Clark (Mini-Serie) – Frauenschwarm und Polizistenschreck

Läuft bei: Netflix (Mini-Serie, 6 Episoden à 60 Min.)

Stockholm 1973: In der «Kreditbanken» hat ein Räuber vier Geiseln genommen. Er verlangt, dass Clark Olofsson (Bill Skarsgård) in die Bank kommt. Was auch geschieht. Es ist der Höhepunkt der Karriere von Olofsson.

Clark Olofsson ist allerdings nicht etwa der Verhandlungsführer der Polizei. Er ist selber ein Krimineller, der wegen Bankraubes und schwerer Körperverletzung mal wieder einsitzt.

Schwedens Promi-Gangster Nr. 1

Clark Olofsson ist eine reale Figur, über den es mehrere Bücher und Filme gibt. Er gilt als der erste Promi-Gangster Schwedens und erlangte schon vor der Geiselnahme in Stockholm nationale Berühmtheit.

Mit dem «Norrmalmstorgsdramat» ging er aber auch international in die Geschichte ein, denn auf diese Geiselnahme geht der Begriff «Stockholm Syndrom» zurück.

«Clark» schildert die Karriere dieses Kriminellen, die sich im ewigen Kreis von Verbrechen, Gefängnis, Ausbruch, Partys, Liebschaften dreht, immer unter grosser Anteilnahme der Öffentlichkeit.

Ich finde

Wäre die Geschichte von Clark Olofsson fiktional, man hielte sie für übertrieben. Tatsächlich stimmt vieles, was die Serie erzählt.

Beispielsweise, dass Clark nach seinem ersten Ausbruch aus der Besserungsanstalt für Jugendliche in das Landgut des schwedischen Premierministers eindrang. Allerdings traf er dort nicht auf den Premierminister selbst, wie die Serie erzählt, sondern nur auf den Gärtner.

Frauenschwarm und Polizistenschreck

Auch seine Beliebtheit in der Öffentlichkeit und vor allem bei Frauen beruht offenbar auf Tatsachen. Selbst die trotteligen Polizisten sind nicht frei erfunden, wenn auch ihre Inkompetenz Slapstick-artig überzeichnet ist.

Bill Skarsgård spielt Clark mit gnadenloser Wucht. Ein narzisstischer Psychopath, der sich äusserst charmant geben kann. Im Grunde schert er sich aber einen Dreck um andere. Im Zentrum steht immer nur einer: Clark Olofsson.

Das zeigt sich insbesondere bei seinen Liebesbeziehungen. Frauen betört er, belügt und hintergeht sie, lässt sie – mit Kind – sitzen. Erstaunlicherweise hält das manche Freundin nicht davon ab, immer wieder auf ihn hereinzufallen.

Freigeist der 68er-Ära ad absurdum geführt

Den Zuschauenden mag es ähnlich gehen. Clark fasziniert. Rückblenden in seine Kindheit mögen vielleicht sogar so etwas wie Verständnis aufkommen lassen dafür, weshalb Clark zu dem wurde, was er ist.

Aber gleichzeitig wird diese Haltung in der Serie unterhaltsam persifliert. Der Zeitgeist der 68er-Ära mit Gefängnisreformen, Täterrehabilitation, freier Liebe und freiem Individuum wird durch Clark ad absurdum geführt. Er nutzt all das zu seinem eigenen Vorteil aus.

Faszinierend und abstossend – gut inszeniert

Deshalb passt der Vergleich zu ähnlichen Gangsterkomödien wie «Catch Me If You Can» nicht ganz. Der Hochstapler Frank (Leonardo DiCaprio) bleibt bis am Schluss sympathisch, auch weil er relativ harmlos ist.

Clark dagegen ist alles andere als harmlos. Er hinterlässt eine Spur von Verwüstung auf seelischer und physischer Ebene und bleibt schlicht nicht gesellschaftsfähig.

Der Serie gelingt es aber sehr ansprechend, dieses Hin und Her zwischen Faszination und Abstossung über sechs Episoden zu inszenieren.

