Clark (Mini-Serie) – Frauenschwarm und Polizistenschreck

Läuft bei: Netflix (Mini-Serie, 6 Episoden à 60 Min.)

Stockholm 1973: In der «Kreditbanken» hat ein Räuber vier Geiseln genommen. Er verlangt, dass Clark Olofsson (Bill Skarsgård) in die Bank kommt. Was auch geschieht. Es ist der Höhepunkt der Karriere von Olofsson.

Clark Olofsson ist allerdings nicht etwa der Verhandlungsführer der Polizei. Er ist selber ein Krimineller, der wegen Bankraubes und schwerer Körperverletzung mal wieder einsitzt.

Schwedens Promi-Gangster Nr. 1

Clark Olofsson ist eine reale Figur, über den es mehrere Bücher und Filme gibt. Er gilt als der erste Promi-Gangster Schwedens und erlangte schon vor der Geiselnahme in Stockholm nationale Berühmtheit.

Mit dem «Norrmalmstorgsdramat» ging er aber auch international in die Geschichte ein, denn auf diese Geiselnahme geht der Begriff «Stockholm Syndrom» zurück.

«Clark» schildert die Karriere dieses Kriminellen, die sich im ewigen Kreis von Verbrechen, Gefängnis, Ausbruch, Partys, Liebschaften dreht, immer unter grosser Anteilnahme der Öffentlichkeit.

Ich finde

Wäre die Geschichte von Clark Olofsson fiktional, man hielte sie für übertrieben. Tatsächlich stimmt vieles, was die Serie erzählt.

Beispielsweise, dass Clark nach seinem ersten Ausbruch aus der Besserungsanstalt für Jugendliche in das Landgut des schwedischen Premierministers eindrang. Allerdings traf er dort nicht auf den Premierminister selbst, wie die Serie erzählt, sondern nur auf den Gärtner.

Frauenschwarm und Polizistenschreck

Auch seine Beliebtheit in der Öffentlichkeit und vor allem bei Frauen beruht offenbar auf Tatsachen. Selbst die trotteligen Polizisten sind nicht frei erfunden, wenn auch ihre Inkompetenz Slapstick-artig überzeichnet ist.

Bill Skarsgård spielt Clark mit gnadenloser Wucht. Ein narzisstischer Psychopath, der sich äusserst charmant geben kann. Im Grunde schert er sich aber einen Dreck um andere. Im Zentrum steht immer nur einer: Clark Olofsson.

Das zeigt sich insbesondere bei seinen Liebesbeziehungen. Frauen betört er, belügt und hintergeht sie, lässt sie – mit Kind – sitzen. Erstaunlicherweise hält das manche Freundin nicht davon ab, immer wieder auf ihn hereinzufallen.

Freigeist der 68er-Ära ad absurdum geführt

Den Zuschauenden mag es ähnlich gehen. Clark fasziniert. Rückblenden in seine Kindheit mögen vielleicht sogar so etwas wie Verständnis aufkommen lassen dafür, weshalb Clark zu dem wurde, was er ist.

Aber gleichzeitig wird diese Haltung in der Serie unterhaltsam persifliert. Der Zeitgeist der 68er-Ära mit Gefängnisreformen, Täterrehabilitation, freier Liebe und freiem Individuum wird durch Clark ad absurdum geführt. Er nutzt all das zu seinem eigenen Vorteil aus.

Faszinierend und abstossend – gut inszeniert

Deshalb passt der Vergleich zu ähnlichen Gangsterkomödien wie «Catch Me If You Can» nicht ganz. Der Hochstapler Frank (Leonardo DiCaprio) bleibt bis am Schluss sympathisch, auch weil er relativ harmlos ist.

Clark dagegen ist alles andere als harmlos. Er hinterlässt eine Spur von Verwüstung auf seelischer und physischer Ebene und bleibt schlicht nicht gesellschaftsfähig.

Der Serie gelingt es aber sehr ansprechend, dieses Hin und Her zwischen Faszination und Abstossung über sechs Episoden zu inszenieren.

Wie viele Sterne gibst du «Clark»?

Besetzung: Bill Skarsgård | Vilhelm Blomgren | Sandra Ilar | Hanna Björn
Genre: Krimi | Komödie | Biografie
SWE, 2022

Slow Horses (Staffel 1) – Der Spion, der aus der Abstellkammer kam

Läuft bei: Apple TV+ (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

MI5-Agent River Cartwright (Jack Lowden) versagt monumental bei einem Anti-Terroreinsatz. Es war zwar nur eine Übung, aber er wird trotzdem strafversetzt. Cartwright landet im «Slough House», eine Abstellkammer für ausgemusterte Agent:innen.

