Black Bird (Mini-Serie) – Bedächtige Reise in die Hölle

4 von 5 Sternen

Läuft bei: Apple TV+ (Mini-Serie, 6 Episoden à 60 Min.)

Jimmy Keene (Taron Egerton) lebt auf der Überholspur. Heisse Autos, Frauen und viel Geld, das er mit Drogenhandel verdient. Damit ist Schluss, als er auffliegt. Jimmy bekennt sich schuldig, um eine geringe Strafe zu bekommen. Der Staatsanwaltschaft zieht ihn aber über den Tisch und Jimmy wird zu zehn Jahren verdonnert.

Spitzel für das FBI

Nach ein paar Monaten hinter Gittern bekommt Jimmy von FBI-Agentin Lauren McCauley (Sepideh Moafi) ein anderes Angebot. Er soll einen pädophilen Serienmörder dazu bringen, ihm seine Taten zu gestehen. Gelingt das Jimmy, kommt er frei.

Jimmy lehnt ab. Erst als ihm seine Mutter erzählt, dass Jimmys Vater (Ray Liotta) so sehr darunter leidet, dass sein Sohn im Gefängnis sitzt, dass er wohl nicht mehr lange lebe, ändert Jimmy seine Meinung.

Jimmy (Taron Egerton) soll Larry (Paul Walter Hauser) dazu bringen, seine Morde zu gestehen. © Starzplay
Ohne Geständnis kommt der Mörder frei

Jimmy wird in das Gefängnis für Schwerkriminelle verlegt und nur ein paar Zellen entfernt von Larry Hall (Paul Walter Hauser) einquartiert. Larry hat zwar einen Mord an einem Mädchen gestanden, später aber widerrufen. Zudem verdächtigt ihn die Polizei, dass er mindestens 14 junge Frauen vergewaltigt und ermordet haben soll.

Weil Larry gegen seine erste Verurteilung appelliert hat und die Beweislage gegen ihn dünn ist, brauchen FBI-Agentin McCauley und Detektiv Brian Miller (Greg Kinnear) unbedingt das Geständnis, das Jimmy Larry entlocken soll. Sonst kommt Larry wieder frei.

Für Jimmy wird sein Auftrag eine Reise in die Hölle.

Einschätzung

Zwei Dinge zeichnen «Black Bird» aus: grossartige schauspielerische Leistungen, vor allem von Taron Egerton (spielte Elton John in «Rocketman») und Paul Walter Hauser. Und ein gemächliches Erzähltempo, in dem sich die Geschichte entwickelt.

Kein stereotypes Monster

Hier ist nichts aufdringlich oder mit der üblichen Die-Zeit-läuft-ab-Hektik inszeniert. Lange Dialoge geben Einblick in die Köpfe von Larry, aber auch von Jimmy, der anfänglich mit übermässigem Ego auftritt, am Schluss aber fast so was wie Demut zeigt.

Larry ist nicht einfach nur der monströse Pädophile. Seine hohe Stimme und bedächtige Sprechhaltung lassen ihn zwischendurch als harmlosen Spinner erscheinen, der aus Geltungsdrang Morde gesteht, die er gar nicht begangen hat.

Sorgfältig erzählt bis ins Detail

Da beginnt auch Agentin McCauley zu zweifeln, ob sie wirklich den richtigen Täter verfolgen. Detektiv Miller verfolgt andererseits hartnäckig alle Spuren, die Larry überführen könnten, ohne dabei, wie es oft zu sehen ist, einem missionarischen Übereifer zu verfallen. Miller macht einfach einen sauberen Job.

Die Spuren, die McCauley (Sepideh Moafi) und Miller (Greg Kinnear) verfolgen, bringen nicht die nötigen Beweise gegen Larry. © Starzplay

Selbst die Nebengeschichte, die Beziehung zwischen Jimmy und seinem Vater, ist sehr sorgfältig erzählt. Er, ein ehemaliger Polizist, der mitansehen muss, wie sein Sohn fast genussvoll auf die schiefe Bahn gerät und sich dafür die Schuld gibt.

Atmosphärisch dicht und intensiv

Überraschungen gibt es keine, denn die Geschichte basiert auf einem wahren Fall. Diesen Dreh braucht es nicht. «Black Bird» ist atmosphärisch dicht und intensiv genug erzählt, um einen hineinzuziehen in den Abgrund menschlicher Psyche.

Wie viele Sterne gibst du «Black Bird»?

Besetzung: Taron Egerton | Paul Walter Hauser | Sepideh Moafi | Greg Kinnear | Ray Liotta
Serie entwickelt von: Dennis Lehane
Genre: Drama | True-Crime
USA, 2022

Loot (Staffel 1) – Peinlichkeiten einer stinkreichen Wohltäterin

Frau im purpurenem Kleid hält einen geöffneten Schirm aus dem es Geld regnet

Läuft bei: Apple TV+ (1 Staffel, 10 Episoden à 30 Min.)

Molly (Maya Rudolph) ist stinkreich. Sie geniesst das Luxusleben mit ihrem Mann, dem Tech-Milliardär John Novak (Adam Scott, zuletzt in «Severance»). An ihrem 45. Geburtstag entdeckt sie allerdings, dass John sie mit einer jüngeren Frau betrügt.

