Citadel (Staffel 1) – Durchgeknallter B-Serienthriller, der Spass macht

Serienposter mit Schriftzug. Ein Mann und eine Frau im roten Kleid stehen Rücken an Rücken mit gezückten Pistolen.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Prime Video (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

Eines darf man von «Citadel» nicht erwarten: einen raffinierten Thriller mit ausgeklügelten Figuren und pfiffigen Dialogen. Auch wenn die Russo Brothers als Produzenten fungieren, die mit «Community» zumindest in Sachen Figuren und Dialogen Witz und Raffinesse bewiesen haben.

Ein Drehbuch mit der Kettensäge gezimmert

In «Citadel» stellen sie eine andere Fähigkeit unter Beweis, die sie als Regisseure von Marvel-Filmen gezeigt haben: Sie können Action. Davon hat die Serie reichlich. Bei der Story hat allerdings kein Feinmechaniker gewirkt, sondern eher ein Ungelernter mit der Kettensäge die Hand angelegt.

Aber wenn man sich darauf einstellt und die grauenvollen Plots einfach grinsend zur Kenntnis nimmt – dann kann man der Serie sogar einen gewissen Unterhaltungswert abgewinnen.

Zentral gesteuerte Gedächtnisauslöschung

Am Anfang steht der Untergang. Die Spionageorganisation Citadel, die unabhängig von Nationalstaaten für das Wohl der Menschheit mordet, wird ausgelöscht. Auch die Citadel-Agenten Mason Kane (Richard Madden) und Nadia Sinh (Priyanka Chopra Jonas) geraten in einen Hinterhalt.

Eine Frau in rotem Kleid sitzt im Speisewagen eines Zugs mit gezückter Waffe.
Der letzte Einsatz für Nadia Sinh (Priyanka Chopra Jonas) bevor Citadel zerstört wird. © Amazon Studios

Im Gegensatz zu ihren vielen Kolleg:innen überleben die beiden aber die konzertierte Aktion des Schurkenvereins Manticore, ein weltweiter Zusammenschluss von reichen und mächtigen Unternehmerfamilien. Allerdings verlieren Kane und Sinh ihr Gedächtnis. Das wird zentral vom Hauptquartier aus gelöscht, um die letzten Geheimnisse von Citadel zu bewahren.

Acht Jahre später: Mason Kane lebt unter anderem Namen ein friedliches Leben mit Frau und Tochter ohne Erinnerung an seine Agentenvergangenheit. Bernard Orlick (Stanley Tucci), einer der letzten Citadel-Agenten, reaktiviert Kane. Er braucht Hilfe im Kampf gegen Manticore.

Zwei Männer vor einem durchsichtigen Bildschirm.
Bernard Orlick (Stanley Tucci) eröffnet Mason Kane (Richard Madden), dass er ein Citadel-Agent war. © Amazon Studios
Agenten- und Liebespaar

Der Versuch, Kanes Gedächtnis wiederherzustellen, läuft allerdings schief. Die einzige Ampulle mit dem Serum wird zerstört (wirklich die einzige 😉?). Anders bei Nadia Sinh, die Kane zwischenzeitlich aufgespürt hat. Sie bekommt ihre Erinnerungen zurück.

Deshalb weiss sie, dass Kane und sie zu Zeiten ihrer Agententätigkeit eine intensive und komplizierte Beziehung hatten. Davon erzählt sie Kane selbstverständlich nichts. Aber wir sehen das Paar in Rückblenden in Paris, der Stadt der Liebe 🥰. Und wie sie sich bei der Arbeit in die Haare geraten.

Eine Frau und ein Mann in Kampfanzügen vor einem verschmutzten Offroader.
Wer sich so in die Augen schaut, hat nicht nur beruflich miteinander zu tun. © Amazon Studios
Haarsträubende Plottwists

Die Gegenspielerin von Citadel ist Dahlia Archer (Lesley Manville), eigentlich britische Botschafterin in den USA. Aber das nur als Nebenbeschäftigung. Hauptsächlich verwendet sie ihre Zeit darauf, für Manticore die letzten Reste von Citadel zu beseitigen.

Mit ihrer Figur wie auch mit Kanes neuer Frau Abby (Ashleigh Cummings) hat es etwas Besonderes auf sich. Da gibt es Verbindungen in der Vergangenheit. Wenn das enthüllt wird, schüttelt man ungläubig den Kopf und verlegt sich dann wieder aufs Weggrinsen dieser haarsträubenden Plottwists.

Eine Frau sitzt auf einem Sofa. Auf dem Tisch ein edles Teeservice.
Dahlia Archer (Lesley Manville) ist zwar Botschafterin, gibt aber nicht viel auf Diplomatie, sondern greift lieber zu handfesteren Methoden. © Amazon Studios
James Bond trifft Mr. & Mrs. Smith

Aber eben: Es passiert was in den gut vier Stunden Laufzeit der Serie. Viel Geballer und Nahkampfakrobatik, ab und zu ein bisschen Folter, Fallschirmspinger- und andere Action und ein paar gestelzte Liebesdialoge, die einen doch etwas zweifeln lassen an Richard Maddens schauspielerischen Qualitäten.

Hochstehende Unterhaltung bietet «Citadel» definitiv nicht. Aber es flimmert auch viel Öderes über die Bildschirme als diese Mischung aus James Bond und «Mr. & Mrs. Smith».

Wie viele Sterne gibst du «Citadel» (Staffel 1)?
0 Stimmen

Besetzung: Richard Madden | Priyanka Chopra Jonas | Ashleigh Cummings | Roland Møller | Osy Ikhile | Lesley Manville | Stanley Tucci | Moira Kelly
Serie entwickelt von: Josh Appelbaum | Bryan Oh | David Weil
Genre: Action | Thriller
USA, 2023

The Diplomat (Staffel 1) – Brillanter Mix aus «Homeland» und «The West Wing»

Serienposter mit Schriftzug. Eine Frau sitzt in einem Sessel. Neben ihr die britische und US-amerikanische Flagge.

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

Allein das Wiedersehen mit Keri Russell ist es wert, sich den neuen Politthriller «The Diplomat» auf Netflix anzuschauen. Sie war in der Serie «The Americans» (alle Staffeln auf Disney+) grossartig als KGB-Spionin Elizabeth Jennings.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Philip (Matthew Rhys, momentan bei HBO / Sky Show als Perry Mason unterwegs) spionierte und mordete sie über sechs Staffeln in Washington in den frühen 80er-Jahren. Die beiden gaben sich als stinknormale Familie aus, hatten zwei Kinder und pflegten gut nachbarschaftliche Beziehungen zu einem FBI-Agenten, der nebenan wohnte.

Eine Frau und ein Mann in eleganten Kleidern in er offenen Kutsche. Sie winkt.
Keri Russell hat die Seiten gewechselt. Anstatt gegen die USA zu spionieren, repräsentiert sie das Land in England als Botschafterin Kate Wyler (neben ihr Rufus Sewell als Ehemann Hal). © Netflix
London statt Kabul, aber nicht weniger herausfordernd

Vielversprechend ist auch Debora Cahn als Autorin der Serie. Sie ist bekannt für den CIA-Thriller «Homeland» und die Politserie «The West Wing». Beide Serien waren sehr erfolgreich und wurden vielfach ausgezeichnet.

Für «The Diplomat» hat sich Cahn bei den beiden Vorgängern bedient, mischt US-Politik, internationale Diplomatie und nachrichtendienstliche Aufklärungen zu einer sehr gelungenen Serie.

