The Sandman (Staffel 1) – Umwerfende Reise ins Traumreich

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 10 Episoden à 45 Min.)

Der okkulte Magier Roderick Burgess (Charles Dance) will mit einem Ritual den Tod einfangen, um von ihm – besser von ihr, wie wir später sehen – seinen Sohn freizupressen, der im Krieg gefallen ist.

100 Jahre gefangen

Stattdessen geht ihm aber des Todes Bruder Morpheus (Tom Sturridge), Dream genannt, in die Falle. Über 100 Jahre bleibt der Sandmann, König der Träume und Albträume, Herrscher über das Traumland im Keller der Burgess’s gefangen.

Weil er seinen Aufgaben nicht nachkommen kann, breitet sich in der Welt die Schlafkrankheit aus. Millionen schlafen ein und wachen nicht mehr auf.

Der Sandbeutel, die Maske und der Rubin

Als Dream endlich freikommt, muss er sich zuerst drei mächtige Werkzeuge für seine Arbeit wiederbeschaffen, die Burgess ihm abnahm. Sein Beutel mit Sand ist mittlerweile im Besitz der Dämonenjägerin Johanna Constantine (Jenna Coleman).

Seine Maske ist in der Hölle gelandet. Dream muss einen Wettstreit gegen Lucifer Morningstar (Gwendoline Christie) gewinnen, um sie zurückzugewinnen. Fast am schwierigsten, aber auch am wichtigsten, ist es für Dream, seinen Rubin zurückzubekommen, der Träume wahr macht.

Ein Vortex bedroht das Traumreich

Der ist in die Hände von John Dee (David Thewlis) gefallen, Sohn von Roderick Burgess und seiner Geliebten Ethel Cripps (Joely Richardson). Dee will den Rubin benutzen, um die Welt von ihren Lügen zu befreien. Ein «Test» in einem Diner endet in einem Blutbad, was ihn jedoch kaum kümmert. Letztlich verliert John den Rubin aber an Dream.

Für Dream sind die Probleme damit nicht beendet. Ein neues ist aufgetaucht. Ein Vortex in der Gestalt einer jungen Frau (Vanesu Samunyai) bedroht seine Macht und sein Königreich.

Dream
Roderick Burgess
Das zerfallene Traumreich
Librarian
Dream und der Rabe
Merv Pumpkinhead
Kain und Abel
Johanna Constantine
Johanna Constantine
Lucifer Morningstar
John Dee
John Dee
Death und Dream
Gilbert
The Corinthian
Dream und Rose Walker
Dream und Rose Walker
Desire
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Einschätzung

Fantastisch, was Netflix hier bietet mit der Umsetzung der Comicreihe von Neil Gaiman. Fantastisch sind die Geschichten, die wir mit Dream erleben. Fantastisch ist aber auch der Cast und die Inszenierung.

Üppiges Design

Das Setdesign der Landschaften und Orte ist oft so üppig, dass es auf dem kleinen Bildschirm gar nicht richtig zur Geltung kommt. Manchmal hält zwar die CGI nicht ganz mit, aber das kann man schnell verzeihen.

Tom Sturridge als Dream, der hier erstmals eine grosse Hauptrolle übernommen hat, scheint fast die einfachste Rolle zu spielen. Schliesslich muss er in seinem Gothic-Look kaum einmal die Miene verziehen und kaum Emotion in seinen Dialogen zeigen.

Doch er und seine Figur wandeln sich durchaus über die Episoden hinweg, mit kleinen und kleinsten Regungen der Stimme und des Gesichtsausdrucks.

Bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt

Ebenfalls fast als verschwenderisch kann man die Besetzung der weiteren Rollen bezeichnen. Stephen Fry (erst kürzlich zu sehen in «The Dropout») gibt den englischen Gentleman, der in Wahrheit – ah, nein, keine Spoiler. Jenna Coleman (Clara aus «Doctor Who» und Queen Victoria in «Victoria») ist die toughe Dämonenjägerin Johanna Constantin.

Boyd Holbrook («Narcos») sorgt als Albtraum, der aus dem Traumreich flüchtet und der wirklichen Welt zum Massenmörder wird, regelmässig für leises Schaudern mit seinem Grinsen. Zum Glück trägt er meist eine Sonnenbrille und man sieht seine, sagen wir, ungewöhnlichen Augen nicht.

