Slow Horses (Staffel 2) – Die Versager wachsen einem immer mehr ans Herz

Serienposter mit Schriftzug. Sechs Menschen gehen durch eine Strasse, hohe Hausmauern auf beiden Seiten.
4 von 5 Sternen

Läuft bei: Apple TV+ (2 Staffeln, 12 Episoden à 45 Min.)

=> «Slow Horses» Staffel 1: Der Spion, der aus der Abstellkammer kam

Ich bin mit der ersten Staffel dieser britischen Spionageserie nicht so richtig warm geworden. Aber die zweite hat sich einen Stern mehr verdient.

Das liegt vor allem daran, dass die Serie diesmal auch den Nebenfiguren mehr Platz einräumt und die Erzählstränge aufsplittet. Das macht es interessanter und stellt nicht nur den zerlumpten Chef Jackson Lamb (Gary Oldman) in den Mittelpunkt.

Ein Mann sitzt vor Waschmaschinen in einem Waschsalon.
Jackson Lamb (Gary Oldman) ist nicht im Waschsalon, um seine Kleidung zu waschen. Er nutzt den Ort nur für ein konspiratives Treffen. © Apple TV
Schlampig und scharfsinnig

Der trottet wie gewohnt im schäbigen Trenchcoat durch die Serie und trägt ein Hemd und eine Hose, die seit Wochen keine Waschmaschine mehr gesehen haben. Lamb ist aber der Einzige, der merkt, dass der Tod eines pensionierten Agenten nicht auf natürliche Ursachen zurückzuführen ist.

Auf dem Mobiltelefon dieses ehemaligen Kollegen findet er den entscheidenden Hinweis: Cicada. Damit sind nicht die Insekten gemeint, sondern ein Netz von russischen Schläferagent:innen, das offenbar aktiviert wurde.

Mission in der ländlichen Idylle

Eine erste Spur führt aufs Land. Lamb schickt River Cartwright (Jack Lowden) in ein Dorf in den Cotswolds, wo er mehr über einen kleinen Privatflugplatz herausfinden soll. Von hier aus operierte offenbar einer der russischen Schläfer.

Ein Mann und eine Frau auf einem Kieselweg vor einem Haus. Er hält einen Blumenstrauss in der Hand. Sie begrüsst ihn mit offenen Armen.
River (Jack Lowden) wird bei seiner Mission auf dem Lande herzlich empfangen von der lokalen Bevölkerung. Zumindest scheint es so. © Apple TV

Louisa Guy und Min Harper erhalten eine ganz andere Aufgabe, die zuerst keinen Zusammenhang mit den russischen Schläfern zu haben scheint. Sie werden etwas überraschend vom Hauptquartier angefordert, um ein geheimes Treffen des MI5 mit einem russischen Dissidenten abzusichern.

Einsätze im Feld für die Büromannschaft

Dahinter steckt der schleimige MI5-Karrierist James Webb (Freddie Fox). Er holt die Slow Horses nur an Bord, damit er einen Sündenbock hat, falsch etwas schiefläuft mit dem Treffen.

Auch der Rest des Teams im Slough House kommt zu seinen Einsätzen. Lambs Assistentin (Saskia Reeves) entpuppt sich als Schachmeisterin und kommt so zu wichtigen Informationen, während Shirley (Aimee-Ffion Edwards) und Computernerd Roddy (Christopher Chung) zuerst elektronisch einen der Schläfer aufspüren und ihn dann im Feld verfolgen.

Eine Frau sitzt an einem Schachbrett und zieht eine weisse Figur.
Catherine (Saskia Reeves) bedient sich einer ungewöhnlichen Methode, um sich Informationen zu beschaffen. © Apple TV
Die Versager wachsen ans Herz

Die Story etwas komplexer, mehr Action als zuvor und eben mehr Scheinwerferlicht auf dem Rest der Slow Horses. Dazu noch ein Mord, dem ein Mitglied von Lambs Team zum Opfer fällt.

Die zweite Staffel hat einen Gang höher geschaltet. Das macht sie unterhaltsamer. So langsam wachsen einem die Versager aus dem Slough House ans Herz und man fiebert immer mehr mit ihnen mit.

Wie viele Sterne gibst du «Slow Horses» (Staffel 2)?
1 Stimme

Besetzung: Gary Oldman | Jack Lowden | Kristin Scott Thomas | Saskia Reeves | Rosalind Eleazar | Christopher Chung | Dustin Demri-Burns | Aimee-Ffion Edwards | Jonathan Pryce
Genre: Thriller | Komödie
GB, 2022

Shantaram (Staffel 1) – Ein Aussie sucht im Slum sein Glück

Serienposter mit Schriftzug.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Apple TV+(1 Staffel, 12 Episoden à 50 Min.)

Muss man mit «Shantaram» hart ins Gericht gehen? Eine Geschichte zu erzählen, die in Bombay spielt, aber fast ausschliesslich mit Weissen besetzt ist, riecht schon massiv nach kolonialistischer Sichtweise. Dass die meisten Einheimischen zudem durchgehend korrupt sind, machts auch nicht besser.

Jetzt kann man der Serie zugutehalten, dass sie auf einem Buch basiert, das auf tatsächlichen Ereignissen beruht und nicht heute, sondern in den 1980er-Jahren spielt. 2003 veröffentlichte der australische Autor Gregory David Roberts seinen Roman «Shantaram», der auf grosse Resonanz stiess.

Auf der Suche nach dem Neuanfang

Roberts schildert darin, wie er 1980 aus einem australischen Gefängnis ausbrach, wo er wegen mehrerer Überfälle sass, und nach Bombay floh. Was er dort erlebte, erzählt er in seinem Buch. Allerdings sagt er selber, vieles sei erfunden, vor allem die Figuren.

Ein Mann mit zerschlagenem Gesicht in einem Gefängnis.
Dale (Charlie Hunnam) wird von der Polizei im Gefängnis gefoltert. © Apple TV

Letztlich bleibt es zwar die Sicht eines Weissen Mannes auf das Leben in einer Stadt, wo er mehr unter Expats verkehrt als unter Einheimischen. Aber Roberts geht es weniger um die fremde Kultur. Dass er in Bombay landet, ist auch ein wenig Zufall. Er suchte auch nicht wie die Beatles bei ihrem Yogi eine Heilslehre (obwohl er etwas Ähnliches fand), sondern schlicht einen Neuanfang für sein verkorkstes Leben.

Seine Geschichte ist ein Ego-Trip, und zwar ein sehr ungewöhnlicher. Das zeigt sich schon, als Dale Conti (Charlie Hunnam), wie die Hauptfigur in der Serie heisst, noch in Melbourne im Knast sitzt.

