The Rings of Power (Staffel 1) – Bombastisch inszenierte Fantasiewelt

Serienposter mit Schriftzug. Mehrere Personen kreisförmig dargestellt. Im Hintergrund Landschaft mit Türmen.

Läuft bei: Amazon (1 Staffel, 8 Episoden à 60 Min.)

Elfen, Zwerge, Hobbits– das hat für mich immer etwas Weihnachtliches. Zwischen Heiligabend und Neujahr ist die beste Zeit, um sich so endlose Epen wie Peter Jacksons «Lord of the Rings»- und «The Hobbit»-Mehrteiler am Stück reinzuziehen.

Trügerischer Friede in Mittelerde

Dieses Jahr kam Weihnachten etwas früher. Dank Amazon und Jeff Bezos, bekennender Fan von Tolkiens Fantasiewelt. Vor fünf Jahren hatte der Konzern für 250 Mio. Dollar die Rechte am Tolkien-Material über das so genannte «Zweite Zeitalter» erworben. «The Rings of Power» ist die erste Staffel aus diesem Stoff, mindestens vier weitere sollen noch folgen.

Erzählt wird die Geschichte, die sich Tausende Jahre vor den Ereignissen in «Lord of the Rings» abspielt. Es herrscht Frieden in Mittelerde, nachdem der dunkle Lord Morgoth besiegt worden ist. Die Elfenkriegerin Galadriel (Morfydd Clark) traut der Ruhe aber nicht.

Eine blonde Frau in einer Rüstung. Im Hintergrund unscharf ein Haus und Dorfbewohner.
Die Elfenkriegerin Galadriel (Morfydd Clark). Eine der wenigen Figuren, die wir aus «Lord of the Rings» kennen. Da wurde sie von Cate Blanchett gespielt. © Amazon Studios

Sie will Sauron finden, der Morgoth diente, und ihn töten, um das Böse endgültig zu vernichten. Ihre jahrelange Suche bleibt ergebnislos. Die Ruhe ist aber tatsächlich trügerisch. Orks tauchen wieder auf. Und bei den Harfoots, den Vorläufern der Hobbits, fällt ein geheimnisvoller Fremder vom Himmel.

Epische Geschichte mit Dutzenden Figuren

Natürlich ist alles noch komplizierter. Das Königreich Númenor spielt eine Rolle, die Suche nach Mithril in den Minen der Zwerge und ein Schiffbrüchiger, der Galadriel aus dem Meer fischt. Alles gipfelt in dieser ersten Staffel darin, dass der Elfenmeister Celebrimbor die drei Ringe der Macht schmiedet und sich Sauron zu erkennen gibt.

Das war jetzt kein Spoiler, sondern schlicht der Anfang der Geschichte. Denn das «Zweite Zeitalter» ist geprägt von den titelgebenden Ringen der Macht und wie Sauron versucht, diese Macht an sich zu reissen. Und das alles eben episch erzählt mit Dutzenden von Hauptfiguren.

Zwei Manner in Gewändern stehen um einen runden, metallischen Arbeitstisch.
Celebrimbor (Charles Edwards, links) wird die drei Ringe der Macht schmieden. © Amazon Studios
Fantasiewelt als Augenweide

Überwältigend ist sowieso weniger die Geschichte. Die nimmt fast ruhig ihren Lauf, auch wenn zwischendurch heftig gekämpft wird. Bombastisch ist vor allem die Inszenierung mit viel Computergrafik und Liebe zu Details.

Man sieht, wohin die knapp 500 Millionen Dollar geflossen sind, die diese erste Staffel gekostet hat. Das ist eine Augenweide und macht fast vergessen, dass es nur eine Fantasiewelt ist.

Drei Schiffe mit einer Art Kreissegeln auf einem Fluss vor einer Brücke umgeben von einer Stadt.
Die Insel Númenor ist einer der aufwendig generierten Orte der Serie. © Amazon Studios
Heldengeschichten statt Intrigen

Wirklich gepackt hat mich «The Rings of Power» aber nicht. Dafür ist diese Tolkien-Welt zu einfach gestrickt. Es gibt das Gute und es gibt das Böse. Zwischentöne finden sich nicht.

Darin unterscheidet sich «The Rings of Power» wohl auch am meisten von «House of the Dragon», dem anderen grossen Prequel dieser Saison. Machiavellismus ist in King’s Landing an der Tagesordnung, in Mittelerde aber ein unbekanntes Konzept.

Ein Ork mit offenem Mund und einem Helm.
Der Inbegriff des Bösen, die hässlichen Orks. © Amazon Studios

Das macht «The Rings of Power» nicht wirklich schlechter. Es ist einfach ein ganz anderes Seherlebnis. Mehr Heldengeschichten als nervenaufreibende Intrigen. Mehr Freundschaft und Zusammenhalt statt Meuchelmorde. Deshalb eben gut geeignet fürs Binge-Watching in der besinnlichen Weihnachtszeit.

