Vikings: Valhalla (Staffel 2) – Viel Blut, viele Tränen und eine:r reist nach Valhalla

Serienposter mit Schriftzug. Zwei Männer und eine Frau mit Schwertern und Äxten bewaffnet stehen in einer winterlichen Landschaft.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (2 Staffeln, 16 Episoden à 45 Min.)

=> «Vikings Valhalla» Staffel 1

Üblicherweise verbinden wir Wikinger mit nördlichen Gefilden, allenfalls mit ihren Reisen nach Westen, wo sie Island besiedelten und Amerika entdeckten. Auf eine andere Route führt uns die zweite Staffel von «Vikings: Valhalla», nach Osten und in den Süden.

Harald will den Thron

Nach der Schlacht um Kattegat haben sich Freydis (Frida Gustavsson) und Harald (Leo Suter) zurückgezogen und leben versteckt im Wald. Harald träumt aber immer noch davon, König von Norwegen zu werden. Deshalb will er zurück nach Kattegat.

Dort ist Haralds Bruder Olaf (Jóhannes Haukur Jóhannesson) als Verlierer der Schlacht eingekerkert. Doch anstatt den Vikinger hinzurichten, macht ihn der siegreiche Forkbeard zur rechten Hand und Beschützer seines Enkels, den er als neuen König von Norwegen proklamiert. Forkbeard nimmt allerdings Olafs Sohn als Geisel, um sicherzustellen, dass Olaf nicht auf dumme Gedanken kommt.

Zwei bärtige Männer und Frau bewaffnet mit Pfeil und Bogen wandern durch eine hügelige Landschaft.
Nur zu Beginn sind Freydis (Frida Gustavsson), Harald (Leo Suter) und Leif (Sam Corlett) gemeinsam unterwegs. Bald trennen sich ihre Wege. © Netflix

Da Harald für den neuen König eine Bedrohung darstellt und Olaf ja sowieso noch eine Rechnung mit ihm offen hat, lässt er nach seinem Bruder suchen. Nur knapp entkommen Harald und Freydis den Häschern von Olaf. Das verdanken sie Leif Erikson (Sam Corlett), der sie noch rechtzeitig warnen kann.

Die Suche nach den alten Göttern und neuen Reichtümern

Die drei fliehen, trennen sich allerdings. Freydis reist nach Jomsborg, wo die Wikinger, die dem alten Glauben treu geblieben sind, Schutz finden vor der Verfolgung durch ihre christianisierten Stammesgenossen. Doch der Herrscher von Jomsborg ist keineswegs nur ein Gutmensch. Er beutet die Schutzsuchenden hemmungslos aus, was Freydis nicht hinnehmen will und selber in Gefahr gerät.

Leif begleitet Harald zuerst nach Novgorod, wo Harald die Unterstützung seines Onkels sucht, um mit einer Armee seinen Anspruch auf den Thron durchzusetzen. Da er ihm nicht helfen kann oder will, reisen Harald und Leif mit einer illustren Schar auf einem Schiff weiter nach Konstantinopel. Eine Reise voller Gefahren und unliebsamer Überraschungen.

Drei junge Frauen blicken wütend auf einen gefesselten Mann. Eine Frau hält ein blutiges Messer in der Hand.
Mit auf dem Schiff nach Konstantinopel: Versklavte Frauen, die sich an ihrem Peiniger rächen werden. © Netflix

Der letzte Schauplatz ist London. Dort wartet Königin Emma (Laura Berlin) auf die Rückkehr ihres Mannes vom Schlachtfeld. Ihre Situation ist in Abwesenheit des Königs nicht ungefährlich, man trachtet ihr nach dem Leben. Earl Godwin (David Oakes) verhindert einen Giftanschlag auf die Königin. Doch sie hegt Zweifel an Godwins Loyalität, nicht ganz unberechtigt, wie sich zeigen wird.

Die Fehden werden persönlicher

Mit Freydis und ihrer Reise nach Jomsborg wird immer noch das Thema der Spaltung der Wikinger in Christi:nnen und Anhänger:innen des alten Glaubens weiterverfolgt. Allerdings sind die Fehden und Kämpfe auf einer viel persönlicheren Ebene angelangt.

Mehrere Frauen auf einem Platz. Eine schwangere Frau hält ihre Hände unter dem gewölbten Bauch.
Freydis verschweigt Harald, dass sie ein Kind bekommt von ihm. Der Sohn wird in Jomsburg geboren und ihr weggenommen. © Netflix

Freydis kämpft nicht nur gegen die Unterjochung der Flüchtlinge in Jomsburg. Sie kämpft vor allem für ihren neugeborenen Sohn, wenn sie gegen den brutalen Herrscher von Jomsburg antritt. Leif wird verfolgt vom Geist seiner verlorenen Liebe und findet eine neue. Und nicht zuletzt schmiedet Godwin seine hinterhältigen Pläne, um das Unrecht, das seiner Familie angetan wurde, zu tilgen.

Da ist also alles drin: Liebe, Kampf und Intrige. Es fliesst viel Blut und viele Tränen. Am Ende wird eine der bisherigen Hauptfiguren seitlich mit einem Speer aufgespiesst und nach Valhalla geschickt. Spannung genug also, um die Reise der Wikinger interessiert weiter zu verfolgen.

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0 Stimmen

Besetzung: Sam Corlett | Leo Suter | Frida Gustavsson | Jóhannes Haukur Jóhannesson | David Oakes | Laura Berlin | Bradley Freegard
Serie entwickelt von: Jeb Stuart
Genre: Historie | Abenteuer
USA, 2023

La vita bugiarda degli adulti (Staffel 1) – Erwachsen werden ist verdammt anstrengend

Serienposter mit Schriftzug. Eine Frau mit dem Rücken zur Kamera. Sie zeigt mit der einen Hand den Mittelfinger, in der anderen hält sie ein Armband.
4 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (1Staffel, 6 Episoden à 50 Min.)

Zurück in die Pubertät. Wie geht es euch, wenn ihr euch das vorstellt? Werden da die glücklichen Erinnerungen an die erste Liebe wach? Dieses geile Gefühl, rebellisch zu sein? Oder mehr die Ohnmacht des Unverstanden-Seins und der Einsamkeit, die daraus resultiert?

Die anstrengenden und faszinierenden Jahre der Pubertät

Ich würde ein solches Angebot, in die frühe Jugend zurückzukehren, dankend ablehnen. Bei allen guten Momenten: In der Summe viel zu anstrengend, all diese Kämpfe und Krämpfe noch einmal zu durchleben.

Dass es aber eine faszinierende Zeit ist, zeigt «La vita bugiarda degli adulti» («Das lügenhafte Leben der Erwachsenen») eindrücklich. Basierend auf Elena Ferrantes gleichnamigem Roman von 2019 begleitet die Serie über drei Jahre die anfänglich 13-jährige Giovanna.

