Jack Ryan (Staffel 3) – Der Mann, der den Atomkrieg verhindert

Serienposter mit Schriftzug. Ein Mann steht auf dem Bahnsteig, im Hintergrund ein Zug.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Amazon (3 Staffeln, 24 Episoden à 50 Min.)

Wenn’s spukt, holt man die Ghostbusters. Und wen holt man bei einer internationalen Krise, die zu einem Atomkrieg ausufern könnte? Jack Ryan! Der CIA-Mann, der alle Probleme im Alleingang löst. Wobei man ihn selten rufen muss. Er ist meist vor allen anderen da, weil er den Riecher hat für brenzlige Situationen.

Russische Hardliner planen den Krieg

Diesmal ist Jack (John Krasinski) auf der Spur eines russischen Geheimprojekts namens Sokol. Ursprünglich war das ein Projekt zur Entwicklung einer kleinen Atombombe aus den 60er-Jahren. Sokol wurde aber terminiert, wie auch die Wissenschaftler, die daran arbeiteten.

Ein Mann mit Rucksack zu Fuss unterwegs.
Jack Ryan (John Krasinski) muss sich oft im Alleingang durchkämpfen, weil er nicht in offizieller Mission unterwegs ist. © Amazon Studios

Jetzt holt eine abtrünnige Fraktion innerhalb der russischen Regierung das Projekt wieder aus der Schublade. Ihr Ziel: Auf Nato-Gebiet eine kleine Atombombe zu zünden, das der Nato in die Schuhe zu schieben, um so einen Krieg anzuzetteln, bei dem die Russen in sieben Tagen an den Rhein vorstossen wollen (eine historisch belegte Strategieüberlegung des Warschauer Pakts). Am Ende soll das alte Sowjetreich aus der Asche auferstehen.

Gejagt von allen Seiten

Aber eben: Jack Ryan ist ihnen auf den Fersen. Allerdings unter erschwerten Bedingungen. Der CIA-Chef in Langley ist ein typischer Bürokraten-Hasenfuss, der keine Ahnung hat, und Jack deshalb zurückpfeift. Was dieser geflissentlich ignoriert und deshalb von den eigenen Leuten gejagt wird.

Ganz alleine muss es Jack aber doch nicht mit den bösen Russen aufnehmen. James Greer (Wendell Pierce) und Mike November (Michael Kelly), zwei alte CIA-Kumpels, halten zu ihm. Auch seine neue Vorgesetzte Elizabeth Wright (Betty Gabriel) schlägt sich nach einigem Zögern auf seine Seite.

Zwei Männer in Kampfmontur und mit Waffen in den Händen vor einem Hubschrauber.
Mike (Michael Kelly) und Jack räumen schwer bewaffnet die Bösen aus dem Weg. © Amazon Studios

Wie es ausgeht, kann man sich denken. Aber man muss der Serie zugestehen, dass der Weg dahin spannend ist: reichlich Action und einige Rettungsaktionen in letzter Sekunde.

Ohne Amerika wäre die Welt verloren

Warnen muss man allerdings vor dem Weltbild, das der Serie zugrunde liegt, falls jemand Tom Clancy nicht kennt, auf dessen Büchern die Jack Ryan-Serie basiert. Die ist simpel und kennt keine Schattierungen: Die Vereinigten Staaten sind das beste Land der Welt und sie wissen, was für den Rest der Welt gut ist.

Deshalb macht auch die tschechische Präsidentin Kovac (Nina Hoss) keine besonders gute Figur. Nur dank der Hilfe der Amis kann sie ihre Verwicklungen in den ganzen Plot einigermassen unbeschadet überstehen.

Ein Mann und eine Frau geben sich die Hand. Im Hintergrund ein Sicherheitsbeamter und die tschechische Flagge.
Ohne die Unterstützung von Jack Greer (Wendell Pierce) wäre Präsidentin Kovac (Nina Hoss) aufgeschmissen. © Amazon Studios
Das Muster wiederholt sich – wie lange noch?

Wer sich also am völlig selbstverständlichen imperialistischen Gehabe der US-Amerikaner stört, den wird die Serie von A bis Z nerven. Wenn man das ausblenden kann, gibt’s gute Unterhaltung.

Ob das Muster dieser Serie noch lange funktioniert, scheint aber zweifelhaft. Nur den Schauplatz zu wechseln, wie das in den drei vorliegenden Staffeln passierte, reicht irgendwann nicht mehr, wenn am Ende doch immer dieselbe Geschichte erzählt wird. Aber die Figur des Jack Ryan weiterzuentwickeln, ist wohl auch keine Option. Er ist so simpel gestrickt wie das Weltbild, das er vertritt …

Wie viele Sterne gibst du «Jack Ryan» Staffel 3?
11 Stimmen

Besetzung: John Krasinski | Wendell Pierce | Michael Kelly | Nina Hoss | Peter Guinness | Alexej Manvelov | James Cosmo | Betty Gabriel
Serie entwickelt von: Carlton Cuse | Graham Roland
Genre: Thriller | Action
USA, 2022

The Peripheral (Staffel 1) – Gute Science-Fiction, aber nervig reaktionär

Serienposter mit Schriftzug. Porträt einer Frau. Ihre Augenpartie ist überlagert von zwei Landschaftspanoramen.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Amazon (1 Staffel, 8 Episoden à 60 Min.)

Wenn «Von den Macher:innen von ‹Westworld›» draufsteht, dann klingt das vielversprechend. Es tönt an, worauf wir uns einstellen dürfen. «The Peripheral» erfüllt diese Erwartungen: etwas Science-Fiction, humanoide Hightech-Roboter, Action und dann noch so was wie Zeitreisen.

Neuanfang nach «Westworld»-Absetzung

Damit bewegen sich Produzent:in Jonathan Nolan und Lisa Joy in ähnlichen Gefilden wie bei «Westworld», wo sie dieses Jahr einen herben Rückschlag hinnehmen mussten. HBO hat die Serie nach der eher schwachen vierten Staffel abgesetzt. Dabei hatten Nolan/Joy noch eine fünfte und letzte geplant.

William Gibson – Erfinder des Cyberspace
Die Vorlage zu «The Peripheral» stammt aus der Feder von William Gibson. Er ist vor allem bekannt als Autor von «Neuromancer», sein Debütroman von 1984, der das Sci-Fi-Subgenre des Cyberpunks begründete. Zudem wird ihm die Erfindung des Begriffs «Cyberspace» zugeschrieben. «The Peripheral» erschien 2014 und ist der erste Teil einer Trilogie. 2020 erschien der zweite Band «Agency». Ein Termin für Band 3 ist noch nicht bekannt.

Von daher bedeutet «The Peripheral» für die beiden wohl eine Art Neuanfang. Was – richtigerweise – vermuten lässt, dass die Serie nicht nur auf eine Staffel angelegt ist. Nach den ersten acht Episoden ist die Geschichte an einem Wendepunkt angekommen, aber noch lange nicht zu Ende erzählt.

Science-Fiction in den Blue Ridge Mountains

Ich bin allerdings noch unschlüssig, ob ich mir eine allfällige zweite Staffel anschauen würde. Das ganze Setting von «The Peripheral» ist zwar recht ansprechend, aber nicht wirklich berauschend.

Interessant ist die Ausgangslage der Geschichte. Lynne Fisher (Chloë Grace Moretz) lebt im Jahr 2032 in einem Kaff in den Blue Ridge Mountains, wo sich schon die Waltons eine gute Nacht wünschten. Lynne arbeitet in einem 3D-Druckershop, ist aber vor allem eine herausragende VR-Gamerin.