Keri Russell ist die Diplomatin Kate Wyler, die kurz vor ihrer Entsendung nach Afghanistan steht. Doch dann wird ein britischer Flugzeugträger vor der iranischen Küste angegriffen. US-Präsident Rayburn (Michael McKean) und seine Stabschefin Billie Appiah (Nana Mensah) eröffnen der verdatterten Kate, dass sie den Botschaftsposten in London übernehmen wird.

Ein Mann und eine Frau blicken sich an. Im Hintergrund weitere Personen.
Die Stabschefin (Nana Mensah) und der Präsident (Michael McKean) haben Pläne mit Kate Wyler, von denen sie nichts weiss. © Netflix
Nicol statt Boris, aber ähnlich unberechenbar

Üblicherweise landen auf solchen Posten nicht erfahrene Diplomatinnen wie Kate, sondern Parteifreund:innen des Präsidenten, die sich durch Wahlkampfspenden verdient gemacht haben.

Aber der Anschlag auf den Flugzeugträger löst eine internationale Krise aus, in der der impulsive britische Premier Nicol Trowbridge (Rory Kinnear) zum gefährlichen Hasardeur wird. Dass sein Vorname ähnlich osteuropäisch klingt wie der von Boris Johnson, dürfte kein Zufall sein. Trowbridge liebäugelt mit Krieg, in den die Amerikaner hineingezogen werden könnten.

Ein Mann an einem Rednerpult. Britische Flaggen im Hintergrund.
Der britische Premier Trowbridge (Rory Kinnear) ist vor allem an seinem Image in der Öffentlichkeit interessiert und weniger an Politik. © Netflix

Kates Aufgabe ist also klar: Die Briten im Zaum zu halten. Gleichzeitig will sie wissen, wer wirklich hinter dem Anschlag steckt. Iran war es wohl nicht, wie Kates Ehemann Hal (Rufus Sewell) herausfindet.

Der Ehemann als Dame des Hauses

Hal ist auch ein verdienter Diplomat, in dessen Schatten Kate bisher stand. Jetzt sind die Rollen vertauscht. Hal ist «the wife» und sollte sich eigentlich nur um die Menukarte und die Blumengebinde für die Diners kümmern. Das fällt ihm schwer, was zu diversen Friktionen mit seiner Frau führt.

Ein Mann und eine Frau bei einem Spaziergang auf einer Wiese. Er hat ein Post-It auf der Stirn.
Während Politik gemacht wird, vergnügen sich die Damen des Hauses bei einem Spaziergang mit einem Spiel (T’Nia Miller und Rufus Sewell). © Netflix

Die Konflikte zwischen den beiden sind aber nicht neu. Die Ehe der beiden ist schon zuvor gescheitert, die Trennung geplant. Wenn da nicht eine andere Komplikation wäre. Kate wurde auch noch London geschickt, um herauszufinden, ob sie sich als Vizepräsidentin eignen würde. Davon weiss sie aber nichts. Ihr Mann dagegen und auch Stuart Heyford (Ato Essandoh), ihr engster Mitarbeiter in der Botschaft, sind in den Plan eingeweiht.

Spannung, Humor und ein bisschen Seifenoper

«The Diplomat» ist mit weniger Action inszeniert als etwa «Homeland», aber nicht weniger spannend. Kate muss eine Katastrophe nach der anderen abwenden und dabei vermeiden, in eine der zahlreichen Fallen zu treten, die ihr die politischen und persönlichen Animositäten der Akteure stellen.

Ein Mann in Anzug und eine Frau gehen nebeneinander.
Der britische Aussenminister (David Gyasi) ist ein wichtiger Verbündeter für Kate Wyler – und ein bisschen mehr. © Netflix

Ähnlich wie «West Wing» dagegen bietet die Serie immer wieder witzige und amüsante Episoden. Einzig beim Liebesleben der Botschafterin gleitet die Serie etwas zu sehr in eine Seifenoper ab. Hier scheint durch, dass Autorin Debora Cahn auch mit diesem Genre vertraut ist. Sie war Autorin der endlosen Arztserie «Grey’s Anatomy».

Darüber kann man aber grosszügig hinwegsehen. Denn der Hauptplot bietet genug fesselnde Irrungen und Wirrungen und endet mit einem dramatischen Cliffhanger.

Wie viele Sterne gibst du «The Diplomat» (Staffel 1)?
1 Stimme

Besetzung: Keri Russell | Rufus Sewell | David Gyasi | Ali Ahn | Rory Kinnear | Ato Essandoh | Jess Chanliau | Pearl Mackie | Celia Imrie | T’Nia Miller | Michael McKean | Miguel Sandoval | Penny Downie
Serie entwickelt von: Debora Cahn
Genre: Thriller | Drama
USA, 2023

Liaison (Staffel 1) – AppleTVs erste europäische Produktion enttäuscht

Serienposter mit Schriftzug. Eine dunkelhaarige Frau und ein graumelierter Mann im Porträt. Oben kopfstehend die Skyline von London, unten die Skyline von Paris.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Apple TV+ (1 Staffel, 6 Episoden à 60 Min.)

Eines ist klar: Am Cast liegt es nicht, dass «Liaison» nicht überzeugt. Wenn Eva Green und Vincent Cassel auftauchen, dann packt einen das Geschehen und man spürt, wie es zwischen den beiden knistert.

Viele Verstrickungen erzeugen noch keine Spannung

Trotzdem wird schnell klar, dass die Schwäche der Serie im Drehbuch liegt. Das ist endlos bemüht, Unmengen an Verstrickungen zwischen Figuren aufzubauen, um so vermeintlich Spannung zu erzeugen. Aber das gelingt nicht, weil mit zu vielen Plots jongliert wird, die oft vorhersehbar sind, manchmal zu konstruiert wirken oder schlicht irritieren.

Eine Frau und ein Mann stehen sich gegenüber und schauen sich an. Sie hat ihre Hände an seinen Kopf gelegt.
Da war mal was zwischen ihnen, was natürlich nie ganz vorbei war. Eva Green und Vincent Cassel als Alison und Gabriel. © AppleTV

Letztlich ist auch die Beziehung zwischen Alison (Eva Green) und Gabriel (Vincent Cassel) ziemlich vorhersehbar. Es dauert zwar, bis sie sich zum ersten Mal begegnen. Sie sitzt in ihrem Haus in London. Er steht im Regen vor dem Fenster. Sie geht zum Fenster, legt ihre Hand auf die Fensterscheibe. Er hält seine dagegen.

Nach Jahren begegnen sie sich wieder

Wie gesagt, es knistert. Gleichzeitig ist klar, dass es lange her ist, seit sie sich zum letzten Mal gesehen haben. Denn Alison lebt schon lange mit ihrem Freund und dessen Tochter in London und arbeitet im Innenministerium. Gabriel sehen wir zu Beginn, wie er als Söldner für eine private französische Sicherheitsfirma zwei Hacker aus Syrien rausschmuggeln soll.

Jetzt kreuzen sich ihre Wege wieder. Gabriels Aktion ging daneben. Die Hacker flüchteten auf eigene Faust nach England. Sie sind im Besitz von brisanten Informationen über geplante Cyberattacken, die sie der britischen Regierung verkaufen wollen.