Keine Ahnung, dass sie eine Wohltäterin ist

Molly lässt sich scheiden. Um ihren Kummer zu vergessen, reist sie mit ihrem Assistenten Nicholas (Joel Kim Booster) von Party zu Party rund um die Welt. Das kann sie sich locker leisten. Sie hat die Hälfte des gemeinsamen Vermögens bekommen – 87 Milliarden Dollar.

Als Molly wieder kurz in Los Angeles weilt, erhält sie einen Anruf. Es ist Sofia (MJ Rodriguez), die Direktorin ihrer Stiftung, die sich um soziale Projekte in LA kümmert, und von deren Existenz Molly keine Ahnung hatte.

Eine Frau und ein Mann prosten sich zu mit einem Glas Orangensaft.
Nicholas (Joel Kim Booster) ist Mollys (Maya Rudolph) treuer Assistent und trinkt wie sie lieber Champagner als Orangensaft. © Apple TV+
Molly unter den 99 Prozent

Sofia liest Molly die Leviten, weil ihr Lebensstil ein extrem schlechtes Licht auf die Stiftung wirft. Molly verspricht Besserung. Aber nicht nur das. Sie will sich aktiv engagieren.

So taucht sie bei der Einweihung eines Obdachlosenheims auf und lässt Geschenktüten mit Luxusartikeln unter den Gästen verteilen. Es bleibt nicht der einzige peinliche Auftritt, bei dem Molly unter Beweis stellt, wie fremd ihr das Leben der 99 Prozent ist.

Radikaler Schritt

Ganz langsam lernt sie aber im Kontakt mit ihrer Stiftung und deren Mitarbeiter:innen, was sie und ihr Geld sinnvolles ausrichten können. Am Ende kommt sie zu einer radikalen Erkenntnis und Entscheidung.

Einschätzung

Molly, respektive Maya Rudolph, scheint es grosses Vergnügen zu bereiten, sich in der Sphäre der Superreichen mit Villen, Privatjets und Birkin Bags zu bewegen und von einem Fettnapf in den anderen zu treten. Das ist es auch, was diese Serie in erster Linie unterhaltsam macht.

Neid und Häme

Als Zuschauer:in darf man etwas neidisch staunen, wenn Molly in ihrer Villa vom begehbaren Kleider-, zum Schuh-, zum Handtaschenschrank flaniert, alle etwa so gross wie ein Wohnzimmer. Oder dass es einen Candy-Room gibt, wo sie ihren Kummer mit Süssigkeiten vertreiben kann.

Leicht hämisch dürfen wir uns aber auch daran ergötzen, wenn sie sich wieder eine Peinlichkeit sondergleichen leistet und nicht zu ganz unrecht als «rich bitch» beschimpft wird.

Die Weltfremdheit verliert an Witz

Allerdings funktioniert das nur über die ersten paar Episoden hinweg. Danach verliert Mollys Weltfremdheit an Witz. Zudem taucht ein neuer Mann in ihrem Leben auf und Mollys Plot gleitet ab in eine (fast) normale Liebesgeschichte.

Zwei Frauen in weissen Bademänteln und mit blauen Gesichtsmasken auf Liegestühlen.
Teamausflug ins Luxusspa. Sofia (MJ Rodriguez) hält wenig von Mollys Lebensstil, lässt sich aber manchmal verführen. © Apple TV+

Deshalb braucht es noch die anderen Figuren. Der blasierte Assistent Nicholas, der alle Normalos schrecklich findet, sich aber langsam mit Howard (Ron Funches) anfreundet, dem IT-Techniker der Stiftung und Cousin von Molly.

Die Nebenfiguren halten einen bei der Stange

Sofia, die Molly regelmässig die Leviten liest, aber die Einladung ins Luxusspa doch nicht ausschlagen kann. Schliesslich gibt es noch Arthur (Nat Faxon, zuletzt als Bob Haldeman in «Gaslit»), ein Klischee-Buchhalter, korrekt, schlecht gekleidet, peinlich lustig und geschieden.

Dieses Figurenarsenal hält einen einigermassen bei der Stange, wenn der Spassfaktor in der zweiten Hälfte etwas abnimmt. Alles in allem ist «Loot» eine durchaus vergnügliche Sitcom. Sie ist aber etwas zu wenig bösartig, um den Titel Satire zu verdienen.

Wie viele Sterne gibst du «Loot» Staffel 1?

Besetzung: Maya Rudolph | MJ Rodriguez | Joel Kim Booster | Ron Funches | Nat Faxon | Adam Scott
Serie entwickelt von: Matt Hubbard | Alan Yang
Genre: Komödie
USA, 2022

For All Mankind (Staffel 3) – Das Rennen zum Mars

Läuft bei: Apple TV+ (3 Staffeln, 30 Episoden à 60 Min.)

«For All Mankind» – Was bisher geschah
Im Juni 1969 setzt erstmals ein Mensch seinen Fuss auf den Mond: der russische Kosmonaut Alexei Leonov. Die NASA hat den Wettlauf auf den Mond verloren.
In der ersten Staffel gehen die Rivalitäten zwischen den USA und der UdSSR auf dem Mond weiter mit der Suche nach Wasser und der Errichtung einer permanenten Mondbasis.
In der zweiten Staffel verschärft sich der Kalte Krieg unter Präsident Reagan. Das hat Auswirkungen auf die NASA. Die Mondmission wird militarisiert, es fällt der erste Schuss auf dem Erdtrabanten.

