Vikings: Valhalla (Staffel 2) – Viel Blut, viele Tränen und eine:r reist nach Valhalla

Serienposter mit Schriftzug. Zwei Männer und eine Frau mit Schwertern und Äxten bewaffnet stehen in einer winterlichen Landschaft.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (2 Staffeln, 16 Episoden à 45 Min.)

=> «Vikings Valhalla» Staffel 1

Üblicherweise verbinden wir Wikinger mit nördlichen Gefilden, allenfalls mit ihren Reisen nach Westen, wo sie Island besiedelten und Amerika entdeckten. Auf eine andere Route führt uns die zweite Staffel von «Vikings: Valhalla», nach Osten und in den Süden.

Harald will den Thron

Nach der Schlacht um Kattegat haben sich Freydis (Frida Gustavsson) und Harald (Leo Suter) zurückgezogen und leben versteckt im Wald. Harald träumt aber immer noch davon, König von Norwegen zu werden. Deshalb will er zurück nach Kattegat.

Dort ist Haralds Bruder Olaf (Jóhannes Haukur Jóhannesson) als Verlierer der Schlacht eingekerkert. Doch anstatt den Vikinger hinzurichten, macht ihn der siegreiche Forkbeard zur rechten Hand und Beschützer seines Enkels, den er als neuen König von Norwegen proklamiert. Forkbeard nimmt allerdings Olafs Sohn als Geisel, um sicherzustellen, dass Olaf nicht auf dumme Gedanken kommt.

Zwei bärtige Männer und Frau bewaffnet mit Pfeil und Bogen wandern durch eine hügelige Landschaft.
Nur zu Beginn sind Freydis (Frida Gustavsson), Harald (Leo Suter) und Leif (Sam Corlett) gemeinsam unterwegs. Bald trennen sich ihre Wege. © Netflix

Da Harald für den neuen König eine Bedrohung darstellt und Olaf ja sowieso noch eine Rechnung mit ihm offen hat, lässt er nach seinem Bruder suchen. Nur knapp entkommen Harald und Freydis den Häschern von Olaf. Das verdanken sie Leif Erikson (Sam Corlett), der sie noch rechtzeitig warnen kann.

Die Suche nach den alten Göttern und neuen Reichtümern

Die drei fliehen, trennen sich allerdings. Freydis reist nach Jomsborg, wo die Wikinger, die dem alten Glauben treu geblieben sind, Schutz finden vor der Verfolgung durch ihre christianisierten Stammesgenossen. Doch der Herrscher von Jomsborg ist keineswegs nur ein Gutmensch. Er beutet die Schutzsuchenden hemmungslos aus, was Freydis nicht hinnehmen will und selber in Gefahr gerät.

Leif begleitet Harald zuerst nach Novgorod, wo Harald die Unterstützung seines Onkels sucht, um mit einer Armee seinen Anspruch auf den Thron durchzusetzen. Da er ihm nicht helfen kann oder will, reisen Harald und Leif mit einer illustren Schar auf einem Schiff weiter nach Konstantinopel. Eine Reise voller Gefahren und unliebsamer Überraschungen.

Drei junge Frauen blicken wütend auf einen gefesselten Mann. Eine Frau hält ein blutiges Messer in der Hand.
Mit auf dem Schiff nach Konstantinopel: Versklavte Frauen, die sich an ihrem Peiniger rächen werden. © Netflix

Der letzte Schauplatz ist London. Dort wartet Königin Emma (Laura Berlin) auf die Rückkehr ihres Mannes vom Schlachtfeld. Ihre Situation ist in Abwesenheit des Königs nicht ungefährlich, man trachtet ihr nach dem Leben. Earl Godwin (David Oakes) verhindert einen Giftanschlag auf die Königin. Doch sie hegt Zweifel an Godwins Loyalität, nicht ganz unberechtigt, wie sich zeigen wird.

Die Fehden werden persönlicher

Mit Freydis und ihrer Reise nach Jomsborg wird immer noch das Thema der Spaltung der Wikinger in Christi:nnen und Anhänger:innen des alten Glaubens weiterverfolgt. Allerdings sind die Fehden und Kämpfe auf einer viel persönlicheren Ebene angelangt.

Mehrere Frauen auf einem Platz. Eine schwangere Frau hält ihre Hände unter dem gewölbten Bauch.
Freydis verschweigt Harald, dass sie ein Kind bekommt von ihm. Der Sohn wird in Jomsburg geboren und ihr weggenommen. © Netflix

Freydis kämpft nicht nur gegen die Unterjochung der Flüchtlinge in Jomsburg. Sie kämpft vor allem für ihren neugeborenen Sohn, wenn sie gegen den brutalen Herrscher von Jomsburg antritt. Leif wird verfolgt vom Geist seiner verlorenen Liebe und findet eine neue. Und nicht zuletzt schmiedet Godwin seine hinterhältigen Pläne, um das Unrecht, das seiner Familie angetan wurde, zu tilgen.

Da ist also alles drin: Liebe, Kampf und Intrige. Es fliesst viel Blut und viele Tränen. Am Ende wird eine der bisherigen Hauptfiguren seitlich mit einem Speer aufgespiesst und nach Valhalla geschickt. Spannung genug also, um die Reise der Wikinger interessiert weiter zu verfolgen.

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Besetzung: Sam Corlett | Leo Suter | Frida Gustavsson | Jóhannes Haukur Jóhannesson | David Oakes | Laura Berlin | Bradley Freegard
Serie entwickelt von: Jeb Stuart
Genre: Historie | Abenteuer
USA, 2023

La vita bugiarda degli adulti (Staffel 1) – Erwachsen werden ist verdammt anstrengend

Serienposter mit Schriftzug. Eine Frau mit dem Rücken zur Kamera. Sie zeigt mit der einen Hand den Mittelfinger, in der anderen hält sie ein Armband.
4 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (1Staffel, 6 Episoden à 50 Min.)

Zurück in die Pubertät. Wie geht es euch, wenn ihr euch das vorstellt? Werden da die glücklichen Erinnerungen an die erste Liebe wach? Dieses geile Gefühl, rebellisch zu sein? Oder mehr die Ohnmacht des Unverstanden-Seins und der Einsamkeit, die daraus resultiert?

Die anstrengenden und faszinierenden Jahre der Pubertät

Ich würde ein solches Angebot, in die frühe Jugend zurückzukehren, dankend ablehnen. Bei allen guten Momenten: In der Summe viel zu anstrengend, all diese Kämpfe und Krämpfe noch einmal zu durchleben.

Dass es aber eine faszinierende Zeit ist, zeigt «La vita bugiarda degli adulti» («Das lügenhafte Leben der Erwachsenen») eindrücklich. Basierend auf Elena Ferrantes gleichnamigem Roman von 2019 begleitet die Serie über drei Jahre die anfänglich 13-jährige Giovanna.