Sein neuer Chef ist Jackson Lamb (Gary Oldman). Er gibt seinem Team regelmässig zu verstehen, was für Nieten sie sind und zu Recht in den heruntergekommenen Büros des Slough House sitzen statt im mondänen Hauptquartier am Regent’s Park.

Die verdeckte Operation läuft schief

Obwohl Lamb es ihm deutlich untersagt, entwickelt Cartwright Ambitionen, echte Agentenarbeit zu leisten. Dabei verwickelt er das Team des Slough House – die so genannten Slow Horses – in einen Entführungsfall. Vier Nationalisten haben einen jungen Engländer pakistanischer Abstammung entführt und drohen, ihn hinzurichten.

Was als rechter Terrorakt erscheint, ist in Tat und Wahrheit ein verdeckte Operation der MI5-Chefin Diana Taverner (Kristin Scott Thomas). Die Operation läuft aber völlig aus dem Ruder und die Slow Horses kommen zu einem unverhofften Feldeinsatz.

Ich finde

«Slow Horses» ist ein ganz solider Thriller im britischen Geheimdienstmilieu. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint, und niemandem kann man trauen.

Mit Gary Oldman, Kristin Scott Thomas und Jonathan Pryce in einer Nebenrolle ist die Serie prominent besetzt. Die drei und auch der weitere Cast leisten gute Arbeit.

Jackson Lamb vs George Smiley

Dennoch fehlt der Serie schon noch etwas, um an die Spionagereihe heranzukommen, mit der man sie unweigerlich vergleicht: John Le Carrés Romane mit George Smiley (Fun Fact: Oldman spielte Smiley in der 2011er-Verfilmung von «Tinker Tailor Soldier Spy»).

Da ist zum einen die Hauptfigur Jackson Lamb. Der kratzbürstige Chef, der den Titel als demotivierendster Vorgesetzter mit Bravour verdient und schon zur Kaffeepause das Whiskyglas füllt, ist zu Beginn noch einigermassen witzig. Das verflüchtigt sich aber schneller als seine Blähungen nach dem Mittagessen.

Die Slow Horses kommen wieder

Zum andern lässt der Plot doch etwas an Raffinesse und Subtilität vermissen im Vergleich zu den Geschichten, die sich in Smileys Circus abspielten.

«Slow Horses» basiert auf den Romanen von Mick Herron, von denen bereits acht erschienen sind. Die zweite Staffel der Serie wird auch schon am Ende der ersten geteast. Man darf also wahrscheinlich mit noch mehr rechnen. Das ist durchaus ok, denn Zeitverschwendung ist die Serie sicher nicht.

Wie viele Sterne gibst du «Slow Horses» Staffel 1?

Besetzung: Gary Oldman | Kristin Scott Thomas | Jonathan Pryce | Jack Lowden
Genre: Thriller
GB, 2022

Pieces of Her (Staffel 1) – Geheimnisvolle Vergangenheit

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

Andrea «Andy» Oliver (Bella Heathcote – war u.a. zu sehen in «The Man in the High Castle») und ihre Mutter Laura (Toni Colette) sitzen beim Mittagessen in einem Diner, als plötzlich ein junger Mann aufsteht und zwei Frauen – seine Ex-Freundin und ihre Mutter, wie sich herausstellen wird – erschiesst. Als der Mann als nächstes Andy bedroht, stellt sich Laura dazwischen und schlitzt ihm mit einem Messer die Kehle auf.

Laura wird in den Medien als Heldin gefeiert, was ihr alles andere als recht ist. Nicht, dass sie so bescheiden wäre. Die mediale Aufmerksamkeit ist für sie lebensgefährlich, weil sie nicht die Person ist, für die sie ihre Tochter und ihre Nachbar:innen halten.

Wer ihre Mutter wirklich ist und welches Geheimnis sie ihrer Tochter jahrelang verschwiegen hat, das findet Andy Schritt für Schritt heraus, nicht ohne selber in gefährliche Situationen zu geraten.

Ich finde

Laura, die Mutter mit einer Vergangenheit, die sie jahrzehntelang vor (fast) allen verschwieg. Andy, die ahnungslose Tochter, die plötzlich ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt sieht, weil nichts so ist, wie es schien.