Eine junge Frau sitzt auf einer Mauer. Im Hintergrund sonnenbeschienene Häuserfassaden. Neben ihr eine Tasche und leere Flaschen.
Aufzuwachsen ist manchmal ein einsamer Prozess, auch für Giovanna (Giordana Marengo). © Eduardo Castaldo / Netflix
Die Verlogenheit des Elternhauses

Giovanna (Giordana Marengo) lebt Mitter der 1990er-Jahre als Einzelkind bei ihren Eltern in Neapel. Nella (Pina Turco) und Andrea (Alessandro Preziosi) sind linke Intellektuelle, die zur gehobenen Mittelschicht gehören. Hier fangen die Lügen aber schon an. Links reden und wählen sie, besuchen auch gerne das Fest, wo die Kommunisten mit roten Flaggen in der Hand Kampflieder singen. In Tat und Wahrheit haben die Eltern aber mit den Arbeiter:innen wenig am Hut.

Das zeigt sich in der eigenen Familie. Giovannas Tante Vittoria (Valeria Golino) lebt im ärmlichen Quartier der Stadt. Der Vater hat den Kontakt zu seiner Schwester schon lange abgebrochen. Als Giovanna hört, wie er im Gespräch mit ihrer Mutter besorgt bemerkt, dass sie immer mehr seiner Schwester gleiche – hässlich und boshaft –, weckt das Giovannas Interesse.

Die Tante schenkt ihr Freiheit

Sie besucht ihre Tante, die ihr ein völlig anderes Leben zeigt, das Giovanna sofort fasziniert. Sie bekommt Geld für eine Vespa, was natürlich Freiheit bedeutet. Aber gleichzeitig drängt sie ihre Tante in die Kirche, was Giovanna irritiert, denn zuhause ist Gott kein Thema.

Vier Frauen, die eng nebeneinander stehen.
Auch ihre Freundinnen sind von Giovannas Tante (2.v.l.) fasziniert. © Netflix

Die grösste Lüge der Erwachsenen aber ist die Liebe. Ein Thema, das die pubertierende Giovanna natürlich brennend interessiert. Vittoria erzählt ihr von ihrer grossen Liebe und besucht mit Giovanna sein Grab auf dem Friedhof. Nur, ganz so romantisch war diese Beziehung dann doch nicht, wie sich herausstellt.

Und ihre Eltern leben die grösste Liebeslüge. Nella kokettiert beim Abendessen unterm Tisch mit dem Gastgeber. Allerdings hat Andrea schon lange eine richtige Affäre mit der Gastgeberin. Es kommt zur Trennung und Giovanna hasst ihre Eltern dafür.

Findet die verletzliche Rebellin ihr Glück?

«La vita bugiarda degli adulti» erzählt atmosphärisch dicht, wie Giovanna in diesen Jahren des Erwachsenwerdens lebt, leidet und auch ein bisschen liebt. Ihre rebellische Reise durch die Jugendjahre ist voll von Episoden und Begegnungen, in denen sich zeigt, wie verletzlich sie eigentlich ist in ihrer Militärjacke, die sie eine Weile so gerne trägt. Und wie sie das Leben generell ziemlich überfordert.

Zwei Frauen und in der Mitte ein Mann.
Giovanna sucht die Anerkennung von Roberto (Giovanni Buselli), für den sie schwärmt, der aber schon vergeben ist. © Netflix

Immerhin, es scheint, dass sie am Schluss einen Weg in die Freiheit findet. Ob das Leben für Giovanna aber ein glückliches sein wird, mit all dem Ballast, den sie mitnimmt?

Zweifel sind angebracht, denn das Motto, das jeder Episode vorangestellt ist, ist ziemlich desillusionierend: «Wenn man klein ist, kommt einem alles belangvoll vor, wenn man gross ist, kommt einem alles belanglos vor.» Wofür also hat man denn den riesigen Stress mit diesem Erwachsenwerden?

PS: (K)Ein Vergleich mit «L’amica geniale»

Einen Vergleich mit den Büchern oder der hochgelobten Serie «L’amica geniale», die auf Ferrantes «Neapolitanischer Saga» beruht, kann ich leider nicht leisten. Ich habe sie nicht gelesen und die Serie nicht gesehen.

Eine zuverlässige Quelle sagt mir aber, dass «La vita bugiarda degli adulti» nicht ganz so stark ist wie «L’amica geniale», was aber schon in den Büchern so sei.

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0 Stimmen

Besetzung: Giordana Marengo | Valeria Golino | Alessandro Preziosi | Pina Turco | Azzurra Mennella | Raffaella Rea | Giuseppe Brunetti | Maria Vera Ratti
Genre: Drama
ITA, 2023

Slow Horses (Staffel 2) – Die Versager wachsen einem immer mehr ans Herz

Serienposter mit Schriftzug. Sechs Menschen gehen durch eine Strasse, hohe Hausmauern auf beiden Seiten.
4 von 5 Sternen

Läuft bei: Apple TV+ (2 Staffeln, 12 Episoden à 45 Min.)

=> «Slow Horses» Staffel 1: Der Spion, der aus der Abstellkammer kam

Ich bin mit der ersten Staffel dieser britischen Spionageserie nicht so richtig warm geworden. Aber die zweite hat sich einen Stern mehr verdient.

Das liegt vor allem daran, dass die Serie diesmal auch den Nebenfiguren mehr Platz einräumt und die Erzählstränge aufsplittet. Das macht es interessanter und stellt nicht nur den zerlumpten Chef Jackson Lamb (Gary Oldman) in den Mittelpunkt.

Ein Mann sitzt vor Waschmaschinen in einem Waschsalon.
Jackson Lamb (Gary Oldman) ist nicht im Waschsalon, um seine Kleidung zu waschen. Er nutzt den Ort nur für ein konspiratives Treffen. © Apple TV
Schlampig und scharfsinnig

Der trottet wie gewohnt im schäbigen Trenchcoat durch die Serie und trägt ein Hemd und eine Hose, die seit Wochen keine Waschmaschine mehr gesehen haben. Lamb ist aber der Einzige, der merkt, dass der Tod eines pensionierten Agenten nicht auf natürliche Ursachen zurückzuführen ist.

Auf dem Mobiltelefon dieses ehemaligen Kollegen findet er den entscheidenden Hinweis: Cicada. Damit sind nicht die Insekten gemeint, sondern ein Netz von russischen Schläferagent:innen, das offenbar aktiviert wurde.

Mission in der ländlichen Idylle

Eine erste Spur führt aufs Land. Lamb schickt River Cartwright (Jack Lowden) in ein Dorf in den Cotswolds, wo er mehr über einen kleinen Privatflugplatz herausfinden soll. Von hier aus operierte offenbar einer der russischen Schläfer.