Wie viele Sterne gibst du «The Rings of Power» Staffel 1?
113 Stimmen

Besetzung: Morfydd Clark | Ismael Cruz Cordova | Charlie Vickers | Markella Kavenagh | Robert Aramayo | Nazanin Boniadi | Owain Arthur | Lloyd Owen | Cynthia Addai-Robinson | Maxim Baldry | Joseph Mawle
Serie entwickelt von: Patrick McKay | John D. Payne
Genre: Fantasy | Abenteuer | Action
USA/NZL, 2022

The Imperfects (Staffel 1) – Ein billiger Abklatsch von «Stranger Things» und Co.

Läuft bei: Netflix (1 Staffeln, 10 Episoden à 45 Min.)

Drei Jugendliche werden von einem verantwortungslosen Wissenschaftler mit einer experimentellen Gentherapie behandelt. Die Therapie hat monströse Nebenwirkungen.

Schreien, verführen, aussaugen

Tilda (Morgan Taylor Campbell) wird zu einer Banshee, deren Schreie Menschen durch die Luft wirbeln lässt. Abbi (Rhianna Jagpal) verströmt als Succubus Pheromone, so dass alle um sie herum ihr verfallen. Juan (Iñaki Godoy) verwandelt sich in einen Chupacabra. Auf Deutsch etwa «Ziegensauger», wobei Juan in seiner Monsterform auch Menschenfleisch nicht verachtet.

Geplagt von unerwünschten Nebenwirkungen: Abbi, Tilda und Juan, blutverschmiert, weil er gerade als Chupacabra unterwegs war. © Netflix

Die drei wenden sich an Dr. Alex Sarkov (Rhys Nicholson), der sie behandelt hat, mit der Bitte um Hilfe. Doch der hat anderes im Sinn mit seinen Versuchskaninchen und verschwindet. Das Trio macht sich auf die Suche nach ihm. Hilfe erhalten sie dabei von Sarkovs ehemaliger Mitarbeiterin, Dr. Sydney Burke (Italia Ricci).

Regierungsbehörde – dubios

Ebenfalls interessiert an Sarkov ist da noch eine dubiose Regierungsbehörde namens «Flux», die gefährliche Wissenschaftler wie Sarkov unschädlich machen soll.

Schon bald merken die drei, dass sie nicht die einzigen waren, denen Sarkov seine zweifelhafte Therapie angedeihen liess.

Einschätzung

Ich habe mich durch alle zehn Episoden durchgekämpft, in der leisen Hoffnung, es könnte vielleicht doch noch besser werden. War aber nix.

Eindimensionale Figuren

«The Imperfects» ist von der ersten bis zur letzten Minute einfach nur schlecht. Ein billiger Abklatsch, der versucht, auf der Erfolgswelle von Serien wie «Stranger Things» zu reiten.

Die Figuren sind völlig eindimensional. In jeder Szene spielen sie den einzigen Charakterzug aus, den ihnen die Story zugesteht.

Was die Jungen halt auch noch so beschäftigt

Tilda ist die skrupellose Rebellin, Abbi die bedächtige Gescheite und Juan der noch Pubertierende. Besonders nervig aber ist der Bösewicht Sarkov, der als hyperaktives Genie in jedem Satz unter Beweis stellen muss, wie ihm Menschlichkeit am A… vorbeigeht.

Die Story mäandert von einem Problem zum nächsten, das sich dem Trio auf dem Weg zur Heilung in den Weg stellt. Ein Spannungsbogen ist dabei nicht erkennbar, alles bleibt gleichförmig.

Eingestreut sind die üblichen Probleme der jungen Jahre: Verlieben, Freundschaft, Familie. Auch die krebskranke Mutter fehlt nicht, verschwindet allerdings schlagartig wieder.

Das Monsterding ist nicht Juans einziges Problem. Er hat auch eine schwierige Beziehung zu seinem Bruder. © Netflix
Traue keinem über 30

Die CGI ist schlecht. Der Chupacabra taucht jeweils nur für Sekunden auf. Von einer anderen Figur, die die Gestalt wechselt, hören wir einzig das Knochenknacken, die Verwandlung findet ausserhalb des Kamerablicks statt.

Natürlich gehöre ich nicht zur Zielgruppe dieser Serie. Das zeigt sich schon daran, dass alle Guten knapp 20 sind, der böse und die gute Wissenschaftler:in etwa 5 Jahre älter und sonst gilt: Traue keinem über 30.