Das ist eine klassische Konstellation, wie sie oft und gerne für Thriller verwendet wird (die Serie basiert auf der Buchvorlage der Krimiautorin Karin Slaughter). Langsam wird ein Wust von Geheimnissen aus der Vergangenheit aufgedeckt und das unter ständiger Bedrohung.

Zähes Erzähltempo

Bis zur Hälfte von «Pieces of Her» gelingt das auch recht gut. Andy hetzt von einem Rätsel zum nächsten. Alle um sie herum scheinen ihr etwas zu verheimlichen. Sie entwirrt sukzessive dieses Netz von Geheimnissen – und das dauert. Es dauert so lange, dass man etwas die Geduld verliert beim Zuschauen und das Interesse an den Figuren. Zu zäh ist das Erzähltempo, zu langfädig die Rückblenden.

Immerhin: Lauras rätselhafte Vergangenheit ist so interessant, dass man doch wissen will, was wirklich geschehen ist, und bis zum Schluss dabei bleibt. Aber wer solche Thriller ein bisschen kennt, wird kaum überrascht werden – auch nicht vom Plottwist ganz am Schluss.

Wie viele Sterne gibst du «Pieces of Her»?

Besetzung: Toni Collette | Bella Heathcote | Gil Birmingham | Omari Hardwick
Showrunner: Charlotte Stoudt
Genre: Thriller
USA, 2022

Suspicion (Staffel 1) – Ein britisch-amerikanisches Verwirrspiel

Läuft bei: Apple TV+ (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

In einem Hotel in New York wird der Sohn einer prominenten PR-Frau (Uma Thurman) entführt. Fünf Britinnen und Briten, die zufälligerweise (?) alle zu diesem Zeitpunkt in New York waren, werden von der Polizei als Entführer:innen verdächtigt. Doch alle fünf beteuern ihre Unschuld und die Polizei findet keine eindeutigen Beweise.

Dennoch gibt es genug Ungereimtheiten, sodass die Polizei ihre Ermittlungen auf die fünf konzentriert. Die wiederum schliessen sich zusammen, um herauszufinden, wer ihnen diese Entführung anhängen will. Doch nicht alle scheinen wirklich so unschuldig zu sein, wie sie sich geben.

Ich finde

Die Ausgangslage ist sehr vielversprechend. Eine israelische Serie als Vorbild («False Flag») – wie bei «Homeland». Showrunner Rob Williams war Autor von Episoden für «Killing Eve» und «The Man in the High Castle». Regisseur Chris Long hat als Produzent und Regisseur bei «The Americans» mitgearbeitet. Und der Cast ist mit Uma Thurman, Noah Emmerich (u.a. «The Americans»), Kunal Nayyar (Raj aus «The Big Bang Theory») oder auch Elizabeth Henstridge (Jemma aus «Agents of S.H.I.E.L.D.») sehr ansprechend besetzt.

Anglo-amerikanischer Kulturgraben

Die ersten Episoden bieten dann auch gute Unterhaltung mit überraschenden Plot-Twists. Der kulturelle Graben zwischen der korrekten britischen Ermittlerin und dem amerikanischen FBI-Agenten mit Haudegen-Methoden sorgt für einige Schmunzler. Und das dunkle Geheimnis von Katherine Newman (Thurman) taugt gut als Spannungsträger über die Episoden hinweg.

Doch je mehr die wahren Absichten und Hintergründe der Figuren entschlüsselt werden, desto unübersichtlicher wird die Geschichte und auch uninteressanter, weil einiges ziemlich banal und auch konstruiert wirkt.

Nebulöses Ende

Die finale Episode klärt zwar vieles auf, bleibt aber doch so nebulös, dass es schwer nach einer zweiten Staffel aussieht. Allerdings ist die noch nirgends angekündigt. Vielleicht war der Publikumserfolg zu gering.

Wie viele Sterne gibst du «Suspicion»?

Besetzung: Uma Thurman | Kunal Nayyar | Georgina Campbell | Elizabeth Henstridge | Angel Coulby | Elyes Gabel | Noah Emmerich | Tom Rhys Harries
Showrunner: Rob Williams
Genre: Krimi
USA, 2022

Vikings: Valhalla (Staffel 1)

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

In der Wikingerstadt Kattegat versammeln sich verschiedene Stämme, um ein Massaker des englischen Königs Æthelred an den Wikingern zu rächen. Dazu gesellen sich Leif Eriksson (der Entdecker von Vinland, also Amerika, was hier aber keine Rolle spielt) und seine Halbschwester Freydís Eiríksdóttir.

