Limitless (Staffel 1) – Gesünder leben (und sterben) mit Chris Hemsworth

Serienposter mit Schriftzug. Ein Mann in voller Laufbewegung rennt auf die Kamera zu.

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 6 Episoden à 60 Min.)

Chris Hemsworth, bekannt als der nordische Gott Thor aus dem Marvel Cinematic Universe, begibt sich auf die Suche nicht nach dem ewigen, aber immerhin langen und gesunden Leben. Das allein tönt noch nicht wirklich reizvoll.

Mehr als Ernährungstipps und Fitnessübungen

Dann schaut man sich den Trailer von «Limitless» an und ist nicht nur von den tiefblauen Augen des australischen Schauspielers fasziniert (und seinem Oberkörper 😉). Hemsworth taucht in arktische Gewässer, klettert in atemberaubenden Höhen, stürmt in ein brennendes Gebäude. Das verspricht Action, nicht nur gesundbeterische Ernährungstipps und ein paar Fitnessübungen.

Zwei Menschen in Schutzanzügen und Atemmasken. Im Hintergrund lodern Flammen.
Stresstest im Feuerinferno. © National Geographic for Disney+ / Craig Parry

Hemsworth lässt sich auf ein paar ziemlich wahnwitzige Herausforderungen ein, die genüsslich inszeniert werden, teilweise ein bisschen überdramatisiert. Dahinter steckt Darren Aronofsky, der die Serie produziert hat und bekannt ist für seinen opulenten, etwas melodramatischen Stil in Filmen wie «Pi» oder «Black Swan».

Humor, Entschlossenheit und Zweifel

Man steigt vielleicht vor allem wegen des zu erwartenden Gaudis in die Serie ein. Aber man bleibt dabei, weil einem Hemsworth mit (australischem) Humor und seiner Entschlossenheit, mit der er die Aufgaben angeht, bei der Stange hält. Manchmal lässt er sogar eine verletzliche Seite durchscheinen. Wobei man nicht vergessen darf, dass der Mann von Beruf Schauspieler ist.

Was ebenso zum Sehvergnügen beiträgt, sind die Drehorte. Sie werden mit eindrucksvollen Aufnahmen in Szene gesetzt, wie man es von National Geographic gewohnt ist. Den Stresstest absolviert Hemsworth auf dem Dach von «Crown Sydney», dem höchsten Gebäude der Stadt. Auf einem schmalen Kransteg balanciert er 270 Meter über dem Hafen.

Ein schmaler Balken in grosser Höhe auf dem die Beine und Füsse eines balancierenden Menschen zu sehen sind.
Obwohl Hemsworth gesichert ist und Stressübungen hinter sich hat, ist sein Puls ziemlich hoch bei diesem Balanceakt. © National Geographic for Disney+
Expert:innen mit Hang zum Pathos

Mutmasslich auf den Lofoten schwimmt er im knapp 2° kalten arktischen Meer. Idyllische rote Häuser säumen den Hafen, es schneit, wenn Hemsworth ins eiskalte Nass taucht. Für eine zweitägige Wanderung ohne Hilfsmittel kehrt er nach Australien zurück ins Northern Territory. Das Nachtlager schlägt er in der Nähe eines wunderschönen Wasserfalls auf.

In jeder Episode erklären Expert:innen ausführlich, welche positiven Auswirkungen die Herausforderungen auf den Körper haben. Das ist oft mit etwas zu viel Pathos inszeniert. Ob die Wissenschaftlichkeit ihrer Aussagen bis ins Letzte standhält, müsste man verifizieren.

Eine Gondel schwebt hoch über Baumwipfeln. An einem langen Seil klettert ein Mann empor zur Gondel.
In den Blue Mountains hoch über den Baumwipfeln absolviert Hemsworth eine mörderische Kletterübung. © National Geographic for Disney+
Gesund leben? Gesund sterben!

Mit der Zeit bekommt man aber genug von der Predigt der Selbstoptimierung. Die Botschaft ist ein bisschen zu penetrant, dass jede:r alle Krankheiten besiegen kann, egal ob Krebs, Alzheimer oder Herzkreislauf, wenn er:sie sich nur anstrengt.

Umso versöhnlicher ist die letzte Episode, in der Hemsworth mit Altern, Sterben und Tod konfrontiert wird. Das Eingeständnis, dass auch das gesündeste Leben im Tod endet, holt den Optimierungswahn auf den Boden der Tatsachen zurück.

Hemsworth Begegnung mit dem Tod

In dieser Episode zeigt sich wohl am besten, was «Limitless» auszeichnet. Die Serie ist massentauglich und oft konventionell, wenn auch immer optisch herausragend inszeniert. Hin und wieder geht sie aber an die Grenzen dessen und ein bisschen darüber hinaus, was man üblicherweise in solchen Dokus vorgesetzt bekommt.

Ältere Menschen machen Turnübungen. Mitten drin ein Mann mit einem Anzug und Helm, Seile an Händen und Füssen.
Hemsworth probiert Aerobic in einem Anzug, der ihn die Anstrengungen spüren lässt, die ihn im Alter erwarten. © National Geographic for Disney+/Craig Parry

Zum Thema Tod spricht Hemsworth mit einer jungen Frau, bei der Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde. Das ist tatsächlich berührend und man glaubt ihm, dass ihn diese Begegnung tief bewegt hat.

Noch überzeugender wäre es gewesen, wenn er in einem Sterbehospiz mit Menschen gesprochen hätte, die nur noch Tage zu leben haben. Aber das hätte die Grenze des Zumutbaren für ein Durchschnittspublikum wohl überschritten.

Wie viele Sterne gibst du «Limitless» Staffel 1?
1 Stimme

Besetzung: Chris Hemsworth | Elsa Pataky | Peter Attia | Ross Edgley | Aaron Grist | Luke Zocchi | Liam Hemsworth | Luke Hemsworth | India Rose Hemsworth
Serie entwickelt von: Darren Aronofsky | Ari Handel
Genre: Doku
USA / AUS / GB, 2022

Candy (Mini-Serie) – Ein Axt-Mord als Schrei nach Freiheit?

Serienposter mit Schriftzug. Porträt einer Frau. Sie trägt eine grosse Brille, auf dem rechten Brillenglas und ihrer Wange sind Blutspritzer.

Läuft bei: Disney+ (Mini-Serie, 5 Episoden à 50 Min.)

Irgendwo in Texas, am 13. Juni 1980: Die Hausfrau Candy Montgomery (Jessica Biel) bringt ihre Kinder und die Tochter eines befreundeten Paares zum Bibelunterricht. Sie lädt die Kinder ab und fährt weiter, um die Schwimmsachen für die Tochter abzuholen bei deren Mutter Betty Gore (Melanie Lynskey).

Ein brutaler Mord. Warum?

Kurz danach sitzt Candy im Auto mit nassen Haaren und einer blutenden Wunde am Kopf. Was in der Zwischenzeit geschehen ist, haben wir nicht gesehen. Aber wir beginnen es zu ahnen, als Allan Gore (Pablo Schreiber) vergeblich versucht, seine Frau telefonisch zu erreichen.

Eine Frau mit nassen Haaren sitzt am Steuer eines Autos.
Weshalb hat Candy (Jessica Biel) nasse Haare nach ihrem Besuch bei Betty? Die Frage bleibt nicht lange unbeantwortet. © Hulu / Disney+

Allen ist auf Geschäftsreise. Er bittet Nachbarn im Haus nachzuschauen. Diese finden Bettys Leiche, mit 41 Axthieben getötet. Man muss nicht lange rätseln, um zu wissen, wer Betty umgebracht hat. Die grosse Frage ist: warum?

