Clark (Mini-Serie) – Frauenschwarm und Polizistenschreck

Läuft bei: Netflix (Mini-Serie, 6 Episoden à 60 Min.)

Stockholm 1973: In der «Kreditbanken» hat ein Räuber vier Geiseln genommen. Er verlangt, dass Clark Olofsson (Bill Skarsgård) in die Bank kommt. Was auch geschieht. Es ist der Höhepunkt der Karriere von Olofsson.

Clark Olofsson ist allerdings nicht etwa der Verhandlungsführer der Polizei. Er ist selber ein Krimineller, der wegen Bankraubes und schwerer Körperverletzung mal wieder einsitzt.

Schwedens Promi-Gangster Nr. 1

Clark Olofsson ist eine reale Figur, über den es mehrere Bücher und Filme gibt. Er gilt als der erste Promi-Gangster Schwedens und erlangte schon vor der Geiselnahme in Stockholm nationale Berühmtheit.

Mit dem «Norrmalmstorgsdramat» ging er aber auch international in die Geschichte ein, denn auf diese Geiselnahme geht der Begriff «Stockholm Syndrom» zurück.

«Clark» schildert die Karriere dieses Kriminellen, die sich im ewigen Kreis von Verbrechen, Gefängnis, Ausbruch, Partys, Liebschaften dreht, immer unter grosser Anteilnahme der Öffentlichkeit.

Ich finde

Wäre die Geschichte von Clark Olofsson fiktional, man hielte sie für übertrieben. Tatsächlich stimmt vieles, was die Serie erzählt.

Beispielsweise, dass Clark nach seinem ersten Ausbruch aus der Besserungsanstalt für Jugendliche in das Landgut des schwedischen Premierministers eindrang. Allerdings traf er dort nicht auf den Premierminister selbst, wie die Serie erzählt, sondern nur auf den Gärtner.

Frauenschwarm und Polizistenschreck

Auch seine Beliebtheit in der Öffentlichkeit und vor allem bei Frauen beruht offenbar auf Tatsachen. Selbst die trotteligen Polizisten sind nicht frei erfunden, wenn auch ihre Inkompetenz Slapstick-artig überzeichnet ist.

Bill Skarsgård spielt Clark mit gnadenloser Wucht. Ein narzisstischer Psychopath, der sich äusserst charmant geben kann. Im Grunde schert er sich aber einen Dreck um andere. Im Zentrum steht immer nur einer: Clark Olofsson.

Das zeigt sich insbesondere bei seinen Liebesbeziehungen. Frauen betört er, belügt und hintergeht sie, lässt sie – mit Kind – sitzen. Erstaunlicherweise hält das manche Freundin nicht davon ab, immer wieder auf ihn hereinzufallen.

Freigeist der 68er-Ära ad absurdum geführt

Den Zuschauenden mag es ähnlich gehen. Clark fasziniert. Rückblenden in seine Kindheit mögen vielleicht sogar so etwas wie Verständnis aufkommen lassen dafür, weshalb Clark zu dem wurde, was er ist.

Aber gleichzeitig wird diese Haltung in der Serie unterhaltsam persifliert. Der Zeitgeist der 68er-Ära mit Gefängnisreformen, Täterrehabilitation, freier Liebe und freiem Individuum wird durch Clark ad absurdum geführt. Er nutzt all das zu seinem eigenen Vorteil aus.

Faszinierend und abstossend – gut inszeniert

Deshalb passt der Vergleich zu ähnlichen Gangsterkomödien wie «Catch Me If You Can» nicht ganz. Der Hochstapler Frank (Leonardo DiCaprio) bleibt bis am Schluss sympathisch, auch weil er relativ harmlos ist.

Clark dagegen ist alles andere als harmlos. Er hinterlässt eine Spur von Verwüstung auf seelischer und physischer Ebene und bleibt schlicht nicht gesellschaftsfähig.

Der Serie gelingt es aber sehr ansprechend, dieses Hin und Her zwischen Faszination und Abstossung über sechs Episoden zu inszenieren.

Wie viele Sterne gibst du «Clark»?

Besetzung: Bill Skarsgård | Vilhelm Blomgren | Sandra Ilar | Hanna Björn
Genre: Krimi | Komödie | Biografie
SWE, 2022

Russian Doll (Staffel 2) – Zeitreise als Therapie

Läuft bei: Netflix (2 Staffeln, 15 Episoden à 30 Min.)