David Thewlis überragt alle

Für die unterhaltsamere Note sorgen Patton Oswalt (kürzlich in «Gaslit») als die Stimme des schnippischen Raben Matthew. Oder Mark Hamill (ja, genau der) als Stimme von Merv Pumpkinhead, der genau so aussieht, wie er heisst.

Aber einer läuft allen den Rang ab, wieder mal: David Thewlis (ebenfalls hervorragend in «Landscapers») als John Dee. Er besticht durch eine Zurückhaltung, die gleichzeitig äusserst intensiv ist. Die Episode, in der er anteilnahmslos im Diner sitzt, während sich rundherum das Drama zuspitzt und im Blutbad endet, gehört zu den besten der Serie.

Oder vielleicht ist die Episode noch besser, als Dream seine Schwester Death (Kirby Howell-Baptiste) bei der Arbeit begleitet? Dream findet dank ihr wieder einen Sinn in seinem Tun. Sie zeigt ihm, wie sie mit Empathie und einem Lächeln den Menschen den Weg in den Tod erleichtert. Denn nicht die Macht als Tod sei wichtig, sagt sie, sondern der Dienst an den Menschen.

Umwerfendes Sehvergnügen

Es gäbe noch einiges mehr zu schwärmen über «The Sandman», wie Stories, Inszenierung und Cast ein umwerfendes Sehvergnügen bereiten. Aber am besten schaut man sich’s selber an. Es lohnt sich!

Eine Anmerkung zum Schluss: Die Comicvorlage kannte ich vorher nicht (bin jetzt am ersten Band 😉). Deshalb mag meine Begeisterung den Kenner:innen von Gaimans Werk banal vorkommen. Ich kann auch keine vergleichenden Betrachtungen zu Comic und Serie anstellen. Aber das finde ich in den meisten Fällen sowieso eher fruchtlos.

Wie viele Sterne gibst du «The Sandman» Staffel 1?

Besetzung: Tom Sturridge | Boyd Holbrook | Patton Oswalt | Vivienne Acheampong | David Thewlis | Jenna Coleman | Joely Richardson | Gwendoline Christie | Vanesu Samunyai | Stephen Fry | Charles Dance
Serie entwickelt von: Neil Gaiman | David S. Goyer | Allan Heinberg
Genre: Fantasy
USA, 2022

Star Trek: Strange New Worlds (Staffel 1) – They boldly go, again

Läuft bei: Paramount+ (1 Staffel, 10 Episoden à 45 Min.)

Nach den Ereignissen auf dem Planeten Boreth («Star Trek: Discovery» 2. Staffel) nimmt Captain Christopher Pike (Anson Mount) eine Auszeit. Er versucht damit klarzukommen, dass er seine Zukunft, seinen eigenen Tod gesehen hat.

Spock muss die Verlobung abkürzen

Doch Starfleet gewährt ihm nur eine kurze Pause. Pike muss eine Rettungsmission übernehmen. Seine erste Offizierin Una Chin-Riley (Rebecca Romijn) ist bei einer «First Contact»-Mission verschwunden.

Auch andere Crewmitglieder müssen ihren Urlaub abbrechen. Science-Officer Spock (Ethan Peck) erhält den Marschbefehl mitten in der Verlobungszeremonie mit seiner Freundin T’Pring (Gia Sandhu).

Aufbruch in gefährliche Abenteuer

Die Unterhaltsarbeiten an der USS Enterprise sind noch nicht ganz abgeschlossen, als die Crew mit dem Raumschiff aufbricht, um Una zu retten. Mit an Bord sind vertraute Namen, wenn auch neue Gesichter: etwa Cadet Nyota Uhura (Celia Rose Gooding) oder Nurse Christine Chapel (Jess Bush).

Diese Mission ist der Auftakt zu einer fünfjährigen Expedition der Enterprise in den tiefen des Weltraums. Weitere Abenteuer folgen, bei denen Pike und seine Crew einem zerstörerischen Kometen, Plasma-Wesen, den brutalen Gorn, den kriegerischen Romulanern und vielen anderen Gefahren begegnen.