Freundin und Geliebte des Ehemanns

Jetzt würde man eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Psyche der Mörderin dieses Verbrechens, das auf wahren Begebenheiten (Link beinhaltet Spoiler zum Gerichtsurteil) beruht, erwarten. Denn die Konstellation ist durchaus verzwickt.

Candy war gut befreundet mit Betty. Die beiden hatten sich in der Methodistischen Kirche kennengelernt. Gleichzeitig unterhielt Candy eine Affäre mit Bettys Mann Allen.

Zwei Frauen sitzen auf zwei Stühlen und lächeln sich freundlich an.
Betty Gore (Melanie Lynskey) und Candy Montgomery waren eigentlich gut befreundet. Denn Betty wusste nichts von Candys Affäre mit ihrem Mann. © Hulu / Disney+
Axthiebe als Befreiungsschläge?

Die Serie blendet nach dem Mord ein paar Jahre zurück und schildert, wie die Freundschaft mit Betty, aber vor allem wie die Affäre mit Allen zustande kam. Es sei ein «Schrei nach Freiheit» von Candy, die unter dem Zwang zur Konformität in dieser Kleinstadtatmosphäre gelitten habe, heisst es in der Ankündigung der Serie.

Nur: In der Serie ist dieser Druck nicht wirklich zu spüren. Ihre Affäre beginnt sie, nachdem eine gute Freundin sich von ihrem Mann getrennt hat und mit einem neuen Freund auftaucht. Das bringt Candy auf die Idee, ihr Sexleben auch etwas anzukurbeln.

Wie wärs mit einer Affäre?

Beinahe witzig ist, wie sie das Unterfangen angeht. Beim wöchentlichen Volleyballtraining inspiziert sie die Mitspieler. Sie entscheidet sich für Allen und setzt sich nach dem Training zu ihm ins Auto. Ohne grosse Umschweife fragt sie: Wie wärs mit einer Affäre? Candy gibt auch gleich die Regeln durch, damit die Affäre nicht auffliegt.

Als sie ihrer Freundin erzählt, dass sie sich einen Liebhaber genommen hat, klingt das nicht anders, als wenn sie ihr erzählen würde, dass sie sich ein neues Kleid gekauft hat. Ausbrechen aus Konventionen stellt man sich irgendwie anders vor.

Eine Frau in Sportkleidern dehnt ihr linkes Bein auf einer Zuschauertribüne. Sie blickt in Richtung eines Mannes, der auf der Tribüne sitzt.
Beim wöchentlichen Volleyballtraining fasst Candy den Entschluss, mit Allen eine Affäre einzugehen. © Hulu / Disney+
Seltsam spannungsarm bis zum Schluss

Spannung kommt auch nicht auf, wenn die Polizei ihr auf die Schliche kommt. Da Candy zugegebenermassen um die Tatzeit herum bei Betty war, wird sie schnell zur Hauptverdächtigen für Sheriff Deffibaugh (Justin Timberlake).

Selbst die Gerichtsverhandlung, bei der Candy Notwehr geltend macht, ist seltsam spannungsarm inszeniert. Am Schluss bietet «Candy» einen sehr distanzierten Blick auf einen durchaus verstörenden Mord mit viel 80er-Jahre Ambiente. Eine Aufarbeitung in irgendeiner Form findet nicht wirklich statt.

In einer der letzten Einstellungen steht das Mordopfer Betty im Gerichtssaal und fragt nach der Urteilsverkündung: «Das wars?» Eine berechtigte Frage.

Wie viele Sterne gibst du «Candy»?
0 Stimmen

Besetzung: Jessica Biel | Melanie Lynskey | Pablo Schreiber | Timothy Simmons | Raúl Esparza | Justin Timberlake | Jessie Mueller | Coley Campany | Sharon Conley
Serie entwickelt von: Nick Antosca | Robin Veith
Genre: True-Crime | Drama
USA, 2022

Andor (Staffel 1) – Wacht auf, Verdammte des Imperiums

Serienposter mit Schriftzug. Mehrere Menschen in Halbkörperporträts.

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 12 Episoden à 45 Min.)

«Star Wars»-Fans können sich ja nicht beklagen, dass sie zu wenig Stoff bekommen. Vier neue Serien gab es auf Disney+ dieses Jahr zu sehen. «The Book of Boba Fett» und «Tales of the Jedi» (eine Animation, die lasse ich grundsätzlich aus) habe ich nicht gesehen. «Obi-Wan Kenobi» war enttäuschend.

Dreckig, grau und ohne Laserschwerter

Deshalb hatte ich keine besonders hohen Erwartungen an «Andor» – und wurde freudig überrascht. «Andor» ist untypisch für «Star Wars». Die Serie zeigt den Sternenkrieg zur Abwechslung ganz anders: dreckig, grau und fast ohne Glamour.

Keine Laserschwerter, keine Jedis, keine Weltraumschlachten. Dafür erleben wir den brutalen Apparat des Imperiums, der den kleinsten aufmüpfigen Mucks gnadenlos abstraft. Dazu die ersten, noch etwas zaghaften Versuche, den Schergen des Bösen Widerstand zu leisten.

Ein Mann läuft über einen Schrottplatz. Im Hintergrund ist ein Schweisser am Arbeiten.
In der Welt von Cassian Andor (Diego Luna) bekommt man Schwielen an den Händen von der harten Arbeit. © Lucasfilm / Disney+
Cassian Andors Weg zum Widerstand

Mitten drin ist Cassian Andor (Diego Luna). Ihn kennen wir bereits. Er wird fünf Jahre später die Pläne für den «Death Star» stehlen (in «Rogue One», 2016) und damit die Voraussetzungen schaffen für die Zerstörung des Todessterns durch Luke Skywalker (in «Star Wars – A New Hope», 1977).

Noch ist Cassian kein Rebell. «Andor» ist die Geschichte, wie er ein führendes Mitglied des Widerstands wird. Dazu gehört, wie er als Junge von seiner Schwester getrennt wurde und sein Heimatplanet Kenari durch das Imperium zerstört wurde. Es gab keine Überlebenden. Ein Ereignis, das seine Haltung zum System prägte.

Cassian hat die Hoffnung aber nicht aufgegeben, dass seine Schwester lebt. Die Suche nach ihr ist seine Mission zu Beginn von «Andor». Bei seinen Nachforschungen auf dem Industrieplaneten Morlana One gerät er an zwei Sicherheitsbeamte, die ihn ausnehmen wollen. Im Streit tötet er die beiden.

Ein Mann beugt sich herunter zu einem verbeulten, roten Droiden.
Verbeult und verlottert. Selbst die Droiden sind nicht so hochglanzpoliert wie sonst im «Star Wars»-Universum. © Lucasfilm / Disney+
Im Visier des imperialen Sicherheitsapparats

Cassian muss untertauchen. Dafür braucht er Geld, das er sich durch einen Schwarzmarkt-Deal beschaffen will. Seine Ex-Freundin Bix (Adria Arjona) vermittelt ihm einen Käufer.

Doch der Käufer, Luthen Real (Stellan Skarsgård), hat weniger Interesse am Geschäft als an Andor selber. Er will ihn anheuern für eine Mission. Andor soll mit einer Truppe von Luthens Leuten eine imperiale Basis überfallen. Denn Luthen braucht Geld für seine Pläne. Er will eine Widerstandsbewegung aufbauen.

