Russian Doll (Staffel 2) – Zeitreise als Therapie

Läuft bei: Netflix (2 Staffeln, 15 Episoden à 30 Min.)

Nadia Vulvokov (Natasha Lyonne) feiert demnächst wieder Geburtstag, dieses Mal den 40. (in der ersten Staffel war’s der 36.). Allerdings dauert es länger als erwartet, bis sie zu diesem Datum kommt. Nadja dreht vorher ein paar Runden auf der Zeitachse.

Sie landet zuerst in den 80er-Jahren – als ihre Mutter, die mit ihr schwanger ist. Später verschlägt es sie auch in die 40er – als ihre Grossmutter im Nazi-besetzten Budapest.

Auf der Jagd nach Goldmünzen

Nadia verfolgt bei ihren Zeitreisen eine Mission. Es geht um das Vermögen ihrer Grossmutter, Krugerrand-Münzen, das ihre Mutter später klaut und verprasst. Das will sie in ihre Gegenwart retten.

Auch Alan, ihr Leidensgenosse aus der ersten Staffel, geht auf Zeitreise. Er reist zurück in die 60er-Jahre nach Ostberlin, wo er als seine Grossmutter eine Liebesaffäre erlebt.

Ich finde

Als 2019 die erste Staffel von «Russian Doll» erschien, bin ich nach zwei, drei Episoden ausgestiegen. Nicht, weil ich’s schlecht fand. Einfach nicht besonders packend und besseres zur Auswahl stand.

Jetzt habe ich die erste Staffel nachgeholt, die zweite angehängt und es hat mich mehr reingezogen. Nadia als Figur, resp. Lyonne als Schauspielerin ist eine Naturgewalt. Pop-Philosophin, Raucherin, Egomanin, schnippisch und witzig, dann wieder besonnen und nachdenklich, hochenergetisch in jeder Szene. Sie trägt die Serie.

Ich, Ich, Ich

Dennoch – und das ist zugegeben etwas widersprüchlich – werde ich nicht warm mit dieser selbstzentrierten New Yorker Szene, in der sich Nadias Leben abspielt und sie als «most selfish person», wie sie Alan mehrmals nennt, die Hauptrolle einnimmt.

Wieso soll es mich kümmern, dass da jemand täglich vom Sensenmann gegrüsst wird oder eine schwierige Kindheit hatte? Es fühlt sich so an, wie wenn alle immer Ich, Ich, Ich schreien und wir als Zuschauer:innen endlosen Therapiesitzungen beiwohnen.

Natürlich gibt es auch diese Schlussszenen in den beiden Serien, in denen die Lösungen für die Probleme über diese Egos hinausgehen. Aber für mich wirken sie aufgesetzt und nicht wirklich nachhaltig.

Ein Extrastern für den Soundtrack

Nadia ist in der zweiten Staffel so ichbezogen wie in der ersten, obwohl sie eigentlich nur durch die Überwindung ihres Egoismus aus der Todesschleife herausfand.

Deshalb wollte ich nur drei Sterne geben. Aber weil die Serie den Schluss untermalt mit Pink Floyds «Shine On You Crazy Diamond», gibt’s einen Extrastern (also eigentlich für den ganzen Soundtrack, und weil mir eine Stimme im Hinterkopf dauernd zuflüstert: «Du hast es einfach nicht begriffen!» 😉).

Wie viele Sterne gibst du «Russian Doll» Staffel 2?

Besetzung: Nathasha Lyonne | Charlie Barnett | Greta Lee | Elizabeth Ashley | Chloë Sevigny | Brendan Sexton III | Annie Murphy
Created by: Leslye Headland | Nathasha Lyonne | Amy Poehler
Genre: Komödie | Drama
USA, 2022

The Gilded Age (Staffel 1) – Die Neureichen gegen den alten Adel von New York

Läuft bei: Sky (1 Staffel, 9 Episoden à 45 Min.)

Marian Brook (Louisa Jacobson – die jüngste Tochter von Meryl Streep, die wie ihre beiden Schwestern Mamie und Grace Gummer denselben Beruf wie ihre Mutter ergriffen hat) muss nach dem Tod ihres Vaters feststellen, dass sie völlig mittellos da steht.

Zum Glück gibt’s da ihre reiche Tante Agnes (Christine Baranski – «The Good Fight»), die mit ihrer Schwester Ada (Cynthia Nixon – «Sex and the City») an edelster Adresse in New York lebt.

