Und dann war’s das – noch …

Danach – Happy Hour forever

Der Morgengrüsser (salvatus matutinum)

Der Morgengrüsser. Foto: Bürgler

Schon seit einigen Wochen begrüsst mich auf der morgendlichen Fahrt ein Vogel. Er wartet immer an der selben Stelle. Dort, wo sich im Morgenverkehr die Autos vor einer Ampel stauen.

Wahrscheinlich ist es dem Vogel ziemlich egal, ob ich im Auto sitze oder jemand anders. Er schaut zwar ziemlich unerschrocken kurz ins Wageninnere. Interessiert ist er aber vor allem am Rückspiegel. Vor dem flattert er jeweils ein paar Mal aufgeregt herum. Dann zieht er zum nächsten Wagen in der Kolonne weiter.

Zuerst dachte ich, der Vogel suche da nach Nahrung. Macht aber wenig Sinn. Die zerquetschten Insekten fände er auf der Windschutzscheibe, nicht im Rückspiegel. Vielleicht interessiert ihn sein Spiegelbild? Möglicherweise leidet er an einer narzistischen Störung und versucht, mit sich selber zu balzen? Kluge Erklärungen für das eigentümliche Verhalten sind gesucht.

Bis dahin ist er für mich ein typischer Morgengrüsser (salvatus matutinum) – oder so.

Mein Berliner Berlin Moment

Ich war für drei Tage in Berlin am Prix Europa. Wenn ich da auf die S-Bahn ging, kam ich jeweils am Hotel Ibis vorbei. Dort wohnte ich vor zwei Jahren, als ich schon mal am Prix Europa war.

Diesmal wohnte ich woanders, aber ganz in der Nähe. Da hab ich mir spät abends zur Erholung den Film «Hanna» angeschaut. Im Film gibts eine Szene, in der Eric Bana nach Berlin fährt. Er steigt an einem Busbahnhof aus, der mir schon sehr bekannt vorkam. Und Sekunden später stand er – wo wohl?

Hotel Ibis beim Messegelände in Berlin. Foto: Bürgler
Eric Bana in Berlin. Screenshot aus «Hanna»

Im Film wird er verfolgt von unfreundlichen Gestalten. Die erledigt er in der Unterführung, die nur ein paar Meter vom Hotel entfernt ist – und mir auch gut bekannt. Wenn man da nachts durch muss, ist das kein angenehmes Gefühl. Nachdem ich im Film dann noch die vier Leichen da liegen sah, war mir leicht mulmig, als ich am folgenden Abend da auch wieder durchkam. Aber – ging alles gut 🙂

Im Trailer zu «Hanna» ist die Kampfszene in der Unterführung bei 2:02 ganz kurz zu sehen.

Wer war William wirklich?

Mal wieder ein Beitrag für die Rubrik «100 Sekunden Wissen» von DRS 2. Zu hören War zu hören am 23. August 2010 um 8 Uhr.

100 Sekunden Wissen – Wer war William Shakespeare wirklich?
Das so genannte Chandos Portrait von William Shakespeare, entstanden um 1610.

Sein Geburtsdatum kennen wir nicht. Im Kirchenregister von Stratford-upon-Avon ist lediglich das Taufdatum vermerkt: 26. April 1564. Auch dass er mit 18 Jahren eine acht Jahre ältere Frau geheiratet hat ist belegt – und sein Todesdatum: der 23. April 1616.

Sicher ist auch, dass Ende des 16. Jahrhunderts ein William Shakespeare erfolgreich als Schauspieler und Theatermann in London tätig war.

Keine Beweise

Bis heute fehlt aber der endgültige Beweis, dass dieser William Shakespeare tatsächlich der Autor jener Tragödien, historischen Dramen und Komödien ist, die seinen Namen unsterblich machten.

Aber wenn nicht William – wer schrieb dann Romeo und Julia, King Lear oder Hamlet?

Bacon? Marlowe? Oder gar Elisabeth I.?

Die Reihe der Anwärter auf den Dichterthron ist lang: Francis Bacon, der Philosoph und Staatsmann galt lange Zeit als Kronfavorit. Christopher Marlowe zählt auch dazu, aber wohl nicht zuletzt, weil man über diesen Dichter fast genau so wenig weiss, wie über Shakespeare.

Gut ein Dutzend weitere Namen liessen sich nennen, darunter auch Frauen: etwa Mary Sidney, Gräfin von Pembroke und selbst Königin Elisabeth die Erste wird der literarischen Wunderleistung verdächtigt.

Oxford vs. Stratford

Heute macht vor allem noch ein Mann Shakespeare die Autorenschaft streitig. Edward de Vere, 17. Earl von Oxford.

Der Aristokrat hatte erwiesenermassen eine ausgeprägte Neigung zur Literatur. Doch auch bei de Vere gibt es Ungereimtheiten – er starb zwölf Jahre vor Shakespeare. In diesen zwölf Jahren sind aber noch Werke entstanden, die Shakespeare zugeschrieben werden. Oder hat de Vere sie vor seinem Tod geschrieben und sie wurden postum veröffentlicht?