Per Headset ins Zukunftsabenteuer

Sie springt öfters für ihren Bruder Burton (Jack Reynor) ein, der mit Games Geld zu verdienen versucht. Burton bekommt ein äusserst lukratives Angebot, eine neuartige Simulation zu testen. Das Geld könnten die beiden sehr gut brauchen für die Medikamente, die ihre kranke Mutter braucht.

Eine Frau trägt ein futuristisches Headset auf dem Kopf.
Das Headset, das Lynne (Chloë Grace Moretz) in die Zukunft bringt, erinnert ein wenig an den «Facehugger» aus «Alien», einfach verkehrt herum aufgesetzt. © Amazon Studios

Lynne setzt sich das neuartige Headset auf und landet in London im Jahr 2099. Ihr Auftrag: Bei einer Firma einbrechen und Technologie klauen. Das läuft einigermassen erfolgreich. Der Diebstahl gelingt, aber ihre Spielfigur stirbt am Schluss.

Die Simulation fühlt sich völlig realistisch an, berichtet Lynne begeistert ihrem Bruder. Sie spürt sogar die Schmerzen ihrer Spielfigur. Ist es wirklich eine Simulation?

Keine Simulation, sondern eine Zeitreise

Nein. Lynne ist tatsächlich virtuell in die Zukunft gereist in einen hoch entwickelten Humanoiden, «Peripheral» genannt. Weil diese Zukunft mit Lynnes Gegenwart kommunizieren kann, verursacht das für Lynne und ihren Bruder Probleme. Die beklaute Firmenchefin (T’Nia Miller) reagiert ziemlich brachial. Sie schickt Söldner, die die beiden umbringen sollen.

Gleichzeitig meldet sich Wilf Netherton (Gary Carr) aus der Zukunft bei Lynne, weil die Auftraggeberin des Diebstahls verschwunden ist und Wilf sie finden will. Dafür braucht er Lynne wieder in ihrem «Peripheral».

Ein Mann und eine Frau sitzen in einer noblen Umgebung auf zwei Thronartigen Stühlen.
Milf (Gary Carr) betreut Lynnes Peripheral in der Zukunft. Dass es zwischen den beiden knistert, ist auch wenig originelles Storytelling. © Amazon Studios

Zeitreisen sind immer heikel für die Logik einer Story. Das ist bei «Peripheral» aber nur mässig verwirrend. Der Kontakt aus der Zukunft durch irgendwelche Quantentunnels tönt logisch. Komplizierter wird es, wenn durch diese Kontakte immer neue Zeitachsen abzweigen. Wenn man dem aber nicht allzu fest nachhängt, stört das auch nicht gross.

Wildwest-Mentalität feiert Urstände

Die grosse Schwäche der Serie liegt in der Gegenwart. Hier schlägt das reaktionäre amerikanische Wertesystem mal wieder völlig unreflektiert zu. Burton umgibt sich mit Freunden, mit denen er im Krieg gekämpft hat.

Unter diesen heroischen Veteranen, einer davon schwer behindert, herrscht strikte Marines-Mentalität und die alte Wildwest-Losung zuerst schiessen, dann fragen. Dieses martialische Gehabe nervt, auch wenn es im Plot sehr gelegen kommt, um die Killerkommandos zu beseitigen.

Zwei Männer in einer Bar. Auf dem Tisch stehen zwei Biergläser. Einer der Männer hat sein Glas erhoben.
Wie im Saloon im Wilden Westen: Lynnes Bruder Burton (Jack Reynor) mit einem seiner Militärkumpels. © Amazon Studios
Die Welt geht unter, aber Hauptsache Mama wird gesund

Einigermassen absurd und ziemlich klischiert kommt der Bösewicht der Kleinstadt daher. Corbell Pickett (Louis Herthum) hat das Kaff im Sack und ist unantastbar. Er verdient sein Geld mit Drogen und ist der grösste Arbeitgeber. Quasi ein Walter White («Breaking Bad»), der es geschafft hat.

Es reicht dann allerdings, dass einer der Polizisten einen moralischen Anfall bekommt. Plötzlich sind die Machtverhältnisse, die jahrelang unverrückbar waren, in Frage gestellt. Ziemlich lächerlich.

Auch dass die Familie über alles geht, treibt die Serie auf die Spitze. In der Londoner Zukunft bekommt Lynne eine Mission, die die ganze Welt retten soll. Ob sie dafür Bedingungen stelle, wird sie gefragt. Ja, sagt Lynne: «Macht meine Mama gesund». Weil ein Familienmitglied ja mindestens die ganze Weltbevölkerung aufwiegt, oder so.

Zum Glück gibt’s die Londoner Zukunft

Von dieser hinterwäldnerischen Welt hebt sich die Londoner Zukunft wohltuend ab. Nicht nur, dass sie Englisch sprechen ohne diese hässlichen zerquetschten Vokale.

Eine Frau steht auf einer Terrasse hoch über einer Stadt. Sie trägt ein futuristisches, wehendes schwarzes Kleid.
Brutale Bösewichtin mit exquisitem Modegeschmack: T’Nia Miller als Cherise Nuland.

Der Machtkampf, den es hier auch gibt, wird zwar nicht weniger gewalttätig, aber viel gepflegter ausgetragen. Das überspitzt die Serie zwar auch mit exaltierten Figuren in extravaganter Kleidung. Aber irgendwie ist das erträglicher, ja sogar ziemlich amüsant.

Wenn man die reaktionäre Ideologie ausblendet, kann «The Peripheral» aber zugutehalten, dass sie einen unterhaltsamen Plot mit reichlich Action bietet. Das ist zumindest vergnüglich. Vielleicht erhält die zweite Staffel dann doch eine Chance bei mir – falls sie kommt.

Wie viele Sterne gibst du «The Peripheral» Staffel 1?
1 Stimme

Besetzung: Chloë Grace Moretz | Gary Carr | Jack Reynor | JJ Feild | T’Nia Miller | Louis Herthum | Katie Leung | Melinda Page Hamilton | Eli Goree | Charlotte Riley
Serie entwickelt von: Scott B. Smith
Genre: Science-Fiction | Action | Thriller
USA, 2022

The Devil’s Hour (Staffel 1) – Alpträume aus der Zukunft

Serienposter mit Schriftzug. Ein Mann und eine Frau sitzen sich gegenüber an einem Tisch. Er trägt Handfesseln. Ihre Umrisse sind mehrfach im Spiegel im Hintergrund zu sehen.

Läuft bei: Amazon (1 Staffel, 6 Episoden à 60 Min.)

«The Devil’s Hour» macht so ziemlich alles richtig, um Spannung, Verwirrung, Schaudern und Gänsehaut zu erzeugen. Da ist zuerst die Besetzung: Jessica Raine (u.a. «Call the Midwife») und Peter Capaldi (u.a. der zwölfte Dr. Who) sind hervorragend. Sie, die rastlos nach Antworten sucht. Er, der diese Antworten kennt und das finstere Geheimnis, mit dem sie verbunden sind.

Alpträume zur Teufelsstunde

Dann der Aufbau: Mit der ersten Szene werden wir auf das Mysteriöse eingestimmt. Lucy Chambers (Jessica Raine) sitzt einem Mann gegenüber. Sein Gesicht sehen wir nie. Eindringlich redet er auf sie ein. Er scheint das Innerste seines Gegenübers bestens zu kennen. Ihre Sorgen, ihre Fragen, ihre Ängste, vor allem ihre Alpträume.

Jede Nacht um 3.33 Uhr – zur Teufelsstunde – wacht Lucy Chambers auf. Nicht 3.32 Uhr, nicht 3.34 Uhr – exakt um 3.33 Uhr schreckt Lucy aus einem ihrem Schlaf auf. Hat sie auch die Begegnung mit diesem Mann nur geträumt?

