Tschugger (Staffel 2) – Die spektakuläre Rettung des Wallis durch den furchtlosen Polizisten Bax

Läuft bei: Sky (2 Staffeln, 10 Episoden à 30 Min.; ab 18.12.2022 bei Play Suisse)

=> Staffel 1: Tschugger (Staffel 1)

In letzter Sekunde rettet Bax (David Constantin) den armen Polizeipraktikanten Smetterling (Cedric Schild), dem ein Killer den Stecker für die Beatmungsmaschine gezogen hat. Bax und Kollege Pirmin (Dragan Vujic) verfolgen den Killer zu einer Statue hoch oben auf einem Berg.

Der geheimnisvolle Schlüssel

Dort treffen sich eigentümlich verkleidete Figuren zu einem Ritual. Der Killer wird gekillt, weil er etwas nicht geliefert hat: einen Schlüssel.

Den Schlüssel sucht auch Gerda (Clelia Fux), die Ex von Bax, auch Polizistin, hat aber offensichtlich die Seiten gewechselt. In ihrem Auftrag entführen zwei Skilehrer Valmira (Annalena Miano). Deren Freund Juni (Arséne Junior Page) hat nämlich den ominösen Schlüssel gefunden und soll ihn jetzt abliefern.

Kultisten bedrohen das Wallis. © Sky/SRF
Das Wallis droht unterzugehen

Auch die Bundespolizistin Anette Brotz (Anna Rossinelli) ist immer noch im Wallis. Sie sucht Bax, der inzwischen untertauchen musste, weil Gerda ihn bei seinem Chef anschwärzte.

Als Bax, Pirmin und Anette endlich herausfinden, was es mit diesem Schlüssel auf sich hat, müssen sie in einer wagemutigen Aktion verhindern, dass das ganze Wallis zerstört wird.

Apero vom Bundesrat

Dumm nur, dass die Rettungsaktion zur nationalen Geheimsache erklärt wird. Niemand wird je von der Heldentat erfahren. Immerhin spendiert der Bundesrat einen Apero als kleinen Trost.

Einschätzung

Die zweite Staffel knüpfe nahtlos an die erste an, habe ich schon ein paar Mal gelesen. Ja, hoffentlich! Das nervte mich ja bei der ersten Staffel so masslos, mitten in der Geschichte aufzuhören und irgendwas von einer «zweiten Staffel» zu schwafeln.

Nach dem grossen Ärger die erfreuliche Nachricht

Dabei geht es ja nur darum, dass SRF nicht so viel Geld hat für Eigenproduktionen und deshalb die Ausstrahlung der zehn Episoden auf zwei Jahre strecken musste. Besser wäre es gewesen, alles aufs Mal zu zeigen und dafür halt ein Jahr Pause einzulegen.

Aber lassen wir das. Kommen wir zum Erfreulichen. Ich war eher mässig begeistert vom Humor und der Handlung der ersten Staffel. Da zuckten bei mir die Mundwinkel nur ab und zu. Teil zwei gefiel mir jetzt viel besser.

Bax ist untergetaucht und holt Smetterling völlig unauffällig verkleidet aus dem Spital. © Sky/SRF
Der Knirps und das Koks

Tatsächlich musste ich ein paar Mal wirklich lachen. Etwa, wenn der kleine Rabauke in einer Villa Koks aufm Tisch findet und danach mit weissem Schnauz herumstolziert. Tatsächlich hat er aber nur einen Berliner gefunden und gegessen.

Auch die Action legt noch zu. Gerda fuchtelt nicht nur mit ihrer Pistole rum, sondern landet einen gezielten Kopfschuss. Und das Finale mit Bax, der am Seil hängt und per Helikopter auf die Staumauer geflogen wird, ist ziemlich zum Schreien.

Der Besuch im Hotelzimmer von Bundespolizistin Brotz beginnt vielversprechend für Bax, nimmt aber einen anderen Verlauf, als er erwartet. © Sky/SRF
Gerne mehr «Tschugger» – aber alles am Stück!

Ich bin nicht nur versöhnt mit den Walliser «Tschugger». Ich hätte gerne eine weitere Staffel. Aber bitte, bitte alles am Stück! Ich warte dafür gerne auch zwei Jahre.

Apropos warten: Ja, ist halt so, dass «Tschugger» zuerst bei Sky läuft und erst im Dezember bei SRF und auf Play Suisse. Auch das eine Geldfrage und eine Frage der Prioritäten in der Verwertungskette.

Es hätte übrigens auf Play Suisse, falls ihr’s noch nicht kennt, durchaus einige Serien und Filme, mit der man sich –gratis! – die Wartezeit vertreiben kann.

Wie viele Sterne gibst du «Tschugger» Staffel 2?

Besetzung: Dragan Vujic | David Constantin | Anna Rossinelli | Arsène Junior Page | Annalena Miano | Cedric Schild | Gabriel Oldham | Olivier Imboden
Serie entwickelt von: David Constantin | Mats Frey
Genre: Komödie | Krimi | Action
CH, 2022

Wedding Season (Staffel 1) – Hochzeitskomödie mit Nervenkitzel

3 von 5 Sternen

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 8 Episoden à 30 Min.)

Stefan (Gavin Drea) legt gleich zu Beginn einen oberpeinlichen Auftritt hin. Er stürmt mitten in eine Hochzeitsfeier und fleht die Braut (Rose Salazar) an, nicht diesen reichen Schnösel an ihrer Seite zu heiraten. Aber Katie lässt Stefan knallhart abblitzen.

Hoffnungsloser Romantiker

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Stefan vor versammelter Mannschaft lächerlich macht. Vor kurzem hat er seiner damaligen Freundin an einer anderen Hochzeit einen Heiratsantrag gemacht. Sie liess ihn einfach stehen.

Alle seine Freund:innen hatten ihn gewarnt. Aber Stefan scheint ein hoffnungsloser Romantiker zu sein. Sein Drang, in den Hafen der Ehe zu segeln, entpuppt sich allerdings nicht als sein grösstes Problem. Das ist die Braut vom Anfang, Katie.

