For All Mankind (Staffel 3) – Das Rennen zum Mars

Läuft bei: Apple TV+ (3 Staffeln, 30 Episoden à 60 Min.)

«For All Mankind» – Was bisher geschah
Im Juni 1969 setzt erstmals ein Mensch seinen Fuss auf den Mond: der russische Kosmonaut Alexei Leonov. Die NASA hat den Wettlauf auf den Mond verloren.
In der ersten Staffel gehen die Rivalitäten zwischen den USA und der UdSSR auf dem Mond weiter mit der Suche nach Wasser und der Errichtung einer permanenten Mondbasis.
In der zweiten Staffel verschärft sich der Kalte Krieg unter Präsident Reagan. Das hat Auswirkungen auf die NASA. Die Mondmission wird militarisiert, es fällt der erste Schuss auf dem Erdtrabanten.

Wir sind im Jahr 1992 angelangt. Karen Baldwin (Shantel VanSanten) eröffnet ein Weltraumhotel. Zur Einweihung feiert Danny Stevens (Casey W. Johnson) seine Hochzeit im «Polaris».

Ed Baldwin (Joel Kinnaman), Karens Ex-Mann, ist unter den Gästen mit seiner neuen Ehefrau und auch Danielle Poole (Krys Marshall) mit Familie. Doch die Weltraumparty endet in einer Katastrophe.

Drei Missionen zum Mars

Karen verkauft die Überreste von «Polaris» an Dev Ayesa (Edi Gathegi), der mit seinem Unternehmen «Helios Aerospace» ins Rennen um den ersten bemannten Marsflug einsteigen will. Damit konkurrieren drei Missionen im Wettlauf um den ersten Menschen auf dem Mars: «Helios», die NASA und die russische Roscosmos.

Molly Cobb (Sonya Walger) ernennt Ed zum Kommandanten der NASA-Mission. Das passt NASA-Direktorin Margo Madison (Wrenn Schmidt) überhaupt nicht. Sie feuert Molly und setzt Danielle Poole als Kommandantin ein. Ed wechselt daraufhin zur Konkurrenz und übernimmt die «Helios»-Mission.

Bill Clinton wird nicht Präsident

Margo hat neben der Marsmission noch andere Sorgen. Die Russen erpressen sie und verlangen die Baupläne für den atomaren Antrieb des amerikanischen Raumschiffs. Sie drohen damit, Sergei Nikulov (Piotr Adamczyk), Margos heimliche Liebe, umzubringen.

Die ehemalige Astronautin Ellen Wilson (Jodi Balfour) ist in die Politik gegangen. Sie schlägt im Wahlkampf Bill Clinton und wird Präsidentin der USA. Ellen lebt als lesbische Frau noch immer in einer Zweckehe mit ihrem schwulen Mann. Als Larry eine Affäre hat mit einem White House-Angestellten, droht die ganze Sache aufzufliegen.

Auf dem Mars gehen die Rivalitäten weiter

1995 starten die drei Missionen. Das Rennen auf den Mars wird äusserst knapp entschieden. Alle drei Teams landen letztlich auf dem roten Planeten. Die Rivalitäten gehen weiter. Katastrophen und unvorhergesehene Ereignisse zwingen die Crews aber zur Zusammenarbeit, um zu überleben.

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Einschätzung

«For All Mankind» ist immer wieder mal auf der Empfehlungsliste aufgetaucht. Erst vor ein paar Wochen bin ich in die erste Staffel eingestiegen – und konnte nicht mehr aufhören.

Die ganz andere Geschichte der Raumfahrt

Die Prämisse, dass die Russen das Rennen auf den Mond gewonnen haben, erlaubt «For All Mankind» eine ganz andere Geschichte der Weltraumfahrt zu erzählen. Dabei lässt sie einige historische Tatsachen stehen, andere stellt sie auf den Kopf.

So folgt etwa auf Richard Nixon Ted Kennedy ins Amt des US-Präsidenten. Die Crew von Apollo 11 besteht historisch korrekt aus Armstrong, Aldrin und Collins. Doch schon bei Apollo 15 ist die erste Astronautin an Bord.

Hochkarätige Soap Opera – nicht nur für Raketenfans

Das Spiel mit der alternativen Geschichte ist witzig, aber nicht der Kern der Serie. Man muss auch kein Fan von Saturn V Raketen sein, um in die Serie einzutauchen. Die Raumfahrt ist nur ein Vehikel, um nervenaufreibende Rettungsaktionen im All zu zeigen.

«For All Mankind» ist vor allem eine hochkarätige Soap Opera. Es geht darum, die Freuden und Leiden des umfangreichen Figurenarsenals zu erzählen.

  • Ed Baldwin und seine Frau Karen etwa. Er ist der Draufgänger, der vom Testpiloten zum Astronauten wird. Sie serviert ihren Freundinnen Kaffee und Kuchen, wenn sie gemeinsam am TV den Start ihrer Männer ins All verfolgen. Sie beide ereilt schon früh ein schwerer Schicksalsschlag, der vor allem Karen ihre Rolle überdenken lässt.
  • Margo Madison, die erste Frau im NASA-Kontrollzentrum, hochgradig begabt, aber bei Beförderungen wird sie übergangen. Nicht nur, weil sie eine Frau ist, aber auch.
  • Danielle Poole ist die erste afroamerikanische Astronautin, die die NASA gerne an PR-Events schickt, sich aber schwertut, Danielle entsprechend ihrer Fähigkeiten einzusetzen.
  • Ellen Waverly ist lesbisch, das kann sie natürlich nicht offen zeigen. Sie und ihr schwuler Freund Larry werden vom FBI verhört. Ihr Ausweg ist eine Beziehung, um die Gerüchte um ihre Sexualität zum Verstummen zu bringen.
Menschliche Dramen, gesellschaftliche Probleme

An diesen Geschichten zeigt sich auch, dass «For All Mankind» geschickt seine Figuren nutzt, auch um Weltraumabenteuer zu erzählen, aber vor allem um gesellschaftspolitische Probleme einfliessen zu lassen: Sexismus, Rassismus, Homophobie.

