Serie

Wer Liz ermorden liess, wird tatsächlich geklärt. Ich hatte eine Zeit lang befürchtet, dass es wieder zu einem ärgerlichen Cliffhanger wie in Staffel 8 kommt.

Einen Cliffhanger gibt es trotzdem. Der deutet an, was uns in der zehnten Staffel erwarten wird. Denn die Serie ist so erfolgreich beim Publikum, dass NBC nicht aufhören will, obwohl auch diesmal zwei Figuren ihren Abschied andeuten in der letzten Episode (was mittlerweile bestätigt ist).

Zurück zur alten Qualität

«The Blacklist» hat nach der eher enttäuschenden achten Staffel wieder zurückgefunden zur alten Qualität. Es ist wieder eine solide, wenn auch nicht besonders originelle Krimiserie mit James Spader als Hauptfigur, die immer wieder mal nervt und gleichzeitig unterhaltsam ist.

Man darf man der zehnten Staffel durchaus optimistisch entgegensehen.

Wie viele Sterne gibst du «The Blacklist» Staffel 9?

Besetzung: James Spader | Diego Klattenhoff | Harry Lennix | Hisham Tawfiq | Amir Arison | Laura Sohn | Deirdre Lovejoy | Fisher Stevens
Serie entwickelt von: Jon Bokenkamp
Genre: Krimi | Thriller
USA, 2021

Obi-Wan Kenobi (Mini-Serie) – Flucht und Kampf in Endlosschlaufe

Läuft bei: Disney+ (Mini-Serie, 6 Episoden à 45 Min.)

Zehn Jahre sind vergangen, seit Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) vermeintlich seinen Jedi-Schüler Anakin Skywalker (Hayden Christensen) getötet hat. Obi-Wan nennt sich jetzt Ben, arbeitet in einer Fleischfabrik auf Tatooine und wacht aus der Ferne über Luke Skywalker, der bei Onkel und Tante aufwächst.

Inquisitoren locken ihn aus dem Versteck

Inquisitoren des Imperiums jagen die letzten Jedis. Inquisitorin Reva (Moses Ingram) will unbedingt Obi-Wan finden, den viele schon für tot halten. Sie will sich so die Gunst von Darth Vader sichern.

Reva beauftragt einen Kopfgeldjäger, Prinzessin Leia Organa (Vivien Lyra Blair) zu entführen. Die Zehnjährige lebt bei ihren Pflegeeltern auf Alderaan. Leia soll als Köder dienen, um Obi-Wan aus seinem Versteck zu locken.

Der unvermeidliche Kampf gegen Darth Vader

Das gelingt. Obi-Wan befreit Leia und flüchtet mit ihr vor den Inquisitor:innen. Erst jetzt erfährt er, dass Anakin nicht tot ist, sondern als Darth Vader nach ihm Ausschau hält.

Auf der Flucht gelingt es Obi-Wan und Leia ein paar Mal nur in letzter Sekunde, den Häschern zu entfliehen. Hilfe erhalten sie dabei von einem Netzwerk namens «The Path». Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sich Obi-Wan und Darth Vader gegenüberstehen werden.

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Einschätzung

Ich mag Star Wars. Ich habe alle neun Filme der drei Trilogien gesehen, teilweise mehrfach. Auch «Rogue One», «Solo» und die Serie «The Mandalorian». Und doch qualifiziere ich mich wohl nicht als Fan dieses Universums.

Für eingefleischte Fans unterhaltsam

Denn dann müsste ich mich jetzt mit grossem Enthusiasmus darüber auslassen, wer da jetzt wann und auf welchem Planeten in «Obi-Wan Kenobi» auftaucht, was er oder sie allenfalls zuvor oder danach noch für eine Rolle spielen wird oder könnte. Und dass Bens Kamel auf Tatooine ein Eopie ist.

Mit diesem Fan-Blick, der vor allem darauf abzielt, sich und anderen zu beweisen, dass man Personen, Orte und Handlungen im Star-Wars-Universum einordnen kann, bietet die Serie vielleicht gute Unterhaltung. Dem Rest – eher weniger, leider.

Die junge Leia zeigt ihr Potenzial

Ich war durchaus gespannt darauf, was Obi-Wan in all den Jahren zwischen Episode III und IV widerfahren ist. Zehn Jahre unterzutauchen, die Verbindung zur «Force» zu verlieren und hilflos dem Aufstieg des Imperiums zuschauen zu müssen – alles nicht ganz einfach für den ehemals grossen Jedi-Master.