Eine Frau liegt wach im Bett. Der Wecker auf dem Nachttisch zeigt 3.33 Uhr an.
Wie jede Nacht: Lucy Chambers (Jessica Raine) schreckt um 3.33 Uhr aus ihren Träumen auf. © Amazon Studios
Der Junge ohne Gefühle

Lucy ist jetzt wach. Sie geht in die Küche. Tee machen oder doch lieber ein Schluck Whisky? Die Frage erübrigt sich. Die Tasse zerschellt am Boden. Ihr Sohn Isaac (Benjamin Chivers) steht plötzlich in der Tür und jagt ihr den nächsten Schrecken ein.

Isaac ist ähnlich unheimlich wie Lucys Alpträume. Der Junge redet kaum ein Wort, zeigt keinerlei Emotionen und redet mit Menschen, die nur er sieht. Natürlich würde Lucy ihren Sohn nie als unheimlich bezeichnen. Aber den Zuschauenden jagt er Schaudern über den Rücken.

Ein Junge starrt ins Leere. Im Hintergrund eine Frau, die ihn anschaut.
Alle Therapien nützen nichts: Isaac (Benjamin Chivers) bleibt verstockt und unheimlich. Er weiss weshalb. © Amazon Studios
Lucy erinnert sich an die Zukunft

Klar, dass der Mann am Anfang, die Alpträume und Isaac irgendwie zusammenhängen. «The Devil’s Hour» ist schliesslich ein Mystery-Krimi. Diese Zusammenhänge enthüllt die Serie geschickt Schritt für Schritt und gibt noch ein paar Mordfälle plus die zwei ermittelnden Polizisten in den Mix.

Schon bald zeigt sich: Ein Teil von Lucys Alpträumen sind Ereignisse aus der Zukunft. Oder um die Sache zu komplizieren: aus einer Zukunft. So kommt sie dem Mörder auf die Spur, hinter dem DI Dhillon (Nikesh Patel) und DS Holness (Alex Ferns) her sind.

Ein Mann sitzt im Büro vor einem Computer. Ein zweiter Mann steht neben ihm und schaut auf den Bildschirm.
DS Holness (Alex Ferns) und DI Dhillon (Nikesh Patel) stossen im Verlauf ihrer Ermittlungen auf den Namen Lucy Chambers. © Amazon Studios
Wer ist Lucy wirklich?

Am Schluss führt das zum Anfang zurück. Die Szene – so stellt sich heraus – im Verhörraum. Ob und wer Morde begangen hat, ist dabei aber fast nur Nebensache. Es geht darum: Wer ist Lucy Chambers? Ist sie wirklich die Sozialarbeiterin mit einem gestörten Sohn?

So eindringlich das Gespräch zwischen Gideon (Peter Capaldi) und Lucy ist, die Erklärung, mit welchem Mysterium sie und er konfrontiert sind, strapaziert die Nachvollziehbarkeit ziemlich. Wie immer, wenn es um Phänomene geht, die grob gesagt etwas mit dem Zeitkontinuum zu tun haben.

Eine Frau sitzt an einem Holztisch. Ihr gegenüber sitzt ein Mann von dem nur die seitlichen Umrisse erkennbar sind. Vor ihm steht ein Glas Wasser.
Erst ganz am Schluss wird Lucy Chambers (Jessica Raine) Gideon (Peter Capaldi) gegenüber sitzen. Aber schon zu Beginn werden wir auf dieses entscheidende Treffen eingestimmt. © Amazon Studios
Fortsetzungen folgen

Dem Gesamteindruck von der Serie schadet das aber wenig. «The Devil’s Hour» ist ein sehr gut gemachter Mystery-Krimi und bereitet den Boden gut vor für weitere Staffeln.

Mindestens zwei werden es sein, denn die hat Amazon schon bestellt. In den letzten Einstellungen der Serie zeichnet sich ab, wie es weitergehen wird. Dieser Auftritt von Lucy Chambers in einer ganz anderen Rolle sieht vielversprechend aus.

Wie viele Sterne gibst du «The Devil's Hour» Staffel 1?
6 Stimmen

Besetzung: Jessica Raine | Peter Capaldi | Nikesh Patel | Benjamin Chivers | Alex Ferns | Meera Syal | Phil Dunster | Talia Walker Bassols | Rhiannon Harper-Rafferty | Thomas Dominique
Serie entwickelt von: Tom Moran
Genre: Mystery | Krimi
GB, 2022

The Good Fight (Staffel 6) – Die ultimative Serie der Trump-Ära sagt Goodbye

Serienposter mit Schriftzug. Zwei Frauen. Eine Frau im roten Mantel und Sonnenbrille hält eine Sonnenblume in der Hand.

Läuft bei: Paramount+ / Disney+ (Staffel 1-5, 50 Episoden à 45 Min.) / Amazon (Staffel 1-3)

Diese Besprechung enthält Spoiler

So wie sie begann, endet die Serie: mit Donald Trump. In der ersten Episode von «The Good Fight» verfolgte Diane Lockhart (Christine Baranski) ungläubig, wie der Popanz mit orangen Haaren als US-Präsident vereidigt wird.

Die Serie, die den Niedergang der USA begleitete

Fünf Jahre später blicken Diane und Liz Reddick (Audra McDonald) entsetzt auf einen Fernsehschirm. Trump steht am Rednerpult. Er verkündet seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2024 und feiert das mit lächerlichen Tanzbewegungen. Im Abspann fliegt der Fernsehbildschirm, der das Ereignis zeigt, in die Luft.

Zwei Frauen mit entsetzem Blick und offenem Mund.
«The End of Everything» heisst die letzte Episode, in der Trump zum Entsetzen von Diane (Christine Baranski) und Liz (Audra McDonald) verkündet, dass er wieder Präsident werden will. © Paramount+

Kein Happy End. Optimismus ist in den USA fehl am Platz. Das Land hat einen Niedergang erlebt, den das Showrunner-Paar Michelle und Robert King kontinuierlich in ihre Serie eingewoben hat.

Chaos und Gewalt auf den Strassen

Polizeigewalt gegen Schwarze, Putins Einflussnahme auf die Wahlen, Fake News, das Versagen in der Covid-Krise, der Sturm aufs Kapitol – all diese Themen und viele mehr tauchten in der Serie auf. «The Good Fight» ist eine der wenigen, wenn nicht die einzige Serie, die festhielt, wie die USA unter Trump zerfielen.

Die letzten beiden Staffel spielten zwar in der Ära Biden. Das war für die Serie aber kein Anlass, die Tonalität zu wechseln. Im Gegenteil. In der sechsten und finalen Staffel herrscht Gewalt auf der Strasse. «White Supremacy»-Aktivist:innen marschieren auf und skandieren «You will not replace us».

Eine Frau kniet am Boden. Im Hintergrund aufgebrachte Protestierende und Polizisten.
Der neue Alltag: Auf dem Weg ins Büro muss sich Diane durch den Protestzug von Rassisten durchkämpfen. © Paramount+
Selbstjustiz, weil das System versagt

Die Protagonist:innen der Serie nehmen das seltsam gelassen zur Kenntnis. Es scheint, als gehöre dieses Bild für sie schon zum Alltag in den USA. Erst als die Anwaltskanzlei durch Scharfschützen beschossen wird, wird ihnen langsam mulmig.

Die Gewalt der Rassisten sorgt auch auf der Gegenseite für eine härtere Gangart. Jay (Nyambi Nyambi), der Ermittler der Anwaltskanzlei, kommt in Kontakt mit einer Gruppierung von Schwarzen, die sich «The Collective» nennt.

