Serien-Tipp: Follow the Money (dän. Orig.titel: Bedrag)

Staffeln 1-3

Staffel 3: Zwei Nebenfiguren aus den ersten beiden Staffeln stehen jetzt im Zentrum. Der tablettensüchtige Polizist Alf will dem Drogenhändler Nicky, der sich eigentlich um seinen Sohn kümmern möchte, das Handwerk legen.

Staffel 1 & 2: Dänischer Businessthriller – gierige Manager:innen vs. aufrichtige, leicht überforderte Polizisten (Netflix, 3 Staffeln).

Ich finde

Die beiden ersten Staffeln sind saubere Krimis, angesiedelt im Big Business mit zwei sehr guten Hauptfiguren – die Anwältin Claudia Moreno (Natalie Madueño) und der auf Wirtschaftsverbrechen spezialisierte Polizist Mads Justesen (Thomas Bo Larsen). Beide haben zwar leicht nervige Macken, funktionieren aber letztlich sehr gut. Wirklich gewohnt solide dänische Serienarbeit, wenn auch nicht ganz auf der Höhe von bspw. «Borgen».

Die dritte Staffel dagegen setzt mehr auf die Psychologie der Hauptfiguren, aber das lässt einen ziemlich kalt, weil beide Hauptfiguren sich dauernd nur im Kreise ihres Elends drehen, anstatt den Weg raus zu suchen. Wäre auch schlecht für die Krimihandlung, die wäre dann eben fertig.

Läuft bei: Netflix (3 Staffeln)

Serien-Tipp: The Blacklist – Staffel 8

Staffel 8

Es geht rund in der 8. Staffel. Reddington begeht einen Mord zu viel und macht sich Liz zur Todfeindin. Sie will endgültig mit ihm abrechnen, steigt aus der FBI Task Force aus und baut ihr eigenes kriminelles Netzwerk auf, um Reddington zur Strecke zu bringen. Aber – es kommt alles ein wenig anders. Am Schluss der Staffel ist man nur noch einen kleinen Schritt davon entfernt, die wahre Identität von Raymond Reddington zu erfahren und wie er wirklich zu Liz steht …

Ich finde

… aber weils eine 9. Staffel geben soll, wird dieses letzte Geheimnis nicht gelüftet. Ein Cliffhanger, der etwas nervt. Denn die ganze Staffel hindurch redet Reddington hundert Mal um den heissen Brei herum, was es nicht spannend, sondern nur noch nervig macht. Man sitzt da und denkt sich: Spucks aus oder halt die Klappe, aber laber nicht dauernd denselben Sch… .

Spannender dagegen ist die Storyline, dass Liz jetzt zur dunklen Seite wechselt. Nur: Auch da haperts ein bisschen. Liz-Darstellerin Megan Boone verschwindet plötzlich für acht Episoden aus der Serie. So erfährt man zwar immer, was sie jetzt Schlimmes anstellt, aber nur aus der Sicht der anderen. Bis sie dann wieder auftaucht und eine Folge lang diese acht Episoden aus der Sicht von Liz nacherzählt werden – ziemlich bemühend.

Das Grundrezept von Blacklist funktioniert immer noch. Dass die Geschichte um das Geheimnis von Reddington und Liz weitergetrieben wird, ist auch ok. Aber Stoff für 23 Episoden gibt das nicht wirklich her, 12 hätten gereicht. Und die grosse Überraschung am Schluss kommt nicht so überraschend, wenn man vorher gelesen hat, dass eine Hauptfigur aus der Serie ausgestiegen ist.

Streaminganbieter: Netflix (8 Staffeln)

The Blacklist für Einsteiger

Der intellektuelle Lebemann und Grosskriminelle Raymond Reddington arbeitet mit einer geheimen FBI-Task Force zusammen. Er liefert dem FBI Hinweise auf andere Kriminelle, dafür ist ihm Immunität garantiert. Mit der Agentin Elizabeth Keen verbindet ihn eine besondere Beziehung, die über die Staffeln langsam enthüllt wird.

Serien-Tipp: Riviera

Staffel 1

Georgina (Julia Stiles) ist erst ein Jahr mit dem Milliardär Constantine Clios verheiratet, als dieser bei einer Explosion auf einer Jacht ums Leben kommt. Jetzt kommt ans Licht, dass das Vermögen der Familie (es gibt noch eine Ex-Frau (Lena Olin) und drei Kinder aus erster Ehe) mit zweifelhaften Geschäftspraktiken und -partnern erwirtschaftet wurde. Das wird für die Familie lebensgefährlich.