Nadia Vulvokov (Natasha Lyonne) feiert demnächst wieder Geburtstag, dieses Mal den 40. (in der ersten Staffel war’s der 36.). Allerdings dauert es länger als erwartet, bis sie zu diesem Datum kommt. Nadja dreht vorher ein paar Runden auf der Zeitachse.

Sie landet zuerst in den 80er-Jahren – als ihre Mutter, die mit ihr schwanger ist. Später verschlägt es sie auch in die 40er – als ihre Grossmutter im Nazi-besetzten Budapest.

Auf der Jagd nach Goldmünzen

Nadia verfolgt bei ihren Zeitreisen eine Mission. Es geht um das Vermögen ihrer Grossmutter, Krugerrand-Münzen, das ihre Mutter später klaut und verprasst. Das will sie in ihre Gegenwart retten.

Auch Alan, ihr Leidensgenosse aus der ersten Staffel, geht auf Zeitreise. Er reist zurück in die 60er-Jahre nach Ostberlin, wo er als seine Grossmutter eine Liebesaffäre erlebt.

Ich finde

Als 2019 die erste Staffel von «Russian Doll» erschien, bin ich nach zwei, drei Episoden ausgestiegen. Nicht, weil ich’s schlecht fand. Einfach nicht besonders packend und besseres zur Auswahl stand.

Jetzt habe ich die erste Staffel nachgeholt, die zweite angehängt und es hat mich mehr reingezogen. Nadia als Figur, resp. Lyonne als Schauspielerin ist eine Naturgewalt. Pop-Philosophin, Raucherin, Egomanin, schnippisch und witzig, dann wieder besonnen und nachdenklich, hochenergetisch in jeder Szene. Sie trägt die Serie.

Ich, Ich, Ich

Dennoch – und das ist zugegeben etwas widersprüchlich – werde ich nicht warm mit dieser selbstzentrierten New Yorker Szene, in der sich Nadias Leben abspielt und sie als «most selfish person», wie sie Alan mehrmals nennt, die Hauptrolle einnimmt.

Wieso soll es mich kümmern, dass da jemand täglich vom Sensenmann gegrüsst wird oder eine schwierige Kindheit hatte? Es fühlt sich so an, wie wenn alle immer Ich, Ich, Ich schreien und wir als Zuschauer:innen endlosen Therapiesitzungen beiwohnen.

Natürlich gibt es auch diese Schlussszenen in den beiden Serien, in denen die Lösungen für die Probleme über diese Egos hinausgehen. Aber für mich wirken sie aufgesetzt und nicht wirklich nachhaltig.

Ein Extrastern für den Soundtrack

Nadia ist in der zweiten Staffel so ichbezogen wie in der ersten, obwohl sie eigentlich nur durch die Überwindung ihres Egoismus aus der Todesschleife herausfand.

Deshalb wollte ich nur drei Sterne geben. Aber weil die Serie den Schluss untermalt mit Pink Floyds «Shine On You Crazy Diamond», gibt’s einen Extrastern (also eigentlich für den ganzen Soundtrack, und weil mir eine Stimme im Hinterkopf dauernd zuflüstert: «Du hast es einfach nicht begriffen!» 😉).

Wie viele Sterne gibst du «Russian Doll» Staffel 2?

Besetzung: Nathasha Lyonne | Charlie Barnett | Greta Lee | Elizabeth Ashley | Chloë Sevigny | Brendan Sexton III | Annie Murphy
Created by: Leslye Headland | Nathasha Lyonne | Amy Poehler
Genre: Komödie | Drama
USA, 2022

Dirty Lines (Staffel 1) – Als Sex-Hotlines das neue heisse Ding waren

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

Amsterdam Mitte der 80er-Jahre. Marly ist eine Psychologiestudentin. Als zukünftige Therapeutin gehört auch Sexualität zu ihrem Studiengebiet.

Etwas profaner ist der Zugang der Brüder Frank und Ramon zum Thema. Sie wollen Geld verdienen mit Sex und zwar mit den neuen Möglichkeiten von Bezahlnummern. Sie lassen Frauen auf Band stöhnen und hoffen auf Männer, die anrufen und dafür 50 Cents pro Minute bezahlen.

Marly versucht sich erfolglos als erotische Sprecherin. Sie bekommt trotzdem einen Job, weil sich ihr akademisches Sex-Know How als wertvoll für die Firma erweist.

Es beginnt eine rasante Erfolgsgeschichte, die mit viel Party, Sex und Drogen durch die zweite Hälfte der 80er andauert.

