Star Trek: Strange New Worlds (Staffel 1) – They boldly go, again

Läuft bei: Paramount+ (1 Staffel, 10 Episoden à 45 Min.)

Nach den Ereignissen auf dem Planeten Boreth («Star Trek: Discovery» 2. Staffel) nimmt Captain Christopher Pike (Anson Mount) eine Auszeit. Er versucht damit klarzukommen, dass er seine Zukunft, seinen eigenen Tod gesehen hat.

Spock muss die Verlobung abkürzen

Doch Starfleet gewährt ihm nur eine kurze Pause. Pike muss eine Rettungsmission übernehmen. Seine erste Offizierin Una Chin-Riley (Rebecca Romijn) ist bei einer «First Contact»-Mission verschwunden.

Auch andere Crewmitglieder müssen ihren Urlaub abbrechen. Science-Officer Spock (Ethan Peck) erhält den Marschbefehl mitten in der Verlobungszeremonie mit seiner Freundin T’Pring (Gia Sandhu).

Aufbruch in gefährliche Abenteuer

Die Unterhaltsarbeiten an der USS Enterprise sind noch nicht ganz abgeschlossen, als die Crew mit dem Raumschiff aufbricht, um Una zu retten. Mit an Bord sind vertraute Namen, wenn auch neue Gesichter: etwa Cadet Nyota Uhura (Celia Rose Gooding) oder Nurse Christine Chapel (Jess Bush).

Diese Mission ist der Auftakt zu einer fünfjährigen Expedition der Enterprise in den tiefen des Weltraums. Weitere Abenteuer folgen, bei denen Pike und seine Crew einem zerstörerischen Kometen, Plasma-Wesen, den brutalen Gorn, den kriegerischen Romulanern und vielen anderen Gefahren begegnen.

Die Brücke der Enterprise
Anson Mount: Captain Christopher Pike
Rebecca Romijn: Una Chin-Riley, Number One
Ethan Peck: Spock, Science Officer Spock Gia Sandhu: T'Pring
Celia Rose Gooding: Cadet Nyota Uhura
Christina Chong: La'an Noonien-Singh
Melissa Navia: Erica Ortegas, Lt. Erica Ortegas
Jess Bush: Nurse Christine Chapel
Babs Olusanmokun: Dr. M'Benga
Pike and Burnham in Star Trek: Discovery
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Einschätzung

«Star Trek: Strange New Worlds» überrascht. Nicht durch neue Erzählungen, Charaktere oder Technologien. Nein, die Serie überrascht, weil sie in die traditionelle Serienwelt zurückkehrt, wie es die Originalserie pflegte.

Zurück zu traditionellen Episodengeschichten

Im Gegensatz zu den neueren Star Trek Serien wie «Picard» und «Discovery», die wie heute üblich einen Erzählbogen über eine gesamte Staffel spannen, erzählt «Strange New Worlds» Episode für Episode eine neue Geschichte.

Das schliesst nicht aus, dass sich einzelne Plots über die ganze Staffel spannen. Spocks Beziehung zu seiner Verlobten T’Pring etwa, die den Halbvulkanier, Halbmenschen vor die Frage stellt, was oder wer er ist.

Uhura zweifelt noch an Starfleet

Cadet Nyota Uhura (Celia Rose Gooding) hat gerade eben erst ihre Ausbildung abgeschlossen und absolviert ihren ersten Einsatz auf der Enterprise. Sie ist sie eigentlich gar nicht so sicher, ob die Starfleet wirklich ihre Welt ist.

Und natürlich Pikes Dilemma, dass er Ort und Zeit seines Todes erfahren hat. Er ringt mit der Frage, ob diese Zukunft wirklich unausweichlich ist.

Wie früher einmal pro Woche in ferne Galaxien – macht Spass

Das alles macht Spass: Mal wieder eine Serie, die man nicht bingen muss, sondern einmal pro Woche schauen kann. Man muss auch kein Trekkie sein, um die Serie zu geniessen. Einsteiger:innen in die Welt der Enterprise finden sich schnell zurecht.

Dennoch ein bisschen Einordnung, wo wir uns im Star Trek-Universum befinden mit diesem neuen Ableger.