Dieser erfolgreiche Überfall setzt den Sicherheitsapparat des Imperiums in Gang. Cassian und Luthen geraten ins Visier der knallharten Offizierin Dedra Meero (Denise Gough). Obwohl die beiden einen gemeinsamen Feind haben, sind sie deshalb noch lange nicht beste Freunde. Im Gegenteil.

Eine Frau in Uniform, weisser Mantel und schwarze Stiefel. Hinter ihr zwei Stormtrooper in schwarz.
ISB-Offizierin Dedra Meero (Denise Gough) lässt Cassians Freund:innen foltern, um zu erfahren, wo er ist. © Lucasfilm / Disney+
Keine «Macht» für die Bevölkerung

Das alles spielt sich in einer Welt ab, die wir selten zu sehen bekamen in «Star Wars». In einer grauen Industriestadt auf Ferrix, in der Cassian jetzt lebt, im Schrottlager, in dem Bix arbeitet, in einer riesigen Gefängnisanlage, in der die Inhaftierten Waffenteile produzieren (wofür, sieht man in einer Postcredit-Szene in der letzten Episode 😜). Es ist der Blick von unten, der «Andor» prägt, und das Imperium als brutal unterjochende Kolonialmacht zeigt.

Der Kampf ist völlig ungleich. Keine «Macht» hilft hier gegen die Blaster der Stormtrooper. Das zeigt sich in der ziemlich genialen Schlussepisode. Aus einer Beerdigungszeremonie wird eine Strassenschlacht der Bevölkerung gegen die imperialen Besetzer auf Ferrix. Es wird ein Gemetzel.

Eine Frau auf einem Empfang in einem Kleid mit einer goldenen Brosche.
Ein bisschen Glamour gibt es schon in «Andor». Im mondänen Coruscant versucht die Senatorin Mon Mothma (Genevieve O’Reilly) den Widerstand gegen Palpatine zu organisieren. © Lucasfilm / Disney+
Die Welt der Ausgebeuteten

«Andor»-Showrunner Tony Gilroy, der schon für «Rogue One» das Drehbuch schrieb, blickt anders auf das «Star Wars»-Universum. Er stellt nicht die Geschichte der Mächtigen und Auserkorenen in den Vordergrund, sondern die Welt der Unterdrückten und Ausgebeuteten.

Auch die Brutalität des Imperiums beschränkt sich nicht wie üblich auf einen ausgewählten Bösewicht. «Andor» beschreibt das als ein ausgeklügeltes System, in dem viele willig und mit Enthusiasmus daran arbeiten, ganze Planeten zu unterjochen. Die Parallele zum Faschismus, die offensichtlich ist nicht nur in den Uniformen, mag etwas stereotyp sein, aber sie passt.

Gilroys Ansatz gefällt mir deutlich mehr und funktioniert besser als die aufgewärmte Geschichte mit den üblichen Ingredienzen, wie sie Obi-Wan Kenobi zeigte. «Andor» bekommt noch eine zweite und letzte Staffel, die Cassians Weg bis zu den Ereignissen von «Rogue One» fertig erzählen wird. Darauf kann man sich freuen.

Wie viele Sterne gibst du «Andor» Staffel 1?
33 Stimmen

Besetzung: Diego Luna | Kyle Soller | Stellan Skarsgård | Genevieve O’Reilly | Denise Gough | Adria Arjona | Varada Sethu | Faye Marsay | Fiona Shaw | Ebon Moss-Bachrach | Alex Ferns
Serie entwickelt von: Tony Gilroy
Genre: Abenteuer | Action | Science-Fiction
USA, 2022

The Bear (Staffel 1) – Diese Küche ist die Hölle

Serienposter mit Schriftzug. Mehrere Menschen mit Küchenschürzen und -utensilien.

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 8 Episoden à 30 Min.)

Habt ihr euch je überlegt, was in der Küche eines Restaurants abgeht, wenn ihr eure Bestellung aufgegeben habt? Nein? Dann solltet ihr «The Bear» schauen.

Schon beim Zuschauen bekommt man einen halben Herzinfarkt, wie die Köch:innen im «Original Beef»rumwuseln. Gemüse rüsten, Zwiebeln schneiden, Fleisch anbraten, Saucen anrühren, Teig kneten, alles in einem horrenden Tempo, auf engsten Raum, ohne Pause. Stress pur.

Das schwierige Erbe

Mitten drin steht Carmen «Carmy» Berzatto (Jeremy Allen White) und schreit die Kommandos. Er ist der Küchenchef, ihm gehört das «Original Beef» seit kurzem. Sein Bruder Mike (Jon Bernthal) hat ihm das Sandwich-Restaurant in Chicago vermacht.

Ein Mann steht am Herd, rührt in einem Topf und schreit.
Unter Dauerstress: Carmy (Jeremy Allen White) verliert darob schon mal die Nerven und schreit lauter als nötig durch die Küche. © FX / Disney+

Carmy tritt ein schwieriges Erbe an. Auf dem Restaurant lasten Schulden, die Geräte sind verlottert und die Küchencrew misstraut ihrem neuen Chef. Nicht nur deshalb verflucht Carmy seinen Bruder zwischendurch. Er kommt vor allem nicht darüber hinweg, dass sich Mike das Leben genommen hat.

Verrat an der Tradition oder Konkurs

Kommt noch hinzu, dass Carmy vielleicht nicht der geeignetste Küchenchef für den Laden ist, weil völlig überqualifiziert. Er war Küchenchef im besten Restaurant in New York (oder wie das in der Ami-Weltsicht heisst: im besten Restaurant der Welt 😒) und ist mehrfach ausgezeichnet.

Nun will er das «Original Beef» zwar nicht zum Gourmettempel umbauen, aber effizienter organisieren, so dass nicht täglich der Konkurs droht. Richie (Ebon Moss-Bachrach), der beste Freund von Carmys Bruder und so was wie dessen rechte Hand, stellt sich völlig quer. Jede Neuerung empfindet er als Verrat an Mike und der Tradition des Restaurants.

Ein Mann steht vor der Fritteuse mit einem Gitter Pommes Frites in der Hand.
Richie (Ebon Moss-Bachrach) will nichts wissen von Veränderungen im «Original Beef» und entwickelt sich zum ausgewachsenen Unsympathling. © FX / Disney+
Intensiv und hochgetaktet bis an die Grenzen

Unterstützung bekommt Carmy dafür von Sidney (Ayo Edebiri). Er hat sie neu als Sous-Chefin eingestellt. Sie ist die einzige, die versteht, was Carmy will, als er sie damit beauftragt, die Küche als «French Brigade» zu organisieren.

Doch Carmy und das «Original Beef» kommen nur langsam vom Fleck, sowohl in der Küche wie bei der Aufarbeitung seiner Familiengeschichte. Das schildert «The Bear» in einer unglaublichen Intensität. Die Serie ist extrem hochgetaktet und geht fast an die Grenze des Zumutbaren. Nur selten gewährt «The Bear» ein paar ruhigere Momente bei einer Zigarettenpause im Hinterhof.

Ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann

Glaubt man, die Hektik am Herd sei schon maximal überhitzt, folgt die nächste Katastrophe. Da brennt der Herd, Torten fliegen durch die Luft oder Carmy explodiert unter Überdruck wie ein Dampfkochtopf und legt den Küchenbetrieb beinahe lahm, weil er alle nur noch anschreit. Die Serie erzeugt mit solchen Szenen einen überraschenden Sog, dem man sich schwer entziehen kann.