Zwei Männer sitzen an einer Bar.
Gabriel erledigt die harten Jobs für Dumas (Gérard Lanvin), der eine private Sicherheitsfirma aufgebaut hat. © AppleTV
Cyberattacken gegen England

Gabriel hat den Auftrag, die Hacker nach Frankreich zu bringen. Dort sitzt der schmierige Regierungsbeamte Taraud (Stanislas Merhar), der die beiden Syrer für seine Zwecke einspannen will. Unter anderem, um Sophie Saint-Roch (Irène Jacob), die Chefin des Geheimdienstes DGSE, auszubooten.

In England beginnen unterdessen die Cyberattacken. Zuerst ein harmloser Scherz auf Regierungsservern, dann werden die Themseschleusen sabotiert, anschliessend die Zugssicherung um London und das Stromnetz. Auch hier gibt es eine undurchsichtige Gemengelage an Figuren: Alisons Boss, der Innenminister, ein bockiger Cybersecuritychef und der unsympathische Berater des Premierministers.

Eine Frau und ein Mann stehen sich gegenüber und schauen sich an.
Geheimdienstchefin Saint-Roch (die Schweizer Schaupielerin Irène Jacob) misstraut Taraud (Stanislas Merhar) – zu Recht. © AppleTV
Ein Altstar soll die Geschichte noch retten

Wohin das alles führen soll, bleibt lange unklar. Aber selbst als die Geschichte da vorwärtsmacht, wird sie nur noch verworrener. Mord, Erpressung, Brexit, EU-Kommission, mit all dem müssen sich Alison und Gabriel irgendwann rumschlagen. Und natürlich mit ihrer eigenen alten Geschichte.

Eine Frau blickt voller Angst auf eine Hand, die ein Feuerzeug hält.
Die alte Geschichte zwischen Alison und Gabriel birgt einigen Zündstoff. © AppleTV

Bei einem so überladenen Script, das Kompliziertheit mit Spannung verwechselt, verliert man irgendwann die Lust, selbst den besten Schauspieler:innen zuzuschauen. In der letzten Episode taucht sogar noch Tchéky Karyo als Bösewicht auf. Man bekommt das Gefühl, es sei der verzweifelte Versuch, mit dem Glamour des Altstars die verfahrene Geschichte zu retten.

Aber dafür ist es zu spät. Die erste europäische Produktion von AppleTV ist leider über weite Strecken misslungen.

Wie viele Sterne gibst du «Liaison» (Staffel 1)?
2 Stimmen

Besetzung: Eva Green | Vincent Cassel | Peter Mullan | Aziz Dyab | Irène Jacob | Stanislas Merhar | Laëtitia Eïdo | Gérard Lanvin | Daniel Francis | Lyna Dubarry | Tchéky Karyo
Serie entwickelt von: Virginie Brac
Genre: Thriller | Action
F / GB, 2023

The Night Agent (Staffel 1) – Als das Telefon klingelt, bricht die Hölle los

Ein Mann mit gezückter Waffe und einer Wunde am Kopf. Im Hintergrund grauer Himmel und das Weisse Haus in Washington.
4 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 10 Episoden à 45 Min.)

«The Night Agent» hat einen steilen Start hingelegt: die dritterfolgreichste Premiere bei Netflix (hinter «Wednesday» und «The Jeffrey Dahmer Story»). Das ist durchaus verdient, auch wenn die Thrillerserie alles andere als bahnbrechend ist.

Im Gegenteil: «The Night Agent» ist konventionell und arbeitet mit einer Story, die aus dem Setzkasten kommt. Aber die Geschichte ist mit guten Figuren besetzt und spannend erzählt. Da gab es in letzter Zeit anderes zu sehen, das diese Ansprüche weniger erfüllte (bspw. «The Recruit»).

Nachtschicht im Keller

Baustein 1: Ein junger FBI-Agent, der einen todlangweiligen Job macht, aber bald kopfüber ins grosse Abenteuer stürzt. Peter Sutherland (Gabriel Basso) sitzt Nacht für Nacht in einem fensterlosen Raum irgendwo im Keller des Weissen Hauses vor einer Hotline für Agent:innen in Gefahr. Nur – das Telefon klingelt nie.

Ein Mann in Hemd und Krawatte starrt auf ein schwarzes Telefon.
Kein Traumjob: Peter (Gabriel Basso) wurde zum Telefonhütedienst verknurrt. © Netflix

Dabei hat Peter ein paar Monate zuvor mit heroischem Einsatz viele Menschen bei einem Bombenanschlag in der U-Bahn vor dem sicheren Tod gerettet. Weshalb er danach in den Keller versetzt wird, leuchtet nicht wirklich ein. Aber man ahnt schon: Diese Bombengeschichte ist noch nicht abgeschlossen.

Das Telefon klingelt

Baustein 2: Eine Verschwörung in den höchsten Gefilden der Washingtoner Politik. Dem ist ein Agentenehepaar auf der Spur. Dass sie Agenten sind, weiss aber niemand, auch nicht ihre Nichte Rose (Luciane Buchanan), die zufällig zu Besuch ist, als düstere Gestalten ums Haus schleichen.

Der Onkel schickt Rose aus dem Haus, um eine Telefonnummer anzurufen, die Hilfe schicken soll. Rose wählt die Nummer und – wir ahnen es – es klingelt bei Peter. Peter schickt Hilfe. Für Onkel und Tante kommt sie allerdings zu spät, aber Rose wird gerettet.

Eine Frau und ein Mann liegen im Wald am Boden. Er hält einen Feldstecher in den Händen.
Rose (Luciane Buchanan) und Peter werden bald gejagt. Nur: Wer steckt dahinter? © Netflix
Das Killerduo schmiedet Zukunftspläne

Baustein 3: Das Killerpärchen. Rose hat einen der Killer gesehen und könnte ihn identifizieren. Deshalb ist das Duo jetzt hinter ihr her. Dale (Phoenix Raei) ist dabei der umsichtige, ruhige Profi, seine Freundin Ellen (Eve Harlow) die gestörte Killerin, die ihre Opfer gerne noch ein bisschen quält.

Andererseits träumt sie auch von einem normaleren Leben. Nicht ohne die Killerjobs, aber ein Eigenheim, statt immer nur Motels und vielleicht sogar ein Baby. Diese Dialoge des Pärchens über Zukunftspläne sind gewollt abstrus, aber eher unfreiwillig amüsant.

Eine Frau mit schwarzen Haaren, ein Gewehr mit Zielfernrohr im Anschlag.
Ellen (Eve Harlow) mag ihren Job als Killerin. Aber sie wünscht sich in der Freizeit etwas mehr Häuslichkeit mit ihrem Freund. © Netflix
Der/die Verräter:in sitzt ganz oben

Baustein 4: Ein:e Verräter:in ganz oben. Peter hat den Auftrag bekommen, Rose vor dem Killerduo zu beschützen. Das ist nicht einfach. Schnell stellt sich heraus, dass irgendjemand ganz oben in der Hierarchie die Killer mit Informationen versorgt, wo Peter und Rose zu finden sind.

Eine Reihe von Verdächtigen kommt in Frage: der stellvertretende FBI-Chef Hawkins (Robert Patrick), Chief of Staff Diane Farr (Hong Chau) oder CIA-Chef Almora (Enrique Murciano). Wetten sollten vor der zweiten Episode abgeschlossen werden.

Eine Frau mit weissen langen Haaren steht hinter einem Bürotisch. Hinter ihr die US-amerikanische Flagge.
Diane Farr (Hong Chau) gibt sich als Mentorin von Peter. Aber sie könnte auch die Verräterin im Weissen Haus sein. © Netflix
Was hat Maddie damit zu tun?

