Ms. Marvel (Staffel 1) – Superheldin dank kulturellem Erbe

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 6 Episoden à 40 Min.)

Kamala Khan (Iman Vellani) ist ein grosser Fan von Captain Marvel. Eines Abends schleicht sie sich aus dem Elternhaus, um mit ihrem Schulfreund Bruno (Matt Lintz) die erste «AvengerCon» zu besuchen.

Superkräfte durch Grossmutters Armreif

Zu ihrem selbstgemachten Superheldendress trägt sie einen Armreif, den ihr ihre Grossmutter aus Pakistan geschickt hat. Und dieser Armreif verleiht ihr Superkräfte.

Die ersten ungelenken Versuche, diese Superkräfte einzusetzen, gelingen nur halbwegs. Kamala muss zuerst noch ein bisschen üben. Bruno hilft ihr dabei.

Aus einer anderen Dimension

Gleichzeitig versucht sie herauszufinden, was es mit dem Armreif auf sich hat. Ursprünglich gehörte er ihrer Urgrossmutter Aisha (Mehwish Hayat), die, wie sich herausstellt, aus einer anderen Dimension stammte.

Kamala wird kontaktiert von anderen «Clandestines», wie sich diese Dimensionsreisenden nennen. Ihr Armreif soll ihnen das Tor in ihre Heimat öffnen. Als Kamala zögert, weil das Unterfangen sehr gefährlich sein könnte, werden die Clandestines aggressiv.

Die böse Regierungsorganisation

Auch die Regierung ist hinter Kamala her. Das Department of Damage Control, angeführt von der skrupellosen Agentin Deever (Alysia Reiner), will sie unschädlich machen.

Einschätzung

Was für eine angenehme Überraschung: Nach den eher ärgerlichen Ausflügen von Marvel in die ägyptische («Moon Knight») und asiatische («Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings») Mythologie, gelingt der Superheldenfranchise ein überzeugender Sprung in die muslimische Welt.

Coming-of-Age-Geschichte

Eigentlich ist «Ms. Marvel» weniger eine Superheldenserie. Vielmehr ist es eine Coming-of-Age-Geschichte einer jungen amerikanisch-pakistanischen Frau in ihrem muslimischen Umfeld, die zwar auch ihre Superkräfte, aber vor allem ihr kulturelles Erbe entdeckt.

Kamala kämpft vorerst mit typischen Teenagerproblemen: Schule, Jungs, Elternhaus. Die Eltern sind zwar durchaus modern, pflegen aber ihre Traditionen.

Verzicht auf politische Stereotypen

Dieses Leben schildert «Ms. Marvel» leichtfüssig, respektvoll, auch mal mit einem Augenzwinkern, wenn etwa Kamalas Bruder alle ein bisschen nervt mit seinen dauernden Gebeten.

Kamalas Leben ist einfach normal und nicht dauernd überschattet von einem aufgeladenen politischen Kontext. Wobei durchaus auch mal Rassismus aufscheint. Aber der Imam in der Moschee etwa weist die Agenten von Damage Control sehr selbstbewusst in die Schranken.

Superkräfte als Metapher

Besonders ansprechend erzählt ist Kamalas Reise in ihre Familiengeschichte. Eine ganze Episode zeigt, wie Kamalas Urgrossmutter mit ihrem Mann und ihrer Tochter während der «Partition», der Trennung von Indien und Pakistan, fliehen musste.

Der Armreif, der Kamala ihre Superkräfte verleiht, wird so zur Metapher. «The strength in who you are comes from where you’re from and where you’ve been», sagt Sana Amanat, Produzentin der Serie.

Zielgruppe erreicht, aber Wirkung darüber hinaus

Ich hege eine grundsätzliche Skepsis gegenüber Disney und anderen Konzernen, wenn sie sich divers geben. Ich unterstelle, wohl nicht ganz unbegründet, dass es oft mehr darum geht, aus finanziellen Gründen Zielgruppen zu erschliessen, als um Aufklärung.

Das mag auch bei «Ms. Marvel» irgendwo auf der Chefetage mitschwingen. Aber die Macher:innen, viele wie Sana Amanat mit einem muslimischen Hintergrund, haben es geschafft, eine Serie über eine muslimische Superheldin zu kreieren, die offensichtlich die Zielgruppe begeistert, aber darüber hinaus Wirkung entfaltet. Sehr gelungen und sehr erfreulich.