Eine Frau steht am Herd vor einer Pfanne.
Ohne Sydney (Ayo Edebiri) wäre Carmy völlig aufgeschmissen. Aber er schafft es dennoch, sich mit ihr zu überwerfen. © FX / Disney+

Gebannt schaut man zu, wie alle im «Original Beef» herumrennen und sich dabei doch nur wie im Hamsterrad drehen und kaum vom Fleck kommen. Dabei würde man es ihnen gönnen, wenn ihrem Engagement für den Laden endlich ein wenig Erfolg beschieden wäre.

Es braucht ein Wunder

Der Erfolg stellt sich ganz langsam ein. Die Köch:innen passen sich Schritt für Schritt an Carmys System an. Die Zerwürfnisse untereinander werden –einigermassen – geklärt. Carmy findet einen Weg, mit dem Suizid seines Bruders umzugehen.

Aber es braucht ein grosses Wunder, damit die Welt im «Original Beef» nicht doch noch zusammenbricht. Und Wunder geschehen ja immer wieder.

Wie viele Sterne gibst du «The Bear» Staffel 1?
0 Stimmen

Besetzung: Jeremy Allen White | Ebon Moss-Bachrach | Ayo Edebiri | Lionel Boyce | Liza Colón-Zayas | Edwin Lee Gibson | Corey Hendrix | Abby Elliott | Jon Bernthal
Serie entwickelt von: Christopher Storer
Genre: Drama | Komödie
USA, 2022

The Good Fight (Staffel 6) – Die ultimative Serie der Trump-Ära sagt Goodbye

Serienposter mit Schriftzug. Zwei Frauen. Eine Frau im roten Mantel und Sonnenbrille hält eine Sonnenblume in der Hand.

Läuft bei: Paramount+ / Disney+ (Staffel 1-5, 50 Episoden à 45 Min.) / Amazon (Staffel 1-3)

Diese Besprechung enthält Spoiler

So wie sie begann, endet die Serie: mit Donald Trump. In der ersten Episode von «The Good Fight» verfolgte Diane Lockhart (Christine Baranski) ungläubig, wie der Popanz mit orangen Haaren als US-Präsident vereidigt wird.

Die Serie, die den Niedergang der USA begleitete

Fünf Jahre später blicken Diane und Liz Reddick (Audra McDonald) entsetzt auf einen Fernsehschirm. Trump steht am Rednerpult. Er verkündet seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2024 und feiert das mit lächerlichen Tanzbewegungen. Im Abspann fliegt der Fernsehbildschirm, der das Ereignis zeigt, in die Luft.

Zwei Frauen mit entsetzem Blick und offenem Mund.
«The End of Everything» heisst die letzte Episode, in der Trump zum Entsetzen von Diane (Christine Baranski) und Liz (Audra McDonald) verkündet, dass er wieder Präsident werden will. © Paramount+

Kein Happy End. Optimismus ist in den USA fehl am Platz. Das Land hat einen Niedergang erlebt, den das Showrunner-Paar Michelle und Robert King kontinuierlich in ihre Serie eingewoben hat.

Chaos und Gewalt auf den Strassen

Polizeigewalt gegen Schwarze, Putins Einflussnahme auf die Wahlen, Fake News, das Versagen in der Covid-Krise, der Sturm aufs Kapitol – all diese Themen und viele mehr tauchten in der Serie auf. «The Good Fight» ist eine der wenigen, wenn nicht die einzige Serie, die festhielt, wie die USA unter Trump zerfielen.

Die letzten beiden Staffel spielten zwar in der Ära Biden. Das war für die Serie aber kein Anlass, die Tonalität zu wechseln. Im Gegenteil. In der sechsten und finalen Staffel herrscht Gewalt auf der Strasse. «White Supremacy»-Aktivist:innen marschieren auf und skandieren «You will not replace us».

Eine Frau kniet am Boden. Im Hintergrund aufgebrachte Protestierende und Polizisten.
Der neue Alltag: Auf dem Weg ins Büro muss sich Diane durch den Protestzug von Rassisten durchkämpfen. © Paramount+
Selbstjustiz, weil das System versagt

Die Protagonist:innen der Serie nehmen das seltsam gelassen zur Kenntnis. Es scheint, als gehöre dieses Bild für sie schon zum Alltag in den USA. Erst als die Anwaltskanzlei durch Scharfschützen beschossen wird, wird ihnen langsam mulmig.

Die Gewalt der Rassisten sorgt auch auf der Gegenseite für eine härtere Gangart. Jay (Nyambi Nyambi), der Ermittler der Anwaltskanzlei, kommt in Kontakt mit einer Gruppierung von Schwarzen, die sich «The Collective» nennt.

Ein Mann und eine Frau sitzen auf zwei Stühlen und unterhalten sich.
Jay (Nyambi Nyambi) will für Renetta (Phylicia Rashad) arbeiten, die «The Collective» anführt. © Paramount+

Die Untergrundtruppe verfolgt Rassisten, sperrt sie ein und deportiert sie in die Antarktis – ohne rechtskräftige Urteile. Als Legitimation für diese Selbstjustiz führen sie das Versagen des Rechtsstaates an. Jay wird sich ihnen anschliessen. Er wolle etwas verändern, sagt er. Die Arbeit der Anwaltskanzlei bewirke nichts.

Ein Fünkchen Hoffnung

Auch Diane zweifelt an ihrem Job. Sie fühle sich wie in einem Hamsterrad, sagt sie. Alles, was in den letzten 50 Jahren an Fortschritt erreicht wurde, müsse man wieder neu erkämpfen. Als Beispiel führt sie den Entscheid des Obersten Gerichts zur Abtreibungsfrage an.

So ganz defätistisch mag die Serie dann doch nicht enden. Ein bisschen Hoffnung lässt sie aufkeimen. Marissa (Sarah Steele) heiratet. Carmen Moyo (Charmaine Bingwa) will Jay nicht in den Untergrund folgen, sondern legal weiterkämpfen.

Zwei junge Frauen sitzen auf einer Treppe in einem Büro.
Carmen (Charmaine Bingwa) und Marissa (Sarah Steele) werden getrennte Wege gehen. © Paramount+
Eine Anwaltsserie als Zeitdokument

Auch Diane schmeisst vielleicht nicht alles hin. Es tut sich ein Türchen auf für einen neuen Job in Washington. Sie könnte die Führung einer reinen Frauenanwaltsfirma übernehmen. Ob sie die Kraft findet, weiterzumachen, bleibt allerdings offen.

Aber eben: All das ist überschattet von Trumps Ankündigung, dass er wieder Präsident werden will. Als Mahnung steht im Abspann «This all happened». Was unterstreicht, dass die Serie sich selber bei aller Fiktion auch als Zeitdokument versteht. Das kann man gelten lassen.

Wie viele Sterne gibst du «The Good Fight» Staffel 6?
2 Stimmen

Besetzung: Christine Baranski | Audra McDonald | Sarah Steele | Nyambi Nyambi | Michael Boatman | Charmaine Bingwa | Andre Braugher | John Slattery | Alan Cumming | Gary Cole
Serie entwickelt von: Robert King | Michelle King | Phil Alden Robinson
Genre: Krimi | Drama
USA, 2022

She-Hulk: Attorney at Law (Staffel 1) – Mehr als nur eine weitere Marvel-Serie in Grün

Serienposter. Eine Frau sitzt auf einer Parkbank. Die Banklehne ist ein Werbeplakat für She-Hulk. Schriftzug der Serie.