Trotzdem. Auch eine Coming-of-Age-Story (in der Presseankündigung übrigens als Coming-of-Rage verkauft, haha) verdient ein besseres Script. Beispiele dafür gibt es genügend. Auch bessere Darsteller:innen könnte man wählen. Solche, die mehr als zwei Gesichtsausdrücke beherrschen.

Wie viele Sterne gibst du «The Imperfects» Staffel 1?

Besetzung: Italia Ricci | Morgan Taylor Campbell | Rhianna Jagpal | Iñaki Godoy | Kyra Zagorsky | Rhys Nicholson
Serie entwickelt von: Shelley Eriksen | Dennis Heaton
Genre: Science-Fiction | Action | Abenteuer
USA/CAN, 2022

The Lazarus Project (Staffel 1) – Und täglich grüsst der Weltuntergang

3 von 5 Sternen

Läuft bei: Sky (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

Die schlechte Nachricht: In den letzten Jahrzehnten ist die Welt mehrmals untergegangen, die Menschheit wurde ausgelöscht. Meist durch Atomkriege wie 1962 als Folge der Kuba-Krise, 1971 durch den Konflikt zwischen Indien und Pakistan oder auch durch eine weltweite Pandemie wie 2020.

«Lazarus» lässt die Welt wiederauferstehen

Die gute Nachricht: Es gibt eine geheime Organisation, die diese Weltuntergänge verhindert. «The Lazarus Project» dreht die Zeit zurück und beeinflusst den Lauf der Dinge so, dass die Welt nicht zerstört wird.

Zwei Frauen im Vordergrund. Dahinter weitere Menschen. Sie schauen zu einer Anzeige empor, die nicht im Bild zu sehen ist.
In der Zentrale der Zeitwirtschaft: Wes (Caroline Quentin), die Herrin über die Zeitsprünge und Agentin Archie (Anjli Mohindra). © Sky

Von diesen Zeitsprüngen zurück auf jeweils den 1. Juli des Jahres merkt die normale Bevölkerung nichts. Nur die Lazarus-Agent:innen nehmen das wahr, weil sie ein Serum injiziert bekommen haben. Dann gibt es noch extrem seltene Fälle von natürlicher Wahrnehmung der Zeitsprünge.

George wird «Lazarus»-Agent

George Addo (Paapa Essiedu) gehört zu den wenigen Menschen, die diese Fähigkeit besitzen. Er wacht am 1. Juli 2022 auf und erlebt exakt denselben Tag nochmal. George zweifelt an seinem Verstand, bis er von Archie (Anjli Mohindra) kontaktiert wird.

Die Lazarus-Agentin erklärt ihm, dass «Lazarus» mal wieder die Zeit zurückdrehen musste und rekrutiert George für das Projekt. George findet den neuen Job spannend. Doch dann trifft ihn ein Schicksalsschlag.

Ein Paar schlendert lächelnd vor einem Parkplatz vorbei.
Für George (Paapa Essiedu) gab es eine kurze Zeit, als er unbeschwert mit seiner Freundin Sarah (Charly Clive) zusammen lebte. © Sky
Die Freundin retten durch den Weltuntergang

Seine Freundin Sarah (Charly Clive) kommt ums Leben. Mit einem Zeitsprung könnte «Lazarus» das ungeschehen machen. Aber damit die Maschinerie in Gang gesetzt wird, muss George zuerst den Weltuntergang herbeiführen.

Einschätzung

Was? Wer? Wie? Warum? Am Anfang ist es gerade ein bisschen viel, was einem «The Lazarus Project» zumutet.

Die Frau am Zeitsprung-Drücker

Irgendwo steht eine Maschine, die die Erde rückwärts um die Sonne rotieren lässt und damit die Zeit zurückdreht. Soll irgendwie mit Quantenmechanik funktionieren, heisst es.

Den Befehl für den Zeitsprung gibt eine einzelne Person: Wes (Caroline Quentin), die Chefin des «Lazarus Projects». Höhere Mächte werden zwar angedeutet, aber der ganze Prozess scheint nicht besonders demokratisch organisiert.

Mann mit krausem Haar hält eine Waffe schussbereit.
Die «Lazarus»-Agenten wie hier Shiv (Rudi Dharmalingam) sind unzimperlich, wenn es darum geht, den Weltuntergang zu verhindern. © Sky
Keine Serie für Wahrscheinlichkeitskrämer:innen

Vor allem, wenn man sich noch vorstellt, dass der Zeitsprung wahrscheinlich das ganze Universum betrifft. Was sagen die Aliens dazu? Und wieso entwickelt George von einem Tag auf den anderen die Fähigkeit, die Zeitsprünge wahrzunehmen? War da was mit Eiweissmutation?

Wer all diese Fragen nicht beiseiteschieben kann und sich nicht einfach auf die Prämissen der Serie einlässt, der:die sollte die Finger davon lassen.

