Superman & Lois (Staffel 1) – Übelster US-Familien-Mief

Serienposter mit Schriftzug. Vier Menschen im Porträt, ein Mann, eine Frau, zwei junge Männer. Im Hintergrund ein ländliches Gebäude umgeben von Feldern.

Läuft bei: Sky Show (1 Staffel, 15 Episoden à 40 Min.)

Wie lässt sich die altbekannte Geschichte von Superman (Tyler Hoechlin) und seiner grossen Liebe Lois Lane (Elizabeth Tulloch) «neu» erzählen, möglichst langweilig und doof? «Superman & Lois» hat die ultimative Antwort gefunden: Man jubelt den beiden zwei pubertierende Söhne unter und steckt sie auf eine Farm in der Pampa. Die «Waltons» und «Little House on the Prairie» lassen grüssen.

Superman als American Dad

Dieser amerikanische Mief von heilem Familien- und Landleben wird von der ersten Minute an zelebriert. Ich habe mich immerhin durch drei Episoden durchgekämpft, bevor ich es endgültig nicht mehr ertragen habe.

Dabei reicht es eigentlich, die ersten vier Minuten anzuschauen. Dann weiss man, was einem droht: Supermans glückliche Kindheit im Kaff Smallville. Er zieht in die grosse Stadt, verliebt sich, Hochzeit, Zwillinge und nebenbei den Job als Superheld, den er aber nur macht, damit die Welt ein sicherer Platz ist für seine Familie.

Ein Mann trägt eine Frau in weissem Brautkleide auf den Armen.
Was fehlt bisher noch im Superman-Universum? Genau, der Kryptonier glücklich verheiratet als Familienvater. © CW / Sky
Mama Kent mahnt den Sohnemann

Das hat Superman von seiner Mama gelernt. Die sagt ihm auch zu Beginn klipp und klar: die Welt retten? Sch… drauf. «Du hast eine grössere Verantwortung – gegenüber deiner Familie und als Vater.»

Bitte, was? Der Mann, der im Alleingang alle Bösewichte der Welt zur Strecke bringen kann, soll besser mit seinen Söhnen ihre Pubertätsproblemchen besprechen? Zum Glück hat Mama Kent nicht mehr viele Gelegenheiten, solchen Stuss abzusondern, sondern segnet bald das Zeitliche.

Landliebe vom schlimmsten

Aber besser wird’s deshalb nicht. Im Gegenteil. Supi entdeckt die Landliebe neu und verfrachtet die ganze Familie aufs elterliche Anwesen in Smallville. Weil, findet auch Lois, aufm Land hat man mehr Zeit für – dreimal darf man raten – die Familie. Denn Supi will ein besserer Vater werden, vor allem für den einen seiner Söhne, der mit sich und der Welt grundsätzlich ein Problem hat.

Ein Mann mit einer Baseballmützer. Im Hintergrund Footballspieler.
Auch dieses Klischee wird bedient: Superman (Tyler Hoechlin) nimmt seine Vaterpflichten ernst und besucht das Footballspiel seines Sohnes. © CW / Sky

Es fehlen dann auch die High-School-Bullies nicht, die die Neuen aus der Stadt nicht mögen. Barbecues mit den ehrlichen, hart arbeitenden Landmenschen. Zudem gibt es den bösen Firmenchef, der nicht nur Lois‘ neuer Boss ist, sondern auch noch Smallville ausbeuten will. Und einen Erzfeind für Superman, der sich Captain Luthor nennt, und völlig erratisch auftaucht.

Superman hätte den Gnadentod verdient

Alles ist so vorhersehbar geplottet, dass einem das Gesicht einschläft. Ausser, man kann sich wieder mal über einen sülzigen Dialog aufregen. Wie es diese Serie zu bisher zwei Staffeln schaffen konnte und eine dritte auf sicher ist, ist mir ein Rätsel.

In der ersten Episode sticht Captain Luthor Superman ein Stück Kryptonit in die Brust. Superman hätte es stecken lassen sollen. Es wäre ein Gnadentod gewesen, der uns Zuschauer:innen viel Elend erspart hätte.

Wie viele Sterne gibst du «Superman & Lois» Staffel 1?
0 Stimmen

Besetzung: Tyler Hoechlin | Elizabeth Tulloch | Alex Garfin | Jordan Elsass | Dylan Walsh | Emmanuelle Chriqui | Indie Navarrette | Wolé Parks
Serie entwickelt von: Todd Helbing | Greg Berlanti
Genre: Superhelden | Action | Drama
USA, 2021

The White Lotus (Staffel 2) – Unterhaltsam, aber zu brav

Serienposter mit Schriftzug. Neun Personen im Porträt. Fünf Männer und vier Frauen. Eine Frau in pinkem Kleid sitzt auf einer grünen Vespa.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Sky Show (2 Staffeln, 13 Episoden à 55 Min.)

=> The White Lotus (Staffel 1)

Von Hawaii, wo die erste Staffel spielte, einmal um die halbe Welt nach Sizilien. Hier in Taormina steht das nächste Luxushotel der «White Lotus»-Kette, in dem eine Reihe illustrer Gäste ihre Ferien geniessen.

Wobei geniessen wohl das falsche Wort ist. Wie schon am Pazifik, gibt es auch am Mittelmeer Streit und Intrigen unter den Gästen.

Weniger Biss, weniger bösartig

Auch die Leiche zu Beginn fehlt nicht. Sie treibt im herrlich blaugrünen Meer in Strandnähe. Natürlich erfahren wir erst ganz am Schluss, wer hier das Zeitliche gesegnet hat und im Frachtraum statt in der First Class nachhause fliegt.

Die besten Voraussetzungen also, dass wir wieder mit hämischer Freude zuschauen können, wie sich ein paar reiche Urlauber:innen psychisch (und eben auch physisch) gegenseitig zerfleischen. Aber leider ist das Vergnügen nicht mehr ganz so gross wie in der ersten Staffel.

Eine entsetzte Frau schwimmt im Wasser. Sie hat den Mund weit offen.
Daphne (Meghann Fahy) entdeckt die Leiche, die im Wasser treibt. © HBO / Sky Show

Die Sizilien-Ausgabe von «The White Lotus» hat weniger Biss und Bösartigkeit als die vorherige Staffel. Die Konstellationen sind weniger spannungsgeladen, die Figuren teilweise fast sympathisch.

Vor allem vermisst man eine überkandidelte Figur wie Armond, den koksenden Hotelmanager, der die Schnauze so voll hatte von einem Hotelgast, dass er ihm in den Koffer kackte.

Ein Penis ist kein Sonnenuntergang

Am meisten Witz bieten zu Beginn die Di Grassos. Ihre Generationen-Unterhaltungen beim Abendessen sind amüsant. Grossvater Bert (F. Murray Abraham) flirtet mit der jungen Kellnerin trotz seiner 80 Jahre. Sohn Dominic (Michael Imperioli) und Enkel Albie (Adam DiMarco) finden das peinlich und abstossend.

Man würde doch hoffen, meint Albie, dass der Sextrieb bei alten Männern, also Männern über 50, vorbei sei. Deren «Gehänge» sei nur noch eine Zumutung für das andere Geschlecht. Bert hält dem entgegen: «Ein Penis ist eh nicht der schönste Anblick, ist schliesslich kein Sonnenuntergang.»