Baustein 5: Die Nebengeschichte. In der dritten Episode wird ein zweiter Handlungsstrang eingeführt. Maddie (Sarah Desjardins), die Tochter des Vize-Präsidenten, studiert an der Georgetown Universität. Die CIA-Agentin Arrington (Fola Evans-Akingbola) leitet das Team ihrer Personenschützer:innen und bekommt den Agenten Monks (D.B. Woodside) neu zugewiesen.

Natürlich werden sich die Wege von Arrington, Monks, Peter und Rose kreuzen, sonst würde der zweite Plot keinen Sinn machen. Man darf spekulieren, ob sie mit- oder gegeneinander arbeiten werden.

Ein Mann und eine Frau in einem Zimmer. Beide tragen blaue Latexhandschuhe. Sie blicken auf ein Handy, das er in den Händen hält.
Die CIA-Agenten Arrington (Fola Evans-Akingbola) und Monks (D.B. Woodside) werden auf die Jagd nach Peter und Rose geschickt. © Netflix
Thriller mit hohem Binge-Faktor

«The Night Agent» hat sicher auch einige Mängel. Die Geschichte könnte straffer erzählt werden. Paul schleppt eine alte Familiengeschichte mit sich rum, die seinen Charakter vertiefen soll, aber eigentlich verzichtbar ist.

Zudem muss man sich mit dem üblichen Geschwafel über Heldentum rumschlagen und der Glorifizierung der Institution der Präsidentschaft, die man ja spätestens seit Trump nicht mehr ernst nehmen kann. Wenn man darüber hinwegsieht, bekommt man einen gelungenen Thriller, der die Voraussetzungen zum Bingen erfüllt.

Fortsetzung wird folgen, das ist bereits garantiert. Peter Sutherland soll für Netflix in die Fussstapfen der Action-Jacks treten: Jack Bauer aus «24» (gespielt von Kiefer Sutherland 😉), Tom Clancys Jack Ryan oder Amazons Jack Reacher.

Wie viele Sterne gibst du «The Night Agent» (Staffel 1)?
2 Stimmen

Besetzung: Gabriel Basso | Luciane Buchanan | Fola Evans-Akingbola | Sarah Desjardins | Eve Harlow | Phoenix Raei | D.B. Woodside | Hong Chau | Christopher Shyer
Serie entwickelt von: Shawn Ryan
Genre: Thriller | Action
USA, 2023

Der Schwarm (Staffel 1) – Seichtes TV-Drama, das erst gegen Schluss zum Ökothriller wird

Serienposter mit Schriftzug. Oben in einem Kreis Porträts von zwei Frauen und zwei Männern. Darunter Meer. Ein Wal springt auf ein Boot.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Play Suisse / ZDFmediathek (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

Nach fünf Episoden wäre ich beinahe ausgestiegen. Was ein monumentaler Ökothriller sein will und immerhin die teuerste deutschsprachige TV-Produktion aller Zeiten ist, war bis dahin nur seichtes TV-Drama mit ein paar schönen Naturaufnahmen und langweiligen Beziehungskisten.

Frank Schätzing, Autor der Buchvorlage, hat recht, wenn er im Interview mit der «Zeit» kritisiert: «Es pilchert mehr, als es schwärmt.»

Effizient schauen: Bei Episode 6 einschalten

Dann kamen die drei letzten Episoden. Endlich ging es vorwärts mit der Geschichte. Es kam sogar Spannung auf, wenn die geheimnisvolle Meeresintelligenz namens Yrr ein Schiff angreift, auf dem Forscher:innen dem Phänomen auf den Grund gehen wollen, das für verheerende Katastrophen rund um die Welt verantwortlich ist.

Luther Roscovitz (Klaas Heufer-Umlauf) und Charlie Wagner (Leonie Benesch) sitzen in einem kleinen Uboot. Das Uboot ist rund und hat eine große Glasscheibe mit Beleuchtung an beiden Seiten.
«First Contact»: Luther Roscovitz (Klaas Heufer-Umlauf) und die Meeresbiologin Charlie Wagner (Leonie Benesch) gehen auf Yrr-Exkursion in die Tiefe. © ZDF / Fabio Lovino / Gianluca Moro

Die beste Art, die Serie zu sehen, ist wohl deshalb: Zusammenfassung der Anfangsepisoden lesen und bei Episode 6 einschalten. Spart Zeit und man verpasst kaum etwas.

Komplexe Ausgangslage mit viel Personal

Natürlich braucht die Exposition einer komplexen Handlung, die mit der 1000-seitigen Buchvorlage vorgegeben ist, ihren Raum. Da sind die fünf Hauptschauplätze, die mit ihren Figuren eingeführt werden müssen.

Die richtige Tonspur
«Der Schwarm» ist eine internationale Produktion. Mehrheitlich wird Englisch gesprochen, ausser in Szenen, in denen sich Gleichsprachige unterhalten. Deshalb sollte man unbedingt die Originalfassung mit Untertiteln schauen.
Zu Beginn war auf Play Suisse nur die deutsche Synchronfassung und eine Fassung mit Audio-Deskription für Sehbehinderte vorhanden. Zum Glück wurde schnell eine dritte Fassung mit Originalton und Untertiteln hinzugefügt. Wobei ich gerne annehme, dass meine Anfrage bei SRF das ein bisschen beschleunigt hat 😉.
In der ZDFmediathek war die Originaltonfassung mit Untertiteln von Beginn an vorhanden. Allerdings halt aus der Schweiz wegen Geoblock nur über eine VPN-Verbindung zugänglich.

Auf den Shetlandinseln forscht die Meeresbiologin Charlie Wagner (Leonie Benesch). Sie gehört zu einem Team, das in Kiel beheimatet ist und von der Professorin Katharina Lehmann (Barbara Sukowa) geleitet wird.

An der norwegischen Küste erkundet eine Rohstofffirma das Gebiet und wird dabei von Sigur Johanson (Alexander Karim), ebenfalls Meeresbiologe, beraten. In Kanada arbeitet der Walforscher Leon Anawak (Joshua Odjick). Zu guter Letzt gibt es die Molekularbiologin Cécile Roche (Cécile de France), die in Frankreich die ungewöhnlichen Ereignisse untersucht, die überall auf der Welt plötzlich auftauchen.

Tina Lund (Krista Kosonen) und Dr. Sigur Johanson (Alexander Karim) laufen nebeneinander einen Gang in einem Bürogebäude entlang.
Eine der bemühenden Nebengeschichten: Tina Lund (Krista Kosonen) und Sigur Johanson (Alexander Karim) hatten mal eine Affäre und gingen im Unfrieden auseinander. © ZDF / Stefano Delia
Statt Spannung und Action ein bisschen Beziehungsdrama

Eiswürmer destabilisieren die Küste vor Norwegen. Wale greifen Touristenschiffe in Kanada an. Und in Frankreich sterben Menschen an einem tödlichen Bakterium, das sich über Krustentiere an Land verbreitet.

Statt sich auf diese Bedrohung zu konzentrieren, die aus dem Meer kommt, die Spannung langsam aufzubauen und zu steigern, widmet sich die Serie ausgiebig dem Liebesgeplänkel und anderen Beziehungsproblemen ihrer Hauptfiguren.

Natürlich soll das den Charakteren mehr Tiefe und Hintergrund geben. Aber dafür wird viel zu viel Raum benötigt bei einem so grossen Figurenarsenal. Das zieht die ersten Episoden unnötig in die Länge.

