Landscapers (Mini-Serie) – True-Crime, fantastisch inszeniert

Läuft bei: Sky (Mini-Serie, 4 Episoden à 45 Min.)

Susan (Olivia Colman) und Christopher Edwards (David Thewlis) sind ein eigentümliches Paar. Sie haben keine Freunde, leben nur für sich, sind tief verbunden miteinander. Sie leben in Frankreich in einer ärmlichen Wohnung. Ihnen ist das Geld ausgegangen. Chris bittet seine Stiefmutter um Hilfe. Er gesteht ihr dabei, dass sie vor Jahren nach Frankreich geflüchtet sind, weil sie im Garten von Susans Elternhaus die Leichen der Eltern vergraben haben.

Die Stiefmutter informiert die Polizei. Susan und Christopher kehren freiwillig nach England zurück, werden sofort verhaftet und verhört. Die beiden erzählen ihre Geschichte: Susans Mutter erschoss den Vater, Susan darauf im Streit ihre Mutter. Gemeinsam vergruben sie die Eltern im Garten. Doch im weiteren Verlauf der Verhöre beginnt sich eine andere Geschichte abzuzeichnen.

Ich finde

True-Crime ist normalerweise nicht mein Ding. Die übliche Doku-Fiktion-Erzählweise mit pensionierten Ermittlern, Fernsehclips, nachgespielten Szenen und einer bedeutungsschwangeren Off-Stimme vermag mich nicht zu packen.

Ganz anders bei «Landscapers», das diese Geschichte der Edwards in einer aussergewöhnlichen Art nacherzählt (Spoiler! BBC Artikel nach dem Gerichtsurteil 2014; Wikipedia – Aber auch wenn man die Geschichte im Voraus kennt, schmälert das den Genuss der Serie in keiner Weise).

Da ist zum einen dieses äussert wunderliche Paar. Susan und Chris versichern sich immer wieder ihrer gegenseitigen Liebe. Es scheint, keiner könnte ohne den anderen leben, denn die wirkliche Welt ist nicht für sie geschaffen. Gemeinsam flüchten sie gerne in die Traumwelt von Filmen, Western etwa, am liebsten mit Gary Cooper. Susan gibt viel Geld aus, das sie eigentlich nicht haben, für Gary Cooper-Memorabilien. Oder auch französische Filme mit Gérard Depardieu, mit dem sie eine Brieffreundschaft zu pflegen scheinen.

Zum anderen fasziniert die Inszenierung. Die Grenzen zwischen Realität und der Fantasiewelt der Edwards verschwimmen immer wieder. Dass Szenen aus ihren Lieblingsfilmen eingeflochten werden, ist fast erwartbar. Hier werden aber Kulissen klar als solche kenntlich gemacht und bespielt. Oder die vierte Wand wird unvermittelt aufgebrochen, wenn die ermittelnde Kommissarin im Verhörraum aufsteht, durchs Filmset läuft und im Schlafzimmer der Eltern die Schauspieler:innen auffordert, sie sollen die Szene nachspielen, wie die Schüsse fielen.

Zum dritten sind da die Schauspieler. Olivia Colman und David Thewlis sind schlicht überragend. Sie, die – vermeintlich? – weltfremde, fragile Ehefrau, nahe am Zusammenbruch in der Zelle, weil sie getrennt ist von ihrem Mann, und scheinbar naiv im Verhör. Er, der wohlüberlegte Beschützer, der präzise ausgerechnet hat, wie das Paar einigermassen ungeschoren davon kommt, am Ende dann aber doch im Verhör nicht ganz standhält und überfordert ist.

Mit diesem Mix wird «Landscapers» zum Vierteiler, der einen nicht loslässt bis zum Schluss.

Wie viele Sterne gibst du «Landscapers»?

Besetzung: Olivia Colman | David Thewlis | Kate O’Flynn | Samuel Anderson | Daniel Rigby
Showrunner: Ed Sinclair
Genre: True-Crime | Krimi
GB/USA, 2021

Dopesick (Mini-Serie)

Läuft bei: Disney+ (Mini-Serie, 8 Episoden à 60 Min.)

Richard Sackler (Michael Stuhlbarg), Mitglied des Sackler-Clans, dem die Firma Purdue Pharma gehört, will das Schmerzmittel Oxycontin zum Blockbuster seiner Firma machen. Skrupellos pusht er den Verkauf des Opioids mit falschen Behauptungen, u.a. dass das Mittel fast gar nicht süchtig mache.

In einer kleinen Minenstadt in den Appalachen überzeugt ein Purdue-Verkäufer den Landarzt Sam Finnix (Michael Keaton) seinen Patienten Oxycontin zu verschreiben. Das Mittel wirkt zuerst Wunder, bis es sein Suchtpotenzial entfaltet. Patient:innen sterben, auch Finnix wird süchtig.

Parallel dazu beginnen eine DEA-Beamtin (Rosario Dawson) und zwei Staatsanwälte (Peter Sarsgaard und John Hoogenakker) eine Ermittlung gegen Purdue, als die Zahl der Todesopfer durch Oxy rapide steigt.

Ich finde

«Dopesick» ist von der ersten bis zur letzten Episode packend. Basierend auf dem Sachbuch von Beth Macy schildert die Serie auf den verschiedensten Ebenen den Kampf von Abhängigen gegen ihre Sucht, von Beamten gegen das Versagen der Kontrollinstanzen, von Staatsanwälten gegen eine übermächtige Pharmafirma. Getragen werden die verschiedenen Erzählstränge von starken Hauptfiguren.

Michael Keaton bekam sehr zu Recht den Golden Globe für seine Rolle als Sam Finnix. Ein Landarzt, der eigentlich unverschuldet in die ganze Drogenkrise reinschlittert und am Schluss nicht nur selber Opfer ist, sondern auch Täter. Er muss damit leben, dass er den Tod von Patient:innen zumindest mitzuverantworten hat.

Faszinierend ist aber vor allem Michael Stuhlbarg als Richard Sackler. Er ist skrupellos, wirkt aber immer sehr bedächtig. Er scheint unfähig, Empathie zu empfinden, kann sich aber gut in andere einfühlen, wenn es darum geht, seine eigenen Ziele mit Intrigen und Geldgeschenken durchzusetzen.

Sein Sprachgestus und seine Mimik sind schon leicht gruselig. Dass er (bis jetzt) keinen Preis für seine Rolle bekam, liegt wohl daran, dass die gespielte Figur halt zu sehr ein Ausbund an Unmenschlichkeit ist.

Leicht anstrengend ist einzig, dass die Serie verschiedene Zeitebenen ziemlich wild wechselt. Und manchmal ist bei aller Anteilnahme an menschlichen Schicksalen doch eine Spur zu viel Pathos mit dabei.

Auch wenn die Serie eine fiktionalisierte Darstellung der US-amerikanischen Opioid-Krise ist, fragt man sich am Schluss, wie korrupt und kaputt ein System ist, das für Milliardengewinne einer Firma auch mal Hunderttausende Todesopfer in Kauf nimmt. Dass die Familie Sackler heute zwar geächtet ist, aber völlig ungeschoren davon kam und immer noch ein Milliardenvermögen besitzt, lässt einen auch am Justizsystem zweifeln.

Besetzung: Michael Keaton | Peter Sarsgaard | Michael Stuhlbarg | Rosario Dawson | Kaitlyn Dever | John Hoogenakker
Created by: Danny Strong
Genre: Drama | True-Crime
USA, 2022