Ich finde

Das Setting an der Riviera und ein paar äusserst luxuriöse Locations reichen leider nicht, um die Schwächen der Story zu übertünchen. Hier ein Geheimnis aus der Vergangenheit, das gelüftet wird, da ein mörderischer Gegner, und immer wieder mal ein Interpol-Polizist, der ohne jegliche Beweise Vermögen beschlagnahmt und Leute einbuchtet. Ob und wie Georgina und der Clios-Clan sich da durchschlagen, bleibt einem ein wenig egal. Von Neil Jordan (Creator) hätte ich etwas mehr erwartet.

Streaminganbieter: Sky (3 Staffeln)

Serien-Tipp: Charité

Foto: ARD

Staffel 1-3

In den 3 Staffeln werden jeweils in verschiedenen Zeiträumen historische Figuren und ihr Wirken am Berliner Krankenhaus Charité mit fiktiven Figuren und Handlungen verknüpft.

Staffel 1: Gegen Ende der 1880er-Jahre forschen Mediziner wie der spätere Nobelpreisträger Robert Koch (Justus von Dohnányi) an der Charité. Hauptfigur ist die Pflegerin Ida Lenze (Alicia von Rittberg).

Staffel 2: Die Medizinstudentin Anni Waldhausen (Mala Emde) kommt gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in die Charité. Die historischen Grössen sind Ferdinand Sauerbruch (Ulrich Noethen) und Max de Crinis (Lukas Miko).

Staffel 3: Berlin 1961, wenige Tage vor dem Mauerbau. Die Ärztin Ella Wendt (Nina Gummich) will beim Gerichtsmediziner Otto Prokop (Philipp Hochmair) forschen. Historische Figuren neben Prokop sind Ingeborg Rapoport (Nina Kunzendorf) und Helmut Kraatz (Uwe Ochsenknecht).

Ich finde

Ich habe eine Schwäche für deutsche Serien, die in der jüngeren deutschen Geschichte spielen. Denn, ob Erster oder Zweiter Weltkrieg, Weimarer Republik oder Nachkriegszeit – allein das historische Setting ist voller Spannung und Ereignissen, die eine Story bereichern. Charité nutzt das für seine Geschichten auch. Dazu kommt ein Schuss Medizingeschichte und ein Handlungsstrang mit fiktiven Figuren, mit denen man mitfiebert. Und das alles im Umfeld eines Krankenhauses, das ja immer wieder gerne als Handlungsort genutzt wird. Charité mixt das alles ziemlich perfekt zu einer binge-würdigen Serie.

(Weitere empfehlenswerte Serien aus der Reihe deutsche Geschichte: Babylon Berlin (bei Sky), Ku’damm 56/59/(und etwas weniger empfehlenswert 63) (2 Staffeln bei Netflix), Deutschland 83/86/89 (2 Staffeln bei Amazon) , Tannbach (Netflix)

Streaminganbieter: Netflix (3 Staffeln)

Alles Gute zum Geburtstag, Steven Spielberg

Steven Spielberg. Foto: Gerald Geronimo, CC BY-SA 2.0

Fast schon ein wenig schockierend, dass Steven Spielberg am 18. Dezember 65 Jahre alt wird. Als bekennender Fan des Starregisseurs konnte ich nicht durchgehen lassen, dass in meinem Stammsender DRS 2 keine Glückwünsche geplant waren. Eine differenzierte Betrachtung seines Werks ist in gut 100 Sekunden nicht möglich, deshalb habe ich mich zur uneingeschränkten Lobhudelei entschieden.

100 Sekunden Wissen – Steven Spielberg

Das unheimliche Tal

Das unheimliche Tal – hört sich an wie der Titel eines Horrorfilms und hat tatsächlich auch etwas mit Gruseln und Film zu tun. Aber ursprünglich stammt der Begriff (engl. «The Uncanny Valley») aus der Roboterforschung und beschreibt ein eigentlich paradoxes Phänomen der menschlichen Gefühlswelt.

Meine kurze Erklärung in «100 Sekunden Wissen» auf DRS 2:

Angst vor dem Weihnachtsfilm

Furchterregend: Tom Hanks als Schaffner im «Polar Express». Foto: Warner Bros.

Mein Sohn war als Sechsjähriger kein ängstliches Kind. Er liebte die Dinosaurierfilme der BBC, in denen furchterregende T-Rex blutige Jagd auf Beute machten. Doch dann zeigten sie in der Schule als Weihnachtsfilm «Polar Express», ein digitaler Animationsfilm mit sehr realistischen Figuren. Und diese Figuren fand mein Sohn so furchterregend, dass er – und einige seiner Klassenkameraden – den Film nicht fertig schauen konnten. Die Kinder waren im «unheimlichen Tal» gelandet.