Ein Mann und eine Frau sitzen auf zwei Stühlen und unterhalten sich.
Jay (Nyambi Nyambi) will für Renetta (Phylicia Rashad) arbeiten, die «The Collective» anführt. © Paramount+

Die Untergrundtruppe verfolgt Rassisten, sperrt sie ein und deportiert sie in die Antarktis – ohne rechtskräftige Urteile. Als Legitimation für diese Selbstjustiz führen sie das Versagen des Rechtsstaates an. Jay wird sich ihnen anschliessen. Er wolle etwas verändern, sagt er. Die Arbeit der Anwaltskanzlei bewirke nichts.

Ein Fünkchen Hoffnung

Auch Diane zweifelt an ihrem Job. Sie fühle sich wie in einem Hamsterrad, sagt sie. Alles, was in den letzten 50 Jahren an Fortschritt erreicht wurde, müsse man wieder neu erkämpfen. Als Beispiel führt sie den Entscheid des Obersten Gerichts zur Abtreibungsfrage an.

So ganz defätistisch mag die Serie dann doch nicht enden. Ein bisschen Hoffnung lässt sie aufkeimen. Marissa (Sarah Steele) heiratet. Carmen Moyo (Charmaine Bingwa) will Jay nicht in den Untergrund folgen, sondern legal weiterkämpfen.

Zwei junge Frauen sitzen auf einer Treppe in einem Büro.
Carmen (Charmaine Bingwa) und Marissa (Sarah Steele) werden getrennte Wege gehen. © Paramount+
Eine Anwaltsserie als Zeitdokument

Auch Diane schmeisst vielleicht nicht alles hin. Es tut sich ein Türchen auf für einen neuen Job in Washington. Sie könnte die Führung einer reinen Frauenanwaltsfirma übernehmen. Ob sie die Kraft findet, weiterzumachen, bleibt allerdings offen.

Aber eben: All das ist überschattet von Trumps Ankündigung, dass er wieder Präsident werden will. Als Mahnung steht im Abspann «This all happened». Was unterstreicht, dass die Serie sich selber bei aller Fiktion auch als Zeitdokument versteht. Das kann man gelten lassen.

Wie viele Sterne gibst du «The Good Fight» Staffel 6?
2 Stimmen

Besetzung: Christine Baranski | Audra McDonald | Sarah Steele | Nyambi Nyambi | Michael Boatman | Charmaine Bingwa | Andre Braugher | John Slattery | Alan Cumming | Gary Cole
Serie entwickelt von: Robert King | Michelle King | Phil Alden Robinson
Genre: Krimi | Drama
USA, 2022

The Rings of Power (Staffel 1) – Bombastisch inszenierte Fantasiewelt

Serienposter mit Schriftzug. Mehrere Personen kreisförmig dargestellt. Im Hintergrund Landschaft mit Türmen.

Läuft bei: Amazon (1 Staffel, 8 Episoden à 60 Min.)

Elfen, Zwerge, Hobbits– das hat für mich immer etwas Weihnachtliches. Zwischen Heiligabend und Neujahr ist die beste Zeit, um sich so endlose Epen wie Peter Jacksons «Lord of the Rings»- und «The Hobbit»-Mehrteiler am Stück reinzuziehen.

Trügerischer Friede in Mittelerde

Dieses Jahr kam Weihnachten etwas früher. Dank Amazon und Jeff Bezos, bekennender Fan von Tolkiens Fantasiewelt. Vor fünf Jahren hatte der Konzern für 250 Mio. Dollar die Rechte am Tolkien-Material über das so genannte «Zweite Zeitalter» erworben. «The Rings of Power» ist die erste Staffel aus diesem Stoff, mindestens vier weitere sollen noch folgen.

Erzählt wird die Geschichte, die sich Tausende Jahre vor den Ereignissen in «Lord of the Rings» abspielt. Es herrscht Frieden in Mittelerde, nachdem der dunkle Lord Morgoth besiegt worden ist. Die Elfenkriegerin Galadriel (Morfydd Clark) traut der Ruhe aber nicht.

Eine blonde Frau in einer Rüstung. Im Hintergrund unscharf ein Haus und Dorfbewohner.
Die Elfenkriegerin Galadriel (Morfydd Clark). Eine der wenigen Figuren, die wir aus «Lord of the Rings» kennen. Da wurde sie von Cate Blanchett gespielt. © Amazon Studios

Sie will Sauron finden, der Morgoth diente, und ihn töten, um das Böse endgültig zu vernichten. Ihre jahrelange Suche bleibt ergebnislos. Die Ruhe ist aber tatsächlich trügerisch. Orks tauchen wieder auf. Und bei den Harfoots, den Vorläufern der Hobbits, fällt ein geheimnisvoller Fremder vom Himmel.

Epische Geschichte mit Dutzenden Figuren

Natürlich ist alles noch komplizierter. Das Königreich Númenor spielt eine Rolle, die Suche nach Mithril in den Minen der Zwerge und ein Schiffbrüchiger, der Galadriel aus dem Meer fischt. Alles gipfelt in dieser ersten Staffel darin, dass der Elfenmeister Celebrimbor die drei Ringe der Macht schmiedet und sich Sauron zu erkennen gibt.

Das war jetzt kein Spoiler, sondern schlicht der Anfang der Geschichte. Denn das «Zweite Zeitalter» ist geprägt von den titelgebenden Ringen der Macht und wie Sauron versucht, diese Macht an sich zu reissen. Und das alles eben episch erzählt mit Dutzenden von Hauptfiguren.

Zwei Manner in Gewändern stehen um einen runden, metallischen Arbeitstisch.
Celebrimbor (Charles Edwards, links) wird die drei Ringe der Macht schmieden. © Amazon Studios
Fantasiewelt als Augenweide

Überwältigend ist sowieso weniger die Geschichte. Die nimmt fast ruhig ihren Lauf, auch wenn zwischendurch heftig gekämpft wird. Bombastisch ist vor allem die Inszenierung mit viel Computergrafik und Liebe zu Details.

Man sieht, wohin die knapp 500 Millionen Dollar geflossen sind, die diese erste Staffel gekostet hat. Das ist eine Augenweide und macht fast vergessen, dass es nur eine Fantasiewelt ist.

Drei Schiffe mit einer Art Kreissegeln auf einem Fluss vor einer Brücke umgeben von einer Stadt.
Die Insel Númenor ist einer der aufwendig generierten Orte der Serie. © Amazon Studios
Heldengeschichten statt Intrigen

Wirklich gepackt hat mich «The Rings of Power» aber nicht. Dafür ist diese Tolkien-Welt zu einfach gestrickt. Es gibt das Gute und es gibt das Böse. Zwischentöne finden sich nicht.

Darin unterscheidet sich «The Rings of Power» wohl auch am meisten von «House of the Dragon», dem anderen grossen Prequel dieser Saison. Machiavellismus ist in King’s Landing an der Tagesordnung, in Mittelerde aber ein unbekanntes Konzept.

Ein Ork mit offenem Mund und einem Helm.
Der Inbegriff des Bösen, die hässlichen Orks. © Amazon Studios

Das macht «The Rings of Power» nicht wirklich schlechter. Es ist einfach ein ganz anderes Seherlebnis. Mehr Heldengeschichten als nervenaufreibende Intrigen. Mehr Freundschaft und Zusammenhalt statt Meuchelmorde. Deshalb eben gut geeignet fürs Binge-Watching in der besinnlichen Weihnachtszeit.