Was bleibt?

Viele Fragen sind ungelöst und bleiben es wohl. Deshalb muss man sich damit abfinden: Wir wissen nicht ganz sicher, wer Shakespeares Dramen geschrieben hat. Irgendwo auch egal – Hauptsache sie wurden geschrieben.

Buchtipp: Kurt Kreiler: Der Mann, der Shakespeare erfand: Edward de Vere, Earl of Oxford.

Konrad Zuse zum 100. Geburtstag

Wenn der Krieg nicht gewesen wäre, dann… Ja, dann wäre Konrad Zuse wahrscheinlich als extrem reicher Mann gestorben. So musste er fast bis zu seinem Lebensende darum kämpfen, als das anerkannt zu werden, als das er sich sah: Den wahren Erfinder des Computers.

Immerhin, diesen Ehrentitel gestanden ihm noch zu seinen Lebzeiten viele zu. Ganz unbestritten ist der Titel aber auch heute noch nicht, vor allem jenseits des Atlantiks. Und reich wurde Zuse trotzdem nicht mehr. Ende der 1960er-Jahre hatte er einen Patentprozess endgültig verloren.

Zu seinem 100. Geburtstag am 22. Juni 2010 sind eine Reihe interessanter Artikel erschienen. Am umfassendsten schildert m.E. aber ein älterer Artikel von 1997 aus Spektrum der Wissenschaft das Werk des deutschen Ingenieurs und Erfinders. Interessant ist sicher auch die kritische Note, die der Spiegel jüngst den meist ehrerbietigen Würdigungen entgegenstellt und zumindest ein Fragezeichen setzt zu Zuses Wirken während des Dritten Reichs.

Besonders für mich an Zuse ist, dass ich ihn tatsächlich einmal persönlich interviewen konnte. Ende der 1980er-Jahre war er zu Besuch in Basel. In einem Hotelzimmer am Bahnhof empfing Zuse ein Journalistentrio zu einem halbstündigen Gespräch. Thema war natürlich seine Erfindung und ihm lag sehr viel daran, dass seine Rolle in der Geschichte des Computers richtig zur Geltung kam. Dabei wirkte er aber nicht als Selbstdarsteller, sondern als Mann, der lange um Anerkennung kämpfen musste. Leider finde ich den Artikel nicht mehr, den ich damals über ihn geschrieben habe.

Mein Geburtstagsgruss in 100 Sekunden auf DRS 2 hatte keinen Platz für diese persönliche Anekdote sondern nur für wichtigsten Eckpunkte von Zuses Leben.

100 Sekunden Wissen – Konrad Zuse

Spiegel-Cover «iKult» für die Sammlung

Der iKult hängt – zwischen Google und Napster. Foto: Bürgler

Natürlich gehört der neueste Spiegel-Titel «Der iKult» in meine Sammlung von Zeitschriftencovers über Multimediathemen, die bei mir am Arbeitsplatz hängt. Dieses Cover hab ich mir aber sofort gesichert und gerahmt, bevors da irgendwelche Fettflecken drauf gibt, weils einfach so genial ist. Nicht Steve Jobs bei einer seiner Messen, kein iPad, -phone oder sonstiges -ding, nein: nur der Apfel und die gereckten Hände der JüngerInnen, die danach gieren. Super!

Jetzt muss ich noch den Artikel lesen, um zu sehen, ob er hält, was das Titelbild verspricht.

Nachtrag:

Drei Saunagänge später hab ich jetzt die Titelgeschichte (online, Abo+) gelesen und bin mir nicht sicher, wie ich sie einordnen soll. Ich hätte mir aber mehr zum «iKult» und weniger zu Steve Jobs erhofft.

Die Frage bleibt für mich unbeantwortet, wie denn eigentlich die Jünger damit umgehen, dass ihre Ideologie zum Mainstream geworden ist. Apple-Anhänger zu sein, hiess mal, auf der richtigen Seite zu stehen, der edle Underdog zu sein, überall Diskriminierung zu wittern und vieles mehr.

Und heute? Da zeigt sich einerseits, wie der Spiegel-Titel ja schön schildert, dass Steve Jobs seinen Laden führt wie Kim Jong-Il sein Land (wenn auch mit einer anderen und deutlich ansprechenderen Vision). Und andererseits kaufen heute Leute (wie ich) Apple-Produkte, die morgen schon wieder hemmungslos zur Konkurrenz wechseln würden. Das ist für echte Apple-Jünger unvorstellbar.

Die Frage also: Wie lange lässt sich die Ideologie noch aufrecht erhalten, die die echten Anhänger in Apple hinein interpretierten? Denn letztlich ist Apple wie jede andere Firma: Je mächtiger sie wird, desto gefährlicher wird sie für den Konsumenten. Das hat ja schon Microsoft bewiesen, und Apple ist keinen Deut besser. Das erstaunt mich nicht und regt mich auch nicht auf. Einen Apple-Jünger müsste es aber eigentlich tief treffen, oder?

Und zum Schluss noch die komische Note: How Apple sells their products – the Steve Jobs Way

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