In Australien gefoltert

Ein sadistischer Polizist foltert Dale, um den Namen eines Mittäters aus ihm rauszupressen. Als das nichts fruchtet, tut der Polizist so, als habe Dale kooperiert. Das bringt ihn in Lebensgefahr. Dale muss ausbrechen, bevor ihn die Mitinsassen abmurksen.

Mit einem falschen Pass reist Dale als Lin Ford nach Bombay, wo er die Bekanntschaft einer Reihe illustrer Figuren macht. Allen voran Karla (Antonia Desplat), eine mysteriöse Frau, die mit dem afghanischen Gangsterboss Khader Khan (Alexander Siddig) zusammenarbeitet.

Eine Frau mit weissem Kopftuch lehnt sich an eine Wand an.
Die Wege von Lin und Karla (Antonia Desplat) kreuzen sich immer wieder in Bombay. © Apple TV

Karlas Freundin Lisa ist eine heroinsüchtige Prostituierte, die von der Bordellbesitzerin Madame Zhou (Gabrielle Scharnitzky) festgehalten wird. Lin hilft Karla, Lisa freizubekommen, was für ihn allerdings fatale Konsequenzen hat. Zhous Schlägertrupp verprügelt ihn und raubt ihm sein Geld und den Pass.

Glücklich im Slum

Ohne Pass und Geld muss Lin untertauchen. Da hilft ihm sein indischer Fremdenführer Prabhu (Shubham Saraf), der immer mehr zum Freund wurde. Er bringt ihn zu sich nachhause ins Slum von Sagar Wada. Hier macht sich Lin nützlich mit seinen Kenntnissen als Sanitäter und wird zum Slum-Doktor.

Zwei Männer stehen vor Wellblechhütten.
In Sagar Wada findet Lin nicht nur Freunde, sondern auch einen Sinn. © Apple TV

Das wäre ja eigentlich sein Ziel: mit guten Taten die Schuld aus seiner Vergangenheit zu tilgen. In Sagar Wada könnte Linbaba, wie man ihn dort nennt, vielleicht sogar glücklich werden. Doch äussere Umstände verhindern das.

Lin gerät zwischen die Fronten eines Bandeskriegs und ins Visier der Polizei, da sein australischer Peiniger inzwischen herausgefunden hat, wohin er geflüchtet ist.

Eine etwas ausufernde Geschichte

Es gibt noch einige Nebengeschichten, die «Shantaram» in den knapp zwölf Stunden der ersten Staffel erzählt. Am bezauberndsten ist wohl, wie Prabhu um Parvati wirbt. Es ist die interessantere Liebesgeschichte als die ziemlich absehbare zwischen Lin und Karla.

Ein Mann lehnt sich aus dem Fenster eines Autos.
In Prabhu (Shubham Saraf) findet Lin einen Freund, dem er immer vertrauen kann. © Apple TV

Dennoch verliert sich die Serie zwischendurch im Figurengestrüpp und es ist nicht mehr so ganz nachvollziehbar, wer jetzt im Mittelpunkt der Geschichte steht. Ein bisschen Straffung hätte «Shantaram» sicher gutgetan.

Vor allem auch angesichts der Tatsache, dass mit der ersten Staffel erst rund ein Viertel des Romans erzählt ist. So erfährt man bis zum Schluss nicht, woher der titelgebende Name stammt. Die Bezeichnung als «Mann des Friedens» erhält Lin wohl frühestens in der zweiten Staffel.

Wie viele Sterne gibst du «Shantaram» Staffel 1?
1 Stimme

Besetzung: Charlie Hunnam | Fayssal Bazzi | Antonia Desplat | Elektra Kilbey | Shubham Saraf | Rachel Kamath | Alexander Siddig | Elham Ehsas
Serie entwickelt von: Eric Warren Singer | Steve Lightfoot
Genre: Drama | Abenteuer
USA, 2022

Mythic Quest (Staffel 3) – Die Nerds begeistern weiter

Serienposter mit Schriftzug. Mehrere Personen in einer Art weissen Röhre, die sich zu drehen scheint.

Läuft bei: Apple TV+ (3 Staffeln, 30 Episoden à 30 Min.)

Auch mit der dritten Staffel überzeugt die Arbeitsplatzkomödie «Mythic Quest» immer noch ausgesprochen gut. Die Serie behält ihr Erfolgsrezept bei: schnippische Dialoge, witzige Plots, vor allem aber: am Schluss der Staffel bleibt fast kein Stein auf dem anderen im Beziehungsnetz der Figuren und alle sind in ihrem Leben einen Schritt weiter.

Die Firma aus den Fugen

Für Einsteiger:innen oder zur Erinnerung: «Mythic Quest» ist ein sehr erfolgreiches Game (ein sogenanntes MMORPG), das sich der kreative Kopf Ian Grimm (Rob McElhenney) ausgedacht hat und seine Chefprogrammierin Poppy Lwanag (Charlotte Nicdao) umsetzt. Dabei geraten sich die beiden regelmässig in die Haare.

Ein Mann sitzt zurückgelehnt auf einem Bürosessel. Eine Frau massiert ihm die Schläfen.
David (David Hornsby) ist in dritten Staffel der neue Chef von Mythic Quest. Ohne seine Assistentin Jo (Jessie Ennis) wäre er aber völlig verloren. © Apple TV+

In der Firma arbeiten noch weitere eigenwillige Charaktere wie der skrupellose Brad (Danny Pudi), der den Spieler:innen das Geld aus der Tasche zieht, oder der harmoniebedürftige David (David Hornsby) mit seiner knallharten Assistentin Jo (Jessie Ennis). Und die beiden Testerinnen Dana (Imani Hakim) und Rachel (Ashly Burch), die zu einem Paar geworden sind.

Diese Konstellation war am Ende der zweiten Staffel völlig aus den Fugen. Ian und Poppy hatten genug und verliessen die Firma, Brad wanderte in den Knast, Dana und Rachel stiegen ebenfalls aus. David und Jo blieben zwar bei Mythic Quest, standen aber vor einem Scherbenhaufen.

Ian und Poppy im kreativen Zweikampf

Ein Jahr später treffen wir die Truppe jetzt wieder, mit Ausnahme von C.W. Longbottom (F. Murray Abraham). Der mittelmässige Sci-Fi-Autor, der Head Writer bei MQ war, wird zu Beginn mit einer rührenden Feier verabschiedet.

Ian und Poppy haben eine neue Firma gegründet, um gemeinsam und als gleichberechtigte Partner ihre Ideen in ein neues Spiel umzumünzen. Das funktioniert mehr schlecht als recht.