Läuft bei: Disney+ (1 Staffeln, 9 Episoden à 30 Min.)

«She-Hulk» bezieht kräftig Prügel. Nicht die Superheldin, das wäre bei ihrer übermenschlichen Stärke ein Witz. Nein, die Serie. Auf «Rotten Tomatoes» finden sich zuhauf vernichtende Kommentare wie «Worst Marvel series ever» oder «What a waste of time».

Marvel mal etwas anders

Könnte sein, dass es sich dabei vor allem um eingefleischte Marvel-Fans handelt. Wie jener User, der der Serie einen halben Stern gibt, weil seine Frau nichts mit Marvel am Hut hat, aber «She-Hulk» mochte: «My wife liked it and never watched or liked any of the other Marvel movies.»

Eine Frau im blauen Kleid mit weissen Punkten, lange schwarze Haare und grünliche Haut steht auf einem Weg umrahmt von kleinen Bäumen.
She-Hulk (Tatiana Maslany) scheint unter den eingefleischten Marvel-Fans wenig Freude zu verbreiten. © Marvel

Wer von der jüngsten Marvel-Heldin erwartet, dass sie ähnlich daherkommt wie «Hawkeye» oder «Loki», wird wohl tatsächlich enttäuscht. «She-Hulk» ist anders, aber sicher nicht schlechter.

Selbstbestimmt trotz Chauvi-Umfeld

«She-Hulk» ist eine Komödie, eine Anwaltsserie und die Geschichte einer Frau, die sowohl in ihrer normalen Gestalt als auch als Superheldin selbstbestimmt ihren Weg gehen will. Das in einem Umfeld, in dem Chauvis den Ton angeben und sogar ein paar Typen gegen sie konspirieren.

Jennifer Walters (Tatiana Maslany) macht auch ihrem Cousin Bruce Banner (Mark Ruffalo) klar, dass sie keine Lust auf Mansplaining hat. Nachdem sie bei einem Unfall mit dem Blut ihres Cousins in Kontakt gekommen ist, erhält sie ebenfalls Hulk-Fähigkeiten.

Frauen – Expertinnen in Wutkontrolle

Banner / Smart Hulk will sie danach in Wutkontrolle unterweisen. Worauf Jen ihn unterweist, dass sie wie alle Frauen unendlich erfahrener darin sei als er, ihre Wut zu kontrollieren: «When I’m catcalled in the street. When incompetent men explain my own area of expertise to me.» Denn sonst werde sie als emotional oder schwierig abgekanzelt oder vielleicht auch umgebracht.

Muskulöser Mann und Frau mit grünlicher Haut. Sie wirft einen riesigen Felsblock.
Mit seinem Kurs über Wutkontrolle gerät Smart Hulk (Mark Ruffalo) bei She-Hulk an die Falsche. © Marvel

Jen / She-Hulk ist definitiv nicht die herkömmliche Marvel-Superheldin. Diese Rolle lehnt sie unmissverständlich ab. Sie will zurück in ihr normales Leben als Staatsanwältin. Das klappt natürlich nicht wie gewünscht.

Besucher aus der Marvel-Welt

Sie muss sich in She-Hulk verwandeln, als eine Influencerin mit Superkräften in den Gerichtssaal stürmt. Das katapultiert sie umgehend ins Scheinwerferlicht, was ihr Chef gar nicht toll findet und sie feuert.

Schon bald erhält Jen aber ein neues Jobangebot. Selbstverständlich nicht, weil sie eine gute Anwältin ist. Eine Kanzlei will She-Hulk als Leiterin der Abteilung für Supermenschen. Das bedeutet, dass Jen als Hulk im Büro erscheinen muss.

Ab jetzt schlägt sie sich bei der Arbeit mit Figuren rum, die wir zum Teil aus der Marvel-Welt kennen. Emil Blonsky aka Abomination (Tim Roth), Wong (Benedict Wong) oder gegen Ende – zu meiner grossen Freude – Matt Murdock aka Daredevil (Charlie Cox) tauchen auf. Das seien jetzt aber nicht nur die üblichen Marvel-Helden-Pop-Ups, verspricht Jen direkt in die Kamera. Es sei ja ihre Show.

Ein Mann in einen roten Kostüm. Kleine Teufelhörner auf dem Kopf. Die Maske bedeckt Augen und Nase. Neben ihm eine Frau in leichter Unschärfe.
Endlich wieder da: Matt Murdock als Daredevil (Charlie Cox). Er kämpft zuerst gegen und dann mit Jen Walters. © Marvel
Kevin Feiges beinahe Cameo

Das unterstreicht sie, als sie in der letzten Episode völlig unzufrieden ist mit dem Staffelende. Wütend stürmt sie in die Marvel Studios und verlangt ein Gespräch mit Kevin. Wer jetzt auf einen Auftritt von Kevin Feige, dem Herrscher über das Marvel-Universum hofft, wird enttäuscht. Dafür gibt’s eine selbstironische Auseinandersetzung mit den Mechanismen von Marvel-Geschichten.

Diese Metaebene, noch häufiger im regelmässigen Bruch der vierten Wand eingesetzt, macht einen Teil des Humors von «She-Hulk» aus. Vor allem aber lebt die Serie von amüsanten Situationen, in denen sich die Superheldin wiederfindet.

Tatiana Maslany hat offensichtlich Spass an der Rolle

Sei das beim Dating, wo sie den muskulösen Mann auf den Arm nimmt und aufs Bett wirft. Oder bei der Arbeit, wo ein abstruser Möchtegern-Superheld namens Leap-Frog den Hersteller seines Superheldenkostüms verklagt. Oder wenn ihre Gegenspielerin Titania (Jameela Jamil) ihr das Markenrecht am Namen She-Hulk wegschnappt.

Im Innern eines Holzgebäudes. Fünf Personen sitzen im Kreis. Eine trägt eine Art Stachelschweinkostüm.
Auch eine Gruppentherapie mit ausgefallenen Teilnehmern steht für She-Hulk auf dem Programm. © Marvel

Nicht zuletzt verdankt «She-Hulk» einen grossen Teil seines Unterhaltungswertes Tatiana Maslany, die ihr Können schon in «Orphan Black» unter Beweis stellte, wo sie 17 verschiedene Figuren spielte. Ihr scheint die Rolle unbändigen Spass zu bereiten und das schwappt auf die Zuschauer:innen über.

Perfekt? Nein. Aber besser als andere Marvel-Serien

«She-Hulk» haut einen nicht komplett vom Hocker. Die CGI könnte noch einiges besser sein und nicht jeder Dialogwitz sitzt. Aber hundertmal lieber dieser emanzipatorisch eingefärbte, selbstironische Genremix als die x-te Auflage einer Weltretter:innen-Figur aus irgendeiner Mythologie (wie etwa «Moon Knight»).

Wie viele Sterne gibst du «She-Hulk: Attorney at Law» Staffel 1?
64 Stimmen

Besetzung: Tatiana Maslany | Ginger Gonzaga | Malia Arrayah | Steve Coulter | Jameela Jamil | Tim Roth | Mark Ruffalo | Benedict Wong | Renée Elise Goldsberry | Charlie Cox
Serie entwickelt von: Jessica Gao
Genre: Superhelden | Komödie
USA, 2022

Pistol (Mini-Serie) – Als die Wut zu Musik wurde

Serienposter. Vier junge Männer, gezeichnet. Zwei tragen eine Sonnebrille. Einer macht das Victoryzeichen mit seiner Hand. Schriftzüge der Serie.