Wir sind im Jahr 1992 angelangt. Karen Baldwin (Shantel VanSanten) eröffnet ein Weltraumhotel. Zur Einweihung feiert Danny Stevens (Casey W. Johnson) seine Hochzeit im «Polaris».

Ed Baldwin (Joel Kinnaman), Karens Ex-Mann, ist unter den Gästen mit seiner neuen Ehefrau und auch Danielle Poole (Krys Marshall) mit Familie. Doch die Weltraumparty endet in einer Katastrophe.

Drei Missionen zum Mars

Karen verkauft die Überreste von «Polaris» an Dev Ayesa (Edi Gathegi), der mit seinem Unternehmen «Helios Aerospace» ins Rennen um den ersten bemannten Marsflug einsteigen will. Damit konkurrieren drei Missionen im Wettlauf um den ersten Menschen auf dem Mars: «Helios», die NASA und die russische Roscosmos.

Molly Cobb (Sonya Walger) ernennt Ed zum Kommandanten der NASA-Mission. Das passt NASA-Direktorin Margo Madison (Wrenn Schmidt) überhaupt nicht. Sie feuert Molly und setzt Danielle Poole als Kommandantin ein. Ed wechselt daraufhin zur Konkurrenz und übernimmt die «Helios»-Mission.

Bill Clinton wird nicht Präsident

Margo hat neben der Marsmission noch andere Sorgen. Die Russen erpressen sie und verlangen die Baupläne für den atomaren Antrieb des amerikanischen Raumschiffs. Sie drohen damit, Sergei Nikulov (Piotr Adamczyk), Margos heimliche Liebe, umzubringen.

Die ehemalige Astronautin Ellen Wilson (Jodi Balfour) ist in die Politik gegangen. Sie schlägt im Wahlkampf Bill Clinton und wird Präsidentin der USA. Ellen lebt als lesbische Frau noch immer in einer Zweckehe mit ihrem schwulen Mann. Als Larry eine Affäre hat mit einem White House-Angestellten, droht die ganze Sache aufzufliegen.

Auf dem Mars gehen die Rivalitäten weiter

1995 starten die drei Missionen. Das Rennen auf den Mars wird äusserst knapp entschieden. Alle drei Teams landen letztlich auf dem roten Planeten. Die Rivalitäten gehen weiter. Katastrophen und unvorhergesehene Ereignisse zwingen die Crews aber zur Zusammenarbeit, um zu überleben.

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Einschätzung

«For All Mankind» ist immer wieder mal auf der Empfehlungsliste aufgetaucht. Erst vor ein paar Wochen bin ich in die erste Staffel eingestiegen – und konnte nicht mehr aufhören.

Die ganz andere Geschichte der Raumfahrt

Die Prämisse, dass die Russen das Rennen auf den Mond gewonnen haben, erlaubt «For All Mankind» eine ganz andere Geschichte der Weltraumfahrt zu erzählen. Dabei lässt sie einige historische Tatsachen stehen, andere stellt sie auf den Kopf.

So folgt etwa auf Richard Nixon Ted Kennedy ins Amt des US-Präsidenten. Die Crew von Apollo 11 besteht historisch korrekt aus Armstrong, Aldrin und Collins. Doch schon bei Apollo 15 ist die erste Astronautin an Bord.

Hochkarätige Soap Opera – nicht nur für Raketenfans

Das Spiel mit der alternativen Geschichte ist witzig, aber nicht der Kern der Serie. Man muss auch kein Fan von Saturn V Raketen sein, um in die Serie einzutauchen. Die Raumfahrt ist nur ein Vehikel, um nervenaufreibende Rettungsaktionen im All zu zeigen.

«For All Mankind» ist vor allem eine hochkarätige Soap Opera. Es geht darum, die Freuden und Leiden des umfangreichen Figurenarsenals zu erzählen.

  • Ed Baldwin und seine Frau Karen etwa. Er ist der Draufgänger, der vom Testpiloten zum Astronauten wird. Sie serviert ihren Freundinnen Kaffee und Kuchen, wenn sie gemeinsam am TV den Start ihrer Männer ins All verfolgen. Sie beide ereilt schon früh ein schwerer Schicksalsschlag, der vor allem Karen ihre Rolle überdenken lässt.
  • Margo Madison, die erste Frau im NASA-Kontrollzentrum, hochgradig begabt, aber bei Beförderungen wird sie übergangen. Nicht nur, weil sie eine Frau ist, aber auch.
  • Danielle Poole ist die erste afroamerikanische Astronautin, die die NASA gerne an PR-Events schickt, sich aber schwertut, Danielle entsprechend ihrer Fähigkeiten einzusetzen.
  • Ellen Waverly ist lesbisch, das kann sie natürlich nicht offen zeigen. Sie und ihr schwuler Freund Larry werden vom FBI verhört. Ihr Ausweg ist eine Beziehung, um die Gerüchte um ihre Sexualität zum Verstummen zu bringen.
Menschliche Dramen, gesellschaftliche Probleme

An diesen Geschichten zeigt sich auch, dass «For All Mankind» geschickt seine Figuren nutzt, auch um Weltraumabenteuer zu erzählen, aber vor allem um gesellschaftspolitische Probleme einfliessen zu lassen: Sexismus, Rassismus, Homophobie.