Ein Mann und eine Frau auf einem Kieselweg vor einem Haus. Er hält einen Blumenstrauss in der Hand. Sie begrüsst ihn mit offenen Armen.
River (Jack Lowden) wird bei seiner Mission auf dem Lande herzlich empfangen von der lokalen Bevölkerung. Zumindest scheint es so. © Apple TV

Louisa Guy und Min Harper erhalten eine ganz andere Aufgabe, die zuerst keinen Zusammenhang mit den russischen Schläfern zu haben scheint. Sie werden etwas überraschend vom Hauptquartier angefordert, um ein geheimes Treffen des MI5 mit einem russischen Dissidenten abzusichern.

Einsätze im Feld für die Büromannschaft

Dahinter steckt der schleimige MI5-Karrierist James Webb (Freddie Fox). Er holt die Slow Horses nur an Bord, damit er einen Sündenbock hat, falsch etwas schiefläuft mit dem Treffen.

Auch der Rest des Teams im Slough House kommt zu seinen Einsätzen. Lambs Assistentin (Saskia Reeves) entpuppt sich als Schachmeisterin und kommt so zu wichtigen Informationen, während Shirley (Aimee-Ffion Edwards) und Computernerd Roddy (Christopher Chung) zuerst elektronisch einen der Schläfer aufspüren und ihn dann im Feld verfolgen.

Eine Frau sitzt an einem Schachbrett und zieht eine weisse Figur.
Catherine (Saskia Reeves) bedient sich einer ungewöhnlichen Methode, um sich Informationen zu beschaffen. © Apple TV
Die Versager wachsen ans Herz

Die Story etwas komplexer, mehr Action als zuvor und eben mehr Scheinwerferlicht auf dem Rest der Slow Horses. Dazu noch ein Mord, dem ein Mitglied von Lambs Team zum Opfer fällt.

Die zweite Staffel hat einen Gang höher geschaltet. Das macht sie unterhaltsamer. So langsam wachsen einem die Versager aus dem Slough House ans Herz und man fiebert immer mehr mit ihnen mit.

Wie viele Sterne gibst du «Slow Horses» (Staffel 2)?
1 Stimme

Besetzung: Gary Oldman | Jack Lowden | Kristin Scott Thomas | Saskia Reeves | Rosalind Eleazar | Christopher Chung | Dustin Demri-Burns | Aimee-Ffion Edwards | Jonathan Pryce
Genre: Thriller | Komödie
GB, 2022

Totenfrau (Staffel 1) – Eine Racheengel in den Alpen

Serienposter mit Schriftzug. Eine Frau von hinten mit Lederjacke und Motorradhelm. Sie steht vor einer Berglandschaft.
4 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 6 Episoden à 50 Min.)

Seit der Schweizer Krimiserie «Wilder» wissen wir, dass es in den Alpen keineswegs nur friedlich und harmonisch zu und hergeht. Die «Totenfrau» hievt das Ausmass an Gewalt und Mord vor der Kulisse der Tiroler Bergwelt aber auf ein neues Level.

Leichen pflastern die Alpen

«In drei Wochen hatten wir jetzt mehr Tote als in den letzten 20 Jahren», stellt ein Polizist im scheinbar friedlichen Dorf Bad Annenhof konsterniert fest. Und dabei weiss er nicht mal von allen, denn einige Leichen hat die Polizei noch gar nicht gefunden – und wird sie wohl auch nie.

Der erste Tote ist aber ein klarer Fall und liegt schon nach wenigen Minuten der ersten Episode auf der Strasse. Der Polizist Mark Thaler (Maximilian Kraus) verabschiedet sich noch liebevoll von seiner Frau (Anna Maria Mühe), steigt aufs Motorrad und kollidiert Sekunden später mit einem schwarze Range-Rover.

Ein Mann und eine Frau kurz bevor sie sich küssen. Sie hält sein Kinn in ihrer Hand.
Ein Abschied für immer: Blum (Anna Maria Mühe) und ihr Mann Mark (Maximilian Kraus). © Netflix

Ein schrecklicher Unfall mit Fahrerflucht, so sieht zuerst aus. Doch allmählich verdichten sich die Anzeichen, dass es ein Mord war. Marks Frau Blum, die sich nur mit ihrem Nachnamen ansprechen lässt, weil sie ihren Vornamen Brünhilde hasst, entdeckt auf dem Handy ihres Mannes Mitteilungen, die sie zu einer jungen Frau führen.

Die Handwerkskunst der Bestatterin zahlt sich aus

Dunja (Romina Küper) hat Schreckliches erlebt. Sie wurde mit zwei weiteren Frauen von vier Männern brutal gequält und misshandelt. Die anderen beiden sind tot, sie konnte fliehen. Mark hatte Dunja versteckt, da die Täter offenbar ziemlich mächtig sind und viel Einfluss haben.

Weil diese Männer wohl auch für Marks Tod verantwortlich sind, begibt sich Blum auf einen Rachefeldzug. Den ersten findet sie schnell. Edwin Schönborn (Shenja Lacher), Spross der einflussreichsten Familie des Orts.

Blum kidnappt ihn, um die Namen der anderen aus ihm herauszupressen. Dummerweise stirbt Edwin dabei. Da kommt Blum ihr Beruf sehr gelegen. Sie ist Bestatterin und hat deshalb keine Schwierigkeiten, die Leiche verschwinden zu lassen. Es wird nicht die letzte sein.

Eine Frau mit Gesichtsschutz und einem Werkzeug in der Hand blickt auf den Kopf einer Leiche.
Im Normalfall benutzt Blum die Knochensäge nicht bei ihrer Arbeit. Aber sie kommt sehr gelegen, um Leichen zu zerkleinern. © Netflix
Die Mühe lohnt sich

Mit dem Setting in den Bergen und dem Beruf der Protagonistin könnte man meinen, da habe sich jemand bei den beiden Schweizer Krimis «Wilder» und «Der Bestatter» bedient. Aber der Roman von Bernhard Aichner, auf dem die Serie beruht, ist schon vor den beiden Serien erschienen.

Es gibt auch sonst wenig Gemeinsamkeiten. Aichners «Totenfrau» ist schwerere Kost. Die Verbrechen sind grausamer, aber zum Glück nur andeutungsweise zu sehen. Die menschlichen Abgründe, die zu Tage treten, einiges tiefer. Das geht unter die Haut, vor allem dank der hervorragenden Anna Maria Mühe.

Ihr kauft man alles ab. Ihre Wut über den Tod ihres Mannes, ihr Hartnäckigkeit, mit der sie den Mördern nachstellt, ihre Kaltblütigkeit, wie sie die Leichen zerstückelt.

Ein bisschen konstruiert, aber dennoch sehr gelungen

Das macht ein wenig vergessen, dass anderes konstruiert wirkt und wenig originell. Die Famile der Schönborns etwa, die ihre Macht als Freipass verstehen, sich nur an ihre eigenen Regeln halten zu müssen. Oder der kauzige Bauer, der den Schönborns Paroli bot und dafür einen hohen Preis bezahlte.