Wie viele Sterne gibst du «Ms. Marvel» Staffel 1?

Besetzung: Iman Vellani | Matt Lintz | Yameen Fletcher | Zenobia Shroff | Rish Shah | Mohan Kapur | Mehwish Hayat
Serie entwickelt von: Bisha K. Ali
Genre: Superhelden | Abenteuer
USA, 2022

Moon Knight (Staffel 1) – Marvel-Held jetzt auch im Mumien-Outfit

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 6 Episoden à 50 Min.)

Steven Grant (Oscar Isaac) ist ein einfacher, etwas scheuer Angestellter im ägyptischen Museum in London. Sein einziges Problem: Er leidet an massiven Schlafwandelanfällen. Deshalb fesselt er sich nachts ans Bett.

Stellt sich aber heraus: Er schlafwandelt gar nicht. Wenn er sich plötzlich in den Bayrischen Alpen wiederfindet, umzingelt von Sektenanhängern, dann hat das einen anderen Grund. Steven teilt sich seinen Körper mit einer anderen Person namens Marc Spector.

Der Kämpfer und das Weichei

Marc ist ein ganz anderes Kaliber. Ein ehemaliger Söldner und jetzt vom ägyptischen Gott Konshu (F. Murray Abraham) als weltlicher Avatar rekrutiert. Khonshu verleiht ihm Superkräfte, die Marc zum «Moon Knight» machen, der die Bösen aus der Welt schafft.

Marc ist auf einer Mission, deshalb die Episode in den Alpen. Dort versammelt Arthur Harrow (Ethan Hawke) die Anhänger der Göttin Ammit. Ammit wurde vom Rest der Götterschaft verbannt, Harrow will sie befreien. Das soll der Kämpfer Marc verhindern, wobei ihm das Weichei Steven aber öfters in die Quere gerät.

Ich finde

Der obige Storyplot ist stark vereinfacht. Es gibt da noch die Ehefrau von Marc (May Calamawy), Episoden in einer psychiatrischen Klinik, Marcs Kindheit und eine Reise ins ägyptische Jenseits.

Das ergibt ein ganzes Bündel an Geschichten für eine Serie mit gerade sechs Episoden. Ein bunter Mix aus Indiana Jones, «The Mummy» und «Legion» (ebenfalls aus dem Hause Marvel). Für mich wirkte es definitiv überladen. Was komplex und hintergründig wirken soll, ist schlicht kompliziert und etwas langfädig.

Noch mehr Helden, noch mehr Götter

Dieses Marvel Universum wird mir langsam eh zu unübersichtlich. So etwa zwei Dutzend Superhelden krieg ich noch unter einen Hut. Auch ein paar ausserirdische Zivilisationen und nordische Götter verträgt’s noch.

Aber jetzt noch ein Held mit multipler Persönlichkeit (es gibt noch eine dritte) und die ägyptische Götterwelt? Marvel Fans mag’s gefallen, weil es eine weitere Comicfigur aus dem Hause auf den Bildschirm geschafft hat. Zudem ist die Serie gut gemacht und gut besetzt. Aber ich bin übersättigt mit immer neuen Superheld:innen und hätte auf diese Figur gut verzichten können.

Bringt die Marvel-Held:innen von Netflix zurück

Wenn schon, hätte Marvel lieber «Jessica Jones», «Luke Cage» oder «Daredevil», die bei Netflix erfolgreich liefen, eine neue Staffel geschenkt. Sie haben gute Unterhaltung geliefert, ohne neue Gottheiten bemühen zu müssen.

Immerhin soll eine neue «Daredevil»-Serie laut Gerüchten in Entwicklung sein. Da würde ich wieder reinschauen. Bei einer allfälligen zweiten Staffel von «Moon Knight» bin ich nicht dabei.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Moon Knight» Staffel 1?

Besetzung: Oscar Isaac | Ethan Hawke | May Calamawy | F. Murray Abraham
Created by: Doug Moench
Genre: Superhelden | Abenteuer
USA, 2022

The Boys (Staffel 2) – Die Rückkehr der korrupten Superhelden

Läuft bei: Amazon (2 Staffeln, 16 Episoden à 50 Min.)