Die Tragik der Zeitsprünge

Wenn man sich darauf einlässt, gibt’s dafür eine ansprechend spannende und unterhaltsame Geschichte mit viel Action, die der ganzen Zeitsprung-Thematik auch noch einen emotionalen Twist abringt.

Da gibt es etwa eine Agentin, die ein Kind bekommen hat. Es droht aber ein Zeitsprung, der vor ihre Schwangerschaft führen würde. Das Kind würde nie gezeugt. Sie fleht Wes vergeblich an, den Befehl nicht zu geben. Es kommt dann noch schlimmer mit dem zweiten Kind.

Ein Paar sitzt auf einem Bett. Die schwangere Frau hält eine Hand auf ihren Bauch.
Janet (Vinette Robinson) und Rebrov (Tom Burke) wenden sich nach einer Zeitsprung-Tragödie vom «Lazarus-Project» ab. © Sky
Kein Happy End, sondern ein Cliffhanger

Auch Georges Mission, seine Freundin von den Toten auferstehen zu lassen, nimmt eine unerwartete Wendung. Glücklicherweise dient diese etwas allzu rührselige Geschichte nur als Katalysator für Action und Intrigen.

Störend allerdings: Die Serie schliesst zwar einen Teil des Plots ab, endet aber mitten in einem neuen, scheinbar ausweglosen Weltuntergangsszenario. Immerhin ist die zweite Staffel bestätigt. Wir werden in etwa einem Jahr erfahren, ob die Menschheit weiterexistieren wird.

Wie viele Sterne gibst du «The Lazarus Project» Staffel 1?

Besetzung: Paapa Essiedu | Anjli Mohindra | Rudi Dharmalingam | Caroline Quentin | Tom Burke | Vinette Robinson | Charly Clive
Serie entwickelt von: Joe Barton
Genre: Science-Fiction | Action | Drama
GB, 2022

Tschugger (Staffel 2) – Die spektakuläre Rettung des Wallis durch den furchtlosen Polizisten Bax

Läuft bei: Sky (2 Staffeln, 10 Episoden à 30 Min.; ab 18.12.2022 bei Play Suisse)

=> Staffel 1: Tschugger (Staffel 1)

In letzter Sekunde rettet Bax (David Constantin) den armen Polizeipraktikanten Smetterling (Cedric Schild), dem ein Killer den Stecker für die Beatmungsmaschine gezogen hat. Bax und Kollege Pirmin (Dragan Vujic) verfolgen den Killer zu einer Statue hoch oben auf einem Berg.

Der geheimnisvolle Schlüssel

Dort treffen sich eigentümlich verkleidete Figuren zu einem Ritual. Der Killer wird gekillt, weil er etwas nicht geliefert hat: einen Schlüssel.

Den Schlüssel sucht auch Gerda (Clelia Fux), die Ex von Bax, auch Polizistin, hat aber offensichtlich die Seiten gewechselt. In ihrem Auftrag entführen zwei Skilehrer Valmira (Annalena Miano). Deren Freund Juni (Arséne Junior Page) hat nämlich den ominösen Schlüssel gefunden und soll ihn jetzt abliefern.

Kultisten bedrohen das Wallis. © Sky/SRF
Das Wallis droht unterzugehen

Auch die Bundespolizistin Anette Brotz (Anna Rossinelli) ist immer noch im Wallis. Sie sucht Bax, der inzwischen untertauchen musste, weil Gerda ihn bei seinem Chef anschwärzte.

Als Bax, Pirmin und Anette endlich herausfinden, was es mit diesem Schlüssel auf sich hat, müssen sie in einer wagemutigen Aktion verhindern, dass das ganze Wallis zerstört wird.

Apero vom Bundesrat

Dumm nur, dass die Rettungsaktion zur nationalen Geheimsache erklärt wird. Niemand wird je von der Heldentat erfahren. Immerhin spendiert der Bundesrat einen Apero als kleinen Trost.

Einschätzung

Die zweite Staffel knüpfe nahtlos an die erste an, habe ich schon ein paar Mal gelesen. Ja, hoffentlich! Das nervte mich ja bei der ersten Staffel so masslos, mitten in der Geschichte aufzuhören und irgendwas von einer «zweiten Staffel» zu schwafeln.

Nach dem grossen Ärger die erfreuliche Nachricht

Dabei geht es ja nur darum, dass SRF nicht so viel Geld hat für Eigenproduktionen und deshalb die Ausstrahlung der zehn Episoden auf zwei Jahre strecken musste. Besser wäre es gewesen, alles aufs Mal zu zeigen und dafür halt ein Jahr Pause einzulegen.

Aber lassen wir das. Kommen wir zum Erfreulichen. Ich war eher mässig begeistert vom Humor und der Handlung der ersten Staffel. Da zuckten bei mir die Mundwinkel nur ab und zu. Teil zwei gefiel mir jetzt viel besser.

