Clark (Mini-Serie) – Frauenschwarm und Polizistenschreck

Läuft bei: Netflix (Mini-Serie, 6 Episoden à 60 Min.)

Stockholm 1973: In der «Kreditbanken» hat ein Räuber vier Geiseln genommen. Er verlangt, dass Clark Olofsson (Bill Skarsgård) in die Bank kommt. Was auch geschieht. Es ist der Höhepunkt der Karriere von Olofsson.

Clark Olofsson ist allerdings nicht etwa der Verhandlungsführer der Polizei. Er ist selber ein Krimineller, der wegen Bankraubes und schwerer Körperverletzung mal wieder einsitzt.

Schwedens Promi-Gangster Nr. 1

Clark Olofsson ist eine reale Figur, über den es mehrere Bücher und Filme gibt. Er gilt als der erste Promi-Gangster Schwedens und erlangte schon vor der Geiselnahme in Stockholm nationale Berühmtheit.

Mit dem «Norrmalmstorgsdramat» ging er aber auch international in die Geschichte ein, denn auf diese Geiselnahme geht der Begriff «Stockholm Syndrom» zurück.

«Clark» schildert die Karriere dieses Kriminellen, die sich im ewigen Kreis von Verbrechen, Gefängnis, Ausbruch, Partys, Liebschaften dreht, immer unter grosser Anteilnahme der Öffentlichkeit.

Ich finde

Wäre die Geschichte von Clark Olofsson fiktional, man hielte sie für übertrieben. Tatsächlich stimmt vieles, was die Serie erzählt.

Beispielsweise, dass Clark nach seinem ersten Ausbruch aus der Besserungsanstalt für Jugendliche in das Landgut des schwedischen Premierministers eindrang. Allerdings traf er dort nicht auf den Premierminister selbst, wie die Serie erzählt, sondern nur auf den Gärtner.

Frauenschwarm und Polizistenschreck

Auch seine Beliebtheit in der Öffentlichkeit und vor allem bei Frauen beruht offenbar auf Tatsachen. Selbst die trotteligen Polizisten sind nicht frei erfunden, wenn auch ihre Inkompetenz Slapstick-artig überzeichnet ist.

Bill Skarsgård spielt Clark mit gnadenloser Wucht. Ein narzisstischer Psychopath, der sich äusserst charmant geben kann. Im Grunde schert er sich aber einen Dreck um andere. Im Zentrum steht immer nur einer: Clark Olofsson.

Das zeigt sich insbesondere bei seinen Liebesbeziehungen. Frauen betört er, belügt und hintergeht sie, lässt sie – mit Kind – sitzen. Erstaunlicherweise hält das manche Freundin nicht davon ab, immer wieder auf ihn hereinzufallen.

Freigeist der 68er-Ära ad absurdum geführt

Den Zuschauenden mag es ähnlich gehen. Clark fasziniert. Rückblenden in seine Kindheit mögen vielleicht sogar so etwas wie Verständnis aufkommen lassen dafür, weshalb Clark zu dem wurde, was er ist.

Aber gleichzeitig wird diese Haltung in der Serie unterhaltsam persifliert. Der Zeitgeist der 68er-Ära mit Gefängnisreformen, Täterrehabilitation, freier Liebe und freiem Individuum wird durch Clark ad absurdum geführt. Er nutzt all das zu seinem eigenen Vorteil aus.

Faszinierend und abstossend – gut inszeniert

Deshalb passt der Vergleich zu ähnlichen Gangsterkomödien wie «Catch Me If You Can» nicht ganz. Der Hochstapler Frank (Leonardo DiCaprio) bleibt bis am Schluss sympathisch, auch weil er relativ harmlos ist.

Clark dagegen ist alles andere als harmlos. Er hinterlässt eine Spur von Verwüstung auf seelischer und physischer Ebene und bleibt schlicht nicht gesellschaftsfähig.

Der Serie gelingt es aber sehr ansprechend, dieses Hin und Her zwischen Faszination und Abstossung über sechs Episoden zu inszenieren.

Wie viele Sterne gibst du «Clark»?

Besetzung: Bill Skarsgård | Vilhelm Blomgren | Sandra Ilar | Hanna Björn
Genre: Krimi | Komödie | Biografie
SWE, 2022

Russian Doll (Staffel 2) – Zeitreise als Therapie

Läuft bei: Netflix (2 Staffeln, 15 Episoden à 30 Min.)