Dann die Herausforderung, wieder aktiv zu werden, zu kämpfen, die Macht wiederzufinden. Das ist anfänglich interessant, vor allem dank Leia. Sie ist zwar noch Kind, aber schon klug, raffiniert, einfühlsam, besonnen und mutig. Ganz klar, dass sie eines Tages die Rebellion anführen wird, und dass Obi-Wan sie retten muss.

Überlebt er das Duell mit Vader? (Rhetorische Frage)

Auch die erste Flucht ist noch ziemlich spannend, als Obi-Wan mit Leia vor Reva flieht. Danach wiederholt sich das aber als einfallsloses Muster, inklusive Laserschwertduelle. Besonders die Kämpfe – ja, Mehrzahl – gegen Darth Vader lassen jede Spannung vermissen. Wir wissen, dass beide überleben werden.

Neben Leia ist die Inquisitorin Reva als Gegenspielerin von Obi-Wan einigermassen interessant, weil sie eine eigene Agenda verfolgt, die sich erst langsam erschliesst. Der Rest der Figuren ist eintönig bis lieblos gezeichnet, dafür überraschend namhaft besetzt.

Geschichten erzählen, statt Fankultur zu bedienen

Das grosse Problem dieser Serie fasst ein Artikel von digitaltrends («How Generation X ruined Star Wars») treffend zusammen: Die heutigen Star-Wars-Geschichten werden gemacht von «possessive devotees who are often more interested in fan service than storytelling.»

Diesen «Besessenen» reicht es eben, hier ein Handlungshäppchen hinzuwerfen, da eine Anspielung und dort ein Gag. Das ergibt keine Erzählung. Die Figuren bleiben blass und konturlos. Die Handlung besteht aus aneinandergereihten Szenen, die sich mehrfach wiederholen. Kein Spannungsbogen, keine Entwicklung.

Wissen wir mehr über Obi-Wan? Nein

Der Erkenntnisgewinn über das Leben von Obi-Wan zwischen den Filmen III und IV ist minimal. Er macht ein paar Jahre Pause, duelliert sich ein paar Mal mit Darth Vader und verschwindet für den Rest der Zeit in den Hügeln von Tatooine (das Fan-Häppchen: in Begleitung eines alten Bekannten). Das reicht nicht als gute Geschichte.

Wie viele Sterne gibst du «Obi-Wan Kenobi»?

Besetzung: Ewan McGregor | Moses Ingram | Vivien Lyra Blair | Hayden Christensen | Sung Kang | Rupert Friend | James Earl Jones | Indira Varma | Kumail Nanjiani | Jimmy Smits
Genre: Science-Fiction | Abenteuer
USA, 2022

The Time Traveler’s Wife (Staffel 1) – Als ob Liebe nicht schon kompliziert genug wäre

Läuft bei: Sky (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

Ein sechsjähriges Mädchen spielt auf einer Lichtung. Da taucht aus dem Nichts ein nackter Mann auf. Er bittet das Mädchen um eine Decke und erklärt, er sei ein Freund.

Verliebt in einen Zeitreisenden

Es ist die erste Begegnung von Clare (Rose Leslie) mit Henry (Theo James). Dutzende werden folgen in den nächsten zwölf Jahren. Während Clare normal älter wird, wechselt Henry dauernd sein Alter.

Denn Henry ist ein Zeitreisender. Er kommt aus der Zukunft und besucht Clare, die später seine Frau sein wird. Allerdings kann Henry seine Zeitreisen nicht steuern. Er landet an zufälligen Zeitpunkten in seinem Leben, immer nackt und immer hungrig.

Hochzeitsstress

Als Clare 20 ist, trifft sie Henry zum ersten Mal auf der «normalen» Zeitachse. Dieser Henry hat allerdings keine Ahnung, wer Clare ist, und sie ist enttäuscht, wie unreif der jüngere Henry ist.

Trotzdem entwickelt sich ihre Beziehung weiter, bis schliesslich der Tag der Hochzeit naht. Der Stress erhöht die Kadenz von Henrys Zeitsprüngen, so dass er beinahe den Gang zum Altar verpasst – eigentlich tut er das, aber er hilft sich selber aus der Patsche …

Einschätzung

Es ist ziemlich hoffnungslos, die Liebesgeschichte zwischen Clare und Henry nachzuerzählen. Denn die beiden begegnen sich in den verschiedensten Alters- und Zeitkonstellationen. Wie immer bei Zeitreisegeschichten darf man nicht jedes Detail hinterfragen.