Ein Polizist und eine Frau stehen sich gegenüber. Im Hintergrund eine rote Sofagruppe mit Pflanzen.
Mit der Zeit schöpft der Polizeichef (Robert Palfrader) Verdacht und nimmt Blum ins Visier. ©

Über allem ragen irgendwie die Berggipfel, zu denen sich eine Passstrasse hoch schlängelt, die man immer wieder sieht. Das soll vielleicht die verschlungenen Wege der menschlichen Seele symbolisieren, bleibt aber letztlich nur eine, wenn auch schöne, Kulisse.

Zu viel zu mäkeln, wäre aber ungerecht. Die «Totenfrau» ist ein gelungener Krimi mit einigen unerwarteten Wendungen. Spannend ist jetzt die Frage, ob die angedeutete Fortsetzung realisiert wird. In Buchform liegt sie schon vor: «Totenhaus» ist der zweite Teil von Aichners Trilogie über die Bestatterin Blum.

Wie viele Sterne gibst du «Totenfrau» (Staffel 1)?
2 Stimmen

Besetzung: Anna Maria Mühe | Felix Klare | Yousef Sweid | Shenja Lacher | Robert Palfrader | Simon Schwarz | Gregor Bloéb | Michou Friesz | Gerhard Liebmann | Romina Küper
Serie entwickelt von: Barbara Stepansky | Wolfgang Mueller | Benito Mueller
Genre: Krimi
D / OE, 2023

Shantaram (Staffel 1) – Ein Aussie sucht im Slum sein Glück

Serienposter mit Schriftzug.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Apple TV+(1 Staffel, 12 Episoden à 50 Min.)

Muss man mit «Shantaram» hart ins Gericht gehen? Eine Geschichte zu erzählen, die in Bombay spielt, aber fast ausschliesslich mit Weissen besetzt ist, riecht schon massiv nach kolonialistischer Sichtweise. Dass die meisten Einheimischen zudem durchgehend korrupt sind, machts auch nicht besser.

Jetzt kann man der Serie zugutehalten, dass sie auf einem Buch basiert, das auf tatsächlichen Ereignissen beruht und nicht heute, sondern in den 1980er-Jahren spielt. 2003 veröffentlichte der australische Autor Gregory David Roberts seinen Roman «Shantaram», der auf grosse Resonanz stiess.

Auf der Suche nach dem Neuanfang

Roberts schildert darin, wie er 1980 aus einem australischen Gefängnis ausbrach, wo er wegen mehrerer Überfälle sass, und nach Bombay floh. Was er dort erlebte, erzählt er in seinem Buch. Allerdings sagt er selber, vieles sei erfunden, vor allem die Figuren.

Ein Mann mit zerschlagenem Gesicht in einem Gefängnis.
Dale (Charlie Hunnam) wird von der Polizei im Gefängnis gefoltert. © Apple TV

Letztlich bleibt es zwar die Sicht eines Weissen Mannes auf das Leben in einer Stadt, wo er mehr unter Expats verkehrt als unter Einheimischen. Aber Roberts geht es weniger um die fremde Kultur. Dass er in Bombay landet, ist auch ein wenig Zufall. Er suchte auch nicht wie die Beatles bei ihrem Yogi eine Heilslehre (obwohl er etwas Ähnliches fand), sondern schlicht einen Neuanfang für sein verkorkstes Leben.

Seine Geschichte ist ein Ego-Trip, und zwar ein sehr ungewöhnlicher. Das zeigt sich schon, als Dale Conti (Charlie Hunnam), wie die Hauptfigur in der Serie heisst, noch in Melbourne im Knast sitzt.

In Australien gefoltert

Ein sadistischer Polizist foltert Dale, um den Namen eines Mittäters aus ihm rauszupressen. Als das nichts fruchtet, tut der Polizist so, als habe Dale kooperiert. Das bringt ihn in Lebensgefahr. Dale muss ausbrechen, bevor ihn die Mitinsassen abmurksen.

Mit einem falschen Pass reist Dale als Lin Ford nach Bombay, wo er die Bekanntschaft einer Reihe illustrer Figuren macht. Allen voran Karla (Antonia Desplat), eine mysteriöse Frau, die mit dem afghanischen Gangsterboss Khader Khan (Alexander Siddig) zusammenarbeitet.

Eine Frau mit weissem Kopftuch lehnt sich an eine Wand an.
Die Wege von Lin und Karla (Antonia Desplat) kreuzen sich immer wieder in Bombay. © Apple TV

Karlas Freundin Lisa ist eine heroinsüchtige Prostituierte, die von der Bordellbesitzerin Madame Zhou (Gabrielle Scharnitzky) festgehalten wird. Lin hilft Karla, Lisa freizubekommen, was für ihn allerdings fatale Konsequenzen hat. Zhous Schlägertrupp verprügelt ihn und raubt ihm sein Geld und den Pass.

Glücklich im Slum

Ohne Pass und Geld muss Lin untertauchen. Da hilft ihm sein indischer Fremdenführer Prabhu (Shubham Saraf), der immer mehr zum Freund wurde. Er bringt ihn zu sich nachhause ins Slum von Sagar Wada. Hier macht sich Lin nützlich mit seinen Kenntnissen als Sanitäter und wird zum Slum-Doktor.

Zwei Männer stehen vor Wellblechhütten.
In Sagar Wada findet Lin nicht nur Freunde, sondern auch einen Sinn. © Apple TV

Das wäre ja eigentlich sein Ziel: mit guten Taten die Schuld aus seiner Vergangenheit zu tilgen. In Sagar Wada könnte Linbaba, wie man ihn dort nennt, vielleicht sogar glücklich werden. Doch äussere Umstände verhindern das.

Lin gerät zwischen die Fronten eines Bandeskriegs und ins Visier der Polizei, da sein australischer Peiniger inzwischen herausgefunden hat, wohin er geflüchtet ist.

Eine etwas ausufernde Geschichte

Es gibt noch einige Nebengeschichten, die «Shantaram» in den knapp zwölf Stunden der ersten Staffel erzählt. Am bezauberndsten ist wohl, wie Prabhu um Parvati wirbt. Es ist die interessantere Liebesgeschichte als die ziemlich absehbare zwischen Lin und Karla.

Ein Mann lehnt sich aus dem Fenster eines Autos.
In Prabhu (Shubham Saraf) findet Lin einen Freund, dem er immer vertrauen kann. © Apple TV

Dennoch verliert sich die Serie zwischendurch im Figurengestrüpp und es ist nicht mehr so ganz nachvollziehbar, wer jetzt im Mittelpunkt der Geschichte steht. Ein bisschen Straffung hätte «Shantaram» sicher gutgetan.

Vor allem auch angesichts der Tatsache, dass mit der ersten Staffel erst rund ein Viertel des Romans erzählt ist. So erfährt man bis zum Schluss nicht, woher der titelgebende Name stammt. Die Bezeichnung als «Mann des Friedens» erhält Lin wohl frühestens in der zweiten Staffel.