Wie viele Sterne gibst du «Clark»?

Besetzung: Bill Skarsgård | Vilhelm Blomgren | Sandra Ilar | Hanna Björn
Genre: Krimi | Komödie | Biografie
SWE, 2022

Reacher (Staffel 1) – Der Rächer mit Herz und Kleiderproblemen

Läuft bei: Amazon ( 1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

Jack Reacher (Alan Ritchson, spielte Hawk in «Titans»), der nur Reacher genannt werden möchte, weil ihn seine Mutter schon so nannte, verschlägt’s in ein Kaff in Georgia. Im Diner will er sich einen Pfirsichkuchen zu Gemüte führen, da wird er wegen Mordverdachts verhaftet. Verdächtig macht ihn, dass er der einzige Fremde ist und als muskulöser Hüne ziemlich auffällt.

Der Tatverdacht verflüchtigt sich zwar ziemlich schnell. Nicht aber ohne dass Reacher im Gefängnis seine Qualitäten als erbarmungsloser Nahkämpfer ein erstes Mal unter Beweis stellen kann. Und mit seiner scharfsinnigen Beobachtungsgabe in bester Sherlock Holmes-Manier beeindruckt er die örtliche Polizei.

Für Reacher wird’s persönlich

Nach diesem unfreundlichen Empfang in Margrave will Reacher weiterziehen. Allerdings stellt sich heraus, dass das Mordopfer sein Bruder Joe war. Deshalb verbündet sich Reacher mit zwei lokalen Cops, Finlay (Malcolm Goodwin, «iZombie») und Roscoe (Willa Fitzgerald).

Weitere Leichen tauchen auf. Das Trio kommt bei den Ermittlungen korrupten Politikern, Polizisten und dem Grossunternehmer der Stadt mit seinen dubiosen Geschäften auf die Spur.

Ich finde

«Reacher» ist nichts für zarte Gemüter. Obwohl ehemaliger Militärpolizist, macht Reacher schnell klar, dass er nicht Gerechtigkeit will für den Mord an seinem Bruder, sondern Rache.

Schlägt er zu Beginn seine Gegner nur zusammen, greift er schnell danach zur Waffe und tötet gezielt mit Kopfschuss. Damit drei Leichen in einen Kofferraum passen, bricht er auch mal ein paar Beine.

Hulk trifft auf Rambo, Sherlock Holmes und Shrek

Trotzdem kommt Reacher nicht nur als Brutalo rüber. Er ist ein scharfsinniger Ermittler, zeigt menschliche Regungen wie Zuneigung für die Polizistin, mit der er zusammenarbeitet.

Dann ist Reacher auch dieser fast bemitleidenswerte Aussenseiter durch seine Statur, der regelmässig Probleme hat, passende Kleidung zu finden – alles in allem eine nicht unsympathische Mischung aus Hulk, Rambo, Sherlock Holmes und Shrek.

«Reacher» wird uns erhalten bleiben

Dazu fügt die Serie zwischendurch einen humoristischen Unterton. Dieser Mix macht aus «Reacher» eine Serie, mit der sich Action- und Krimifreund:innen gerne die Zeit vertreiben werden. So erfolgreich, wie die erste Staffel beim Publikum ankam, überrascht es nicht, dass die zweite bereits angekündigt ist und weitere werden wohl folgen.

Wie viele Sterne gibst du «Reacher» Staffel 1?

Besetzung: Alan Ritchson | Malcolm Goodwin | Willa Fitzgerald | Currie Graham | Bruce McGill
Showrunner: Nick Santora
Genre: Krimi | Action
USA, 2022

Anatomy of a Scandal (Mini-Series) – Very british, fairly boring

Läuft bei: Netflix (Mini-Series, 6 Episoden à 45 Min.)

James Whitehouse (Rupert Friend, Peter Quinn aus «Homeland») ist ein Tory-Politiker mit glänzenden Karriereaussichten. Ein typischer Vertreter der britischen Upperclass, der an der Uni die Beziehungen knüpfte, die ihm den Weg zur Macht ebneten. Unter anderen gehört der amtierende Premierminister zu seinen besten Freunden aus Oxford-Zeiten.