Eine Frau liegt auf dem Boden mit offenen Augen. Rundherum liegt Papierabfall. Im Hintergrund unscharf eine weitere Frau.
Erledigt vom zermürbenden Streit mit Ian: Poppy (Charlotte Nicdao) erleidet eine Snack-Überdosis. © Apple TV+

Ian kann seine Egozentrik nicht ablegen und Poppy reicht ihm in Sachen Kreativität nicht das Wasser. Zwischen den Fronten findet sich Dana, die eigentlich programmieren lernen will, aber meistens zwischen den beiden schlichten muss.

Alte Gesichter in neuen Rollen

Auch in bei MQ finden wir zwar alte Gesichter, aber in neuen Rollen. David ist der neue Chef, allerdings ziemlich überfordert in dieser Rolle. Seine Assistentin Jo gibt ihm zwar Ratschläge, wie er seine Leute führen soll.

Die sind aber meistens ein wenig zu radikal, weil Jo nur die Peitsche als Führungsinstrument kennt. Wie sie es allerdings in der letzten Episode schafft, Davids Autorität bei den Angestellten auf ungeahnte Höhen zu hieven, ist genial.

Brad ist auf Bewährung wieder aus dem Knast raus und übernimmt bei MQ wieder einen Job – als Hauswart. David kann das kaum glauben und vermutet hinter jeder Aktion von Brad einen Angriff auf seinen Job. Rachel schliesslich kommt unverhofft zu einem Topjob in der Firma. Sie übernimmt Brads alten Job und wird plötzlich zur Ultra-Kapitalistin.

Eine Frau und ein Mann im Gespräch. Im Hintergrund Bildschirme mit Grafikcharts.
Brad (Danny Pudi) führt Rachel (Ashly Burch) in die Geheimnisse ein, wie man Gamer:innen das Geld aus der Tasche zieht. Und Rachel lernt eine völlig neue Seite von sich kennen. © Apple TV+
Am Schluss ist wieder alles anders

Die Figuren und ihre Beziehungen werden also einmal kräftig durchgeschüttelt. Dieser Trick funktioniert. Obwohl wir dieselben Figuren vorgesetzt bekommen, die wir über die Zeit durchaus liebgewonnen haben, werden nicht die ewig gleichen Geschichten erzählt. So kommt keine Langeweile auf, im Gegenteil, der Spass bleibt auf dem Niveau der vorigen Staffeln.

Man kann davon ausgehen, dass das auch für die vierte und eventuell letzte Staffel gelten wird. Denn am Schluss sind fast alle wieder an einem anderen Ort als am Anfang. Und man kann sich schon ein wenig ausmalen, in welcher Konstellation die MQler aufeinander prallen werden.

Wie viele Sterne gibst du «Mythic Quest»?
2 Stimmen

Besetzung: Rob McElhenney | Charlotte Nicdao | Ashly Burch | Jessie Ennis | Imani Hakim | David Hornsby | Danny Pudi | F. Murray Abraham | Naomi Ekperigin
Serie entwickelt von: Charlie Day | Megan Ganz | Rob McElhenney
Genre: Komödie
USA, 2022

Bad Sisters (Mini-Serie) – Halleluja, der Scheisskerl ist tot

Serienposter. Fünf Frauen vor einer Bestattungslimousine. Schriftzug "Bad Sisters - Family. It's a killer".

Läuft bei: Apple TV+ (1 Staffel, 10 Episoden à 50 Min.)

John Paul (Claes Bang) ist tot. Und das ist gut so.

Zu Beginn wissen wir zwar noch nicht, welch gute Nachricht das ist. Je mehr wir aber über «JP» erfahren, umso erleichterter sind wir, dass er unwiderruflich das Zeitliche gesegnet hat.

Freude bei der Trauerfeier

Ein Irrtum ist ausgeschlossen. Wir haben gesehen, wie er im Sarg liegt. Im Pyjama, was etwas eigentümlich anmutet. Und mit einer Erektion, was seine Witwe Grace (Anne-Marie Duff) notdürftig zu kaschieren versucht, bevor die Trauergäste eintreffen.

Trauer scheint aber nicht vorherrschende Stimmung zu sein bei den Gästen. Erleichterung, Genugtuung, ja Freude beschreibt die Gefühle besser. Vor allem die vier Schwestern von Grace scheinen innerlich zu frohlocken: Halleluja, der Scheisskerl ist tot!

Vier Frauen, drei davon in Trauerkleidung, stehen mit gesenkten Köpfen vor einem Grab.
Für ihre Schwester geben sie sich trauernd am Grab von JP. Innerlich frohlocken die vier Garvey-Schwestern Eva (Sharon Horgan), Becka (Eve Hewson), Ursula (Eva Birthistle) und Bibi (Sarah Greene). © Apple TV+
Der erste Versuch läuft schief

Und ein Scheisskerl erster Güte war John Paul. Ein hinterhältiger Drecksack, ein fieses Schwein, ein intrigantes A…. Jede der vier Schwestern hatte mit ihrem Schwager eine Rechnung offen. Deshalb und weil er Grace dauernd herabwürdigte, taten sie sich zusammen, um ihn ins Jenseits zu befördern.

«Bad Sisters» wäre aber keine schwarze Komödie, wenn schon der erste Mordversuch gelingen würde. Eva (Sharon Horgan) und Bibi (Sarah Greene) zünden die Waldhütte an, in der JP alleine nächtigt. Allerdings irrt er gerade draussen herum auf der Suche nach Handyempfang, weil er seiner Frau von einem Wehwehchen berichten muss. Ja, eine Memme war er auch noch.

Ein Mann in weissem Hemd hält eine kleine Schüssel vor sich und einen Löffel.
Mit jeder Episode lernen wir, John Paul (genial gespielt von Claes Bang) mehr zu hassen. © Apple TV+
Vom Fiesling zum Verbrecher

Als er endlich unter der Erde liegt, ist der Ärger für die Schwestern aber noch nicht vorbei. Da gibt es eine hohe Lebensversicherung, die der Inhaber der Versicherungsfirma (Brian Gleeson) nicht ausbezahlen will. Einerseits, weil er deshalb pleite ginge. Andererseits, weil er nicht glaubt, dass JP durch einen Unfall starb.

Es ist ein wenig ein zweischneidiges Vergnügen, den Schwestern dabei zuzusehen, wie sie immer entschlossener JPs Abgang planen. Mit jedem neuen Anlauf wird eine weitere Geschichte erzählt, die den miesen Charakter JPs unterstreicht.