Diese Mischung von menschlichen Dramen und gesellschaftlichen, politischen Fragen macht die Serie attraktiv. Wohltuend ist dabei, dass die Figuren nicht die stereotypen Verhaltensweisen der 08/15-Serienheld:innen an den Tag legen. Es sind keine moralischen Ehrenkübel, die sich sofort selbstlos für das grosse Ganze opfern.

Prädikat: binge-würdig – und Vorfreude auf Staffel 4

Im Gegenteil: Ellen kneift als Präsidentin, als sie die Möglichkeit hat, sich für die Anerkennung der Homosexuellen einzusetzen. Margo überlässt eine junge Einwanderin ihrem Schicksal, statt sie bei sich aufzunehmen. Danielle verzichtet sicher nicht auf die Marsmission, obwohl sie Ed einiges zu verdanken hat. Und Ed denkt sowieso immer zuerst an sich.

Wenn man sich mit diesen Figuren anfreundet, kann man nicht mehr loslassen. Ein klassischer Fall von binge-würdig. Und es ist noch nicht vorbei: Die vierte Staffel ist bestätigt und soll in diesen Tagen mit den Dreharbeiten beginnen.

Wie viele Sterne gibst du «For All Mankind» Staffel 3?

Besetzung: Joel Kinnaman | Shantel VanSanten | Jodi Balfour | Wrenn Schmidt |Krys Marshall | Sonya Walger | Cynthy Wu | Coral Peña | Edi Gathegi
Serie entwickelt von: Ronald D. Moore | Ben Nedivi | Matt Wolpert
Genre: Science-Fiction | Drama | Abenteuer
USA, 2022

Star Trek: Strange New Worlds (Staffel 1) – They boldly go, again

Läuft bei: Paramount+ (1 Staffel, 10 Episoden à 45 Min.)

Nach den Ereignissen auf dem Planeten Boreth («Star Trek: Discovery» 2. Staffel) nimmt Captain Christopher Pike (Anson Mount) eine Auszeit. Er versucht damit klarzukommen, dass er seine Zukunft, seinen eigenen Tod gesehen hat.

Spock muss die Verlobung abkürzen

Doch Starfleet gewährt ihm nur eine kurze Pause. Pike muss eine Rettungsmission übernehmen. Seine erste Offizierin Una Chin-Riley (Rebecca Romijn) ist bei einer «First Contact»-Mission verschwunden.

Auch andere Crewmitglieder müssen ihren Urlaub abbrechen. Science-Officer Spock (Ethan Peck) erhält den Marschbefehl mitten in der Verlobungszeremonie mit seiner Freundin T’Pring (Gia Sandhu).

Aufbruch in gefährliche Abenteuer

Die Unterhaltsarbeiten an der USS Enterprise sind noch nicht ganz abgeschlossen, als die Crew mit dem Raumschiff aufbricht, um Una zu retten. Mit an Bord sind vertraute Namen, wenn auch neue Gesichter: etwa Cadet Nyota Uhura (Celia Rose Gooding) oder Nurse Christine Chapel (Jess Bush).

Diese Mission ist der Auftakt zu einer fünfjährigen Expedition der Enterprise in den tiefen des Weltraums. Weitere Abenteuer folgen, bei denen Pike und seine Crew einem zerstörerischen Kometen, Plasma-Wesen, den brutalen Gorn, den kriegerischen Romulanern und vielen anderen Gefahren begegnen.

Die Brücke der Enterprise
Anson Mount: Captain Christopher Pike
Rebecca Romijn: Una Chin-Riley, Number One
Ethan Peck: Spock, Science Officer Spock Gia Sandhu: T'Pring
Celia Rose Gooding: Cadet Nyota Uhura
Christina Chong: La'an Noonien-Singh
Melissa Navia: Erica Ortegas, Lt. Erica Ortegas
Jess Bush: Nurse Christine Chapel
Babs Olusanmokun: Dr. M'Benga
Pike and Burnham in Star Trek: Discovery
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Einschätzung

«Star Trek: Strange New Worlds» überrascht. Nicht durch neue Erzählungen, Charaktere oder Technologien. Nein, die Serie überrascht, weil sie in die traditionelle Serienwelt zurückkehrt, wie es die Originalserie pflegte.

Zurück zu traditionellen Episodengeschichten

Im Gegensatz zu den neueren Star Trek Serien wie «Picard» und «Discovery», die wie heute üblich einen Erzählbogen über eine gesamte Staffel spannen, erzählt «Strange New Worlds» Episode für Episode eine neue Geschichte.

Das schliesst nicht aus, dass sich einzelne Plots über die ganze Staffel spannen. Spocks Beziehung zu seiner Verlobten T’Pring etwa, die den Halbvulkanier, Halbmenschen vor die Frage stellt, was oder wer er ist.

Uhura zweifelt noch an Starfleet

Cadet Nyota Uhura (Celia Rose Gooding) hat gerade eben erst ihre Ausbildung abgeschlossen und absolviert ihren ersten Einsatz auf der Enterprise. Sie ist sie eigentlich gar nicht so sicher, ob die Starfleet wirklich ihre Welt ist.

Und natürlich Pikes Dilemma, dass er Ort und Zeit seines Todes erfahren hat. Er ringt mit der Frage, ob diese Zukunft wirklich unausweichlich ist.

Wie früher einmal pro Woche in ferne Galaxien – macht Spass

Das alles macht Spass: Mal wieder eine Serie, die man nicht bingen muss, sondern einmal pro Woche schauen kann. Man muss auch kein Trekkie sein, um die Serie zu geniessen. Einsteiger:innen in die Welt der Enterprise finden sich schnell zurecht.

Dennoch ein bisschen Einordnung, wo wir uns im Star Trek-Universum befinden mit diesem neuen Ableger.