James‘ Karriere droht ein Rückschlag, als eine Affäre mit einer jungen Frau aus seinem Büro publik wird. Natürlich muss er das zuhause seiner Frau (Sienna Miller, «The Girl» als Tippi Hedren) beichten. Sophie, ebenfalls Oxford-Absolventin und seit dieser Zeit mit James zusammen, ist am Boden zerstört. Sie entschliesst sich aber, dem reumütigen Ehemann zur Seite zu stehen.

Allerdings bleibt es nicht beim Seitensprung: Die ehemalige Geliebte wirft James Vergewaltigung vor und es kommt zum Prozess. Die Anklage vertritt Kate Woodcraft (Michelle Dockery, «Downton Abbey», bei Amazon/«Godless», bei Netflix), eine erfolgsgewohnte Anwältin, die bekannt ist für ihr seriöses, aber unbarmherziges Vorgehen.

Ich finde

«Anatomy of a Scandal» könnte ein gelungenes Gerichtsdrama sein, das sich in die Psyche seiner Hauptfiguren vertieft. Ist es aber nicht. Stattdessen operiert die Serie mit ziemlich flachen Charakterzeichnungen.

James gibt sich als moderner Mann, der seine Privilegiertheit reflektiert. Die Rückblenden in seine Studienzeit lassen daran aber Zweifel aufkommen.

Konstruiert und abstrus

Sophie kommt aus derselben privilegierten Ecke. Als Frau heisst das für sie, dass ihr Weg an der Seite des erfolgreichen Mannes ist. Ein Konzept, das sie kaum hinterfragt, bis sie dann einigermassen unvermittelt ihre Solidarität für Frauen entdeckt.

Kate hegt ein Geheimnis, das sehr konstruiert ist und letztlich zu einem abstrusen Plottwist führt.

Zu «british»?

Vielleicht bin ich trotz aller Anglophilie zu wenig «british», als dass ich genügend mitfiebern könnte, ob privilegierte Mistkerle ihre gerechte Strafe bekommen. Oder es liegt daran, dass hier eine Geschichte erzählt wird, die zwischen Klischee und Unglaubwürdigkeit schwankt, mit Figuren, die einem ziemlich egal bleiben.

Wie viele Sterne gibst du «Anatomy of a Scandal»?

Besetzung: Sienna Miller | Rupert Friend | Michelle Dockery | Joshua McGuire | Naomi Scott
Showrunner: Melissa James Gibson | David E. Kelly
Genre: Drama
GB, 2022

The Good Fight (Staffel 5) – Covid, Cancel Culture und der Sturm aufs Kapitol

Läuft bei: Disney+ (5 Staffeln, 51 Episoden à 45 Min.) / Amazon (Staffeln 1-3)

Diane Lockhart gerät zunehmend unter Druck: Die mehrheitlich afroamerikanische Belegschaft will sie nicht mehr an der Spitze der Kanzlei. Das strapaziert Dianes Beziehung zu Liz Roddick, der zweiten noch verbliebene Chefin der Kanzlei, nachdem Adrian Boseman die Firma verlassen hat.

Auch mit ihrem Ehemann Kurt durchlebt Diane turbulente Zeiten, weil er mit Leuten in Kontakt stand, die am 6. Januar das Kapitol stürmten. Kurt kommt deshalb ins Visier des FBI.

Auf der juristischen Seite beschäftigt die Kanzlei – neben anderen Fällen – ein selbsternannter Richter. Hal Wackner (Mandy Patinkin – immer wieder schön, ihn zu sehen) hat im Lagerraum eines Copy-Shops das «Amtsgericht 9¾» eröffnet, in dem er frei von rechtlichen Regeln seine Urteile fällt. Diese Anarcho-Justiz findet zum Entsetzen von Diane grossen Anklang bei Rechtssuchenden.