Läuft bei: Disney+ (Mini-Serie, 6 Episoden à 50 Min.)

England Mitte der 1970er-Jahre: stockkonservativ und verkalkt. So präsentiert Regisseur Danny Boyle das Land in Originalaufnahmen gleich zu Beginn. Und so erleben es die vier, respektive fünf Jungs, die als «Sex Pistols» die Anarchie im United Kingdom ausrufen werden.

«I hate Pink Floyd»? Sicher nicht

Der Teenager aus der Schweiz, der um die Zeit die Insel zum ersten Mal besuchte, erlebte London allerdings mehr als die grosse Erleuchtung. Da gab es Rockopern im Theater, riesige Läden, die nur Platten verkauften, und junge Leute, die alle viel cooler angezogen waren als er und seine Altergenoss:innen zu Hause.

Über die Jahre lernte ich das Land zwar besser kennen und kann die Frustration der Punks nachvollziehen. Aber mit ihrer Musik konnte ich nie viel anfangen. Was ist schon von einem Sänger zu halten, der ein T-Shirt trägt mit der Aufschrift «I Hate Pink Floyd» (was zwar angeblich gar nicht stimmt)?

Weisses T-Shirt mit Aufschrift "I HATE PINK FLOYD" und den Köpfen der vier Bandmitglieder von Pink Floyd.
Das «I Hate Pink Floyd»-T-Shirt von Johnny Rotten erhielt sogar einen Platz in der Ausstellung «Pink Floyd: Their Mortal Remains». Ich hab’s immerhin fotografiert 😜. CC BY-NC-SA 4.0 Patrick Bürgler
An der Seele des Punks vorbei erzählt?

Vielleicht sind das aber die besseren Voraussetzungen, um «Pistol» zu schauen, als wenn man ein Punk- oder «Sex Pistol»-Fan ist. Mir fehlt das Detailwissen über die Band und die Bewegung.

In einigen kritischen Besprechungen wird «Pistol» das vorgehalten. Die Serie gehe nicht in die Tiefe, erzähle nicht die wahre Geschichte, treffe nicht die Seele der Pistols und des Punks.

Als Kronzeuge dieser Anklage tritt John Lydon (aka Johnny Rotten) auf. Er klagte vor Gericht gegen die «Pistol»-Produktion, weil er mit der Darstellung seiner Person unzufrieden war. Er verlor.

Rohe Kraft und Wut

Lydons Missmut hat viel damit zu tun, dass die Serie auf den Memoiren von Steve Jones basieren. «Lonely Boy: Tales from a Sex Pistol» erzählt die Geschichte vor allem aus der Perspektive des Gründers und Gitarristen der Band. Da dreht sich eben nicht alles um den charismatischen, aber auch egomanischen Frontmann. Johnny Rotten taucht erst in der zweiten Episode auf.

Aus meiner Sicht ein starker Auftritt (im ominösen «Pink Floyd»-T-Shirt). Rotten (Anson Boon) macht nach anfänglichem Zögern deutlich, welch rohe Kraft und Wut er auf die Bühne bringt. Steve Jones (Toby Wallace), der gerne selber Sänger der Band gewesen wäre, muss die Segel streichen.

Vier junge Männer mit zwei Koffern für Musikinstrumente und einem Verstärker.
Die «Sex Pistols» vor einem ihrer ersten Auftritte – als Vorband. © FX / Disney+
Spuckduell mit dem Publikum

Die Auftritte der «Sex Pistols», die danach zu sehen sind, strotzen vor Wildheit und Verstärkern, die zu explodieren drohen. Ob sich die Band ein widerliches Spuckduell mit dem Publikum liefert, in einem Gefängnis die Insassen von den Stühlen reisst oder auf einer Nordengland-Tour die gut frisierten Teenies aus dem Ballsaal rausdröhnt – diese Momente sind stark.

Neben den Pistols bereichern noch weitere eindrucksvolle Charaktere die Serie, die die den rebellischen Zeitgeist verkörpern und vorantreiben. Malcolm McLaren (Thomas Brodie-Sangster), der Manager der Pistols, der (meist) geschickt das Image der Band steuert.

Glorios: Jordan, Queen of Punk

Etwas zu wenig zur Geltung kommt Vivienne Westwood (Talula Riley). Sie war McLarens Partnerin, aber vor allem die Designerin, die dem Punk ein Aussehen gab.

Glorios auch der Auftritt von Jordan (Maisie Williams), die Queen of Punk. Sie fährt zur Arbeit in Westwoods Boutique. Sie trägt einen Rock und einen durchsichtigen Mantel, darunter nichts. Entsetzte und lustvolle Blicke begleiten sie.

Eine Frau mit hochgestylten weissen Haaren und stark schwarz geschminkter Augenpartie.
Jordan (Maisie Williams) wird zur Stil-Ikone des Punks. © FX / Disney+

Im Zug bietet ihr der Schaffner einen Platz in der weniger vollen ersten Klasse an – inklusive gratis Tee und Toast. Das nimmt Jordan dankend an: «Provocateuring does make one quite hungry.»

Chrissie Hynde, die wohl einzige wahre Musikerin in der Runde

Dann ist da noch Chrissie Hynde (Sydney Chandler). Dass sich die Wege der späteren «Pretenders»-Frontfrau tatsächlich mit den Pistols gekreuzt haben, wusste ich nicht. Beweist aber nur wieder meine mangelnden Kenntnisse der Musikgeschichte.

Ihre Beziehung mit Steve Jones erhält viel Raum. Das übertüncht fast etwas zu sehr den grossen Frust, mit dem Hynde zu kämpfen hat. Obwohl sie im Umfeld von McLaren wohl die beste Musikerin ist, bekommt sie von ihm keine Chance.

Zwei Frauen. Eine dunkelhaarig mit grünem Pullover. Die andere blond in einem roten Kleid.
Chrissie Hynde (Sydney Chandler) lernt die «Sex Pistols» über ihren Job bei Vivienne Westwood (Talulah Riley) kennen. © FX / Disney+
Kraftvoll, laut und intensiv

Ihr vermisst Sid Vicious? Er taucht ebenso auf, wie Nancy. Weil die tragische Geschichte dieses Paars aber schon anderweitig oft erzählt wurde (bspw. in «Sid and Nancy», 1986) fokussiert die Serie weniger, aber nicht weniger berührend darauf.

«Pistol» lässt – nochmal: aus der Sicht des Musikinteressierten, aber nicht -Kenners – die Geburtsstunde des Punks und der «Sex Pistols» in einem kraftvollen, lauten und intensiven Zeitgemälde aufleben.

Wie das Fans und Kenner:innen sehen? Lasst es mich wissen.

Wie viele Sterne gibst du «Pistol»?

Besetzung: Toby Wallace | Anson Boon | Sydney Chandler | Jacob Slater | Talulah Riley | Maisie Williams | Thomas Brodie-Sangster | Louis Partridge
Serie entwickelt von: Craig Pearce
Genre: Biografie | Historie | Musik
GB/USA, 2022

The Old Man (Staffel 1) – Das Duell der betagten Spione

4 von 5 Sternen

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 7 Episoden à 55 Min.)

Dan Chase (Jeff Bridges) lebt zurückgezogen in einem Haus. Nur zwei Rottweiler leisten ihm Gesellschaft. Dan sorgt sich um seinen Geisteszustand. Er befürchtet, dement zu werden, wie seine Frau, die vor ein paar Jahren starb.