Die Brücke der Enterprise
Anson Mount: Captain Christopher Pike
Rebecca Romijn: Una Chin-Riley, Number One
Ethan Peck: Spock, Science Officer Spock Gia Sandhu: T'Pring
Celia Rose Gooding: Cadet Nyota Uhura
Christina Chong: La'an Noonien-Singh
Melissa Navia: Erica Ortegas, Lt. Erica Ortegas
Jess Bush: Nurse Christine Chapel
Babs Olusanmokun: Dr. M'Benga
Pike and Burnham in Star Trek: Discovery
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Einschätzung

«Star Trek: Strange New Worlds» überrascht. Nicht durch neue Erzählungen, Charaktere oder Technologien. Nein, die Serie überrascht, weil sie in die traditionelle Serienwelt zurückkehrt, wie es die Originalserie pflegte.

Zurück zu traditionellen Episodengeschichten

Im Gegensatz zu den neueren Star Trek Serien wie «Picard» und «Discovery», die wie heute üblich einen Erzählbogen über eine gesamte Staffel spannen, erzählt «Strange New Worlds» Episode für Episode eine neue Geschichte.

Das schliesst nicht aus, dass sich einzelne Plots über die ganze Staffel spannen. Spocks Beziehung zu seiner Verlobten T’Pring etwa, die den Halbvulkanier, Halbmenschen vor die Frage stellt, was oder wer er ist.

Uhura zweifelt noch an Starfleet

Cadet Nyota Uhura (Celia Rose Gooding) hat gerade eben erst ihre Ausbildung abgeschlossen und absolviert ihren ersten Einsatz auf der Enterprise. Sie ist sie eigentlich gar nicht so sicher, ob die Starfleet wirklich ihre Welt ist.

Und natürlich Pikes Dilemma, dass er Ort und Zeit seines Todes erfahren hat. Er ringt mit der Frage, ob diese Zukunft wirklich unausweichlich ist.

Wie früher einmal pro Woche in ferne Galaxien – macht Spass

Das alles macht Spass: Mal wieder eine Serie, die man nicht bingen muss, sondern einmal pro Woche schauen kann. Man muss auch kein Trekkie sein, um die Serie zu geniessen. Einsteiger:innen in die Welt der Enterprise finden sich schnell zurecht.

Dennoch ein bisschen Einordnung, wo wir uns im Star Trek-Universum befinden mit diesem neuen Ableger.

NBC war mit Pike unzufrieden, deshalb kam Kirk

Die Figur von Captain Christopher Pike ist keineswegs neu. Pike war in der ersten Pilotfolge von Star Trek Kommandant der Enterprise, gespielt von Jeffrey Hunter. NBC war mit der Folge aber nicht zufrieden und gab einen neuen Piloten in Auftrag, diesmal mit Captain James T. Kirk und William Shatner als Darsteller. Der Rest ist Geschichte.

In den Reboot-Filmen (Star Trek und Star Trek Into Darkness), die auf einer anderen Zeitachse spielen, taucht Pike als Kommandant der Enterprise auf, der den jungen James T. Kirk zu einer Karriere in der Starfleet ermutigt.

In neuerer Zeit tauchte Pike gemeinsam mit Spock und Una Chin-Riley in der zweiten Staffel an Bord der Discovery auf (gespielt von denselben Schauspieler:innen wie jetzt in «Strange New Worlds»). Pike übernahm das Kommando der Discovery, weil die Enterprise zerstört worden war.

Pike bleiben sechs Jahre

«Strange New Worlds» setzt zeitlich gleich nach der zweiten Staffel von «Discovery» ein im Jahr 2259. Captain Kirk wird die Enterprise 2265 übernehmen ( Star Trek Zeitleisten).

Pike bleiben somit sechs Jahre Kommando auf der Enterprise. Wie viele Staffeln daraus entstehen werden, ist noch offen. Eine zweite Staffel ist aber für nächstes Jahr bereits angekündigt.

Wie viele Sterne gibst du «Star Trek: Strange New Worlds» Staffel 1?