Die Neureichen fallen ein

Marian reist nach New York, ist dabei aber auf die Hilfe von Peggy Scott (Denée Benton) angewiesen. Da Peggy eine «coloured person» ist, muss Marian auf die Reise in der ersten Klasse verzichten.

Gleich gegenüber von Tante Agnes‘ Haus haben die neureichen Russels zum grossen Missfallen der standesbewussten Agnes einen pompösen Neubau errichtet.

Frischer Wind in alten Gemäuern

Bertha Russell (Carrie Coon) ist wild entschlossen, in die High Society der New Yorker 1880er-Jahre aufzusteigen. Doch der alte Adel der van Rijns und Astors und wie sie alle heissen, zeigen ihr die kalte Schulter. Die Russels bahnen sich allerdings mit ihrem immensen Reichtum langsam einen Weg nach oben.

Marian hat mit dem Dünkel ihrer Tanten nichts am Hut. Sie bewegt sich frisch und munter in der New Yorker Upperclass und scheut auch den Kontakt zu den Ausgestossenen nicht. Dass dabei auch eine Liebschaft eine Rolle spielt, erstaunt kaum.

Ich finde

Was muss man mehr sagen, als dass «The Gilded Age» aus der Feder von Julian Fellows stammt, der «Downton Abbey» erfunden hat.

Schon die erste Einstellung zeichnet dasselbe Bild und Lebensgefühl, wie wir es von den Granthams kennen, nur die Kulisse hat geändert. Die emsigen Bediensteten und die flanierende Oberschicht bevölkern jetzt die Strassen im Nobelviertel von New York statt den Landsitz in Yorkshire.

Und wie schon bei den Granthams sind die Zeiten im Umbruch. Emporkömmlinge machen den Alteingesessenen die Vorherrschaft streitig (hier ein kurzer Vergleich der historischen und fiktionalen Figuren).

Eine unbekannte Geschichte der USA

Doch wo wir mit dem englischen Adel eher vertraut sind, ist der New Yorker Geldadel eine wenig bekannte Spezies. Wie Enno Reins bei SRF Kultur zu Recht konstatiert, ist das ausgehende 19. Jahrhundert in der Filmgeschichte mehrheitlich den Cowboys gewidmet und kaum der Oberklasse der Städte. Gar völlig unbekannt ist die Geschichte der afroamerikanischen Mittelschicht, in der Serie durch Peggy und ihre Familie verkörpert.

Daraus webt Fellowes ein Netz von Geschichten von überheblichen Snobs, skrupellosen Neureichen, ausgestossenen Witwen und der jungen Generation, die oft eine andere Idee vom Leben hat.

Macht Lust auf eine zweite Staffel

Dazu gehören immer auch die Bediensteten, die im Untergeschoss der noblen Häuser zwischendurch ihre eigenen Intrigen aushecken, aber vor allem das Leben im Obergeschoss kontrastieren.

Wer also förmliche Konversationen, wallende Kostüme, unterkühlte Streitereien und formelles Liebeswerben mag, kommt voll auf seine Kosten. Ich gestehe, dass ich mich auf die zweite Staffel von «The Gilded Age» ungemein freue.

Wie viele Sterne gibst du «The Gilded Age» Staffel 1?

Besetzung: Christine Baranski | Cynthia Nixon | Louisa Jacobson | Carrie Coon | Morgan Spector | Denée Benton | Audra McDonald
Showrunner: Julian Fellowes
Genre: Drama | Historie | Romanze
USA, 2022

Reacher (Staffel 1) – Der Rächer mit Herz und Kleiderproblemen

Läuft bei: Amazon ( 1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

Jack Reacher (Alan Ritchson, spielte Hawk in «Titans»), der nur Reacher genannt werden möchte, weil ihn seine Mutter schon so nannte, verschlägt’s in ein Kaff in Georgia. Im Diner will er sich einen Pfirsichkuchen zu Gemüte führen, da wird er wegen Mordverdachts verhaftet. Verdächtig macht ihn, dass er der einzige Fremde ist und als muskulöser Hüne ziemlich auffällt.

Der Tatverdacht verflüchtigt sich zwar ziemlich schnell. Nicht aber ohne dass Reacher im Gefängnis seine Qualitäten als erbarmungsloser Nahkämpfer ein erstes Mal unter Beweis stellen kann. Und mit seiner scharfsinnigen Beobachtungsgabe in bester Sherlock Holmes-Manier beeindruckt er die örtliche Polizei.