Wie viele Sterne gibst du «Shantaram» Staffel 1?
1 Stimme

Besetzung: Charlie Hunnam | Fayssal Bazzi | Antonia Desplat | Elektra Kilbey | Shubham Saraf | Rachel Kamath | Alexander Siddig | Elham Ehsas
Serie entwickelt von: Eric Warren Singer | Steve Lightfoot
Genre: Drama | Abenteuer
USA, 2022

Jack Ryan (Staffel 3) – Der Mann, der den Atomkrieg verhindert

Serienposter mit Schriftzug. Ein Mann steht auf dem Bahnsteig, im Hintergrund ein Zug.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Amazon (3 Staffeln, 24 Episoden à 50 Min.)

Wenn’s spukt, holt man die Ghostbusters. Und wen holt man bei einer internationalen Krise, die zu einem Atomkrieg ausufern könnte? Jack Ryan! Der CIA-Mann, der alle Probleme im Alleingang löst. Wobei man ihn selten rufen muss. Er ist meist vor allen anderen da, weil er den Riecher hat für brenzlige Situationen.

Russische Hardliner planen den Krieg

Diesmal ist Jack (John Krasinski) auf der Spur eines russischen Geheimprojekts namens Sokol. Ursprünglich war das ein Projekt zur Entwicklung einer kleinen Atombombe aus den 60er-Jahren. Sokol wurde aber terminiert, wie auch die Wissenschaftler, die daran arbeiteten.

Ein Mann mit Rucksack zu Fuss unterwegs.
Jack Ryan (John Krasinski) muss sich oft im Alleingang durchkämpfen, weil er nicht in offizieller Mission unterwegs ist. © Amazon Studios

Jetzt holt eine abtrünnige Fraktion innerhalb der russischen Regierung das Projekt wieder aus der Schublade. Ihr Ziel: Auf Nato-Gebiet eine kleine Atombombe zu zünden, das der Nato in die Schuhe zu schieben, um so einen Krieg anzuzetteln, bei dem die Russen in sieben Tagen an den Rhein vorstossen wollen (eine historisch belegte Strategieüberlegung des Warschauer Pakts). Am Ende soll das alte Sowjetreich aus der Asche auferstehen.

Gejagt von allen Seiten

Aber eben: Jack Ryan ist ihnen auf den Fersen. Allerdings unter erschwerten Bedingungen. Der CIA-Chef in Langley ist ein typischer Bürokraten-Hasenfuss, der keine Ahnung hat, und Jack deshalb zurückpfeift. Was dieser geflissentlich ignoriert und deshalb von den eigenen Leuten gejagt wird.

Ganz alleine muss es Jack aber doch nicht mit den bösen Russen aufnehmen. James Greer (Wendell Pierce) und Mike November (Michael Kelly), zwei alte CIA-Kumpels, halten zu ihm. Auch seine neue Vorgesetzte Elizabeth Wright (Betty Gabriel) schlägt sich nach einigem Zögern auf seine Seite.

Zwei Männer in Kampfmontur und mit Waffen in den Händen vor einem Hubschrauber.
Mike (Michael Kelly) und Jack räumen schwer bewaffnet die Bösen aus dem Weg. © Amazon Studios

Wie es ausgeht, kann man sich denken. Aber man muss der Serie zugestehen, dass der Weg dahin spannend ist: reichlich Action und einige Rettungsaktionen in letzter Sekunde.

Ohne Amerika wäre die Welt verloren

Warnen muss man allerdings vor dem Weltbild, das der Serie zugrunde liegt, falls jemand Tom Clancy nicht kennt, auf dessen Büchern die Jack Ryan-Serie basiert. Die ist simpel und kennt keine Schattierungen: Die Vereinigten Staaten sind das beste Land der Welt und sie wissen, was für den Rest der Welt gut ist.

Deshalb macht auch die tschechische Präsidentin Kovac (Nina Hoss) keine besonders gute Figur. Nur dank der Hilfe der Amis kann sie ihre Verwicklungen in den ganzen Plot einigermassen unbeschadet überstehen.

Ein Mann und eine Frau geben sich die Hand. Im Hintergrund ein Sicherheitsbeamter und die tschechische Flagge.
Ohne die Unterstützung von Jack Greer (Wendell Pierce) wäre Präsidentin Kovac (Nina Hoss) aufgeschmissen. © Amazon Studios
Das Muster wiederholt sich – wie lange noch?

Wer sich also am völlig selbstverständlichen imperialistischen Gehabe der US-Amerikaner stört, den wird die Serie von A bis Z nerven. Wenn man das ausblenden kann, gibt’s gute Unterhaltung.

Ob das Muster dieser Serie noch lange funktioniert, scheint aber zweifelhaft. Nur den Schauplatz zu wechseln, wie das in den drei vorliegenden Staffeln passierte, reicht irgendwann nicht mehr, wenn am Ende doch immer dieselbe Geschichte erzählt wird. Aber die Figur des Jack Ryan weiterzuentwickeln, ist wohl auch keine Option. Er ist so simpel gestrickt wie das Weltbild, das er vertritt …

Wie viele Sterne gibst du «Jack Ryan» Staffel 3?
11 Stimmen

Besetzung: John Krasinski | Wendell Pierce | Michael Kelly | Nina Hoss | Peter Guinness | Alexej Manvelov | James Cosmo | Betty Gabriel
Serie entwickelt von: Carlton Cuse | Graham Roland
Genre: Thriller | Action
USA, 2022

Mythic Quest (Staffel 3) – Die Nerds begeistern weiter

Serienposter mit Schriftzug. Mehrere Personen in einer Art weissen Röhre, die sich zu drehen scheint.

Läuft bei: Apple TV+ (3 Staffeln, 30 Episoden à 30 Min.)

Auch mit der dritten Staffel überzeugt die Arbeitsplatzkomödie «Mythic Quest» immer noch ausgesprochen gut. Die Serie behält ihr Erfolgsrezept bei: schnippische Dialoge, witzige Plots, vor allem aber: am Schluss der Staffel bleibt fast kein Stein auf dem anderen im Beziehungsnetz der Figuren und alle sind in ihrem Leben einen Schritt weiter.

Die Firma aus den Fugen

Für Einsteiger:innen oder zur Erinnerung: «Mythic Quest» ist ein sehr erfolgreiches Game (ein sogenanntes MMORPG), das sich der kreative Kopf Ian Grimm (Rob McElhenney) ausgedacht hat und seine Chefprogrammierin Poppy Lwanag (Charlotte Nicdao) umsetzt. Dabei geraten sich die beiden regelmässig in die Haare.