Wie viele Sterne gibst du «The Rings of Power» Staffel 1?
183 Stimmen

Besetzung: Morfydd Clark | Ismael Cruz Cordova | Charlie Vickers | Markella Kavenagh | Robert Aramayo | Nazanin Boniadi | Owain Arthur | Lloyd Owen | Cynthia Addai-Robinson | Maxim Baldry | Joseph Mawle | Lenny Henry
Serie entwickelt von: Patrick McKay | John D. Payne
Genre: Fantasy | Abenteuer | Action
USA / NZL, 2022

A League of Their Own (Staffel 1) – Zum Glück nur wenig Baseball, dafür starke Frauengeschichten

Läuft bei: Amazon (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

1943 droht dem Profi-Baseball in den USA das Aus. Die Männer müssen in den Krieg. Ein Süssigkeiten-Mogul gründet eine Frauenliga (im echten Leben war es der Kaugummi-König Philip K. Wrigley), obwohl er dem Vorhaben wenig Chancen einräumt.

Eine Hausfrau wird zur Profispielerin

Carson Shaw (Abbi Jacobson) ist eine der Frauen, die sich um einen Platz in der Liga bewirbt. Eine Hausfrau aus Idaho, deren Mann in Europa dient. Carson reist zu den Tests nach Chicago und trifft auf Dutzende Frauen, die ihre Leidenschaft für Baseball teilen.

Drei Frauen, sportlich gekleidet, mit Baseball-Ausrüstung. Sie schauen an der Kamera vorbei.
Staunen und Freude: Jo (Melanie Field), Carson (Abbi Jacobson) und Greta (D’Arcy Carden) entdecken, dass sie nicht die einzigen Frauen sind, die sich für Baseball begeistern. © Amazon Studios

Auch Maxine «Max» Chapman (Chanté Adams) will in die Liga. Sie ist eine hervorragende Pitcherin, aber ohne Chancen. Max ist Afroamerikanerin und wird abgelehnt.

Hosen verboten und schminken obligatorisch

Carson wird den «Rockford Peaches» zugeteilt. Dove Porter (Nick Offerman), ein ehemaliger Baseballstar, coacht das Team. Damit alles sittlich zu und hergeht, erhält jedes Team auch eine Anstandsdame, die für Nachtruhe sorgt und angemessene Kleidung.

Hosen sind nämlich verboten. Auch auf dem Platz müssen die «Peaches» in Röcken spielen und erhalten einen Schnellkurs in Schminken. Schliesslich sollen die Sportlerinnen nicht das herrschende Frauenbild unterminieren oder gar die männliche Vorherrschaft in Frage stellen. Das wäre schlecht fürs Geschäft des Sponsors.

Eine junge Schwarze Frau in Sportkleidung und mit einem Baseballhandschuh. Im Hintergrund alte Autos und ein Fabrikgebäude.
Max (Chanté Adams) gibt nicht auf und will im Team der ortsansässigen Schraubenfabrik mitspielen. © Amazon Studios
Eine völlig neue Welt

Max will ihren Traum, Baseball zu spielen, noch nicht aufgeben. Sie nimmt einen neuen Anlauf beim lokalen Fabrikteam, in dem Schwarze mitspielen dürfen. Diesmal wird ihr nicht Rassismus zum Verhängnis, dafür Sexismus. Es scheint, Max wird nie in einem Team spielen.

Die Spielerinnen der «Peaches» erleben nicht nur auf dem Feld eine völlig neue Welt. Für einige wie Carson wird ihr ganzes bisheriges Leben auf den Kopf gestellt.

Einschätzung

Es ist schon fast kühn, dass sich Abbi Jacobson, Hauptdarstellerin und gemeinsam mit Will Graham Autorin der Serie, an die Geschichte der «Rockford Peaches» heranwagt. Denn diese Geschichte wurde schon in einem Film von Penny Marshall im Jahr 1992 erzählt.

Ein viel geliebter Film als Vorlage

Der Film, ebenfalls «A League of Their Own» betitelt, glänzte nicht nur durch seine Starbesetzung mit Geena Davis, Madonna, Rosie O’Donnell und Tom Hanks. Er wurde von Publikum wie Kritiker:innen gleichermassen geliebt– bedingt durch die Sportart vorwiegend in den USA – als eine charmante Komödie, die leichtfüssig, aber nicht unernst ein frühes Kapitel der Frauenbewegung schildert.

Eine blonde Frau in blauem Sportoutfit macht den Spagat. In der linken Hand hält sie einen Baseballhandschuh und eine Baseball.
Referenz an den Film: Maybelle (Molly Ephraim) macht den berühmten Spagat-Ballfang von Geena Davis nach (im Training, deshalb in Hosen 🙂). © Amazon Studios

Hohe Erwartungen also, denen sich das Remake als Serie stellen muss. Aber die Neuauflage enttäuscht keineswegs. Im Gegenteil. Sie fokussiert die Geschichten der Hauptfiguren um auf gesellschaftspolitische Aspekte, die heute aktuell sind. So wirkt sie frisch und neu und nicht als verstaubter Abklatsch eines 90er-Jahre-Films.

Natürlich bleibt der Hauptpunkt die Gleichstellung der Frau in einer Welt, in der männlicher Chauvinismus die Grundkonstante ist. Die «Peaches» verstehen sich zwar nicht als Kämpferinnen für Frauenrechte. Viele hinterfragen ihre Rolle gar nicht. Aber einige entdecken Freiräume, die ihnen vorher unbekannt oder verwehrt waren.

Carson entdeckt ihre unbekannten Seiten

Allen voran Carson. Sie fährt nicht zuletzt nach Chicago, weil ihr Mann angekündigt hat, dass er demnächst aus dem Krieg nach Hause kommen werde. De facto flieht Carson vor ihrem Hausfrauendasein, auch wenn sie sich das nicht wirklich eingesteht.

Ihr neuer Alltag bei den «Peaches» bringt Eigenschaften hervor, die sie an sich nicht kannte. Als der Coach das Team im Stich lässt, übernimmt Carson zögernd den Job und hadert lange mit Selbstzweifel, obwohl sie absolut die Richtige ist für die Aufgabe.

Zwei Frauen stehen an einer Bar und schauen sich gegenseitig an.
Ein bisschen viel mehr als nur Freundinnen: Carson und Greta. © Amazon Studios

Und dann ist da noch Greta (D’Arcy Carden), mit der sie sich anfreundet. Dass diese Freundschaft in Liebe mündet, überwältigt Carson. Lesbisch zu sein, war in ihrem Lebenskonzept nicht vorgesehen.

Rassismus und eine queere Community

Um Max entwickelt sich eine weitere Ebene der Story. Da ist einerseits der alltägliche Rassismus und wie sich die afroamerikanische Gemeinschaft damit arrangieren muss, um nicht in Gefahr zu geraten.

Andererseits ist da ihre Tante Bertie, zu der ihre Mutter jeglichen Kontakt abgebrochen hat. Denn Bertie lebt schon lange als Bert mit einer Frau zusammen. Max nimmt Kontakt auf mit ihrem Onkel und lernt eine völlig unbekannte Welt kennen.

Männer wie hier Coach Porter (Nick Offerman) halten sich zwar für unersetzlich, spielen aber tatsächlich nur Nebenrollen. © Amazon Studios

Die Geschichte der Frauenbaseballliga, die tatsächlich in den 40er-Jahren entstand, ist in «A League of Their Own» nur die Kulisse für ein Sittengemälde der Kriegsjahre in den USA aus der Sicht von Minderheiten und Unterdrückten.