Für Reacher wird’s persönlich

Nach diesem unfreundlichen Empfang in Margrave will Reacher weiterziehen. Allerdings stellt sich heraus, dass das Mordopfer sein Bruder Joe war. Deshalb verbündet sich Reacher mit zwei lokalen Cops, Finlay (Malcolm Goodwin, «iZombie») und Roscoe (Willa Fitzgerald).

Weitere Leichen tauchen auf. Das Trio kommt bei den Ermittlungen korrupten Politikern, Polizisten und dem Grossunternehmer der Stadt mit seinen dubiosen Geschäften auf die Spur.

Ich finde

«Reacher» ist nichts für zarte Gemüter. Obwohl ehemaliger Militärpolizist, macht Reacher schnell klar, dass er nicht Gerechtigkeit will für den Mord an seinem Bruder, sondern Rache.

Schlägt er zu Beginn seine Gegner nur zusammen, greift er schnell danach zur Waffe und tötet gezielt mit Kopfschuss. Damit drei Leichen in einen Kofferraum passen, bricht er auch mal ein paar Beine.

Hulk trifft auf Rambo, Sherlock Holmes und Shrek

Trotzdem kommt Reacher nicht nur als Brutalo rüber. Er ist ein scharfsinniger Ermittler, zeigt menschliche Regungen wie Zuneigung für die Polizistin, mit der er zusammenarbeitet.

Dann ist Reacher auch dieser fast bemitleidenswerte Aussenseiter durch seine Statur, der regelmässig Probleme hat, passende Kleidung zu finden – alles in allem eine nicht unsympathische Mischung aus Hulk, Rambo, Sherlock Holmes und Shrek.

«Reacher» wird uns erhalten bleiben

Dazu fügt die Serie zwischendurch einen humoristischen Unterton. Dieser Mix macht aus «Reacher» eine Serie, mit der sich Action- und Krimifreund:innen gerne die Zeit vertreiben werden. So erfolgreich, wie die erste Staffel beim Publikum ankam, überrascht es nicht, dass die zweite bereits angekündigt ist und weitere werden wohl folgen.

Wie viele Sterne gibst du «Reacher» Staffel 1?

Besetzung: Alan Ritchson | Malcolm Goodwin | Willa Fitzgerald | Currie Graham | Bruce McGill
Showrunner: Nick Santora
Genre: Krimi | Action
USA, 2022

Dirty Lines (Staffel 1) – Als Sex-Hotlines das neue heisse Ding waren

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

Amsterdam Mitte der 80er-Jahre. Marly ist eine Psychologiestudentin. Als zukünftige Therapeutin gehört auch Sexualität zu ihrem Studiengebiet.

Etwas profaner ist der Zugang der Brüder Frank und Ramon zum Thema. Sie wollen Geld verdienen mit Sex und zwar mit den neuen Möglichkeiten von Bezahlnummern. Sie lassen Frauen auf Band stöhnen und hoffen auf Männer, die anrufen und dafür 50 Cents pro Minute bezahlen.

Marly versucht sich erfolglos als erotische Sprecherin. Sie bekommt trotzdem einen Job, weil sich ihr akademisches Sex-Know How als wertvoll für die Firma erweist.

Es beginnt eine rasante Erfolgsgeschichte, die mit viel Party, Sex und Drogen durch die zweite Hälfte der 80er andauert.

Ich finde

«Dirty Lines» zelebriert den 80er-Groove. Mann trug dünne Oberlippenbehaarung, Frau trug Schulterpolster. House-Musik war erst gerade im Kommen und Ecstasy so neu, dass es für eine Weile nicht mal verboten war. Und überall war Aufbruch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, sportlich (die Niederlande gewann die Fussball-EM 1988).

Bestückt wird dieses Setting mit Hauptfiguren, die einem durchaus ans Herz wachsen. Allen voran Marly, die aus dem Elternhaus fliegt, und vorerst Geldsorgen hat, bevor sie langsam die Vorzüge ihrer neuen Freiheiten entdeckt.

«Sex Education» trifft auf «Masters of Sex»

Frank war bisher erfolglos mit seinen Geschäftsideen, unter anderem setzte er auf das Video-2000-System 😀. Jetzt verdient er richtig Geld, das er aber gleich wieder zum Fenster rauswirft. Sein Bruder Ramon ist verheiratet, zweifacher Vater – und versteckt schwul.

«Dirty Lines» fühlt sich etwas an wie «Sex Education» gemischt mit «Masters of Sex» (leider momentan bei keinem Streaminganbieter) und mit einem Schuss Amsterdamer Lokalkolorit, der wohl wenigen vertraut und ziemlich originell ist. Alles in allem: Eine Geschichte, die überaus gefällig ist und amüsante Unterhaltung bietet.