Leif schliesst sich den Wikingern an auf ihrem Feldzug gegen London. Freydís unternimmt eine Wallfahrt nach Uppsala, wo ihr in einer Vision offenbart wird, dass sie «Die Letzte» sei.

Leif wird zum Helden in der erfolgreichen Schlacht gegen die Engländer. Freydís wird zur Kriegerin, die sich einen christlichen Wikinger zum Feind macht und den traditionellen Glauben ihres Volkes verteidigt.

Ich finde

Die Serie spielt etwa 100 Jahre nach ihrem Vorläufer «Vikings» (die ich nicht ganz gesehen habe). Die Wikinger und auch ein paar Wikingerinnen sind immer noch recht wild, festen gerne, saufen viel, kämpfen noch mehr und brüllen in der Schlacht, was die Stimmbänder hergeben. Aber die glorreiche Wikinger-Ära geht zu Ende.

Knut der Grosse, der die Wikinger auf ihrem Rachefeldzug gegen die englische Krone anführt, hat zwar eine klare Vorstellung, was er will: Ein Wikinger-Grossreich im Norden Europas (und es wird ihm auch gelingen). Es ist aber ein letztes Aufbäumen.

Christentum gegen die alten Götter

Denn die Wikinger sind bereits gespalten. Ein Teil bekennt sich zum christlichen Glauben, der Rest verehrt noch Odin, Freya und Thor. Das sät Zwietracht zwischen den Stämmen.

Aus diesen Zutaten entwickelt die Serie ein Netz von Machtkämpfen, Intrigen, Freund- und Feindschaften, die immer wieder überraschende Wendungen nehmen. Das ist alles sehr unterhaltsam und dank der beiden Figuren Leif und Freydís bleibt man auch emotional involviert. Sonst könnte man ob der vielen Jarls und sonstigen Edelleute etwas den Überblick und das Interesse verlieren.

Wer sind die historischen Figuren?

Mein grösstes Problem mit der Serie war aber ein ganz anderes. Ich begann parallel dauernd auf Wikipedia nachzulesen, wer die wirklichen historischen Figuren waren und was tatsächlich geschehen war.

Wie schon in «Vikings» nehmen sich die Drehbuchautor:innen auch bei «Vikings: Valhalla» viele Freiheiten und nicht alles ist tatsächlich so oder zu diesem Zeitpunkt passiert, wie es die Serie erzählt. Da ist der Blick in Wikipedia (oder in die Website deines Vertrauens) durchaus mindestens so spannend und manchmal ähnlich unübersichtlich, wie das Geschehen auf dem Bildschirm.

Also: Handy oder Tablet bereithalten (machts besser als ich und drückt auf «Pause») und bspw. Emma von der Normandie, Danegeld oder Olav der Heilige googeln.

Wie viele Sterne gibst du «Vikings: Valhalla»?

Besetzung: Sam Corlett | Leo Suter | Frida Gustavsson | Jóhannes Haukur Jóhannesson | David Oakes | Laura Berlin | Bradley Freegard
Created by: Jeb Stuart
Genre: Historie | Abenteuer
USA, 2022

Young Wallander (Staffel 2)

Läuft bei: Netflix (2 Staffeln, 12 Episoden à 45 Min.)

Obwohl er eigentlich aufhören wollte, kehrt der junge Kurt Wallander in den Polizeidienst zurück. Diesmal geht es um eine Fahrerflucht mit Todesfolge.

Allerdings wird es einiges komplizierter, als herauskommt, dass das Todesopfer in einen alten Fall von Wallanders Kollegin Frida Rask verwickelt war. Gesucht wird jetzt ein:e geheimnisvolle:r Rächer:in, die:der Gerechtigkeit will für das Mordopfer von damals.

Ich finde

Wie schon die erste Staffel von «Young Wallander» bietet auch die zweite solide Krimiunterhaltung. Aber nicht viel mehr. Bei allen Bemühungen, den jungen Wallander auch als zweifelnden, introvertierten und etwas gespaltenen Charakter zu zeichnen, bleibt die Figur ein hitzköpfiger Jungspund mit Polizeimarke.

Das ist ziemlich weit weg von dem, was wir aus den Serien mit Kenneth Branagh (ebenfalls auf Netflix) oder Krister Henriksson kennen.