Diese Mischung von menschlichen Dramen und gesellschaftlichen, politischen Fragen macht die Serie attraktiv. Wohltuend ist dabei, dass die Figuren nicht die stereotypen Verhaltensweisen der 08/15-Serienheld:innen an den Tag legen. Es sind keine moralischen Ehrenkübel, die sich sofort selbstlos für das grosse Ganze opfern.

Prädikat: binge-würdig – und Vorfreude auf Staffel 4

Im Gegenteil: Ellen kneift als Präsidentin, als sie die Möglichkeit hat, sich für die Anerkennung der Homosexuellen einzusetzen. Margo überlässt eine junge Einwanderin ihrem Schicksal, statt sie bei sich aufzunehmen. Danielle verzichtet sicher nicht auf die Marsmission, obwohl sie Ed einiges zu verdanken hat. Und Ed denkt sowieso immer zuerst an sich.

Wenn man sich mit diesen Figuren anfreundet, kann man nicht mehr loslassen. Ein klassischer Fall von binge-würdig. Und es ist noch nicht vorbei: Die vierte Staffel ist bestätigt und soll in diesen Tagen mit den Dreharbeiten beginnen.

Wie viele Sterne gibst du «For All Mankind» Staffel 3?

Besetzung: Joel Kinnaman | Shantel VanSanten | Jodi Balfour | Wrenn Schmidt |Krys Marshall | Sonya Walger | Cynthy Wu | Coral Peña | Edi Gathegi
Serie entwickelt von: Ronald D. Moore | Ben Nedivi | Matt Wolpert
Genre: Science-Fiction | Drama | Abenteuer
USA, 2022

Physical (Staffel 2) – Powerfrau mit Widersprüchen

Läuft bei: Apple TV+ (2 Staffeln, 20 Episoden à 30 Min.)

=> Staffel 1: Physical – Empowerment durch Aerobic

Ihr Mann Danny (Rory Scovel) ist glorios gescheitert mit seiner politischen Karriere. Jetzt entdeckt der Westküsten-Pascha seine feministische Seite, will Hausarbeit und Kinderbetreuung übernehmen und lässt Sheila (Rose Byrne) den Vortritt.

Ihr Name als Lifestylemarke

Sheila kann so ihren Traum verfolgen. Sie promotet ihr erstes VHS-Aerobic-Video in Läden, Freizeitparks und Supermärkten, und es verkauft sich nicht schlecht.

Aber Sheila will mehr. Ihr Name soll zu einer Lifestylemarke werden wie der von Vinnie Green (Murray Bartlett). Green ist ein erfolgreicher Fitnessguru, der im Fernsehen nicht nur seine Kurse anpreist, sondern ein ganzes Wohlfühlpaket inklusive Nahrungsergänzungsmitteln verkauft.

Affäre mit dem Erzfeind

Sheilas Weg nach oben ist aber steinig, weil ihr Leben kompliziert ist. Da ist nicht nur ihre massive Essstörung. Sheila hat eine Affäre begonnen mit John Breem (Paul Sparks), vermeintlich ein gläubiger Mormone und zudem politischer Erzfeind ihres Mannes.

Ein Mann mit weissem Hemd telefoniert stehend.
John Breem (Paul Sparks) ist besessen von der Affäre mit Sheila. © Apple TV+

Dann ist da noch die Geschichte mit Bunny (Della Saba). Durch sie kam Sheila ja erst zu Aerobic. Bunny fühlt sich betrogen, weil Sheila sie ausgebootet hat. Per Zufall fällt ihrem Freund Tyler (Lou Taylor Pucci) eine VHS-Kassette in die Hände, die Sheilas Affäre beweist. Damit erpressen die beiden Sheila.

Sheila enttäuscht ihre beste Freundin

Loyal an ihrer Seite steht einzig Greta (Dierdre Friel). Mit ihr als Partnerin und dem Geld von Gretas Mann will Sheila ihr Imperium aufbauen. Bis sie es schafft, sich auch mit Greta zu überwerfen.

Einschätzung

In der zweiten Staffel gibt «Physical» seinen Hauptfiguren Raum, sich weiterzuentwickeln. Das ist spannend mitanzusehen, aber auch strapaziös. Denn sympathischer werden Rose, Danny und Co. dadurch nicht.

Danny, der Hausmann

Wobei Danny eigentlich einen Schritt in die richtige Richtung tut. Er war im ersten Teil der politisch Progressive, in der Beziehung aber selbstverständlich ein Pascha alter Schule. Seine Ehefrau ist dazu da, ihm den Rücken freizuhalten und ihm zuzuarbeiten.

Das ändert nach seiner Wahlniederlage. Er wird zum Hausmann. Doch Danny wäre nicht Danny, wenn er das nicht vor allem für sein eigenes Ego täte. Am ersten Tag, an dem er seine Tochter in die Schule fährt, badet er förmlich in den anerkennenden Blicken der anwesenden Mütter.

John Breem, der skrupellose Geschäftsmann, war schon im ersten Teil unsympathisch. Jetzt tendiert er zum leicht Dämonischen. Der gläubige Mormone, der seine Kinder streng religiös erzieht, beginnt mit Sheila eine Affäre, die nichts mit Liebe zu tun hat, sondern nur mit hartem Sex.

Arme Sheila? Böse Sheila?

Was zur Frage führt: Wie kann sich Sheila auf so eine toxische Beziehung einlassen? Ist sie nicht die unterdrückte Frau, die lediglich Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung für sich einfordert, das aber mit ihren Aerobic-Videos allen anderen Frauen ermöglichen will?