Der japanische Roboteringenieur Masahiro Mori prägte 1970 diesen Begriff. Mori untersuchte die menschliche Gefühlsreaktion auf menschenähnliche Gestalten. Dabei stellte er fest, dass wir mehr Gefühle entwickeln je menschenähnlicher bspw. ein Roboter aussieht – aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Dann schlagen die positiven Gefühle plötzlich in Ablehnung oder in Angst um.

Fast menschlich ist unheimlich

Die Zuneigungskurve sinkt rapide ab, wenn eine künstliche Gestalt fast aussieht wie ein Mensch, aber eben doch nicht ganz. Erst wenn die Figur wieder eindeutig als Mensch erkennbar ist, steigt die Zuneigungskurve wieder an. Diesen steilen Abfall und Anstieg der Kurve nannte Mori das unheimliche Tal.

Motion Capture in «Polar Express». Foto: Warner. Bros

Zurück zum Polar Express: Für den Film wurde eine neue Technologie («Motion Capture») angewendet. Echte Schauspieler wurden zuerst gefilmt und ihre Figuren und die Bewegungen danach digital animiert. Das führt dazu, dass Tom Hanks als digitalisierter Bahnschaffner sehr menschlich wirkt, aber eben nicht ganz: und dieser kleine Unterschied machte ihn für meinen Sohn und seine Klassenkameraden zur Gruselgestalt.

Kassenflop

Nicht nur bei diesen Kindern übrigens – der Film war weltweit ein Flop und man erklärt sich das heute nicht zuletzt mit dem Phänomen des unheimlichen Tals.

100 Sekunden Wissen – Das unheimliche Tal

Wilhelm der Schreier

Wer kennt Wilhelm den Schreier? Niemand? Ich bin ziemlich sicher, dass doch. Schon mal einen Star Wars-Film oder Indiana Jones gesehen? Eben, dann hast Du Wilhelm schreien gehört. Oder in einem der rund 200 weiteren Filmen, in dem der «Wilhelmsschrei» zu hören ist. Und der tönt so:

Wilhelm scream

Es ist schon länger her, dass ich mal auf was gelesen habe zum «Wilhelmsschrei». Jetzt habe ich für die DRS 2-Rubrik «100 Sekunden Wissen» einen Beitrag dazu gemacht (Ausstrahlungstermin noch unbekannt war der 14.6.2010).

100 Sekunden Wissen – Wilhemsschrei

Hier aber schon vorab (oder anstatt) eine kurze Geschichte des Wilhelmsschreis.

Der Ur-Schrei

Zum ersten Mal verwendet wurde der Schrei 1951 im Film «Distant Drums», ein Western mit Gary Cooper. Der spielt aber nicht wie üblich irgendwo in der Wüste von Nevada, sondern in den Everglades von Florida. Deshalb spielt auch ein Alligator die entscheidende Rolle beim ersten Wilhelmsschrei. Der beisst nämlich einen Soldaten ins Bein und zerrt ihn ins Wasser. Und der Soldat – genau, stösst den Wilhelmsschrei aus.

Ein anderer Soldat spielt 1953 eine wichtige Rolle. Im Film «The Charge at Feather River» wird Private Wilhelm von einem Pfeil ins Bein getroffen – und schreit den Schrei, der deshalb heute seinen Namen trägt (auch auf Englisch deshalb «Wilhelm scream» und nicht etwa William). In diesem Film gibts noch zwei andere Szenen, in denen der Wilhelmsschrei auch noch verwendet wird.

Der Schrei ist aber nicht nur dem Western-Genre vorbehalten, man hört ihn etwa auch ein paar Mal in «Them» (dt. «Formicula»), einem meiner Lieblingshorrorfilme (Kinotrailer) aus den 1950ern, in dem Ameisen durch Atomtests zu Riesenmonstern mutieren.

Die Wiederentdeckung

Ben Burtt heisst dann der Mann, der den Wilhelmsschrei zu dem machte, was er heute ist: ein Insider Joke und Running Gag unter den Sound Designern. Burtt entdeckte die ursprüngliche Aufnahme des Schreis oder besser der Schreie. Auf dem Originalband gibt es sechs verschiedene Varianten, wenn auch meistens nur drei dieser Varianten zum Einsatz kommen.