Zwei Männer in Anzügen sitzen auf einer Couch.
Die beiden Halbbrüder Matthew (Daryl McCormack) und Thomas Claffin (Brian Gleeson) wollen den Schwestern den Mord an JP nachweisen. © Apple TV+
Ein Scheisskerl weniger

Die Komik liegt darin, wie die in Verbrechen unerfahrenen Frauen ihre Pläne schmieden und umsetzen. Dramatisch ist aber, wie sich die Untaten von JP steigern und in einem grässlichen Verbrechen gipfeln, das er einer der Schwestern angetan hat. Letztlich hat JP allen, denen er je begegnet ist, das Leben zur Hölle gemacht.

Deshalb freuen wir uns mit den Garvey-Schwestern, dass ein Scheisskerl weniger die Welt bevölkert. Und wir fiebern mit, ob ihnen der Versicherungstyp auf die Schliche kommt. Ein Vergnügen, das über die ganzen zehn Episoden anhält.

Wie viele Sterne gibst du «Bad Sisters» Staffel 1?
8 Stimmen

Besetzung: Sharon Horgan | Eve Hewson | Sarah Greene | Anne-Marie Duff | Eva Birthistle | Claes Bang | Brian Gleeson | Daryl McCormack | Saise Quinn
Serie entwickelt von: Brett Baer | Dave Finkel | Sharon Horgan
Genre: Komödie | Krimi | Drama
IRL/BEL/GB/USA, 2022

Black Bird (Mini-Serie) – Bedächtige Reise in die Hölle

4 von 5 Sternen

Läuft bei: Apple TV+ (Mini-Serie, 6 Episoden à 60 Min.)

Jimmy Keene (Taron Egerton) lebt auf der Überholspur. Heisse Autos, Frauen und viel Geld, das er mit Drogenhandel verdient. Damit ist Schluss, als er auffliegt. Jimmy bekennt sich schuldig, um eine geringe Strafe zu bekommen. Der Staatsanwaltschaft zieht ihn aber über den Tisch und Jimmy wird zu zehn Jahren verdonnert.

Spitzel für das FBI

Nach ein paar Monaten hinter Gittern bekommt Jimmy von FBI-Agentin Lauren McCauley (Sepideh Moafi) ein anderes Angebot. Er soll einen pädophilen Serienmörder dazu bringen, ihm seine Taten zu gestehen. Gelingt das Jimmy, kommt er frei.

Jimmy lehnt ab. Erst als ihm seine Mutter erzählt, dass Jimmys Vater (Ray Liotta) so sehr darunter leidet, dass sein Sohn im Gefängnis sitzt, dass er wohl nicht mehr lange lebe, ändert Jimmy seine Meinung.

Jimmy (Taron Egerton) soll Larry (Paul Walter Hauser) dazu bringen, seine Morde zu gestehen. © Starzplay
Ohne Geständnis kommt der Mörder frei

Jimmy wird in das Gefängnis für Schwerkriminelle verlegt und nur ein paar Zellen entfernt von Larry Hall (Paul Walter Hauser) einquartiert. Larry hat zwar einen Mord an einem Mädchen gestanden, später aber widerrufen. Zudem verdächtigt ihn die Polizei, dass er mindestens 14 junge Frauen vergewaltigt und ermordet haben soll.

Weil Larry gegen seine erste Verurteilung appelliert hat und die Beweislage gegen ihn dünn ist, brauchen FBI-Agentin McCauley und Detektiv Brian Miller (Greg Kinnear) unbedingt das Geständnis, das Jimmy Larry entlocken soll. Sonst kommt Larry wieder frei.

Für Jimmy wird sein Auftrag eine Reise in die Hölle.

Einschätzung

Zwei Dinge zeichnen «Black Bird» aus: grossartige schauspielerische Leistungen, vor allem von Taron Egerton (spielte Elton John in «Rocketman») und Paul Walter Hauser. Und ein gemächliches Erzähltempo, in dem sich die Geschichte entwickelt.

Kein stereotypes Monster

Hier ist nichts aufdringlich oder mit der üblichen Die-Zeit-läuft-ab-Hektik inszeniert. Lange Dialoge geben Einblick in die Köpfe von Larry, aber auch von Jimmy, der anfänglich mit übermässigem Ego auftritt, am Schluss aber fast so was wie Demut zeigt.

Larry ist nicht einfach nur der monströse Pädophile. Seine hohe Stimme und bedächtige Sprechhaltung lassen ihn zwischendurch als harmlosen Spinner erscheinen, der aus Geltungsdrang Morde gesteht, die er gar nicht begangen hat.

Sorgfältig erzählt bis ins Detail

Da beginnt auch Agentin McCauley zu zweifeln, ob sie wirklich den richtigen Täter verfolgen. Detektiv Miller verfolgt andererseits hartnäckig alle Spuren, die Larry überführen könnten, ohne dabei, wie es oft zu sehen ist, einem missionarischen Übereifer zu verfallen. Miller macht einfach einen sauberen Job.

Die Spuren, die McCauley (Sepideh Moafi) und Miller (Greg Kinnear) verfolgen, bringen nicht die nötigen Beweise gegen Larry. © Starzplay

Selbst die Nebengeschichte, die Beziehung zwischen Jimmy und seinem Vater, ist sehr sorgfältig erzählt. Er, ein ehemaliger Polizist, der mitansehen muss, wie sein Sohn fast genussvoll auf die schiefe Bahn gerät und sich dafür die Schuld gibt.

Atmosphärisch dicht und intensiv

Überraschungen gibt es keine, denn die Geschichte basiert auf einem wahren Fall. Diesen Dreh braucht es nicht. «Black Bird» ist atmosphärisch dicht und intensiv genug erzählt, um einen hineinzuziehen in den Abgrund menschlicher Psyche.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Black Bird»?

Besetzung: Taron Egerton | Paul Walter Hauser | Sepideh Moafi | Greg Kinnear | Ray Liotta
Serie entwickelt von: Dennis Lehane
Genre: Drama | True-Crime
USA, 2022

Loot (Staffel 1) – Peinlichkeiten einer stinkreichen Wohltäterin

Frau im purpurenem Kleid hält einen geöffneten Schirm aus dem es Geld regnet

Läuft bei: Apple TV+ (1 Staffel, 10 Episoden à 30 Min.)

Molly (Maya Rudolph) ist stinkreich. Sie geniesst das Luxusleben mit ihrem Mann, dem Tech-Milliardär John Novak (Adam Scott, zuletzt in «Severance»). An ihrem 45. Geburtstag entdeckt sie allerdings, dass John sie mit einer jüngeren Frau betrügt.