Drei unterschiedlich alte Männer unterhalten sich mit einer Frau.
Drei Generationen Di Grassos (Michael Imperioli, Adam Di Marco, F. Murray Abraham) wollen auf Sizilien ihre Herkunft erkunden. © HBO / Sky

Dominic sollte seinem Vater allerdings keine Vorhaltungen machen. Seine Frau und Tochter haben auf den Urlaub verzichtet, weil gerade mal wieder eine seiner Affären aufgeflogen ist. Was ihn nicht daran hindert, noch vor dem Abflug eine Prostituierte auf Sizilien zu buchen.

Wieder mit dabei: die schrille Tanya

Albie ist ganz anders als sein Vater und Grossvater. Er ist der Frauenversteher, der nette Kerl. Das bringt ihm aber keine Vorteile beim Dating. Das musste er schon ein paar mal erfahren und erlebt es auch auf Sizilien wieder. Die junge Frau, die er kennenlernt, beäugt lieber den tätowierten Macho im Swimmingpool, als mit Albie einen romantischen Spaziergang im Mondschein zu unternehmen.

Die junge Frau, Portia (Haley Lu Richardson), ist die Assistentin von Tanya (Jennifer Coolidge), die einzige Urlauberin, die schon auf Hawaii dabei war. Tanya schöpft wieder aus dem Vollen: High-Maintenance bis zum Abwinken, völlig ignorant gegenüber Mitmenschen.

Menschen auf einem Boot. Sie prosten sich zu.
Tanya (Jennifer Coolidge, 2. von rechts) findet neue Freunde auf Sizilien. HBO / Sky

Das kennen wir aber schon von Hawaii. Der Spass an ihrer Figur hält sich deshalb in Grenzen. Für neuen Wind sorgen dafür Quentin (Tom Hollander) und seine Freunde – eine Runde von illustren, schwulen Snobs, die sich begeistert um Tanya kümmern, als ihr Mann sie wegen dringenden Geschäfte sitzen lässt. Allerdings verfolgen Quentin und seine Freunde eine wenig selbstlose Agenda.

Blasse Einheimische

Schliesslich wälzen da noch zwei Paare ihre Beziehungsprobleme. Nicht völlig uninteressant, aber zu wenig ausgefallen, um wirklich zu begeistern. Die Einheimischen sind ebenfalls blasser als jene auf Hawaii, mit Ausnahme der beiden Callgirls (Simona Tabasco, letztes Jahr auf Netflix zu sehen in der empfehlenswerten 60er-Jahre Romanze «Luna Park», und Beatrice Grannò), die kräftig absahnen im Luxusresort.

Zwei junge Frauen schauen sich lächelnd an.
Mia (Beatrice Grannó) und Lucia (Simona Tabasco) holen nicht nur in Sachen Geld am meisten heraus aus dieser Woche im Luxusresort. © HBO / Sky

Ergötzen kann man sich aber an den Landschaften, Sehenswürdigkeiten und den Palazzi (eine kleine Übersicht der Drehorte). Und immer wieder beeindruckend am Horizont: der Ätna.

Die künstlerische Titelsequenz als Rätsel

Kunstinteressierten bietet «The White Lotus» ein bisschen Vergnügen abseits der Story. Immer wieder tauchen Vasen auf in der Form von menschlichen Köpfen. Die Legende hinter diesen «Teste di Moro» ist auch ein Storymotiv in der Serie.

Vor allem aber die Titelsequenz lässt einen eintauchen in Renaissance-Fresken des 16. Jahrhunderts. Allerdings sind es keine Originale, sondern für die Show produzierte Bilder, in denen Hinweise auf die Story versteckt sind.

Diese Nebenschauplätze entschädigen etwas dafür, dass die zweite Staffel von «The White Lotus» etwas weniger überzeugend gelungen ist als die Vorgängerin. Da die dritte Staffel bereits in Auftrag gegeben ist, können wir jetzt zu rätseln beginnen, wo sie wohl spielen wird.

Wie viele Sterne gibst du «The White Lotus» Staffel 2?
2 Stimmen

Besetzung: F. Murray Abraham | Jennifer Coolidge | Adam DiMarco | Meghann Fahy | Beatrice Grannò | Jon Gries | Tom Hollander | Sabrina Impacciatore | Michael Imperioli | Theo James | Aubrey Plaza | Haley Lu Richardson | Will Sharpe | Simona Tabasco
Serie entwickelt von: Mike White
Genre: Drama | Komödie
USA, 2022

Babylon Berlin (Staffel 4) – Morgenröte des Faschismus

Serienposter mit Schriftzug. Ein Mann und eine Frau je mit halber Gesichtshälfte erkennbar. Im Hintergrund eine Tanzhalle. In der Mitte ein roter Streigen mit SA-Leuten.
Fünf goldene Sternen

Läuft bei: Sky Show (4 Staffeln, 40 Episoden à 45 Min.) / ARD ab 2023

Es ist verstörend, wie wir Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) in der Silvesternacht 1930 wieder begegnen. Rath trägt eine SA-Uniform. Zusammen mit ein paar Dutzend Gesinnungsgenossen marodiert er durch die Strassen Berlins. Sie verprügeln jüdische Passanten und zertrümmern die Schaufenster jüdischer Geschäfte.

Der Faschismus unterwandert das System

Auch Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) ist entsetzt, als sie Rath in Uniform sieht. Sie wird erst viel später erfahren, was es mit Raths Mitgliedschaft in der SA auf sich hat. Bis dahin will sie nichts mehr von ihm wissen.

Die vierte Staffel «Babylon Berlin» rückt den aufkommenden Nationalsozialismus ins Rampenlicht. Die Nazis sind politisch zwar immer noch eine Randerscheinung. Es gibt auch einen parteiinternen Putschversuch gegen Hitler, den die Serie thematisiert. Aber der Faschismus gewinnt an Boden und unterwandert langsam das System.

Drei Männer in braunen Uniformen. Einer sitzt am Tisch und raucht.
SA-Mann Walther Stennes (Hanno Koffler, Mitte) plant einen Coup gegen die Münchner Parteizentrale der NSDAP. © Frédéric Batier/ARD/SKY
Das jüdische Berlin als Kontrast

In Kontrast dazu steht die Geschichte um Abraham Goldstein (Mark Ivanir). Mit ihm tauchen wir ein in das jüdische Leben in Berlin in dieser Zeit. Eine Welt, die «ein substanzieller Bestandteil der Stadt war und das Leben prägte und befruchtete», wie Regisseur Tom Tykwer betont.

Abe Gold, wie er sich jetzt nennt, ist allerdings nicht zum Vergnügen aus den USA nach Berlin gereist. Ein Schmuckstück ist aufgetaucht, das seiner Familie gestohlen wurde. Der Diamant ist im Besitz einer wohlbekannten Figur: Alfred Nyssen (Lars Eidinger).

Zwei Männer in Mänteln und mit Hüten stehen vor einem Backsteineingang.
Jakob Grün (Moisej Bazijan, rechts) hat den «Blauen Rothschild» wiederentdeckt, ein Diamant, der der Familie von Abraham Goldstein (Mark Ivanir) gehörte. © Frédéric Batier/ARD/SKY
Nyssens Anfälle – ein Genuss

Er kennt den Hintergrund nicht, wie der Diamant in den Safe seiner Familie kam. Das kümmert Goldstein wenig. Er erpresst Nyssen, entführt seine Frau und seine Mutter, um den Stein wiederzubekommen.

Nyssen bekommt darauf einen seiner theatralischen Anfälle, färbt sich die Haare weissblond und spielt sich seine Verzweiflung an der Orgel vom Leib. Lars Eidinger zuzuschauen, wie er den exaltierten Firmenerben spielt, ist ein Genuss.