Acht Leichen am Hochzeitsessen

Kurz nachdem Stefan in Katies Hochzeit gestürmt ist, stürmt die Polizei seine Wohnung. Stefan wird verdächtigt, etwas damit zu tun zu haben, was an Katies Hochzeitsessen passiert ist.

Nur die Braut (Rosa Salazar) überlebt das Hochzeitsessen. © Hulu

Da gab es nämlich acht Leichen, Katies neue Verwandtschaft inklusive Ehemann. Alle vergiftet, alle Mitglieder des Delaney-Clans, stinkreich, aber kriminell.

Die Braut – eine Giftmörderin?

Nur Katie hat überlebt und ist getürmt. Damit ist sie natürlich die Hauptverdächtige. Stefan soll ihr geholfen haben, wie die Polizei glaubt. Hat er zwar nicht, aber jetzt passiert das Unvermeidliche.

Katie holt Stefan aus dem Polizeigewahrsam, die beiden fliehen und wir erfahren nach und nach, was für eine komplizierte Beziehung die beiden schon vor dieser ominösen Hochzeit geführt haben.

Einschätzung

Die Referenz ist unübersehbar, die «Wedding Season» dem britischen Hochzeitsklassiker «Four Weddings and a Funeral» erweist. Stefans Freundeskreis lässt sich fast eins zu eins übertragen auf die Hochzeitsgang um Hugh Grant. Und natürlich ist da dieselbe Tournee von einer Hochzeit zur nächsten, wo immer etwas beinahe katastrophal schiefläuft.

Nur knapp hat es Stefan ( Gavin Drea 2.v.l.) zur Hochzeit seines besten Freundes Anil (Bhav Joshi, l.) geschafft. © Hulu
Grosse Vorbilder – nicht ganz erreicht

Die andere Referenz gilt dem britischen Altmeister Alfred Hitchcock. Wie Roger Thornhill in «North by Northwest» wird Stefan in einen Strudel von Ereignissen gerissen, ohne genau zu wissen, was eigentlich los ist.

Das ergibt auch eine ganz nette Mischung von vergnüglichem Hochzeitsslapstick bis zu mörderischen Verfolgungsjagden. Aber so ganz erreicht «Wedding Season» die Höhe seiner Vorbilder nicht.

Es fehlt an Romantik

Zu rätselhaft bleibt, weshalb Stefan sich so wahnsinnig zu Katie hingezogen fühlt. Da gibts zwar Sex in der Abstellkammer und ein paar kleine gemeinsame Abenteuer. Aber es fehlt gewaltig an romantischen Momenten, die erklären würden, weshalb Stefan für diese Frau Kopf und Kragen riskiert, obwohl sie ihn immer wieder fallen lässt und brüskiert.

Die schottischen Highlands sind ein Pluspunkt

Der Thriller-Teil, in dem die beiden von der Polizei, aber auch von noch viel gefährlicheren Mobstern gejagt werden, ist dagegen besser gelungen: Verfolgungsjagden, ausweglose Situationen, mysteriöse Bösewichte.

DCI Metts (Jade Harrison) und DI Donahue (Jamie Michie) sind Katie und Stefan auf den Fersen, aber fast immer einen Schritt zu spät. © Hulu

Zudem spielt ein Teil der Handlung in den schottischen Highlands und es ist viel nordenglischer bis schottischer Dialekt zu hören. Damit verdient sich die Serie mindestens einen Zusatzstern 😉.

Angelegt scheint «Wedding Season» auf mehr als eine Staffel, wie der Cliffhanger am Schluss zeigt. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob die Serie so gut ankommt bei Publikum und Kritiker:innen, dass es dafür reicht.

Wie viele Sterne gibst du «Wedding Season» Staffel 1?

Besetzung: Gavin Drea | Rosa Salazar | Jade Harrison | Jamie Michie | Omar Baroud | Callie Cooke | Ioanna Kimbook | Bhav Joshi | George Webster
Serie entwickelt von: Oliver Lyttelton
Genre: Thriller | Komödie | Romanze
GB, 2022

The Flight Attendant (Staffel 2) – Kaley Cuocos überdrehte Selbstinszenierung

3 Sterne von 5

Läuft bei: Amazon (2 Staffeln, 8 Episoden à 45 Min.)

Ein Jahr ist vergangen seit der Geschichte in Bangkok. Damals war Cassie (Kaley Cuoco) mit einem höllischen Kater neben einer Leiche im Hotelzimmer aufgewacht. Dieser Tote brachte sie ins Visier von FBI, CIA und einem Mann, der sie ermorden wollte (Episodenliste Staffel 1).

Ein neues Leben ohne Alkohol, dafür mit Spionagethrill

Cassie ist nach Los Angeles gezogen, um ihr Leben neu aufzugleisen. Sie arbeitet immer noch als Flugbegleiterin und ist seit einem Jahr trocken. Sie hat Hilfe und Halt gefunden bei den Anonymen Alkoholiker:innen und ihrer Sponsorin Brenda (Shohreh Aghdashloo). Zudem gibt es da einen Freund. Die Beziehung zu Marco (Santiago Cabrera) scheint ziemlich ernst zu sein.

Einen Kick in ihrem Leben braucht Cassie aber immer noch. Den bietet ihr die CIA, die sie als «human asset» für kleine Aufgaben angeheuert hat.

Mysteriöse Doppelgängerin

Ihr jüngster Auftrag führt sie nach Berlin. Sie soll dort eine Zielperson beobachten, aber keinesfalls verfolgen oder sogar Kontakt aufnehmen. Was Cassie selbstverständlich beides ignoriert.

Eine Frau in einem beigen Mantel und ein Mann im dunklen Anzug sitzen auf einer schwarzen Ledercouch.
Benjamin (Mo McRae) ist Cassies CIA-Betreuer. Er traut ihr nicht so ganz über den Weg, weil sie sich nicht an seine Vorgaben hält. © HBO Max

Der Job wird schnell mysteriös und gefährlich. Da taucht eine Frau im Hotelzimmer ihres Zielobjekts auf, die wie Cassie aussieht. Die Frau hat sogar dasselbe Tattoo auf dem Rücken. Bei der weiteren Verfolgung wird Cassie beinahe getötet, als ihre Zielperson durch eine Autobombe in die Luft fliegt.