Bax ist untergetaucht und holt Smetterling völlig unauffällig verkleidet aus dem Spital. © Sky/SRF
Der Knirps und das Koks

Tatsächlich musste ich ein paar Mal wirklich lachen. Etwa, wenn der kleine Rabauke in einer Villa Koks aufm Tisch findet und danach mit weissem Schnauz herumstolziert. Tatsächlich hat er aber nur einen Berliner gefunden und gegessen.

Auch die Action legt noch zu. Gerda fuchtelt nicht nur mit ihrer Pistole rum, sondern landet einen gezielten Kopfschuss. Und das Finale mit Bax, der am Seil hängt und per Helikopter auf die Staumauer geflogen wird, ist ziemlich zum Schreien.

Der Besuch im Hotelzimmer von Bundespolizistin Brotz beginnt vielversprechend für Bax, nimmt aber einen anderen Verlauf, als er erwartet. © Sky/SRF
Gerne mehr «Tschugger» – aber alles am Stück!

Ich bin nicht nur versöhnt mit den Walliser «Tschugger». Ich hätte gerne eine weitere Staffel. Aber bitte, bitte alles am Stück! Ich warte dafür gerne auch zwei Jahre.

Apropos warten: Ja, ist halt so, dass «Tschugger» zuerst bei Sky läuft und erst im Dezember bei SRF und auf Play Suisse. Auch das eine Geldfrage und eine Frage der Prioritäten in der Verwertungskette.

Es hätte übrigens auf Play Suisse, falls ihr’s noch nicht kennt, durchaus einige Serien und Filme, mit der man sich –gratis! – die Wartezeit vertreiben kann.

Wie viele Sterne gibst du «Tschugger» Staffel 2?

Besetzung: Dragan Vujic | David Constantin | Anna Rossinelli | Arsène Junior Page | Annalena Miano | Cedric Schild | Gabriel Oldham | Olivier Imboden
Serie entwickelt von: David Constantin | Mats Frey
Genre: Komödie | Krimi | Action
CH, 2022

Kleo (Staffel 1) – «Killing Eve» auf Ostdeutsch

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

Ost-Berlin 1987. Im blauen Trainer, Typ Nabholz, macht sich Kleo Straub (Jella Haase) auf zur Arbeit. Hinter der Tür, hinter der sie verschwindet, ist aber kein Trainingslokal, sondern ein Tunnel unter der Mauer durch.

«Zielperson vernichtet»

Unterwegs zieht sich Kleo um, weil sie eine Disco in West-Berlin besuchen will. Dort soll sie einen Mann finden, jedoch nicht zum Vergnügen. Denn Kleo ist eine Killerin im Auftrag der DDR-Staatssicherheit.

Ihren Auftrag führt sie schnell und sauber aus und kann ihrem Führungsoffizier stolz zurückmelden: «Zielperson physisch vernichtet.» Allerdings ist Kleo in der Disco einem Polizeibeamten aufgefallen. Sven Petzold (Dimitrij Schaad) kann seinen Kollegen die mutmassliche Täterin gut beschreiben.

Kleo auf dem Weg zur Arbeit nach West-Berlin. © Netflix
Von der Stasi verraten

Das Phantombild, das angefertigt wird, landet auf dem Schreibtisch eines Stasi-Obersten. Der meldet nach oben: «Wir haben ein Problem.» Die Lösung ist aber einfach. Kleo wird Spionage angehängt und sie verschwindet hinter Gittern.

Nach dem Mauerfall kommt Kleo wie viele andere politische Gefangene wieder frei. Sie kennt jetzt nur ein Ziel: Herauszufinden, wer sie damals reingelegt hat und weshalb. Ihr Rachefeldzug beginnt.

Einschätzung

Ziemlich irre, was uns die drei Autoren Hackfort, Konrad und Kropf, bekannt vor allem für «4 Blocks», hier auftischen. Irre ist vor allem Kleo, zumindest am Anfang. Die Killermaschine, die aber auch mal ein Tänzchen aufführt oder ein Liedchen singt, bevor sie ihr Opfer am Kleiderhaken aufhängt.

Der Wessi aus dem Weltall

Nicht ganz zu Unrecht fühlt man sich an die Braut (Uma Thurman) aus «Kill Bill» oder an Villanelle aus «Killing Eve» erinnert. Kleo erreicht aber nicht die höchsten Sphären der dissozialen Persönlichkeitsstörung wie Villanelle.

Sie schläft nicht gern allein und braucht deshalb Menschen um sich herum. Wie Thilo (Julius Feldmeier), den Wessi, der ihre alte Wohnung gekapert hat und den Techno in den Osten bringen will, ja muss. Mit diesem Auftrag sei er von seinem Heimatstern Sirius B hierher geschickt worden, sagt Thilo sogar, wenn er nicht völlig zugedröhnt ist.