Der kaltblütige Rentner

Zudem scheint er auch paranoid zu sein. Seiner Tochter Emily (Alia Shawkat) erzählt er am Telefon, dass irgendwas nicht stimme. Dan bastelt aus Büchsen eine Art Alarmanlage und installiert sie im Haus.

Tatsächlich scheppert es eines Nachts. Dan entdeckt einen Einbrecher. Er hetzt die Hunde auf ihn. Als der Eindringling am Boden liegt, fragt Dan nach seinem Namen. Er erhält keine Antwort und erschiesst ihn kaltblütig.

Dan hält sich zwei Rottweiler. Weniger aus Tierliebe. Sie sind seine brandgefährlichen Leibwächter. © FX/Disney+
Eingeholt von der Vergangenheit

Es war kein gewöhnlicher Einbrecher. Darauf deutet der Schalldämpfer, den er auf seiner Waffe aufgesetzt hatte. Und Dan ist kein gewöhnlicher alter Mann, sondern ein ehemaliger CIA-Agent, der seit über drei Jahrzehnten untergetaucht ist.

Doch jetzt holt in seine Vergangenheit ein. Eine Spezialeinheit der CIA hat ihn aufgespürt. In die Operation involviert ist auch der stellvertretende FBI-Direktor Harald Harper (John Lithgow).

Zwei alte Freunde werden zu Todfeinden

Harper und Chase haben eine gemeinsame Vergangenheit. Sie waren beide in Afghanistan, als die CIA in verdeckten Operationen afghanische Warlords im Krieg gegen die Sowjetunion unterstützte. Diese alte Geschichte bringt sie erneut zusammen. Allerdings auf unterschiedlichen Seiten.

Während Chase auf der Flucht ist und Harper die Jagd organisiert, enthüllt sich langsam, was damals in Afghanistan passiert ist und weshalb das für beide 30 Jahre später lebensgefährlich wird.

Im Afghanistan-Krieg beschaffte Dan (Bill Heck) Waffen für einen Warlord im Kampf gegen die Sowjetunion. © FX/Disney+

Einschätzung

Gleich am Anfang gibt es diese eine Szene. Chase kämpft gegen einen CIA-Agenten. Minutenlang versetzen sich die beiden Fausthiebe, würgen sich gegenseitig, wälzen sich am Boden. Ein schier endloser Kampf, den Chase verliert. Aber am Schluss eben doch nicht. Seine Hunde zerfleischen den Widersacher.

Action ist eher untypisch für die Serie

Dieser Kampf zeigt: Chase hat zwar noch einiges drauf, ist aber schlicht zu alt für solche Zweikämpfe. Aber er erledigt auf seine Weise gnadenlos, wer sich ihm in den Weg stellt. Chase will dabei nicht nur sich selber schützen, sondern vor allem seine Tochter.

Harold Harper (John Lithgow) hat zu einer seinen Agentinnen eine familiäre Beziehung entwickelt, die sich überraschend verändern wird. © FX/Disney+

Andererseits ist diese Actionszene untypisch für «The Old Man». Viel öfter grübeln die Figuren der Frage nach, was war, was ist und weshalb es nach 30 Jahren wohl unvermeidlich so weit kommen musste.

Viele alte Männer, aber nicht nur zum Glück

Das wäre wahrscheinlich langweilig, wenn das einerseits nur die alten Männer täten, von denen es noch mehr als nur Chase und Harper gibt. Und andererseits nicht so hervorragende Schauspieler wie Bridges und Lithgow die Mono- und Dialoge führten.

Da sind zum Glück aber ein paar andere Figuren, die auch etwas zu sagen haben. Emily, die Tochter von Chase, hören wir lange nur am Telefon. Als sie dann auftaucht, sind die Umstände ziemlich überraschend. Emily rückt immer mehr ins Zentrum des Geschehens.

Zoes überraschende Wandlung

Eher unfreiwillig wird Zoe (Amy Brennaman) in die Geschichte verwickelt. Chase mietet sich auf der Flucht bei ihr ein. Als er erneut aufgespürt wird, nimmt er sie mit, weil seine Verfolger mit ihr wohl kurzen Prozess machen würden.

Zoe ist aber alles andere als dankbar dafür und sie lässt sich nicht einfach rumkommandieren. Chase muss zur Kenntnis nehmen, dass er sie ziemlich falsch eingeschätzt hat.

Ein Mann und eine Frau sitzen an einem Tisch in einem Restaurant und reden miteinander.
Zoe (Amy Brennaman) entpuppt sich als clevere Frau, die aus der unmöglichen Situation, in die sie Chase bringt, einiges für sich rausholt. © FX/Disney+
Unüblich behäbig, aber überzeugend

Für einen Thriller ist «The Old Man» beinahe etwas zu behäbig inszeniert. Lange Dialoge beim Autofahren, viele Rückblenden und eben wenig Action. Das kann man als altersgerecht ansehen angesichts der schon fast betagten Protagonisten.

Es dient aber vor allem dazu, den Figuren Raum und Zeit für ihre Geschichten zu geben. Der Thrill passiert mehr auf der psychologischen Ebene und mit der einen oder anderen überraschenden Wendung. Eher unüblich für das Genre, aber überzeugend im Resultat. Einzig wieder einmal der übliche Dämpfer: Kein befriedigendes Ende nach der ersten Staffel. Man muss wieder warten, bis die zweite kommt.

Wie viele Sterne gibst du «The Old Man» Staffel 1?

Besetzung: Jeff Bridges | John Lithgow | Alia Shawkat | Amy Brenneman | E.J. Bonilla | Bill Heck | Hiam Abbass | Gbenga Akinnagbe | Leem Lubany
Serie entwickelt von: Robert Levine | Jonathan E. Steinberg
Genre: Thriller | Drama
USA, 2022

Wedding Season (Staffel 1) – Hochzeitskomödie mit Nervenkitzel

3 von 5 Sternen

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 8 Episoden à 30 Min.)

Stefan (Gavin Drea) legt gleich zu Beginn einen oberpeinlichen Auftritt hin. Er stürmt mitten in eine Hochzeitsfeier und fleht die Braut (Rose Salazar) an, nicht diesen reichen Schnösel an ihrer Seite zu heiraten. Aber Katie lässt Stefan knallhart abblitzen.

Hoffnungsloser Romantiker

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Stefan vor versammelter Mannschaft lächerlich macht. Vor kurzem hat er seiner damaligen Freundin an einer anderen Hochzeit einen Heiratsantrag gemacht. Sie liess ihn einfach stehen.

Alle seine Freund:innen hatten ihn gewarnt. Aber Stefan scheint ein hoffnungsloser Romantiker zu sein. Sein Drang, in den Hafen der Ehe zu segeln, entpuppt sich allerdings nicht als sein grösstes Problem. Das ist die Braut vom Anfang, Katie.

Acht Leichen am Hochzeitsessen

Kurz nachdem Stefan in Katies Hochzeit gestürmt ist, stürmt die Polizei seine Wohnung. Stefan wird verdächtigt, etwas damit zu tun zu haben, was an Katies Hochzeitsessen passiert ist.

Nur die Braut (Rosa Salazar) überlebt das Hochzeitsessen. © Hulu

Da gab es nämlich acht Leichen, Katies neue Verwandtschaft inklusive Ehemann. Alle vergiftet, alle Mitglieder des Delaney-Clans, stinkreich, aber kriminell.