Nadia Vulvokov (Natasha Lyonne) feiert demnächst wieder Geburtstag, dieses Mal den 40. (in der ersten Staffel war’s der 36.). Allerdings dauert es länger als erwartet, bis sie zu diesem Datum kommt. Nadja dreht vorher ein paar Runden auf der Zeitachse.

Sie landet zuerst in den 80er-Jahren – als ihre Mutter, die mit ihr schwanger ist. Später verschlägt es sie auch in die 40er – als ihre Grossmutter im Nazi-besetzten Budapest.

Auf der Jagd nach Goldmünzen

Nadia verfolgt bei ihren Zeitreisen eine Mission. Es geht um das Vermögen ihrer Grossmutter, Krugerrand-Münzen, das ihre Mutter später klaut und verprasst. Das will sie in ihre Gegenwart retten.

Auch Alan, ihr Leidensgenosse aus der ersten Staffel, geht auf Zeitreise. Er reist zurück in die 60er-Jahre nach Ostberlin, wo er als seine Grossmutter eine Liebesaffäre erlebt.

Ich finde

Als 2019 die erste Staffel von «Russian Doll» erschien, bin ich nach zwei, drei Episoden ausgestiegen. Nicht, weil ich’s schlecht fand. Einfach nicht besonders packend und besseres zur Auswahl stand.

Jetzt habe ich die erste Staffel nachgeholt, die zweite angehängt und es hat mich mehr reingezogen. Nadia als Figur, resp. Lyonne als Schauspielerin ist eine Naturgewalt. Pop-Philosophin, Raucherin, Egomanin, schnippisch und witzig, dann wieder besonnen und nachdenklich, hochenergetisch in jeder Szene. Sie trägt die Serie.

Ich, Ich, Ich

Dennoch – und das ist zugegeben etwas widersprüchlich – werde ich nicht warm mit dieser selbstzentrierten New Yorker Szene, in der sich Nadias Leben abspielt und sie als «most selfish person», wie sie Alan mehrmals nennt, die Hauptrolle einnimmt.

Wieso soll es mich kümmern, dass da jemand täglich vom Sensenmann gegrüsst wird oder eine schwierige Kindheit hatte? Es fühlt sich so an, wie wenn alle immer Ich, Ich, Ich schreien und wir als Zuschauer:innen endlosen Therapiesitzungen beiwohnen.

Natürlich gibt es auch diese Schlussszenen in den beiden Serien, in denen die Lösungen für die Probleme über diese Egos hinausgehen. Aber für mich wirken sie aufgesetzt und nicht wirklich nachhaltig.

Ein Extrastern für den Soundtrack

Nadia ist in der zweiten Staffel so ichbezogen wie in der ersten, obwohl sie eigentlich nur durch die Überwindung ihres Egoismus aus der Todesschleife herausfand.

Deshalb wollte ich nur drei Sterne geben. Aber weil die Serie den Schluss untermalt mit Pink Floyds «Shine On You Crazy Diamond», gibt’s einen Extrastern (also eigentlich für den ganzen Soundtrack, und weil mir eine Stimme im Hinterkopf dauernd zuflüstert: «Du hast es einfach nicht begriffen!» 😉).

Wie viele Sterne gibst du «Russian Doll» Staffel 2?

Besetzung: Nathasha Lyonne | Charlie Barnett | Greta Lee | Elizabeth Ashley | Chloë Sevigny | Brendan Sexton III | Annie Murphy
Created by: Leslye Headland | Nathasha Lyonne | Amy Poehler
Genre: Komödie | Drama
USA, 2022

Our Great National Parks (Staffel 1) – Wie Obama jetzt sein Geld verdient

Ohne Bewertung

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 5 Episoden à 50 Minuten)

Aus Neugier habe ich mir eine Episode dieser Tierdoku angeschaut, um zu sehen, wie der ehemalige US-Präsident Barack Obama jetzt sein Geld verdient.

Es beginnt an einem Strand auf Hawaii. Obama erzählt, wie er hier dank seiner Grossmutter seine Verbundenheit mit der Natur entdeckte. Dann folgt die Reise in die verschiedensten Nationalparks dieser Welt mit schönen Tier- und Landschaftsaufnahmen. Dazu die sanfte Stimme Obamas aus dem Off, die mit leichtem Pathos erklärt, wie aussergewöhnlich die Fauna und Flora auf dieser Welt ist.