Keine Ahnung, dass sie eine Wohltäterin ist

Molly lässt sich scheiden. Um ihren Kummer zu vergessen, reist sie mit ihrem Assistenten Nicholas (Joel Kim Booster) von Party zu Party rund um die Welt. Das kann sie sich locker leisten. Sie hat die Hälfte des gemeinsamen Vermögens bekommen – 87 Milliarden Dollar.

Als Molly wieder kurz in Los Angeles weilt, erhält sie einen Anruf. Es ist Sofia (MJ Rodriguez), die Direktorin ihrer Stiftung, die sich um soziale Projekte in LA kümmert, und von deren Existenz Molly keine Ahnung hatte.

Eine Frau und ein Mann prosten sich zu mit einem Glas Orangensaft.
Nicholas (Joel Kim Booster) ist Mollys (Maya Rudolph) treuer Assistent und trinkt wie sie lieber Champagner als Orangensaft. © Apple TV+
Molly unter den 99 Prozent

Sofia liest Molly die Leviten, weil ihr Lebensstil ein extrem schlechtes Licht auf die Stiftung wirft. Molly verspricht Besserung. Aber nicht nur das. Sie will sich aktiv engagieren.

So taucht sie bei der Einweihung eines Obdachlosenheims auf und lässt Geschenktüten mit Luxusartikeln unter den Gästen verteilen. Es bleibt nicht der einzige peinliche Auftritt, bei dem Molly unter Beweis stellt, wie fremd ihr das Leben der 99 Prozent ist.

Radikaler Schritt

Ganz langsam lernt sie aber im Kontakt mit ihrer Stiftung und deren Mitarbeiter:innen, was sie und ihr Geld sinnvolles ausrichten können. Am Ende kommt sie zu einer radikalen Erkenntnis und Entscheidung.

Einschätzung

Molly, respektive Maya Rudolph, scheint es grosses Vergnügen zu bereiten, sich in der Sphäre der Superreichen mit Villen, Privatjets und Birkin Bags zu bewegen und von einem Fettnapf in den anderen zu treten. Das ist es auch, was diese Serie in erster Linie unterhaltsam macht.

Neid und Häme

Als Zuschauer:in darf man etwas neidisch staunen, wenn Molly in ihrer Villa vom begehbaren Kleider-, zum Schuh-, zum Handtaschenschrank flaniert, alle etwa so gross wie ein Wohnzimmer. Oder dass es einen Candy-Room gibt, wo sie ihren Kummer mit Süssigkeiten vertreiben kann.

Leicht hämisch dürfen wir uns aber auch daran ergötzen, wenn sie sich wieder eine Peinlichkeit sondergleichen leistet und nicht zu ganz unrecht als «rich bitch» beschimpft wird.

Die Weltfremdheit verliert an Witz

Allerdings funktioniert das nur über die ersten paar Episoden hinweg. Danach verliert Mollys Weltfremdheit an Witz. Zudem taucht ein neuer Mann in ihrem Leben auf und Mollys Plot gleitet ab in eine (fast) normale Liebesgeschichte.

Zwei Frauen in weissen Bademänteln und mit blauen Gesichtsmasken auf Liegestühlen.
Teamausflug ins Luxusspa. Sofia (MJ Rodriguez) hält wenig von Mollys Lebensstil, lässt sich aber manchmal verführen. © Apple TV+

Deshalb braucht es noch die anderen Figuren. Der blasierte Assistent Nicholas, der alle Normalos schrecklich findet, sich aber langsam mit Howard (Ron Funches) anfreundet, dem IT-Techniker der Stiftung und Cousin von Molly.

Die Nebenfiguren halten einen bei der Stange

Sofia, die Molly regelmässig die Leviten liest, aber die Einladung ins Luxusspa doch nicht ausschlagen kann. Schliesslich gibt es noch Arthur (Nat Faxon, zuletzt als Bob Haldeman in «Gaslit»), ein Klischee-Buchhalter, korrekt, schlecht gekleidet, peinlich lustig und geschieden.

Dieses Figurenarsenal hält einen einigermassen bei der Stange, wenn der Spassfaktor in der zweiten Hälfte etwas abnimmt. Alles in allem ist «Loot» eine durchaus vergnügliche Sitcom. Sie ist aber etwas zu wenig bösartig, um den Titel Satire zu verdienen.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Loot» Staffel 1?

Besetzung: Maya Rudolph | MJ Rodriguez | Joel Kim Booster | Ron Funches | Nat Faxon | Adam Scott
Serie entwickelt von: Matt Hubbard | Alan Yang
Genre: Komödie
USA, 2022

For All Mankind (Staffel 3) – Das Rennen zum Mars

Läuft bei: Apple TV+ (3 Staffeln, 30 Episoden à 60 Min.)

«For All Mankind» – Was bisher geschah
Im Juni 1969 setzt erstmals ein Mensch seinen Fuss auf den Mond: der russische Kosmonaut Alexei Leonov. Die NASA hat den Wettlauf auf den Mond verloren.
In der ersten Staffel gehen die Rivalitäten zwischen den USA und der UdSSR auf dem Mond weiter mit der Suche nach Wasser und der Errichtung einer permanenten Mondbasis.
In der zweiten Staffel verschärft sich der Kalte Krieg unter Präsident Reagan. Das hat Auswirkungen auf die NASA. Die Mondmission wird militarisiert, es fällt der erste Schuss auf dem Erdtrabanten.

Wir sind im Jahr 1992 angelangt. Karen Baldwin (Shantel VanSanten) eröffnet ein Weltraumhotel. Zur Einweihung feiert Danny Stevens (Casey W. Johnson) seine Hochzeit im «Polaris».

Ed Baldwin (Joel Kinnaman), Karens Ex-Mann, ist unter den Gästen mit seiner neuen Ehefrau und auch Danielle Poole (Krys Marshall) mit Familie. Doch die Weltraumparty endet in einer Katastrophe.

Drei Missionen zum Mars

Karen verkauft die Überreste von «Polaris» an Dev Ayesa (Edi Gathegi), der mit seinem Unternehmen «Helios Aerospace» ins Rennen um den ersten bemannten Marsflug einsteigen will. Damit konkurrieren drei Missionen im Wettlauf um den ersten Menschen auf dem Mars: «Helios», die NASA und die russische Roscosmos.

Molly Cobb (Sonya Walger) ernennt Ed zum Kommandanten der NASA-Mission. Das passt NASA-Direktorin Margo Madison (Wrenn Schmidt) überhaupt nicht. Sie feuert Molly und setzt Danielle Poole als Kommandantin ein. Ed wechselt daraufhin zur Konkurrenz und übernimmt die «Helios»-Mission.

