Serien-Tipp: Mare of Easttown

Eine Staffel

Mare Sheehan (Kate Winslet) ist eine Polizistin in einem kleinem Kaff. Sie ermittelt im Mord an einer jungen Mutter. Weil in dem Kaff jeder jeden kennt und mit jedem zweiten verwandt ist, wird die Ermittlung auch persönlich. Ganz abgesehen davon, dass Mare noch von einigen Geistern aus der Vergangenheit gejagt wird.

Ich finde

Unglaublich stimmungsvoller Krimi mit hervorragenden Darsteller:innen. Auch wenn es Winslet fast ein wenig auf die Spitze treibt mit ihrer ungeschminkten und ungeschönten Darstellung von Mare, am Ende muss man den Hut ziehen – sie ist grossartig. Und dann dieses Kaff, das ich intuitiv eher irgendwo in England verorten würde, aber wohl nur deshalb, weil solche Orte in US-amerikanischen Serien sonst nicht auftauchen: eine perfekte Kulisse für normale Menschen, die mit kleinen und grossen Katastrophen im Leben konfrontiert sind. Kurzum: «Mare of Eastwood» ist ein Binge-Genuss.

Streaminganbieter: Sky (Limited Series)

Und dann war’s das – noch …

Danach – Happy Hour forever

Als den Australiern ein Premierminister abhanden kam

Australien ist ja in manchen Dingen ziemlich einzigartig: Von der Schönheit des Great Barrier Reef bis zu diesen drolligen, dauerzugedröhnten Baumbären, die dort leben. Australien ist aber auch eines der wenigen, wenn nicht das einzige Land, dem ein amtierender Regierungschef abhanden kam.

Harold Holt, 1964. Foto: Wikimedia/National Archives of Australia

Vor 45 Jahren, am 17. Dezember 1967, beschloss der damalige australische Premierminister Harold Holt, an seinem Lieblingsstrand Cheviot Beach in der Nähe der Stadt Portsea schwimmen zu gehen. Er war nicht alleine. Drei Freunde und zwei Leibwächter begleiteten Holt. Holt wurde gewarnt, dass der hohe Wellengang gefährlich sein könnte. Aber er liess sich nicht abhalten, ging ins Wasser, schwamm hinaus und ward nie mehr wieder gesehen. Seine Leiche wurde nie gefunden.

Von Haien gefressen?

Aber selbstverständlich glaubt eine so einfache Erklärung auch nur, wer davon überzeugt ist, die Amerikaner seien tatsächlich auf dem Mond gelandet. Die Wahrheit, wissen viele Australier, ist eine ganz andere. Nur welche, da sind sie sich nicht so einig. Einige erzählen, Holt habe eine Geliebte gehabt und seinen eigenen Tod nur vorgetäuscht, um mit ihr zu verschwinden. Andere sind davon überzeugt, dass Holt ermordet wurde, weil er sich gegen die Errichtung US-amerikanischer Militärbasen wehrte.

Das chinesische U-Boot

Am besten gefällt mir aber diese Geschichte: Holt sei auf offenem Meer an Bord eines chinesischen U-Boots geholt worden. Entweder freiwillig, weil er eigentlich als Spion für die Chinesen gearbeitet hatte. Oder er sei entführt worden als Strafe für das australische Engagement im Vietnamkrieg.

Die Geschichte des Premierministers, der dem Land abhanden kam, beschäftigt die Australier bis heute. Erst kürzlich sind zwei Fernsehfilme gedreht worden, die sich Holts Schicksal annahmen, mit verschiedenen Theorien. Vom Dokudrama «The Prime Minister Is Missing» (2008) ist nur ein Ausschnitt auf YouTube online.

Der Morgengrüsser (salvatus matutinum)

Der Morgengrüsser. Foto: Bürgler

Schon seit einigen Wochen begrüsst mich auf der morgendlichen Fahrt ein Vogel. Er wartet immer an der selben Stelle. Dort, wo sich im Morgenverkehr die Autos vor einer Ampel stauen.

Wahrscheinlich ist es dem Vogel ziemlich egal, ob ich im Auto sitze oder jemand anders. Er schaut zwar ziemlich unerschrocken kurz ins Wageninnere. Interessiert ist er aber vor allem am Rückspiegel. Vor dem flattert er jeweils ein paar Mal aufgeregt herum. Dann zieht er zum nächsten Wagen in der Kolonne weiter.