Ich hab irgendwo gelesen, dass die Doku unter den Top 3 bei Netflix für Kinder steht. Finde ich passend. Kinder haben sicher viel Freude an putzigen Äffchen oder beeindruckenden Nilpferden und stören sich weniger am einschläfernden Off-Kommentar.

Wenn ich an den Urvater der deutschen Tierdoku zurückdenke, an den oft lehrmeisterlichen Bernhard Grzimek, macht es Obama auch nicht schlechter.

Wie viele Sterne gibst du «Our Great National Parks» Staffel 1?

Erzähler: Barack Obama
Genre: Doku
USA, 2022

Dirty Lines (Staffel 1) – Als Sex-Hotlines das neue heisse Ding waren

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

Amsterdam Mitte der 80er-Jahre. Marly ist eine Psychologiestudentin. Als zukünftige Therapeutin gehört auch Sexualität zu ihrem Studiengebiet.

Etwas profaner ist der Zugang der Brüder Frank und Ramon zum Thema. Sie wollen Geld verdienen mit Sex und zwar mit den neuen Möglichkeiten von Bezahlnummern. Sie lassen Frauen auf Band stöhnen und hoffen auf Männer, die anrufen und dafür 50 Cents pro Minute bezahlen.

Marly versucht sich erfolglos als erotische Sprecherin. Sie bekommt trotzdem einen Job, weil sich ihr akademisches Sex-Know How als wertvoll für die Firma erweist.

Es beginnt eine rasante Erfolgsgeschichte, die mit viel Party, Sex und Drogen durch die zweite Hälfte der 80er andauert.

Ich finde

«Dirty Lines» zelebriert den 80er-Groove. Mann trug dünne Oberlippenbehaarung, Frau trug Schulterpolster. House-Musik war erst gerade im Kommen und Ecstasy so neu, dass es für eine Weile nicht mal verboten war. Und überall war Aufbruch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, sportlich (die Niederlande gewann die Fussball-EM 1988).

Bestückt wird dieses Setting mit Hauptfiguren, die einem durchaus ans Herz wachsen. Allen voran Marly, die aus dem Elternhaus fliegt, und vorerst Geldsorgen hat, bevor sie langsam die Vorzüge ihrer neuen Freiheiten entdeckt.

«Sex Education» trifft auf «Masters of Sex»

Frank war bisher erfolglos mit seinen Geschäftsideen, unter anderem setzte er auf das Video-2000-System 😀. Jetzt verdient er richtig Geld, das er aber gleich wieder zum Fenster rauswirft. Sein Bruder Ramon ist verheiratet, zweifacher Vater – und versteckt schwul.

«Dirty Lines» fühlt sich etwas an wie «Sex Education» gemischt mit «Masters of Sex» (leider momentan bei keinem Streaminganbieter) und mit einem Schuss Amsterdamer Lokalkolorit, der wohl wenigen vertraut und ziemlich originell ist. Alles in allem: Eine Geschichte, die überaus gefällig ist und amüsante Unterhaltung bietet.

Wie viele Sterne gibst du «Dirty Lines» Staffel 1?

Besetzung: Joy Delima | Minne Koole | Chris Peters | Janna van Raalte
Showrunner: Pieter Bart Korthuis
Genre: Komödie
NL, 2022

Anatomy of a Scandal (Mini-Series) – Very british, fairly boring

Läuft bei: Netflix (Mini-Series, 6 Episoden à 45 Min.)

James Whitehouse (Rupert Friend, Peter Quinn aus «Homeland») ist ein Tory-Politiker mit glänzenden Karriereaussichten. Ein typischer Vertreter der britischen Upperclass, der an der Uni die Beziehungen knüpfte, die ihm den Weg zur Macht ebneten. Unter anderen gehört der amtierende Premierminister zu seinen besten Freunden aus Oxford-Zeiten.

James‘ Karriere droht ein Rückschlag, als eine Affäre mit einer jungen Frau aus seinem Büro publik wird. Natürlich muss er das zuhause seiner Frau (Sienna Miller, «The Girl» als Tippi Hedren) beichten. Sophie, ebenfalls Oxford-Absolventin und seit dieser Zeit mit James zusammen, ist am Boden zerstört. Sie entschliesst sich aber, dem reumütigen Ehemann zur Seite zu stehen.