Aber zurück auf die Strassen von Berlin. Dort liefern sich die Ringvereine einen blutigen Bandenkrieg. Gereon Rath will den mit einer sehr ungewöhnlichen Idee beenden. Charlottes Schwester Toni (Irene Böhm) wird von korrupten Polizisten gejagt. Dahinter versteckt sich ein grösserer Skandal, dem Charlotte langsam auf die Spur kommt.

Eine junge rothaarige Frau in einem schäbigen Mantel und in Handschellen wird von einem Polizisten abgeführt. Im Hintergrund eine Landkarte.
Weil sie zu viel weiss, trachten Toni Ritter (Irene Böhm) ein paar korrupte Polizisten nach dem Leben. © Frédéric Batier/ARD/SKY
Beeindruckendes Zeitgemälde

Das ist bei weitem nicht alles, was zu sehen ist. Es wird spioniert. Im Boxring kämpft Johann «Rukeli» Trollmann, fiktiv der Halbbruder von Charlotte, tatsächlich eine historische Figur. Und im Moka Efti wird bei einem Marathon getanzt bis zum Umfallen.

«Babylon Berlin» überzeugt auch in der vierten Staffel als beeindruckendes Zeitgemälde. Starke Figuren inmitten von Dramen, Verbrechen und ein paar wenigen Momenten des Glücks und der Freude in einer Zeit des radikalen Umbruchs. Diese Serie darf gerne noch lange weitergehen, wenn sie diese Qualitäten beibehält.

Max Raabe schrieb den Song zur vierten Staffel «Ein Tag wie Gold». Video unbedingt ansehen! Bietet einen fantastischen Blick auf die Stimmung der Serie.

Volker Bruch und die «Querdenker»

Bleibt noch die Frage: Wie stark schadet Hauptdarsteller Volker Bruch der Serie? Seine Eskapaden in die Untiefen der «Querdenker»-Szene gaben viel zu reden.

Die Regisseure zeigten sich in einem «Spiegel»-Interview zwar leicht über Bruch genervt. Mehr aber noch über die vielen Journalistenfragen dazu. Weil diese Diskussion davon ablenke, sagt Tykwer, dass die vierte Staffel «die politisch druckvollste [ist] und ein klares antifaschistisches Statement». Und dazu leistet Bruch als Gereon Rath seinen Beitrag.

Ein Mann mit Hut, Anzug und hellbraunem Mantel im Nebel.
Möglich, dass Volker Bruchs Sinne etwas vernebelt sind. Seinem Auftritt als Gereon Rath tut das keinen Abbruch. © Frédéric Batier/ARD/SKY
Immun gegen Empörungsaktivismus

Tatsächlich war auch kaum was zu sehen von Shitstorm oder Boykottaufrufen gegen die Serie. Erfreulich, dass herausragende Unterhaltungskunst immun sein kann gegen Empörungsaktivismus.

Wie viele Sterne gibst du «Babylon Berlin» Staffel 4?
31 Stimmen

Besetzung: Volker Bruch | Liv Lisa Fries | Lars Eidinger | Hannah Herzsprung | Fritzi Haberlandt | Benno Fürmann | Meret Becker | Ronald Zehrfeld | Mark Ivanir
Serie entwickelt von: Henk Handloegten | Tom Tykwer | Achim von Borries
Genre: Drama | Krimi | Historie
D, 2022

House of the Dragon (Staffel 1) – Noch tanzen die Drachen nicht so richtig

Serienposter mit Schriftzug. Eine Frau in langem roten Gewand. Dahinter ein Drachenkopf.

Läuft bei: Sky Show und bei Play RTS (Engl./franz. UT) (1 Staffel, 10 Episoden à 50 Min.)

Jetzt sind sie also zurück. Die Targaryens. Mit mehr und grösseren Drachen. Andere vertraute Namen aus «Game of Thrones» erklingen ebenfalls: Lannister, Stark oder Baratheon. Aber sie spielen nur Nebenrollen.

Intrigen um die Thronfolge

172 Jahre vor der Geburt von Daenerys Targaryen tauchen wir wieder ein in George R.R. Martins Fantasiewelt der sieben Königreiche. In King’s Landing sitzt Viserys I (Paddy Considine) auf dem Iron Throne, der Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Grossvater von Daenerys.

Obwohl Viserys fast die ganze erste Staffel von «House of the Dragon» herrscht, geht es weniger um ihn. Die grosse Frage lautet, wer nach ihm den Iron Throne besteigen wird. Wie nicht anders zu erwarten, wird dieser Machtkampf ausgefochten durch Intrigen, Verrat und Mord.

Ein Mann mit langen weissen Haaren sitzt an einem Tisch.
Viserys der Friedvolle (Paddy Considine) hat eine relativ ruhige Regentschaft. Seine grösste Herausforderung ist es, die Frage der Thronfolge zu regeln. © HBO / Sky
Königstochter gegen Königssohn

Zwei Anwärter:innen stehen bereit, die Krone zu tragen. Rhaenyra Targaryen (Milly Alcock, Emma D’Arcy), die Tochter des Königs. Nach dem Tod seiner ersten Frau hat Viserys sie offiziell zu seiner Nachfolgerin ausgerufen. Er bricht damit mit der Tradition, dass nur männliche Nachkommen als Thronfolger in Frage kommen.

Viserys hält an seinem Entschluss fest, selbst nachdem er mit seiner zweiten Frau Alicent Hightower (Emily Carey, Olivia Cooke), die beste Freundin von Rhaenyra, zwei Söhne zeugt. Doch es gibt Kräfte am Hof, die sich für den erstgeborenen Sohn Aegon (Tom Glynn-Carney) als Thronfolger starkmachen.

Der Machtkampf beginnt – ein bisschen

Allen voran die rechte Hand des Königs. Otto Hightower (Rhys Ifans) ist zugleich Alicents Vater. Er wittert die Chance, die Macht seines Hauses mit einem Sprössling auf dem Thron zu verankern.

Zwei junge Männer mit weissen Haaren. Einer trägt eine schwarze Augenklappe.
So grimmig und finster wie sie dreinschauen, sind sie auch. Die Söhne Aegon (Tom Glynn-Carney) und Aemond (Ewan Mitchell) von König Viserys und Alicent Hightower. © HBO / Sky

Damit sind die Pflöcke eingeschlagen, wer sich im Kampf um den Iron Throne gegenüber steht. Der Machtkampf kann beginnen. Tut er auch ein wenig. Aber erst gegen Ende der Staffel zeichnet sich ab, dass nicht nur böse Blicke ausgetauscht werden, sondern auch Blut fliessen wird.

Von der Freundin zur Feindin

Wer George R.R. Martins Bücher kennt, weiss, dass am Horizont der «Dance of the Dragons» dräut. Den Bürgerkrieg im Reich der Targaryans werden wir aber erst in der zweiten Staffel erleben. Von daher ist diese erste Staffel so etwas wie ein langes Vorspiel, dem die Dramatik aber durchaus nicht abgeht.

Da ist die Freundschaft der jungen Rhaenyra mit Alicent, die sich über die Jahre wandelt. Beiden wird bewusst, dass ihnen und ihren Kindern die Auslöschung droht, sollte der andere Zweig den Thron besteigen. Die Freundinnen werden etwas widerwillig zu Feindinnen.