Ich finde

In der fünften Staffel heisst es leider Abschied nehmen von zwei tragenden Figuren: Der bisherige Firmenchef Adrian Boseman wendet sich der Politik zu und die Anwältin Lucca Quinn hat ein lukrativeres Angebot angenommen als Finanzchefin für ihre superreiche Freundin Bianca.

Dafür beginnt mit Carmen Moyo eine neue Anwältin. Sie kommt zwar direkt von der Uni, macht aber einem wichtigen Klienten der Firma so viel Eindruck, dass er sie als seine Hauptanwältin will.

Aktuelle Themen unterhaltsam verpackt

Auch dieser Anarcho-Richter Wackner sorgt für viel Aufruhr mit seiner unkonventionellen Rechtsprechung, die aufzeigt, wie sehr das «richtige» Justizsystem (in den USA) sich von den Ansprüchen der Bevölkerung entfremdet hat.

Mit dem Sturm aufs Kapitol, Cancel Culture, Covid-Krise, Rassendiskriminierung und -bewusstsein finden sich wie gewohnt aktuelle politisch-gesellschaftliche Themen wieder, die in Rechtsfälle verpackt werden. Immer kritisch, witzig, teilweise auch sarkastisch und deshalb sehr unterhaltsam.

Wie viele Sterne gibst du «The Good Fight» Staffel 5?

Besetzung: Christine Baranski | Sarah Steele | Nyambi Nyambi | Audra McDonald | Michael Boatman | Gary Cole | Mandy Patinkin | Charmaine Bingwa
Showrunner: Michelle King | Robert King
Genre: Krimi | Drama
USA, 2022

Suspicion (Staffel 1) – Ein britisch-amerikanisches Verwirrspiel

Läuft bei: Apple TV+ (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

In einem Hotel in New York wird der Sohn einer prominenten PR-Frau (Uma Thurman) entführt. Fünf Britinnen und Briten, die zufälligerweise (?) alle zu diesem Zeitpunkt in New York waren, werden von der Polizei als Entführer:innen verdächtigt. Doch alle fünf beteuern ihre Unschuld und die Polizei findet keine eindeutigen Beweise.

Dennoch gibt es genug Ungereimtheiten, sodass die Polizei ihre Ermittlungen auf die fünf konzentriert. Die wiederum schliessen sich zusammen, um herauszufinden, wer ihnen diese Entführung anhängen will. Doch nicht alle scheinen wirklich so unschuldig zu sein, wie sie sich geben.

Ich finde

Die Ausgangslage ist sehr vielversprechend. Eine israelische Serie als Vorbild («False Flag») – wie bei «Homeland». Showrunner Rob Williams war Autor von Episoden für «Killing Eve» und «The Man in the High Castle». Regisseur Chris Long hat als Produzent und Regisseur bei «The Americans» mitgearbeitet. Und der Cast ist mit Uma Thurman, Noah Emmerich (u.a. «The Americans»), Kunal Nayyar (Raj aus «The Big Bang Theory») oder auch Elizabeth Henstridge (Jemma aus «Agents of S.H.I.E.L.D.») sehr ansprechend besetzt.

Anglo-amerikanischer Kulturgraben

Die ersten Episoden bieten dann auch gute Unterhaltung mit überraschenden Plot-Twists. Der kulturelle Graben zwischen der korrekten britischen Ermittlerin und dem amerikanischen FBI-Agenten mit Haudegen-Methoden sorgt für einige Schmunzler. Und das dunkle Geheimnis von Katherine Newman (Thurman) taugt gut als Spannungsträger über die Episoden hinweg.

Doch je mehr die wahren Absichten und Hintergründe der Figuren entschlüsselt werden, desto unübersichtlicher wird die Geschichte und auch uninteressanter, weil einiges ziemlich banal und auch konstruiert wirkt.

Nebulöses Ende

Die finale Episode klärt zwar vieles auf, bleibt aber doch so nebulös, dass es schwer nach einer zweiten Staffel aussieht. Allerdings ist die noch nirgends angekündigt. Vielleicht war der Publikumserfolg zu gering.

Wie viele Sterne gibst du «Suspicion»?