Allerdings bleibt es nicht beim Seitensprung: Die ehemalige Geliebte wirft James Vergewaltigung vor und es kommt zum Prozess. Die Anklage vertritt Kate Woodcraft (Michelle Dockery, «Downton Abbey», bei Amazon/«Godless», bei Netflix), eine erfolgsgewohnte Anwältin, die bekannt ist für ihr seriöses, aber unbarmherziges Vorgehen.

Ich finde

«Anatomy of a Scandal» könnte ein gelungenes Gerichtsdrama sein, das sich in die Psyche seiner Hauptfiguren vertieft. Ist es aber nicht. Stattdessen operiert die Serie mit ziemlich flachen Charakterzeichnungen.

James gibt sich als moderner Mann, der seine Privilegiertheit reflektiert. Die Rückblenden in seine Studienzeit lassen daran aber Zweifel aufkommen.

Konstruiert und abstrus

Sophie kommt aus derselben privilegierten Ecke. Als Frau heisst das für sie, dass ihr Weg an der Seite des erfolgreichen Mannes ist. Ein Konzept, das sie kaum hinterfragt, bis sie dann einigermassen unvermittelt ihre Solidarität für Frauen entdeckt.

Kate hegt ein Geheimnis, das sehr konstruiert ist und letztlich zu einem abstrusen Plottwist führt.

Zu «british»?

Vielleicht bin ich trotz aller Anglophilie zu wenig «british», als dass ich genügend mitfiebern könnte, ob privilegierte Mistkerle ihre gerechte Strafe bekommen. Oder es liegt daran, dass hier eine Geschichte erzählt wird, die zwischen Klischee und Unglaubwürdigkeit schwankt, mit Figuren, die einem ziemlich egal bleiben.

Wie viele Sterne gibst du «Anatomy of a Scandal»?

Besetzung: Sienna Miller | Rupert Friend | Michelle Dockery | Joshua McGuire | Naomi Scott
Showrunner: Melissa James Gibson | David E. Kelly
Genre: Drama
GB, 2022

Drôle / Standing Up (Staffel 1) – Witzig zu sein, ist auch nicht immer lustig

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

Aïssatou und Nezir träumen von der grossen Karriere als Stand-up-Comedians. Vorerst treten sie aber noch in einem kleinen Club auf. Bling, der Besitzer des Clubs, war mal eine grosse Nummer. Er hat aber seit Jahren keinen neuen Witz geschrieben. Apolline sollte eigentlich ihr Studium abschliessen, entdeckt aber ihre Liebe zur Stand-up-Comedy und macht die ersten Gehversuche auf der Bühne.

Während Aïssatous Karriere durchstartet und Nezir sich einigermassen durchwurstelt, stürzt Bling bei einem Comebackversuch komplett ab.

Daneben schleppen alle vier ihre Beziehungskisten mit. Sei’s mit dem Ehemann, der mit Intimitäten aus seinem Eheleben als Stand-up-Gag auf YouTube konfrontiert wird. Oder mit dem arbeitsunfähigen Vater, den es zu versorgen gilt. Oder mit der überkandidelten Mutter, die unter einer Karriere sicher nicht Stand-up-Comedy versteht.

Ich finde

Paris, Comedy, Liebe und Beziehungsknatsch – das passt. Es passt nicht zuletzt deshalb, weil Aïssatou, Nezir und Bling keine Weissen sind. Und weil Apolline als Weisse in der Runde aus einem schon fast klischiert überprivilegierten Pariser Haushalt kommt. Das gibt Stoff für einige bittersüsse Gags.

Allzu sozialkritisch wirds dann doch nicht. Denn, so sagt einmal ihr Agent zu Aïssatou, die Leute wollen lachen und im Publikum sitzen ja auch Weisse. Daran hält sich die Serie: Charaktere, mit denen man mitfühlt, unterhaltsame Comedy und alles mit einem Touch Paris, der Reisesehnsucht hervorruft.

Showrunner der Serie ist Fanny Herrero, die schon für «Dix pour cent / Call My Agent» verantwortlich zeichnete, sehr empfehlenswert und ebenfalls auf Netflix zu finden.