NBC war mit Pike unzufrieden, deshalb kam Kirk

Die Figur von Captain Christopher Pike ist keineswegs neu. Pike war in der ersten Pilotfolge von Star Trek Kommandant der Enterprise, gespielt von Jeffrey Hunter. NBC war mit der Folge aber nicht zufrieden und gab einen neuen Piloten in Auftrag, diesmal mit Captain James T. Kirk und William Shatner als Darsteller. Der Rest ist Geschichte.

In den Reboot-Filmen (Star Trek und Star Trek Into Darkness), die auf einer anderen Zeitachse spielen, taucht Pike als Kommandant der Enterprise auf, der den jungen James T. Kirk zu einer Karriere in der Starfleet ermutigt.

In neuerer Zeit tauchte Pike gemeinsam mit Spock und Una Chin-Riley in der zweiten Staffel an Bord der Discovery auf (gespielt von denselben Schauspieler:innen wie jetzt in «Strange New Worlds»). Pike übernahm das Kommando der Discovery, weil die Enterprise zerstört worden war.

Pike bleiben sechs Jahre

«Strange New Worlds» setzt zeitlich gleich nach der zweiten Staffel von «Discovery» ein im Jahr 2259. Captain Kirk wird die Enterprise 2265 übernehmen ( Star Trek Zeitleisten).

Pike bleiben somit sechs Jahre Kommando auf der Enterprise. Wie viele Staffeln daraus entstehen werden, ist noch offen. Eine zweite Staffel ist aber für nächstes Jahr bereits angekündigt.

Wie viele Sterne gibst du «Star Trek: Strange New Worlds» Staffel 1?

Besetzung: Anson Mount | Ethan Peck | Rebecca Romijn | Melissa Navia | Jess Bush | Christina Chong | Celia Rose Gooding | Babs Olusanmokun | Gia Sandhu
Serie entwickelt von: Akiva Goldsman | Alex Kurtzman | Jenny Lumet
Genre: Science-Fiction | Abenteuer
USA, 2022

Ms. Marvel (Staffel 1) – Superheldin dank kulturellem Erbe

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 6 Episoden à 40 Min.)

Kamala Khan (Iman Vellani) ist ein grosser Fan von Captain Marvel. Eines Abends schleicht sie sich aus dem Elternhaus, um mit ihrem Schulfreund Bruno (Matt Lintz) die erste «AvengerCon» zu besuchen.

Superkräfte durch Grossmutters Armreif

Zu ihrem selbstgemachten Superheldendress trägt sie einen Armreif, den ihr ihre Grossmutter aus Pakistan geschickt hat. Und dieser Armreif verleiht ihr Superkräfte.

Die ersten ungelenken Versuche, diese Superkräfte einzusetzen, gelingen nur halbwegs. Kamala muss zuerst noch ein bisschen üben. Bruno hilft ihr dabei.

Aus einer anderen Dimension

Gleichzeitig versucht sie herauszufinden, was es mit dem Armreif auf sich hat. Ursprünglich gehörte er ihrer Urgrossmutter Aisha (Mehwish Hayat), die, wie sich herausstellt, aus einer anderen Dimension stammte.

Kamala wird kontaktiert von anderen «Clandestines», wie sich diese Dimensionsreisenden nennen. Ihr Armreif soll ihnen das Tor in ihre Heimat öffnen. Als Kamala zögert, weil das Unterfangen sehr gefährlich sein könnte, werden die Clandestines aggressiv.

Die böse Regierungsorganisation

Auch die Regierung ist hinter Kamala her. Das Department of Damage Control, angeführt von der skrupellosen Agentin Deever (Alysia Reiner), will sie unschädlich machen.

Einschätzung

Was für eine angenehme Überraschung: Nach den eher ärgerlichen Ausflügen von Marvel in die ägyptische («Moon Knight») und asiatische («Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings») Mythologie, gelingt der Superheldenfranchise ein überzeugender Sprung in die muslimische Welt.

Coming-of-Age-Geschichte

Eigentlich ist «Ms. Marvel» weniger eine Superheldenserie. Vielmehr ist es eine Coming-of-Age-Geschichte einer jungen amerikanisch-pakistanischen Frau in ihrem muslimischen Umfeld, die zwar auch ihre Superkräfte, aber vor allem ihr kulturelles Erbe entdeckt.

Kamala kämpft vorerst mit typischen Teenagerproblemen: Schule, Jungs, Elternhaus. Die Eltern sind zwar durchaus modern, pflegen aber ihre Traditionen.

Verzicht auf politische Stereotypen

Dieses Leben schildert «Ms. Marvel» leichtfüssig, respektvoll, auch mal mit einem Augenzwinkern, wenn etwa Kamalas Bruder alle ein bisschen nervt mit seinen dauernden Gebeten.

Kamalas Leben ist einfach normal und nicht dauernd überschattet von einem aufgeladenen politischen Kontext. Wobei durchaus auch mal Rassismus aufscheint. Aber der Imam in der Moschee etwa weist die Agenten von Damage Control sehr selbstbewusst in die Schranken.

Superkräfte als Metapher

Besonders ansprechend erzählt ist Kamalas Reise in ihre Familiengeschichte. Eine ganze Episode zeigt, wie Kamalas Urgrossmutter mit ihrem Mann und ihrer Tochter während der «Partition», der Trennung von Indien und Pakistan, fliehen musste.

Der Armreif, der Kamala ihre Superkräfte verleiht, wird so zur Metapher. «The strength in who you are comes from where you’re from and where you’ve been», sagt Sana Amanat, Produzentin der Serie.

Zielgruppe erreicht, aber Wirkung darüber hinaus

Ich hege eine grundsätzliche Skepsis gegenüber Disney und anderen Konzernen, wenn sie sich divers geben. Ich unterstelle, wohl nicht ganz unbegründet, dass es oft mehr darum geht, aus finanziellen Gründen Zielgruppen zu erschliessen, als um Aufklärung.

Das mag auch bei «Ms. Marvel» irgendwo auf der Chefetage mitschwingen. Aber die Macher:innen, viele wie Sana Amanat mit einem muslimischen Hintergrund, haben es geschafft, eine Serie über eine muslimische Superheldin zu kreieren, die offensichtlich die Zielgruppe begeistert, aber darüber hinaus Wirkung entfaltet. Sehr gelungen und sehr erfreulich.