Aus der Unterwasserperspektive ist ein Boot zu sehen, das durch ein Grauwal in zwei Teile zerbrochen ist.
Actionhöhepunkt zu Beginn: Ein Wal versenkt ein Touristenboot. © ZDF / Schwarm TV Production GmbH & Co. KG.

Auf der Strecke bleibt dafür die Eskalation der Gefahr, die den Menschen droht. Da fehlt die Dringlichkeit, mit der das geschildert wird. Die Spannung schleppt sich mehr nach oben, ohne den Adrenalinpegel hochzutreiben.

Chance verpasst, von Anfang an auf den Thrillfaktor zu setzen

Das ist wirklich schade. Denn sobald sich all die Expert:innen auf einem Forschungsschiff versammeln, um mit dieser unbekannten Meeresintelligenz Kontakt aufzunehmen, wird es wirklich interessant.

Was im Vergleich zum Buch auch etwas zu kurz kommt, sind die gespaltenen Fraktionen. Im Buch gibt es die Bösewichte, die die neu entdeckte Spezies gleich wieder ausrotten wollen. Und diejenigen, die erkennen, dass das den Untergang der Menschheit bedeuten würde. Das wird in der Serie eher beiläufig gestreift.

Sigur Johanson (Alexander Karim, l.) steht neben Captain Alban ( Oliver Masucci, r.) auf der Brücke des Forschungsschiffs. Beide schauen ratlos auf einen Monitor. Im Hintergrund sind weitere Personen der Schiffsbesatzung zu sehen.
Captain Alban (Oliver Masucci, r.) will die Yrr vernichten. Johanson will mit ihnen verhandeln. © ZDF / Fabio Lovino

Vielleicht eine etwas simple Botschaft, aber sie hat heute angesichts der ökologischen Bedrohungen für den Planeten ihre Berechtigung. Damit hätte «Der Schwarm» dramaturgisch mehr arbeiten müssen. Oder wie es Frank Schätzing im Interview formulierte: «Man hätte dem Narrativ des Romans mehr vertrauen sollen, der Maximaleskalation des Thrillers.»

Wie viele Sterne gibst du «Der Schwarm» (Staffel 1)?
9 Stimmen

Besetzung: Alexander Karim | Cécile de France | Leonie Benesch | Joshua Odjick | Krista Kosonen | Barbara Sukowa | Rosabell Laurenti Sellers | Takehiro Hira | Eidin Jalali | Sharon Duncan-Brewster | Klaas Heufer-Umlauf
Serie entwickelt von: Frank Doelger
Genre: Thriller | Science-Fiction
D / F / ITA / JAP / OE / CH, 2023

Luther: The Fallen Sun – Wird Luther zur Filmserie à la James Bond?

Filmposter mit Schriftzug. Ein Mann blickt in die Kamera. Auf beiden Seiten Gebäude. Grauweisser Himmel.
4 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (129 Min.)

Diese Besprechung enthält Spoiler

Üblicherweise bespreche ich nur Serien. Aber bei diesem Film ist eine Ausnahme mehr als gerechtfertigt. John Luther (Idris Elba) ist ein Serienheld erster Güte. Nach fünf gelungenen Staffeln, die von 2010 bis 2019 liefen, kehrt der Londoner Copper in einem Film zurück.

Luther landet hinter Gittern

Wer Luther noch nicht kennt, der:m sei die Serie auf Netflix unbedingt empfohlen. Aber man kann den Film auch ohne Vorkenntnisse schauen. Nur geht schon etwas verloren, wenn einem die Figur des eigenwilligen Detective Chief Inspector Luther wenig vertraut ist.

Luther hält nicht viel von Vorschriften und Regeln. Das trieb seine Vorgesetzten schon immer zur Verzweiflung. Jetzt aber bringt es den Polizisten ins Gefängnis. Statt die Spur eines Serienmörders weiterzuverfolgen, landet Luther wegen diverser Vergehen selber hinter Gittern.

Männer in einem Gefängnis, die mit verzerrten Gesichtern durch eine geöffnete Gittertür rennen.
Luther zettelt einen Aufruhr an im Gefängnis, damit er verlegt wird und die Möglichkeit zur Flucht bekommt. © Netflix

Was Luther nicht weiss: Der Mann, der die Ermittlungen gegen ihn ins Laufen brachte, ist genau jener Serienmörder, auf dessen Spur Luther war und der ihn deshalb aus dem Weg räumt.

Diabolischer Plan: Morde im Livestream

Dieser David Robey (Andy Serkis) will seinen Erfolg auskosten und schickt Luther eine Nachricht ins Gefängnis. Die Provokation erweist sich als schlechte Idee. Luther bricht aus und heftet sich ihm an die Fersen.

Natürlich ist das nicht einfach für einen entflohenen Sträfling. Aber Luthers ehemaliger Chef, Martin Schenk (Dermot Crowley), überzeugt die Ermittlerin Odette Raine (Cynthia Erivo) davon, Luther vorerst freie Bahn zu lassen und ihn nicht gleich wieder wegzusperren.

Eine Frau und ein Mann sitzen an einem Tisch in einem Kaffee. Er hat vor sich eine Zeitung und einen Kaffee in der Hand.
DCI Raine (Cynthia Erivo) will Luther wieder ins Gefängnis bringen. Schenk (Dermot Crowley) setzt auf dessen Hilfe. © Netflix

Tatsächlich gelingt es Luther, Robey auf dem Piccadilly Circus in einer Menschenmenge aufzuspüren. Aber er entkommt und kann seinen diabolischen Plan weiterverfolgen, für ein ausgewähltes Publikum die Ermordung von mehreren Menschen, die er entführt hat, live im Internet zu streamen.

Atemberaubender Showdown

Die perverse Veranstaltung soll an einem abgelegenen Ort im tief verschneiten Estland stattfinden und wird zum Schauplatz des Showdowns zwischen Robey und Luther und Raine.

Dieser Showdown in den letzten 20 Minuten des Films ist spannend und im wahrsten Sinne des Wortes am Schluss auch atemberaubend. Aber gleichzeitig zeigt sich hier auch die grosse Schwäche des Films.

Überzogener Bösewicht und eine durchgepeitschte Story

Auch wenn Andy Serkis als Bösewicht durchaus überzeugt, ist seine Figur doch völlig überzogen. Ein Monster, das Leute erpresst und reihenweise in den Suizid treibt, ein halbes Dutzend Opfer gleichzeitig an Tatorten hinterlässt und am Schluss im See vor seinem estnischen Anwesen nochmal Dutzende, wenn nicht 100 Leichen unter dem Eis gebunkert hat – da ist definitiv die Fantasie mit dem Drehbuchschreiber durchgegangen.

Ein Mann mit einem Headset steht im Scheinwerferlicht, daneben eine Kamera.
Robey (Andy Serkis) bei der Liveshow, die dem Publikum verspricht, bei Morden zuschauen zu können. © Netflix

Dafür, dass Robey unvorstellbar bestialisch ist, erhält er nur marginal Motivation und Hintergrund. Seine Figur ist sehr grob geschnitzt, es fehlt an Finesse. Generell wird die ganze Geschichte zu schnell durchgepeitscht.

Der Figur von Luther tut das keinen Abbruch, aber auch nur, weil – oder wenn – man ihn schon kennt. Dann kann man sich daran erfreuen, wenn ihm Schenk am Schluss seinen geliebten Tweedmantel überreicht mit der Bemerkung, dass die Blutflecken rausgegangen sind beim Waschen.