Dennoch gibt der Fall genug her, dass man ohne Mühe sechs Episoden dabei bleibt. Nicht zuletzt wegen verschiedenen Nebenfiguren und -geschichten.

Wallanders neue Mentorin Frida wird mit Fehlern aus ihrem alten Fall konfrontiert. Sein bester Freund Reza kämpft nicht nur mit einer posttraumatischen Störung. Er hat es auch nicht verwunden, dass Wallander befördert wurde und nicht er. Das treibt einen Keil in ihre Beziehung. Und der neue Chef der Abteilung bringt auch etwas frischen Wind, auch wenn man lange nicht genau weiss, wohin der bläst.

Wo ich aber weiterhin meine liebe Mühe damit habe, sind all die englischen Akzente, die in Malmö und Lund zu hören sind. Immerhin hat Wallander (Adam Pålsson) selber eine schwedische Einfärbung in seinem Englisch.

Besetzung: Adam Pålsson | Leanne Best | Ellise Chappell | Yasen Atour
Created by: Ben Harris
Genre: Krimi
SWE | UK, 2022

American Rust (Mini-Serie)

Läuft bei: Sky (Mini-Serie, 9 Episoden à 60 Min.)

Del Harris (Jeff Daniels) ist Polizeichef in Buell, einer Kleinstadt im «Rust Belt», dem heruntergekommen Industriegebiet der USA. In einem ehemaligen Stahlwerk findet die Polizei eine Leiche. Des Mordes verdächtigt wird ein junger Mann, der einst eine Karriere als Football-Spieler in Aussicht hatte, die Chance aber sausen liess.

Zudem ist dieser Billy der Sohn der Frau ( Maura Tierney ), in die sich Chief Harris verliebt hat. Harris ist deshalb mehr daran interessiert, Billys Unschuld zu beweisen, als die Frage zu beantworten, wer der Mörder ist.

Ich finde

Das Setting in der Kleinstadt im Rust Belt ist «schön» depressiv ausgestaltet. Drogen spielen eine grosse Rolle, weil fast alle Drogen nehmen, aus den unterschiedlichsten Gründen. Zukunftsaussichten hat niemand, ausser er oder sie schafft es, aus der Stadt rauszukommen (um im Fall von Billys Ex-Freundin zurückzukehren und aus nicht ganz einsichtigen Gründen wieder zu bleiben).

Jeff Daniels und Maura Tierney sind hervorragende Schauspieler – und doch, am Schluss ist alles Elend ein wenig zu viel und überladen mit diversesten persönlichen Dramen und Katastrophen. Beim Vergleich mit «Mare of Easttown», der sich ein wenig aufdrängt, schneidet «American Rust» einiges schlechter ab.

Besetzung: Jeff Daniels, Maura Tierney, David Alvarez, Bill Camp, Julia Mayorga, Alex Neustaedter
Created by: Dan Futterman
Genre: Krimi
USA, 2021

Tschugger (Staffel 1)

Läuft bei: Play Suisse und Sky (1 Staffel)

Der Walliser Cop Bax Schmidhalter ermittelt gegen Drogendealer. Und rennt auch einer verlorenen Liebe hinterher. Seine Ermittlermethoden sind eher wagemutig bis skrupellos. Das bekommt der arme Polizeipraktikant knallhart zu spüren. Er landet angeschossen im Spital.

Ich finde

Die Serie spielt ansprechend mit Klischees und US-amerikanischen Genrevorbildern (von Magnum bis Fargo). Sie hat einiges an Action, wie wir es in Schweizer Serien nicht so gewohnt sind, und sie bietet viel Witz in Handlung und Dialogen. Dennoch kann ich die überbordende Begeisterung einiger Kritiker:innen hier nicht ganz nachvollziehen.

Alles in allem ist «Tschugger» untypisch wagemutig für eine Schweizer Serie und dafür verdient sie Lob.

Was aber gar nicht geht: Mitten in der Story aufhören, ohne dass eine einzige offene Frage beantwortet ist. Dann den lapidaren Hinweis nachschieben, in einem Jahr komme die zweite Staffel. Da hat SRF noch nicht ganz begriffen, wie man Staffeln konzipiert.

Besetzung: David Constantin, Anna-Lena Miana, Dragan Vujic, Anna Rossinelli, Stefan Perceval
Created by: David Constantin | Mats Frey
Genre: Komödie | Krimi
CH, 2021

Follow the Money / Bedrag (Staffel 1-3)

Läuft bei: Netflix (3 Staffeln, 30 Episoden à 60 Min.)