NBC war mit Pike unzufrieden, deshalb kam Kirk

Die Figur von Captain Christopher Pike ist keineswegs neu. Pike war in der ersten Pilotfolge von Star Trek Kommandant der Enterprise, gespielt von Jeffrey Hunter. NBC war mit der Folge aber nicht zufrieden und gab einen neuen Piloten in Auftrag, diesmal mit Captain James T. Kirk und William Shatner als Darsteller. Der Rest ist Geschichte.

In den Reboot-Filmen (Star Trek und Star Trek Into Darkness), die auf einer anderen Zeitachse spielen, taucht Pike als Kommandant der Enterprise auf, der den jungen James T. Kirk zu einer Karriere in der Starfleet ermutigt.

In neuerer Zeit tauchte Pike gemeinsam mit Spock und Una Chin-Riley in der zweiten Staffel an Bord der Discovery auf (gespielt von denselben Schauspieler:innen wie jetzt in «Strange New Worlds»). Pike übernahm das Kommando der Discovery, weil die Enterprise zerstört worden war.

Pike bleiben sechs Jahre

«Strange New Worlds» setzt zeitlich gleich nach der zweiten Staffel von «Discovery» ein im Jahr 2259. Captain Kirk wird die Enterprise 2265 übernehmen ( Star Trek Zeitleisten).

Pike bleiben somit sechs Jahre Kommando auf der Enterprise. Wie viele Staffeln daraus entstehen werden, ist noch offen. Eine zweite Staffel ist aber für nächstes Jahr bereits angekündigt.

Wie viele Sterne gibst du «Star Trek: Strange New Worlds» Staffel 1?

Besetzung: Anson Mount | Ethan Peck | Rebecca Romijn | Melissa Navia | Jess Bush | Christina Chong | Celia Rose Gooding | Babs Olusanmokun | Gia Sandhu
Serie entwickelt von: Akiva Goldsman | Alex Kurtzman | Jenny Lumet
Genre: Science-Fiction | Abenteuer
USA, 2022

We Own This City (Mini-Serie) – Baltimore’s Baddest

Läuft bei: HBO/Sky ab 29.6. (Mini-Serie, 6 Episoden à 60 Min.)

14 Jahre nach dem Ende von «The Wire» sind wir zurück auf den Strassen von Baltimore. Die Vorzeichen habe sich aber gekehrt.

War «The Wire» eine fiktionalisierte Beschreibung einer Stadt im Niedergang, basiert «We Own This City» auf wahren Ereignissen. Polizisten jagen aber nicht Drogenhändler, sondern Polizisten jagen Polizisten.

Dieselben Schauspieler, andere Rollen
Für alle Fans von «The Wire» gibt’s hier eine Übersicht über alle Schauspieler, die auch in «We Own This City» mitspielen.

«Vergiss die Regeln. Das hier ist Baltimore»

Im Zentrum steht Sgt. Wayne Jenkins (Jon Bernthal), der auf dem Höhepunkt seiner Karriere die «Gun Trace Task Force» kommandiert und als korruptester Polizist in die Geschichte Baltimores eingehen wird.

Jenkins lernt schon als Rookie, dass in Baltimore andere Regeln gelten. «Vergiss alles, was du auf der Polizeiakademie gelernt hast», rät ihm sein älterer Kollege. Im Alltag sieht das dann so aus: Beim Filzen von Personen greift man auch schnell in die Brieftasche und zieht ein paar Dollarscheine raus.

Wenn ein Cop eine Person anhält, liegt das oft nur an der Hautfarbe. Das reicht rechtlich nicht, deshalb erfindet man für den Polizeirapport eine andere Rechtfertigung.

Gefälschte Beweise, Misshandlungen, Drogenhandel

Das ist Alltag, normaler Polizeidienst in Baltimore in den 2010er-Jahren. Jenkins und die Mitglieder seiner Einheit treiben es mit der Zeit aber noch einiges bunter.

Es geht bald nicht mehr nur um ein paar Scheine. Bei Razzien lassen die Polizisten Hunderttausende Dollar in ihren Taschen verschwinden. Nur ein Teil der beschlagnahmten Drogen landet in der Asservatenkammer. Den Rest verkaufen die Cops weiter. Beweise werden gefälscht, Verdächtige bedroht undmisshandelt. Es ist das ausgeklügelte System einer organisierten Verbrecherbande.