Eine junge Frau sitzt auf einer Mauer. Im Hintergrund sonnenbeschienene Häuserfassaden. Neben ihr eine Tasche und leere Flaschen.
Aufzuwachsen ist manchmal ein einsamer Prozess, auch für Giovanna (Giordana Marengo). © Eduardo Castaldo / Netflix
Die Verlogenheit des Elternhauses

Giovanna (Giordana Marengo) lebt Mitter der 1990er-Jahre als Einzelkind bei ihren Eltern in Neapel. Nella (Pina Turco) und Andrea (Alessandro Preziosi) sind linke Intellektuelle, die zur gehobenen Mittelschicht gehören. Hier fangen die Lügen aber schon an. Links reden und wählen sie, besuchen auch gerne das Fest, wo die Kommunisten mit roten Flaggen in der Hand Kampflieder singen. In Tat und Wahrheit haben die Eltern aber mit den Arbeiter:innen wenig am Hut.

Das zeigt sich in der eigenen Familie. Giovannas Tante Vittoria (Valeria Golino) lebt im ärmlichen Quartier der Stadt. Der Vater hat den Kontakt zu seiner Schwester schon lange abgebrochen. Als Giovanna hört, wie er im Gespräch mit ihrer Mutter besorgt bemerkt, dass sie immer mehr seiner Schwester gleiche – hässlich und boshaft –, weckt das Giovannas Interesse.

Die Tante schenkt ihr Freiheit

Sie besucht ihre Tante, die ihr ein völlig anderes Leben zeigt, das Giovanna sofort fasziniert. Sie bekommt Geld für eine Vespa, was natürlich Freiheit bedeutet. Aber gleichzeitig drängt sie ihre Tante in die Kirche, was Giovanna irritiert, denn zuhause ist Gott kein Thema.

Vier Frauen, die eng nebeneinander stehen.
Auch ihre Freundinnen sind von Giovannas Tante (2.v.l.) fasziniert. © Netflix

Die grösste Lüge der Erwachsenen aber ist die Liebe. Ein Thema, das die pubertierende Giovanna natürlich brennend interessiert. Vittoria erzählt ihr von ihrer grossen Liebe und besucht mit Giovanna sein Grab auf dem Friedhof. Nur, ganz so romantisch war diese Beziehung dann doch nicht, wie sich herausstellt.

Und ihre Eltern leben die grösste Liebeslüge. Nella kokettiert beim Abendessen unterm Tisch mit dem Gastgeber. Allerdings hat Andrea schon lange eine richtige Affäre mit der Gastgeberin. Es kommt zur Trennung und Giovanna hasst ihre Eltern dafür.

Findet die verletzliche Rebellin ihr Glück?

«La vita bugiarda degli adulti» erzählt atmosphärisch dicht, wie Giovanna in diesen Jahren des Erwachsenwerdens lebt, leidet und auch ein bisschen liebt. Ihre rebellische Reise durch die Jugendjahre ist voll von Episoden und Begegnungen, in denen sich zeigt, wie verletzlich sie eigentlich ist in ihrer Militärjacke, die sie eine Weile so gerne trägt. Und wie sie das Leben generell ziemlich überfordert.

Zwei Frauen und in der Mitte ein Mann.
Giovanna sucht die Anerkennung von Roberto (Giovanni Buselli), für den sie schwärmt, der aber schon vergeben ist. © Netflix

Immerhin, es scheint, dass sie am Schluss einen Weg in die Freiheit findet. Ob das Leben für Giovanna aber ein glückliches sein wird, mit all dem Ballast, den sie mitnimmt?

Zweifel sind angebracht, denn das Motto, das jeder Episode vorangestellt ist, ist ziemlich desillusionierend: «Wenn man klein ist, kommt einem alles belangvoll vor, wenn man gross ist, kommt einem alles belanglos vor.» Wofür also hat man denn den riesigen Stress mit diesem Erwachsenwerden?

PS: (K)Ein Vergleich mit «L’amica geniale»

Einen Vergleich mit den Büchern oder der hochgelobten Serie «L’amica geniale», die auf Ferrantes «Neapolitanischer Saga» beruht, kann ich leider nicht leisten. Ich habe sie nicht gelesen und die Serie nicht gesehen.

Eine zuverlässige Quelle sagt mir aber, dass «La vita bugiarda degli adulti» nicht ganz so stark ist wie «L’amica geniale», was aber schon in den Büchern so sei.

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0 Stimmen

Besetzung: Giordana Marengo | Valeria Golino | Alessandro Preziosi | Pina Turco | Azzurra Mennella | Raffaella Rea | Giuseppe Brunetti | Maria Vera Ratti
Genre: Drama
ITA, 2023

Totenfrau (Staffel 1) – Eine Racheengel in den Alpen

Serienposter mit Schriftzug. Eine Frau von hinten mit Lederjacke und Motorradhelm. Sie steht vor einer Berglandschaft.
4 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 6 Episoden à 50 Min.)

Seit der Schweizer Krimiserie «Wilder» wissen wir, dass es in den Alpen keineswegs nur friedlich und harmonisch zu und hergeht. Die «Totenfrau» hievt das Ausmass an Gewalt und Mord vor der Kulisse der Tiroler Bergwelt aber auf ein neues Level.

Leichen pflastern die Alpen

«In drei Wochen hatten wir jetzt mehr Tote als in den letzten 20 Jahren», stellt ein Polizist im scheinbar friedlichen Dorf Bad Annenhof konsterniert fest. Und dabei weiss er nicht mal von allen, denn einige Leichen hat die Polizei noch gar nicht gefunden – und wird sie wohl auch nie.

Der erste Tote ist aber ein klarer Fall und liegt schon nach wenigen Minuten der ersten Episode auf der Strasse. Der Polizist Mark Thaler (Maximilian Kraus) verabschiedet sich noch liebevoll von seiner Frau (Anna Maria Mühe), steigt aufs Motorrad und kollidiert Sekunden später mit einem schwarze Range-Rover.

Ein Mann und eine Frau kurz bevor sie sich küssen. Sie hält sein Kinn in ihrer Hand.
Ein Abschied für immer: Blum (Anna Maria Mühe) und ihr Mann Mark (Maximilian Kraus). © Netflix

Ein schrecklicher Unfall mit Fahrerflucht, so sieht zuerst aus. Doch allmählich verdichten sich die Anzeichen, dass es ein Mord war. Marks Frau Blum, die sich nur mit ihrem Nachnamen ansprechen lässt, weil sie ihren Vornamen Brünhilde hasst, entdeckt auf dem Handy ihres Mannes Mitteilungen, die sie zu einer jungen Frau führen.