Wie viele Sterne gibst du «Ms. Marvel» Staffel 1?

Besetzung: Iman Vellani | Matt Lintz | Yameen Fletcher | Zenobia Shroff | Rish Shah | Mohan Kapur | Mehwish Hayat
Serie entwickelt von: Bisha K. Ali
Genre: Superhelden | Abenteuer
USA, 2022

Obi-Wan Kenobi (Mini-Serie) – Flucht und Kampf in Endlosschlaufe

Läuft bei: Disney+ (Mini-Serie, 6 Episoden à 45 Min.)

Zehn Jahre sind vergangen, seit Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) vermeintlich seinen Jedi-Schüler Anakin Skywalker (Hayden Christensen) getötet hat. Obi-Wan nennt sich jetzt Ben, arbeitet in einer Fleischfabrik auf Tatooine und wacht aus der Ferne über Luke Skywalker, der bei Onkel und Tante aufwächst.

Inquisitoren locken ihn aus dem Versteck

Inquisitoren des Imperiums jagen die letzten Jedis. Inquisitorin Reva (Moses Ingram) will unbedingt Obi-Wan finden, den viele schon für tot halten. Sie will sich so die Gunst von Darth Vader sichern.

Reva beauftragt einen Kopfgeldjäger, Prinzessin Leia Organa (Vivien Lyra Blair) zu entführen. Die Zehnjährige lebt bei ihren Pflegeeltern auf Alderaan. Leia soll als Köder dienen, um Obi-Wan aus seinem Versteck zu locken.

Der unvermeidliche Kampf gegen Darth Vader

Das gelingt. Obi-Wan befreit Leia und flüchtet mit ihr vor den Inquisitor:innen. Erst jetzt erfährt er, dass Anakin nicht tot ist, sondern als Darth Vader nach ihm Ausschau hält.

Auf der Flucht gelingt es Obi-Wan und Leia ein paar Mal nur in letzter Sekunde, den Häschern zu entfliehen. Hilfe erhalten sie dabei von einem Netzwerk namens «The Path». Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sich Obi-Wan und Darth Vader gegenüberstehen werden.

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Einschätzung

Ich mag Star Wars. Ich habe alle neun Filme der drei Trilogien gesehen, teilweise mehrfach. Auch «Rogue One», «Solo» und die Serie «The Mandalorian». Und doch qualifiziere ich mich wohl nicht als Fan dieses Universums.

Für eingefleischte Fans unterhaltsam

Denn dann müsste ich mich jetzt mit grossem Enthusiasmus darüber auslassen, wer da jetzt wann und auf welchem Planeten in «Obi-Wan Kenobi» auftaucht, was er oder sie allenfalls zuvor oder danach noch für eine Rolle spielen wird oder könnte. Und dass Bens Kamel auf Tatooine ein Eopie ist.

Mit diesem Fan-Blick, der vor allem darauf abzielt, sich und anderen zu beweisen, dass man Personen, Orte und Handlungen im Star-Wars-Universum einordnen kann, bietet die Serie vielleicht gute Unterhaltung. Dem Rest – eher weniger, leider.

Die junge Leia zeigt ihr Potenzial

Ich war durchaus gespannt darauf, was Obi-Wan in all den Jahren zwischen Episode III und IV widerfahren ist. Zehn Jahre unterzutauchen, die Verbindung zur «Force» zu verlieren und hilflos dem Aufstieg des Imperiums zuschauen zu müssen – alles nicht ganz einfach für den ehemals grossen Jedi-Master.

Dann die Herausforderung, wieder aktiv zu werden, zu kämpfen, die Macht wiederzufinden. Das ist anfänglich interessant, vor allem dank Leia. Sie ist zwar noch Kind, aber schon klug, raffiniert, einfühlsam, besonnen und mutig. Ganz klar, dass sie eines Tages die Rebellion anführen wird, und dass Obi-Wan sie retten muss.

Überlebt er das Duell mit Vader? (Rhetorische Frage)

Auch die erste Flucht ist noch ziemlich spannend, als Obi-Wan mit Leia vor Reva flieht. Danach wiederholt sich das aber als einfallsloses Muster, inklusive Laserschwertduelle. Besonders die Kämpfe – ja, Mehrzahl – gegen Darth Vader lassen jede Spannung vermissen. Wir wissen, dass beide überleben werden.

Neben Leia ist die Inquisitorin Reva als Gegenspielerin von Obi-Wan einigermassen interessant, weil sie eine eigene Agenda verfolgt, die sich erst langsam erschliesst. Der Rest der Figuren ist eintönig bis lieblos gezeichnet, dafür überraschend namhaft besetzt.

Geschichten erzählen, statt Fankultur zu bedienen

Das grosse Problem dieser Serie fasst ein Artikel von digitaltrends («How Generation X ruined Star Wars») treffend zusammen: Die heutigen Star-Wars-Geschichten werden gemacht von «possessive devotees who are often more interested in fan service than storytelling.»

Diesen «Besessenen» reicht es eben, hier ein Handlungshäppchen hinzuwerfen, da eine Anspielung und dort ein Gag. Das ergibt keine Erzählung. Die Figuren bleiben blass und konturlos. Die Handlung besteht aus aneinandergereihten Szenen, die sich mehrfach wiederholen. Kein Spannungsbogen, keine Entwicklung.

Wissen wir mehr über Obi-Wan? Nein

Der Erkenntnisgewinn über das Leben von Obi-Wan zwischen den Filmen III und IV ist minimal. Er macht ein paar Jahre Pause, duelliert sich ein paar Mal mit Darth Vader und verschwindet für den Rest der Zeit in den Hügeln von Tatooine (das Fan-Häppchen: in Begleitung eines alten Bekannten). Das reicht nicht als gute Geschichte.

Wie viele Sterne gibst du «Obi-Wan Kenobi»?