Besetzung: Uma Thurman | Kunal Nayyar | Georgina Campbell | Elizabeth Henstridge | Angel Coulby | Elyes Gabel | Noah Emmerich | Tom Rhys Harries
Showrunner: Rob Williams
Genre: Krimi
USA, 2022

Landscapers (Mini-Serie) – True-Crime, fantastisch inszeniert

Läuft bei: Sky (Mini-Serie, 4 Episoden à 45 Min.)

Susan (Olivia Colman) und Christopher Edwards (David Thewlis) sind ein eigentümliches Paar. Sie haben keine Freunde, leben nur für sich, sind tief verbunden miteinander. Sie leben in Frankreich in einer ärmlichen Wohnung. Ihnen ist das Geld ausgegangen. Chris bittet seine Stiefmutter um Hilfe. Er gesteht ihr dabei, dass sie vor Jahren nach Frankreich geflüchtet sind, weil sie im Garten von Susans Elternhaus die Leichen der Eltern vergraben haben.

Die Stiefmutter informiert die Polizei. Susan und Christopher kehren freiwillig nach England zurück, werden sofort verhaftet und verhört. Die beiden erzählen ihre Geschichte: Susans Mutter erschoss den Vater, Susan darauf im Streit ihre Mutter. Gemeinsam vergruben sie die Eltern im Garten. Doch im weiteren Verlauf der Verhöre beginnt sich eine andere Geschichte abzuzeichnen.

Ich finde

True-Crime ist normalerweise nicht mein Ding. Die übliche Doku-Fiktion-Erzählweise mit pensionierten Ermittlern, Fernsehclips, nachgespielten Szenen und einer bedeutungsschwangeren Off-Stimme vermag mich nicht zu packen.

Ganz anders bei «Landscapers», das diese Geschichte der Edwards in einer aussergewöhnlichen Art nacherzählt (Spoiler! BBC Artikel nach dem Gerichtsurteil 2014; Wikipedia – Aber auch wenn man die Geschichte im Voraus kennt, schmälert das den Genuss der Serie in keiner Weise).

Da ist zum einen dieses äussert wunderliche Paar. Susan und Chris versichern sich immer wieder ihrer gegenseitigen Liebe. Es scheint, keiner könnte ohne den anderen leben, denn die wirkliche Welt ist nicht für sie geschaffen. Gemeinsam flüchten sie gerne in die Traumwelt von Filmen, Western etwa, am liebsten mit Gary Cooper. Susan gibt viel Geld aus, das sie eigentlich nicht haben, für Gary Cooper-Memorabilien. Oder auch französische Filme mit Gérard Depardieu, mit dem sie eine Brieffreundschaft zu pflegen scheinen.

Zum anderen fasziniert die Inszenierung. Die Grenzen zwischen Realität und der Fantasiewelt der Edwards verschwimmen immer wieder. Dass Szenen aus ihren Lieblingsfilmen eingeflochten werden, ist fast erwartbar. Hier werden aber Kulissen klar als solche kenntlich gemacht und bespielt. Oder die vierte Wand wird unvermittelt aufgebrochen, wenn die ermittelnde Kommissarin im Verhörraum aufsteht, durchs Filmset läuft und im Schlafzimmer der Eltern die Schauspieler:innen auffordert, sie sollen die Szene nachspielen, wie die Schüsse fielen.

Zum dritten sind da die Schauspieler. Olivia Colman und David Thewlis sind schlicht überragend. Sie, die – vermeintlich? – weltfremde, fragile Ehefrau, nahe am Zusammenbruch in der Zelle, weil sie getrennt ist von ihrem Mann, und scheinbar naiv im Verhör. Er, der wohlüberlegte Beschützer, der präzise ausgerechnet hat, wie das Paar einigermassen ungeschoren davon kommt, am Ende dann aber doch im Verhör nicht ganz standhält und überfordert ist.

Mit diesem Mix wird «Landscapers» zum Vierteiler, der einen nicht loslässt bis zum Schluss.

Wie viele Sterne gibst du «Landscapers»?