Die Handwerkskunst der Bestatterin zahlt sich aus

Dunja (Romina Küper) hat Schreckliches erlebt. Sie wurde mit zwei weiteren Frauen von vier Männern brutal gequält und misshandelt. Die anderen beiden sind tot, sie konnte fliehen. Mark hatte Dunja versteckt, da die Täter offenbar ziemlich mächtig sind und viel Einfluss haben.

Weil diese Männer wohl auch für Marks Tod verantwortlich sind, begibt sich Blum auf einen Rachefeldzug. Den ersten findet sie schnell. Edwin Schönborn (Shenja Lacher), Spross der einflussreichsten Familie des Orts.

Blum kidnappt ihn, um die Namen der anderen aus ihm herauszupressen. Dummerweise stirbt Edwin dabei. Da kommt Blum ihr Beruf sehr gelegen. Sie ist Bestatterin und hat deshalb keine Schwierigkeiten, die Leiche verschwinden zu lassen. Es wird nicht die letzte sein.

Eine Frau mit Gesichtsschutz und einem Werkzeug in der Hand blickt auf den Kopf einer Leiche.
Im Normalfall benutzt Blum die Knochensäge nicht bei ihrer Arbeit. Aber sie kommt sehr gelegen, um Leichen zu zerkleinern. © Netflix
Die Mühe lohnt sich

Mit dem Setting in den Bergen und dem Beruf der Protagonistin könnte man meinen, da habe sich jemand bei den beiden Schweizer Krimis «Wilder» und «Der Bestatter» bedient. Aber der Roman von Bernhard Aichner, auf dem die Serie beruht, ist schon vor den beiden Serien erschienen.

Es gibt auch sonst wenig Gemeinsamkeiten. Aichners «Totenfrau» ist schwerere Kost. Die Verbrechen sind grausamer, aber zum Glück nur andeutungsweise zu sehen. Die menschlichen Abgründe, die zu Tage treten, einiges tiefer. Das geht unter die Haut, vor allem dank der hervorragenden Anna Maria Mühe.

Ihr kauft man alles ab. Ihre Wut über den Tod ihres Mannes, ihr Hartnäckigkeit, mit der sie den Mördern nachstellt, ihre Kaltblütigkeit, wie sie die Leichen zerstückelt.

Ein bisschen konstruiert, aber dennoch sehr gelungen

Das macht ein wenig vergessen, dass anderes konstruiert wirkt und wenig originell. Die Famile der Schönborns etwa, die ihre Macht als Freipass verstehen, sich nur an ihre eigenen Regeln halten zu müssen. Oder der kauzige Bauer, der den Schönborns Paroli bot und dafür einen hohen Preis bezahlte.

Ein Polizist und eine Frau stehen sich gegenüber. Im Hintergrund eine rote Sofagruppe mit Pflanzen.
Mit der Zeit schöpft der Polizeichef (Robert Palfrader) Verdacht und nimmt Blum ins Visier. ©

Über allem ragen irgendwie die Berggipfel, zu denen sich eine Passstrasse hoch schlängelt, die man immer wieder sieht. Das soll vielleicht die verschlungenen Wege der menschlichen Seele symbolisieren, bleibt aber letztlich nur eine, wenn auch schöne, Kulisse.

Zu viel zu mäkeln, wäre aber ungerecht. Die «Totenfrau» ist ein gelungener Krimi mit einigen unerwarteten Wendungen. Spannend ist jetzt die Frage, ob die angedeutete Fortsetzung realisiert wird. In Buchform liegt sie schon vor: «Totenhaus» ist der zweite Teil von Aichners Trilogie über die Bestatterin Blum.

Wie viele Sterne gibst du «Totenfrau» (Staffel 1)?
2 Stimmen

Besetzung: Anna Maria Mühe | Felix Klare | Yousef Sweid | Shenja Lacher | Robert Palfrader | Simon Schwarz | Gregor Bloéb | Michou Friesz | Gerhard Liebmann | Romina Küper
Serie entwickelt von: Barbara Stepansky | Wolfgang Mueller | Benito Mueller
Genre: Krimi
D / OE, 2023

The Witcher: Blood Origin (Mini-Serie) – Für Hardcore-Fans und Fantasy-Buffs

Serienposter mit Schriftzug. Drei Personen. Sie tragen lange Kleider und Waffen.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (Mini-Serie, 4 Episoden à 45 Min.)

Das Prequel zur erfolgreichen «Witcher»-Reihe von Netflix bezieht ziemlich Haue von den Kritiker:innen. Das ist nicht ganz unverdient. Aber beginnen wir doch mit dem Positiven.

Klassische Fantasy-Quest

Die vierteilige Mini-Serie ist mit drei Stunden Laufzeit nur wenig länger als der durchschnittliche Kinofilm heutzutage. Diese Länge ist angemessen für die Geschichte, die geradlinig und ohne Schnickschnack erzählt wird. Was man nicht von jedem Film mit ähnlicher Länge behaupten kann 😜.

«The Witcher: Blood Origin» erzählt von sieben Figuren, die zusammenfinden, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Eine klassische Fantasy-Quest, aufbereitet wie aus dem Lehrbuch, ohne besondere Schwächen oder Stärken. Die Qualität der Produktion ist sehr ansehnlich, mit schönen Landschaften und ansprechenden Computergrafiken – für dieses Genre durchaus wichtig.

Sieben Figuren in einer Landschaft. Eine davon reitet auf einem Pferd. Felsen im Hintergrund. Hohes Gras neben dem Weg.
Vier Elfen-Krieger:innen, zwei Magier:innen und eine Zwergenkriegerin finden zusammen, um eine Aufgabe zu bewältigen. © Netflix
1200 Jahre vor Geralt von Riva

Das kann man sich zu Gemüte führen, wenn man Elfen, Magier und Zwerge mag, die eine böse Königin und ihren grössenwahnsinnigen Hofzauberer ausradieren wollen. Die sieben Kämpfer:innen (u.a. Michelle Yeoh) sind dabei die interessanteren Figuren als die Bösewicht:in. Die bleiben leider etwas allzu blass.

Fans der «Witcher»-Reihe sollten die Mini-Serie etwas höher priorisieren. Das Prequel spielt 1200 Jahre vor der Zeit, in der Geralt von Riva seine Abenteuer bestreitet.

Kein Türöffner für ein grosses Witcher-Universum

«The Witcher: Blood Origin» erklärt die Entstehung von zwei bedeutenden Ereignissen. Einerseits was die Sphärenkonjunktion verursachte, die verschiedene Universen zusammenführte und Monster und die Menschen in die Welt der Elfen und Zwerge brachte. Andererseits wird erzählt, wie die beiden Magier Syndril (Zach Wyatt) und Zacaré (Lizzie Annis) mit ihren Tränken den ersten Witcher erschufen.