Ich finde

«Dirty Lines» zelebriert den 80er-Groove. Mann trug dünne Oberlippenbehaarung, Frau trug Schulterpolster. House-Musik war erst gerade im Kommen und Ecstasy so neu, dass es für eine Weile nicht mal verboten war. Und überall war Aufbruch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, sportlich (die Niederlande gewann die Fussball-EM 1988).

Bestückt wird dieses Setting mit Hauptfiguren, die einem durchaus ans Herz wachsen. Allen voran Marly, die aus dem Elternhaus fliegt, und vorerst Geldsorgen hat, bevor sie langsam die Vorzüge ihrer neuen Freiheiten entdeckt.

«Sex Education» trifft auf «Masters of Sex»

Frank war bisher erfolglos mit seinen Geschäftsideen, unter anderem setzte er auf das Video-2000-System 😀. Jetzt verdient er richtig Geld, das er aber gleich wieder zum Fenster rauswirft. Sein Bruder Ramon ist verheiratet, zweifacher Vater – und versteckt schwul.

«Dirty Lines» fühlt sich etwas an wie «Sex Education» gemischt mit «Masters of Sex» (leider momentan bei keinem Streaminganbieter) und mit einem Schuss Amsterdamer Lokalkolorit, der wohl wenigen vertraut und ziemlich originell ist. Alles in allem: Eine Geschichte, die überaus gefällig ist und amüsante Unterhaltung bietet.

Wie viele Sterne gibst du «Dirty Lines» Staffel 1?

Besetzung: Joy Delima | Minne Koole | Chris Peters | Janna van Raalte
Showrunner: Pieter Bart Korthuis
Genre: Komödie
NL, 2022

Drôle / Standing Up (Staffel 1) – Witzig zu sein, ist auch nicht immer lustig

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

Aïssatou und Nezir träumen von der grossen Karriere als Stand-up-Comedians. Vorerst treten sie aber noch in einem kleinen Club auf. Bling, der Besitzer des Clubs, war mal eine grosse Nummer. Er hat aber seit Jahren keinen neuen Witz geschrieben. Apolline sollte eigentlich ihr Studium abschliessen, entdeckt aber ihre Liebe zur Stand-up-Comedy und macht die ersten Gehversuche auf der Bühne.

Während Aïssatous Karriere durchstartet und Nezir sich einigermassen durchwurstelt, stürzt Bling bei einem Comebackversuch komplett ab.

Daneben schleppen alle vier ihre Beziehungskisten mit. Sei’s mit dem Ehemann, der mit Intimitäten aus seinem Eheleben als Stand-up-Gag auf YouTube konfrontiert wird. Oder mit dem arbeitsunfähigen Vater, den es zu versorgen gilt. Oder mit der überkandidelten Mutter, die unter einer Karriere sicher nicht Stand-up-Comedy versteht.

Ich finde

Paris, Comedy, Liebe und Beziehungsknatsch – das passt. Es passt nicht zuletzt deshalb, weil Aïssatou, Nezir und Bling keine Weissen sind. Und weil Apolline als Weisse in der Runde aus einem schon fast klischiert überprivilegierten Pariser Haushalt kommt. Das gibt Stoff für einige bittersüsse Gags.

Allzu sozialkritisch wirds dann doch nicht. Denn, so sagt einmal ihr Agent zu Aïssatou, die Leute wollen lachen und im Publikum sitzen ja auch Weisse. Daran hält sich die Serie: Charaktere, mit denen man mitfühlt, unterhaltsame Comedy und alles mit einem Touch Paris, der Reisesehnsucht hervorruft.

Showrunner der Serie ist Fanny Herrero, die schon für «Dix pour cent / Call My Agent» verantwortlich zeichnete, sehr empfehlenswert und ebenfalls auf Netflix zu finden.

Wie viele Sterne gibst du «Drôle / Standing Up» Staffel 1?

Besetzung: Mariama Gueye | Younès Boucif | Elsa Guedj | Jean Siuen
Showrunner: Fanny Herrero
Genre: Komödie
F, 2022

Upload (Staffel 2) – Das komplizierte Leben im noblen Jenseits

Läuft bei: Amazon (2 Staffeln, 17 Episoden à 30 Min.)