Zwei junge Frauen in langen, wallenden Gewändern. Eine Frau hält ein grosses Buch in der Hand.
Ein Bild aus unbeschwerten Tagen, als Alicent (Emily Carey) und Rhaenyra (Milly Alcock) noch beste Freundinnen waren. © HBO / Sky

Verantwortlich für die Eskalation sind vor allem die Männer im Hintergrund. Alicents Vater und auf der Seite von Rhaenyra ihr Onkel Daemon (Matt Smith) schüren den Kampf um die Macht.

Das bekannte Rezept von «Game of Thrones»

«House of the Dragon» muss sich logischerweise dem Vergleich mit «Game of Thrones» (GoT) stellen. Dem hält die Serie locker stand, wenn man sich an die letzten zwei Staffeln erinnert, die ziemlich schlampig und gehetzt das grosse Epos beendeten.

Aber auch in der Gesamtschau fällt das Prequel zu GoT keineswegs ab. Die bekannten Zutaten von Machtgelüsten, hinterhältigen Plänen und skrupellosen Morden funktionieren auch hier bestens. Die Figuren sind gewohnt ambivalent, nur gute Seelen gibt es keine.

Ein Zyniker wird vermisst

Manche Charaktere wie Daemon Targaryan widern einen zuerst an, dann versöhnt man sich ein wenig. Am Schluss stellt man konsterniert fest, dass wohl doch die hässliche Seite überwiegt. Ein Wechselbad der Gefühle.

Ein Mann mit weissem Haar steht in einem Gebäude mit hohen Säulen. Seine Hände stützt er auf den Schwertknauf.
Eitel und machthungrig zu Beginn, als Daemon Targaryen (Matt Smith) seiner Nichte Rhaenyra noch den Thron streitig machen wollte. © HBO / Sky

Was im Panoptikum aber leider fehlt, ist der zynische Blick eines Tyrion Lannister. Seine spitzen Bemerkungen waren erfrischend und liessen die absurde Seite dieser Welt der Mächtigen aufblitzen.

Lasst die Drachen los

Zu grinsen gibt es deshalb bei «House of the Dragon» nichts. Aber genug Spannung, dass man immer wieder die Fingernägel in die Armlehne krallt. Man lasse also die Drachen gerne richtig tanzen in der zweiten Staffel.

Wie viele Sterne gibst du «House of the Dragon» Staffel 1?
49 Stimmen

Besetzung: Emma D’Arcy | Milly Alcock | Matt Smith | Paddy Considine | Rhys Ifans | Olivia Cooke | Emily Carey | Eve Best | Sonoya Mizuno | Steve Toussaint | Fabien Frankel | Harry Collett | Tom Glynn-Carney | Graham McTavish
Serie entwickelt von: Ryan J. Condal | George R.R. Martin
Genre: Fantasy | Abenteuer | Drama
USA, 2022

The Resort (Staffel 1) – Mystisches Abenteuer als Paartherapie

Serienposter. Frau und Mann auf einem Weg im Urwalt. Schriftzug The Resort
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Sky Show(1 Staffel, 8 Episoden à 35 Min.)

Emma (Cristin Milioti) und Noah (William Jackson Harper) gönnen sich zu ihrem zehnten Hochzeitstag Ferien in einem All-Inclusive-Resort in Mexiko. Zum Feiern scheint es den beiden aber wenig zumute zu sein.

Spurlos verschwunden

Die Ferien dienen offensichtlich dazu, herauszufinden, ob ihre Ehe noch zu retten ist. Da kommt ihnen ein Abenteuer sehr gelegen, das sie vielleicht wieder zusammenbringt.

Emma entdeckt bei einem Ausflug mitten im Urwald ein altes Mobiltelefon. Es gehörte Sam (Skyler Gisondo), der vor 15 Jahren zusammen mit seiner Ferienbekanntschaft Violet (Nina Bloomgarden) spurlos verschwunden ist.

Emma und Noah im Gespräch. Hinter ihnen Urwald. Sie sind verschwitzt.
Im Urwald suchen Emma (Cristin Milioti) und Noah (William Jackson Harper) nach zwei Vermissten, aber eigentlich noch mehr nach dem Sinn ihrer Ehe. © Peacock / Sky
Reise zur magischen Höhle

Emma und Noah finden auf dem Mobiltelefon Textnachrichten und Bilder. Sie folgen den Spuren und finden ein verfallenes Hotel, in dem Sam Ferien machte. Ihre Ermittlungen führen die beiden Hobbydetektive weiter zu einer einflussreichen Familie, einem Schriftsteller und einer magischen Höhle.

Einschätzung

«The Resort» beginnt ziemlich schwerfällig. Die beiden ersten Episoden ziehen sich in die Länge, ohne dass die Handlung entscheidend vorangetrieben wird.

Danach wird es unterhaltsamer. In Rückblenden erfahren wir, wie Sam und Violet zueinandergefunden haben. Zwei neue Figuren tauchen auf.

Das schwarze Schaf und der Exzentriker

Da ist einerseits Baltasar (Luis Gerardo Méndez), der zu der einflussreichen Familie Frias gehört, aber seinen eigenen Weg gegangen ist. Baltasar arbeitete in dem Hotel, in dem Sam und Violet wohnten, bevor sie verschwanden.

Baltasar im braunen Anzug mit Krawattel. Er steht vor Palmen.
Baltasar (Luis Gerardo Méndez) hat seine eigene unbewältigte Vergangenheit, die ihn mit den beiden Verschwundenen verbindet. © Peacock / Sky

Das Hotel gehörte dem exzentrischen Alex (Ben Sinclair). Er leidet an einer eigentümlichen Krankheit namens «Tempus Exhaurire». Als Folge verliert er seine Erinnerungen.

Die mystische Reise zu sich selbst

Beide haben ihre eigene Geschichte, die sie mit Sam und Violet verbindet, und gleichzeitig um das Thema kreisen, das sich langsam als Grundzug der Serie herauskristallisiert: Die Vergangenheit, die Erinnerung, unser Umgang damit, und wie das unser Leben formt.

In den letzten Episoden wird die Suche nach den Verschwundenen für Emma, Noah und auch Baltasar immer mehr zu einer mystisch angehauchten Reise zu sich selbst. Am Schluss finden sie Antworten auf Fragen, die sich ihnen stellten.

Violet und Sam in Freizeitkleidung, Hinter ihnen Urwaldbäume.
Mit dem Buch über Zeitreisen von Violet (Nina Bloomgarden) und dem Telefon von Sam (Skyler Gisondo) beginnt alles. © Peacock / Sky
Interessant, aber nicht ganz überzeugend

Doch eine Frage bleibt offen: Was genau haben wir da gerade gesehen? Eine Geschichte, die zu Beginn an «The White Lotus» erinnert, sich am Ende aber etwas anfühlt wie eine Fantasiewelt à la Narnia.

Immerhin: «The Resort» findet ein Ende, das diesen Namen verdient. Der Weg dahin ist leidlich interessant. Wirklich originell und überzeugend ist die Geschichte aber nicht.

Ebenso etwas enttäuschend: «The Resort» wird auch als Komödie angepriesen. Das finde ich nicht zutreffend. Schade vor allem, weil William Jackson Harper sein komödiantisches Talent als Chidi Anagonye in «The Good Place» bewiesen hat.

Wie viele Sterne gibst du «The Resort» Staffel 1?
4 Stimmen

Besetzung: Cristin Milioti | William Jackson Harper | Luis Gerardo Méndez | Skyler Gisondo | Nina Bloomgarden | Gabriela Cartol | Nick Offerman | Dylan Baker
Serie entwickelt von: Andy Siara
Genre: Mystery | Thriller | Abenteuer
USA, 2022

Mr. Mayor (Staffel 1&2) – Sonniger Humor im Rathaus von L.A.