Baseball ist langweilig, aber diese Serie nicht

Das tut die Serie aber nicht mit dem aktivistischen Zeigefinger, sondern mit liebevoll gezeichneten Charakteren, herzerwärmenden Geschichten und humoristischen Episoden. Man muss Baseball nicht mögen, um von dieser Serie sehr angetan zu sein.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «A League of Their Own» Staffel 1?

Besetzung: Abbi Jacobson | Chanté Adams | D’Arcy Carden | Gbemisola Ikumelo | Roberta Colindrez | Kelly McCormack | Priscilla Delgado | Melanie Field | Nat Faxon | Nick Offerman | Kendall Johnson
Serie entwickelt von: Will Graham | Abbi Jacobson
Genre: Drama | Romanze | Historie
USA, 2022

The Flight Attendant (Staffel 2) – Kaley Cuocos überdrehte Selbstinszenierung

3 Sterne von 5

Läuft bei: Amazon (2 Staffeln, 8 Episoden à 45 Min.)

Ein Jahr ist vergangen seit der Geschichte in Bangkok. Damals war Cassie (Kaley Cuoco) mit einem höllischen Kater neben einer Leiche im Hotelzimmer aufgewacht. Dieser Tote brachte sie ins Visier von FBI, CIA und einem Mann, der sie ermorden wollte (Episodenliste Staffel 1).

Ein neues Leben ohne Alkohol, dafür mit Spionagethrill

Cassie ist nach Los Angeles gezogen, um ihr Leben neu aufzugleisen. Sie arbeitet immer noch als Flugbegleiterin und ist seit einem Jahr trocken. Sie hat Hilfe und Halt gefunden bei den Anonymen Alkoholiker:innen und ihrer Sponsorin Brenda (Shohreh Aghdashloo). Zudem gibt es da einen Freund. Die Beziehung zu Marco (Santiago Cabrera) scheint ziemlich ernst zu sein.

Einen Kick in ihrem Leben braucht Cassie aber immer noch. Den bietet ihr die CIA, die sie als «human asset» für kleine Aufgaben angeheuert hat.

Mysteriöse Doppelgängerin

Ihr jüngster Auftrag führt sie nach Berlin. Sie soll dort eine Zielperson beobachten, aber keinesfalls verfolgen oder sogar Kontakt aufnehmen. Was Cassie selbstverständlich beides ignoriert.

Eine Frau in einem beigen Mantel und ein Mann im dunklen Anzug sitzen auf einer schwarzen Ledercouch.
Benjamin (Mo McRae) ist Cassies CIA-Betreuer. Er traut ihr nicht so ganz über den Weg, weil sie sich nicht an seine Vorgaben hält. © HBO Max

Der Job wird schnell mysteriös und gefährlich. Da taucht eine Frau im Hotelzimmer ihres Zielobjekts auf, die wie Cassie aussieht. Die Frau hat sogar dasselbe Tattoo auf dem Rücken. Bei der weiteren Verfolgung wird Cassie beinahe getötet, als ihre Zielperson durch eine Autobombe in die Luft fliegt.

Ani und Max wollen helfen

Offensichtlich versucht da wieder jemand, Cassie einen Mord anzuhängen. Es bleibt nicht bei diesem einen Mord. Weitere Leichen tauchen auf und immer ist Cassies Doppelgängerin in der Nähe.

Zusammen mit ihrer Freundin Ani (Zosia Mamet) und deren Freund Max (Deniz Akdeniz), die Cassie in LA besuchen, will sie der Geschichte auf den Grund gehen.

Einschätzung

Schwindelerregend und atemlos. Das sind die Markenzeichen von «The Flight Attendant». Weniger, was die Action und den Thrill angeht, mehr, was Cassies Persönlichkeit ausmacht.

Höllisches Tempo

Ruhig Blut bewahren und überlegt eine Lösung suchen, ist nicht ihr Ding. Hyperventilieren und kopflos der erstbesten, meist schlechten Idee nachrennen dagegen schon.

Wollen Cassie helfen: Ani (Zosia Mamet), Max (Deniz Akdeniz) und Shane (Griffin Matthews). Würde sie nur mehr auf ihre Freund:innen hören … © HBO Max

Das ist anstrengend. Nicht zuletzt, weil sich die Dialoge streckenweise in einem höllischen Tempo abspielen und Splitscreens regelmässig den Bildschirm bedecken. Trotzdem kann man die Inszenierung als reizvoll bezeichnen und vor allem Kaley Cuocos schauspielerische Leistung als überzeugend. Sie kann das.

Es fliessen literweise Tränen

Letztlich bleibt für mich die Frage aber offen, ob die Mixtur der Serie stimmt. Denn über all dem Thrill und der überdrehten Action steht das Drama: Cassies Alkoholsucht, die all ihre Beziehungen strapaziert oder sogar ruiniert.

Diesem Aspekt bietet «The Flight Attendant» auch in der zweiten Staffel reichlich Raum. Cassie führt innere Dialoge mit ihrem depressiven Ich, dem Ich, das nach Alkohol und Party lechzt, ihrem jüngeren Alter Ego. Eine Wiederbegegnung mit ihrer Mutter endet katastrophal. Und es fliessen literweise Tränen, weil Cassie ihre eigenen und die Erwartungen ihrer Freunde und Familie enttäuscht.

Eine Frau im glitzernden Abendkleid unterhält sich mit der gleich aussehenden Frau im Pullover und Hosen.
Die glamouröse Cassie will die neue Cassie immer wieder zu Alkohol und Party verführen. © HBO Max
Wagemutiger Versuch, der nicht ganz überzeugt

Ist die Serie also ein wagemutiger Versuch, die Problematik einer zerstörerischen Alkoholsucht in einen komödiantischen Spionagethriller zu verpacken? Sieht danach aus. Gelingt es auch? Meiner Meinung nach nicht ganz. Das Drama wird nicht intensiv inszeniert, sondern ähnlich überdreht wie die unterhaltsamen Seiten des Plots.

Am Schluss fragt man sich, was man da gerade gesehen hat. Sicher eine gloriose Selbstinszenierung von Kaley Cuoco, die die Serie mitproduziert hat. Das lässt leider anderen, durchaus namhaften Darsteller:innen kaum Platz, um ernsthaft mitzuspielen.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «The Flight Attendant» Staffel 2?

Besetzung: Kaley Cuoco | Zosia Mamet | Deniz Akdeniz | Griffin Matthews | Rosie Perez | Mo McRae | Mae Martin | Santiago Cabrera | Shohreh Aghdashloo | Sharon Stone
Serie entwickelt von: Steve Yockey
Genre: Komödie | Thriller | Drama
USA, 2022

Outer Range (Staffel 1) – Zeitreise in den Rocky Mountains

Läuft bei: Amazon (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

Royal Abbott (Josh Brolin) bewirtschaftet mit seiner Frau Cecilia (Lili Taylor) und den beiden Söhnen Rhett (Lewis Pullman) und Perry (Tom Pelphrey) eine grosse Farm in Wyoming. Das Leben ist hart, nicht nur finanzielle Probleme plagen die Familie.

Eine Leiche verschwindet in einem mysteriösen Loch

Vor Monaten ist Rhetts Ehefrau spurlos verschwunden. Die Nachbarsfamilie Tillerson, mit denen die Abbotts seit jeher keine guten Beziehungen pflegen, beanspruchen einen grossen Brocken Land der Abbotts. Und dann ist da noch ein mysteriöses, waberndes Loch auf seinem Land, das Royal eines Tages entdeckt.

Damit nicht genug. Bei einem Streit hinter dem Saloon prügelt Rhett einen der Tillerson Brüder zu Tode. Perry und Royal helfen Rhett, die Spuren zu verwischen. Royal wirft die Leiche in das ominöse Loch.