Omertà unter Polizisten

Jenkins und seine Kumpels können jahrelang unbehelligt ihr Unwesen treiben. Es gibt sogar hohes Lob, weil er das liefert, was von der Chefetage und Politik gefordert wird: gute Zahlen für die Polizeistatistik.

Intern ist es kein Geheimnis, dass Jenkins krumme Geschäfte macht. Aber niemand bricht den Cop-Code: Kolleg:innen verpfeift man nicht. Nur durch Zufall kommt das FBI der Jenkins-Gang auf die Spur.

Neun Cops hinter Gittern

Die Ermittlungen des FBI erweisen sich als nicht sehr schwierig. Die «Gun Trace Task Force» hält sich für unantastbar und bespricht die Verbrechen offen am Telefon. Das FBI hört und schneidet mit.

2018 werden neun Polizisten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Jenkins erhält die höchste Strafe. Er wird für 25 Jahre hinter Gitter geschickt.

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Einschätzung

Schon allein weil die Crew von «The Wire» dahintersteckt, ist «We Own This City» ein Muss. «The Wire» war eine Ur-Mutter des Serienbooms und ein eindrückliches Sittengemälde der US-amerikanischen Nullerjahre.

Polizeiarbeit als reine Symptombekämpfung

Dass die Realität die fiktive Geschichte des Baltimore Police Departments so weiterschreibt, dass sie Stoff für eine neue Serie bietet, konnte man damals nicht wissen, aber vielleicht erahnen.

Schon da war die Arbeit der Polizei wirkungslos. Es fehlten Mittel, Wissen und Willen, um die Kriminalität in den Griff zu bekommen. Vor allem aber war die Polizeiarbeit nur Symptombekämpfung. Die Ursachen lagen und liegen in der Gesellschaft, in der Politik.

Das gesellschaftliche Umfeld

Jetzt kann man in «We Own This City» ungläubig staunend mitverfolgen, wie dieses Versagen von Staat und Behörden auch die Strafverfolgung unterwandert. Das wäre für sich allein spannend genug für eine Serie.

«We Own This City» thematisiert aber zudem, wenn auch weniger intensiv als in «The Wire», das Umfeld, in dem dieses Verbrechen gedeihen kann.

Der «Gun Trace Task Force»-Skandal von Baltimore
Justin Fenton: We Own This City. Das Sachbuch diente als Vorlage für die Serie.
– «Cops and Robbers». Multimediale Website der Baltimore Sun.
– Bericht der «Gun Trace Task Force Investigation». Eine unabhängige Untersuchungskommission, die die Vorfälle von 2019 bis 2022 untersuchte.
Executive Summary des GTTF-Berichts.
– Überblick über die verurteilten Polizisten.

Polizeireformen sind zu teuer für die Politik

Nicole Steele (Wunmi Mosaku) fällt diese Aufgabe zu. Sie ist im Gegensatz zu Jenkins und Co. eine fiktive Figur. Steele arbeitet für das nationale Justizdepartement und soll die Polizeiarbeit in Baltimore evaluieren.

Dazu interviewt sie Opfer und Täter und versucht gemeinsam mit Polizeichef Davis (Delaney Williams), daraus Schlüsse zu ziehen für eine bessere Polizeiarbeit. Dass die Politik nicht mitspielt, weil zu teuer, überrascht wenig.

Der Krieg gegen die Drogen ist verloren

Der ehemalige Polizist Brian Grabler (Treat Williams), benennt eine weitere Ursache, den «War on Drugs». 1972 von US-Präsident Richard Nixon ausgerufen, fokussierte dieser «Krieg» auf die Verfolgung von kleinsten Drogenvergehen mit massivsten Polizeimitteln und drakonischen Strafen.

«Wir haben diesen Krieg verloren», sagt Grabler. Nicht nur verfehlte der «War on Drugs» das Ziel, die Drogenkriminalität zu verringern. Er sei auch dafür verantwortlich, dass die Polizei immer brutaler gegen die Bevölkerung vorgehe, weil es im Krieg nur Freund oder Feind gebe.