Nein, so einfach ist es nicht. Sheila nutzt andere Frauen aus. Bunny beispielsweise, der sie ihr Wissen und Können in Aerobic verdankt, die sie aber perfide ausgebootet hat. Oder Greta, deren Freundschaft Sheila gerne zum eigenen Vorteil in Anspruch nimmt, ohne sie wirklich zu erwidern.

Ein Frau hält eine Pappfigur.
Greta (Dierdre Friel) verehrt Sheila und wird von ihr ausgenutzt. © Apple TV+
Keine stereotypen Figuren

Aber klar, Sheila ist krank, hat eine massive Essstörung, die wahrscheinlich auf sexuellen Missbrauch in ihrer Jugend zurückzuführen ist. Also doch ein Opfer?

«Physical» lässt solche einfachen Erklärungen nicht zu, weder bei Sheila noch bei anderen Figuren. Und das macht die Serie spannend. Am Ende der zweiten Staffel zeichnet sich ab, dass Sheila noch weiter den dunklen Weg beschreiten wird.

Düster, aber auch sehr humorvoll

Diese eher düsteren Geschichten erzählt «Physical» aber immer mit einem erfrischend humorvollen Unterton, packt amüsante Szenen dazu und untermalt das ab und zu mit einem kommentierenden 80er-Jahre-Soundtrack.

Die dritte Staffel ist bestätigt, und ich werde sicher weiterverfolgen, wohin das alles führt.

Wie viele Sterne gibst du «Phyiscal» Staffel 2?

Besetzung: Rose ByrneRory ScovelDierdre FrielPaul SparksDella Saba | Lou Taylor Pucci | Murray Bartlett
Serie entwickelt von: Annie Weisman
Genre: Drama | Komödie
USA, 2022

Tehran (Staffel 2) – Mossad-Agentin auf Rachefeldzug

Tehran key art. Niv Sultan und Glenn Close.

Läuft bei: Apple TV+ (2 Staffeln, 16 Episoden à 45 Min.)

Die Mossad-Agentin Tamar (Niv Sultan) und ihr Freund Milad (Shervin Alenabi) sitzen in Teheran fest. Sie planen die Flucht aus Iran. Allerdings will Tamar ohne Milads Wissen noch ein letztes Mal mit dem Mossad zusammenarbeiten.

Spektakuläre Befreiung

Sie will mithelfen, den israelischen Piloten zu befreien, der bei ihrer misslungenen letzten Mission (Staffel 1) gefangenen genommen wurde. Die spektakuläre Aktion gelingt. Tamar entkommt aber nur knapp der Verhaftung dank der Hilfe von Marjan (Glen Close), die ebenfalls für den Mossad arbeitet.

Als Vergeltung lässt der neu ernannte Führer der Revolutionsgarde, Qasem Mohammadi (Vassilis Koukalani), vier Personen hinrichten, die wegen Verbindungen zum Mossad verurteilt worden waren. Darunter befinden sich Tamars Tante und Onkel, die sie unterstützt hatten und deshalb in der Todeszelle landeten.

Tamar schwört Rache

Tamar bricht deshalb die geplante Ausreise aus Iran ab. Sie will Rache nehmen an Mohammadi. Über Milads Verbindungen im Drogenhandel wollen sie in die Partyszene der jungen High-Society gelangen, in der sich Mohammadis Sohn bewegt. Das soll den Weg ebnen für einen Mordanschlag auf den Vater.

Das Vorhaben erweist sich als komplizierter als erhofft. Zudem ist ihnen wieder der iranische Geheimdienstler Faraz (Shaun Toub) auf den Fersen.

Einschätzung

«Tehran» verliert in der zweiten Staffel leider etwas von dem besonderen Flair, das die erste Staffel auszeichnete.

Iran jenseits des Mullah-Staates

Tamar war da nicht einfach eine israelische Agentin auf Sabotagemission. Ihre Familie stammt aus Iran. Es ist ein Stück Heimat, wo sie dafür kämpfen will, dass die Menschen ein besseres Leben führen können. Zudem lernte Tamar die Szene der jungen Regimegegner:innen kennen, als sie untertauchen musste.

So zeichnete die erste Staffel ein Bild von Iran jenseits des Mullah-Staates, wie wir es in Europa üblicherweise vorgesetzt bekommen.

Der Prunk der Regime-Kinder

Diesmal spielt sich die Mission in der High-Society der jungen Schönen ab, deren Väter hohe Tiere im Regime sind. Protzige Autos, luxuriöse Häuser, Parties mit Koks. Auch das zwar ein Bild des Irans, das uns nicht vertraut ist. Aber wir kennen es zur Genüge aus der Welt der westlichen Superreichen.

Was bleibt, ist der Attentatsplot, der für einige Herzschlagmomente sorgt. Wobei die zweite Staffel auch hier das Niveau der ersten nicht erreicht.

So arbeiten Mossad-Agent:innen?

Zu oft leisten sich Tamar, Miladi oder Marjan Fehler, die sie eigentlich den Kopf kosten müssten. Da fragt man sich manchmal, ob das wirklich Agent:innen dieses hochgelobten Mossads sind.