Ein Mann sitzt zurückgelehnt auf einem Bürosessel. Eine Frau massiert ihm die Schläfen.
David (David Hornsby) ist in dritten Staffel der neue Chef von Mythic Quest. Ohne seine Assistentin Jo (Jessie Ennis) wäre er aber völlig verloren. © Apple TV+

In der Firma arbeiten noch weitere eigenwillige Charaktere wie der skrupellose Brad (Danny Pudi), der den Spieler:innen das Geld aus der Tasche zieht, oder der harmoniebedürftige David (David Hornsby) mit seiner knallharten Assistentin Jo (Jessie Ennis). Und die beiden Testerinnen Dana (Imani Hakim) und Rachel (Ashly Burch), die zu einem Paar geworden sind.

Diese Konstellation war am Ende der zweiten Staffel völlig aus den Fugen. Ian und Poppy hatten genug und verliessen die Firma, Brad wanderte in den Knast, Dana und Rachel stiegen ebenfalls aus. David und Jo blieben zwar bei Mythic Quest, standen aber vor einem Scherbenhaufen.

Ian und Poppy im kreativen Zweikampf

Ein Jahr später treffen wir die Truppe jetzt wieder, mit Ausnahme von C.W. Longbottom (F. Murray Abraham). Der mittelmässige Sci-Fi-Autor, der Head Writer bei MQ war, wird zu Beginn mit einer rührenden Feier verabschiedet.

Ian und Poppy haben eine neue Firma gegründet, um gemeinsam und als gleichberechtigte Partner ihre Ideen in ein neues Spiel umzumünzen. Das funktioniert mehr schlecht als recht.

Eine Frau liegt auf dem Boden mit offenen Augen. Rundherum liegt Papierabfall. Im Hintergrund unscharf eine weitere Frau.
Erledigt vom zermürbenden Streit mit Ian: Poppy (Charlotte Nicdao) erleidet eine Snack-Überdosis. © Apple TV+

Ian kann seine Egozentrik nicht ablegen und Poppy reicht ihm in Sachen Kreativität nicht das Wasser. Zwischen den Fronten findet sich Dana, die eigentlich programmieren lernen will, aber meistens zwischen den beiden schlichten muss.

Alte Gesichter in neuen Rollen

Auch in bei MQ finden wir zwar alte Gesichter, aber in neuen Rollen. David ist der neue Chef, allerdings ziemlich überfordert in dieser Rolle. Seine Assistentin Jo gibt ihm zwar Ratschläge, wie er seine Leute führen soll.

Die sind aber meistens ein wenig zu radikal, weil Jo nur die Peitsche als Führungsinstrument kennt. Wie sie es allerdings in der letzten Episode schafft, Davids Autorität bei den Angestellten auf ungeahnte Höhen zu hieven, ist genial.

Brad ist auf Bewährung wieder aus dem Knast raus und übernimmt bei MQ wieder einen Job – als Hauswart. David kann das kaum glauben und vermutet hinter jeder Aktion von Brad einen Angriff auf seinen Job. Rachel schliesslich kommt unverhofft zu einem Topjob in der Firma. Sie übernimmt Brads alten Job und wird plötzlich zur Ultra-Kapitalistin.

Eine Frau und ein Mann im Gespräch. Im Hintergrund Bildschirme mit Grafikcharts.
Brad (Danny Pudi) führt Rachel (Ashly Burch) in die Geheimnisse ein, wie man Gamer:innen das Geld aus der Tasche zieht. Und Rachel lernt eine völlig neue Seite von sich kennen. © Apple TV+
Am Schluss ist wieder alles anders

Die Figuren und ihre Beziehungen werden also einmal kräftig durchgeschüttelt. Dieser Trick funktioniert. Obwohl wir dieselben Figuren vorgesetzt bekommen, die wir über die Zeit durchaus liebgewonnen haben, werden nicht die ewig gleichen Geschichten erzählt. So kommt keine Langeweile auf, im Gegenteil, der Spass bleibt auf dem Niveau der vorigen Staffeln.

Man kann davon ausgehen, dass das auch für die vierte und eventuell letzte Staffel gelten wird. Denn am Schluss sind fast alle wieder an einem anderen Ort als am Anfang. Und man kann sich schon ein wenig ausmalen, in welcher Konstellation die MQler aufeinander prallen werden.

Wie viele Sterne gibst du «Mythic Quest»?
2 Stimmen

Besetzung: Rob McElhenney | Charlotte Nicdao | Ashly Burch | Jessie Ennis | Imani Hakim | David Hornsby | Danny Pudi | F. Murray Abraham | Naomi Ekperigin
Serie entwickelt von: Charlie Day | Megan Ganz | Rob McElhenney
Genre: Komödie
USA, 2022

The Witcher: Blood Origin (Mini-Serie) – Für Hardcore-Fans und Fantasy-Buffs

Serienposter mit Schriftzug. Drei Personen. Sie tragen lange Kleider und Waffen.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (Mini-Serie, 4 Episoden à 45 Min.)

Das Prequel zur erfolgreichen «Witcher»-Reihe von Netflix bezieht ziemlich Haue von den Kritiker:innen. Das ist nicht ganz unverdient. Aber beginnen wir doch mit dem Positiven.

Klassische Fantasy-Quest

Die vierteilige Mini-Serie ist mit drei Stunden Laufzeit nur wenig länger als der durchschnittliche Kinofilm heutzutage. Diese Länge ist angemessen für die Geschichte, die geradlinig und ohne Schnickschnack erzählt wird. Was man nicht von jedem Film mit ähnlicher Länge behaupten kann 😜.

«The Witcher: Blood Origin» erzählt von sieben Figuren, die zusammenfinden, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Eine klassische Fantasy-Quest, aufbereitet wie aus dem Lehrbuch, ohne besondere Schwächen oder Stärken. Die Qualität der Produktion ist sehr ansehnlich, mit schönen Landschaften und ansprechenden Computergrafiken – für dieses Genre durchaus wichtig.

Sieben Figuren in einer Landschaft. Eine davon reitet auf einem Pferd. Felsen im Hintergrund. Hohes Gras neben dem Weg.
Vier Elfen-Krieger:innen, zwei Magier:innen und eine Zwergenkriegerin finden zusammen, um eine Aufgabe zu bewältigen. © Netflix
1200 Jahre vor Geralt von Riva

Das kann man sich zu Gemüte führen, wenn man Elfen, Magier und Zwerge mag, die eine böse Königin und ihren grössenwahnsinnigen Hofzauberer ausradieren wollen. Die sieben Kämpfer:innen (u.a. Michelle Yeoh) sind dabei die interessanteren Figuren als die Bösewicht:in. Die bleiben leider etwas allzu blass.

Fans der «Witcher»-Reihe sollten die Mini-Serie etwas höher priorisieren. Das Prequel spielt 1200 Jahre vor der Zeit, in der Geralt von Riva seine Abenteuer bestreitet.