Wie viele Sterne gibst du «Dirty Lines» Staffel 1?

Besetzung: Joy Delima | Minne Koole | Chris Peters | Janna van Raalte
Showrunner: Pieter Bart Korthuis
Genre: Komödie
NL, 2022

The Dropout (Mini-Series) – Mit Lug und Trug zur Milliardärin im Silicon Valley

Läuft bei: Disney+ (Mini-Series, 8 Episoden à 45 Min.)

Wer die wahre Geschichte von Elizabeth Holmes und ihrer Firma Theranos nicht kennt und sich die Spannung erhalten will, sollte jetzt nicht weiterlesen, sondern einfach die Serie schauen.

Elizabeth (Amanda Seyfried) weiss, was sie will. Kurz bevor sie in Stanford ihr Studium beginnt, verkündet sie: «Ich will Milliardärin werden.» Und das wird sie.

Nach zwei Jahren bricht sie ihr Studium ab und gründet die Firma Theranos. Ihre revolutionäre Idee: ein Gerät zu entwickeln, das mit nur einem Tropfen Blut Dutzende Diagnosen erstellt. Das Gerät soll zudem so klein sein, dass man es bei sich zuhause aufstellen kann.

Es folgt ein kometenhafter Aufstieg. Nach einigen Jahren ist Theranos mit neun Milliarden Dollar bewertet, Elizabeth als die jüngste Selfmade-Milliardärin auf den Titelblättern von Forbes und Fortune und bestens vernetzt unter Amerikas Reichen und Mächtigen.

Es gibt allerdings ein Problem. Das Gerät funktioniert nicht. Mit Tricks, Betrug und Drohungen verheimlicht Elizabeth über Jahre, dass ihre Firma auf einer Lüge basiert. Nur langsam gelingt es einem Reporter des Wall Street Journals, diesen Betrug zu enthüllen.

Ich finde

Die Geschichte vom Aufstieg und Fall von Elizabeth Holmes ist unglaublich faszinierend und abstossend zugleich. Das bringt «The Dropout» auch gut rüber.

Zu Beginn könnte man Sympathien entwickeln für diese junge Frau. Sie ist intelligent, ehrgeizig und fokussiert. Sie will die Welt besser machen und damit auch Geld verdienen, was soll daran schlecht sein? Sie lässt sich nicht beirren, durch Hürden, die man ihr – speziell als Frau in einer Tech-Welt – in den Weg stellt. Sie könnte dieses Vorbild sein für junge Frauen, für das man sie jahrelang hielt.

Wenn da nicht dieses Problem wäre, dass sich ihre Idee, die sie vollmundig überall verkauft, nicht realisieren lässt. Das Gerät funktioniert nicht. Jetzt wandelt sich Elizabeth.

Pullover, Baritonstimme und ein gruseliges Lächeln

Amanda Seyfried spielt das hervorragend. Mit dem typischen Holmes-Outfit – schwarzer Rollkragenpullover in Anlehnung an Steve Jobs – übt sie vor dem Spiegel mantramässig einen Motivationssatz mit einer tieferen Stimme (dass die echte Elizabeth ihre Stimme auf Bariton trainierte, bestreitet ihre Familie).

Dazu dieses Lächeln mit dem leicht vorgeschobenen Unterkiefer – schon fast gruselig. Das ist der Moment, in dem Elizabeth zur skrupellosen Geschäftsfrau wird, die ihren Erfolg, das Geld und ihr Ansehen mit allen Mitteln verteidigt.

Wenn man «The Dropout» etwas ankreiden kann, dann am ehesten, dass hier die Frage im Vordergrund steht: Wer ist Elizabeth Holmes? Das ist legitim, aber interessanter ist die Frage: Wie konnte es Elizabeth Holmes so weit bringen?

Wie erklärt sich der Erfolg?

Wie konnte eine ganze Armada der Polit- und Wirtschaftsprominenz auf sie hereinfallen: Bill Clinton, Joe Biden, George Shultz, Henry Kissinger, Rupert Murdoch, Larry Ellison und noch einige andere. Einfach nur alte weisse Männer, bei denen der Verstand aussetzt, wenn sie eine junge blonde Frau sehen?