Tamar, so viel darf verraten sein, sitzt am Schluss wieder in Teheran fest. Vielleicht schafft es eine allfällige dritte Staffel diesen anderen Blick auf Iran wieder in den Vordergrund zu rücken, der die Serie zu Beginn interessant machte.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Tehran» Staffel 2?

Besetzung: Niv Sultan | Shaun Toub | Shervin Alenabi | Glenn Close | Shila Ommi
Serie entwickelt von: Dana Eden | Maor Kohn | Omri Shenhar
Genre: Thriller
ISR, 2022

The Essex Serpent (Mini-Serie) – Viktorianischer Mischmasch

Läuft bei: Apple TV+ (Mini-Serie, 6 Episoden à 50 Min.)

England 1893: Cora Seaborne (Claire Danes) hat gerade ihren Mann verloren. Cora empfindet aber kaum Trauer, weil er sie misshandelt hat, sie fühlt sich eher befreit. Die neugewonnene Freiheit nutzt sie, um ihrer Leidenschaft für Naturwissenschaften nachzugehen.

Die Schlange – lebendes Fossil oder Teufelswerk

Ein Zeitungsartikel über eine Seeschlange erregt ihre Aufmerksamkeit. Sie reist mit ihrem Sohn und ihrer Hausangestellten, die mehr ihre Freundin ist, nach Essex. Cora mutmasst, dass es sich bei dieser mythischen Gestalt um ein lebendes Fossil handeln könnte.

Auch die Bewohner:innen des kleinen Orts Aldwinter glauben an die Existenz der Schlange von Essex. Für sie ist die Schlange allerdings eine Dienerin des Teufels, die sich die sündigen Menschen holt. Gerade ist eine junge Frau verschwunden. Als ihre Leiche in den Sümpfen gefunden wird, gerät der Ort in Aufruhr.

Gefährliche Liason

Will Ransome (Tom Hiddleston), der Pfarrer des Ortes, versucht, seine Gemeinde zu beruhigen. Der Tod der Frau sei ein Unfall gewesen, sie sei ertrunken. Für ihn ist klar, dass es keine Schlange gibt. Deshalb hält er es auch für wenig hilfreich, wenn Cora deren Existenz zu beweisen sucht.

Über diese Diskussion kommen sich Cora und Will näher. Zu nahe, denn Will ist verheiratet. Doch nicht nur Wills Ehe gerät in Gefahr. Auch Luke Garrett, ein Arzt aus London, der sich Hoffnungen auf Cora macht, merkt, dass ihm Konkurrenz erwachsen ist.

Hexenjagd auf Cora

Die Stimmung in Aldwinter eskaliert, als eine zweite junge Frau verschwindet. Jetzt wenden sich die Bewohner:innen gegen Cora, die sie schon vorher misstrauisch beäugt hatten. Mit ihrer Ankunft sei auch die Seeschlange wieder aufgetaucht, also stehe sie mit dem Teufel im Bunde.

Cora muss eiligst packen und nach London reisen. Will bleibt zurück. Aber sie werden sich unter dramatischen Umständen wiedersehen.

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Ich finde

«The Essex Serpent» ist ein Historiendrama im ausklingenden viktorianischen Zeitalter. Die Naturwissenschaft verdrängt den Glauben oder vielmehr den Aberglauben und Frauen beginnen, mehr Rechte und Freiheiten einzufordern.

Liebesgeschichte? Sozialkritik?

Oder vielleicht ist die Serie doch mehr ein kompliziertes Drama über eine Vierecksbeziehung, in deren Zentrum Cora steht. Eine Frau, die alle lieben, die aber die Gefühle anderer kaum wahrnimmt und Chaos in den Seelen der Menschen um sie herum anrichtet.

Oder vielleicht ist es auch eine Geschichte über den sozialen Umbruch im ausklingenden 19. Jahrhundert. Coras Hausangestellte Martha ist Sozialistin und versucht, die miserablen Lebensumstände der Arbeiterschicht zu verbessern.

Danes und Hiddleston können was

Wenn man «The Essex Serpent» sehr wohlwollend betrachtet, dann bietet die Serie genau obiges: viktorianische Ära, Liebe, Drama, Umbruch. Atmosphärisch umgesetzt, mit gutem Cast.

Claire Danes und Tom Hiddleston beweisen, dass sie mehr spielen können als eine bipolare CIA-Agentin («Homeland») oder einen schurkischen Gott («Loki»). Aber das wussten wir eigentlich schon vorher.

Haarscharf am Kitsch vorbei

Ich bringe dieses Wohlwollen nicht auf. Für mich ist die Serie eine misslungene Mixtur aus obigen Zutaten, aus der vor allem die langfädige Liebesgeschichte heraussticht, die nur haarscharf am Kitsch vorbeischrammt.

Ohne zu viel zu verraten: Die Wiederbegegnung von Stella, Cora und Will in der letzten Episode ist ziemlich unerträglich. Und das Schicksal, das Luke ereilt, könnte sich Rosamunde Pilcher ausgedacht haben.

Dreieinhalb Stunden zu lang

Als 90-minütiger Film ginge die Geschichte vielleicht noch durch, weil man dann einiges straffen könnte. Aber knapp fünf Stunden trägt sie einfach nicht. Das retten auch die schönen Landschaftsaufnahmen und die viktorianische Atmosphäre nicht mehr.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «The Essex Serpent»?