Ein Fenster in die Zukunft

Dabei wird er aber beobachtet. Autumn (Imogen Poots), eine junge Frau, die ein paar Tage zuvor aufgetaucht ist und um Erlaubnis bat, auf dem Land der Abbotts zu campieren. Sie stösst Royal ins Loch, das sich als Zeitmaschine erweist. Er landet in der Zukunft.

Autumn (Imogen Poots) fühlt sich seltsam angezogen von den Abbotts und ihrem geheimnisvollen Loch. © Amazon

Das Land rund um das Loch sieht ganz anders aus. Bohrmaschinen und Tanks stehen auf dem ehemaligen Weideland. Das ganze Städtchen hat sich um das Loch versammelt. Cecilia geht auf ihren Mann zu und flüstert ihm ins Ohr, dass er vor zwei Jahren gestorben sei und jetzt fliehen müsse. Royal springt wieder ins Loch.

Die Fremde wird zur Bedrohung

Zurück in der Gegenwart eskaliert auch hier die Situation. Trevor Tillersons Leiche taucht wieder auf. Sheriff Joy (Tamara Podemski) verdächtigt die Abbotts und sucht Beweise.

Autumn ist besessen von der Idee, dass sie eine spezielle Verbindung mit dem Land der Abbotts und dem Loch hat. Sie agitiert gegen Royal und die beiden werden zu Todfeinden.

Einschätzung

«Outer Range» ist ein mysteriöses Familiendrama in der Cowhand*-Welt der wunderschönen Rocky Mountains mit Bisons, Rindern, Rodeos, Saloons und überdimensionierten Gürtelschnallen. Eine Mischung von «Yellowstone», «X-Files» und «Dynasty» (wie rogerebert.com schreibt), die ziemlich gut gelungen ist.

Grunzen statt reden

Ich habe zwar meine liebe Mühe mit diesen verstockten Cowhand-Charakteren, die kaum einen ganzen Satz über die Lippen bringen. Royal Abbott könnte ich prügeln, wenn er ein knappes «Hmm» grunzt, statt eine vernünftige Antwort zu geben. Dabei würde das manches Problem der Abbotts lösen.

Royal Abbott (Josh Brolin) ist ein typischer verstockter Farmer. Aber am Ende wird klar, weshalb er nicht viel über seine Vergangenheit preisgeben will. © Amazon
Das Loch, die Zeit und Gott

Aber dann wäre die Geschichte weniger dramatisch und schneller erzählt. Sie lebt davon, dass jede:r sein Geheimnis hegt und oft auch damit ringt. Royal trifft nicht zum ersten Mal auf dieses Loch, als er die Leiche darin entsorgt. Für ihn hat das Loch viel mit der Frage seiner Herkunft zu tun und ob es einen Gott gibt.

Autumn kennt ihr Geheimnis selber noch nicht so genau. Sie weiss nur, dass das Schicksal sie mit den Abbotts und dem wabernden Schlund verbindet. Im Staffelfinale wird ein bisschen aufgelöst, was diese Verbindung ist.

Etwas mehr Tempo und einen Fingerzeig mehr

Für meinen Geschmack hätte «Outer Range» zwar – neben mehr ganzen Sätzen in den Dialogen – etwas mehr Tempo in die Geschichte bringen können. Auch ein, zwei Andeutungen mehr, wie dieses Loch und die Zeit zusammenhängen, wären hilfreich gewesen, damit man interessierter dabeibleibt.

Aber wenn man sich auf diese typische Westernatmosphäre einlässt und den Figuren ein paar Eigenheiten nachsieht, dann unterhält «Outer Range» ordentlich.

Achtung Cliffhanger und falsche Töne

Allerdings muss noch vor zwei Dingen gewarnt werden: Die Geschichte ist nicht zu Ende erzählt, eine zweite Staffel noch nicht bestätigt. Könnte also etwas unbefriedigend werden, wenn Amazon die Serie nicht verlängert.

Wirklich schlimm ist der Soundtrack. Da werden Songs eingespielt, die zwar in einen Western passen, aber null zur Handlung. Und eine der Figuren singt dauernd laut und so falsch, dass es zwar in den Ohren etwas wehtut, aber irgendwie auch witzig ist.

*Ist die gender-inclusive Version von Cowboy und -girl. Habe ich zum ersten Mal in «The Power of the Dog» gehört.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Outer Range» Staffel 1?

Besetzung: Josh Brolin | Imogen Poots | Lili Taylor | Tom Pelphrey | Tamara Podemski | Lewis Pullman | Noah Reid
Serie entwickelt von: Brian Watkins
Genre: Mystery | Western | Drama
USA, 2022

Bosch: Legacy (Staffel 1) – Privatdetektiv ohne Skrupel

Läuft bei: Amazon (1 Staffel, 10 Episoden à 50 Min.)

Bosch is back! Der ehemalige LAPD-Cop arbeitet jetzt als Privatdetektiv. Der todkranke Milliardär Whitney Vance (William Devane) engagiert Harry Bosch (Titus Welliver), um herauszufinden, was aus seiner Jugendliebe wurde, die er schmählich sitzen liess.

Lebensbedrohliches Milliardenerbe

Bosch macht einen unehelichen Sohn ausfindig, der im Vietnamkrieg fiel. Weitere Nachforschungen ergeben, dass dieser Sohn wiederum eine Tochter hatte, die Bosch anschliessend aufspürt.

Sie wäre die legitime Erbin von Vances Vermögen und seiner Firma. Das will deren CEO aber um jeden Preis verhindern. Dabei schreckt er auch vor kriminellen Machenschaften nicht zurück. Bosch will das Leben der Erbin beschützen – auch um jeden Preis.

Rache für den Mordauftrag

Die etwas komplizierte Zusammenarbeit mit der Anwältin Honey Chandler (Mimi Rogers) setzt sich ebenfalls fort. Der Mann, der in der letzten Staffel «Bosch» einen Killer auf Chandler und Boschs Tochter Maddie (Madison Lintz) ansetzte, kommt ohne Strafe davon. Bosch und Chandler wollen das nicht hinnehmen und suchen nach neuen Beweisen, mit denen sie ihn zur Strecke bringen können.

Maddie macht ihre ersten Schritte als Cop auf Patrouille. Der Fall eines Serienvergewaltigers nimmt sie emotional besonders mit. Sie verliert die professionelle Distanz und gerät in Gefahr.

Wie gross diese Gefahr ist, wissen wir noch nicht, denn das ist der Cliffhanger zur nächsten Staffel.

Ich finde

Ich bin ein Fan von Harry Bosch. Die sieben Staffeln «Bosch» waren allesamt ohne einen einzigen Durchhänger grossartiger Krimigenuss. Dass es mit einem Spin-off weitergehen sollte, hat mich bei der Ankündigung schon gefreut. «Bosch: Legacy» knüpft jetzt nicht nur inhaltlich, sondern vor allem qualitativ nahtlos an die Originalserie an.

Die Serie «Bosch»
Hieronymus «Harry» Bosch hat bereits eine lange Serienvergangenheit. Von 2014 bis 2021 produzierte Amazon sieben Staffeln mit Bosch als LAPD-Cop in der Mordkommission der Hollywood Division.
In jeder Staffel steht ein Fall im Vordergrund. Parallel dazu werden Bruchstücke aus Boschs Leben aufgedeckt: Armeeveteran, geschiedener Vater, Sohn einer Prostituierten u.a. Seine Vergangenheit erklärt, weshalb er von gewissen Aspekten seiner Arbeit regelrecht besessen ist und sich nicht immer an die Regeln hält. Das führt am Ende der siebten Staffel dazu, dass Harry Bosch den Dienst quittiert.
Die Serie basiert auf den Harry-Bosch-Romanen von Michael Connelly, der auch als Produzent und Drehbuchautor mitwirkte. Alle Staffeln «Bosch» sind noch online bei Amazon und Krimifans sehr empfohlen.