Für Einsteiger:innen (Achtung kleine Plot-Spoiler): Wir sind in einer Welt, in der reiche Menschen ihr Bewusstsein in ein virtuelles Leben hochladen können, anstatt zu sterben. Nathan ist einer von diesen «Uploads». Allerdings hat er selber kein Geld. Seine reiche Freundin bezahlt für ihn das Leben nach dem Tod in einem luxuriösen Resort namens Lakeview. Dort findet Nathan heraus, dass der Autounfall, der ihn ins Nachleben brachte, kein Unglück war.

Kompliziert wird die Geschichte durch Nora. Sie ist Nathans Kundenbetreuerin in Lakeview und bald mehr als das. Ihrer Beziehung steht nicht nur die Tatsache im Weg, dass sie lebt und er nur noch virtuell existiert. Auch andere Ereignisse lassen sie am Schluss der ersten Staffel getrennte Wege gehen.

Anarchisten wollen die Welt der Untoten löschen

In der zweiten Staffel tritt Nora einer Gruppe von tech-skeptischen Anarchisten bei, die das Geschäft der Firmen mit den Uploads zerstören wollen. Sie kehrt als Maulwurf zurück zur Firma, die Lakeview betreibt und trifft wieder auf Nathan.

Er lebt jetzt mit seiner reichen Freundin zusammen, die sich für ihn – vermeintlich – ins Nachleben hochladen liess. Nora und Nathan spannen trotz der beziehungsmässig komplizierten Situation zusammen, um neuen Spuren nachzugehen, wer Nathan und weshalb genau ins Jenseits befördern liess.

Ich finde

«Upload» hat Science Fiction-Anklänge, minime Kapitalismuskritik und Thrillermomente. In erster Linie ist es aber eine romantische Komödie. Das war in der ersten Staffel so und bleibt es in der zweiten.

Die skurrile Welt in Lakeview bietet ein Arsenal von schrägen Figuren: von den Uploads über die virtuellen Serviceangestellten bis zu den Kundenbetreuer:innen, die vor allem Geld verdienen wollen. Genug Stoff für diverse amüsante Gags und Dialoge.

Dazu kommt die Liebesgeschichte zwischen Nathan und Nora, die selbstverständlich noch nicht zu Ende ist, auch wenn es am Anfang anders scheint.

Binge-Stoff für einen oder zwei Abende

Alles zusammen macht das auch die zweite Staffel von Upload unterhaltsam und binge-würdig. Die insgesamt sieben Episoden à 30 Minuten schafft man locker an einem, maximal zwei Abenden. Immer vorausgesetzt, man hat eine Affinität für Romcoms (In diesem Fall wäre «The Good Place» auch ein heisser Tipp).

Etwas unbefriedigend ist lediglich der Schluss, der nichts abschliesst, sondern nach einer dritten Staffel schreit. Die ist bis jetzt offiziell nicht bestätigt. Die Drehbuchschreiber:innen sollen sich immerhin schon an die Arbeit gemacht haben.

Wie viele Sterne gibst du «Upload» – Staffel 2?

Besetzung: Robbie Amell | Andy Allo | Allegra Edwards | Zainab Johnson | Kevin Bigley | William B. Davis
Showrunner: Greg Daniels
Genre: Romanze | Komödie | Science-Fiction
USA, 2022

The Marvelous Mrs. Maisel (Staffel 4) – Witze reissen im Striplokal

Läuft bei: Amazon (4 Staffeln, 35 Episoden à 45 Min.)

Stand-up-Comedienne Midge Maisel kommt nicht darüber hinweg, dass Shy Baldwin sie vor seiner Europatour rausgeschmissen hat, weil sie Anspielungen auf seine Homosexualität machte. Sie schwört sich, dass sie nur noch dort auftritt, wo sie sagen kann, was sie will.

Das stellt sie und ihre Managerin Susie vor einige Herausforderungen. Doch Midge findet ihre Bühne – in einem illegalen Striplokal.

Auch wenn ihr neues Engagement erfolgreich ist, löst es weder ihre ewigen Geldprobleme, noch bringt es ihre Karriere voran. Stand-up-Star und Freund Lenny Bruce sagt Midge das auch unmissverständlich. Ob und wie Midge ihr Leben und ihre Karriere ändern will, bleibt allerdings offen.

Ich finde

Mit der vierten Staffel von «Mrs. Maisel» sind wir mittlerweile im Jahr 1960 angekommen (weshalb auch Jackie Kennedy einen Auftritt hat). Die Serie spinnt den Faden nahtlos weiter mit allen bekannten Elementen: witzige Dialoge, tolle Ausstattung, fantastische Kostüme und schräge Geschichten, die Midge, ihrer Familie und ihren Freunden widerfahren.