Thriller und Komödie in einem

Überdreht im Figurenarsenal geht’s weiter mit einem Stasi-Agenten, der massiv am Tourette-Syndrom leidet, oder historischen Figuren wie Margot Honecker, die ihrem Spitznamen «der lila Drache» alle Ehre macht. Das macht «Kleo» neben dem Thriller auch zur Komödie.

Ob Tapete, Vorhänge oder Sofa: was für Muster! © Netflix

Dazu kommen ein Setdesign, das bei Tapeten, Vorhängen und Innenausstattung aus dem Vollen schöpft, die Kleider mit viel Ossi-Schick, aber auch zeitgemässer Miami Vice-Style für den Wessi Sven Petzold, allerdings mit weissen Socken.

Sven, der harmlose Jäger

Sven ist neben Kleo die zweite starke Figur. Er macht es sich zur Lebensaufgabe, die Killerin aus der Disco zur Strecke zu bringen, obwohl er eigentlich im Betrugsdezernat arbeitet.

Die Welt der Geheimdienste und Auftragsmorde überfordert ihn aber. Da muss er auch mal auf Kleos Gnade hoffen, wenn er ihr auf der Jagd zu nahe kommt.

Sven ist es nicht gewohnt, wenn Menschen aus dem Plattenbau auf Trabis geworfen werden. © Netflix
Ostalgie und Wenderomantik

Auch wenn die Macher vielleicht ein bisschen oft auf «Killing Eve» geschielt haben, ist ihnen zumindest eine sehr gute deutsche Adaption gelungen mit einem Schuss Ostalgie und Wenderomantik. «Kleo» macht von Anfang bis zum Schluss grossen Spass und am Ende auch ein kleines Fenster auf für weitere Staffeln.

Wie viele Sterne gibst du «Kleo» Staffel 1?

Besetzung: Jella Haase | Dimitrij Schaad | Julius Feldmeier | Marta Sroka | Vincent Redetzki | Vladimir Burlakov | Yun Huang | Thandi Sebe
Serie entwickelt von: Hanno Hackfort | Bob Konrad | Richard Kropf
Genre: Action | Krimi | Komödie
D, 2022

Resident Evil (Staffel 1) – Nur toll, wenn das Blut spritzt

Resident Evil Poster

1 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

2036 ist die Welt mal wieder in der Hand von Monstern, so genannten «Zeroes». Die Zeroes wurden mit dem T-Virus infiziert, töten und fressen alles, was sich bewegt.

Jade wird gejagt

Jade (Ella Balinska) studiert in London das Verhalten der relativ tumben Monster. Eines Tages geht das schief und sie wird von Zeroes gejagt. Ein paar Plünderer retten sie, finden aber heraus, dass auf Jade ein Kopfgeld ausgesetzt ist.

Jade kann bei der Übergabe entkommen und versucht sich nach Calais durchzuschlagen.

Geldgier bringt das Unheil

Vor 14 Jahren war die Welt für Jade noch in Ordnung. Sie zog mit ihrer Schwester Billie (Adeline Rudolph) und ihrem Vater Albert Wesker (Lance Reddick) nach New Racoon City. Hier hat die Firma Umbrella ihren Hauptsitz.

Albert entwickelt für die Firma ein Medikament, das eine gefährliche Komponente beinhaltet: das T-Virus. Obwohl er davor warnt, will die gierige Chefin der Firma möglichst schnell auf den Markt mit dem Wundermittel.

Jade und Billie kommen den Machenschaften von Umbrella auf die Spur. Billie wird mit dem Virus infiziert.

Einschätzung

«Resident Evil» hat eine lange Geschichte. Es ist eines der erfolgreichsten Horror-Computergames, das erstmals 1993 erschien. von 2002 bis 2016 wurden auch sechs Filme mit Milla Jovovich in der Hauptrolle produziert. Netflix wagt sich jetzt daran, die Franchise als Serie zu verwerten – und scheitert kolossal.

Full disclosure: Ich habe nur drei Episoden vollständig gesehen, beim Rest ein bisschen reingezappt, aber es blieb unerträglich. Ich habe keinen Kinofilm gesehen und nur in den Anfängen mal ein bisschen das Computergame gespielt.

Zäh, vorhersehbar, stereotyp

Aber ich bin einer guten Virus-Horrorserie durchaus nicht abgeneigt. Von Guillermo del Toros‘ «The Strain» habe ich doch zwei von vier Staffeln angeschaut, bevor ich’s nicht mehr so spannend fand.

Aber bei «Resident Evil» stimmt von Anfang an gar nichts. Die Geschichte entwickelt sich äussert zäh, vorhersehbar und ist gespickt mit stereotypen Figuren.