Das greift wohl etwas zu kurz. Denn – das zeigt die Serie – Elizabeth spielte nicht nur hinterhältig mit der Angst der eingesessenen Wirtschaftsbosse, den Anschluss an die Start-up-Ära zu verpassen. Sie investierte auch viel, man kann wohl sagen, kriminelle Energie, um ihre Geschäftspartner über den Tisch zu ziehen und Gegner zum Schweigen zu bringen. Und dabei, das kommt in der Serie fast etwas zu kurz, gefährdete sie mit ihrer Firma über Jahre die Gesundheit von Patient:innen mit falschen Diagnosen.

«You hurt people»

Die Serie endet 2018, als Theranos dicht machen muss. Elizabeth packt im Büro ein paar Sachen zusammen, als sie von ihrer ehemaligen Anwältin mit unangenehmen Fragen konfrontiert wird. Sie läuft davon. «You hurt people, you must know that, right?» ruft ihr die Anwältin nach. Man darf’s bezweifeln.

Im selben Jahr wurden Elizabeth Holmes und ihr Freund und Geschäftspartner Ramesh «Sunny» Balwani angeklagt wegen Betrugs an Patientinnen und Investoren. Die Deliktsumme beläuft sich auf über 700 Millionen Dollar.

Im Januar 2022 wurde sie schuldig gesprochen wegen Betrugs an Investoren. Vom Vorwurf des Betrugs an Patient:innen wurde sie freigesprochen. Das Strafmass, maximal 20 Jahre, soll im September verkündet werden. Bis jetzt sass Elizabeth Holmes noch keinen Tag im Gefängnis.

Wer sich noch mehr vertiefen will:
  • «Bad Blood: Secrets and Lies in a Silicon Valley Startup» (2018). Das Sachbuch von John Carreyrou, der darin seine Recherche beim Wall Street Journal schildert.
  • «The Inventor: Out for Blood in Silicon Valley» (2019) Dokumentarfilm von Alex Gibney (Trailer). Gibney hat auch den hervorragenden Dok «Enron: The Smartest Guys in the Room» gedreht. Darin geht es ebenfalls um einen massiven Wirtschaftsbetrug. Fun Fact: Elizabeths Vater arbeitete bei Enron und wurde bei der Firmenpleite arbeitslos.
  • Podcast «The Dropout» (2019) von ABC News. Der ursprünglich sechsteilige Podcast diente in grossen Teilen als Vorlage für die Mini-Series.
    Der Podcast wurde 2021 weitergeführt mit dem Prozess gegen Elizabeth Holmes.
  • Podcast «Bad Blood: The Final Chapter» (2021). John Carreyrou über den Prozess gegen Holmes und Hintergründe zu Theranos aus seinen Recherchen.
  • Zum Schluss – die richtige Elizabeth vs Seyfrieds Elizabeth

Wie viele Sterne gibst du «The Dropout»?

Besetzung: Amanda Seyfried | Naveen Andrews | Anne Archer | William H. Macy | Stephen Fry | Sam Waterston
Showrunner: Elizabeth Meriwether
Genre: Drama | Biografie
USA, 2022

Drôle / Standing Up (Staffel 1) – Witzig zu sein, ist auch nicht immer lustig

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

Aïssatou und Nezir träumen von der grossen Karriere als Stand-up-Comedians. Vorerst treten sie aber noch in einem kleinen Club auf. Bling, der Besitzer des Clubs, war mal eine grosse Nummer. Er hat aber seit Jahren keinen neuen Witz geschrieben. Apolline sollte eigentlich ihr Studium abschliessen, entdeckt aber ihre Liebe zur Stand-up-Comedy und macht die ersten Gehversuche auf der Bühne.

Während Aïssatous Karriere durchstartet und Nezir sich einigermassen durchwurstelt, stürzt Bling bei einem Comebackversuch komplett ab.

Daneben schleppen alle vier ihre Beziehungskisten mit. Sei’s mit dem Ehemann, der mit Intimitäten aus seinem Eheleben als Stand-up-Gag auf YouTube konfrontiert wird. Oder mit dem arbeitsunfähigen Vater, den es zu versorgen gilt. Oder mit der überkandidelten Mutter, die unter einer Karriere sicher nicht Stand-up-Comedy versteht.

Ich finde

Paris, Comedy, Liebe und Beziehungsknatsch – das passt. Es passt nicht zuletzt deshalb, weil Aïssatou, Nezir und Bling keine Weissen sind. Und weil Apolline als Weisse in der Runde aus einem schon fast klischiert überprivilegierten Pariser Haushalt kommt. Das gibt Stoff für einige bittersüsse Gags.