Drei Elfen haben sich hinter einem Holztisch verschanzt und halten ihre Waffen bereit.
Fjall (Laurence O’Fuarain), Éile (Sophia Brown) und Scían (Michelle Yeoh) sind der harte Kern der Sieben. © Netflix

Ob das allerdings reicht, um die Fans zu begeistern? Es scheint eher nicht. Auch hier sind die Reaktionen mässig bis enttäuscht. «The Witcher: Blood Origin» sollte wohl so eine Art Türöffner werden, um aus der Welt des Witchers ein ähnlich grosses Fantasy-Universum zu schaffen, wie wir das von «Lord of the Rings» oder «Game of Thrones» kennen. Beide starteten letztes Jahr erfolgreich eine Prequel-Serie: «The Rings of Power» und «House of the Dragon».

Immerhin: Die Serie verkürzt das Warten auf Witcher 3

«The Witcher: Blood Origin» ist das nicht gelungen. Keiner der Charaktere zeigt das notwendige Potenzial, um an die Figur von Geralt von Riva heranzukommen. Deshalb bleibt «The Witcher: Blood Origin» lediglich ein Intermezzo, das die Wartezeit auf die dritte Staffel von «The Witcher» verkürzt. Diesen Anspruch erfüllt die Serie leidlich.

Eine Frau, die weiss geschminkt ist im Gesicht.
Nicht nur im Gesicht etwas blass, auch als böse Herrscherin von Xintrea überzeugt Merwyn (Mirren Mack) nicht so ganz. © Netflix

«The Witcher» Staffel 3 ist übrigens für diesen Sommer angekündigt. Es wird der Abschied sein von Henry Cavill als Geralt 😭. Er wird für die bereits angekündigte vierte Staffel abgelöst von Liam Hemsworth.

Und wem diese Wartezeit immer noch zu lang ist, kann es so machen wie ich. Ich wende mich dem PC-Game zu. «The Witcher: Wild Hunt» stand schon lange auf meiner Liste.

Wie viele Sterne gibst du «The Witcher: Blood Origin»?
7 Stimmen

Besetzung: Sophia Brown | Laurence O’Fuarain | Mirren Mack | Lenny Henry | Jacob Collins-Levy | Zach Wyatt | Michelle Yeoh | Minnie Driver | Lizzie Annis | Huw Novelli | Francesca Mills
Serie entwickelt von: Declan De Barra
Genre: Fantasy | Abenteuer | Action
USA / POL, 2022

Treason (Mini-Serie) – Holpriger Spionagethriller, der erst am Schluss überzeugt

Serienposter mit Schriftzug. Ein Mann im Anzug. Über seine Körper läuft ein roter Streifen, der den Big Ben auf dem Kopf zeigt.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (Mini-Serie, 5 Episoden à 45 Min.)

Die erste Irritation ist, dass Charlie Cox als stellvertretender MI6-Chef Adam Lawrence den Leuten beim Gespräch in die Augen schaut. Aber darüber kommt man schnell hinweg. Er trägt schliesslich kein Superheldenkostüm. Deshalb ist er klar erkennbar nicht als blinder «Daredevil» unterwegs, der der beste Marvel-Serienheld aus der Netflix-Ära war.

Drehbuch mit grossen Löchern

Schwieriger wird es, mit all den Ungereimtheiten im Drehbuch von «Treason», die noch folgen werden. Da gibt es Personenschützer, die das Haus von Adam und seiner Familie bewachen. Die merken aber nichts, wenn Adam und seine Frau Maddy (Oona Chaplin, die den Namen ihrer Grossmutter und unverkennbar die Gesichtszüge ihrer Mutter Geraldine trägt) nachts für ein paar Stunden rausschleichen.

Ein Mann im Anzug stehend vor einem Bildschirm. Zwei Männer sitzen rechts von ihm an einem Tisch.
Adam Lawrence (Charlie Cox) muss unverhofft den MI6 als C (für «Control») übernehmen. © Netflix

Als Adams Tochter entführt wird, sucht zwar das MI6 und die ganze Metropolitan Police nach ihr. Er schafft es allerdings im Alleingang sie durch ein dubioses Tauschgeschäft wieder freizubekommen. Es fragt im Nachhinein aber keine Sau, wie ihm das gelungen ist.

Die Vergangenheit holt Adam ein

Es gäbe noch mehr Beispiele, die zeigen, wie holprig diese Spionagegeschichte vor allem in den ersten drei Episoden konstruiert ist. Aber mal zurück zum Anfang: Worum geht’s überhaupt?

Nach einem Anschlag auf den MI6-Chef Sir Martin Angelis (Ciarán Hinds) wird Adam interimistisch Chef der britischen Auslandsspionage. Das war genau die Absicht der Attentäterin. Kara Yerzova (Olga Kurylenko) ist nicht nur eine ehemalige russische Agentin, sondern war auch vor Jahren Adams Geliebte.

Eine Frau mit Rucksack kauert neben einer Mauer und schaut aufmerksam in Richtung Kamera.
Ist die ehemalige russische Agentin Kara (Olga Kurylenko) Freundin oder Feindin? © Netflix
Die geheimen Dossiers des Chefs

Sie will von Adam Informationen über einen Vorfall, bei dem vor 15 Jahren in Baku ihr ganzes Team getötet wurde. Nach langem Zögern sucht Adam nach Unterlagen, findet aber nichts heraus.

Kurz darauf wird Adams Tochter entführt. Er wird erneut erpresst. Diesmal geht es um ein inoffizielles Dossier über eine Politikerin, die Premierministerin werden will. Sein Chef hortete ganze Aktenschränke mit solchen Dossiers, um sie bei Gelegenheit zu seinem Vorteil einzusetzen.

Parallel dazu wird Maddie von einer Freundin aus alten Militärtagen angegangen, die jetzt für die CIA arbeitet. Die Amerikaner verdächtigen Adam schon länger, dass er ein russischer Maulwurf sei. Maddie beginnt an Adam zu zweifeln und hilft Dede (Tracy Ifeachor), ihn zu überwachen.

Zwei Männer im Anzug. In der Mitte des Bildes ein Holzbalken.
Adams Chef Martin Angelis (Ciarán Hinds) gibt seinen Schützling zum Abschuss frei. © Netflix
Der Schluss entschädigt für das schwache Vorspiel

Und jetzt, ab der vierten Episode, wird es spannend. Adam wird zum Gejagten, der niemandem mehr trauen kann. Man musste aber einiges über sich ergehen lassen, um so weit zu kommen. Der Schluss entschädigt mit ein paar netten Twists, wenn die Frauen übernehmen, um das ganze Schlamassel zu beenden.

Dennoch ist «Treason» nur Dutzendware aus dem Genre der britischen Spionageserien. Da gibt es Besseres zu sehen wie beispielsweise die Retro-Serie «The Ipcress File». Im Vergleich überzeugt auch «Slow Horses» mit Gary Oldman und Kristin Scott Thomas mehr. Aktuell läuft hier die zweite Staffel auf Apple TV+.