Besetzung: Ewan McGregor | Moses Ingram | Vivien Lyra Blair | Hayden Christensen | Sung Kang | Rupert Friend | James Earl Jones | Indira Varma | Kumail Nanjiani | Jimmy Smits
Genre: Science-Fiction | Abenteuer
USA, 2022

Stranger Things (Staffel 4/1&2) – Vergnügt zurück in die Dämonenwelt

Läuft bei: Netflix (4 Staffeln, 34 Episoden. Episoden Staffel 4 à 75+ Min.)

Update zum Season-Finale
Inhaltlich kann man natürlich nichts verraten, ausser – es kommt zum bombastischen Showdown, den man erwarten durfte. Das inszenieren die Duffer-Brüder über fast vier Stunden, in denen man zwischendurch die Fingernägel in die Couch krallt.

Dass am Ende nicht alles zu Ende ist, kommt wenig überraschend. Die Duffer-Brüder hatten schon vor dem Start der aktuellen Staffel eine fünfte und letzte angekündigt. Jetzt gibt es nur noch zwei offene Fragen: Wann kommt die fünfte Staffel? Und wird sie mehr sein, als eine Neuauflage dessen, was wir schon mal gesehen haben?

Denn ehrlich gesagt: Staffel 4 war zwar sehr unterhaltsam, aber auch ein wenig nach dem bekannten Muster der Vorläufer gestrickt. Da müsste das Grande Finale schon noch etwas mehr zu bieten haben.

Neun Monate sind vergangen, seit Russen und der Mind Flayer die kleine Stadt Hawkins ins übernatürliche Chaos stürzten. Joyce, Will und Eleven sind nach Kalifornien gezogen. Der Rest der Freunde ist in Hawkins geblieben und ist zum normalen Schulleben zurückgekehrt.

Vecna – der neue Dämon

Normal bleibt die Welt natürlich nur kurz. Ein neuer Dämon aus der Gegenwelt «Upside Down» taucht auf und tötet eine Cheerleaderin auf bestialische Weise. Weitere Teenager-Opfer folgen.

Dustin, Steve, Max und der Rest der Gruppe verfolgen die Spur des Dämons namens Vecna in Hawkins.

Eleven bei Papa – Hopper bei den Russen

Eleven erhält in Kalifornien derweil Besuch von Sam Owens. Er bringt sie zurück zu ihrem «Papa», der ihr helfen soll, ihre verlorenen Superkräfte wiederzufinden. El soll für einen Kampf gegen die neue Bedrohung aus dem «Upside Down» bereit sein.

Der dritte Erzählstrang führt uns nach Russland. Joyce hat eine Nachricht erhalten, dass Jim Hopper noch lebt und in Russland gefangen gehalten wird. Gegen ein Lösegeld soll er freikommen. Gemeinsam mit Murray bricht sie nach Alaska auf, um das Lösegeld zu übergeben.

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Ich finde

Wer noch nie «Stranger Things» gesehen hat, wird mit obiger Zusammenfassung nichts anfangen können. Der:die sollte auch nicht jetzt einsteigen, sondern von vorne anfangen.

Drei Jahre älter, aber die Zahnspange ist geblieben

Doch selbst diejenigen, die die Vorgeschichten kennen, sind vielleicht froh, dass am Anfang der neuen Staffel die dritte Staffel rekapituliert wird. Denn in der realen Welt sind drei Jahre vergangen, seit die letzte Staffel erschienen ist, und nicht nur neun Monate wie in der Serie.

Das sieht man zwar dem Cast etwas an, aber lange hält man sich an dieser leichten Irritation nicht auf. Immerhin trägt Dustin noch seine Zahnspange.

Liebeskummer und Schulbullies

Schnell ist man wieder drin in der Teenager-Welt der 80er in der Kleinstadt Hawkins und neu auch in Lenora Hills in Kalifornien. Da sind wieder diese zwischenmenschlichen Geschichten von Loyalität mit den Freunden, Liebeskummer und -sehnsucht und Schikane in der Schule.

Bald kommt auch das fantastische Element, das nicht nur Spannung bringt, sondern auch die visuelle Bereicherung durch die Gegenwelt des «Upside Down».

Ein weiteres Markenzeichen der Serie ziehen die Duffer-Brüder ebenfalls durch: die Referenzen an die Popkultur der 80er-Jahre.

Hier kommt Freddy – und Hannibal

Besonders hübsch ist der Auftritt von Robert Englund. Er spielte Freddy Krueger in den «Nightmare on Elm Street»-Filmen. Hier tritt er in einer Nebenrolle auf als Victor Creel, der vermeintlich seine Familie ermordet hat. In Tat und Wahrheit ist er diesmal ein Opfer.

Die Begegnung mit Englunds Figur in einer Klinik ist eine weitere Verneigung vor dieser Ära. Sie ist inszeniert wie der erste Besuch von Clarice Starling bei Hannibal Lecter in «The Silence of the Lambs». Das fällt zwar ganz leicht aus dem Zeitrahmen, weil der Film 1991 in die Kinos kam. Aber die Buchvorlage stammt von 1988.

Kate Bush – grossartig

Kommt noch der Soundtrack dazu. Dass Kate Bushs «Running Up That Hill» (1985) dank «Stranger Things» (die ganze Szene hier, aber Achtung Spoiler) die Spotify-Charts stürmte, hat mich als alter Fan der grossartigen Musikerin natürlich besonders gefreut. (Der SPIEGEL macht dazu ein paar berechtigte kritische Anmerkungen, auch wenn ich nicht alles unterschreiben würde.)

Einzig frustrierend ist natürlich, dass wir auf das Finale noch ein paar Wochen warten müssen. Wer sich wundert: Der Grund liegt in den Schnupperabos, die die Streamer anbieten.

Sendepause bis zum Finale

Das nutzen offenbar einige, um sich eine Serie reinzuziehen und dann wieder auszuklinken. Dem schieben die Anbieter jetzt einen Riegel mit wöchentlichen Episodenveröffentlichungen oder wie hier Netflix mit einer Sendepause. Nervig für die zahlenden Abonnent:innen, aber ist jetzt halt so.