Besetzung: Anson Mount | Ethan Peck | Rebecca Romijn | Melissa Navia | Jess Bush | Christina Chong | Celia Rose Gooding | Babs Olusanmokun | Gia Sandhu
Serie entwickelt von: Akiva Goldsman | Alex Kurtzman | Jenny Lumet
Genre: Science-Fiction | Abenteuer
USA, 2022

Resident Evil (Staffel 1) – Nur toll, wenn das Blut spritzt

Resident Evil Poster

1 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

2036 ist die Welt mal wieder in der Hand von Monstern, so genannten «Zeroes». Die Zeroes wurden mit dem T-Virus infiziert, töten und fressen alles, was sich bewegt.

Jade wird gejagt

Jade (Ella Balinska) studiert in London das Verhalten der relativ tumben Monster. Eines Tages geht das schief und sie wird von Zeroes gejagt. Ein paar Plünderer retten sie, finden aber heraus, dass auf Jade ein Kopfgeld ausgesetzt ist.

Jade kann bei der Übergabe entkommen und versucht sich nach Calais durchzuschlagen.

Geldgier bringt das Unheil

Vor 14 Jahren war die Welt für Jade noch in Ordnung. Sie zog mit ihrer Schwester Billie (Adeline Rudolph) und ihrem Vater Albert Wesker (Lance Reddick) nach New Racoon City. Hier hat die Firma Umbrella ihren Hauptsitz.

Albert entwickelt für die Firma ein Medikament, das eine gefährliche Komponente beinhaltet: das T-Virus. Obwohl er davor warnt, will die gierige Chefin der Firma möglichst schnell auf den Markt mit dem Wundermittel.

Jade und Billie kommen den Machenschaften von Umbrella auf die Spur. Billie wird mit dem Virus infiziert.

Einschätzung

«Resident Evil» hat eine lange Geschichte. Es ist eines der erfolgreichsten Horror-Computergames, das erstmals 1993 erschien. von 2002 bis 2016 wurden auch sechs Filme mit Milla Jovovich in der Hauptrolle produziert. Netflix wagt sich jetzt daran, die Franchise als Serie zu verwerten – und scheitert kolossal.

Full disclosure: Ich habe nur drei Episoden vollständig gesehen, beim Rest ein bisschen reingezappt, aber es blieb unerträglich. Ich habe keinen Kinofilm gesehen und nur in den Anfängen mal ein bisschen das Computergame gespielt.

Zäh, vorhersehbar, stereotyp

Aber ich bin einer guten Virus-Horrorserie durchaus nicht abgeneigt. Von Guillermo del Toros‘ «The Strain» habe ich doch zwei von vier Staffeln angeschaut, bevor ich’s nicht mehr so spannend fand.

Aber bei «Resident Evil» stimmt von Anfang an gar nichts. Die Geschichte entwickelt sich äussert zäh, vorhersehbar und ist gespickt mit stereotypen Figuren.

Wohin flieht Jade?

Im Jahr 2036 wird Jade über mehrere Episoden von Umbrella gejagt und dauernd von Zeroes und anderen Monstern bedroht. Immer entkommt sie fast als einzige den diversen Gemetzeln. Wohin das führen soll, bleibt lange schleierhaft.

In der Vergangenheit, also im Jahr 2022, entfaltet sich langsam das Unheil, sehr langsam. Was halt nicht so spannend ist, weil man ja weiss, was herauskommt. Einzelne Plotelemente, wie die Enthüllungen über Albert Weskel und seine Vergangenheit, sollen einen bei der Stange halten, sind aber ebenfalls nicht so prickelnd.

Bei den Fans gefloppt

Dass diese beiden Zeitebenen teilweise im Minutentakt gewechselt werden, teilweise mit Mini-Cliffhangern, nervt ebenfalls unsäglich.

Falls «Resident Evil» vor allem auf die Fangemeinde der Franchise zielte, hat das auch nicht ganz geklappt. Die Resonanz ist gemischt bis vernichtend.

Gut nur, wenn das Blut spritzt

Das einzig Gelungene an der Serie sind die Monster. Wenn die zubeissen und das Blut spritzt, dann ist das in guter Horrortradition gemacht.

Wie viele Sterne gibst du «Resident Evil» Staffel 1?

Besetzung: Ella Balinska | Tamara Smart | Siena Agudong | Adeline Rudolph | Paola Nuñez | Lance Reddick |
Serie entwickelt von: Andrew Dabb
Genre: Horror | Action
USA, 2022