Wie viele Sterne gibst du «Treason»?
1 Stimme

Besetzung: Olga Kurylenko | Charlie Cox | Oona Chaplin | Ciarán Hinds | Alex Kingston | Tracy Ifeachor | Beau Gadson | Samuel Leakey
Serie entwickelt von: Matt Charman
Genre: Thriller | Drama
GB, 2022

A Storm for Christmas (Mini-Serie) – X-Mas-Kitsch, aber zum Glück aus dem hohen Norden

Serienposter mit Schriftzug. Im Vordergrund ein Tannenbaum mit Weihnachtskugeln. Im Hintergrund Flugzeuge im Schneegestöber.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (Mini-Serie, 6 Episoden à 30 Min.)

Eines ist diese Weihnachts-Mini-Serie aus Norwegen sicher nicht: originell. Ein gutes Dutzend Leute, die auf dem Flughafen in Oslo im Schneesturm feststecken, das hat man schon gesehen. Wer aber knapp drei Stunden festtägliche Wohlfühlunterhaltung sucht, wird hier sehr passabel bedient.

Trotz aller Klischees, die obendrauf noch beigemixt werden, hat die norwegische Serie einen grossen Pluspunkt verglichen mit US-amerikanischen Produkten: Der Fremdschämfaktor ist massiv kleiner.

Niemand ist glücklich vor Weihnachten

Weshalb genau das so ist, kann ich nicht richtig festmachen. Denn die Zutaten stammen aus der herkömmlichen Scriptküche. Ein paar Menschen begegnen sich kurz vor Heiligabend auf dem Flughafen. Alle tragen ihre Bürde, die sie so kurz vor Weihnachten besonders drückt.

Mehrere Menschen stehen und sitzen in einer Abflughalle eine Flughafens.
Jede:r hat seinen besonderen Wunsch für Weihnachten. Ob er sich erfüllt? Spoiler: Ja. © Netflix

Da ist der Konzertpianist, dem das Karriereende droht. Ein Ehepaar mit kleiner Tochter, das sich dauernd streitet. Eine Priesterin, die mit ihrem Glauben hadert. Eine Mutter, deren Sohn für eine Operation dringend in die USA fliegen muss. Eine Tochter, die ihren Vater seit Jahren zum ersten Mal sehen wird. Eine Romantikerin, die einem Zyniker begegnet. Auch eine Jöh-Geschichte mit Hund gibt es und noch einige mehr.

Nordisch tönt alles weniger gesülzt, oder?

Rührselig wird das alles erst ganz am Schluss. Vorher gibt’s noch ein bisschen was zu schmunzeln, wenn der Pianist verzweifelt einen Ort zum Rauchen sucht. Oder der Santa Claus eine antikapitalistische Brandrede hält, weil die Kleinkinder bei ihm Wünsche von 1000 Franken aufwärts deponieren.

Ein Mann sitzt am Klavier. Hinter ihm stehen Zuschauer:innen. Zwei Weihnachtsbäume umrahmen die Szene.
Ein Klavier in der Abflughalle? Wo gibt’s denn so was. Egal: Musik erwärmt die Herzen. © Netflix

Dass sich am Ende fast alles in eitel Sonnenschein auflöst, versteht sich von selbst. Warum also ist das jetzt alles nicht so schlimm, wie es zu erwarten wäre? Vielleicht helfen schon mal die Sprachen: Auf Norwegisch, Schwedisch und Dänisch klingen auch banale Dialoge weniger gesülzt. Und «God jul» tönt doch irgendwie bodenständiger als «Merry Christmas», oder?

«Guilty pleasure» halt

Vielleicht suche ich auch nur eine Ausrede, um zu rechtfertigen, dass ich mir drei Stunden Wohlfühl-Weihnachtskitsch angeschaut habe, ohne mich dabei dauernd zu schämen und die verschwendete Lebenszeit zu beklagen. Im Gegenteil, es war kurzweilig – ein klassisches «guilty pleasure». Einzig der Soundtrack mit englischen Weihnachtsschnulzen, der war von Anfang bis Schluss wirklich unerträglich.

Wie viele Sterne gibst du «A Storm for Christmas»?
0 Stimmen

Besetzung: Dennis Storhøi | Maibritt Saerens | Jan Gunnar Røise | Jon Øigarden | Ariadna Cabrol | Sus Noreen Jondahl Wilkins | Ravdeep Singh Bajwa | Valter Skarsgård | Ida Elise Broch | Evelyn Rasmussen Osazuwa | Hanna Ardéhn
Genre: Romanze | Drama | Komödie
NOR, 2022

Wednesday (Staffel 1) – Ein Händchen für komischen Grusel

Serienposter mit Schriftzug. Eine junge Frau steht im Regen. Sie hält einen geöffneten Regenschirm in der Hand. Im Hintergrund Türme und schwarzgrauer Himmel.

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

Eigentlich hatte ich nicht vor, mir «Wednesday» anzuschauen. Zu viel kommt da zusammen, was mich wenig interessiert. Ich bin bei allem Respekt kein grosser Fan von Tim Burton, der in vier Folgen Regie führte und quasi der geistige Vater der Serie ist. Seine Ästhetik ist mir zu gekünstelt und zugleich wenig originell.

Abstruse Dating-Rituale? Nein, danke

Mit der Addams Family konnte ich auch noch nie viel anfangen. Die bleichen Gesichter und das eiskalte Händchen sind zwar ganz amüsant. Aber wenn schon Grusel, dann lieber richtig Gänsehaut.

Zu guter Letzt halte ich US-amerikanische Teenie- und Highschoolserien für absolute Zeitverschwendung. Weniger oder zumindest nicht nur, weil ich zu alt dafür bin. Diese abstrusen Rituale, die da in der Schule und beim Daten zelebriert werden, entspringen einer Geisteshaltung, die ich höchst irritierend finde (wie erfrischend anders ist da «Sex Education»).

Zwei Frauen in einem Kaffee. Eine Frau hält ihre Kaffeetasse in der Hand und spricht mit der anderen, die ihr Gesicht von der Kamera weggewendet hat.
Eine hübsche Referenz an die «Addams Family»-Filme aus den 90ern: Christina Ricci (rechts) spielte dort Wednesday Addams. In der Serie ist sie eine Lehrerin an der Nevermore Academy, die von Larissa Weems (Gwendoline Christie, links) geleitet wird. © Netflix
Ein Schulstreich, bei dem Blut fliesst. Glorios!

Viel sprach also gegen «Wednesday». Aber immer wieder waren begeisterte Wortmeldungen zu lesen, so dass ich mich fast genötigt sah, mindestens mal den Trailer anzuschauen. Und da ist’s passiert.