Allzu sozialkritisch wirds dann doch nicht. Denn, so sagt einmal ihr Agent zu Aïssatou, die Leute wollen lachen und im Publikum sitzen ja auch Weisse. Daran hält sich die Serie: Charaktere, mit denen man mitfühlt, unterhaltsame Comedy und alles mit einem Touch Paris, der Reisesehnsucht hervorruft.

Showrunner der Serie ist Fanny Herrero, die schon für «Dix pour cent / Call My Agent» verantwortlich zeichnete, sehr empfehlenswert und ebenfalls auf Netflix zu finden.

Wie viele Sterne gibst du «Drôle / Standing Up» Staffel 1?

Besetzung: Mariama Gueye | Younès Boucif | Elsa Guedj | Jean Siuen
Showrunner: Fanny Herrero
Genre: Komödie
F, 2022

Upload (Staffel 2) – Das komplizierte Leben im noblen Jenseits

Läuft bei: Amazon (2 Staffeln, 17 Episoden à 30 Min.)

Für Einsteiger:innen (Achtung kleine Plot-Spoiler): Wir sind in einer Welt, in der reiche Menschen ihr Bewusstsein in ein virtuelles Leben hochladen können, anstatt zu sterben. Nathan ist einer von diesen «Uploads». Allerdings hat er selber kein Geld. Seine reiche Freundin bezahlt für ihn das Leben nach dem Tod in einem luxuriösen Resort namens Lakeview. Dort findet Nathan heraus, dass der Autounfall, der ihn ins Nachleben brachte, kein Unglück war.

Kompliziert wird die Geschichte durch Nora. Sie ist Nathans Kundenbetreuerin in Lakeview und bald mehr als das. Ihrer Beziehung steht nicht nur die Tatsache im Weg, dass sie lebt und er nur noch virtuell existiert. Auch andere Ereignisse lassen sie am Schluss der ersten Staffel getrennte Wege gehen.

Anarchisten wollen die Welt der Untoten löschen

In der zweiten Staffel tritt Nora einer Gruppe von tech-skeptischen Anarchisten bei, die das Geschäft der Firmen mit den Uploads zerstören wollen. Sie kehrt als Maulwurf zurück zur Firma, die Lakeview betreibt und trifft wieder auf Nathan.

Er lebt jetzt mit seiner reichen Freundin zusammen, die sich für ihn – vermeintlich – ins Nachleben hochladen liess. Nora und Nathan spannen trotz der beziehungsmässig komplizierten Situation zusammen, um neuen Spuren nachzugehen, wer Nathan und weshalb genau ins Jenseits befördern liess.

Ich finde

«Upload» hat Science Fiction-Anklänge, minime Kapitalismuskritik und Thrillermomente. In erster Linie ist es aber eine romantische Komödie. Das war in der ersten Staffel so und bleibt es in der zweiten.

Die skurrile Welt in Lakeview bietet ein Arsenal von schrägen Figuren: von den Uploads über die virtuellen Serviceangestellten bis zu den Kundenbetreuer:innen, die vor allem Geld verdienen wollen. Genug Stoff für diverse amüsante Gags und Dialoge.

Dazu kommt die Liebesgeschichte zwischen Nathan und Nora, die selbstverständlich noch nicht zu Ende ist, auch wenn es am Anfang anders scheint.

Binge-Stoff für einen oder zwei Abende

Alles zusammen macht das auch die zweite Staffel von Upload unterhaltsam und binge-würdig. Die insgesamt sieben Episoden à 30 Minuten schafft man locker an einem, maximal zwei Abenden. Immer vorausgesetzt, man hat eine Affinität für Romcoms (In diesem Fall wäre «The Good Place» auch ein heisser Tipp).

Etwas unbefriedigend ist lediglich der Schluss, der nichts abschliesst, sondern nach einer dritten Staffel schreit. Die ist bis jetzt offiziell nicht bestätigt. Die Drehbuchschreiber:innen sollen sich immerhin schon an die Arbeit gemacht haben.

Wie viele Sterne gibst du «Upload» – Staffel 2?

Besetzung: Robbie Amell | Andy Allo | Allegra Edwards | Zainab Johnson | Kevin Bigley | William B. Davis
Showrunner: Greg Daniels
Genre: Romanze | Komödie | Science-Fiction
USA, 2022

The Good Fight (Staffel 5) – Covid, Cancel Culture und der Sturm aufs Kapitol

Läuft bei: Disney+ (5 Staffeln, 51 Episoden à 45 Min.) / Amazon (Staffeln 1-3)

Diane Lockhart gerät zunehmend unter Druck: Die mehrheitlich afroamerikanische Belegschaft will sie nicht mehr an der Spitze der Kanzlei. Das strapaziert Dianes Beziehung zu Liz Roddick, der zweiten noch verbliebene Chefin der Kanzlei, nachdem Adrian Boseman die Firma verlassen hat.