Ani und Max wollen helfen

Offensichtlich versucht da wieder jemand, Cassie einen Mord anzuhängen. Es bleibt nicht bei diesem einen Mord. Weitere Leichen tauchen auf und immer ist Cassies Doppelgängerin in der Nähe.

Zusammen mit ihrer Freundin Ani (Zosia Mamet) und deren Freund Max (Deniz Akdeniz), die Cassie in LA besuchen, will sie der Geschichte auf den Grund gehen.

Einschätzung

Schwindelerregend und atemlos. Das sind die Markenzeichen von «The Flight Attendant». Weniger, was die Action und den Thrill angeht, mehr, was Cassies Persönlichkeit ausmacht.

Höllisches Tempo

Ruhig Blut bewahren und überlegt eine Lösung suchen, ist nicht ihr Ding. Hyperventilieren und kopflos der erstbesten, meist schlechten Idee nachrennen dagegen schon.

Wollen Cassie helfen: Ani (Zosia Mamet), Max (Deniz Akdeniz) und Shane (Griffin Matthews). Würde sie nur mehr auf ihre Freund:innen hören … © HBO Max

Das ist anstrengend. Nicht zuletzt, weil sich die Dialoge streckenweise in einem höllischen Tempo abspielen und Splitscreens regelmässig den Bildschirm bedecken. Trotzdem kann man die Inszenierung als reizvoll bezeichnen und vor allem Kaley Cuocos schauspielerische Leistung als überzeugend. Sie kann das.

Es fliessen literweise Tränen

Letztlich bleibt für mich die Frage aber offen, ob die Mixtur der Serie stimmt. Denn über all dem Thrill und der überdrehten Action steht das Drama: Cassies Alkoholsucht, die all ihre Beziehungen strapaziert oder sogar ruiniert.

Diesem Aspekt bietet «The Flight Attendant» auch in der zweiten Staffel reichlich Raum. Cassie führt innere Dialoge mit ihrem depressiven Ich, dem Ich, das nach Alkohol und Party lechzt, ihrem jüngeren Alter Ego. Eine Wiederbegegnung mit ihrer Mutter endet katastrophal. Und es fliessen literweise Tränen, weil Cassie ihre eigenen und die Erwartungen ihrer Freunde und Familie enttäuscht.

Eine Frau im glitzernden Abendkleid unterhält sich mit der gleich aussehenden Frau im Pullover und Hosen.
Die glamouröse Cassie will die neue Cassie immer wieder zu Alkohol und Party verführen. © HBO Max
Wagemutiger Versuch, der nicht ganz überzeugt

Ist die Serie also ein wagemutiger Versuch, die Problematik einer zerstörerischen Alkoholsucht in einen komödiantischen Spionagethriller zu verpacken? Sieht danach aus. Gelingt es auch? Meiner Meinung nach nicht ganz. Das Drama wird nicht intensiv inszeniert, sondern ähnlich überdreht wie die unterhaltsamen Seiten des Plots.

Am Schluss fragt man sich, was man da gerade gesehen hat. Sicher eine gloriose Selbstinszenierung von Kaley Cuoco, die die Serie mitproduziert hat. Das lässt leider anderen, durchaus namhaften Darsteller:innen kaum Platz, um ernsthaft mitzuspielen.

Wie viele Sterne gibst du «The Flight Attendant» Staffel 2?

Besetzung: Kaley Cuoco | Zosia Mamet | Deniz Akdeniz | Griffin Matthews | Rosie Perez | Mo McRae | Mae Martin | Santiago Cabrera | Shohreh Aghdashloo | Sharon Stone
Serie entwickelt von: Steve Yockey
Genre: Komödie | Thriller | Drama
USA, 2022

Only Murders in the Building (Staffel 2) – Bestes Comfy-Food für den Serienabend

Läuft bei: Disney+ (2 Staffeln, 20 Episoden à 30 Min.)

Ein neuer Mordfall beschäftigt die drei Podcaster Charles (Steve Martin), Oliver (Martin Short) und Mabel (Selena Gomez). Nur diesmal stecken sie mitten drin. Mabel findet die Leiche von Bunny Folger in ihrer Wohnung.

Alle drei stecken in der Klemme

Für die Polizei ist sie die Verdächtige Nr. 1. Allerdings reichen die Beweise für eine Festnahme nicht aus. Für die drei ist klar: Sie müssen herausfinden, wer Bunny ermordet hat, um Mabel zu entlasten.

Mabel, Oliver und Charles entdecken Geheimgänge im «Arconia». © Hulu

Aber nicht nur Mabel steckt in der Klemme. Plötzlich taucht in der Wohnung von Charles ein Gemälde auf, das Bunny gehörte. Und Oliver findet die Mordwaffe in seiner Küche.

Mord und Drama – nicht Neues im «Arconia»

Neben ihrer Morduntersuchung beschäftigen die drei zudem private Angelegenheiten. Mabel freundet sich mit einer Galeristin (Cara Delevingne) an, die sie als Künstlerin fördern will. Charles findet heraus, was sein Vater im Haus gegenüber getrieben hat. Oliver deckt ein Familiengeheimnis auf, das ihn gar nicht freut.

Das Leben im «Arconia» nimmt also seinen gewohnten Lauf bis zum grossen Finale, wo nach einigen Irrungen und Wirrungen enthüllt wird, wer Bunny Folger umgebracht hat.

Einschätzung

Die zweite Staffel von «Only Murders in the Building» knüpft nahtlos an die erste an. Das war anzunehmen, wenn am Schluss eine Leiche in Mabels Wohnung liegt. Dass sie aber auf gleich hohem Niveau höchst unterhaltsam weiterfährt, ist nicht selbstverständlich.