Läuft bei: Sky (2 Staffeln, 20 Episoden à 20 Min.)

Eigentlich hat sich Neil Bremer (Ted Danson) schon lange zur Ruhe gesetzt. Er ist mit Strassenreklamen reich geworden, was er bei jeder unpassenden Gelegenheit gerne erwähnt, und widmete sich nach der Scheidung der Betreuung seiner Tochter Orly (Kyla Kenedy).

Keine Ahnung von Politik

Neil bekommt das Gefühl, seine Teenager-Tochter halte nicht so viel von ihm, weil sie nie mitbekommen hat, wie erfolgreich er als Geschäftsmann war. Deshalb will er ihr und sich beweisen, dass er es immer noch drauf hat.

Er kandidiert als Bürgermeister von Los Angeles und gewinnt – zum Entsetzen seiner Wahlkampfleiterin Mikaela Shaw (Vella Lovell). Denn von Politik hat Neil keine Ahnung. Aber er glaubt, seine Erfahrung als Firmenboss mache das mehr als wett.

Neil Bremer (Ted Danson) muss sich als Bürgermeister mit den Problemen der Angelenos herumschlagen. © Sky/NBCUniversal
Das Desaster mit den Strohhalmen

Logisch, dass das nicht genügt, um sich im Polit- und Verwaltungsdschungel der Stadtregierung zu behaupten. Gleich mit seinem ersten Amtsakt erleidet er doppelten Schiffbruch.

Neil will Strohhalme in ganz L.A. verbieten. Eine Idee, mit der seine Tochter fürs Schulparlament kandidieren wollte, und jetzt sauer ist, dass er sie ihr geklaut hat.

Noch schwerwiegender ist der Widerstand, den die Stadtabgeordnete Arpi Meskimen (Holly Hunter) organisiert. Sie wirft dem Bürgermeister vor, er wolle die Behinderten diskriminieren, die auf Strohhalme zum Trinken angewiesen seien.

Die erfahrene und leicht exzentrische Stadtabgeordnete Arpi Meskimen (Holly Hunter) wird von der politischen Gegnerin zur Verbündeten. © Sky/NBCUniversal
Weitere Pleiten und Pannen folgen

Neil löst das Problem elegant. Er engagiert Arpi als Stellvertreterin. Damit holt er jemanden an Bord, der ihn und sein Team mit den Finessen der Politik in L.A. vertraut macht.

Denn die Strohhalm-Affäre war nur der Anfang der Schwierigkeiten, mit denen sich Mayor Bremer auseinandersetzen muss. Dass er dabei auch mal Mariuhana-Gummibärchen isst, hilft nicht zwingend.

Einschätzung

Mit Tina Fey und Robert Carlock stehen zwei Sitcom-Schwergewichte hinter «Mr. Mayor». Die beiden zeichneten verantwortlich für die grossartige Mediensatiresatire «30 Rock» und die schräge Komödie «Unbreakable Kimmy Schmidt».

Sonniger Humor

Dass die beiden die Handlung von New York nach L.A. verlegt haben, scheint sich auf die Machart auszuwirken. Der Humor ist sonniger und fröhlicher geworden, verglichen mit den manchmal bösartig zynischen Vorläufern. Geblieben sind die hoch getaktete Pointenkadenz und ein sehr gefälliges Figurenensemble.

Dem reichen Neil Bremer, der wert darauflegt, dass er zu den 0,1 Prozent und nicht nur zu den 1 Prozent gehört, steht Arpi Meskimen gegenüber. Für US-amerikanische Verhältnisse ist sie eine Linksradikale, die die Stadt eigentlich für ein ökologisches Verbrechen hält. Nicht ohne Grund habe hier vor den Weissen niemand gesiedelt.

Die Generation Instagram übernimmt das Rathaus

Mikaela Shaw und Tommy Tomàs (Mike Cabellon) sind die Millenials im Ratshaus. Jung und als Stabschefin und Chefstratege die Bosse in der Verwaltung, ziemlich überheblich gegenüber allen, die älter sind als 35 und nicht mindestens 1000 Follower auf Instagram haben.

Tommy (Mike Cabellon) und Mikaela (Vella Lovell) sollten eigentlich den Laden schmeissen, aber sind manchmal auch leicht überfordert. © Sky/NBCUniversal

Unter denen ist auch Jayden (Bobby Moynihan), der Kommunikationschef des Rathauses, der als Altlast aus der vorherigen Administration rumdümpelt und fliessend «Dothraki» spricht. Von seinem eigentlichen Job hat er aber keine grosse Ahnung.

Von der Avocado-Krise zur Läuseplage

Und nicht zuletzt sorgt Orly als Teenager für manch amüsante Episode, wenn sie sich mal wieder mit ihrem Vater anlegt. Etwa wenn der ihr Sex nur aus Liebe empfiehlt, gleich anschliessend eine Escortdame trifft und sie das herausfindet.

Dieser Truppe zuzuschauen, wie sie eine Avocado-Krise bewältigen muss, dem Nobelquartier eine Recyclinganlage schmackhaft machen will oder mit der unvorhergesehen Läuseplage umgeht, die die kostenlos verteilten Scooterhelme verursachen, ist amüsant.

Andie MacDowell wehrt sich als Bewohnerin des Nobelviertels Brentwood gegen eine Recyclinganlage in der Nachbarschaft und verdreht dem Bürgermeister den Kopf. © Sky/NBCUniversal
Schluss nach zwei Staffeln, aber es gibt eine Alternative

«Mr. Mayor» ist bestens geeignet, um sich am Abend mit drei Episoden eine Stunde lang unbeschwert zu vergnügen. Wenn die beiden Staffeln durch sind, ist allerdings Schluss. Die Serie wurde nicht verlängert.

Es gibt aber eine andere Komödie mit Ted Danson, die sogar noch besser ist. Wer «The Good Place» nicht kennt – unbedingt schauen. Alle vier Staffeln sind auf Netflix.

Wie viele Sterne gibst du «Mr. Mayor» Staffel 1&2?

Besetzung: Ted Danson | Holly Hunter | Vella Lovell | Mike Cabellon | Kyla Kenedy | Bobby Moynihan
Serie entwickelt von: Tina Fey | Robert Carlock
Genre: Komödie
USA, 2021

The Undeclared War (Staffel 1) – Cyberthriller mit zu viel Zeitgeist-Beigemüse

3 von 5 Sternen

Läuft bei: Sky (1 Staffel, 6 Episoden à 45 Min.)

Saara Parvin (Hannah Khalique-Brown) hat ihren ersten Arbeitstag als Praktikantin in den «Government Communications Headquarters» (GCHQ). Die britische Regierungsbehörde ist für die Cybersicherheit des Landes zuständig.

Die Praktikantin stellt die Nerds in den Schatten

Saara hat ein gutes Timing. Es wird gleich spannend, weil eine russische Cyberattacke Teile des britischen Internets lahmlegt. Die blitzgescheite IT-Studentin beweist, was sie drauf hat. Sie findet in der russischen Malware den Code für eine zweite Angriffsstufe.

In den GCHQ klopft man sich gegenseitig auf die Schultern: well done, let’s go for a pint! Dabei war das erst der Anfang des russischen Angriffs.