Bill Clinton wird nicht Präsident

Margo hat neben der Marsmission noch andere Sorgen. Die Russen erpressen sie und verlangen die Baupläne für den atomaren Antrieb des amerikanischen Raumschiffs. Sie drohen damit, Sergei Nikulov (Piotr Adamczyk), Margos heimliche Liebe, umzubringen.

Die ehemalige Astronautin Ellen Wilson (Jodi Balfour) ist in die Politik gegangen. Sie schlägt im Wahlkampf Bill Clinton und wird Präsidentin der USA. Ellen lebt als lesbische Frau noch immer in einer Zweckehe mit ihrem schwulen Mann. Als Larry eine Affäre hat mit einem White House-Angestellten, droht die ganze Sache aufzufliegen.

Auf dem Mars gehen die Rivalitäten weiter

1995 starten die drei Missionen. Das Rennen auf den Mars wird äusserst knapp entschieden. Alle drei Teams landen letztlich auf dem roten Planeten. Die Rivalitäten gehen weiter. Katastrophen und unvorhergesehene Ereignisse zwingen die Crews aber zur Zusammenarbeit, um zu überleben.

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Einschätzung

«For All Mankind» ist immer wieder mal auf der Empfehlungsliste aufgetaucht. Erst vor ein paar Wochen bin ich in die erste Staffel eingestiegen – und konnte nicht mehr aufhören.

Die ganz andere Geschichte der Raumfahrt

Die Prämisse, dass die Russen das Rennen auf den Mond gewonnen haben, erlaubt «For All Mankind» eine ganz andere Geschichte der Weltraumfahrt zu erzählen. Dabei lässt sie einige historische Tatsachen stehen, andere stellt sie auf den Kopf.

So folgt etwa auf Richard Nixon Ted Kennedy ins Amt des US-Präsidenten. Die Crew von Apollo 11 besteht historisch korrekt aus Armstrong, Aldrin und Collins. Doch schon bei Apollo 15 ist die erste Astronautin an Bord.

Hochkarätige Soap Opera – nicht nur für Raketenfans

Das Spiel mit der alternativen Geschichte ist witzig, aber nicht der Kern der Serie. Man muss auch kein Fan von Saturn V Raketen sein, um in die Serie einzutauchen. Die Raumfahrt ist nur ein Vehikel, um nervenaufreibende Rettungsaktionen im All zu zeigen.

«For All Mankind» ist vor allem eine hochkarätige Soap Opera. Es geht darum, die Freuden und Leiden des umfangreichen Figurenarsenals zu erzählen.

  • Ed Baldwin und seine Frau Karen etwa. Er ist der Draufgänger, der vom Testpiloten zum Astronauten wird. Sie serviert ihren Freundinnen Kaffee und Kuchen, wenn sie gemeinsam am TV den Start ihrer Männer ins All verfolgen. Sie beide ereilt schon früh ein schwerer Schicksalsschlag, der vor allem Karen ihre Rolle überdenken lässt.
  • Margo Madison, die erste Frau im NASA-Kontrollzentrum, hochgradig begabt, aber bei Beförderungen wird sie übergangen. Nicht nur, weil sie eine Frau ist, aber auch.
  • Danielle Poole ist die erste afroamerikanische Astronautin, die die NASA gerne an PR-Events schickt, sich aber schwertut, Danielle entsprechend ihrer Fähigkeiten einzusetzen.
  • Ellen Waverly ist lesbisch, das kann sie natürlich nicht offen zeigen. Sie und ihr schwuler Freund Larry werden vom FBI verhört. Ihr Ausweg ist eine Beziehung, um die Gerüchte um ihre Sexualität zum Verstummen zu bringen.
Menschliche Dramen, gesellschaftliche Probleme

An diesen Geschichten zeigt sich auch, dass «For All Mankind» geschickt seine Figuren nutzt, auch um Weltraumabenteuer zu erzählen, aber vor allem um gesellschaftspolitische Probleme einfliessen zu lassen: Sexismus, Rassismus, Homophobie.

Diese Mischung von menschlichen Dramen und gesellschaftlichen, politischen Fragen macht die Serie attraktiv. Wohltuend ist dabei, dass die Figuren nicht die stereotypen Verhaltensweisen der 08/15-Serienheld:innen an den Tag legen. Es sind keine moralischen Ehrenkübel, die sich sofort selbstlos für das grosse Ganze opfern.

Prädikat: binge-würdig – und Vorfreude auf Staffel 4

Im Gegenteil: Ellen kneift als Präsidentin, als sie die Möglichkeit hat, sich für die Anerkennung der Homosexuellen einzusetzen. Margo überlässt eine junge Einwanderin ihrem Schicksal, statt sie bei sich aufzunehmen. Danielle verzichtet sicher nicht auf die Marsmission, obwohl sie Ed einiges zu verdanken hat. Und Ed denkt sowieso immer zuerst an sich.

Wenn man sich mit diesen Figuren anfreundet, kann man nicht mehr loslassen. Ein klassischer Fall von binge-würdig. Und es ist noch nicht vorbei: Die vierte Staffel ist bestätigt und soll in diesen Tagen mit den Dreharbeiten beginnen.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «For All Mankind» Staffel 3?

Besetzung: Joel Kinnaman | Shantel VanSanten | Jodi Balfour | Wrenn Schmidt |Krys Marshall | Sonya Walger | Cynthy Wu | Coral Peña | Edi Gathegi
Serie entwickelt von: Ronald D. Moore | Ben Nedivi | Matt Wolpert
Genre: Science-Fiction | Drama | Abenteuer
USA, 2022

Physical (Staffel 2) – Powerfrau mit Widersprüchen

Läuft bei: Apple TV+ (2 Staffeln, 20 Episoden à 30 Min.)

=> Staffel 1: Physical – Empowerment durch Aerobic

Ihr Mann Danny (Rory Scovel) ist glorios gescheitert mit seiner politischen Karriere. Jetzt entdeckt der Westküsten-Pascha seine feministische Seite, will Hausarbeit und Kinderbetreuung übernehmen und lässt Sheila (Rose Byrne) den Vortritt.

Ihr Name als Lifestylemarke

Sheila kann so ihren Traum verfolgen. Sie promotet ihr erstes VHS-Aerobic-Video in Läden, Freizeitparks und Supermärkten, und es verkauft sich nicht schlecht.

Aber Sheila will mehr. Ihr Name soll zu einer Lifestylemarke werden wie der von Vinnie Green (Murray Bartlett). Green ist ein erfolgreicher Fitnessguru, der im Fernsehen nicht nur seine Kurse anpreist, sondern ein ganzes Wohlfühlpaket inklusive Nahrungsergänzungsmitteln verkauft.