Wednesday Addams (Jenna Ortega) spaziert ins Schulschwimmbad und setzt Piranhas im Becken aus, in dem die Wasserballer trainieren, die ihren Bruder piesackten. Was für eine gloriose Perfidie. Das Sahnehäubchen dann ihr Kommentar, dass gewisse Menschen – konkret einer dieser All-American-Boys – sich besser nicht fortpflanzten. Diesen Humor mag ich 😜.

Es gibt zwar nicht mehr allzu viele Szenen, bei denen man mit so einem breiten Grinsen vor dem Schirm sitzt. Aber die misanthropische Wednesday lässt einen immer wieder Schmunzeln mit ihrem triefenden Sarkasmus.

Eine junge Frau hält zwei grosse Plastiksäcke in den Händen, in denen Fische sind.
Wednesday (Jenna Ortega) nimmt blutige Rache für ihren Bruder. Denn: «Niemand quält meinen Bruder – ausser mir.» © Netflix
Sonderschule der Extraklasse

Nach dem Piranha-Vorfall fliegt sie logischerweise von der Schule. Ihre Eltern (Catherine Zeta-Jones und Luis Guzmán) schicken sie deshalb auf die Nevermore Academy, die schon ihre Mutter besuchte. Auch Edgar Allen Poe firmiert unter den prominenten Absolvent:innen, wie die Website stolz verkündet.

Nevermore ist spezialisiert auf Schüler:innen mit aussergewöhnlichen Eigenschaften. Werwölfe, Sirenen und Vampire sind die neuen Klassenkamerad:innen von Wednesday. Obwohl sie jetzt mehr unter Ihresgleichen ist, legt sie ihre asoziale Grundhaltung nicht ab. Sie gibt allen zu verstehen, dass sie besser ohne zwischenmonstrigen Kontakt zurechtkommt.

Wednesdays Eltern schicken «Thing» – bei uns besser bekannt als das eiskalte Händchen – als Aufpasser mit in die neue Schule. © Netlix
Ein Monster namens Hyde

Wednesday gedenkt auch nicht zu bleiben. Sie will gleich wieder abhauen. Das stellt sie aber erst mal hinten an, als ein Monster auftaucht, das einen ihrer Mitschüler tötet. Auf der Spur dieses Monsters, das sich als Hyde entpuppt, taucht Wednesday tief ein in ihre eigene Familiengeschichte.

Die sarkastische, tief pessimistische Grundhaltung der Hauptfigur macht Highschool-Elemente wie Prom oder Sportanlässe nicht nur erträglich, sondern sogar amüsant. Wenn Blut auf die Tanzfläche regnet oder Fairness beim Wettbewerb per Reglement ausgeschlossen ist, konterkariert das die gewohnten Schulgeschichten vorzüglich.

Eine junge Frau spielt Cello. Im Hintergrund lodern gewaltige Flammen um eine Statue.
Wednesday versäumt keine Gelegenheit, einen Schulanlass zur Katastrophe ausarten zu lassen. © Netflix
Wednesday beweist: Highschool kann lustig sein

Selbst die BFF-Geschichte mit ihrer Zimmergenossin, die auch nicht fehlen darf, ist unterhaltsam und passend inszeniert. Die beiden trennen ihr Zimmer strikt in einen knallbunten und einen grauschwarzen, düsteren Teil.

«Wednesday» widerlegt meine Skepsis gegenüber Burton und den Addams als unbegründet. Die Serie beweist sogar, dass man den Highschool-Topos intelligent oder zumindest unterhaltsam gestalten kann.

Wie viele Sterne gibst du «Wednesday» Staffel 1?
15 Stimmen

Besetzung: Jenna Ortega | Gwendoline Christie | Christina Ricci | Riki Lindhome | Jamie McShane | Hunter Doohan | Percy Hynes White | Emma Myers | Joy Sunday | Catherine Zeta-Jones | Luis Guzmán
Serie entwickelt von: Alfred Gough | Miles Millar
Genre: Komödie | Krimi | Horror
USA, 2022

Blockbuster (Staffel 1) – Dafür steht garantiert niemand Schlange

Serienposter mit Schriftzug. Sieben Personen stehen in einem Laden. Sie tragen mit einer Ausnahme alle blaue T-Shirts und beige Hosen sowie Namensschilder.

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 10 Episoden à 30 Min.)

Ich hatte freudige Erwartungen an «Blockbuster». Mit Vanessa Ramos und Melissa Fumero gibt es eine direkte Verbindung zur witzigen Cop-Comedy «Brooklyn Nine-Nine» (auch bei Netflix).

Ramos zeichnet als Autorin einiger Episoden. Fumero war die überkorrekte Polizistin Amy Santiago in der Serie, die letztes Jahr nach acht Staffeln und 153 Episoden zu Ende ging.

Nach zwei Episoden ausgestiegen

Auf diese Zahlen wird «Blockbuster» nie kommen (Blockbuster, falls das jemand nicht kennt, war um die Jahrhundertwende eine der grössten Videotheken). Ich hatte schon nach zwei Episoden genug. Mehr tue ich mir auch nicht an. Lahme Pointen, langweilige Figuren und eine Grundidee, bei der man sich fragt, wer das je lustig finden konnte.

In einem Einkaufszentrum irgendwo in Michigan bekommt Timmy (Randall Park), Leiter einer Blockbuster-Filiale, einen Anruf. Die Zentrale teilt ihm mit, dass die restlichen Läden geschlossen wurden. Timmys Filiale ist damit der letzte Blockbuster der Welt.

Eine Frau und ein Mann sitzen am Boden vor einem Regal mit DVDs.
Der Rollenwechsel von der Polizistin in «Brooklyn Nine-Nine» zur Blockbuster-Angestellten ist definitiv kein Karrieresprung für Melissa Fumero. © Netflix
Infantil ist nicht gleich lustig

Damit ist Timmy mit seinen fünf Angestellten und den Leihvideos auf sich gestellt. Auch ihr Laden funktioniert nur noch mehr schlecht als recht. Unter anderem, weil einige der Angestellten nicht wirklich eine Ahnung von Film haben. Ein Fest im Einkaufszentrum zu Ehren des letzten Blockbuster-Ladens soll neues Publikum anlocken.

Timmy plant das gemeinsam mit seinem Freund Percy (J.B. Smoove). Die beiden schmieden Fest-Pläne, die mehr für einen Kindergeburtstag passen würden. Passt aber irgendwie, denn sie wirken ziemlich infantil, obwohl sie so um die 40 sein dürften.

Nette Filmreferenzen, aber auch hier: nicht lustig

Das Fest endet in einer Katastrophe, als eine Feuerwerksrakete den überlebensgrossen Plastikgorilla killt. Aber dann kommts doch noch gut. Ende Episode 1 und kein einziges Mal zuckte bei mir auch nur ein Mundwinkel.