Langeweile abgewendet

Die Figuren und das «Arconia» als Location sind etabliert. Die Marotten und Spleens der drei Hauptfiguren sind bekannt. Den Mordplot haben wir einmal durchgespielt. Die Gefahr, dass die Serie zu langweilen beginnt, war durchaus gegeben.

Doch das passiert nicht. Tatsächlich tritt die Suche nach dem:der Täter:in etwas in den Hintergrund. Dafür erhalten die Figuren mehr Raum. Vor allem Charles, Oliver und Mabel natürlich, aber nicht nur.

In Gastrollen mit dabei: Amy Schumer und Shirley MacLaine (mitte). © Hulu
Kuschelige Krimikomödie

Howard schafft es, den neuen Nachbarn zu einem Date einzuladen. Nina erlebt, dass es nicht so einfach ist, in Bunnys Fussstapfen zu treten und Mutter zu werden. Teddy und Theo tragen ihren Vater-Sohn-Zwist aus. Zusätzlich bereichern zwei neue Promis den Cast: Amy Schumer als sie selber und Shirley MacLaine, die sich als Bunnys Mutter ausgibt.

Die ganze Handlung gleitet trotz ihrer Probleme, mit denen die Figuren hadern, leichtfüssig und humorvoll voran. Selten war eine Krimikomödie so gemütlich, ja schon fast kuschelig.

Wieder eine Leiche zum Schluss

«Only Murders in the Building» ist auch in dieser zweiten Auflage bestes Comfy-Food für den Serienabend. Teil 3 wird wohl folgen, denn wieder liegt da am Schluss eine Leiche.

Wie viele Sterne gibst du «Only Murders in the Building» Staffel 2?

Besetzung: Steve Martin | Martin Short | Selena Gomez | Amy Ryan | Jayne Houdyshell | Michael Cyril Freighton | Jackie Hoffman | Cara Delevingne | Tina Fey | Adina Verson | Shirley MacLaine | Amy Schumer | Paul Rudd
Serie entwickelt von: John Hoffman | Steve Martin
Genre: Komödie | Krimi | Drama
USA, 2022

Kleo (Staffel 1) – «Killing Eve» auf Ostdeutsch

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

Ost-Berlin 1987. Im blauen Trainer, Typ Nabholz, macht sich Kleo Straub (Jella Haase) auf zur Arbeit. Hinter der Tür, hinter der sie verschwindet, ist aber kein Trainingslokal, sondern ein Tunnel unter der Mauer durch.

«Zielperson vernichtet»

Unterwegs zieht sich Kleo um, weil sie eine Disco in West-Berlin besuchen will. Dort soll sie einen Mann finden, jedoch nicht zum Vergnügen. Denn Kleo ist eine Killerin im Auftrag der DDR-Staatssicherheit.

Ihren Auftrag führt sie schnell und sauber aus und kann ihrem Führungsoffizier stolz zurückmelden: «Zielperson physisch vernichtet.» Allerdings ist Kleo in der Disco einem Polizeibeamten aufgefallen. Sven Petzold (Dimitrij Schaad) kann seinen Kollegen die mutmassliche Täterin gut beschreiben.

Kleo auf dem Weg zur Arbeit nach West-Berlin. © Netflix
Von der Stasi verraten

Das Phantombild, das angefertigt wird, landet auf dem Schreibtisch eines Stasi-Obersten. Der meldet nach oben: «Wir haben ein Problem.» Die Lösung ist aber einfach. Kleo wird Spionage angehängt und sie verschwindet hinter Gittern.

Nach dem Mauerfall kommt Kleo wie viele andere politische Gefangene wieder frei. Sie kennt jetzt nur ein Ziel: Herauszufinden, wer sie damals reingelegt hat und weshalb. Ihr Rachefeldzug beginnt.

Einschätzung

Ziemlich irre, was uns die drei Autoren Hackfort, Konrad und Kropf, bekannt vor allem für «4 Blocks», hier auftischen. Irre ist vor allem Kleo, zumindest am Anfang. Die Killermaschine, die aber auch mal ein Tänzchen aufführt oder ein Liedchen singt, bevor sie ihr Opfer am Kleiderhaken aufhängt.

Der Wessi aus dem Weltall

Nicht ganz zu Unrecht fühlt man sich an die Braut (Uma Thurman) aus «Kill Bill» oder an Villanelle aus «Killing Eve» erinnert. Kleo erreicht aber nicht die höchsten Sphären der dissozialen Persönlichkeitsstörung wie Villanelle.

Sie schläft nicht gern allein und braucht deshalb Menschen um sich herum. Wie Thilo (Julius Feldmeier), den Wessi, der ihre alte Wohnung gekapert hat und den Techno in den Osten bringen will, ja muss. Mit diesem Auftrag sei er von seinem Heimatstern Sirius B hierher geschickt worden, sagt Thilo sogar, wenn er nicht völlig zugedröhnt ist.

Thriller und Komödie in einem

Überdreht im Figurenarsenal geht’s weiter mit einem Stasi-Agenten, der massiv am Tourette-Syndrom leidet, oder historischen Figuren wie Margot Honecker, die ihrem Spitznamen «der lila Drache» alle Ehre macht. Das macht «Kleo» neben dem Thriller auch zur Komödie.

Ob Tapete, Vorhänge oder Sofa: was für Muster! © Netflix

Dazu kommen ein Setdesign, das bei Tapeten, Vorhängen und Innenausstattung aus dem Vollen schöpft, die Kleider mit viel Ossi-Schick, aber auch zeitgemässer Miami Vice-Style für den Wessi Sven Petzold, allerdings mit weissen Socken.

Sven, der harmlose Jäger

Sven ist neben Kleo die zweite starke Figur. Er macht es sich zur Lebensaufgabe, die Killerin aus der Disco zur Strecke zu bringen, obwohl er eigentlich im Betrugsdezernat arbeitet.

Die Welt der Geheimdienste und Auftragsmorde überfordert ihn aber. Da muss er auch mal auf Kleos Gnade hoffen, wenn er ihr auf der Jagd zu nahe kommt.