Zuerst dachte ich, der Vogel suche da nach Nahrung. Macht aber wenig Sinn. Die zerquetschten Insekten fände er auf der Windschutzscheibe, nicht im Rückspiegel. Vielleicht interessiert ihn sein Spiegelbild? Möglicherweise leidet er an einer narzistischen Störung und versucht, mit sich selber zu balzen? Kluge Erklärungen für das eigentümliche Verhalten sind gesucht.

Bis dahin ist er für mich ein typischer Morgengrüsser (salvatus matutinum) – oder so.

Mein Berliner Berlin Moment

Ich war für drei Tage in Berlin am Prix Europa. Wenn ich da auf die S-Bahn ging, kam ich jeweils am Hotel Ibis vorbei. Dort wohnte ich vor zwei Jahren, als ich schon mal am Prix Europa war.

Diesmal wohnte ich woanders, aber ganz in der Nähe. Da hab ich mir spät abends zur Erholung den Film «Hanna» angeschaut. Im Film gibts eine Szene, in der Eric Bana nach Berlin fährt. Er steigt an einem Busbahnhof aus, der mir schon sehr bekannt vorkam. Und Sekunden später stand er – wo wohl?

Hotel Ibis beim Messegelände in Berlin. Foto: Bürgler
Eric Bana in Berlin. Screenshot aus «Hanna»

Im Film wird er verfolgt von unfreundlichen Gestalten. Die erledigt er in der Unterführung, die nur ein paar Meter vom Hotel entfernt ist – und mir auch gut bekannt. Wenn man da nachts durch muss, ist das kein angenehmes Gefühl. Nachdem ich im Film dann noch die vier Leichen da liegen sah, war mir leicht mulmig, als ich am folgenden Abend da auch wieder durchkam. Aber – ging alles gut 🙂

Im Trailer zu «Hanna» ist die Kampfszene in der Unterführung bei 2:02 ganz kurz zu sehen.

Wer war William wirklich?

Mal wieder ein Beitrag für die Rubrik «100 Sekunden Wissen» von DRS 2. Zu hören War zu hören am 23. August 2010 um 8 Uhr.

100 Sekunden Wissen – Wer war William Shakespeare wirklich?
Das so genannte Chandos Portrait von William Shakespeare, entstanden um 1610.

Sein Geburtsdatum kennen wir nicht. Im Kirchenregister von Stratford-upon-Avon ist lediglich das Taufdatum vermerkt: 26. April 1564. Auch dass er mit 18 Jahren eine acht Jahre ältere Frau geheiratet hat ist belegt – und sein Todesdatum: der 23. April 1616.

Sicher ist auch, dass Ende des 16. Jahrhunderts ein William Shakespeare erfolgreich als Schauspieler und Theatermann in London tätig war.

Keine Beweise

Bis heute fehlt aber der endgültige Beweis, dass dieser William Shakespeare tatsächlich der Autor jener Tragödien, historischen Dramen und Komödien ist, die seinen Namen unsterblich machten.

Aber wenn nicht William – wer schrieb dann Romeo und Julia, King Lear oder Hamlet?

Bacon? Marlowe? Oder gar Elisabeth I.?

Die Reihe der Anwärter auf den Dichterthron ist lang: Francis Bacon, der Philosoph und Staatsmann galt lange Zeit als Kronfavorit. Christopher Marlowe zählt auch dazu, aber wohl nicht zuletzt, weil man über diesen Dichter fast genau so wenig weiss, wie über Shakespeare.

Gut ein Dutzend weitere Namen liessen sich nennen, darunter auch Frauen: etwa Mary Sidney, Gräfin von Pembroke und selbst Königin Elisabeth die Erste wird der literarischen Wunderleistung verdächtigt.

Oxford vs. Stratford

Heute macht vor allem noch ein Mann Shakespeare die Autorenschaft streitig. Edward de Vere, 17. Earl von Oxford.

Der Aristokrat hatte erwiesenermassen eine ausgeprägte Neigung zur Literatur. Doch auch bei de Vere gibt es Ungereimtheiten – er starb zwölf Jahre vor Shakespeare. In diesen zwölf Jahren sind aber noch Werke entstanden, die Shakespeare zugeschrieben werden. Oder hat de Vere sie vor seinem Tod geschrieben und sie wurden postum veröffentlicht?

Was bleibt?

Viele Fragen sind ungelöst und bleiben es wohl. Deshalb muss man sich damit abfinden: Wir wissen nicht ganz sicher, wer Shakespeares Dramen geschrieben hat. Irgendwo auch egal – Hauptsache sie wurden geschrieben.

Buchtipp: Kurt Kreiler: Der Mann, der Shakespeare erfand: Edward de Vere, Earl of Oxford.

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