Affäre mit dem Erzfeind

Sheilas Weg nach oben ist aber steinig, weil ihr Leben kompliziert ist. Da ist nicht nur ihre massive Essstörung. Sheila hat eine Affäre begonnen mit John Breem (Paul Sparks), vermeintlich ein gläubiger Mormone und zudem politischer Erzfeind ihres Mannes.

Ein Mann mit weissem Hemd telefoniert stehend.
John Breem (Paul Sparks) ist besessen von der Affäre mit Sheila. © Apple TV+

Dann ist da noch die Geschichte mit Bunny (Della Saba). Durch sie kam Sheila ja erst zu Aerobic. Bunny fühlt sich betrogen, weil Sheila sie ausgebootet hat. Per Zufall fällt ihrem Freund Tyler (Lou Taylor Pucci) eine VHS-Kassette in die Hände, die Sheilas Affäre beweist. Damit erpressen die beiden Sheila.

Sheila enttäuscht ihre beste Freundin

Loyal an ihrer Seite steht einzig Greta (Dierdre Friel). Mit ihr als Partnerin und dem Geld von Gretas Mann will Sheila ihr Imperium aufbauen. Bis sie es schafft, sich auch mit Greta zu überwerfen.

Einschätzung

In der zweiten Staffel gibt «Physical» seinen Hauptfiguren Raum, sich weiterzuentwickeln. Das ist spannend mitanzusehen, aber auch strapaziös. Denn sympathischer werden Rose, Danny und Co. dadurch nicht.

Danny, der Hausmann

Wobei Danny eigentlich einen Schritt in die richtige Richtung tut. Er war im ersten Teil der politisch Progressive, in der Beziehung aber selbstverständlich ein Pascha alter Schule. Seine Ehefrau ist dazu da, ihm den Rücken freizuhalten und ihm zuzuarbeiten.

Das ändert nach seiner Wahlniederlage. Er wird zum Hausmann. Doch Danny wäre nicht Danny, wenn er das nicht vor allem für sein eigenes Ego täte. Am ersten Tag, an dem er seine Tochter in die Schule fährt, badet er förmlich in den anerkennenden Blicken der anwesenden Mütter.

John Breem, der skrupellose Geschäftsmann, war schon im ersten Teil unsympathisch. Jetzt tendiert er zum leicht Dämonischen. Der gläubige Mormone, der seine Kinder streng religiös erzieht, beginnt mit Sheila eine Affäre, die nichts mit Liebe zu tun hat, sondern nur mit hartem Sex.

Arme Sheila? Böse Sheila?

Was zur Frage führt: Wie kann sich Sheila auf so eine toxische Beziehung einlassen? Ist sie nicht die unterdrückte Frau, die lediglich Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung für sich einfordert, das aber mit ihren Aerobic-Videos allen anderen Frauen ermöglichen will?

Nein, so einfach ist es nicht. Sheila nutzt andere Frauen aus. Bunny beispielsweise, der sie ihr Wissen und Können in Aerobic verdankt, die sie aber perfide ausgebootet hat. Oder Greta, deren Freundschaft Sheila gerne zum eigenen Vorteil in Anspruch nimmt, ohne sie wirklich zu erwidern.

Ein Frau hält eine Pappfigur.
Greta (Dierdre Friel) verehrt Sheila und wird von ihr ausgenutzt. © Apple TV+
Keine stereotypen Figuren

Aber klar, Sheila ist krank, hat eine massive Essstörung, die wahrscheinlich auf sexuellen Missbrauch in ihrer Jugend zurückzuführen ist. Also doch ein Opfer?

«Physical» lässt solche einfachen Erklärungen nicht zu, weder bei Sheila noch bei anderen Figuren. Und das macht die Serie spannend. Am Ende der zweiten Staffel zeichnet sich ab, dass Sheila noch weiter den dunklen Weg beschreiten wird.

Düster, aber auch sehr humorvoll

Diese eher düsteren Geschichten erzählt «Physical» aber immer mit einem erfrischend humorvollen Unterton, packt amüsante Szenen dazu und untermalt das ab und zu mit einem kommentierenden 80er-Jahre-Soundtrack.

Die dritte Staffel ist bestätigt, und ich werde sicher weiterverfolgen, wohin das alles führt.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Phyiscal» Staffel 2?

Besetzung: Rose ByrneRory ScovelDierdre FrielPaul SparksDella Saba | Lou Taylor Pucci | Murray Bartlett
Serie entwickelt von: Annie Weisman
Genre: Drama | Komödie
USA, 2022

Tehran (Staffel 2) – Mossad-Agentin auf Rachefeldzug

Tehran key art. Niv Sultan und Glenn Close.

Läuft bei: Apple TV+ (2 Staffeln, 16 Episoden à 45 Min.)

Die Mossad-Agentin Tamar (Niv Sultan) und ihr Freund Milad (Shervin Alenabi) sitzen in Teheran fest. Sie planen die Flucht aus Iran. Allerdings will Tamar ohne Milads Wissen noch ein letztes Mal mit dem Mossad zusammenarbeiten.

Spektakuläre Befreiung

Sie will mithelfen, den israelischen Piloten zu befreien, der bei ihrer misslungenen letzten Mission (Staffel 1) gefangenen genommen wurde. Die spektakuläre Aktion gelingt. Tamar entkommt aber nur knapp der Verhaftung dank der Hilfe von Marjan (Glen Close), die ebenfalls für den Mossad arbeitet.

Als Vergeltung lässt der neu ernannte Führer der Revolutionsgarde, Qasem Mohammadi (Vassilis Koukalani), vier Personen hinrichten, die wegen Verbindungen zum Mossad verurteilt worden waren. Darunter befinden sich Tamars Tante und Onkel, die sie unterstützt hatten und deshalb in der Todeszelle landeten.

Tamar schwört Rache

Tamar bricht deshalb die geplante Ausreise aus Iran ab. Sie will Rache nehmen an Mohammadi. Über Milads Verbindungen im Drogenhandel wollen sie in die Partyszene der jungen High-Society gelangen, in der sich Mohammadis Sohn bewegt. Das soll den Weg ebnen für einen Mordanschlag auf den Vater.

Das Vorhaben erweist sich als komplizierter als erhofft. Zudem ist ihnen wieder der iranische Geheimdienstler Faraz (Shaun Toub) auf den Fersen.

Einschätzung

«Tehran» verliert in der zweiten Staffel leider etwas von dem besonderen Flair, das die erste Staffel auszeichnete.

Iran jenseits des Mullah-Staates

Tamar war da nicht einfach eine israelische Agentin auf Sabotagemission. Ihre Familie stammt aus Iran. Es ist ein Stück Heimat, wo sie dafür kämpfen will, dass die Menschen ein besseres Leben führen können. Zudem lernte Tamar die Szene der jungen Regimegegner:innen kennen, als sie untertauchen musste.