Sven ist es nicht gewohnt, wenn Menschen aus dem Plattenbau auf Trabis geworfen werden. © Netflix
Ostalgie und Wenderomantik

Auch wenn die Macher vielleicht ein bisschen oft auf «Killing Eve» geschielt haben, ist ihnen zumindest eine sehr gute deutsche Adaption gelungen mit einem Schuss Ostalgie und Wenderomantik. «Kleo» macht von Anfang bis zum Schluss grossen Spass und am Ende auch ein kleines Fenster auf für weitere Staffeln.

Wie viele Sterne gibst du «Kleo» Staffel 1?

Besetzung: Jella Haase | Dimitrij Schaad | Julius Feldmeier | Marta Sroka | Vincent Redetzki | Vladimir Burlakov | Yun Huang | Thandi Sebe
Serie entwickelt von: Hanno Hackfort | Bob Konrad | Richard Kropf
Genre: Action | Krimi | Komödie
D, 2022

Loot (Staffel 1) – Peinlichkeiten einer stinkreichen Wohltäterin

Frau im purpurenem Kleid hält einen geöffneten Schirm aus dem es Geld regnet

Läuft bei: Apple TV+ (1 Staffel, 10 Episoden à 30 Min.)

Molly (Maya Rudolph) ist stinkreich. Sie geniesst das Luxusleben mit ihrem Mann, dem Tech-Milliardär John Novak (Adam Scott, zuletzt in «Severance»). An ihrem 45. Geburtstag entdeckt sie allerdings, dass John sie mit einer jüngeren Frau betrügt.

Keine Ahnung, dass sie eine Wohltäterin ist

Molly lässt sich scheiden. Um ihren Kummer zu vergessen, reist sie mit ihrem Assistenten Nicholas (Joel Kim Booster) von Party zu Party rund um die Welt. Das kann sie sich locker leisten. Sie hat die Hälfte des gemeinsamen Vermögens bekommen – 87 Milliarden Dollar.

Als Molly wieder kurz in Los Angeles weilt, erhält sie einen Anruf. Es ist Sofia (MJ Rodriguez), die Direktorin ihrer Stiftung, die sich um soziale Projekte in LA kümmert, und von deren Existenz Molly keine Ahnung hatte.

Eine Frau und ein Mann prosten sich zu mit einem Glas Orangensaft.
Nicholas (Joel Kim Booster) ist Mollys (Maya Rudolph) treuer Assistent und trinkt wie sie lieber Champagner als Orangensaft. © Apple TV+
Molly unter den 99 Prozent

Sofia liest Molly die Leviten, weil ihr Lebensstil ein extrem schlechtes Licht auf die Stiftung wirft. Molly verspricht Besserung. Aber nicht nur das. Sie will sich aktiv engagieren.

So taucht sie bei der Einweihung eines Obdachlosenheims auf und lässt Geschenktüten mit Luxusartikeln unter den Gästen verteilen. Es bleibt nicht der einzige peinliche Auftritt, bei dem Molly unter Beweis stellt, wie fremd ihr das Leben der 99 Prozent ist.

Radikaler Schritt

Ganz langsam lernt sie aber im Kontakt mit ihrer Stiftung und deren Mitarbeiter:innen, was sie und ihr Geld sinnvolles ausrichten können. Am Ende kommt sie zu einer radikalen Erkenntnis und Entscheidung.

Einschätzung

Molly, respektive Maya Rudolph, scheint es grosses Vergnügen zu bereiten, sich in der Sphäre der Superreichen mit Villen, Privatjets und Birkin Bags zu bewegen und von einem Fettnapf in den anderen zu treten. Das ist es auch, was diese Serie in erster Linie unterhaltsam macht.

Neid und Häme

Als Zuschauer:in darf man etwas neidisch staunen, wenn Molly in ihrer Villa vom begehbaren Kleider-, zum Schuh-, zum Handtaschenschrank flaniert, alle etwa so gross wie ein Wohnzimmer. Oder dass es einen Candy-Room gibt, wo sie ihren Kummer mit Süssigkeiten vertreiben kann.

Leicht hämisch dürfen wir uns aber auch daran ergötzen, wenn sie sich wieder eine Peinlichkeit sondergleichen leistet und nicht zu ganz unrecht als «rich bitch» beschimpft wird.

Die Weltfremdheit verliert an Witz

Allerdings funktioniert das nur über die ersten paar Episoden hinweg. Danach verliert Mollys Weltfremdheit an Witz. Zudem taucht ein neuer Mann in ihrem Leben auf und Mollys Plot gleitet ab in eine (fast) normale Liebesgeschichte.

Zwei Frauen in weissen Bademänteln und mit blauen Gesichtsmasken auf Liegestühlen.
Teamausflug ins Luxusspa. Sofia (MJ Rodriguez) hält wenig von Mollys Lebensstil, lässt sich aber manchmal verführen. © Apple TV+

Deshalb braucht es noch die anderen Figuren. Der blasierte Assistent Nicholas, der alle Normalos schrecklich findet, sich aber langsam mit Howard (Ron Funches) anfreundet, dem IT-Techniker der Stiftung und Cousin von Molly.

Die Nebenfiguren halten einen bei der Stange

Sofia, die Molly regelmässig die Leviten liest, aber die Einladung ins Luxusspa doch nicht ausschlagen kann. Schliesslich gibt es noch Arthur (Nat Faxon, zuletzt als Bob Haldeman in «Gaslit»), ein Klischee-Buchhalter, korrekt, schlecht gekleidet, peinlich lustig und geschieden.

Dieses Figurenarsenal hält einen einigermassen bei der Stange, wenn der Spassfaktor in der zweiten Hälfte etwas abnimmt. Alles in allem ist «Loot» eine durchaus vergnügliche Sitcom. Sie ist aber etwas zu wenig bösartig, um den Titel Satire zu verdienen.

Wie viele Sterne gibst du «Loot» Staffel 1?