Auf jeden Fall bin ich gespannt aufs Finale. Der Weg dahin war bislang sehr vielversprechend. Zwei Erzählstränge haben schon überraschend zusammengefunden. Mal schauen, was mit dem dritten geschieht.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Stranger Things» Staffel 4/1?

Besetzung: Winona Ryder | David Harbour | Finn Wolfhard | Millie Bobby Brown | Gaten Matarzzo | Caleb McLaughlin | Natalia Dyer | Charlie Heaton | Joe Keery | Noah Schnapp | Sadie Sink | Matthew Modine | Paul Reiser | Joseph Quinn | Tom Wlaschiha
Created by: Ross Duffer | Matt Duffer
Genre: Abenteuer | Fantasy | Horror
USA, 2022

Moon Knight (Staffel 1) – Marvel-Held jetzt auch im Mumien-Outfit

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 6 Episoden à 50 Min.)

Steven Grant (Oscar Isaac) ist ein einfacher, etwas scheuer Angestellter im ägyptischen Museum in London. Sein einziges Problem: Er leidet an massiven Schlafwandelanfällen. Deshalb fesselt er sich nachts ans Bett.

Stellt sich aber heraus: Er schlafwandelt gar nicht. Wenn er sich plötzlich in den Bayrischen Alpen wiederfindet, umzingelt von Sektenanhängern, dann hat das einen anderen Grund. Steven teilt sich seinen Körper mit einer anderen Person namens Marc Spector.

Der Kämpfer und das Weichei

Marc ist ein ganz anderes Kaliber. Ein ehemaliger Söldner und jetzt vom ägyptischen Gott Konshu (F. Murray Abraham) als weltlicher Avatar rekrutiert. Khonshu verleiht ihm Superkräfte, die Marc zum «Moon Knight» machen, der die Bösen aus der Welt schafft.

Marc ist auf einer Mission, deshalb die Episode in den Alpen. Dort versammelt Arthur Harrow (Ethan Hawke) die Anhänger der Göttin Ammit. Ammit wurde vom Rest der Götterschaft verbannt, Harrow will sie befreien. Das soll der Kämpfer Marc verhindern, wobei ihm das Weichei Steven aber öfters in die Quere gerät.

Ich finde

Der obige Storyplot ist stark vereinfacht. Es gibt da noch die Ehefrau von Marc (May Calamawy), Episoden in einer psychiatrischen Klinik, Marcs Kindheit und eine Reise ins ägyptische Jenseits.

Das ergibt ein ganzes Bündel an Geschichten für eine Serie mit gerade sechs Episoden. Ein bunter Mix aus Indiana Jones, «The Mummy» und «Legion» (ebenfalls aus dem Hause Marvel). Für mich wirkte es definitiv überladen. Was komplex und hintergründig wirken soll, ist schlicht kompliziert und etwas langfädig.

Noch mehr Helden, noch mehr Götter

Dieses Marvel Universum wird mir langsam eh zu unübersichtlich. So etwa zwei Dutzend Superhelden krieg ich noch unter einen Hut. Auch ein paar ausserirdische Zivilisationen und nordische Götter verträgt’s noch.

Aber jetzt noch ein Held mit multipler Persönlichkeit (es gibt noch eine dritte) und die ägyptische Götterwelt? Marvel Fans mag’s gefallen, weil es eine weitere Comicfigur aus dem Hause auf den Bildschirm geschafft hat. Zudem ist die Serie gut gemacht und gut besetzt. Aber ich bin übersättigt mit immer neuen Superheld:innen und hätte auf diese Figur gut verzichten können.

Bringt die Marvel-Held:innen von Netflix zurück

Wenn schon, hätte Marvel lieber «Jessica Jones», «Luke Cage» oder «Daredevil», die bei Netflix erfolgreich liefen, eine neue Staffel geschenkt. Sie haben gute Unterhaltung geliefert, ohne neue Gottheiten bemühen zu müssen.

Immerhin soll eine neue «Daredevil»-Serie laut Gerüchten in Entwicklung sein. Da würde ich wieder reinschauen. Bei einer allfälligen zweiten Staffel von «Moon Knight» bin ich nicht dabei.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Moon Knight» Staffel 1?

Besetzung: Oscar Isaac | Ethan Hawke | May Calamawy | F. Murray Abraham
Created by: Doug Moench
Genre: Superhelden | Abenteuer
USA, 2022

Star Trek: Picard (Staffel 2) – Jean-Luc auf Zeitreise (ins Ich)

Läuft bei: Amazon (2 Staffeln, 20 Episoden à 45 Min.)

Wir treffen Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) in seinem Château wieder, als sich eine amouröse Beziehung zu seiner Haushälterin Laris (Orla Brady) anbahnt. Aber Picard lässt sich nicht darauf ein. Denn, so werden wir im Verlauf der Staffel erfahren, ihn plagt eine tiefe Schuld, die es ihm verunmöglicht, Liebe zuzulassen.

Was folgt, ist eine Reise in die Vergangenheit. Einerseits eine klassische Zeitreise, andererseits die Reise in Picards Kindheit zu dem Moment, der ihm ein Leben bescherte mit Schuld und Schmerz und ohne Liebe.

Angriff der Borgs

Aber der Reihe nach: Die USS Stargazer unter dem Kommando von Chris Rios (Santiago Cabrera) empfängt aus einer Raumanomalie eine Botschaft, mit der Aufforderung, Picard für Verhandlungen an Bord zu holen.

Als Picard den Kontakt aufnimmt, erscheint ein Borg-Schiff, die Borg-Königin beamt sich auf die Stargazer und beginnt, alle Schiffe der Föderation zu assimilieren, die mittlerweile ebenfalls eingetroffen sind. Picard gibt den Befehl zur Selbstzerstörung.

Die totalitäre Zukunft in der Vergangenheit verhindern

Doch anstatt im Jenseits landen Picard und einige weitere Crew-Mitglieder nach dem grossen Knall auf einem alternativen Zeitstrahl. Es ist eine totalitäre Welt, in der die Menschheit zwar ebenfalls die unendlichen Weiten des Weltraums erkundet, aber fremde Spezies versklavt, unterwirft oder ausrottet.