So zeichnete die erste Staffel ein Bild von Iran jenseits des Mullah-Staates, wie wir es in Europa üblicherweise vorgesetzt bekommen.

Der Prunk der Regime-Kinder

Diesmal spielt sich die Mission in der High-Society der jungen Schönen ab, deren Väter hohe Tiere im Regime sind. Protzige Autos, luxuriöse Häuser, Parties mit Koks. Auch das zwar ein Bild des Irans, das uns nicht vertraut ist. Aber wir kennen es zur Genüge aus der Welt der westlichen Superreichen.

Was bleibt, ist der Attentatsplot, der für einige Herzschlagmomente sorgt. Wobei die zweite Staffel auch hier das Niveau der ersten nicht erreicht.

So arbeiten Mossad-Agent:innen?

Zu oft leisten sich Tamar, Miladi oder Marjan Fehler, die sie eigentlich den Kopf kosten müssten. Da fragt man sich manchmal, ob das wirklich Agent:innen dieses hochgelobten Mossads sind.

Tamar, so viel darf verraten sein, sitzt am Schluss wieder in Teheran fest. Vielleicht schafft es eine allfällige dritte Staffel diesen anderen Blick auf Iran wieder in den Vordergrund zu rücken, der die Serie zu Beginn interessant machte.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Tehran» Staffel 2?

Besetzung: Niv Sultan | Shaun Toub | Shervin Alenabi | Glenn Close | Shila Ommi
Serie entwickelt von: Dana Eden | Maor Kohn | Omri Shenhar
Genre: Thriller
ISR, 2022

The Essex Serpent (Mini-Serie) – Viktorianischer Mischmasch

Läuft bei: Apple TV+ (Mini-Serie, 6 Episoden à 50 Min.)

England 1893: Cora Seaborne (Claire Danes) hat gerade ihren Mann verloren. Cora empfindet aber kaum Trauer, weil er sie misshandelt hat, sie fühlt sich eher befreit. Die neugewonnene Freiheit nutzt sie, um ihrer Leidenschaft für Naturwissenschaften nachzugehen.

Die Schlange – lebendes Fossil oder Teufelswerk

Ein Zeitungsartikel über eine Seeschlange erregt ihre Aufmerksamkeit. Sie reist mit ihrem Sohn und ihrer Hausangestellten, die mehr ihre Freundin ist, nach Essex. Cora mutmasst, dass es sich bei dieser mythischen Gestalt um ein lebendes Fossil handeln könnte.

Auch die Bewohner:innen des kleinen Orts Aldwinter glauben an die Existenz der Schlange von Essex. Für sie ist die Schlange allerdings eine Dienerin des Teufels, die sich die sündigen Menschen holt. Gerade ist eine junge Frau verschwunden. Als ihre Leiche in den Sümpfen gefunden wird, gerät der Ort in Aufruhr.

Gefährliche Liason

Will Ransome (Tom Hiddleston), der Pfarrer des Ortes, versucht, seine Gemeinde zu beruhigen. Der Tod der Frau sei ein Unfall gewesen, sie sei ertrunken. Für ihn ist klar, dass es keine Schlange gibt. Deshalb hält er es auch für wenig hilfreich, wenn Cora deren Existenz zu beweisen sucht.

Über diese Diskussion kommen sich Cora und Will näher. Zu nahe, denn Will ist verheiratet. Doch nicht nur Wills Ehe gerät in Gefahr. Auch Luke Garrett, ein Arzt aus London, der sich Hoffnungen auf Cora macht, merkt, dass ihm Konkurrenz erwachsen ist.

Hexenjagd auf Cora

Die Stimmung in Aldwinter eskaliert, als eine zweite junge Frau verschwindet. Jetzt wenden sich die Bewohner:innen gegen Cora, die sie schon vorher misstrauisch beäugt hatten. Mit ihrer Ankunft sei auch die Seeschlange wieder aufgetaucht, also stehe sie mit dem Teufel im Bunde.

Cora muss eiligst packen und nach London reisen. Will bleibt zurück. Aber sie werden sich unter dramatischen Umständen wiedersehen.

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Ich finde

«The Essex Serpent» ist ein Historiendrama im ausklingenden viktorianischen Zeitalter. Die Naturwissenschaft verdrängt den Glauben oder vielmehr den Aberglauben und Frauen beginnen, mehr Rechte und Freiheiten einzufordern.

Liebesgeschichte? Sozialkritik?

Oder vielleicht ist die Serie doch mehr ein kompliziertes Drama über eine Vierecksbeziehung, in deren Zentrum Cora steht. Eine Frau, die alle lieben, die aber die Gefühle anderer kaum wahrnimmt und Chaos in den Seelen der Menschen um sie herum anrichtet.

Oder vielleicht ist es auch eine Geschichte über den sozialen Umbruch im ausklingenden 19. Jahrhundert. Coras Hausangestellte Martha ist Sozialistin und versucht, die miserablen Lebensumstände der Arbeiterschicht zu verbessern.

Danes und Hiddleston können was

Wenn man «The Essex Serpent» sehr wohlwollend betrachtet, dann bietet die Serie genau obiges: viktorianische Ära, Liebe, Drama, Umbruch. Atmosphärisch umgesetzt, mit gutem Cast.

Claire Danes und Tom Hiddleston beweisen, dass sie mehr spielen können als eine bipolare CIA-Agentin («Homeland») oder einen schurkischen Gott («Loki»). Aber das wussten wir eigentlich schon vorher.

Haarscharf am Kitsch vorbei

Ich bringe dieses Wohlwollen nicht auf. Für mich ist die Serie eine misslungene Mixtur aus obigen Zutaten, aus der vor allem die langfädige Liebesgeschichte heraussticht, die nur haarscharf am Kitsch vorbeischrammt.

Ohne zu viel zu verraten: Die Wiederbegegnung von Stella, Cora und Will in der letzten Episode ist ziemlich unerträglich. Und das Schicksal, das Luke ereilt, könnte sich Rosamunde Pilcher ausgedacht haben.

Dreieinhalb Stunden zu lang

Als 90-minütiger Film ginge die Geschichte vielleicht noch durch, weil man dann einiges straffen könnte. Aber knapp fünf Stunden trägt sie einfach nicht. Das retten auch die schönen Landschaftsaufnahmen und die viktorianische Atmosphäre nicht mehr.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «The Essex Serpent»?

Besetzung: Claire Danes | Tom Hiddleston | Frank Dillane | Clémence Poésy | Hayley Squires
Created by: Anna Symon
Genre: Drama
GB, 2022

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