Besetzung: Olivia Colman | David Thewlis | Kate O’Flynn | Samuel Anderson | Daniel Rigby
Showrunner: Ed Sinclair
Genre: True-Crime | Krimi
GB/USA, 2021

Young Wallander (Staffel 2)

Läuft bei: Netflix (2 Staffeln, 12 Episoden à 45 Min.)

Obwohl er eigentlich aufhören wollte, kehrt der junge Kurt Wallander in den Polizeidienst zurück. Diesmal geht es um eine Fahrerflucht mit Todesfolge.

Allerdings wird es einiges komplizierter, als herauskommt, dass das Todesopfer in einen alten Fall von Wallanders Kollegin Frida Rask verwickelt war. Gesucht wird jetzt ein:e geheimnisvolle:r Rächer:in, die:der Gerechtigkeit will für das Mordopfer von damals.

Ich finde

Wie schon die erste Staffel von «Young Wallander» bietet auch die zweite solide Krimiunterhaltung. Aber nicht viel mehr. Bei allen Bemühungen, den jungen Wallander auch als zweifelnden, introvertierten und etwas gespaltenen Charakter zu zeichnen, bleibt die Figur ein hitzköpfiger Jungspund mit Polizeimarke.

Das ist ziemlich weit weg von dem, was wir aus den Serien mit Kenneth Branagh (ebenfalls auf Netflix) oder Krister Henriksson kennen.

Dennoch gibt der Fall genug her, dass man ohne Mühe sechs Episoden dabei bleibt. Nicht zuletzt wegen verschiedenen Nebenfiguren und -geschichten.

Wallanders neue Mentorin Frida wird mit Fehlern aus ihrem alten Fall konfrontiert. Sein bester Freund Reza kämpft nicht nur mit einer posttraumatischen Störung. Er hat es auch nicht verwunden, dass Wallander befördert wurde und nicht er. Das treibt einen Keil in ihre Beziehung. Und der neue Chef der Abteilung bringt auch etwas frischen Wind, auch wenn man lange nicht genau weiss, wohin der bläst.

Wo ich aber weiterhin meine liebe Mühe damit habe, sind all die englischen Akzente, die in Malmö und Lund zu hören sind. Immerhin hat Wallander (Adam Pålsson) selber eine schwedische Einfärbung in seinem Englisch.

Besetzung: Adam Pålsson | Leanne Best | Ellise Chappell | Yasen Atour
Created by: Ben Harris
Genre: Krimi
SWE | UK, 2022

The Wire (Staffeln 1-5)

Läuft bei: Sky (5 Staffeln, 60 Episoden à 60 Min.)

Baltimore in den Nullerjahren: eine Stadt im Zerfall, Drogenkriminalität, Korruption und Arbeitslosigkeit beherrschen die Stadt. Eine spezielle Einheit der Polizei versucht gegen die Drogenbarone und die geschmierten Politiker anzukämpfen, auch nicht immer mit den saubersten Methoden.

Ich finde

Es hat gedauert, bis ich dieses Urgestein der modernen TV-Serie endlich komplett geschaut habe. Die erste Staffel schon zweimal angefangen und hängen geblieben. Auch jetzt habe ich mich zu Beginn gefragt, weshalb die Serie so hochgelobt ist.

Einverstanden, eine tolle Sozialstudie in einem äusserst unbehaglichen Umfeld – egal ob in den Drogenvierteln, im Polizeirevier oder Bürgermeisterbüro. Aber ähnlich vielleicht wie bei «Breaking Bad» braucht’s ein bisschen Durchhaltevermögen. Mit der vierten und fünften Staffel hat sich die Serie einen der obersten Plätze in der ewigen Bestenliste der TV-Serien redlich verdient.

Die Figuren bekommen noch mehr Tiefe, die Geschichten noch mehr Differenzierung. Hier gelingt die Zeichnung dieser Gesellschaft perfekt, wo der Alltag eigentlich die reine Hölle ist. Gewalt, Mord, Betrug und Intrige nimmt man auch als Zuschauer als Normalzustand einfach zur Kenntnis. Hier noch nach Moral zu fragen, ist absolut nutzlos.