Auch mit ihrem Ehemann Kurt durchlebt Diane turbulente Zeiten, weil er mit Leuten in Kontakt stand, die am 6. Januar das Kapitol stürmten. Kurt kommt deshalb ins Visier des FBI.

Auf der juristischen Seite beschäftigt die Kanzlei – neben anderen Fällen – ein selbsternannter Richter. Hal Wackner (Mandy Patinkin – immer wieder schön, ihn zu sehen) hat im Lagerraum eines Copy-Shops das «Amtsgericht 9¾» eröffnet, in dem er frei von rechtlichen Regeln seine Urteile fällt. Diese Anarcho-Justiz findet zum Entsetzen von Diane grossen Anklang bei Rechtssuchenden.

Ich finde

In der fünften Staffel heisst es leider Abschied nehmen von zwei tragenden Figuren: Der bisherige Firmenchef Adrian Boseman wendet sich der Politik zu und die Anwältin Lucca Quinn hat ein lukrativeres Angebot angenommen als Finanzchefin für ihre superreiche Freundin Bianca.

Dafür beginnt mit Carmen Moyo eine neue Anwältin. Sie kommt zwar direkt von der Uni, macht aber einem wichtigen Klienten der Firma so viel Eindruck, dass er sie als seine Hauptanwältin will.

Aktuelle Themen unterhaltsam verpackt

Auch dieser Anarcho-Richter Wackner sorgt für viel Aufruhr mit seiner unkonventionellen Rechtsprechung, die aufzeigt, wie sehr das «richtige» Justizsystem (in den USA) sich von den Ansprüchen der Bevölkerung entfremdet hat.

Mit dem Sturm aufs Kapitol, Cancel Culture, Covid-Krise, Rassendiskriminierung und -bewusstsein finden sich wie gewohnt aktuelle politisch-gesellschaftliche Themen wieder, die in Rechtsfälle verpackt werden. Immer kritisch, witzig, teilweise auch sarkastisch und deshalb sehr unterhaltsam.

Wie viele Sterne gibst du «The Good Fight» Staffel 5?

Besetzung: Christine Baranski | Sarah Steele | Nyambi Nyambi | Audra McDonald | Michael Boatman | Gary Cole | Mandy Patinkin | Charmaine Bingwa
Showrunner: Michelle King | Robert King
Genre: Krimi | Drama
USA, 2022

The Marvelous Mrs. Maisel (Staffel 4) – Witze reissen im Striplokal

Läuft bei: Amazon (4 Staffeln, 35 Episoden à 45 Min.)

Stand-up-Comedienne Midge Maisel kommt nicht darüber hinweg, dass Shy Baldwin sie vor seiner Europatour rausgeschmissen hat, weil sie Anspielungen auf seine Homosexualität machte. Sie schwört sich, dass sie nur noch dort auftritt, wo sie sagen kann, was sie will.

Das stellt sie und ihre Managerin Susie vor einige Herausforderungen. Doch Midge findet ihre Bühne – in einem illegalen Striplokal.

Auch wenn ihr neues Engagement erfolgreich ist, löst es weder ihre ewigen Geldprobleme, noch bringt es ihre Karriere voran. Stand-up-Star und Freund Lenny Bruce sagt Midge das auch unmissverständlich. Ob und wie Midge ihr Leben und ihre Karriere ändern will, bleibt allerdings offen.

Ich finde

Mit der vierten Staffel von «Mrs. Maisel» sind wir mittlerweile im Jahr 1960 angekommen (weshalb auch Jackie Kennedy einen Auftritt hat). Die Serie spinnt den Faden nahtlos weiter mit allen bekannten Elementen: witzige Dialoge, tolle Ausstattung, fantastische Kostüme und schräge Geschichten, die Midge, ihrer Familie und ihren Freunden widerfahren.

Ihre Mutter betätigt sich als erfolgreiche Heiratsvermittlerin, bis sie Ärger bekommt mit Konkurrentinnen. Ihr Vater wird in der Synagoge während einer Bar Mitzwa-Feier angefeindet, weil er das Musical eines Gemeindemitglieds verrissen hat. Midges Ex-Mann lebt mit seiner chinesischen Freundin zusammen und weiss nicht, wie er das seinen Eltern beibringen soll und Managerin Susie bekommt dank zwei Mafiosi ein grosszügiges Büro mit Sekretärin.