Besetzung: Claire Danes | Tom Hiddleston | Frank Dillane | Clémence Poésy | Hayley Squires
Created by: Anna Symon
Genre: Drama
GB, 2022

Slow Horses (Staffel 1) – Der Spion, der aus der Abstellkammer kam

Läuft bei: Apple TV+ (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

MI5-Agent River Cartwright (Jack Lowden) versagt monumental bei einem Anti-Terroreinsatz. Es war zwar nur eine Übung, aber er wird trotzdem strafversetzt. Cartwright landet im «Slough House», eine Abstellkammer für ausgemusterte Agent:innen.

Sein neuer Chef ist Jackson Lamb (Gary Oldman). Er gibt seinem Team regelmässig zu verstehen, was für Nieten sie sind und zu Recht in den heruntergekommenen Büros des Slough House sitzen statt im mondänen Hauptquartier am Regent’s Park.

Die verdeckte Operation läuft schief

Obwohl Lamb es ihm deutlich untersagt, entwickelt Cartwright Ambitionen, echte Agentenarbeit zu leisten. Dabei verwickelt er das Team des Slough House – die so genannten Slow Horses – in einen Entführungsfall. Vier Nationalisten haben einen jungen Engländer pakistanischer Abstammung entführt und drohen, ihn hinzurichten.

Was als rechter Terrorakt erscheint, ist in Tat und Wahrheit ein verdeckte Operation der MI5-Chefin Diana Taverner (Kristin Scott Thomas). Die Operation läuft aber völlig aus dem Ruder und die Slow Horses kommen zu einem unverhofften Feldeinsatz.

Ich finde

«Slow Horses» ist ein ganz solider Thriller im britischen Geheimdienstmilieu. Nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint, und niemandem kann man trauen.

Mit Gary Oldman, Kristin Scott Thomas und Jonathan Pryce in einer Nebenrolle ist die Serie prominent besetzt. Die drei und auch der weitere Cast leisten gute Arbeit.

Jackson Lamb vs George Smiley

Dennoch fehlt der Serie schon noch etwas, um an die Spionagereihe heranzukommen, mit der man sie unweigerlich vergleicht: John Le Carrés Romane mit George Smiley (Fun Fact: Oldman spielte Smiley in der 2011er-Verfilmung von «Tinker Tailor Soldier Spy»).

Da ist zum einen die Hauptfigur Jackson Lamb. Der kratzbürstige Chef, der den Titel als demotivierendster Vorgesetzter mit Bravour verdient und schon zur Kaffeepause das Whiskyglas füllt, ist zu Beginn noch einigermassen witzig. Das verflüchtigt sich aber schneller als seine Blähungen nach dem Mittagessen.

Die Slow Horses kommen wieder

Zum andern lässt der Plot doch etwas an Raffinesse und Subtilität vermissen im Vergleich zu den Geschichten, die sich in Smileys Circus abspielten.

«Slow Horses» basiert auf den Romanen von Mick Herron, von denen bereits acht erschienen sind. Die zweite Staffel der Serie wird auch schon am Ende der ersten geteast. Man darf also wahrscheinlich mit noch mehr rechnen. Das ist durchaus ok, denn Zeitverschwendung ist die Serie sicher nicht.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Slow Horses» Staffel 1?

Besetzung: Gary Oldman | Kristin Scott Thomas | Jonathan Pryce | Jack Lowden
Genre: Thriller
GB, 2022

Severance (Staffel 1) – Kafka und Scientology lassen grüssen

Läuft bei: Apple TV+ (1 Staffel, 9 Episoden à 45 Min.)

Mark (Adam Scott, u.a. «Parks and Recreation» und «The Good Place») arbeitet bei Lumon Industries in einer Abteilung, die sich «Macrodata Refinement» nennt. Zwei Besonderheiten: Weder Mark noch seine Kolleg:innen haben eine Ahnung, was sie eigentlich genau arbeiten.

Aber vor allem: Alle, die in diesem unterirdischen Stockwerk der Firma arbeiten, haben sich einer Trennungsprozedur («severance procedure») unterzogen. Ein Mikrochip im Hirn verhindert, dass sie sich bei der Arbeit an ihr Privatleben erinnern – und umgekehrt. Obwohl diese Prozedur in seinem Umfeld durchaus umstritten ist, stimmt für Mark sein Leben so.

Bis eines Tages ein Mann auftaucht, der sich als ehemaliger Arbeitskollege zu erkennen gibt. Pitey liess die Prozedur rückgängig machen und will mit Marks Hilfe öffentlich zu machen, was Lumon mit seinen «severed» Angestellten treibt. Mark sträubt sich, rutscht aber immer mehr in die Sache hinein, bis diese streng getrennten Welten miteinander kollidieren.

Ich finde

«Severance» passt nicht so einfach in eine Schublade. Es ist ein dystopisches Drama über Ausbeutung am Arbeitsplatz, allerdings durchsetzt mit komödiantischen Elementen. Es ist ein Thriller, denn es geht um Revolte gegen diese Arbeitswelt, allerdings in einem ungewohnt gemächlichen Tempo. Und es ist ein Science Fiction, allerdings mit Technologie, die teilweise aus den frühen 90er-Jahren zu stammen scheint.

Apple, Kafka, Scientology und die Bibel

Mit der Zeit erschliesst sich auch, wovon sich Autor Dan Erickson und Regisseur Ben Stiller inhaltlich inspirieren liessen.