Gut gelungen ist die Erweiterung des Figurenarsenals um Chandler und Maddie. Beide kamen zwar in den alten Boschs vor, aber waren doch nur Nebenfiguren. Hier erhalten sie ihre eigenen Geschichten, die sie aufwerten und zu weiteren Hauptfiguren neben Bosch machen. Zudem sind die Fälle der drei untereinander verknüpft. Das ist clever gemacht und bringt Schwung in die Serie.

Selbstjustiz ist kein Tabu

Bosch selber legt nochmal einen Zacken zu. Er war schon als Cop bereit, hart an die Grenze Erlaubten zu gehen, wenn es ihm richtig schien. Jetzt überschreitet er diese Grenze auch.

Das ist konsequent für seinen Charakter, der nie der gesetzestreue Polizist war, sondern immer besessen davon, was er für Gerechtigkeit hielt. Dass das nicht weit von Selbstjustiz entfernt ist, zeigt sich hier deutlich.

Bosch vs. The Lincoln Lawyer

Boschs Gerechtigkeitsbegriff ist zudem oft fragwürdig. Ihm ist es wichtiger, dass die Karriere seiner Tochter nicht gefährdet wird, als dass schiesswütige Polizisten zur Rechenschaft gezogen werden, die eine unschuldige Frau töteten.

Wahrscheinlich gefällt mir diese Serie deshalb so gut: klassische Kriminalfälle, mit viel Spannung inszeniert, aber oft verschwimmt die Grenzen zwischen Gut und Böse. Und wahrscheinlich macht dieser Zwiespalt Bosch interessanter als seinen Halbbruder Mickey Haller, der gerade bei Netflix in «The Lincoln Lawyer» zu sehen ist.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Bosch: Legacy» Staffel 1?

Besetzung: Titus Welliver | Mimi Rogers | Madison Lintz | Stephen A. Chang | Denise G. Sanchez
Created by: Tom Bernardo | Michael Connelly | Eric Ellis Overmyer
Genre: Krimi
USA, 2022

Star Trek: Picard (Staffel 2) – Jean-Luc auf Zeitreise (ins Ich)

Läuft bei: Amazon (2 Staffeln, 20 Episoden à 45 Min.)

Wir treffen Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) in seinem Château wieder, als sich eine amouröse Beziehung zu seiner Haushälterin Laris (Orla Brady) anbahnt. Aber Picard lässt sich nicht darauf ein. Denn, so werden wir im Verlauf der Staffel erfahren, ihn plagt eine tiefe Schuld, die es ihm verunmöglicht, Liebe zuzulassen.

Was folgt, ist eine Reise in die Vergangenheit. Einerseits eine klassische Zeitreise, andererseits die Reise in Picards Kindheit zu dem Moment, der ihm ein Leben bescherte mit Schuld und Schmerz und ohne Liebe.

Angriff der Borgs

Aber der Reihe nach: Die USS Stargazer unter dem Kommando von Chris Rios (Santiago Cabrera) empfängt aus einer Raumanomalie eine Botschaft, mit der Aufforderung, Picard für Verhandlungen an Bord zu holen.

Als Picard den Kontakt aufnimmt, erscheint ein Borg-Schiff, die Borg-Königin beamt sich auf die Stargazer und beginnt, alle Schiffe der Föderation zu assimilieren, die mittlerweile ebenfalls eingetroffen sind. Picard gibt den Befehl zur Selbstzerstörung.

Die totalitäre Zukunft in der Vergangenheit verhindern

Doch anstatt im Jenseits landen Picard und einige weitere Crew-Mitglieder nach dem grossen Knall auf einem alternativen Zeitstrahl. Es ist eine totalitäre Welt, in der die Menschheit zwar ebenfalls die unendlichen Weiten des Weltraums erkundet, aber fremde Spezies versklavt, unterwirft oder ausrottet.

Jean-Luc Picard
Seven of Nine
Raffeala «Raffi» Musiker
Laris / Tallin
Cristóbal Rios
Dr. Agnes Jurati
Adam Soong
Q
Guinan
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Ein singuläres Ereignis im Jahr 2024 ist verantwortlich dafür, dass sich diese Albtraumwelt entwickeln konnte. Das erfährt Picard von seinem Erzfeind Q. Also brechen er, Seven of Nine (Jery Ryan), Dr. Agnes Jurati (Alison Pill), Raffi Musiker (Michelle Hurd), Chris Rios und die Borg-Königin (Annie Wersching) auf in die Vergangenheit, um die Welt wieder in Ordnung zu bringen.

Ich finde

Für mich war die erste Staffel von «Star Trek: Picard» etwas zu hagiografisch. Da wurde die Figur Picards in moralische Höhen gehievt, die etwas auf den Geist gingen.

Picard, der Leidensmensch

Jetzt stellt zwar auch in dieser Staffel ein Handlungsstrang Picards Charakter ins Zentrum. Eben dieses Mysterium, welches Ereignis in seiner Kindheit Picard zu einem Leidensmenschen machte. Zu einem Helden, der seinen persönlichen Schmerz kompensierte, indem er als Retter ganzer Spezies durchs Weltall reiste, aber selber für sich nie Liebe zuliess.

Das tönt auch ziemlich überzogen, ist es auch ein bisschen, aber viel gefühlvoller inszeniert als in der ersten Episode. Ohne zu viel zu verraten: Ein wichtiger Baustein dabei ist die Beziehung zwischen Picard und seinem ewigen Gegenspieler Q. Die nimmt eine überraschende Wende.

Zeitreise – schon wieder?

Dann gibt es diese Zeitreise, die mit einem Manöver vollzogen wird, das schon Captain Kirk erfolgreich durchführte (Star Trek IV: The Voyage Home), wie Picard bemerkt. Was deutlich darauf hinweist, dass Zeitreisen wirklich nichts Neues sind.

Dennoch ist es amüsant zu sehen, wie die Fallen der Zeitreise mal wieder zuschnappen. Nicht auffallen, nicht einmischen, nichts verändern – das funktioniert ja nie.

Viel Neues für Kenner:innen der Next Generation

Picard wird vom FBI verhaftet und verhört. Glücklicherweise von einem Beamten, der als Kind eine Begegnung mit Vulkaniern hatte und deshalb offen ist gegenüber Ausserirdischen und Zeitreisenden. Rios landet in der Klinik einer attraktiven Ärztin, die Illegalen hilft, wird aber prompt von ICE-Beamten geschnappt.

Auch die weiteren Handlungsstränge mit Seven of Nine und Raffi sowie Agnes Jurati und der Borg-Königin geben der Serie einen spannenden Dreh.

Alles in allem entwickelt diese zweite Staffel die (Beziehungs-)Welt der Charaktere ansprechend weiter. Daran werden sich vor allem die Fans von «Star Trek: Next Generation» erfreuen können. Auf jeden Fall hat dieser Star Trek-Spin-Off meine Erwartungen deutlich besser erfüllt als die letzte Staffel von «Star Trek: Discovery».

Fun Facts:

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Star Trek: Picard» Staffel 2?

Besetzung: Patrick Stewart | Alison Pill | Michelle Hurd | Santiago Cabrera | Jeri Ryan | Brent Spiner | John de Lancie | Annie Wersching | Whoopi Goldberg | Orla Brady
Created by: Kirsten Beyer| Michael Chabon | Akiva Goldsman
Genre: Science-Fiction | Abenteuer
USA, 2022

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