Kein Türöffner für ein grosses Witcher-Universum

«The Witcher: Blood Origin» erklärt die Entstehung von zwei bedeutenden Ereignissen. Einerseits was die Sphärenkonjunktion verursachte, die verschiedene Universen zusammenführte und Monster und die Menschen in die Welt der Elfen und Zwerge brachte. Andererseits wird erzählt, wie die beiden Magier Syndril (Zach Wyatt) und Zacaré (Lizzie Annis) mit ihren Tränken den ersten Witcher erschufen.

Drei Elfen haben sich hinter einem Holztisch verschanzt und halten ihre Waffen bereit.
Fjall (Laurence O’Fuarain), Éile (Sophia Brown) und Scían (Michelle Yeoh) sind der harte Kern der Sieben. © Netflix

Ob das allerdings reicht, um die Fans zu begeistern? Es scheint eher nicht. Auch hier sind die Reaktionen mässig bis enttäuscht. «The Witcher: Blood Origin» sollte wohl so eine Art Türöffner werden, um aus der Welt des Witchers ein ähnlich grosses Fantasy-Universum zu schaffen, wie wir das von «Lord of the Rings» oder «Game of Thrones» kennen. Beide starteten letztes Jahr erfolgreich eine Prequel-Serie: «The Rings of Power» und «House of the Dragon».

Immerhin: Die Serie verkürzt das Warten auf Witcher 3

«The Witcher: Blood Origin» ist das nicht gelungen. Keiner der Charaktere zeigt das notwendige Potenzial, um an die Figur von Geralt von Riva heranzukommen. Deshalb bleibt «The Witcher: Blood Origin» lediglich ein Intermezzo, das die Wartezeit auf die dritte Staffel von «The Witcher» verkürzt. Diesen Anspruch erfüllt die Serie leidlich.

Eine Frau, die weiss geschminkt ist im Gesicht.
Nicht nur im Gesicht etwas blass, auch als böse Herrscherin von Xintrea überzeugt Merwyn (Mirren Mack) nicht so ganz. © Netflix

«The Witcher» Staffel 3 ist übrigens für diesen Sommer angekündigt. Es wird der Abschied sein von Henry Cavill als Geralt 😭. Er wird für die bereits angekündigte vierte Staffel abgelöst von Liam Hemsworth.

Und wem diese Wartezeit immer noch zu lang ist, kann es so machen wie ich. Ich wende mich dem PC-Game zu. «The Witcher: Wild Hunt» stand schon lange auf meiner Liste.

Wie viele Sterne gibst du «The Witcher: Blood Origin»?
7 Stimmen

Besetzung: Sophia Brown | Laurence O’Fuarain | Mirren Mack | Lenny Henry | Jacob Collins-Levy | Zach Wyatt | Michelle Yeoh | Minnie Driver | Lizzie Annis | Huw Novelli | Francesca Mills
Serie entwickelt von: Declan De Barra
Genre: Fantasy | Abenteuer | Action
USA / POL, 2022

Treason (Mini-Serie) – Holpriger Spionagethriller, der erst am Schluss überzeugt

Serienposter mit Schriftzug. Ein Mann im Anzug. Über seine Körper läuft ein roter Streifen, der den Big Ben auf dem Kopf zeigt.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (Mini-Serie, 5 Episoden à 45 Min.)

Die erste Irritation ist, dass Charlie Cox als stellvertretender MI6-Chef Adam Lawrence den Leuten beim Gespräch in die Augen schaut. Aber darüber kommt man schnell hinweg. Er trägt schliesslich kein Superheldenkostüm. Deshalb ist er klar erkennbar nicht als blinder «Daredevil» unterwegs, der der beste Marvel-Serienheld aus der Netflix-Ära war.

Drehbuch mit grossen Löchern

Schwieriger wird es, mit all den Ungereimtheiten im Drehbuch von «Treason», die noch folgen werden. Da gibt es Personenschützer, die das Haus von Adam und seiner Familie bewachen. Die merken aber nichts, wenn Adam und seine Frau Maddy (Oona Chaplin, die den Namen ihrer Grossmutter und unverkennbar die Gesichtszüge ihrer Mutter Geraldine trägt) nachts für ein paar Stunden rausschleichen.

Ein Mann im Anzug stehend vor einem Bildschirm. Zwei Männer sitzen rechts von ihm an einem Tisch.
Adam Lawrence (Charlie Cox) muss unverhofft den MI6 als C (für «Control») übernehmen. © Netflix

Als Adams Tochter entführt wird, sucht zwar das MI6 und die ganze Metropolitan Police nach ihr. Er schafft es allerdings im Alleingang sie durch ein dubioses Tauschgeschäft wieder freizubekommen. Es fragt im Nachhinein aber keine Sau, wie ihm das gelungen ist.

Die Vergangenheit holt Adam ein

Es gäbe noch mehr Beispiele, die zeigen, wie holprig diese Spionagegeschichte vor allem in den ersten drei Episoden konstruiert ist. Aber mal zurück zum Anfang: Worum geht’s überhaupt?

Nach einem Anschlag auf den MI6-Chef Sir Martin Angelis (Ciarán Hinds) wird Adam interimistisch Chef der britischen Auslandsspionage. Das war genau die Absicht der Attentäterin. Kara Yerzova (Olga Kurylenko) ist nicht nur eine ehemalige russische Agentin, sondern war auch vor Jahren Adams Geliebte.

Eine Frau mit Rucksack kauert neben einer Mauer und schaut aufmerksam in Richtung Kamera.
Ist die ehemalige russische Agentin Kara (Olga Kurylenko) Freundin oder Feindin? © Netflix
Die geheimen Dossiers des Chefs

Sie will von Adam Informationen über einen Vorfall, bei dem vor 15 Jahren in Baku ihr ganzes Team getötet wurde. Nach langem Zögern sucht Adam nach Unterlagen, findet aber nichts heraus.

Kurz darauf wird Adams Tochter entführt. Er wird erneut erpresst. Diesmal geht es um ein inoffizielles Dossier über eine Politikerin, die Premierministerin werden will. Sein Chef hortete ganze Aktenschränke mit solchen Dossiers, um sie bei Gelegenheit zu seinem Vorteil einzusetzen.

Parallel dazu wird Maddie von einer Freundin aus alten Militärtagen angegangen, die jetzt für die CIA arbeitet. Die Amerikaner verdächtigen Adam schon länger, dass er ein russischer Maulwurf sei. Maddie beginnt an Adam zu zweifeln und hilft Dede (Tracy Ifeachor), ihn zu überwachen.

Zwei Männer im Anzug. In der Mitte des Bildes ein Holzbalken.
Adams Chef Martin Angelis (Ciarán Hinds) gibt seinen Schützling zum Abschuss frei. © Netflix
Der Schluss entschädigt für das schwache Vorspiel

Und jetzt, ab der vierten Episode, wird es spannend. Adam wird zum Gejagten, der niemandem mehr trauen kann. Man musste aber einiges über sich ergehen lassen, um so weit zu kommen. Der Schluss entschädigt mit ein paar netten Twists, wenn die Frauen übernehmen, um das ganze Schlamassel zu beenden.