Unterhaltend, einfühlsam und witzig

Aber das stört auch nicht besonders. Die Grundkonstellation ist klar: Über ihre ganze Kindheit und Jugend hinweg, lernt Clare den Mann kennen, der unausweichlich ihre grosse Liebe sein wird in der Zukunft. Doch selbst unter diesen Voraussetzungen gibt es einige Schwierigkeiten in der Beziehung, wenn die Zukunft zur Gegenwart wird.

Diese Romanze unter besonders schwierigen Bedingungen ist tatsächlich unterhaltend, einfühlsam erzählt und teilweise mit witzigen Episoden garniert.

Beim ersten Besuch bei Clares Eltern verschwindet Henry mal wieder kurz auf Zeitreise. Die Familie wartet mit dem Essen. Clare erklärt Henrys Verspätung damit, dass sie gestritten hätten. Auf seiner Zeitreise wird Henry verprügelt und taucht dann zum Entsetzen aller mit blauen Flecken am Esstisch auf.

Rätselhafte Plots, weil das Ende fehlt

Die Serie hätte vielleicht drei oder sogar vier Sterne verdient. Nette Romanze, kompliziert durch einen schrägen Twist und zwei Hauptdarsteller, die ihren Rollen gerecht werden. Rose Leslie etwas mehr als Theo James.

Aber dann ist da dieses riesiges Manko, dass die Serie die Geschichte nicht zu Ende erzählt. Deshalb bleiben einige Plots völlig rätselhaft, etwa weshalb zwei amputierte Füsse mitten auf der Strasse standen.

Mit grösster Wahrscheinlichkeit plante Steven Moffat eine zweite Staffel. Nur wird es die nie geben, weil HBO die Serie abgesetzt hat. Mit nur 250’000 Zuschauenden pro Episode waren die Zahlen wohl zu schlecht.

Besser den Film schauen oder das Buch lesen

Es stellt sich sowieso die Frage, weshalb Moffat und HBO den Stoff aufgenommen haben. Das Buch von Audrey Niffenegger wurde bereits 2009 mit Rachel McAdams und Eric Bana verfilmt. Der Film kam beim Publikum zwar nicht schlecht an, erhielt aber nur mässige Kritiken. Im Gegensatz zur Serie erzählt der Film dafür die ganze Geschichte.

Wer also wissen will, wie die ganze Romanze zwischen Clare und Henry verläuft, leiht sich besser den Film oder liest das Buch.

Wie viele Sterne gibst du «The Time Traveler's Wife» Staffel 1?

Besetzung: Rose Leslie | Theo James | Desmin Borges | Natasha Lopez | Kate Siegel | Everleigh McDonell
Serie entwickelt von: Steven Moffat
Genre: Romanze | Science-Fiction
USA/GB, 2022

Stranger Things (Staffel 4/1&2) – Vergnügt zurück in die Dämonenwelt

Läuft bei: Netflix (4 Staffeln, 34 Episoden. Episoden Staffel 4 à 75+ Min.)

Update zum Season-Finale
Inhaltlich kann man natürlich nichts verraten, ausser – es kommt zum bombastischen Showdown, den man erwarten durfte. Das inszenieren die Duffer-Brüder über fast vier Stunden, in denen man zwischendurch die Fingernägel in die Couch krallt.

Dass am Ende nicht alles zu Ende ist, kommt wenig überraschend. Die Duffer-Brüder hatten schon vor dem Start der aktuellen Staffel eine fünfte und letzte angekündigt. Jetzt gibt es nur noch zwei offene Fragen: Wann kommt die fünfte Staffel? Und wird sie mehr sein, als eine Neuauflage dessen, was wir schon mal gesehen haben?

Denn ehrlich gesagt: Staffel 4 war zwar sehr unterhaltsam, aber auch ein wenig nach dem bekannten Muster der Vorläufer gestrickt. Da müsste das Grande Finale schon noch etwas mehr zu bieten haben.

Neun Monate sind vergangen, seit Russen und der Mind Flayer die kleine Stadt Hawkins ins übernatürliche Chaos stürzten. Joyce, Will und Eleven sind nach Kalifornien gezogen. Der Rest der Freunde ist in Hawkins geblieben und ist zum normalen Schulleben zurückgekehrt.

Vecna – der neue Dämon

Normal bleibt die Welt natürlich nur kurz. Ein neuer Dämon aus der Gegenwelt «Upside Down» taucht auf und tötet eine Cheerleaderin auf bestialische Weise. Weitere Teenager-Opfer folgen.

Dustin, Steve, Max und der Rest der Gruppe verfolgen die Spur des Dämons namens Vecna in Hawkins.