Ein erschütterndes Bild eines gescheiterten Rechtssystems

Die Behörden sind aber immer noch nicht bereit zuzugeben, dass der «War on Drugs» gescheitert ist. Zu viele Politiker:innen schreiben sich im Wahlkampf gerne den Kampf gegen die Kriminalität und für mehr Sicherheit auf die Fahne.

Es ist ein erschütterndes Bild, das «We Own This City» vom US-amerikanischen Rechtssystem zeichnet. Die Symptome deuten unzweifelhaft auf ein «failed system» hin. Ein System der Korruption und Gewalt gegen die Bürger:innen, in dem Polizist:innen mit grösster Selbstverständlichkeit und gutem Gewissen lügen, betrügen, ja selbst töten (in der Serie wird der Tod von Freddie Gray thematisiert).

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «We Own This City»?

Besetzung: Joe Bernthal | Wunmi Mosaku | Jamie Hector | Josh Charles | Delaney Williams | Dagmara Dominczyk | Treat Williams
Serie entwickelt von: George Pelecanos | David Simon
Genre: True-Crime
USA, 2022

Star Trek: Discovery (Staffel 4) – Eine Crew in der Sinnkrise

Läuft bei: Paramount+ oder in deutscher Synchronfassung auf Pluto TV

Michael Burnham ist jetzt Captain der USS Discovery. Eine Dunkle-Materie-Anomalie (DMA) taucht in der Galaxie auf und zerstört ganze Planeten, darunter auch die Heimat von Book, Michaels Freund.

Die Wissenschaftler können sich nicht erklären, wie dieses Phänomen entstanden ist, und wissen auch nicht, wie es zu stoppen ist. Mit der Zeit stellt sich heraus, dass die DMA kein natürliches Phänomen ist – nur: Wer oder was steckt dahinter? Die Discovery muss es herausfinden, um die Zerstörung der Erde zu verhindern.

Ich finde

Ich war bis jetzt ziemlich angetan von der Serie. Die Abenteuer, die die ehemalige Meutererin Burnham mit der Discovery-Crew absolvierte, waren spannend und unterhaltsam in guter Star-Trek-Tradition.

Auch in dieser vierten Staffel ist die Hauptgeschichte mit der zerstörerischen DMA, die die ganze Galaxie bedroht, nicht unspannend. Allerdings macht dieser Erzählstrang fast den kleineren Teil der ganzen Story aus. Immer wieder geht es um Probleme und Sinnkrisen von Crew-Mitgliedern.

Book stürzt in tiefe Depressionen nach der Zerstörung seines Heimatplaneten, das ist ja noch nachvollziehbar. Dr. Culber, der von den Toten auferstanden ist, kämpft mit der Frage: warum gerade ich? Lieutenant Tilly sucht den Sinn des Lebens. Captain Saru entdeckt die Liebe, usw.

Was bewegend sein sollte, nervt nur

Dass Seriencharaktere individueller gezeichnet werden, ist nicht ungewöhnlich oder per se schlecht. Was aber auf den Geist schlägt, sind diese pseudo-tiefsinnigen Dialoge, in denen diese Probleme gewälzt werden. Was eigentlich bewegend sein sollte, nervt nur. Weil in jeder Episode mindestens zwei Figuren eine grosse Krise schieben, zerstört es zu einem grossen Teil den Spass an der Serie.

Einen anderen nervigen Aspekt, in dem sich dieser Hang zu banalem Pathos auch zeigen liesse, muss ich hier auslassen, weil sich das nicht ohne Story-Spoiler erklären liesse.

Wer sich ärgerte, als Discovery bei Netflix verschwand, kann sich jetzt trösten. Es ist nicht wirklich schade drum. Leider – denn die ersten drei Staffeln waren recht gut.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Star Trek: Discovery» Staffel 4?

Besetzung: Sonequa Martin-Green | Doug Jones | Anthony Rapp | Mary Wiseman | David Ajala | Oded Fehr | Tara Rosling | Chelah Horsdal | Sonja Sohn
Showrunner: Bryan Fuller | Alex Kurtzman
Genre: Science-Fiction
USA, 2021