Wohin flieht Jade?

Im Jahr 2036 wird Jade über mehrere Episoden von Umbrella gejagt und dauernd von Zeroes und anderen Monstern bedroht. Immer entkommt sie fast als einzige den diversen Gemetzeln. Wohin das führen soll, bleibt lange schleierhaft.

In der Vergangenheit, also im Jahr 2022, entfaltet sich langsam das Unheil, sehr langsam. Was halt nicht so spannend ist, weil man ja weiss, was herauskommt. Einzelne Plotelemente, wie die Enthüllungen über Albert Weskel und seine Vergangenheit, sollen einen bei der Stange halten, sind aber ebenfalls nicht so prickelnd.

Bei den Fans gefloppt

Dass diese beiden Zeitebenen teilweise im Minutentakt gewechselt werden, teilweise mit Mini-Cliffhangern, nervt ebenfalls unsäglich.

Falls «Resident Evil» vor allem auf die Fangemeinde der Franchise zielte, hat das auch nicht ganz geklappt. Die Resonanz ist gemischt bis vernichtend.

Gut nur, wenn das Blut spritzt

Das einzig Gelungene an der Serie sind die Monster. Wenn die zubeissen und das Blut spritzt, dann ist das in guter Horrortradition gemacht.

Wie viele Sterne gibst du «Resident Evil» Staffel 1?

Besetzung: Ella Balinska | Tamara Smart | Siena Agudong | Adeline Rudolph | Paola Nuñez | Lance Reddick |
Serie entwickelt von: Andrew Dabb
Genre: Horror | Action
USA, 2022

The Boys (Staffel 2) – Die Rückkehr der korrupten Superhelden

Läuft bei: Amazon (2 Staffeln, 16 Episoden à 50 Min.)

«The Boys» müssen sich zu Beginn der zweiten Staffel im Untergrund verstecken. Ihr Anführer Butcher ist verschwunden. Ihr Kampf gegen die bösen Superhelden scheint verloren.

Der zutiefst narzisstisch gestörte Homelander und seine Truppe von mehrheitlich korrupten Superhelden sind wieder im Aufwind. Auch die Firma Vought, die diese «Supes» geschaffen hat, ist zurück im Geschäft.

Mit Stormfront stösst eine neue Superheldin dazu. Sie macht Homelander seine Führungsrolle streitig. Zudem hat sie auch klare Vorstellungen, welche Rolle die Supes in Zukunft in der Gesellschaft einnehmen soll – so etwas in Richtung «white supremacy».

Ich finde

Ich habe die zweite Staffel jetzt abgeschlossen, kurz bevor Anfang Juni die dritte kommt. Was schon andeutet, dass mich «The Boys» nie wirklich reingezogen hat.

Die Ausgangslage dieser Serie ist zwar wirklich originell. Die Superhelden sind zwar super, aber keineswegs Helden. Ganz im Gegenteil. Sie setzen ihre Kräfte öfters nach ihrem Gutdünken ein. Sie bringen auch mal ein paar Menschen um, weil sie einfach gerade schlechte Laune haben.

Superheldenethos auf den Kopf gestellte

Und sie sind eigentlich nur die Aushängeschilder eines Unternehmens, das Geld verdienen will – um jeden Preis. Das ganze Superheldenethos wird also einfach auf den Kopf gestellt.

Ihre Gegenspieler sind eine Truppe von bunt zusammengewürfelten Typen, die auch nicht gerade ein Ausbund an Freundlichkeit sind. Mit Ausnahme von Hughie, der das absolute Gegenteil eines Kämpfers ist und völlig Fehl am Platz in der Runde.

Das alles war in der ersten Staffel neu und amüsant.

Widerlich hoch zwei

Die zweite Staffel führt die Geschichte und Figuren konsequent weiter. Mit Stormfront stösst eine Figur dazu, die die Widerwärtigkeit der Supes nochmal einen Gang höher schaltet.

Aber das war’s dann auch. «The Boys» ist eine Serie für Freund:innen des Superhelden-Genres, vor allem aber für Zeiten, in denen man gerade nichts Besseres findet. Trotzdem gut möglich, dass ich auch mal einen Blick in die dritte Staffel werfe – zwischendurch, auf dem Crosstrainer.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «The Boys» Staffel 2?

Besetzung: Karl Urban, Jack Quaid, Antony Starr, Erin Moriarty, Aya Cash, Laila Robins
Created by: Eric Kripke
Genre: Superhelden | Action
USA, 2021

Reacher (Staffel 1) – Der Rächer mit Herz und Kleiderproblemen

Läuft bei: Amazon ( 1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

Jack Reacher (Alan Ritchson, spielte Hawk in «Titans»), der nur Reacher genannt werden möchte, weil ihn seine Mutter schon so nannte, verschlägt’s in ein Kaff in Georgia. Im Diner will er sich einen Pfirsichkuchen zu Gemüte führen, da wird er wegen Mordverdachts verhaftet. Verdächtig macht ihn, dass er der einzige Fremde ist und als muskulöser Hüne ziemlich auffällt.