Eleven bei Papa – Hopper bei den Russen

Eleven erhält in Kalifornien derweil Besuch von Sam Owens. Er bringt sie zurück zu ihrem «Papa», der ihr helfen soll, ihre verlorenen Superkräfte wiederzufinden. El soll für einen Kampf gegen die neue Bedrohung aus dem «Upside Down» bereit sein.

Der dritte Erzählstrang führt uns nach Russland. Joyce hat eine Nachricht erhalten, dass Jim Hopper noch lebt und in Russland gefangen gehalten wird. Gegen ein Lösegeld soll er freikommen. Gemeinsam mit Murray bricht sie nach Alaska auf, um das Lösegeld zu übergeben.

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Ich finde

Wer noch nie «Stranger Things» gesehen hat, wird mit obiger Zusammenfassung nichts anfangen können. Der:die sollte auch nicht jetzt einsteigen, sondern von vorne anfangen.

Drei Jahre älter, aber die Zahnspange ist geblieben

Doch selbst diejenigen, die die Vorgeschichten kennen, sind vielleicht froh, dass am Anfang der neuen Staffel die dritte Staffel rekapituliert wird. Denn in der realen Welt sind drei Jahre vergangen, seit die letzte Staffel erschienen ist, und nicht nur neun Monate wie in der Serie.

Das sieht man zwar dem Cast etwas an, aber lange hält man sich an dieser leichten Irritation nicht auf. Immerhin trägt Dustin noch seine Zahnspange.

Liebeskummer und Schulbullies

Schnell ist man wieder drin in der Teenager-Welt der 80er in der Kleinstadt Hawkins und neu auch in Lenora Hills in Kalifornien. Da sind wieder diese zwischenmenschlichen Geschichten von Loyalität mit den Freunden, Liebeskummer und -sehnsucht und Schikane in der Schule.

Bald kommt auch das fantastische Element, das nicht nur Spannung bringt, sondern auch die visuelle Bereicherung durch die Gegenwelt des «Upside Down».

Ein weiteres Markenzeichen der Serie ziehen die Duffer-Brüder ebenfalls durch: die Referenzen an die Popkultur der 80er-Jahre.

Hier kommt Freddy – und Hannibal

Besonders hübsch ist der Auftritt von Robert Englund. Er spielte Freddy Krueger in den «Nightmare on Elm Street»-Filmen. Hier tritt er in einer Nebenrolle auf als Victor Creel, der vermeintlich seine Familie ermordet hat. In Tat und Wahrheit ist er diesmal ein Opfer.

Die Begegnung mit Englunds Figur in einer Klinik ist eine weitere Verneigung vor dieser Ära. Sie ist inszeniert wie der erste Besuch von Clarice Starling bei Hannibal Lecter in «The Silence of the Lambs». Das fällt zwar ganz leicht aus dem Zeitrahmen, weil der Film 1991 in die Kinos kam. Aber die Buchvorlage stammt von 1988.

Kate Bush – grossartig

Kommt noch der Soundtrack dazu. Dass Kate Bushs «Running Up That Hill» (1985) dank «Stranger Things» (die ganze Szene hier, aber Achtung Spoiler) die Spotify-Charts stürmte, hat mich als alter Fan der grossartigen Musikerin natürlich besonders gefreut. (Der SPIEGEL macht dazu ein paar berechtigte kritische Anmerkungen, auch wenn ich nicht alles unterschreiben würde.)

Einzig frustrierend ist natürlich, dass wir auf das Finale noch ein paar Wochen warten müssen. Wer sich wundert: Der Grund liegt in den Schnupperabos, die die Streamer anbieten.

Sendepause bis zum Finale

Das nutzen offenbar einige, um sich eine Serie reinzuziehen und dann wieder auszuklinken. Dem schieben die Anbieter jetzt einen Riegel mit wöchentlichen Episodenveröffentlichungen oder wie hier Netflix mit einer Sendepause. Nervig für die zahlenden Abonnent:innen, aber ist jetzt halt so.

Auf jeden Fall bin ich gespannt aufs Finale. Der Weg dahin war bislang sehr vielversprechend. Zwei Erzählstränge haben schon überraschend zusammengefunden. Mal schauen, was mit dem dritten geschieht.

Wie viele Sterne gibst du «Stranger Things» Staffel 4/1?

Besetzung: Winona Ryder | David Harbour | Finn Wolfhard | Millie Bobby Brown | Gaten Matarzzo | Caleb McLaughlin | Natalia Dyer | Charlie Heaton | Joe Keery | Noah Schnapp | Sadie Sink | Matthew Modine | Paul Reiser | Joseph Quinn | Tom Wlaschiha
Created by: Ross Duffer | Matt Duffer
Genre: Abenteuer | Fantasy | Horror
USA, 2022