Burtt benutzte den Schrei für den ersten Star Wars-Film «A New Hope» und setzte ihn danach in allen anderen Folgen (ausser Teil III) ein. Burtt war auch für alle Indiana Jones-Filme als Sound Designer tätig und logischerweise kam auch hier der Wilhelmsschrei jedes Mal zu ehren.

Wer war Wilhelm?

Sheb Wooley, 1971.

Lange Zeit war unklar, wer da eigentlich geschrien hatte. Burtt stiess bei Nachforschungen auf eine Liste von vier Personen, die in der Postproduktion für «Distant Drums» Tonaufnahmen gemacht hatten. Der wahrscheinlichste Kandidat schien ihm der Sänger und Schauspieler Sheb Wooley zu sein. Wooley war aber 2003 gestorben. Dessen Witwe bestätigte dann 2005 der Times, dass Wooley tatsächlich Wilhelm der Schreier war.

Im gleichen Artikel gab Burtt an, dass er jetzt genug hatte vom Scherz mit dem Wilhelmsschrei und ihn nicht mehr einsetzen werden. Eine Ausnahme machte er allerdings noch: im vierten Indiana Jones-Film («Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull», 2008), an dem Burtt wieder mitarbeitete, ist der Schrei wieder zu hören.

Der Schrei und kein Ende

Und auch wenn Burtt ihn nicht mehr einsetzt, ist der Wilhelmsschrei immer wieder im Kino zu hören. Laut der Liste, die der Filmhistoriker und Sound Designer Steve Lee führt, ist der neueste Film mit dem Wilhelmsschrei «Iron Man 2».

Kompilation von Wilhelmsschreien

Eine kurze Geschichte des Wilhelmsschreis

Spielberg und 9/11

«America is under attack» in Spielbergs «War of the Worlds». Foto: Paramount Pictures

Das Medienmagazin «On the Media» von NPR hatte ein 9/11-Thema in der letzten Ausgabe, obwohl sie das eigentlich nicht mehr machen («There’s nothing new»). Aber: Sie hatten einen wirklich neuen, interessanten Ansatz. Wie spiegelt sich der Terroranschlag im Film? Und eben nicht nur in den Filmen, an die man als erstes denkt wie United 93 oder World Trade Center.

Der Virginia Tech-Professor Stephen Prince hat kürzlich ein Buch zum Thema veröffentlicht («Firestorm: American Film in the Age of Terrorism»). Die ersten drei Beispiele, die er im OTM-Interview erwähnt, stammen von Steven Spielberg: War of the Worlds, The Terminal und Munich – was mich natürlich besonders interessiert.

Wenn mans von Prince hört, dann leuchtet es sofort ein, weshalb diese Filme typisch aus eine Zeit nach dem 11. September stammen: Aliens (was ja nicht nur Ausserirdische heisst) zerstören Amerika (War of the Worlds, 2005), das Land, das keine Fremden will (Terminal, 2004) und die moralische Frage, was alles erlaubt ist, um Gewalttaten zu sühnen oder weitere zu verhindern, quasi das Guantanamo-Dilemma (Munich, 2005).

Rein hören lohnt sich, rein lesen – weiss ich noch nicht, hab das Buch noch nicht bestellt.

Ashes to Ashes – Season 2

Alex Drake (Keeley Hawes) und Gene Hunt (Philip Glenister) mit Audi Quattro. Foto: BBC

Das Warten ist vorüber: Am Montag Abend liess DCI Gene Hunt seinen Audi Quattro wieder donnern und Alex Drake stiefelt wieder durch die 80er, obwohl sie doch eigentlich gar nicht da hingehört. Ashes to Ashes, 2. Season läuft, endlich.

Oder doch nicht endlich, sonder eher leider wieder? Die englische Presse zeigt sich mehrheitlich reserviert. «Not very good», «dull and sordid», «it never quite hits the same sublime notes as the original (Life on Mars)».

Und selber? Na ja, wie immer wenn man lange gewartet hat, sind die Erwartungen hoch, die Vergangenheit etwas verklärt und deshalb: War ganz ok, was Drake und Hunt uns in der ersten Episode geboten haben.

Die Zeitreisegeschichte war diesmal zwar beinahe etwas irritierend, Alex gehört mit ihrem Haarschnitt so natürlich in die 80er und man hat sich auch daran gewöhnt, nur sie offensichtlich immer noch nicht.

Dafür gabs ein paar nette Gags, die mit dem Zeitreiseding spielen. DC Chris Skelton liefert lange vor dem gleichnamigen Film einen Full Monty in einer Bar.

Auf jeden Fall: der Montag Abend bleibt vorläufig gebucht.