Das Hauptgebäude von Lumon Industries hat Anklänge an den Apple Park in Cupertino. Die sinnentleerte Tätigkeit der Angestellten erinnert an Kafka. Und dann gibt es diesen Firmengründer, der verehrt wird wie Ron L. Hubbard und Bücher geschrieben hat, die wie die Bibel konsultiert werden.

Der Cliffhanger sei verziehen

Dieser Mix fasziniert und packt über die ganzen neun Episoden der ersten Staffel. Zu verdanken auch einem hervorragenden Cast, zu dem Patricia Arquette und in Nebenrollen John Turturro und Christopher Walken gehören.

Ich nehme es der Serie für einmal nicht übel, dass sie mit einem Cliffhanger endet, sondern freue mich ungemein auf die zweite Staffel, die Ben Stiller bereits bestätigt hat.

Fun Fact: Ben Stiller hat einen Cameo-Auftritt, allerdings nur als Stimme des Firmengründers von Lumon Industries.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Severance» – Staffel 1?

Besetzung: Adam Scott | Zach Cherry | Britt Lower | Patricia Arquette | John Turturro | Christopher Walken
Showrunner: Dan Erickson
Regisseur: Ben Stiller (6 Episoden)
Genre: Drama | Thriller
USA, 2022

Suspicion (Staffel 1) – Ein britisch-amerikanisches Verwirrspiel

Läuft bei: Apple TV+ (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

In einem Hotel in New York wird der Sohn einer prominenten PR-Frau (Uma Thurman) entführt. Fünf Britinnen und Briten, die zufälligerweise (?) alle zu diesem Zeitpunkt in New York waren, werden von der Polizei als Entführer:innen verdächtigt. Doch alle fünf beteuern ihre Unschuld und die Polizei findet keine eindeutigen Beweise.

Dennoch gibt es genug Ungereimtheiten, sodass die Polizei ihre Ermittlungen auf die fünf konzentriert. Die wiederum schliessen sich zusammen, um herauszufinden, wer ihnen diese Entführung anhängen will. Doch nicht alle scheinen wirklich so unschuldig zu sein, wie sie sich geben.

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Die Ausgangslage ist sehr vielversprechend. Eine israelische Serie als Vorbild («False Flag») – wie bei «Homeland». Showrunner Rob Williams war Autor von Episoden für «Killing Eve» und «The Man in the High Castle». Regisseur Chris Long hat als Produzent und Regisseur bei «The Americans» mitgearbeitet. Und der Cast ist mit Uma Thurman, Noah Emmerich (u.a. «The Americans»), Kunal Nayyar (Raj aus «The Big Bang Theory») oder auch Elizabeth Henstridge (Jemma aus «Agents of S.H.I.E.L.D.») sehr ansprechend besetzt.

Anglo-amerikanischer Kulturgraben

Die ersten Episoden bieten dann auch gute Unterhaltung mit überraschenden Plot-Twists. Der kulturelle Graben zwischen der korrekten britischen Ermittlerin und dem amerikanischen FBI-Agenten mit Haudegen-Methoden sorgt für einige Schmunzler. Und das dunkle Geheimnis von Katherine Newman (Thurman) taugt gut als Spannungsträger über die Episoden hinweg.

Doch je mehr die wahren Absichten und Hintergründe der Figuren entschlüsselt werden, desto unübersichtlicher wird die Geschichte und auch uninteressanter, weil einiges ziemlich banal und auch konstruiert wirkt.

Nebulöses Ende

Die finale Episode klärt zwar vieles auf, bleibt aber doch so nebulös, dass es schwer nach einer zweiten Staffel aussieht. Allerdings ist die noch nirgends angekündigt. Vielleicht war der Publikumserfolg zu gering.

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Besetzung: Uma Thurman | Kunal Nayyar | Georgina Campbell | Elizabeth Henstridge | Angel Coulby | Elyes Gabel | Noah Emmerich | Tom Rhys Harries
Showrunner: Rob Williams
Genre: Krimi
USA, 2022

Ted Lasso (Staffel 1-2) – Der übergriffige Optimist

Läuft bei: Apple TV+ (2 Staffeln, 22 Episoden à 30 Min.)

Football-Trainer Ted Lasso übernimmt einen englischen Fussballklub als Coach, obwohl er keine Ahnung von Fussball (also soccer) hat. Mit seinem schon beinahe übergriffigen Optimismus schlägt er sich aber nicht schlecht durch.

Ich finde

Erstaunlicherweise funktioniert dieses sehr konstruierte Konzept hervorragend. Sehr hilfreich dabei ist der britische Blick auf den amerikanischen Naivling, allerdings ohne den der Lächerlichkeit preiszugeben.

Aus diesem «Clash der Kulturen» entwickeln sich amüsante, herzerwärmende, absurde Geschichten mit manchmal auch leicht boshaftem Touch.

Die Serie lebt dabei nicht zuletzt von den vielen hervorragenden Figuren, die sich da im Umfeld des AFC Richmond tummeln. Ist aber definitiv nichts für Fussballfans, denn darum gehts – abgesehen von der Fankultur – wirklich nur am Rand.

Besetzung: Jason Sudeikis | Hannah Waddingham | Jeremy Swift | Phil Dunster | Brett Goldstein | Brendan Hunt | Nick Mohammed | Juno Temple
Created by: Brendan Hunt | Joe Kelly | Bill Lawrence
Genre: Komödie
USA, 2021

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