Die vielen Anspielungen auf die Filmgeschichte nimmt man zur Kenntnis. Aber auch daraus entwickelt sich kein Vergnügen.

Plots aus dem Baukasten

Die zweite Episode ist nicht lustiger, auch wenn wir jetzt die Mitarbeitenden etwas besser kennenlernen. Lohnt sich aber nicht, die hier vorzustellen. Sie bleiben einem egal.

Drei Frauen und ein Mann in einem Laden. Zwei stehen hinter einer Theke. Sie applaudieren.
In der Serie gibts Applaus für den Chef. Für die Serie wird aber kaum jemand klatschen. © Netflix

Dass das Drehbuch zudem noch eine Liebesgeschichte mit Hindernissen zwischen Timmy und Eliza (Melissa Fumero) gleich zu Beginn einbaut, scheint direkt aus dem Baukasten für einfallslose Drehbuchschreiber:innen zu stammen.

Netflix macht Serie über Blockbuster – checkst du den Witz?

Ich vermute mal stark, dass sich beim Pitchen der Serie die Netflix-Leute begeistert auf die Schenkel klopften. Ausgerechnet ihre Firma macht eine Show über den letzten Blockbuster-Laden. Schliesslich war Netflix einer der Gründe für den Untergang der Verleihkette.

Und weil das allein schon so sauglatt war, kümmerte sich anschliessend niemand mehr darum, dann tatsächlich aus der Idee eine Comedy-Serie mit Witz zu machen. Meine Prognose: Es bleibt bei dieser einen Staffel.

Wie viele Sterne gibst du «Blockbuster» Staffel 1?
0 Stimmen

Besetzung: Randall Park | Melissa Fumero | Olga Merediz | Tyler Alvarez | Madeleine Arthur | J.B. Smoove | Kamaia Fairburn
Serie entwickelt von: Vanessa Ramos
Genre: Komödie
USA, 2022

1899 (Staffel 1) – So mysteriös wie «Dark», aber (noch) nicht so packend

Serienpost mit Schriftzug. In der Mitte eine fallende Frau. Auf den Seiten Meer und zwei Schiffe.

Läuft bei: Netflix (1 Staffel, 8 Episoden à 55 Min.)

«1899» kann einem fast etwas leidtun. Die Serie tritt in so grosse Fussstapfen, diese Erwartungen kann sie fast unmöglich erfüllen. Falls es jemand noch nicht weiss: «1899» ist Nachfolgeprojekt der beiden Macher:innen von «Dark».

Mysterien auf hoher See

Mit «Dark» haben Baran bo Odar und Jantje Friese Massstäbe gesetzt und das nicht nur für den deutschsprachigen Raum. Der deutsche Mystery-Thriller in drei Staffeln war eine der faszinierendsten Streamingserien, die es bis dahin zu sehen gab.

Jetzt also der nächste Streich des Serienproduzent:innen-Paares. «1899» spielt auf hoher See. Der Passagierdampfer «Kerberos» ist unterwegs nach Amerika. An Bord über 1400 Passagier:innen. Eine paar Reisende aus der ersten Klasse lernen wir näher kennen, auch eine Gruppe von Drittklasspassagier:innen, die unter Deck weggesperrt sind.

Ein Mann mit dem Rücken zur Kamera steht vor einer Ansammlung von Menschen.
Bei den Passagier:innen kommt keine Freude auf, dass ihre Reise nach Amerika durch die Suche nach einem verschwundenen Schiff verzögert wird. © Netflix
Das Geisterschiff

Die Reise ändert ihren Verlauf, als die «Kerberos» mysteriöse Signal empfängt. Sie stammen vermutlich vom Schwesterschiff «Prometheus», das vor vier Monaten spurlos verschwunden ist. Kapitän Eyk Larsen (Andreas Pietschmann) befiehlt sehr zum Missfallen der Passagier:innen, Kurs auf die «Prometheus» zu nehmen.

Nur Maura Franklin (Emily Beecham) stört sich nicht an dem Abstecher. Ihr Bruder war auf der «Prometheus». Deshalb erklärt sie sich bereit, mit auf das Schiff zu gehen, als es gesichtet wird.

Der Junge mit der Pyramide

Doch die «Prometheus» ist menschenleer. Keine Spur von den Passagier:innen. Der Kapitän und seine Begleiter:in finden dann aber doch noch jemanden: einen Buben, der in einen Schrank eingesperrt war und kein Wort spricht.

Ein Junge mit schwarzen Haaren. Er hält den Zeigefinger vor den Mund.
Er wüsste wohl, was mit der «Prometheus» passiert ist. Aber er macht den Mund nicht auf. © Netflix

Damit beginnt jetzt also das Rätselraten: Was geschah auf der «Prometheus»? Wer ist der Junge? Was hat es mit der Pyramide auf sich, die er bei sich trägt? Und was will der Mann, der offenbar auch auf der «Prometheus» war und sich an Bord der «Kerberos» schlich?

Alle fliehen vor der Vergangenheit

Es dauert seine Zeit, bis es auf diese Fragen die ersten und wie nicht anders zu erwarten irritierende Lösungshinweise gibt. Vorab erfahren wir noch mehr über die Passagiere. Denen ist eines gemeinsam: Sie flüchten vor ihrer Vergangenheit.

Das alles dauert etwas lange. Die Geschichte verliert sich in den vielen Mysterien, die nach und nach enthüllt werden. Am Ende der ersten Staffel ergibt einiges davon Sinn.

Eine Frau und ein Mann blicken sich an.
Maura Franklin (Emily Beecham) und Kapitän Larsen (Andreas Pietschmann) werden mit Ereignissen aus ihrer Vergangenheit konfrontiert. © Netflix
Ein (zu) langer Weg zum grossen Geheimnis

Aber zu viele Storys, die über die Passagier:innen erzählt werden, sind dann doch nicht so zwingend für das ganz grosse Mysterium, das in den letzten Szenen enthüllt wird. Ohne jetzt «Dark» nochmal geschaut zu haben: Dort habe ich das nicht so in Erinnerung.

Die Rätsel, die «1899» den Zuschauer:innen aufgibt, halten einen aber dennoch bei der Stange. Dass alles sowieso ganz anders kommt, als man es sich im Verlauf der Episoden zusammenreimt, überrascht am Schluss kaum. Sonst wäre es keine bo Odar-Friese-Serie. Das Verwirrspiel von Schein und Sein beherrschen die beiden perfekt.