Saara (Hannah Khalique-Brown) macht sich nicht nur Freunde unter den GCHQ-Codern, als sie einen zweiten Angriffscode entdeckt. © Sky/NBCUniversal
Nur die Vorstufe zum richtigen Krieg

Was die Russen im Schilde führen, erfahren wir durch Vadim (German Segal). Er war auf derselben Uni wie Saara, wurde aber nach Russland zurückbeordert. Er landet beim Geheimdienst (FSB) als Coder in der Abteilung, die den Angriff auf Grossbritannien orchestriert.

Vadim ist entsetzt, als er die Ziele des Angriffs erfährt. Der FSB nimmt einen heissen Krieg mit den Briten in Kauf. Deshalb versteckt Vadim in der Malware eine Botschaft für ein Treffen.

Die Gefahr nicht erkannt

Saara entschlüsselt die Botschaft und trifft Vadim, der sie vor einer dritten Angriffswelle warnt. Allerdings kann er keine genauen Angaben machen, wie und wo die Russen zuschlagen werden. Für Saaras Vorgesetzten Danny (Simon Pegg) ist die Warnung zu vage. Saara muss auf eigene Faust weitersuchen.

Einschätzung

In den letzten beiden Episoden wird «The Undeclared War» richtig spannend. Die Russen sabotieren die britischen Parlamentswahlen, auf der Strasse protestieren Hunderttausende, die Regierung steht unter Druck und beschliesst massive Vergeltungsschläge gegen Russland.

Was will die Serie bloss?

Um so weit zu kommen, braucht es aber Durchhaltewillen. Die Serie hat zu viele Mängel und erweckt durchgehend den Anschein, dass sie nicht so genau weiss, was sie eigentlich will.

Natürlich: Der Cyberwar ist ein zentrales Thema. Das ist sogar witzig inszeniert. Wenn Saara sich an die Tastatur setzt und auf dem Bildschirm die Codezeilen vorbeiflimmern, wechselt die Szenerie. In einer Art Virtual Reality wandert Saara bewaffnet mit einem Werkzeuggürtel durch Gebäude und versucht Schlösser zu knacken und Hinweise zu finden.

Unterwegs in der Malware: Statt langweilige Codezeilen durchforstet Saara Gebäude. © Sky/NBCUniversal
Zeitgeist ohne Ende

Aber dann ist da auch Rassismus. Saara ist Muslima, ihr Bruder entsetzt, als er erfährt, dass sie für den repressiven Staatsapparat arbeitet, unter dem ihre Gemeinschaft zu leiden hat. Familiär kommen unbewältigte Probleme mit ihrem Vater dazu.

Rechtsnationale Hooligans tauchen auch auf, aufgewiegelt durch Medien, die Fake News verbreiten. Die Schlägertruppe überfällt ein linkes Aktivistencamp, in dem Saaras Freund verkehrt. Die Polizei schaut dabei zu und grinst hämisch.

Klar, altbacken geht heute nicht mehr

Und was mit non-heteronormativ gibt es auch: Saara verliebt sich am neuen Arbeitsort. Sie geht nicht mit einem Kollegen fremd, sondern mit der NSA-Verbindungsfrau.

Es leuchtet mir völlig ein, dass der Autor Peter Kosminsky versucht, eine altbackene Inszenierung zu vermeiden, in der sich das Geschehen auf der Chefetage mit alten weissen Männern abspielen würde. Aber auch das funktioniert nur, wenn der Plot fokussiert und die alternativen Hauptfiguren überzeugend und konsistent sind.

Die Chefetage – hier eine Krisensitzung des Kabinetts – spielt nur die zweite Geige in der Story. © Sky/NBCUniversal
Zu viel gewollt und deshalb überladen

Das ist hier nicht der Fall. Die Geschichte mäandert vom Politthriller zum Familiendrama, von der Liebesgeschichte (übrigens mit Vadim alles auch in russischer Version erhältlich) bis zur Gesellschafts- und Medienkritik.

Logischerweise wirken die Hauptfiguren deshalb überladen und unbeständig. Man fragt sich dauernd, worauf es bei ihren Figuren jetzt eigentlich ankommt.

Hätte spannend sein können, wenn …

Schwierig wird es auch, wenn man Schauspieler wie Simon Pegg und allen voran Mark Rylance in die zweite Reihe stellen will. Sobald Rylance im Bild ist, verblasst alles rundum. Da hat Saara als Figur und Hannah Khalique-Brown als Schauspielerin keine Chance.

Wenn «The Undeclared War» tatsächlich nur die titelgebende Geschichte erzählen würde, wäre die Serie womöglich spannend. So irritiert sie mit durcheinander gewürfelten Erzählsträngen, die der Serie weder Tiefe noch Vielfalt verleihen.

Mark Rylance dominiert jede Szene, in der er vorkommt. Nicht nur, wenn die Kamera auf ihn fokussiert. © Sky/NBCUniversal
Einen Extra-Stern für Mark Rylance

Deshalb gibt es nur 2 Sterne, plus einen Stern für Mark Rylance, der auch in seiner winzigen Nebenrolle wieder mal glänzt. (Wahrscheinlich spielte er nur mit, weil er mit Kosminsky befreundet ist. Die beiden haben bei «Wolf Hall» zusammengearbeitet. Diese Serie, basierend auf dem Buch der kürzlich verstorbenen Hilary Mantel, war sehr gut).

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «The Undeclared War» Staffel 1?

Besetzung: Hannah Khalique-Brown | Simon Pegg | Maisie Richardson-Sellers | Edward Holcroft | Adrian Lester | Mark Rylance | German Segal | Alex Jennings | Tinatin Dalakishvili
Serie entwickelt von: Peter Kosminsky
Genre: Thriller | Science-Fiction | Drama
GB, 2022

The Lazarus Project (Staffel 1) – Und täglich grüsst der Weltuntergang

3 von 5 Sternen

Läuft bei: Sky (1 Staffel, 8 Episoden à 45 Min.)

Die schlechte Nachricht: In den letzten Jahrzehnten ist die Welt mehrmals untergegangen, die Menschheit wurde ausgelöscht. Meist durch Atomkriege wie 1962 als Folge der Kuba-Krise, 1971 durch den Konflikt zwischen Indien und Pakistan oder auch durch eine weltweite Pandemie wie 2020.

«Lazarus» lässt die Welt wiederauferstehen

Die gute Nachricht: Es gibt eine geheime Organisation, die diese Weltuntergänge verhindert. «The Lazarus Project» dreht die Zeit zurück und beeinflusst den Lauf der Dinge so, dass die Welt nicht zerstört wird.

Zwei Frauen im Vordergrund. Dahinter weitere Menschen. Sie schauen zu einer Anzeige empor, die nicht im Bild zu sehen ist.
In der Zentrale der Zeitwirtschaft: Wes (Caroline Quentin), die Herrin über die Zeitsprünge und Agentin Archie (Anjli Mohindra). © Sky

Von diesen Zeitsprüngen zurück auf jeweils den 1. Juli des Jahres merkt die normale Bevölkerung nichts. Nur die Lazarus-Agent:innen nehmen das wahr, weil sie ein Serum injiziert bekommen haben. Dann gibt es noch extrem seltene Fälle von natürlicher Wahrnehmung der Zeitsprünge.

George wird «Lazarus»-Agent

George Addo (Paapa Essiedu) gehört zu den wenigen Menschen, die diese Fähigkeit besitzen. Er wacht am 1. Juli 2022 auf und erlebt exakt denselben Tag nochmal. George zweifelt an seinem Verstand, bis er von Archie (Anjli Mohindra) kontaktiert wird.

Die Lazarus-Agentin erklärt ihm, dass «Lazarus» mal wieder die Zeit zurückdrehen musste und rekrutiert George für das Projekt. George findet den neuen Job spannend. Doch dann trifft ihn ein Schicksalsschlag.