Trotz dieser depressiven Grundstimmung versinkt man nicht im Elend. Denn egal, ob Drogenbaron, Killer, korrupter Politiker oder Alkoholiker mit Polizeibadge – es sind alles Menschen. Nicht wirklich tröstlich, aber gnadenlos packend.

Besetzung: Dominic West | John Doman | Deirdre Lovejoy | Wendell Pierce | Lance Reddick | Sonja Sohn | Clarke Peters | Andre Royo | Michael Kenneth Williams | Idris Elba
Created by: David Simon
Genre: Krimi | Drama
USA, 2002-2008

American Rust (Mini-Serie)

Läuft bei: Sky (Mini-Serie, 9 Episoden à 60 Min.)

Del Harris (Jeff Daniels) ist Polizeichef in Buell, einer Kleinstadt im «Rust Belt», dem heruntergekommen Industriegebiet der USA. In einem ehemaligen Stahlwerk findet die Polizei eine Leiche. Des Mordes verdächtigt wird ein junger Mann, der einst eine Karriere als Football-Spieler in Aussicht hatte, die Chance aber sausen liess.

Zudem ist dieser Billy der Sohn der Frau ( Maura Tierney ), in die sich Chief Harris verliebt hat. Harris ist deshalb mehr daran interessiert, Billys Unschuld zu beweisen, als die Frage zu beantworten, wer der Mörder ist.

Ich finde

Das Setting in der Kleinstadt im Rust Belt ist «schön» depressiv ausgestaltet. Drogen spielen eine grosse Rolle, weil fast alle Drogen nehmen, aus den unterschiedlichsten Gründen. Zukunftsaussichten hat niemand, ausser er oder sie schafft es, aus der Stadt rauszukommen (um im Fall von Billys Ex-Freundin zurückzukehren und aus nicht ganz einsichtigen Gründen wieder zu bleiben).

Jeff Daniels und Maura Tierney sind hervorragende Schauspieler – und doch, am Schluss ist alles Elend ein wenig zu viel und überladen mit diversesten persönlichen Dramen und Katastrophen. Beim Vergleich mit «Mare of Easttown», der sich ein wenig aufdrängt, schneidet «American Rust» einiges schlechter ab.

Besetzung: Jeff Daniels, Maura Tierney, David Alvarez, Bill Camp, Julia Mayorga, Alex Neustaedter
Created by: Dan Futterman
Genre: Krimi
USA, 2021

Wilder (Staffel 4)

Läuft bei: Play Suisse (4 Staffeln, 24 Episoden à 50 Min.)

Rosa ist zurück in ihrem Heimatdorf Oberwies. Ein Polizist wird ermordet und Rosa steigt wieder als Ermittlerin ein. Auch Kägi lässt es sich nicht entgehen, wieder mit Rosa zusammenzuarbeiten.

Der Mord ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Düstere Familiengeheimnisse und finstere Geschäfte harren der Aufklärung.

Ich finde

Was da wieder abgeht in diesem Berner Oberländer Kaff: Mord, Korruption, Inzest – scheint manchmal fast ein bisschen zu viel. Aber genau daran merkt man, dass SRF viel gelernt hat von den skandinavischen Serienmacher:innen. Die schrecken nie davor zurück, auch im kleinsten Dorf ein Sammelsurium des Bösen anzuhäufen, nur weil das kaum der Realität entspricht.

Dem Duo Wilder und Kägi schaut man auch in der vierten Staffel gebannt und gespannt zu, wie sie den Fall lösen. Vielleicht schade, dass es nicht weitergeht. Aber wahrscheinlich ein guter Entscheid auf so hohem Niveau (für einen Dienstagabend-Krimi) aufzuhören.

Besetzung: Sarah Spale | Andreas Matti | Marcus Signer | László I. Kish | Jonathan Loosli
Created by: Béla Batthyany | Alexander Szombath
Genre: Krimi
CH, 2022

1 2