Besetzung: Maya Rudolph | MJ Rodriguez | Joel Kim Booster | Ron Funches | Nat Faxon | Adam Scott
Serie entwickelt von: Matt Hubbard | Alan Yang
Genre: Komödie
USA, 2022

Physical (Staffel 2) – Powerfrau mit Widersprüchen

Läuft bei: Apple TV+ (2 Staffeln, 20 Episoden à 30 Min.)

=> Staffel 1: Physical – Empowerment durch Aerobic

Ihr Mann Danny (Rory Scovel) ist glorios gescheitert mit seiner politischen Karriere. Jetzt entdeckt der Westküsten-Pascha seine feministische Seite, will Hausarbeit und Kinderbetreuung übernehmen und lässt Sheila (Rose Byrne) den Vortritt.

Ihr Name als Lifestylemarke

Sheila kann so ihren Traum verfolgen. Sie promotet ihr erstes VHS-Aerobic-Video in Läden, Freizeitparks und Supermärkten, und es verkauft sich nicht schlecht.

Aber Sheila will mehr. Ihr Name soll zu einer Lifestylemarke werden wie der von Vinnie Green (Murray Bartlett). Green ist ein erfolgreicher Fitnessguru, der im Fernsehen nicht nur seine Kurse anpreist, sondern ein ganzes Wohlfühlpaket inklusive Nahrungsergänzungsmitteln verkauft.

Affäre mit dem Erzfeind

Sheilas Weg nach oben ist aber steinig, weil ihr Leben kompliziert ist. Da ist nicht nur ihre massive Essstörung. Sheila hat eine Affäre begonnen mit John Breem (Paul Sparks), vermeintlich ein gläubiger Mormone und zudem politischer Erzfeind ihres Mannes.

Ein Mann mit weissem Hemd telefoniert stehend.
John Breem (Paul Sparks) ist besessen von der Affäre mit Sheila. © Apple TV+

Dann ist da noch die Geschichte mit Bunny (Della Saba). Durch sie kam Sheila ja erst zu Aerobic. Bunny fühlt sich betrogen, weil Sheila sie ausgebootet hat. Per Zufall fällt ihrem Freund Tyler (Lou Taylor Pucci) eine VHS-Kassette in die Hände, die Sheilas Affäre beweist. Damit erpressen die beiden Sheila.

Sheila enttäuscht ihre beste Freundin

Loyal an ihrer Seite steht einzig Greta (Dierdre Friel). Mit ihr als Partnerin und dem Geld von Gretas Mann will Sheila ihr Imperium aufbauen. Bis sie es schafft, sich auch mit Greta zu überwerfen.

Einschätzung

In der zweiten Staffel gibt «Physical» seinen Hauptfiguren Raum, sich weiterzuentwickeln. Das ist spannend mitanzusehen, aber auch strapaziös. Denn sympathischer werden Rose, Danny und Co. dadurch nicht.

Danny, der Hausmann

Wobei Danny eigentlich einen Schritt in die richtige Richtung tut. Er war im ersten Teil der politisch Progressive, in der Beziehung aber selbstverständlich ein Pascha alter Schule. Seine Ehefrau ist dazu da, ihm den Rücken freizuhalten und ihm zuzuarbeiten.

Das ändert nach seiner Wahlniederlage. Er wird zum Hausmann. Doch Danny wäre nicht Danny, wenn er das nicht vor allem für sein eigenes Ego täte. Am ersten Tag, an dem er seine Tochter in die Schule fährt, badet er förmlich in den anerkennenden Blicken der anwesenden Mütter.

John Breem, der skrupellose Geschäftsmann, war schon im ersten Teil unsympathisch. Jetzt tendiert er zum leicht Dämonischen. Der gläubige Mormone, der seine Kinder streng religiös erzieht, beginnt mit Sheila eine Affäre, die nichts mit Liebe zu tun hat, sondern nur mit hartem Sex.

Arme Sheila? Böse Sheila?

Was zur Frage führt: Wie kann sich Sheila auf so eine toxische Beziehung einlassen? Ist sie nicht die unterdrückte Frau, die lediglich Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung für sich einfordert, das aber mit ihren Aerobic-Videos allen anderen Frauen ermöglichen will?

Nein, so einfach ist es nicht. Sheila nutzt andere Frauen aus. Bunny beispielsweise, der sie ihr Wissen und Können in Aerobic verdankt, die sie aber perfide ausgebootet hat. Oder Greta, deren Freundschaft Sheila gerne zum eigenen Vorteil in Anspruch nimmt, ohne sie wirklich zu erwidern.

Ein Frau hält eine Pappfigur.
Greta (Dierdre Friel) verehrt Sheila und wird von ihr ausgenutzt. © Apple TV+
Keine stereotypen Figuren

Aber klar, Sheila ist krank, hat eine massive Essstörung, die wahrscheinlich auf sexuellen Missbrauch in ihrer Jugend zurückzuführen ist. Also doch ein Opfer?

«Physical» lässt solche einfachen Erklärungen nicht zu, weder bei Sheila noch bei anderen Figuren. Und das macht die Serie spannend. Am Ende der zweiten Staffel zeichnet sich ab, dass Sheila noch weiter den dunklen Weg beschreiten wird.

Düster, aber auch sehr humorvoll

Diese eher düsteren Geschichten erzählt «Physical» aber immer mit einem erfrischend humorvollen Unterton, packt amüsante Szenen dazu und untermalt das ab und zu mit einem kommentierenden 80er-Jahre-Soundtrack.

Die dritte Staffel ist bestätigt, und ich werde sicher weiterverfolgen, wohin das alles führt.

Wie viele Sterne gibst du «Phyiscal» Staffel 2?

Besetzung: Rose ByrneRory ScovelDierdre FrielPaul SparksDella Saba | Lou Taylor Pucci | Murray Bartlett
Serie entwickelt von: Annie Weisman
Genre: Drama | Komödie
USA, 2022

King of Stonks (Staffel 1) – Überdrehte Satire ohne Tiefgang

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

Felix Armand (Thomas Schubert) hat’s ganz nach oben geschafft. Er ist vom Softwareentwickler aufgestiegen in die Chefetage des gehypten Fintech-Start-ups CableCash.