Ein Paar schlendert lächelnd vor einem Parkplatz vorbei.
Für George (Paapa Essiedu) gab es eine kurze Zeit, als er unbeschwert mit seiner Freundin Sarah (Charly Clive) zusammen lebte. © Sky
Die Freundin retten durch den Weltuntergang

Seine Freundin Sarah (Charly Clive) kommt ums Leben. Mit einem Zeitsprung könnte «Lazarus» das ungeschehen machen. Aber damit die Maschinerie in Gang gesetzt wird, muss George zuerst den Weltuntergang herbeiführen.

Einschätzung

Was? Wer? Wie? Warum? Am Anfang ist es gerade ein bisschen viel, was einem «The Lazarus Project» zumutet.

Die Frau am Zeitsprung-Drücker

Irgendwo steht eine Maschine, die die Erde rückwärts um die Sonne rotieren lässt und damit die Zeit zurückdreht. Soll irgendwie mit Quantenmechanik funktionieren, heisst es.

Den Befehl für den Zeitsprung gibt eine einzelne Person: Wes (Caroline Quentin), die Chefin des «Lazarus Projects». Höhere Mächte werden zwar angedeutet, aber der ganze Prozess scheint nicht besonders demokratisch organisiert.

Mann mit krausem Haar hält eine Waffe schussbereit.
Die «Lazarus»-Agenten wie hier Shiv (Rudi Dharmalingam) sind unzimperlich, wenn es darum geht, den Weltuntergang zu verhindern. © Sky
Keine Serie für Wahrscheinlichkeitskrämer:innen

Vor allem, wenn man sich noch vorstellt, dass der Zeitsprung wahrscheinlich das ganze Universum betrifft. Was sagen die Aliens dazu? Und wieso entwickelt George von einem Tag auf den anderen die Fähigkeit, die Zeitsprünge wahrzunehmen? War da was mit Eiweissmutation?

Wer all diese Fragen nicht beiseiteschieben kann und sich nicht einfach auf die Prämissen der Serie einlässt, der:die sollte die Finger davon lassen.

Die Tragik der Zeitsprünge

Wenn man sich darauf einlässt, gibt’s dafür eine ansprechend spannende und unterhaltsame Geschichte mit viel Action, die der ganzen Zeitsprung-Thematik auch noch einen emotionalen Twist abringt.

Da gibt es etwa eine Agentin, die ein Kind bekommen hat. Es droht aber ein Zeitsprung, der vor ihre Schwangerschaft führen würde. Das Kind würde nie gezeugt. Sie fleht Wes vergeblich an, den Befehl nicht zu geben. Es kommt dann noch schlimmer mit dem zweiten Kind.

Ein Paar sitzt auf einem Bett. Die schwangere Frau hält eine Hand auf ihren Bauch.
Janet (Vinette Robinson) und Rebrov (Tom Burke) wenden sich nach einer Zeitsprung-Tragödie vom «Lazarus-Project» ab. © Sky
Kein Happy End, sondern ein Cliffhanger

Auch Georges Mission, seine Freundin von den Toten auferstehen zu lassen, nimmt eine unerwartete Wendung. Glücklicherweise dient diese etwas allzu rührselige Geschichte nur als Katalysator für Action und Intrigen.

Störend allerdings: Die Serie schliesst zwar einen Teil des Plots ab, endet aber mitten in einem neuen, scheinbar ausweglosen Weltuntergangsszenario. Immerhin ist die zweite Staffel bestätigt. Wir werden in etwa einem Jahr erfahren, ob die Menschheit weiterexistieren wird.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «The Lazarus Project» Staffel 1?

Besetzung: Paapa Essiedu | Anjli Mohindra | Rudi Dharmalingam | Caroline Quentin | Tom Burke | Vinette Robinson | Charly Clive
Serie entwickelt von: Joe Barton
Genre: Science-Fiction | Action | Drama
GB, 2022

Tschugger (Staffel 2) – Die spektakuläre Rettung des Wallis durch den furchtlosen Polizisten Bax

Läuft bei: Sky (2 Staffeln, 10 Episoden à 30 Min.; ab 18.12.2022 bei Play Suisse)

=> Staffel 1: Tschugger (Staffel 1)

In letzter Sekunde rettet Bax (David Constantin) den armen Polizeipraktikanten Smetterling (Cedric Schild), dem ein Killer den Stecker für die Beatmungsmaschine gezogen hat. Bax und Kollege Pirmin (Dragan Vujic) verfolgen den Killer zu einer Statue hoch oben auf einem Berg.

Der geheimnisvolle Schlüssel

Dort treffen sich eigentümlich verkleidete Figuren zu einem Ritual. Der Killer wird gekillt, weil er etwas nicht geliefert hat: einen Schlüssel.

Den Schlüssel sucht auch Gerda (Clelia Fux), die Ex von Bax, auch Polizistin, hat aber offensichtlich die Seiten gewechselt. In ihrem Auftrag entführen zwei Skilehrer Valmira (Annalena Miano). Deren Freund Juni (Arséne Junior Page) hat nämlich den ominösen Schlüssel gefunden und soll ihn jetzt abliefern.

Kultisten bedrohen das Wallis. © Sky/SRF
Das Wallis droht unterzugehen

Auch die Bundespolizistin Anette Brotz (Anna Rossinelli) ist immer noch im Wallis. Sie sucht Bax, der inzwischen untertauchen musste, weil Gerda ihn bei seinem Chef anschwärzte.

Als Bax, Pirmin und Anette endlich herausfinden, was es mit diesem Schlüssel auf sich hat, müssen sie in einer wagemutigen Aktion verhindern, dass das ganze Wallis zerstört wird.

Apero vom Bundesrat

Dumm nur, dass die Rettungsaktion zur nationalen Geheimsache erklärt wird. Niemand wird je von der Heldentat erfahren. Immerhin spendiert der Bundesrat einen Apero als kleinen Trost.

Einschätzung

Die zweite Staffel knüpfe nahtlos an die erste an, habe ich schon ein paar Mal gelesen. Ja, hoffentlich! Das nervte mich ja bei der ersten Staffel so masslos, mitten in der Geschichte aufzuhören und irgendwas von einer «zweiten Staffel» zu schwafeln.

Nach dem grossen Ärger die erfreuliche Nachricht

Dabei geht es ja nur darum, dass SRF nicht so viel Geld hat für Eigenproduktionen und deshalb die Ausstrahlung der zehn Episoden auf zwei Jahre strecken musste. Besser wäre es gewesen, alles aufs Mal zu zeigen und dafür halt ein Jahr Pause einzulegen.

Aber lassen wir das. Kommen wir zum Erfreulichen. Ich war eher mässig begeistert vom Humor und der Handlung der ersten Staffel. Da zuckten bei mir die Mundwinkel nur ab und zu. Teil zwei gefiel mir jetzt viel besser.

Bax ist untergetaucht und holt Smetterling völlig unauffällig verkleidet aus dem Spital. © Sky/SRF
Der Knirps und das Koks

Tatsächlich musste ich ein paar Mal wirklich lachen. Etwa, wenn der kleine Rabauke in einer Villa Koks aufm Tisch findet und danach mit weissem Schnauz herumstolziert. Tatsächlich hat er aber nur einen Berliner gefunden und gegessen.

Auch die Action legt noch zu. Gerda fuchtelt nicht nur mit ihrer Pistole rum, sondern landet einen gezielten Kopfschuss. Und das Finale mit Bax, der am Seil hängt und per Helikopter auf die Staumauer geflogen wird, ist ziemlich zum Schreien.