Wie viele Sterne gibst du «Drôle / Standing Up» Staffel 1?

Besetzung: Mariama Gueye | Younès Boucif | Elsa Guedj | Jean Siuen
Showrunner: Fanny Herrero
Genre: Komödie
F, 2022

Pieces of Her (Staffel 1) – Geheimnisvolle Vergangenheit

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

Andrea «Andy» Oliver (Bella Heathcote – war u.a. zu sehen in «The Man in the High Castle») und ihre Mutter Laura (Toni Colette) sitzen beim Mittagessen in einem Diner, als plötzlich ein junger Mann aufsteht und zwei Frauen – seine Ex-Freundin und ihre Mutter, wie sich herausstellen wird – erschiesst. Als der Mann als nächstes Andy bedroht, stellt sich Laura dazwischen und schlitzt ihm mit einem Messer die Kehle auf.

Laura wird in den Medien als Heldin gefeiert, was ihr alles andere als recht ist. Nicht, dass sie so bescheiden wäre. Die mediale Aufmerksamkeit ist für sie lebensgefährlich, weil sie nicht die Person ist, für die sie ihre Tochter und ihre Nachbar:innen halten.

Wer ihre Mutter wirklich ist und welches Geheimnis sie ihrer Tochter jahrelang verschwiegen hat, das findet Andy Schritt für Schritt heraus, nicht ohne selber in gefährliche Situationen zu geraten.

Ich finde

Laura, die Mutter mit einer Vergangenheit, die sie jahrzehntelang vor (fast) allen verschwieg. Andy, die ahnungslose Tochter, die plötzlich ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt sieht, weil nichts so ist, wie es schien.

Das ist eine klassische Konstellation, wie sie oft und gerne für Thriller verwendet wird (die Serie basiert auf der Buchvorlage der Krimiautorin Karin Slaughter). Langsam wird ein Wust von Geheimnissen aus der Vergangenheit aufgedeckt und das unter ständiger Bedrohung.

Zähes Erzähltempo

Bis zur Hälfte von «Pieces of Her» gelingt das auch recht gut. Andy hetzt von einem Rätsel zum nächsten. Alle um sie herum scheinen ihr etwas zu verheimlichen. Sie entwirrt sukzessive dieses Netz von Geheimnissen – und das dauert. Es dauert so lange, dass man etwas die Geduld verliert beim Zuschauen und das Interesse an den Figuren. Zu zäh ist das Erzähltempo, zu langfädig die Rückblenden.

Immerhin: Lauras rätselhafte Vergangenheit ist so interessant, dass man doch wissen will, was wirklich geschehen ist, und bis zum Schluss dabei bleibt. Aber wer solche Thriller ein bisschen kennt, wird kaum überrascht werden – auch nicht vom Plottwist ganz am Schluss.

Wie viele Sterne gibst du «Pieces of Her»?

Besetzung: Toni Collette | Bella Heathcote | Gil Birmingham | Omari Hardwick
Showrunner: Charlotte Stoudt
Genre: Thriller
USA, 2022

The Last Kingdom /Staffel 5) – Bridas Rache

Läuft bei: Netflix (5 Staffeln, 46 Episoden à 45 Min.)

Zu Beginn der finalen Staffel lebt Uhtred friedlich in einem Vorposten im Norden von Wessex. Doch der Frieden wird nicht andauern. In Island sticht Brida mit ihren Kriegern in See. Ihr einziges Ziel ist es, Uhtred zu töten. Dazu muss sie aber zuerst Fuss fassen in England. Sie sucht sich dafür Eoferwic (York) aus, den Sitz der «Danes» (dänische Wikinger), wo Uhtreds Tochter Stiorra als Königin lebt.

Intrigen am Hof von König Edward führen dazu, dass der Frieden zwischen Angelsachsen und den Danes zerbricht. Edward sieht seine Chance, den Traum seines Vaters von einem vereinten England zu verwirklichen.

Und mittendrin wie immer Uhtred, hin- und hergerissen zwischen seiner Loyalität zum König und seiner Verbundenheit mit den Wikingern.

Ich finde

Der Abschluss der Serie erfüllt alle Erwartungen, wie sie über die ersten vier Staffeln aufgebaut wurden. Viel Kampf, viel Drama durch einige aufwühlende Todesfälle, viel Intrige und ein Finale, von dem man nur so viel verraten kann, dass es Uhtred wieder an den Ort zurückführt, wo alles für ihn begann: Bebbanburg.