Der Tatverdacht verflüchtigt sich zwar ziemlich schnell. Nicht aber ohne dass Reacher im Gefängnis seine Qualitäten als erbarmungsloser Nahkämpfer ein erstes Mal unter Beweis stellen kann. Und mit seiner scharfsinnigen Beobachtungsgabe in bester Sherlock Holmes-Manier beeindruckt er die örtliche Polizei.

Für Reacher wird’s persönlich

Nach diesem unfreundlichen Empfang in Margrave will Reacher weiterziehen. Allerdings stellt sich heraus, dass das Mordopfer sein Bruder Joe war. Deshalb verbündet sich Reacher mit zwei lokalen Cops, Finlay (Malcolm Goodwin, «iZombie») und Roscoe (Willa Fitzgerald).

Weitere Leichen tauchen auf. Das Trio kommt bei den Ermittlungen korrupten Politikern, Polizisten und dem Grossunternehmer der Stadt mit seinen dubiosen Geschäften auf die Spur.

Ich finde

«Reacher» ist nichts für zarte Gemüter. Obwohl ehemaliger Militärpolizist, macht Reacher schnell klar, dass er nicht Gerechtigkeit will für den Mord an seinem Bruder, sondern Rache.

Schlägt er zu Beginn seine Gegner nur zusammen, greift er schnell danach zur Waffe und tötet gezielt mit Kopfschuss. Damit drei Leichen in einen Kofferraum passen, bricht er auch mal ein paar Beine.

Hulk trifft auf Rambo, Sherlock Holmes und Shrek

Trotzdem kommt Reacher nicht nur als Brutalo rüber. Er ist ein scharfsinniger Ermittler, zeigt menschliche Regungen wie Zuneigung für die Polizistin, mit der er zusammenarbeitet.

Dann ist Reacher auch dieser fast bemitleidenswerte Aussenseiter durch seine Statur, der regelmässig Probleme hat, passende Kleidung zu finden – alles in allem eine nicht unsympathische Mischung aus Hulk, Rambo, Sherlock Holmes und Shrek.

«Reacher» wird uns erhalten bleiben

Dazu fügt die Serie zwischendurch einen humoristischen Unterton. Dieser Mix macht aus «Reacher» eine Serie, mit der sich Action- und Krimifreund:innen gerne die Zeit vertreiben werden. So erfolgreich, wie die erste Staffel beim Publikum ankam, überrascht es nicht, dass die zweite bereits angekündigt ist und weitere werden wohl folgen.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Reacher» Staffel 1?

Besetzung: Alan Ritchson | Malcolm Goodwin | Willa Fitzgerald | Currie Graham | Bruce McGill
Showrunner: Nick Santora
Genre: Krimi | Action
USA, 2022

Titans (Staffel 1-3)

Läuft bei: Netflix (3 Staffeln)

Titans, das sind die jungen Superhelden der Generation nach Batman und Superman. Angeführt von Dick Grayson – ehemals Batmans Sidekick Robin – bekämpfen sie Bösewichte aus dem DC Universum wie Deathstroke oder Scarecrow.

Ich finde

Die erste Staffel war noch sehr ok, als eine junge Frau von einem Dämon gejagt wird und Grayson und seine Titans um Hilfe bittet. Der Dämon entpuppt sich als ihr Vater, sie selbst entdeckt ihre geerbten Superkräfte und wird Teil der Titans.

Bei Staffel 2 und 3 schwand mein Interesse. Die Figuren wälzen sich in psychologischer Vergangenheitsbewältigung, gruppendynamischer Mediation, Familien- und Beziehungsdramen. Dafür sind mir die Titans dann doch zu wenig interessant, als dass mich diese «Vertiefung» kümmern würde.

Die Kritik ist da übrigens ganz anderer Meinung: da steigt bspw. die Bewertung auf Rotten Tomatoes von 78% für die erste Staffel auf 100% für die dritte mit der Begründung, Staffel 3 zeichne sich aus «with a bolder storytelling and deeper characterization».

Besetzung: Brenton Thwaites, Anna Diop, Ryan Potter, Teagan Croft, Curran Walter, Conor Leslie, Minka Kelly, Alan Ritchson, Joshua Orpin, Vincent Kartheiser, Iain Glen, Savannah Welch
Created by: Greg Berlanti | Akiva Goldsman | Geoff Johns
Genre: Action | Superhelden
USA, 2022