Der Besuch im Hotelzimmer von Bundespolizistin Brotz beginnt vielversprechend für Bax, nimmt aber einen anderen Verlauf, als er erwartet. © Sky/SRF
Gerne mehr «Tschugger» – aber alles am Stück!

Ich bin nicht nur versöhnt mit den Walliser «Tschugger». Ich hätte gerne eine weitere Staffel. Aber bitte, bitte alles am Stück! Ich warte dafür gerne auch zwei Jahre.

Apropos warten: Ja, ist halt so, dass «Tschugger» zuerst bei Sky läuft und erst im Dezember bei SRF und auf Play Suisse. Auch das eine Geldfrage und eine Frage der Prioritäten in der Verwertungskette.

Es hätte übrigens auf Play Suisse, falls ihr’s noch nicht kennt, durchaus einige Serien und Filme, mit der man sich –gratis! – die Wartezeit vertreiben kann.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Tschugger» Staffel 2?

Besetzung: Dragan Vujic | David Constantin | Anna Rossinelli | Arsène Junior Page | Annalena Miano | Cedric Schild | Gabriel Oldham | Olivier Imboden
Serie entwickelt von: David Constantin | Mats Frey
Genre: Komödie | Krimi | Action
CH, 2022

Dr. Death (Staffel 1) – Ein gefährlicher Pfuscher konnte jahrelang unbehelligt operieren

3 von 5 Sternen

Läuft bei: Sky (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

Christopher Duntsch (Joshua Jackson) hat eine vielversprechende Karriere als Arzt vor sich. Er beeindruckt durch sein Wissen und vor allem durch seinen Ehrgeiz. Allerdings hat er auch ein Drogenproblem und leidet unter massiver Selbstverherrlichung.

Der Artz, der Patient:innen zu Krüppeln macht

Nach dem Studium gründet er ein Start-up, das Stammzellentherapien für Wirbelsäulenprobleme erforscht. Doch finanzielle Probleme zwingen ihn dazu, in den Operationssaal zurückzukehren.

Nach einer missglückten Operation im Dallas Medical Center werden die beiden Ärzte Robert Henderson (Alec Baldwin) und Randall Kirby (Christian Slater) auf Duntsch aufmerksam. Sie finden heraus, dass Duntsch mehrere seiner Patient:innen verkrüppelt hat, zwei sind sogar an den Folgen des Eingriffs gestorben.

Mehr Klempner und Metzger im OP als Chirurg: Dr. Duntsch (Joshua Jackson), der über 30 Patient:innen zu Krüppeln operierte. © Peacock
Duntsch muss hinter Gitter

Henderson und Kirby wollen dem offensichtlich unfähigen, ja sogar gefährlichen Chirurgen die Zulassung entziehen. Doch das ist nicht so einfach. Zudem könnte Duntsch einfach in einem anderen Bundesstaat weiterarbeiten, auch wenn er die Lizenz in Texas verlieren würde.

Es gibt deshalb nur eine Lösung. Duntsch muss vor Gericht und hinter Gitter, damit er nie mehr einen Operationssaal betreten kann. Die junge Staatsanwältin Michelle Shughart (AnnaSophia Robb) nimmt sich des Falls an.

Obwohl Duntsch unzweifelhaft grauenvolle Fehler begangen hat, erweist es sich als schwierig, ihn strafrechtlich zu belangen.

Einschätzung

Es gibt genau etwas, was diese Serie trägt: Die unglaubliche, aber wahre Geschichte eines Chirurgen, der 33 Patient:innen im Operationssaal verkrüppelt hat, zwei davon sogar tödlich verletzte. Unter den Opfern von Duntsch ist auch sein bester Freund, der den OP als Tetraplegiker verliess.

Horrorszenen im OP

Da beisst man vor dem Fernseher auf den Nägeln rum, wenn Duntsch im OP nur schon das Skalpell in die Hand nimmt. Wenn er danach verbissen auf die Wirbelsäule einhämmert, obwohl ihn der Kollege darauf aufmerksam macht, dass er falsch angesetzt hat, mag man gar nicht mehr zuschauen.

«Dr. Death» ist glücklicherweise ziemlich zurückhaltend mit solchen Horrorszenen im OP. Doch nachdem die Serie uns die Figur dieses Pfuschers in Weiss vorgestellt hat, reicht es schon, wenn Duntsch grinsend und scherzend die Patientin vor der OP begrüsst, dass sich einem die Nackenhaare sträuben.

Die Patient:innen überzeugt Dr. Duntsch durch seine gewinnende und selbstüberzeugte Art. © Peacock
Soziopath erster Güte

Denn inzwischen wissen wir, dass dieser Duntsch an krankhafter Selbstüberschätzung leidet. Er kann Fehler nicht eingestehen kann und ist offensichtlich unfähig, Empathie zu empfinden. Ein Soziopath erster Güte, wie Kirby einmal feststellt.

Der Grusel- und Grauenfaktor für das Publikum ist also hoch. Man bleibt gebannt vor dem Bildschirm sitzen. Und doch erreicht «Dr. Death» nicht die Intensität von beispielsweise «The Dropout».

Wie konnte er jahrelang unbehelligt arbeiten?

Da fliesst zwar viel weniger Blut und die Opfer verlieren nur Geld, nicht das Leben. Dennoch ist die Geschichte von Elizabeth Holmes und ihrem betrügerischen Imperium packender, weil sie vielschichtiger und subtiler erzählt ist.

Vielleicht braucht es deshalb die beiden grossen Namen von Alec Baldwin und Christian Slater, die fast ein bisschen unter ihrem Wert verkauft werden in dieser Serie. Dafür bietet Joshua Jackson (bekannt u.a. als Peter Bishop aus «Fringe») eine facettenreiche Darstellung des gestörten Dr. Duntsch.

Das Versagen der Spitäler und des Systems

Vor allem aber rätselt man am Schluss, wie es überhaupt möglich war, dass so ein unfähiger Chirurg jahrelang unbehelligt arbeiten konnte. Ein bisschen wird das zwar angedeutet, aber nicht wirklich ausgeleuchtet.

Wollen Duntsch endgültig das Handwerk legen: die Staatsanwältin (AnnaSophia Robb) und zwei Arztkollegen (Christian Slater und Alec Baldwin). © Peacock

Die Spitäler hatten kein Interesse daran, die verpfuschten Operationen an die grosse Glocke zu hängen, weil ihr Ruf leiden würde und damit ihre Einnahmen. Und eine Gesetzesreform in Texas schränkte die Möglichkeiten der Patient:innen stark ein, gegen Ärzt:innen oder Spitäler zu klagen.

Kaputtes System

Das wäre offenbar eine andere Geschichte, die über den Fall des «Dr. Death» hinausgehen würde und deshalb korrekterweise hier nur am Rande vorkommt.

Aber dass erst ein ziemlich kaputtes Rechts- und Gesundheitssystem Christopher Duntsch den Weg ebnete, scheint ebenso klar, wie dieser Artikel im «TexasMonthly» aufzeigt.

Die Umfrage ist beendet

Wie viele Sterne gibst du «Dr. Death» Staffel 1?

Besetzung: Joshua Jackson | Christian Slater | Alec Baldwin | Dominic Burgess | Grace Gummer | Molly Griggs | AnnaSophia Robb | Laila Robins | Kelsey Grammer
Serie entwickelt von: Patrick Macmanus
Genre: True-Crime | Drama
USA, 2021

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