Der Grundstein für eine neue Filmreihe – ohne Martinis

Ja, Luther überlebt. Und nicht nur das. Luther muss nicht zurück ins Gefängnis. Ein «chief», Mann oder Frau, bittet ihn in der letzten Einstellung zum Gespräch in eine schwarze Limousine. MI5, eine geheime Polizeitruppe? Wir wissen es (noch) nicht.

Ein Mann mit Jacke, Hemd und Krawatte in einer Schneelandschaft.
Selbst bei eisiger Kälte trägt Luther nur seinen geliebten Tweedmantel. © Netflix

Aber hier wird eindeutig der Grundstein gelegt für einen Fortsetzungsfilm. Könnte also sein, dass eine neue Filmreihe entsteht à la James Bond, wenn auch in einem anderen Milieu.

Wäre passend für Idris Elba, der immer wieder als Bond-Darsteller gehandelt wurde, aber seit Jahren solche Gerüchte dementiert. So wie er im jetzigen Film auch an der Bar den charakteristischen Bond-Drink, einen Martini, ablehnt und lieber ein Glas Wasser bestellt.

Wie viele Sterne gibst du «Luther: The Fallen Sun»?
19 Stimmen

Besetzung: Idris Elba | Dermot Crowley | Cynthia Erivo | Andy Serkis | Thomas Coombes | Hattie Morahan | Lauryn Ajufo | Vincent Regan
Drehbuch: Neil Cross
Genre: Krimi | Thriller
GB / USA, 2023

The Recruit (Staffel 1) – Zwei Wochen im Job und schon im Kugelhagel

Serienposter mit Schriftzug. Ein junge Mann mit Blutspuren auf der rechten Backe. Im Hintergrund eine Explosion.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

Man würde annehmen, dass einem Anwalt, der frisch ab Uni eine Stelle bei der CIA antritt, nicht gleich die Kugeln um die Ohren fliegen. «The Recruit» beweist das Gegenteil. Sogar Bürohengste, die eigentlich nur Akten rumschieben müssen, leben da offenbar gefährlich.

Begraben unter einem Berg von Papier

Zumindest Owen Hendricks (Noah Centineo) ergeht es so an seinem zweiten Arbeitstag. Dabei beginnt es relativ harmlos. Mit hämischer Freude begraben zwei alte Hasen den Neuling unter einem Berg von Papier. Briefe von Spinnern und Verrückten, so genannte Graymail, die Owen durchackern muss.

Selbstverständlich findet Owen aber den einen Brief, der wirklich Zündstoff birgt. Die Belarussin Max Meladze (Laura Haddock) sitzt wegen Mordes in Untersuchungshaft. Sie droht, Agent:innen zu enttarnen, wenn die CIA sie nicht aus dem Gefängnis rausholt.

Eine Frau im roten Sträflingsanzug vor einem vergitterten Fenster. Ihre rechte Hand ist mit Handschellen an eine Stange gefesselt.
Max Meladze (Laura Haddock) erpresst die CIA, um aus dem Gefängnis rauszukommen. © Netflix
Anfängerfehler kostet Owen einen Fingernagel

Owen besucht Max im Gefängnis, um herauszufinden, was sie tatsächlich weiss. Die Informationen, die sie ihm gibt, lassen sich aber nur im Jemen überprüfen.

Blauäugig fliegt Owen in den Jemen, taucht unangemeldet auf einer geheimen Operationsbasis auf und macht Bekanntschaft mit den «enhanced interrogation»-Methoden seiner Kolleg:innen im Feld. Seine Naivität kostet ihn aber nur einen Fingernagel.

Das wäre eigentlich der amüsante Unterton, der «The Recruit» vom CIA-Serienhelden «Jack Ryan» oder den Jason Bourne-Filmen unterscheiden könnte. Leider verliert sich diese witzige Note etwas zu schnell.

Ein Mann sitzt gefesselt auf einem Stuhl. Ihm gegenüber eine Frau, die ihn verhört.
Owen (Noah Centineo) macht die unliebsame Bekanntschaft der Agentin Dawn Gilbane (Angel Parker) im Jemen. © Netflix
Eine Chance verschenkt, etwas innovativer zu sein

Owen manövriert sich zwar immer wieder in Situationen, denen er kaum gewachsen ist. Aber er wandelt sich zügig vom Aktentaschenträger zum Schnellfeuergewehrschützen.

Dabei hätte die Serie durchaus noch länger mit seiner unbeholfenen Art spielen können. So wird «The Recruit» zu einem Geheimdienstthriller, wie wir schon einige gesehen haben und verschenkt sich einen etwas ungewohnteren Zugang zum Genre.

Solides Serienhandwerk, aber nicht mehr

Einen netten Farbtupfer verleiht zwar noch Owens WG dem Ganzen. Er wohnt mit seiner Ex-Freundin und einem Studienkollegen zusammen, ebenfalls Anwält:innen. Die sorgen nicht nur für ein bisschen Erdung, sondern auch für den romantischen Plot, der nicht fehlen darf.

Eine Frau im Cocktaildress und ein Mann im Anzug mit Fliege auf einer Party.. Sie halten Drinks in den Händen.
Hannah (Fivel Stewart) ist Owens Ex-Freundin, jetzt eigentlich nur noch Owens WG-Mitbewohnerin. Aber … © Netflix

Wie sich dann die Geschichte mit Owen und Max entwickelt, das ist wiederum solides Serienhandwerk. Ein Schönheitsfehler allerdings zum Schluss: Die Geschichte wird nur halb fertig erzählt und endet mit einem Cliffhanger. Das nervt immer bei Serien, die nicht wirklich überzeugend sind. Immerhin bleibt es nicht völlig unbefriedigend, eine zweite Staffel ist angekündigt.

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1 Stimme

Besetzung: Noah Centineo | Fivel Stewart | Laura Haddock | Aarti Mann | Colton Dunn | Vondie Curtis-Hall | Daniel Quincy Annoh | Kaylah Zander | Kristian Bruun
Serie entwickelt von: Alexi Hawley
Genre: Thriller | Action
USA, 2023

Gangs of London (Staffel 2) – Eine Stadt versinkt in Blutbädern

Serienposter mit Schriftzug. Drei Personen stehen hinter einer futuristischen Skyline. Der Himmel mit rötlichen Wolken behangen.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Sky Show (2 Staffeln, 16 Episoden à 50 Min.)

Stellt die Eimer bereit für das Blut, das aus dem Fernseher strömt, wenn ihr die zweite Staffel «Gangs of London» schaut. Was nur bedeutet, dass die Serie sich treu bleibt. Denn schon in der ersten Staffel floss reichlich Blut, allerdings sind es dieses Mal noch ein paar Liter mehr.

Gangs of London – Staffel 1
20 Jahre lang war Finn Wallace der unangefochtene König der Londoner Unterwelt, der ein exorbitantes Vermögen mit seinen kriminellen Machenschaften verdient hat, das die Familie Dumani für ihn verwaltet.
Jetzt ist er tot, ermordet. Es entbrennt ein Machtkampf, den Finns gnadenloser Sohn Sean für seine Familie entscheiden will. Doch ihm machen Albaner, kurdische PKK-Kämpfer und das pakistanische Drogenkartell den Platz streitig. Mittendrin der Undercover-Cop Elliot, der sich in den Wallace-Clan eingeschlichen hat.