Die Braut – eine Giftmörderin?

Nur Katie hat überlebt und ist getürmt. Damit ist sie natürlich die Hauptverdächtige. Stefan soll ihr geholfen haben, wie die Polizei glaubt. Hat er zwar nicht, aber jetzt passiert das Unvermeidliche.

Katie holt Stefan aus dem Polizeigewahrsam, die beiden fliehen und wir erfahren nach und nach, was für eine komplizierte Beziehung die beiden schon vor dieser ominösen Hochzeit geführt haben.

Einschätzung

Die Referenz ist unübersehbar, die «Wedding Season» dem britischen Hochzeitsklassiker «Four Weddings and a Funeral» erweist. Stefans Freundeskreis lässt sich fast eins zu eins übertragen auf die Hochzeitsgang um Hugh Grant. Und natürlich ist da dieselbe Tournee von einer Hochzeit zur nächsten, wo immer etwas beinahe katastrophal schiefläuft.

Nur knapp hat es Stefan ( Gavin Drea 2.v.l.) zur Hochzeit seines besten Freundes Anil (Bhav Joshi, l.) geschafft. © Hulu
Grosse Vorbilder – nicht ganz erreicht

Die andere Referenz gilt dem britischen Altmeister Alfred Hitchcock. Wie Roger Thornhill in «North by Northwest» wird Stefan in einen Strudel von Ereignissen gerissen, ohne genau zu wissen, was eigentlich los ist.

Das ergibt auch eine ganz nette Mischung von vergnüglichem Hochzeitsslapstick bis zu mörderischen Verfolgungsjagden. Aber so ganz erreicht «Wedding Season» die Höhe seiner Vorbilder nicht.

Es fehlt an Romantik

Zu rätselhaft bleibt, weshalb Stefan sich so wahnsinnig zu Katie hingezogen fühlt. Da gibts zwar Sex in der Abstellkammer und ein paar kleine gemeinsame Abenteuer. Aber es fehlt gewaltig an romantischen Momenten, die erklären würden, weshalb Stefan für diese Frau Kopf und Kragen riskiert, obwohl sie ihn immer wieder fallen lässt und brüskiert.

Die schottischen Highlands sind ein Pluspunkt

Der Thriller-Teil, in dem die beiden von der Polizei, aber auch von noch viel gefährlicheren Mobstern gejagt werden, ist dagegen besser gelungen: Verfolgungsjagden, ausweglose Situationen, mysteriöse Bösewichte.

DCI Metts (Jade Harrison) und DI Donahue (Jamie Michie) sind Katie und Stefan auf den Fersen, aber fast immer einen Schritt zu spät. © Hulu

Zudem spielt ein Teil der Handlung in den schottischen Highlands und es ist viel nordenglischer bis schottischer Dialekt zu hören. Damit verdient sich die Serie mindestens einen Zusatzstern 😉.

Angelegt scheint «Wedding Season» auf mehr als eine Staffel, wie der Cliffhanger am Schluss zeigt. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob die Serie so gut ankommt bei Publikum und Kritiker:innen, dass es dafür reicht.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Wedding Season» Staffel 1?

Besetzung: Gavin Drea | Rosa Salazar | Jade Harrison | Jamie Michie | Omar Baroud | Callie Cooke | Ioanna Kimbook | Bhav Joshi | George Webster
Serie entwickelt von: Oliver Lyttelton
Genre: Thriller | Komödie | Romanze
GB, 2022

Only Murders in the Building (Staffel 2) – Bestes Comfy-Food für den Serienabend

Läuft bei: Disney+ (2 Staffeln, 20 Episoden à 30 Min.)

Ein neuer Mordfall beschäftigt die drei Podcaster Charles (Steve Martin), Oliver (Martin Short) und Mabel (Selena Gomez). Nur diesmal stecken sie mitten drin. Mabel findet die Leiche von Bunny Folger in ihrer Wohnung.

Alle drei stecken in der Klemme

Für die Polizei ist sie die Verdächtige Nr. 1. Allerdings reichen die Beweise für eine Festnahme nicht aus. Für die drei ist klar: Sie müssen herausfinden, wer Bunny ermordet hat, um Mabel zu entlasten.

Mabel, Oliver und Charles entdecken Geheimgänge im «Arconia». © Hulu

Aber nicht nur Mabel steckt in der Klemme. Plötzlich taucht in der Wohnung von Charles ein Gemälde auf, das Bunny gehörte. Und Oliver findet die Mordwaffe in seiner Küche.

Mord und Drama – nicht Neues im «Arconia»

Neben ihrer Morduntersuchung beschäftigen die drei zudem private Angelegenheiten. Mabel freundet sich mit einer Galeristin (Cara Delevingne) an, die sie als Künstlerin fördern will. Charles findet heraus, was sein Vater im Haus gegenüber getrieben hat. Oliver deckt ein Familiengeheimnis auf, das ihn gar nicht freut.

Das Leben im «Arconia» nimmt also seinen gewohnten Lauf bis zum grossen Finale, wo nach einigen Irrungen und Wirrungen enthüllt wird, wer Bunny Folger umgebracht hat.

Einschätzung

Die zweite Staffel von «Only Murders in the Building» knüpft nahtlos an die erste an. Das war anzunehmen, wenn am Schluss eine Leiche in Mabels Wohnung liegt. Dass sie aber auf gleich hohem Niveau höchst unterhaltsam weiterfährt, ist nicht selbstverständlich.

Langeweile abgewendet

Die Figuren und das «Arconia» als Location sind etabliert. Die Marotten und Spleens der drei Hauptfiguren sind bekannt. Den Mordplot haben wir einmal durchgespielt. Die Gefahr, dass die Serie zu langweilen beginnt, war durchaus gegeben.

Doch das passiert nicht. Tatsächlich tritt die Suche nach dem:der Täter:in etwas in den Hintergrund. Dafür erhalten die Figuren mehr Raum. Vor allem Charles, Oliver und Mabel natürlich, aber nicht nur.

In Gastrollen mit dabei: Amy Schumer und Shirley MacLaine (mitte). © Hulu
Kuschelige Krimikomödie

Howard schafft es, den neuen Nachbarn zu einem Date einzuladen. Nina erlebt, dass es nicht so einfach ist, in Bunnys Fussstapfen zu treten und Mutter zu werden. Teddy und Theo tragen ihren Vater-Sohn-Zwist aus. Zusätzlich bereichern zwei neue Promis den Cast: Amy Schumer als sie selber und Shirley MacLaine, die sich als Bunnys Mutter ausgibt.

Die ganze Handlung gleitet trotz ihrer Probleme, mit denen die Figuren hadern, leichtfüssig und humorvoll voran. Selten war eine Krimikomödie so gemütlich, ja schon fast kuschelig.

Wieder eine Leiche zum Schluss

«Only Murders in the Building» ist auch in dieser zweiten Auflage bestes Comfy-Food für den Serienabend. Teil 3 wird wohl folgen, denn wieder liegt da am Schluss eine Leiche.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Only Murders in the Building» Staffel 2?

Besetzung: Steve Martin | Martin Short | Selena Gomez | Amy Ryan | Jayne Houdyshell | Michael Cyril Freighton | Jackie Hoffman | Cara Delevingne | Tina Fey | Adina Verson | Shirley MacLaine | Amy Schumer | Paul Rudd
Serie entwickelt von: John Hoffman | Steve Martin
Genre: Komödie | Krimi | Drama
USA, 2022

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