Wie viele Sterne gibst du «1899» Staffel 1?
1 Stimme

Besetzung: Emily Beecham | Andreas Pietschmann | Aneurin Barnard | Miguel Bernardeau | José Pimentão | Yann Gael | Maciej Musial | Lucas Lynggaard Tønnesen
Serie entwickelt von: Baran bo Odar | Jantje Friese
Genre: Mystery | Drama | Historie
D, 2022

The Crown (Staffel 5) – Der voyeuristische Blick auf den royalen Scheidungsstreit

Serienposter mit Schriftzug. Im Vordergrund unscharf das Gesicht einer Frau und eines Mannes. Im Hintergrund scharf eine Frau mit grauen Haaren und einem Diadem.
Schriftzug in Gold: Serien-Tipp Nr. 100
4 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (5 Staffeln, 60 Episoden à 45 Min.)

Hat «The Crown» ihren Glanz verloren? Die britische Presse geht teilweise hart ins Gericht mit der fünften Staffel. Es sei Zeit, die Serie endgültig abzusetzen, fordert der Guardian. Die BBC beschreibt sie als durchaus spannende, aber schlecht erzählte Seifenoper.

Die erfundenen Szenen sind die stärksten

Als Grundtenor ist rauszuhören: Es sei schon alles gesagt über die Windsors, deshalb verliere sich die Serie in langweiligen Nebengeschichten oder unnötigen Wiederholungen.

Eine Frau im grünen Kleid und mit Hut umgeben von festlich gekleideten Männern.
Elizabeth (Imelda Staunton) bei ihrer Rede zum 40-jährigen Thronjubiläum, in der sie das Jahr 1992 als «annus horribilis» für ihre Familie bezeichnet. Es wird noch schlimmer kommen. © Netflix

Ich komme nicht zu diesem Schluss. Der voyeuristische Blick hinter die Fassade des Königshauses, der die Serie ausmacht, funktioniert weiter bestens. Auch oder gerade weil vieles davon reine Fiktion ist, die um historische Ereignisse und Personen drapiert ist. Diese erfundenen Szenen, ob mit Haupt- oder Nebenfiguren, sind oft die stärksten Momente in «The Crown».

Der Traum endet in der Tragödie

Ein Erzählstrang hat mich aber zuerst auch irritiert. «The Crown» widmet eine ganze Episode Mohamed Al-Fayed. Ein bisschen viel Aufmerksamkeit für eine Figur, die nur als Vater von Dianas späterem Geliebten Dodi erwähnenswert scheint.

Eine lächelnde junge Frau sitzt neben einem älteren Mann.
Eine schicksalhafte Begegnung: Beim Pferderennen treffen sich Mohamed Al-Fayed (Salim Daw) und Diana (Elizabeth Debicki) zum ersten Mal. © Netflix

Es liegt aber auf der Hand, was die Serie beabsichtigt. Mohamed Al-Fayed ist seit seiner Jugend ein Bewunderer der britischen Monarchie. Als er es vom Strassenverkäufer zum reichen Mann geschafft hat, versucht Al-Fayed, sich Zugang zum britischen Adel und zum Königshaus zu erkaufen.

Reichlich Drama am Königshaus

Sein grosser Traum wird in Erfüllung gehen. Dank einem Treffen, das er arrangiert, werden Diana und sein Sohn Dodi in der nächsten Staffel ein Paar. Doch Mohameds Traum wird am 31. August 1997 in einer Tragödie enden. Diese Vorgeschichte zum Desaster, das kommen wird, passt zu den royalen Dramen, die «The Crown» erzählt.

Auch in der aktuellen Staffel gibt es reichlich Dramen. Prinz Philip befreundet sich mit einer jüngeren Frau. Die Beziehungen der Königskinder brechen auseinander, allen voran die Ehe von Charles und Diana. Die Trennung und spätere Scheidung des Thronfolgerpaars geschieht nicht still und vornehm, wie sich das die Königin wünschen würde, sondern laut und hässlich.

Eine Frau sitzt vor einem grossen Gemälde auf einem Sofa. Ihr gegenüber eine Frau und ein Mann auf Sesseln.
Diana und Charles (Dominic West) bei der Audienz mit der Königin, in der Elizabeth resigniert der Scheidung zustimmt. © Netflix
Charles und Diana fast versöhnt am Küchentisch

Die Klatschpresse druckt intime Telefonate zwischen Charles und Camilla Parker-Bowles ab. Diana gibt Martin Bashir ihr berühmtes BBC-Interview, in dem sie mit Charles und den Windsors abrechnet.

Der «War of the Waleses» gipfelt in «The Crown» aber nicht im Scheidungsstreit, sondern in Charles‘ Besuch bei Diana im Kensington Palace nach der Scheidung. Die beiden sitzen am Küchentisch und beklagen ihre gescheiterte Beziehung. Was versöhnlich und berührend beginnt, endet trotzdem im Zwist. Eine der stärksten Szenen von «The Crown».

Die Rehaugen als PR-Waffe

Fast etwas überraschend ist, wie ausbalanciert «The Crown» die Sympathien verteilt. Es ist nicht einfach böse Windsors gegen arme Diana – oder umgekehrt. Bei allem Mitgefühl für Diana wird klar, dass sie ihren berühmten Augenaufschlag sehr berechnend einsetzt. Und Charles und Camilla wird so etwas wie Verständnis und Empathie für ihre Situation zuteil.

Eine blonde Frau mit halb gesenktem Kopf und dem Blick nach oben.
Dianas treuherziger Blick beim Enthüllungsinterview mit der BBC. © Netflix

Die Queen und ihr Prinzgemahl machen inmitten der Skandale nicht die beste Figur. Ihr verstaubter viktorianischer Monarchiebegriff ist wenig hilfreich in der Krise, in der sich das Königshaus befindet. Es könnte sie dasselbe Schicksal ereilen wie die königliche Jacht Britannia. Ein Relikt aus glorreichen Tagen, das in die Jahre gekommen ist – und am Ende ausser Dienst gesetzt wird.

Die Queen wird nicht stillgelegt

Natürlich wird die Queen nicht stillgelegt wie ihre geliebte Jacht. Auch wenn Charles mehrmals die Idee propagiert, dass er frühzeitig übernehmen und die Monarchie erneuern könnte. 30 Jahre später sind wir an diesem Punkt angelangt. Mal schauen, was Charles III. verändern wird.

In «The Crown» werden wir nie so weit kommen. Die sechste Staffel wird die letzte sein. Und wir wissen schon, welcher Schicksalsschlag die Windsors ereilen wird. Was sich wohl nach dem Tod von Diana alles im Buckingham Palace ereignet hat? Wir dürfen gespannt sein, was sich «The Crown» dazu einfallen lässt.

Wie viele Sterne gibst du «The Crown» Staffel 5?
8 Stimmen

Besetzung: Imelda Staunton | Jonathan Pryce | Dominic West | Elizabeth Debicki | Claudia Harrison | Lesley Manville | Jonny Lee Miller | Olivia Williams | Claire Foy | Natascha McElhone
Serie entwickelt von: Peter Morgan
Genre: Historie | Drama
GB, 2022

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