Jean-Luc Picard
Seven of Nine
Raffeala «Raffi» Musiker
Laris / Tallin
Cristóbal Rios
Dr. Agnes Jurati
Adam Soong
Q
Guinan
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Ein singuläres Ereignis im Jahr 2024 ist verantwortlich dafür, dass sich diese Albtraumwelt entwickeln konnte. Das erfährt Picard von seinem Erzfeind Q. Also brechen er, Seven of Nine (Jery Ryan), Dr. Agnes Jurati (Alison Pill), Raffi Musiker (Michelle Hurd), Chris Rios und die Borg-Königin (Annie Wersching) auf in die Vergangenheit, um die Welt wieder in Ordnung zu bringen.

Ich finde

Für mich war die erste Staffel von «Star Trek: Picard» etwas zu hagiografisch. Da wurde die Figur Picards in moralische Höhen gehievt, die etwas auf den Geist gingen.

Picard, der Leidensmensch

Jetzt stellt zwar auch in dieser Staffel ein Handlungsstrang Picards Charakter ins Zentrum. Eben dieses Mysterium, welches Ereignis in seiner Kindheit Picard zu einem Leidensmenschen machte. Zu einem Helden, der seinen persönlichen Schmerz kompensierte, indem er als Retter ganzer Spezies durchs Weltall reiste, aber selber für sich nie Liebe zuliess.

Das tönt auch ziemlich überzogen, ist es auch ein bisschen, aber viel gefühlvoller inszeniert als in der ersten Episode. Ohne zu viel zu verraten: Ein wichtiger Baustein dabei ist die Beziehung zwischen Picard und seinem ewigen Gegenspieler Q. Die nimmt eine überraschende Wende.

Zeitreise – schon wieder?

Dann gibt es diese Zeitreise, die mit einem Manöver vollzogen wird, das schon Captain Kirk erfolgreich durchführte (Star Trek IV: The Voyage Home), wie Picard bemerkt. Was deutlich darauf hinweist, dass Zeitreisen wirklich nichts Neues sind.

Dennoch ist es amüsant zu sehen, wie die Fallen der Zeitreise mal wieder zuschnappen. Nicht auffallen, nicht einmischen, nichts verändern – das funktioniert ja nie.

Viel Neues für Kenner:innen der Next Generation

Picard wird vom FBI verhaftet und verhört. Glücklicherweise von einem Beamten, der als Kind eine Begegnung mit Vulkaniern hatte und deshalb offen ist gegenüber Ausserirdischen und Zeitreisenden. Rios landet in der Klinik einer attraktiven Ärztin, die Illegalen hilft, wird aber prompt von ICE-Beamten geschnappt.

Auch die weiteren Handlungsstränge mit Seven of Nine und Raffi sowie Agnes Jurati und der Borg-Königin geben der Serie einen spannenden Dreh.

Alles in allem entwickelt diese zweite Staffel die (Beziehungs-)Welt der Charaktere ansprechend weiter. Daran werden sich vor allem die Fans von «Star Trek: Next Generation» erfreuen können. Auf jeden Fall hat dieser Star Trek-Spin-Off meine Erwartungen deutlich besser erfüllt als die letzte Staffel von «Star Trek: Discovery».

Fun Facts:

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Wie viele Sterne gibst du «Star Trek: Picard» Staffel 2?

Besetzung: Patrick Stewart | Alison Pill | Michelle Hurd | Santiago Cabrera | Jeri Ryan | Brent Spiner | John de Lancie | Annie Wersching | Whoopi Goldberg | Orla Brady
Created by: Kirsten Beyer| Michael Chabon | Akiva Goldsman
Genre: Science-Fiction | Abenteuer
USA, 2022

The Last Kingdom (Staffel 5) – Bridas Rache

Läuft bei: Netflix (5 Staffeln, 46 Episoden à 45 Min.)

Zu Beginn der finalen Staffel lebt Uhtred friedlich in einem Vorposten im Norden von Wessex. Doch der Frieden wird nicht andauern. In Island sticht Brida mit ihren Kriegern in See. Ihr einziges Ziel ist es, Uhtred zu töten. Dazu muss sie aber zuerst Fuss fassen in England. Sie sucht sich dafür Eoferwic (York) aus, den Sitz der «Danes» (dänische Wikinger), wo Uhtreds Tochter Stiorra als Königin lebt.

Intrigen am Hof von König Edward führen dazu, dass der Frieden zwischen Angelsachsen und den Danes zerbricht. Edward sieht seine Chance, den Traum seines Vaters von einem vereinten England zu verwirklichen.

Und mittendrin wie immer Uhtred, hin- und hergerissen zwischen seiner Loyalität zum König und seiner Verbundenheit mit den Wikingern.

Ich finde

Der Abschluss der Serie erfüllt alle Erwartungen, wie sie über die ersten vier Staffeln aufgebaut wurden. Viel Kampf, viel Drama durch einige aufwühlende Todesfälle, viel Intrige und ein Finale, von dem man nur so viel verraten kann, dass es Uhtred wieder an den Ort zurückführt, wo alles für ihn begann: Bebbanburg.

Als Anglophiler hat mir «The Last Kingdom» schon immer besser gefallen, als Serien wie «Vikings» oder «Vikings: Valhalla». Erzählt wird zwar dieselbe Geschichte: Wie Angelsachsen im 9. und 10. Jahrhundert gegen die dänischen Wikinger um die Vorherrschaft auf der Insel kämpften. Aber die Perspektive ist eine andere, wie schon das Motto verrät: «England is born».

Dennoch kommen auch die Wikinger nicht zu kurz, weil Uhtred zwar in Northumbria geboren wurde, also Angelsachse ist, aber von Wikingern aufgezogen wurde.

Serie zu Ende – jetzt kommt der Film

Auch wenn die Serie zu Ende ist, wird die Geschichte von Uhtred noch weitererzählt. Muss sie auch, denn am Ende der 5. Staffel sind nicht alle Erzählstränge abgeschlossen. Da taucht bspw. noch ein junger Mann auf, dessen Beziehung zu Uhtred sehr eng ist, und König Edward scheidet nicht im besten Einvernehmen mit Uhtred.