Der CEO als Bühnenzampano

Ebenfalls ganz nach oben gespült wurde Magnus Cramer (Matthias Brandt). Vormals ein blasser Wirtschaftsprüfer ist er jetzt der CEO von CableCash mit gebleachtem Gebiss. Er versteht zwar nichts vom Geschäft seiner Firma, weiss aber Angestellte, Aktionäre und Medien mit überkandidelten Bühnenshows zu begeistern.

Zwischen Felix und Magnus entwickeln sich Spannungen. Einerseits will Felix Co-CEO werden, aber Magnus speist ihn mit der Funktion des COO ab. Andererseits muss Felix all die Katastrophen abwenden, die Magnus zu verursacht droht, weil er wilde Versprechungen macht, wie toll sich CableCash entwickle.

Liebe, Betrug und die grosse Abrechnung

Felix und Magnus bringen CableCash an die Börse und reiten das Unternehmen gleichzeitig immer tiefer in den Abgrund. Sie fälschen Kundenzahlen und Bilanzen. Dass hier was nicht stimmt, vermutet die Shortsellerin Sheila Williams, die den Betrug der CableCash-Manager aufdecken und damit viel Kohle verdienen will.

Sie gibt sich bei Felix als Investorin aus und versucht, sein Vertrauen zu gewinnen. Nicht geplant war, dass sie zu Felix eine Zuneigung entwickelt, die in einer Liebesnacht mündet. Doch es kommt der Tag der Wahrheit und der grossen Abrechnung zwischen Sheila und Felix.

Einschätzung

Wem der Erzählstil von «King of Stonks» mit Off-Stimme und temporeichen Erklärstücken bekannt vorkommt, der hat wahrscheinlich «How to Sell Drugs Online (Fast)» gesehen. Kein Wunder, die beiden Serien wurden vom gleichen Autorenduo geschrieben.

Gnadenlos überdreht

In «King of Stonks» legen Philipp Kässbohrer und Matthias Murmann aber noch einen Zacken zu. Die Satire über Start-up-Wahn und Geldgier an der Börse ist gnadenlos überdreht.

Magnus fletscht sein strahlend weisses Gebiss bei jeder Gelegenheit und trommelt sich in grenzenloser Selbstüberschätzung auf die Brust. Das wichtigste Utensil für die Angestellten von CableCash ist die Flute, da Komasaufen mit Champagner zur Firmenkultur gehört.

Felix behält die Bodenhaftung

Auch die Politik bekommt ihr fett weg. Der Digitalministerin ist egal, was die Firma wirklich bietet. Hauptsache, der Hype um CableCash stellt auch sie in ein gutes Licht. Und Sheila, die den grossen Betrug aufdecken will, tut das nicht aus ethischer Überzeugung, sondern schlicht, um Millionen zu scheffeln.

Das ist alles so schrill inszeniert, dass einem anfänglich schwindlig wird. Zum Glück ist da Felix. Er ist der einzige, der etwas Bodenhaftung bewahrt und noch zwischen Grössenwahn und Realität unterscheiden kann. Das hält ihn aber nicht davon ab, mit betrügerischen Tricks Betrug die Bilanzen der Firma aufzublähen.

Der wahre Skandal verschwindet im Absurden

Letztlich alles ziemlich unausstehliche Figuren, die da ihr Unwesen treiben. Das ist aber nicht das Problem der Serie. Bei allem Vergnügen, das einem das irre Treiben in der Welt des grossen Geldes durchaus bereitet, ist der Plot so absurd inszeniert, dass man den grossen Skandal, der eigentlich in dieser Geschichte steckt, nicht mehr ernst nimmt.

Dabei gab es ihn ja: «King of Stonks» bedient sich verschiedentlich an tatsächlichen Ereignissen aus dem Wirecard-Skandal, der in Deutschland die Finanzwelt und die Politik erschütterte.

Amüsant, aber kein Vergleich zu den Vorbildern

Jetzt soll Satire ja übertreiben und lächerlich machen und so Missstände anprangern. Manchmal sollte einem aber auch das Lachen im Hals stecken bleiben. Das passiert hier nie, weil die Kritik in der überdrehten Inszenierung völlig untergeht.

Deshalb: amüsant? Ja. Aber «King of Stonks» kommt nicht an Vorbilder wie «The Wolf of Wall Street» oder «Schtonk» heran. Vielleicht wäre die dokumentarische Herangehensweise, wie sie bei «The Dropout» zu sehen ist, die bessere Form gewesen.

Wie viele Sterne gibst du «King of Stonks» Staffel 1?

Besetzung: Thomas Schubert | Matthias Brandt | Larissa Sirah Herden | Andreas Döhler | Altine Emini
Genre: Komödie
D, 2022

Love & Anarchy (Staffel 2) – Komisch, aber mit mehr Tiefgang

Läuft bei: Netflix (2 Staffeln, 16 Episoden à 30 Min.)

Sofie (Ida Engvoll) hat ihren Mann verlassen und geniesst die Affäre mit Max (Björn Mosten), dem jungen IT-Techniker des Verlags Lung & Lagerstedt, wo sie vorher gearbeitet hat (Staffel 1). Sie ist auf Jobsuche und findet den durch eine glückliche Fügung wieder im alten Verlag, diesmal aber als Geschäftsführerin.

Sofies Schicksalsschlag

Privat erleidet sie einen Schicksalsschlag, als sich ihr Vater das Leben nimmt. Das wirft sie aus der Bahn. Sie beendet die Beziehung mit Max. Auch ihre Tätigkeit als Verlagsleiterin vernachlässigt sie. Gerade im Verlag wäre sie aber sehr gefragt.

Sofies erste Entscheidung, unrentable Autor:innen schlechter zu stellen, führt zu Protestkundgebungen vor dem Verlag. Der Verlag bekommt auch schlechte Presse wegen eines Kinderbuchs, das klimaschädliches Verhalten fördern soll. Ein Sensibilitätsberater soll retten, was zu retten ist.