Die Staffel hält das Niveau der vorangehenden. Die Story bleibt amüsant, turbulent, unterhaltsam über alle acht Episoden. Einzig Midges Stand-up-Auftritte sind etwas seltener als zuvor. Das ist schade. Aber es gibt immer noch genügend Comedy im Leben der Maisels und Weissmans, die das fast ganz wettmacht.

Eine fünfte Staffel ist bereits angekündigt, voraussichtlich für Sommer 2023. Es wird die letzte sein und damit die offene Frage beantworten, wo die Hausfrau aus der Upper Westside, die Stand-up-Comedienne wurde, mit ihrer Karriere landet.

Wie viele Sterne gibst du «The Marvelous Mrs. Maisel» Staffel 4?

Besetzung: Rachel Brosnahan | Alex Borstein | Michael Zegen | Marin Hinkle | Tony Shaloub
Showrunner: Amy Sherman-Palladino
Genre: Komödie
USA, 2022

The Last Kingdom /Staffel 5) – Bridas Rache

Läuft bei: Netflix (5 Staffeln, 46 Episoden à 45 Min.)

Zu Beginn der finalen Staffel lebt Uhtred friedlich in einem Vorposten im Norden von Wessex. Doch der Frieden wird nicht andauern. In Island sticht Brida mit ihren Kriegern in See. Ihr einziges Ziel ist es, Uhtred zu töten. Dazu muss sie aber zuerst Fuss fassen in England. Sie sucht sich dafür Eoferwic (York) aus, den Sitz der «Danes» (dänische Wikinger), wo Uhtreds Tochter Stiorra als Königin lebt.

Intrigen am Hof von König Edward führen dazu, dass der Frieden zwischen Angelsachsen und den Danes zerbricht. Edward sieht seine Chance, den Traum seines Vaters von einem vereinten England zu verwirklichen.

Und mittendrin wie immer Uhtred, hin- und hergerissen zwischen seiner Loyalität zum König und seiner Verbundenheit mit den Wikingern.

Ich finde

Der Abschluss der Serie erfüllt alle Erwartungen, wie sie über die ersten vier Staffeln aufgebaut wurden. Viel Kampf, viel Drama durch einige aufwühlende Todesfälle, viel Intrige und ein Finale, von dem man nur so viel verraten kann, dass es Uhtred wieder an den Ort zurückführt, wo alles für ihn begann: Bebbanburg.

Als Anglophiler hat mir «The Last Kingdom» schon immer besser gefallen, als Serien wie «Vikings» oder «Vikings: Valhalla». Erzählt wird zwar dieselbe Geschichte: Wie Angelsachsen im 9. und 10. Jahrhundert gegen die dänischen Wikinger um die Vorherrschaft auf der Insel kämpften. Aber die Perspektive ist eine andere, wie schon das Motto verrät: «England is born».

Dennoch kommen auch die Wikinger nicht zu kurz, weil Uhtred zwar in Northumbria geboren wurde, also Angelsachse ist, aber von Wikingern aufgezogen wurde.

Serie zu Ende – jetzt kommt der Film

Auch wenn die Serie zu Ende ist, wird die Geschichte von Uhtred noch weitererzählt. Muss sie auch, denn am Ende der 5. Staffel sind nicht alle Erzählstränge abgeschlossen. Da taucht bspw. noch ein junger Mann auf, dessen Beziehung zu Uhtred sehr eng ist, und König Edward scheidet nicht im besten Einvernehmen mit Uhtred.

Man darf also gespannt sein, was der angekündigte Film «Seven Kings Must Die» noch liefern wird.

Fun Fact: Die Serie basiert auf der Buchreihe «The Saxon Stories» von Bernard Cornwell. Cornwell lernte seinen leiblichen Vater William Outhred erst kennen, als er schon über 50 war. Von ihm erfuhr er, dass er von Sachsen abstammt, denen die Befestigung Bebbanburg (heute Bamburgh Castle) gehörte. Deshalb nannte er seinen Protagonisten Uhtred of Bebbanburg.

Wie viele Sterne gibst du «The Last Kingdom» Staffel 5?

Besetzung: Alexander Dreymon | Eliza Butterworth | Emily Cox | Millie Brady | Timothy Innes
Genre: Historie | Abenteuer
USA, 2022

1 2