Erneut also nichts für empfindliche Gemüter, das muss man deutlich betonen (deshalb ist auch der Trailer unten mit einer Altersbeschränkung versehen). Folter, Misshandlung, Verstümmelung und Mord gehören zur Tagesordnung für die «Gangs of London».

Ein Sadist sorgt für Ordnung

Ein neues Gesicht ist für die übelsten Grausamkeiten zuständig. Koba (Waleed Zuaiter) ist der sadistische Mann fürs äusserst Grobe. Der georgische Mafioso arbeitet für «die Investoren», die jetzt das Sagen haben in der Londoner Unterwelt. Er sorgt dafür, dass keine der Gangs aus der Reihe tanzt.

Ein Mann mit graumeliertem Haar in brauner Lederjacke steht vor einem Gemälde, das unscharf im Hintergrund zu sehen ist.
Kobas (Waleed Zuaiter) Methoden im Umgang mit seinen Feinden als unzimperlich zu beschreiben, ist eine starke Untertreibung. © Sky / GOL Production

Als operativer Chef für die Investoren agiert der pakistanische Drogenbaron Asif Afridi (Asif Raza Mir) und für die Finanzen sind wieder Vater und Sohn Dumani zuständig. Obwohl die Machtverhältnisse geklärt scheinen, verlaufen die Geschäfte der Gangs keineswegs in ruhigen Bahnen.

Die Auferstehung eines Toten

Einige Bandenbosse, wie der Albaner Luan Dushaj (Orli Shuka), versuchen ihre eigenen Deals zu machen. Dann gibt es eine weitere geheimnisvolle Gruppe, die die Investoren entmachten will. Für die arbeitet der ehemalige Undercover-Cop Elliot Carter (Sope Dirisu), der gleichzeitig auch für die Investoren unterwegs ist. Zu guter Letzt taucht ein mysteriöser Killer auf, der für Unruhe sorgt.

Der Killer entpuppt sich als Sean Wallace (Joe Cole), den wir am Ende der ersten Staffel eigentlich tot glaubten. Aber die Kurdin Lale (Narges Rashidi) hat ihn gerettet und macht jetzt gemeinsame Sache mit ihm, um die Investoren auszuschalten und die Wallaces wieder zu den Königen der Unterwelt zu machen.

Ein Mann hält eine Waffe Richtung Kamera gerichtet.
Elliot (Sope Dirisu) will eigentlich raus aus dem ganzen Gangsterbusiness. Doch dafür muss er zuerst ein paar Leute aus dem Weg räumen. © Sky / GOL Production
Exzessive Gewalt in Zeitlupe

Diese Machtkämpfe werden mit ultimativer Brutalität und immer wieder wechselnden Allianzen geführt. Das kann man durchaus gespannt und interessiert mitverfolgen. Doch «Gangs of London» zelebriert dabei die Gewalt in einem Ausmass, das definitiv unnötig und übermässig ist.

Das untrüglichste Zeichen dafür ist der Einsatz von Zeitlupe. Das geschieht etwa bei einem Gangmitglied, dem eine Kugel eine Gesichtshälfte wegreisst. Dagegen sind die Kopfschüsse, bei denen Umstehenden ein halber Liter Blut ins Gesicht spritzt, schon beinahe zurückhaltend inszeniert. Ein bisschen mehr Effort in die Geschichte zu stecken und dafür die Gewalt zurücknehmen, hätte der Serie sehr gutgetan.

Wurde die Polizei abgeschafft?

Kommt dazu, dass einige Wendungen in der Geschichte ziemlich konstruiert sind und viel Wohlwollen verlangen, um sie nicht als absurd zu taxieren. Was man sich schon gar nicht fragen darf: Wo sind eigentlich die Gesetzeshüter:innen?

Die Gangster fahren in auffälligen Konvois unbehelligt mitten durch London. Es ballern Dutzende stundenlang wild durch die Gegend, bis sich die Leichen in den Strassen auftürmen. Und weit und breit kein:e Polizist:in in Sicht.

Ein Mann und eine Frau schiessen mit vollautomatischen Waffen in einem Zimmer.
Vater und Tochter Dumani (Lucian Msamati, Pippa Bennett-Warner) erledigen ein paar Schergen, die Koba auf sie gehetzt hat. © Sky / GOL Production

Nur gerade am Schluss lässt sich erahnen, dass die Metropolitan Police doch nicht abgeschafft worden ist. Am Horizont leuchten ein paar Blaulichter und in weiter Ferne ist der Klang von Sirenen zu hören.

Der Machtkampf wird weitergehen

Selbstverständlich wird aber nicht aufgeräumt in der Londoner Unterwelt. Die übersteht auch die neuerlichen Umwälzungen fast unbeschadet, wenn auch in wiederum ganz anderer Konstellation.

Dass das letzte Wort nicht gesprochen ist, wer König:in des organisierten Verbrechens ist in der britischen Hauptstadt, ist auch schon klar. Sky hat die dritte Staffel von «Gangs of London» bereits bestätigt. London wird erneut in Blutbädern versinken.

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Wie viele Sterne gibst du «Gangs of London» (Staffel 2)?
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Besetzung: Sope Dirisu | Joe Cole | Michelle Fairley | Lucian Msamati | Brian Vernel | Pippa Bennet-Warner | Orli Shuka | Asif Raza Mir | Narges Rashidi | Waleed Zuaiter | Jahz Armando
Serie entwickelt von: Gareth Evans | Matt Flannery
Genre: Action | Thriller
GB, 2022

Slow Horses (Staffel 2) – Die Versager wachsen einem immer mehr ans Herz

Serienposter mit Schriftzug. Sechs Menschen gehen durch eine Strasse, hohe Hausmauern auf beiden Seiten.
4 von 5 Sternen

Läuft bei: Apple TV+ (2 Staffeln, 12 Episoden à 45 Min.)

=> «Slow Horses» Staffel 1: Der Spion, der aus der Abstellkammer kam

Ich bin mit der ersten Staffel dieser britischen Spionageserie nicht so richtig warm geworden. Aber die zweite hat sich einen Stern mehr verdient.

Das liegt vor allem daran, dass die Serie diesmal auch den Nebenfiguren mehr Platz einräumt und die Erzählstränge aufsplittet. Das macht es interessanter und stellt nicht nur den zerlumpten Chef Jackson Lamb (Gary Oldman) in den Mittelpunkt.

Ein Mann sitzt vor Waschmaschinen in einem Waschsalon.
Jackson Lamb (Gary Oldman) ist nicht im Waschsalon, um seine Kleidung zu waschen. Er nutzt den Ort nur für ein konspiratives Treffen. © Apple TV
Schlampig und scharfsinnig

Der trottet wie gewohnt im schäbigen Trenchcoat durch die Serie und trägt ein Hemd und eine Hose, die seit Wochen keine Waschmaschine mehr gesehen haben. Lamb ist aber der Einzige, der merkt, dass der Tod eines pensionierten Agenten nicht auf natürliche Ursachen zurückzuführen ist.

Auf dem Mobiltelefon dieses ehemaligen Kollegen findet er den entscheidenden Hinweis: Cicada. Damit sind nicht die Insekten gemeint, sondern ein Netz von russischen Schläferagent:innen, das offenbar aktiviert wurde.

Mission in der ländlichen Idylle

Eine erste Spur führt aufs Land. Lamb schickt River Cartwright (Jack Lowden) in ein Dorf in den Cotswolds, wo er mehr über einen kleinen Privatflugplatz herausfinden soll. Von hier aus operierte offenbar einer der russischen Schläfer.