Turbulenzen im Verlag

Selbstverständlich sorgen die Kolleg:innen im Verlag für weitere Turbulenzen. Friedrich, der Literaturpurist, sollte eigentlich entlassen werden, bekommt stattdessen ein eigenes Label, das wenig erfolgreich startet.

Denise hat eine Affäre mit einer berühmten Autorin, die aus ihr eine nicht besonders vorteilhaft Figur in einer Novelle macht. Und Ronny, der ehemalige Chef, ist jetzt literarischer Leiter, obwohl er kaum Bücher liest, was zu peinlichen Situationen führt.

Einschätzung

War die erste Staffel von «Love & Anarchy» eine fast klassische romantische Komödie, schlägt die zweite Staffel dunklere Töne an. Sofie kann den Selbstmord ihres Vaters nicht bewältigen. Er taucht immer wieder auf, sie spricht mit ihm, streitet, schreit ihn verzweifelt an.

Eine Komödie mit mehr Tiefgang

Da wirkt es fast ein wenig irritierend, wenn Sofie und Max ihre Zettelspielchen fortführen, wo sie sich gegenseitig ziemlich unmögliche Aufgaben stellen. Denn ihre Affäre ist definitiv nicht mehr der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte.

Dennoch gibt es genügend Momente in der zweiten Staffel, die für einen Lacher gut sind. Die tiefsinnigere Geschichte von Sofies Trauerarbeit ist zwar manchmal auch leicht absurd-komisch, aber vor allem berührend und schadet der Serie überhaupt nicht – im Gegenteil.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Love & Anarchy» Staffel 2?

Besetzung: Ida Engvoll | Björn Mosten | Carla Sehn | Reine Brynolfsson | Gizem Erdogan | Björn Kjellmann | Lars Väringer
Serie entwickelt von: Lisa Langseth
Genre: Komödie | Drama
SWE, 2022

Clark (Mini-Serie) – Frauenschwarm und Polizistenschreck

Läuft bei: Netflix (Mini-Serie, 6 Episoden à 60 Min.)

Stockholm 1973: In der «Kreditbanken» hat ein Räuber vier Geiseln genommen. Er verlangt, dass Clark Olofsson (Bill Skarsgård) in die Bank kommt. Was auch geschieht. Es ist der Höhepunkt der Karriere von Olofsson.

Clark Olofsson ist allerdings nicht etwa der Verhandlungsführer der Polizei. Er ist selber ein Krimineller, der wegen Bankraubes und schwerer Körperverletzung mal wieder einsitzt.

Schwedens Promi-Gangster Nr. 1

Clark Olofsson ist eine reale Figur, über den es mehrere Bücher und Filme gibt. Er gilt als der erste Promi-Gangster Schwedens und erlangte schon vor der Geiselnahme in Stockholm nationale Berühmtheit.

Mit dem «Norrmalmstorgsdramat» ging er aber auch international in die Geschichte ein, denn auf diese Geiselnahme geht der Begriff «Stockholm Syndrom» zurück.

«Clark» schildert die Karriere dieses Kriminellen, die sich im ewigen Kreis von Verbrechen, Gefängnis, Ausbruch, Partys, Liebschaften dreht, immer unter grosser Anteilnahme der Öffentlichkeit.

Ich finde

Wäre die Geschichte von Clark Olofsson fiktional, man hielte sie für übertrieben. Tatsächlich stimmt vieles, was die Serie erzählt.

Beispielsweise, dass Clark nach seinem ersten Ausbruch aus der Besserungsanstalt für Jugendliche in das Landgut des schwedischen Premierministers eindrang. Allerdings traf er dort nicht auf den Premierminister selbst, wie die Serie erzählt, sondern nur auf den Gärtner.

Frauenschwarm und Polizistenschreck

Auch seine Beliebtheit in der Öffentlichkeit und vor allem bei Frauen beruht offenbar auf Tatsachen. Selbst die trotteligen Polizisten sind nicht frei erfunden, wenn auch ihre Inkompetenz Slapstick-artig überzeichnet ist.

Bill Skarsgård spielt Clark mit gnadenloser Wucht. Ein narzisstischer Psychopath, der sich äusserst charmant geben kann. Im Grunde schert er sich aber einen Dreck um andere. Im Zentrum steht immer nur einer: Clark Olofsson.

Das zeigt sich insbesondere bei seinen Liebesbeziehungen. Frauen betört er, belügt und hintergeht sie, lässt sie – mit Kind – sitzen. Erstaunlicherweise hält das manche Freundin nicht davon ab, immer wieder auf ihn hereinzufallen.

Freigeist der 68er-Ära ad absurdum geführt

Den Zuschauenden mag es ähnlich gehen. Clark fasziniert. Rückblenden in seine Kindheit mögen vielleicht sogar so etwas wie Verständnis aufkommen lassen dafür, weshalb Clark zu dem wurde, was er ist.

Aber gleichzeitig wird diese Haltung in der Serie unterhaltsam persifliert. Der Zeitgeist der 68er-Ära mit Gefängnisreformen, Täterrehabilitation, freier Liebe und freiem Individuum wird durch Clark ad absurdum geführt. Er nutzt all das zu seinem eigenen Vorteil aus.

Faszinierend und abstossend – gut inszeniert

Deshalb passt der Vergleich zu ähnlichen Gangsterkomödien wie «Catch Me If You Can» nicht ganz. Der Hochstapler Frank (Leonardo DiCaprio) bleibt bis am Schluss sympathisch, auch weil er relativ harmlos ist.

Clark dagegen ist alles andere als harmlos. Er hinterlässt eine Spur von Verwüstung auf seelischer und physischer Ebene und bleibt schlicht nicht gesellschaftsfähig.

Der Serie gelingt es aber sehr ansprechend, dieses Hin und Her zwischen Faszination und Abstossung über sechs Episoden zu inszenieren.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Clark»?

Besetzung: Bill Skarsgård | Vilhelm Blomgren | Sandra Ilar | Hanna Björn
Genre: Krimi | Komödie | Biografie
SWE, 2022

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