Als Anglophiler hat mir «The Last Kingdom» schon immer besser gefallen, als Serien wie «Vikings» oder «Vikings: Valhalla». Erzählt wird zwar dieselbe Geschichte: Wie Angelsachsen im 9. und 10. Jahrhundert gegen die dänischen Wikinger um die Vorherrschaft auf der Insel kämpften. Aber die Perspektive ist eine andere, wie schon das Motto verrät: «England is born».

Dennoch kommen auch die Wikinger nicht zu kurz, weil Uhtred zwar in Northumbria geboren wurde, also Angelsachse ist, aber von Wikingern aufgezogen wurde.

Serie zu Ende – jetzt kommt der Film

Auch wenn die Serie zu Ende ist, wird die Geschichte von Uhtred noch weitererzählt. Muss sie auch, denn am Ende der 5. Staffel sind nicht alle Erzählstränge abgeschlossen. Da taucht bspw. noch ein junger Mann auf, dessen Beziehung zu Uhtred sehr eng ist, und König Edward scheidet nicht im besten Einvernehmen mit Uhtred.

Man darf also gespannt sein, was der angekündigte Film «Seven Kings Must Die» noch liefern wird.

Fun Fact: Die Serie basiert auf der Buchreihe «The Saxon Stories» von Bernard Cornwell. Cornwell lernte seinen leiblichen Vater William Outhred erst kennen, als er schon über 50 war. Von ihm erfuhr er, dass er von Sachsen abstammt, denen die Befestigung Bebbanburg (heute Bamburgh Castle) gehörte. Deshalb nannte er seinen Protagonisten Uhtred of Bebbanburg.

Wie viele Sterne gibst du «The Last Kingdom» Staffel 5?

Besetzung: Alexander Dreymon | Eliza Butterworth | Emily Cox | Millie Brady | Timothy Innes
Genre: Historie | Abenteuer
USA, 2022

Space Force (Staffel 2) – Mission nicht erfüllt

Läuft bei: Netflix (2 Staffeln, 17 Episoden à 30 Min.)

Die Space Force unter dem Kommando von General Naird (Steve Carell) schrammt knapp an der Auflösung vorbei, muss aber massive Budgetkürzungen in Kauf nehmen.

Die Mars-Mission wird gestrichen, stattdessen wird das Team vor Herausforderungen gestellt, wie etwa eine Powerpoint-Präsentation zu erstellen über die Gefahr einer Alien-Invasion oder Geldquellen zu erschliessen mittels Partnerschaft mit einem Hersteller von Energydrinks.

Alles deutet darauf hin, dass dem Space Force-Team über kurz oder lang die Lust vergeht an seinem Job.

Ich finde

Die erste Staffel von Space Force war leidlich amüsant, die zweite legt jetzt aber nicht zu, sondern hält bestenfalls das Niveau.

In der ersten Staffel sorgten die irrwitzigen Forderungen eines minderbemittelten Präsidenten (klar, wer gemeint war) noch für die eine oder andere Mundwinkelzuckung.

Ohne Trump keine Politsatire

Jetzt hat die Administration gewechselt, ein Präsident taucht nicht mehr auf (klar, weshalb der Neue nicht für Comedy taugt). Einzig ein neuer Verteidigungsminister piesackt hämisch die Space Force. Das ist nicht besonders witzig und der leise Unterton von Politsatire ist verloren gegangen.

Dennoch bringen einen manche Dialoge zum Schmunzeln. Einzelne Plots sind unterhaltsam und John Malkovich als selbstüberzeugter und -gefälliger Wissenschaftler bleibt die witzigste Figur im Cast.

Vieles deutet aber darauf hin, dass der Serie die Luft ausgeht (nur 7 statt 10 Episoden in dieser Staffel). Es wäre auch kein grosser Verlust, wenn Netflix auf eine dritte Staffel verzichten würde.

Eine zweite Chance für «BrainDead»?

Wenn schon Sci-Fi-Politsatire, sollte sich der Streaminganbieter vielleicht überlegen, ob nicht die Serie «BrainDead» eine neue Chance verdient hätte, die von CBS 2015 schnöde nach einer Staffel abgesetzt wurde.

