

Disney+ (Mini-Serie, 8 Episoden à 50 Min.)
Es mangelt nicht an Verfilmungen von Alexandre Dumas‘ Abenteuerroman «Le Comte de Monte-Cristo». Seit der ersten Stummfilmversion von 1908 folgten über zwei Dutzend weitere Filme und TV-Mehrteiler.

Neu erzählt für eine neue Generation
Aber es ist immerhin ein Vierteljahrhundert vergangen, seit der Stoff letztmals in extenso über die Bildschirme flimmerte. Damals spielte Gérard Depardieu im Fernsehvierteiler den vom Schicksal gebeutelten Edmond Dantès, der sich auf seinen Rachefeldzug begibt.
Die Geschichte für Einsteiger:innen
Der Seemann Edmond Dantès (Sam Claflin) wird 1815 am Vorabend seiner Hochzeit mit der schönen Mercédès durch einen anonymen Brief als Verräter denunziert. Dahinter stecken Philippe Danglars und Fernand Mondego.
Danglars ist neidisch, weil Dantès und nicht er zum Kapitän befördert wurde. Mondego will Dantés aus dem Weg räumen, weil er Mercédès begehrt.

Der Brief landet beim Staatsanwalt Gérard de Villefort. Der merkt zwar schnell, dass Dantés unschuldig ist. Weil der Brief aber Villeforts Vater kompromittieren könnten, steckt er Dantés ohne Gerichtsverhandlung ins Gefängnis.
Dort schmort er Jahre lang, bis sein Zellennachbar bei ihm auftaucht, der einen Tunnel gegraben hat. Die beiden wollen gemeinsam fliehen. Abbé Faria stirbt vorher, gibt Dantés auf dem Totenbett zuvor eine Karte, die zu einem riesigen Schatz führen soll.
Dantés gelingt die Flucht und er findet den Schatz. Als reicher Mann reist er nach Paris. Dort leben seine drei Widersacher, die alle Karriere gemacht haben und deren Leben er zerstören will. Auch Mercédès ist in Paris. Sie heiratete Mondego, nachdem Villefort Dantés für tot erklärt hatte.
Inzwischen ist eine neue Generation herangewachsen, die man mit dem Klassiker der französischen Literatur beglücken kann. Wenn sich dann noch der dänische Regisseur Bille August, Oscar-Preisträger und Gewinner der Goldenen Palme, dem Stoff annimmt, ist das zumindest vielversprechend.

Die italienisch-französische Koproduktion, in Englisch gedreht, bietet das Nötige: eine angemessene Umsetzung der Erzählung in schönen Bildern und prächtigem Dekor. Mehr jedoch nicht.
Schwacher Hauptdarsteller, hölzerne Dialoge
Dass die Neuauflage wenig begeistert, liegt nicht zuletzt am ziemlich steifen Auftritt von Sam Claflin. Seinem Edmond Dantès kauft man weder die Verzweiflung im Kerker des Chãteau d’If noch den Auftritt als rachsüchtiger Edelmann in der Pariser High-Society ab. Da war Claflin in der Rockband-Romanze «Daisy Jones & The Six» einiges überzeugender.
Auch der Rest des Casts (u.a. Blake Ritson, der als Oscar Van Rhijn in «The Gilded Age» sehr gefällt) wirkt, als ob die historischen Kostüme sie dauernd jucken. Sie scheinen sich in ihren Rollen unwohl zu fühlen. Aber das ist wohl auch den hölzernen Dialogen geschuldet.

Statt mitzufiebern, schaut man unberührt zu
Amüsant ist dagegen der kurze Auftritt von Jeremy Irons als Dantes‘ Mithäftling im Château d’If. Man gewinnt den Eindruck, er sei zufällig bei den Dreharbeiten vorbeigekommen und fand es witzig, sich als ungepflegter Abbé Faria zu verkleiden und in staubigen Tunnels herumzukriechen.
Dumas‘ «Le Comte de Monte-Cristo» hätte eine Umsetzung mit mehr Herz verdient. So verfolgt man Edmonds langen Leidensweg emotionslos.
Besetzung: Sam Claflin | Ana Girardot | Mikkel Boe Følsgaard | Blake Ritson | Harry Taurasi | Michele Riondino | Jeremy Irons | Nicolas Maupas | Jason Barnett | Gabrielle Pession | Poppy Corby-Tuech
Regie: Bille August
Genre: Drama | Abenteuer | Historie
F/ITA, 2024











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