Dennoch ist «Treason» nur Dutzendware aus dem Genre der britischen Spionageserien. Da gibt es Besseres zu sehen wie beispielsweise die Retro-Serie «The Ipcress File». Im Vergleich überzeugt auch «Slow Horses» mit Gary Oldman und Kristin Scott Thomas mehr. Aktuell läuft hier die zweite Staffel auf Apple TV+.

Wie viele Sterne gibst du «Treason»?
1 Stimme

Besetzung: Olga Kurylenko | Charlie Cox | Oona Chaplin | Ciarán Hinds | Alex Kingston | Tracy Ifeachor | Beau Gadson | Samuel Leakey
Serie entwickelt von: Matt Charman
Genre: Thriller | Drama
GB, 2022

Limitless (Staffel 1) – Gesünder leben (und sterben) mit Chris Hemsworth

Serienposter mit Schriftzug. Ein Mann in voller Laufbewegung rennt auf die Kamera zu.

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 6 Episoden à 60 Min.)

Chris Hemsworth, bekannt als der nordische Gott Thor aus dem Marvel Cinematic Universe, begibt sich auf die Suche nicht nach dem ewigen, aber immerhin langen und gesunden Leben. Das allein tönt noch nicht wirklich reizvoll.

Mehr als Ernährungstipps und Fitnessübungen

Dann schaut man sich den Trailer von «Limitless» an und ist nicht nur von den tiefblauen Augen des australischen Schauspielers fasziniert (und seinem Oberkörper 😉). Hemsworth taucht in arktische Gewässer, klettert in atemberaubenden Höhen, stürmt in ein brennendes Gebäude. Das verspricht Action, nicht nur gesundbeterische Ernährungstipps und ein paar Fitnessübungen.

Zwei Menschen in Schutzanzügen und Atemmasken. Im Hintergrund lodern Flammen.
Stresstest im Feuerinferno. © National Geographic for Disney+ / Craig Parry

Hemsworth lässt sich auf ein paar ziemlich wahnwitzige Herausforderungen ein, die genüsslich inszeniert werden, teilweise ein bisschen überdramatisiert. Dahinter steckt Darren Aronofsky, der die Serie produziert hat und bekannt ist für seinen opulenten, etwas melodramatischen Stil in Filmen wie «Pi» oder «Black Swan».

Humor, Entschlossenheit und Zweifel

Man steigt vielleicht vor allem wegen des zu erwartenden Gaudis in die Serie ein. Aber man bleibt dabei, weil einem Hemsworth mit (australischem) Humor und seiner Entschlossenheit, mit der er die Aufgaben angeht, bei der Stange hält. Manchmal lässt er sogar eine verletzliche Seite durchscheinen. Wobei man nicht vergessen darf, dass der Mann von Beruf Schauspieler ist.

Was ebenso zum Sehvergnügen beiträgt, sind die Drehorte. Sie werden mit eindrucksvollen Aufnahmen in Szene gesetzt, wie man es von National Geographic gewohnt ist. Den Stresstest absolviert Hemsworth auf dem Dach von «Crown Sydney», dem höchsten Gebäude der Stadt. Auf einem schmalen Kransteg balanciert er 270 Meter über dem Hafen.

Ein schmaler Balken in grosser Höhe auf dem die Beine und Füsse eines balancierenden Menschen zu sehen sind.
Obwohl Hemsworth gesichert ist und Stressübungen hinter sich hat, ist sein Puls ziemlich hoch bei diesem Balanceakt. © National Geographic for Disney+
Expert:innen mit Hang zum Pathos

Mutmasslich auf den Lofoten schwimmt er im knapp 2° kalten arktischen Meer. Idyllische rote Häuser säumen den Hafen, es schneit, wenn Hemsworth ins eiskalte Nass taucht. Für eine zweitägige Wanderung ohne Hilfsmittel kehrt er nach Australien zurück ins Northern Territory. Das Nachtlager schlägt er in der Nähe eines wunderschönen Wasserfalls auf.

In jeder Episode erklären Expert:innen ausführlich, welche positiven Auswirkungen die Herausforderungen auf den Körper haben. Das ist oft mit etwas zu viel Pathos inszeniert. Ob die Wissenschaftlichkeit ihrer Aussagen bis ins Letzte standhält, müsste man verifizieren.

Eine Gondel schwebt hoch über Baumwipfeln. An einem langen Seil klettert ein Mann empor zur Gondel.
In den Blue Mountains hoch über den Baumwipfeln absolviert Hemsworth eine mörderische Kletterübung. © National Geographic for Disney+
Gesund leben? Gesund sterben!

Mit der Zeit bekommt man aber genug von der Predigt der Selbstoptimierung. Die Botschaft ist ein bisschen zu penetrant, dass jede:r alle Krankheiten besiegen kann, egal ob Krebs, Alzheimer oder Herzkreislauf, wenn er:sie sich nur anstrengt.

Umso versöhnlicher ist die letzte Episode, in der Hemsworth mit Altern, Sterben und Tod konfrontiert wird. Das Eingeständnis, dass auch das gesündeste Leben im Tod endet, holt den Optimierungswahn auf den Boden der Tatsachen zurück.

Hemsworth Begegnung mit dem Tod

In dieser Episode zeigt sich wohl am besten, was «Limitless» auszeichnet. Die Serie ist massentauglich und oft konventionell, wenn auch immer optisch herausragend inszeniert. Hin und wieder geht sie aber an die Grenzen dessen und ein bisschen darüber hinaus, was man üblicherweise in solchen Dokus vorgesetzt bekommt.

Ältere Menschen machen Turnübungen. Mitten drin ein Mann mit einem Anzug und Helm, Seile an Händen und Füssen.
Hemsworth probiert Aerobic in einem Anzug, der ihn die Anstrengungen spüren lässt, die ihn im Alter erwarten. © National Geographic for Disney+/Craig Parry

Zum Thema Tod spricht Hemsworth mit einer jungen Frau, bei der Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde. Das ist tatsächlich berührend und man glaubt ihm, dass ihn diese Begegnung tief bewegt hat.

Noch überzeugender wäre es gewesen, wenn er in einem Sterbehospiz mit Menschen gesprochen hätte, die nur noch Tage zu leben haben. Aber das hätte die Grenze des Zumutbaren für ein Durchschnittspublikum wohl überschritten.

Wie viele Sterne gibst du «Limitless» Staffel 1?
1 Stimme

Besetzung: Chris Hemsworth | Elsa Pataky | Peter Attia | Ross Edgley | Aaron Grist | Luke Zocchi | Liam Hemsworth | Luke Hemsworth | India Rose Hemsworth
Serie entwickelt von: Darren Aronofsky | Ari Handel
Genre: Doku
USA / AUS / GB, 2022

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