Ausserirdische Käfer setzen sich in den Hirnen u.a. von Politiker:innen in Washington fest. Wenn man bedenkt, was nach 2015 alles passierte in der amerikanischen Politik, wäre das eine ziemlich plausible Erklärung. Von daher war «BrainDead» schon fast prophetisch und geeignet für eine adäquate Aufarbeitung der Ära Trump 😜.

Wie viele Sterne gibst du «Space Force» Staffel 2?

Besetzung: Steve Carell | John Malkovich | Ben Schwartz | Diana Silvers | Tawny Newsome | Jimmy O. Yang | Lisa Kudrow | Noah Emmerich
Showrunner: Steve Carell | Greg Daniels
Genre: Komödie | Science Fiction
USA, 2022

Vikings: Valhalla (Staffel 1)

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

In der Wikingerstadt Kattegat versammeln sich verschiedene Stämme, um ein Massaker des englischen Königs Æthelred an den Wikingern zu rächen. Dazu gesellen sich Leif Eriksson (der Entdecker von Vinland, also Amerika, was hier aber keine Rolle spielt) und seine Halbschwester Freydís Eiríksdóttir.

Leif schliesst sich den Wikingern an auf ihrem Feldzug gegen London. Freydís unternimmt eine Wallfahrt nach Uppsala, wo ihr in einer Vision offenbart wird, dass sie «Die Letzte» sei.

Leif wird zum Helden in der erfolgreichen Schlacht gegen die Engländer. Freydís wird zur Kriegerin, die sich einen christlichen Wikinger zum Feind macht und den traditionellen Glauben ihres Volkes verteidigt.

Ich finde

Die Serie spielt etwa 100 Jahre nach ihrem Vorläufer «Vikings» (die ich nicht ganz gesehen habe). Die Wikinger und auch ein paar Wikingerinnen sind immer noch recht wild, festen gerne, saufen viel, kämpfen noch mehr und brüllen in der Schlacht, was die Stimmbänder hergeben. Aber die glorreiche Wikinger-Ära geht zu Ende.

Knut der Grosse, der die Wikinger auf ihrem Rachefeldzug gegen die englische Krone anführt, hat zwar eine klare Vorstellung, was er will: Ein Wikinger-Grossreich im Norden Europas (und es wird ihm auch gelingen). Es ist aber ein letztes Aufbäumen.

Christentum gegen die alten Götter

Denn die Wikinger sind bereits gespalten. Ein Teil bekennt sich zum christlichen Glauben, der Rest verehrt noch Odin, Freya und Thor. Das sät Zwietracht zwischen den Stämmen.

Aus diesen Zutaten entwickelt die Serie ein Netz von Machtkämpfen, Intrigen, Freund- und Feindschaften, die immer wieder überraschende Wendungen nehmen. Das ist alles sehr unterhaltsam und dank der beiden Figuren Leif und Freydís bleibt man auch emotional involviert. Sonst könnte man ob der vielen Jarls und sonstigen Edelleute etwas den Überblick und das Interesse verlieren.

Wer sind die historischen Figuren?

Mein grösstes Problem mit der Serie war aber ein ganz anderes. Ich begann parallel dauernd auf Wikipedia nachzulesen, wer die wirklichen historischen Figuren waren und was tatsächlich geschehen war.

Wie schon in «Vikings» nehmen sich die Drehbuchautor:innen auch bei «Vikings: Valhalla» viele Freiheiten und nicht alles ist tatsächlich so oder zu diesem Zeitpunkt passiert, wie es die Serie erzählt. Da ist der Blick in Wikipedia (oder in die Website deines Vertrauens) durchaus mindestens so spannend und manchmal ähnlich unübersichtlich, wie das Geschehen auf dem Bildschirm.

Also: Handy oder Tablet bereithalten (machts besser als ich und drückt auf «Pause») und bspw. Emma von der Normandie, Danegeld oder Olav der Heilige googeln.

Wie viele Sterne gibst du «Vikings: Valhalla»?

Besetzung: Sam Corlett | Leo Suter | Frida Gustavsson | Jóhannes Haukur Jóhannesson | David Oakes | Laura Berlin | Bradley Freegard
Created by: Jeb Stuart
Genre: Historie | Abenteuer
USA, 2022

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