Ihre Mutter betätigt sich als erfolgreiche Heiratsvermittlerin, bis sie Ärger bekommt mit Konkurrentinnen. Ihr Vater wird in der Synagoge während einer Bar Mitzwa-Feier angefeindet, weil er das Musical eines Gemeindemitglieds verrissen hat. Midges Ex-Mann lebt mit seiner chinesischen Freundin zusammen und weiss nicht, wie er das seinen Eltern beibringen soll und Managerin Susie bekommt dank zwei Mafiosi ein grosszügiges Büro mit Sekretärin.

Die Staffel hält das Niveau der vorangehenden. Die Story bleibt amüsant, turbulent, unterhaltsam über alle acht Episoden. Einzig Midges Stand-up-Auftritte sind etwas seltener als zuvor. Das ist schade. Aber es gibt immer noch genügend Comedy im Leben der Maisels und Weissmans, die das fast ganz wettmacht.

Eine fünfte Staffel ist bereits angekündigt, voraussichtlich für Sommer 2023. Es wird die letzte sein und damit die offene Frage beantworten, wo die Hausfrau aus der Upper Westside, die Stand-up-Comedienne wurde, mit ihrer Karriere landet.

Wie viele Sterne gibst du «The Marvelous Mrs. Maisel» Staffel 4?

Besetzung: Rachel Brosnahan | Alex Borstein | Michael Zegen | Marin Hinkle | Tony Shaloub
Showrunner: Amy Sherman-Palladino
Genre: Komödie
USA, 2022

Space Force (Staffel 2) – Mission nicht erfüllt

Läuft bei: Netflix (2 Staffeln, 17 Episoden à 30 Min.)

Die Space Force unter dem Kommando von General Naird (Steve Carell) schrammt knapp an der Auflösung vorbei, muss aber massive Budgetkürzungen in Kauf nehmen.

Die Mars-Mission wird gestrichen, stattdessen wird das Team vor Herausforderungen gestellt, wie etwa eine Powerpoint-Präsentation zu erstellen über die Gefahr einer Alien-Invasion oder Geldquellen zu erschliessen mittels Partnerschaft mit einem Hersteller von Energydrinks.

Alles deutet darauf hin, dass dem Space Force-Team über kurz oder lang die Lust vergeht an seinem Job.

Ich finde

Die erste Staffel von Space Force war leidlich amüsant, die zweite legt jetzt aber nicht zu, sondern hält bestenfalls das Niveau.

In der ersten Staffel sorgten die irrwitzigen Forderungen eines minderbemittelten Präsidenten (klar, wer gemeint war) noch für die eine oder andere Mundwinkelzuckung.

Ohne Trump keine Politsatire

Jetzt hat die Administration gewechselt, ein Präsident taucht nicht mehr auf (klar, weshalb der Neue nicht für Comedy taugt). Einzig ein neuer Verteidigungsminister piesackt hämisch die Space Force. Das ist nicht besonders witzig und der leise Unterton von Politsatire ist verloren gegangen.

Dennoch bringen einen manche Dialoge zum Schmunzeln. Einzelne Plots sind unterhaltsam und John Malkovich als selbstüberzeugter und -gefälliger Wissenschaftler bleibt die witzigste Figur im Cast.

Vieles deutet aber darauf hin, dass der Serie die Luft ausgeht (nur 7 statt 10 Episoden in dieser Staffel). Es wäre auch kein grosser Verlust, wenn Netflix auf eine dritte Staffel verzichten würde.

Eine zweite Chance für «BrainDead»?

Wenn schon Sci-Fi-Politsatire, sollte sich der Streaminganbieter vielleicht überlegen, ob nicht die Serie «BrainDead» eine neue Chance verdient hätte, die von CBS 2015 schnöde nach einer Staffel abgesetzt wurde.

Ausserirdische Käfer setzen sich in den Hirnen u.a. von Politiker:innen in Washington fest. Wenn man bedenkt, was nach 2015 alles passierte in der amerikanischen Politik, wäre das eine ziemlich plausible Erklärung. Von daher war «BrainDead» schon fast prophetisch und geeignet für eine adäquate Aufarbeitung der Ära Trump 😜.

Wie viele Sterne gibst du «Space Force» Staffel 2?