Ein Mann und eine Frau auf einem Kieselweg vor einem Haus. Er hält einen Blumenstrauss in der Hand. Sie begrüsst ihn mit offenen Armen.
River (Jack Lowden) wird bei seiner Mission auf dem Lande herzlich empfangen von der lokalen Bevölkerung. Zumindest scheint es so. © Apple TV

Louisa Guy und Min Harper erhalten eine ganz andere Aufgabe, die zuerst keinen Zusammenhang mit den russischen Schläfern zu haben scheint. Sie werden etwas überraschend vom Hauptquartier angefordert, um ein geheimes Treffen des MI5 mit einem russischen Dissidenten abzusichern.

Einsätze im Feld für die Büromannschaft

Dahinter steckt der schleimige MI5-Karrierist James Webb (Freddie Fox). Er holt die Slow Horses nur an Bord, damit er einen Sündenbock hat, falls etwas schiefläuft mit dem Treffen.

Auch der Rest des Teams im Slough House kommt zu seinen Einsätzen. Lambs Assistentin (Saskia Reeves) entpuppt sich als Schachmeisterin und kommt so zu wichtigen Informationen, während Shirley (Aimee-Ffion Edwards) und Computernerd Roddy (Christopher Chung) zuerst elektronisch einen der Schläfer aufspüren und ihn dann im Feld verfolgen.

Eine Frau sitzt an einem Schachbrett und zieht eine weisse Figur.
Catherine (Saskia Reeves) bedient sich einer ungewöhnlichen Methode, um sich Informationen zu beschaffen. © Apple TV
Die Versager wachsen ans Herz

Die Story etwas komplexer, mehr Action als zuvor und eben mehr Scheinwerferlicht auf dem Rest der Slow Horses. Dazu noch ein Mord, dem ein Mitglied von Lambs Team zum Opfer fällt.

Die zweite Staffel hat einen Gang höher geschaltet. Das macht sie unterhaltsamer. So langsam wachsen einem die Versager aus dem Slough House ans Herz und man fiebert immer mehr mit ihnen mit.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Slow Horses» (Staffel 2)?
4 Stimmen

Besetzung: Gary Oldman | Jack Lowden | Kristin Scott Thomas | Saskia Reeves | Rosalind Eleazar | Christopher Chung | Dustin Demri-Burns | Aimee-Ffion Edwards | Jonathan Pryce
Genre: Thriller | Komödie
GB, 2022

Jack Ryan (Staffel 3) – Der Mann, der den Atomkrieg verhindert

Serienposter mit Schriftzug. Ein Mann steht auf dem Bahnsteig, im Hintergrund ein Zug.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Amazon (3 Staffeln, 24 Episoden à 50 Min.)

Wenn’s spukt, holt man die Ghostbusters. Und wen holt man bei einer internationalen Krise, die zu einem Atomkrieg ausufern könnte? Jack Ryan! Der CIA-Mann, der alle Probleme im Alleingang löst. Wobei man ihn selten rufen muss. Er ist meist vor allen anderen da, weil er den Riecher hat für brenzlige Situationen.

Russische Hardliner planen den Krieg

Diesmal ist Jack (John Krasinski) auf der Spur eines russischen Geheimprojekts namens Sokol. Ursprünglich war das ein Projekt aus den 60er-Jahren zur Entwicklung einer kleinen Atombombe. Sokol wurde aber terminiert, wie auch die Wissenschaftler, die daran arbeiteten.

Ein Mann mit Rucksack zu Fuss unterwegs.
Jack Ryan (John Krasinski) muss sich oft im Alleingang durchkämpfen, weil er nicht in offizieller Mission unterwegs ist. © Amazon Studios

Jetzt holt eine abtrünnige Fraktion innerhalb der russischen Regierung das Projekt wieder aus der Schublade. Ihr Ziel: Auf Nato-Gebiet eine kleine Atombombe zu zünden, das der Nato in die Schuhe zu schieben, um so einen Krieg anzuzetteln, bei dem die Russen in sieben Tagen an den Rhein vorstossen wollen (eine historisch belegte Strategieüberlegung des Warschauer Pakts). Am Ende soll das alte Sowjetreich aus der Asche auferstehen.

Gejagt von allen Seiten

Aber eben: Jack Ryan ist ihnen auf den Fersen. Allerdings unter erschwerten Bedingungen. Der CIA-Chef in Langley ist ein typischer Bürokraten-Hasenfuss, der keine Ahnung hat, und Jack deshalb zurückpfeift. Was dieser geflissentlich ignoriert und deshalb von den eigenen Leuten gejagt wird.

Ganz alleine muss es Jack aber doch nicht mit den bösen Russen aufnehmen. James Greer (Wendell Pierce) und Mike November (Michael Kelly), zwei alte CIA-Kumpels, halten zu ihm. Auch seine neue Vorgesetzte Elizabeth Wright (Betty Gabriel) schlägt sich nach einigem Zögern auf seine Seite.

Zwei Männer in Kampfmontur und mit Waffen in den Händen vor einem Hubschrauber.
Mike (Michael Kelly) und Jack räumen schwer bewaffnet die Bösen aus dem Weg. © Amazon Studios

Wie es ausgeht, kann man sich denken. Aber man muss der Serie zugestehen, dass der Weg dahin spannend ist: reichlich Action und einige Rettungsaktionen in letzter Sekunde.

Ohne Amerika wäre die Welt verloren

Warnen muss man allerdings vor dem Weltbild, das der Serie zugrunde liegt, falls jemand Tom Clancy nicht kennt, auf dessen Büchern die Jack Ryan-Serie basiert. Die ist simpel und kennt keine Schattierungen: Die Vereinigten Staaten sind das beste Land der Welt und sie wissen, was für den Rest der Welt gut ist.

Deshalb macht auch die tschechische Präsidentin Kovac (Nina Hoss) keine besonders gute Figur. Nur dank der Hilfe der Amis kann sie ihre Verwicklungen in den ganzen Plot einigermassen unbeschadet überstehen.

Ein Mann und eine Frau geben sich die Hand. Im Hintergrund ein Sicherheitsbeamter und die tschechische Flagge.
Ohne die Unterstützung von Jack Greer (Wendell Pierce) wäre Präsidentin Kovac (Nina Hoss) aufgeschmissen. © Amazon Studios
Das Muster wiederholt sich – wie lange noch?

Wer sich also am völlig selbstverständlichen imperialistischen Gehabe der US-Amerikaner stört, den wird die Serie von A bis Z nerven. Wenn man das ausblenden kann, gibt’s gute Unterhaltung.

Ob das Muster dieser Serie noch lange funktioniert, scheint aber zweifelhaft. Nur den Schauplatz zu wechseln, wie das in den drei vorliegenden Staffeln passierte, reicht irgendwann nicht mehr, wenn am Ende doch immer dieselbe Geschichte erzählt wird. Aber die Figur des Jack Ryan weiterzuentwickeln, ist wohl auch keine Option. Er ist so simpel gestrickt wie das Weltbild, das er vertritt …

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Jack Ryan» Staffel 3?
12 Stimmen

Besetzung: John Krasinski | Wendell Pierce | Michael Kelly | Nina Hoss | Peter Guinness | Alexej Manvelov | James Cosmo | Betty Gabriel
Serie entwickelt von: Carlton Cuse | Graham Roland
Genre: Thriller | Action
USA, 2022

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