Man darf also gespannt sein, was der angekündigte Film «Seven Kings Must Die» noch liefern wird.

Fun Fact: Die Serie basiert auf der Buchreihe «The Saxon Stories» von Bernard Cornwell. Cornwell lernte seinen leiblichen Vater William Outhred erst kennen, als er schon über 50 war. Von ihm erfuhr er, dass er von Sachsen abstammt, denen die Befestigung Bebbanburg (heute Bamburgh Castle) gehörte. Deshalb nannte er seinen Protagonisten Uhtred of Bebbanburg.

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Wie viele Sterne gibst du «The Last Kingdom» Staffel 5?

Besetzung: Alexander Dreymon | Eliza Butterworth | Emily Cox | Millie Brady | Timothy Innes
Genre: Historie | Abenteuer
USA, 2022

Vikings: Valhalla (Staffel 1)

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

In der Wikingerstadt Kattegat versammeln sich verschiedene Stämme, um ein Massaker des englischen Königs Æthelred an den Wikingern zu rächen. Dazu gesellen sich Leif Eriksson (der Entdecker von Vinland, also Amerika, was hier aber keine Rolle spielt) und seine Halbschwester Freydís Eiríksdóttir.

Leif schliesst sich den Wikingern an auf ihrem Feldzug gegen London. Freydís unternimmt eine Wallfahrt nach Uppsala, wo ihr in einer Vision offenbart wird, dass sie «Die Letzte» sei.

Leif wird zum Helden in der erfolgreichen Schlacht gegen die Engländer. Freydís wird zur Kriegerin, die sich einen christlichen Wikinger zum Feind macht und den traditionellen Glauben ihres Volkes verteidigt.

Ich finde

Die Serie spielt etwa 100 Jahre nach ihrem Vorläufer «Vikings» (die ich nicht ganz gesehen habe). Die Wikinger und auch ein paar Wikingerinnen sind immer noch recht wild, festen gerne, saufen viel, kämpfen noch mehr und brüllen in der Schlacht, was die Stimmbänder hergeben. Aber die glorreiche Wikinger-Ära geht zu Ende.

Knut der Grosse, der die Wikinger auf ihrem Rachefeldzug gegen die englische Krone anführt, hat zwar eine klare Vorstellung, was er will: Ein Wikinger-Grossreich im Norden Europas (und es wird ihm auch gelingen). Es ist aber ein letztes Aufbäumen.

Christentum gegen die alten Götter

Denn die Wikinger sind bereits gespalten. Ein Teil bekennt sich zum christlichen Glauben, der Rest verehrt noch Odin, Freya und Thor. Das sät Zwietracht zwischen den Stämmen.

Aus diesen Zutaten entwickelt die Serie ein Netz von Machtkämpfen, Intrigen, Freund- und Feindschaften, die immer wieder überraschende Wendungen nehmen. Das ist alles sehr unterhaltsam und dank der beiden Figuren Leif und Freydís bleibt man auch emotional involviert. Sonst könnte man ob der vielen Jarls und sonstigen Edelleute etwas den Überblick und das Interesse verlieren.

Wer sind die historischen Figuren?

Mein grösstes Problem mit der Serie war aber ein ganz anderes. Ich begann parallel dauernd auf Wikipedia nachzulesen, wer die wirklichen historischen Figuren waren und was tatsächlich geschehen war.

Wie schon in «Vikings» nehmen sich die Drehbuchautor:innen auch bei «Vikings: Valhalla» viele Freiheiten und nicht alles ist tatsächlich so oder zu diesem Zeitpunkt passiert, wie es die Serie erzählt. Da ist der Blick in Wikipedia (oder in die Website deines Vertrauens) durchaus mindestens so spannend und manchmal ähnlich unübersichtlich, wie das Geschehen auf dem Bildschirm.

Also: Handy oder Tablet bereithalten (machts besser als ich und drückt auf «Pause») und bspw. Emma von der Normandie, Danegeld oder Olav der Heilige googeln.

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Wie viele Sterne gibst du «Vikings: Valhalla»?

Besetzung: Sam Corlett | Leo Suter | Frida Gustavsson | Jóhannes Haukur Jóhannesson | David Oakes | Laura Berlin | Bradley Freegard
Created by: Jeb Stuart
Genre: Historie | Abenteuer
USA, 2022

The Wheel of Time (Staffel 1)

Läuft bei: Amazon (1 Staffel, 9 Episoden à 60 Min.)

Die Aes Sedai (eine Art Magierin) Moiraine (Rosamunde Pike) ist auf der Suche nach dem «Dragon reborn». Dieser wiedergeborene Drachen ist die einzige Hoffnung im Kampf gegen eine weltzerstörende Macht, die «the Dark One» genannt wird.

In einem Dorf findet sie vier junge Erwachsene, von denen eine oder einer dieser Drache sein muss. Zu siebt (es kommen noch Moraines Begleiter und eine weitere Figur mit magischen Kräften dazu) beginnen sie eine Reise.

Ich finde

Zu lesen war, dass die Serie Anklänge an «Lord of the Rings» oder «Game of Thrones» aufweist. Das erstere passt bisher eher, für das zweite fehlt es an Intrige und Machtkampf der Clans.

Dennoch entsteht hier ein reizvolles Fantasy-Universum, das sich in dieser ersten Staffel recht viel sprechend anlässt. Die zweite Staffel ist bereits in Produktion.

Werde ich sicher weiterverfolgen. Und man darf gespannt sein, wie weit der Atem von Amazon und der Zuschauer:innen reicht bei der Umsetzung einer Serie, die auf 15 Buchbänden basiert.

Besetzung: Rosamunde Pike | Daniel Henney | Zoë Robins | Madeleine Madden | Josha Stradowski | Marcus Rutherford
Created by: Rafe Judkins
Genre: Fantasy | Abenteuer
USA, 2021

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