Besetzung: Steve Carell | John Malkovich | Ben Schwartz | Diana Silvers | Tawny Newsome | Jimmy O. Yang | Lisa Kudrow | Noah Emmerich
Showrunner: Steve Carell | Greg Daniels
Genre: Komödie | Science Fiction
USA, 2022

Tschugger (Staffel 1)

Läuft bei: Play Suisse und Sky (1 Staffel)

Der Walliser Cop Bax Schmidhalter ermittelt gegen Drogendealer. Und rennt auch einer verlorenen Liebe hinterher. Seine Ermittlermethoden sind eher wagemutig bis skrupellos. Das bekommt der arme Polizeipraktikant knallhart zu spüren. Er landet angeschossen im Spital.

Ich finde

Die Serie spielt ansprechend mit Klischees und US-amerikanischen Genrevorbildern (von Magnum bis Fargo). Sie hat einiges an Action, wie wir es in Schweizer Serien nicht so gewohnt sind, und sie bietet viel Witz in Handlung und Dialogen. Dennoch kann ich die überbordende Begeisterung einiger Kritiker:innen hier nicht ganz nachvollziehen.

Alles in allem ist «Tschugger» untypisch wagemutig für eine Schweizer Serie und dafür verdient sie Lob.

Was aber gar nicht geht: Mitten in der Story aufhören, ohne dass eine einzige offene Frage beantwortet ist. Dann den lapidaren Hinweis nachschieben, in einem Jahr komme die zweite Staffel. Da hat SRF noch nicht ganz begriffen, wie man Staffeln konzipiert.

Besetzung: David Constantin, Anna-Lena Miana, Dragan Vujic, Anna Rossinelli, Stefan Perceval
Created by: David Constantin | Mats Frey
Genre: Komödie | Krimi
CH, 2021

Sex Education (Staffel3)

Läuft bei: Netflix (3 Staffeln, 25 Episoden à 50 Min.)

Die Sex-Klinik von Otis und Maeve hat in der dritten Staffel endgültig dicht gemacht. Aber die Probleme mit Liebe, Sex und Beziehungsknatsch an Moordale Secondary bleiben.

Nicht zuletzt, dank der neuen Schulvorsteherin, die sich zuerst cool und hip gibt, bis sie dann ihr wahres Gesicht zeigt. Und auch die Elterngeneration sieht sich vor neue Herausforderungen gestellt.

Ich finde

Die Geschichten und Figuren bleiben so witzig wie in den vorherigen Staffeln. Lohnt sich weiterzuschauen.

Und wer die Serie bisher nicht kannte: Unbedingt anschauen und nicht abschrecken lassen, dass sie auf den ersten Blick nach Highschool/Teenie-Comedy tönt – bietet auch einem mittelalterlichen Publikum einiges.

Besetzung: Asa Butterfield | Gillian Anderson | Emma Mackey | Ncuti Gatwa | Connor Swindells | Aimee Lou Wood | Alistair Petrie | Tanya Reynolds | Patricia Allison | Mikael Persbrant | Mimi Keene
Created by: Laurie Nunn
Genre: Komödie | Romanze
USA, 2022

Ted Lasso (Staffel 1-2) – Der übergriffige Optimist

Läuft bei: Apple TV+ (2 Staffeln, 22 Episoden à 30 Min.)

Football-Trainer Ted Lasso übernimmt einen englischen Fussballklub als Coach, obwohl er keine Ahnung von Fussball (also soccer) hat. Mit seinem schon beinahe übergriffigen Optimismus schlägt er sich aber nicht schlecht durch.

Ich finde

Erstaunlicherweise funktioniert dieses sehr konstruierte Konzept hervorragend. Sehr hilfreich dabei ist der britische Blick auf den amerikanischen Naivling, allerdings ohne den der Lächerlichkeit preiszugeben.

Aus diesem «Clash der Kulturen» entwickeln sich amüsante, herzerwärmende, absurde Geschichten mit manchmal auch leicht boshaftem Touch.

Die Serie lebt dabei nicht zuletzt von den vielen hervorragenden Figuren, die sich da im Umfeld des AFC Richmond tummeln. Ist aber definitiv nichts für Fussballfans, denn darum gehts – abgesehen von der Fankultur – wirklich nur am Rand.

Besetzung: Jason Sudeikis | Hannah Waddingham | Jeremy Swift | Phil Dunster | Brett Goldstein | Brendan Hunt | Nick Mohammed | Juno Temple
Created by: Brendan Hunt | Joe Kelly | Bill Lawrence
Genre: Komödie
USA, 2021

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