Staffel 1 & 2: Dänischer Businessthriller – geldgierige Manager:innen vs. aufrichtige, leicht überforderte Polizisten.

Staffel 3: Zwei Nebenfiguren aus den ersten beiden Staffeln stehen jetzt im Zentrum. Der tablettensüchtige Polizist Alf will dem Drogenhändler Nicky, der sich eigentlich um seinen Sohn kümmern möchte, das Handwerk legen.

Ich finde

Die beiden ersten Staffeln sind saubere Krimis, angesiedelt im Big Business, mit zwei sehr guten Hauptfiguren – die Anwältin Claudia Moreno (Natalie Madueño) und der auf Wirtschaftsverbrechen spezialisierte Polizist Mads Justesen (Thomas Bo Larsen).

Beide haben zwar leicht nervige Macken, funktionieren aber letztlich sehr gut als Protagonist:in. Wirklich gewohnt solide dänische Serienarbeit, wenn auch nicht ganz auf der Höhe von bspw. «Borgen».

Die dritte Staffel dagegen setzt mehr auf die Psychologie der Hauptfiguren. Aber das lässt einen ziemlich kalt, weil beide Hauptfiguren sich dauernd nur im Kreise drehen, anstatt den Ausweg aus ihrem Elend zu suchen. Wäre auch schlecht für die Krimihandlung, die wäre dann eben fertig.

Besetzung: Esben Smed | Thomas Hwan | Thomas Bo Larsen | Natalie Madueño | Nikolaj Lie Kaas
Created by: Jeppe Gjervig Gram
Genre: Krimi
DK, 2019

The Blacklist (Staffel 8)

Läuft bei: Netflix (8 Staffeln, 197 Episoden à 45 Min.)

The Blacklist für Einsteiger

Der intellektuelle Lebemann und Grosskriminelle Raymond Reddington arbeitet mit einer geheimen FBI-Task Force zusammen. Er liefert dem FBI Hinweise auf andere Kriminelle, dafür ist ihm Immunität garantiert. Mit der Agentin Elizabeth Keen verbindet ihn eine besondere Beziehung, die über die Staffeln hinweg langsam enthüllt wird.

Es geht rund in der achten Staffel. Reddington begeht einen Mord zu viel und macht sich Liz zur Todfeindin. Sie will endgültig mit ihm abrechnen, steigt aus der FBI Task Force aus und baut ihr eigenes kriminelles Netzwerk auf, um Reddington zur Strecke zu bringen.

Aber – es kommt alles ein wenig anders. Am Schluss der Staffel ist man nur noch einen kleinen Schritt davon entfernt, die wahre Identität von Raymond Reddington zu erfahren und wie er wirklich zu Liz steht …

Ich finde

… aber weil’s eine neunte Staffel geben soll, wird dieses letzte Geheimnis nicht gelüftet. Ein Cliffhanger, der etwas nervt. Denn die ganze Staffel hindurch redet Reddington hundertmal um den heissen Brei herum, was es nicht spannend, sondern nur noch nervig macht. Man sitzt da und denkt sich: Spucks aus oder halt die Klappe, aber laber nicht dauernd denselben Sch… .

Spannender dagegen ist die Storyline, dass Liz jetzt zur dunklen Seite wechselt. Nur: Auch da haperts ein bisschen. Liz-Darstellerin Megan Boone verschwindet plötzlich für acht Episoden aus der Serie.

So erfährt man zwar immer, was sie jetzt Schlimmes anstellt, aber nur aus der Sicht der anderen. Bis sie dann wieder auftaucht und eine Folge lang diese acht Episoden aus der Sicht von Liz nacherzählt werden – ziemlich bemühend.

Das Grundrezept von Blacklist funktioniert immer noch. Dass die Geschichte um das Geheimnis von Reddington und Liz weitergetrieben wird, ist auch ok.

Aber Stoff für 23 Episoden gibt das nicht wirklich her, 12 hätten gereicht. Und die grosse Überraschung am Schluss kommt nicht so überraschend, wenn man vorher gelesen hat, dass eine Hauptfigur aus der Serie ausgestiegen ist.

Besetzung: James Spader | Megan Boone | Diego Klattenhoff | Harry Lennix | Hisham Tawfiq | Amir Arison | Mozhan Marnò
Created by: Jon Bokenkamp
Genre: Krimi | Thriller
USA, 2020