Happy Birthday CNN

Mein kleiner Geburtstagsgruss nach Atlanta in (etwas mehr als) 100 Sekunden.

Und hier als Text:

CNN Center in Atlanta. Foto: Wally Gobetz, CC BY-NC-ND 2.0.

Die besten Wünsche zum 30. Geburtstag von CNN sind angebracht: Mit dem Blick zurück auf eine Leistung, die das News-Business weltweit veränderte. Und mit dem Blick voraus in die Zukunft – denn CNN geht es bei weitem nicht mehr so gut wie auch schon.

Als der Unternehmer Ted Turner am 1. Juni 1980 mit seinem 24-Stunden-Nur-Nachrichten-Fernsehen auf Sendung ging, da wurde er von den grossen amerikanischen Fernsehstationen noch belächelt.

Das änderte sich mit der Explosion des Space Shuttle Challenger beim Start 1986, dem Fall der Berliner Mauer und dem Golf-Krieg 1991. CNN [Audio CNN-Station ID] wurde zum Inbegriff aktuellster Fernsehberichterstattung: News as it happens – dabei sein, während es passiert – war das Leitmotiv des Senders und ein weltweit wachsendes Publikum schaute zu. CNN revolutionierte das Mediengeschäft damals, so wie das heute Google tut, schreibt ein amerikanischer Kolumnist zum 30. Geburtstag. Weltweit sprossen CNN-Imitate aus dem Boden und der einst belächelte Ted Turner war zum Medienmogul aufgestiegen.

Turner verkaufte sein Medienimperium aber schon 1996. CNN und einige Sender, die in der Zwischenzeit dazugekommen waren, wechselten für 7,4 Milliarden Dollar zum Time Warner Konzern.

Heute sind die ganz grossen Zeiten von CNN vorbei. Fox News hat CNN bei den Einschaltquoten überholt und das Internet bereitet auch dem schnellsten Fernsehsender der Welt Probleme.

Was aber sicher bleibt: Die Bilder von den grossen Ereignissen der letzten fast 30 Jahre – die hat man zuerst bei CNN gesehen.

NZZ: Titelgebung unter Askese-Doktrin

Nachtrag: Es stimmt.

Stimmt das wirklich? „Öffnung der innerdeutschen Grenzen“ habe die NZZ vor 20 Jahren zum historischen Mauerfall getitelt. Es wäre Wasser auf meine Mühle. Genau wegen solchen Titeln habe ich die alte Tante aus Zürich jahrelang gehasst.

Diese Arroganz, Dummheit und falsch verstandene distanzierte Objektivität, ging mir so was von auf den Wecker. Das Rezept: Man nehme nur Substantive (am besten unverständliche Komposita, in obigem Beispiel nicht erfüllt), man vermeide unbedingt, Akteure zu nennen, Verben sind verboten und Adjektive nur erlaubt, wenn ihnen jegliche Aussagekraft abgeht. Kurz – Titel, die gesundheitsgefährdend sind, weil sie einen akuten Anfall von Narkolepsie auslösen können.

Das Schlimmste daran war, dass man auf der Redaktion den eigenen Praktikanten beibringen wollte, was gute Titel sind und weshalb ihr Titel deshalb so definitiv nicht ins Blatt kommt. Sie rechtfertigten sich regelmässig mit: „Aber die NZZ machts doch auch so.“ Dann musste man ihnen erklären, wo es sich lohnt, der NZZ nachzueifern, und wo sicher nicht. Ein paar habens zum Glück kapiert, andere nicht – von einem Fall weiss ich da, dass diese Person dem Journalismus abschwor und heute bei einem Bundesamt tätig ist.

Heute ist das ja alles ein bisschen anders, vor allem seit dem letzten Redesign der NZZ. Nur ab und zu schaffts noch so ein Askese-Titel ins Blatt. Schade? Nein, natürlich nicht, aber mein NZZ-Trauma hab ich dennoch und trotz Konfrontationstherapie ist es immer noch nicht ganz geheilt.

PS: Die Geschichte des Mauerfall-Titels lässt sich nachlesen: „Wie bei der NZZ die Mauer fiel„, geschrieben von einem gewissen Roger Köppel.