«The Boys» müssen sich zu Beginn der zweiten Staffel im Untergrund verstecken. Ihr Anführer Butcher ist verschwunden. Ihr Kampf gegen die bösen Superhelden scheint verloren.

Der zutiefst narzisstisch gestörte Homelander und seine Truppe von mehrheitlich korrupten Superhelden sind wieder im Aufwind. Auch die Firma Vought, die diese «Supes» geschaffen hat, ist zurück im Geschäft.

Mit Stormfront stösst eine neue Superheldin dazu. Sie macht Homelander seine Führungsrolle streitig. Zudem hat sie auch klare Vorstellungen, welche Rolle die Supes in Zukunft in der Gesellschaft einnehmen soll – so etwas in Richtung «white supremacy».

Ich finde

Ich habe die zweite Staffel jetzt abgeschlossen, kurz bevor Anfang Juni die dritte kommt. Was schon andeutet, dass mich «The Boys» nie wirklich reingezogen hat.

Die Ausgangslage dieser Serie ist zwar wirklich originell. Die Superhelden sind zwar super, aber keineswegs Helden. Ganz im Gegenteil. Sie setzen ihre Kräfte öfters nach ihrem Gutdünken ein. Sie bringen auch mal ein paar Menschen um, weil sie einfach gerade schlechte Laune haben.

Superheldenethos auf den Kopf gestellte

Und sie sind eigentlich nur die Aushängeschilder eines Unternehmens, das Geld verdienen will – um jeden Preis. Das ganze Superheldenethos wird also einfach auf den Kopf gestellt.

Ihre Gegenspieler sind eine Truppe von bunt zusammengewürfelten Typen, die auch nicht gerade ein Ausbund an Freundlichkeit sind. Mit Ausnahme von Hughie, der das absolute Gegenteil eines Kämpfers ist und völlig Fehl am Platz in der Runde.

Das alles war in der ersten Staffel neu und amüsant.

Widerlich hoch zwei

Die zweite Staffel führt die Geschichte und Figuren konsequent weiter. Mit Stormfront stösst eine Figur dazu, die die Widerwärtigkeit der Supes nochmal einen Gang höher schaltet.

Aber das war’s dann auch. «The Boys» ist eine Serie für Freund:innen des Superhelden-Genres, vor allem aber für Zeiten, in denen man gerade nichts Besseres findet. Trotzdem gut möglich, dass ich auch mal einen Blick in die dritte Staffel werfe – zwischendurch, auf dem Crosstrainer.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «The Boys» Staffel 2?

Besetzung: Karl Urban, Jack Quaid, Antony Starr, Erin Moriarty, Aya Cash, Laila Robins
Created by: Eric Kripke
Genre: Superhelden | Action
USA, 2021

Titans (Staffel 1-3)

Läuft bei: Netflix (3 Staffeln)

Titans, das sind die jungen Superhelden der Generation nach Batman und Superman. Angeführt von Dick Grayson – ehemals Batmans Sidekick Robin – bekämpfen sie Bösewichte aus dem DC Universum wie Deathstroke oder Scarecrow.

Ich finde

Die erste Staffel war noch sehr ok, als eine junge Frau von einem Dämon gejagt wird und Grayson und seine Titans um Hilfe bittet. Der Dämon entpuppt sich als ihr Vater, sie selbst entdeckt ihre geerbten Superkräfte und wird Teil der Titans.

Bei Staffel 2 und 3 schwand mein Interesse. Die Figuren wälzen sich in psychologischer Vergangenheitsbewältigung, gruppendynamischer Mediation, Familien- und Beziehungsdramen. Dafür sind mir die Titans dann doch zu wenig interessant, als dass mich diese «Vertiefung» kümmern würde.

Die Kritik ist da übrigens ganz anderer Meinung: da steigt bspw. die Bewertung auf Rotten Tomatoes von 78% für die erste Staffel auf 100% für die dritte mit der Begründung, Staffel 3 zeichne sich aus «with a bolder storytelling and deeper characterization».

Besetzung: Brenton Thwaites, Anna Diop, Ryan Potter, Teagan Croft, Curran Walter, Conor Leslie, Minka Kelly, Alan Ritchson, Joshua Orpin, Vincent Kartheiser, Iain Glen, Savannah Welch
Created by: Greg Berlanti | Akiva Goldsman | Geoff Johns
Genre: Action | Superhelden
USA, 2022