La vita bugiarda degli adulti (Staffel 1) – Erwachsen werden ist verdammt anstrengend

Serienposter mit Schriftzug. Eine Frau mit dem Rücken zur Kamera. Sie zeigt mit der einen Hand den Mittelfinger, in der anderen hält sie ein Armband.
4 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (1Staffel, 6 Episoden à 50 Min.)

Zurück in die Pubertät. Wie geht es euch, wenn ihr euch das vorstellt? Werden da die glücklichen Erinnerungen an die erste Liebe wach? Dieses geile Gefühl, rebellisch zu sein? Oder mehr die Ohnmacht des Unverstanden-Seins und der Einsamkeit, die daraus resultiert?

Die anstrengenden und faszinierenden Jahre der Pubertät

Ich würde ein solches Angebot, in die frühe Jugend zurückzukehren, dankend ablehnen. Bei allen guten Momenten: In der Summe viel zu anstrengend, all diese Kämpfe und Krämpfe noch einmal zu durchleben.

Dass es aber eine faszinierende Zeit ist, zeigt «La vita bugiarda degli adulti» («Das lügenhafte Leben der Erwachsenen») eindrücklich. Basierend auf Elena Ferrantes gleichnamigem Roman von 2019 begleitet die Serie über drei Jahre die anfänglich 13-jährige Giovanna.

Eine junge Frau sitzt auf einer Mauer. Im Hintergrund sonnenbeschienene Häuserfassaden. Neben ihr eine Tasche und leere Flaschen.
Aufzuwachsen ist manchmal ein einsamer Prozess, auch für Giovanna (Giordana Marengo). © Eduardo Castaldo / Netflix
Die Verlogenheit des Elternhauses

Giovanna (Giordana Marengo) lebt Mitter der 1990er-Jahre als Einzelkind bei ihren Eltern in Neapel. Nella (Pina Turco) und Andrea (Alessandro Preziosi) sind linke Intellektuelle, die zur gehobenen Mittelschicht gehören. Hier fangen die Lügen aber schon an. Links reden und wählen sie, besuchen auch gerne das Fest, wo die Kommunisten mit roten Flaggen in der Hand Kampflieder singen. In Tat und Wahrheit haben die Eltern aber mit den Arbeiter:innen wenig am Hut.

Das zeigt sich in der eigenen Familie. Giovannas Tante Vittoria (Valeria Golino) lebt im ärmlichen Quartier der Stadt. Der Vater hat den Kontakt zu seiner Schwester schon lange abgebrochen. Als Giovanna hört, wie er im Gespräch mit ihrer Mutter besorgt bemerkt, dass sie immer mehr seiner Schwester gleiche – hässlich und boshaft –, weckt das Giovannas Interesse.

Die Tante schenkt ihr Freiheit

Sie besucht ihre Tante, die ihr ein völlig anderes Leben zeigt, das Giovanna sofort fasziniert. Sie bekommt Geld für eine Vespa, was natürlich Freiheit bedeutet. Aber gleichzeitig drängt sie ihre Tante in die Kirche, was Giovanna irritiert, denn zuhause ist Gott kein Thema.

Vier Frauen, die eng nebeneinander stehen.
Auch ihre Freundinnen sind von Giovannas Tante (2.v.l.) fasziniert. © Netflix

Die grösste Lüge der Erwachsenen aber ist die Liebe. Ein Thema, das die pubertierende Giovanna natürlich brennend interessiert. Vittoria erzählt ihr von ihrer grossen Liebe und besucht mit Giovanna sein Grab auf dem Friedhof. Nur, ganz so romantisch war diese Beziehung dann doch nicht, wie sich herausstellt.

Und ihre Eltern leben die grösste Liebeslüge. Nella kokettiert beim Abendessen unterm Tisch mit dem Gastgeber. Allerdings hat Andrea schon lange eine richtige Affäre mit der Gastgeberin. Es kommt zur Trennung und Giovanna hasst ihre Eltern dafür.

Findet die verletzliche Rebellin ihr Glück?

«La vita bugiarda degli adulti» erzählt atmosphärisch dicht, wie Giovanna in diesen Jahren des Erwachsenwerdens lebt, leidet und auch ein bisschen liebt. Ihre rebellische Reise durch die Jugendjahre ist voll von Episoden und Begegnungen, in denen sich zeigt, wie verletzlich sie eigentlich ist in ihrer Militärjacke, die sie eine Weile so gerne trägt. Und wie sie das Leben generell ziemlich überfordert.

Zwei Frauen und in der Mitte ein Mann.
Giovanna sucht die Anerkennung von Roberto (Giovanni Buselli), für den sie schwärmt, der aber schon vergeben ist. © Netflix

Immerhin, es scheint, dass sie am Schluss einen Weg in die Freiheit findet. Ob das Leben für Giovanna aber ein glückliches sein wird, mit all dem Ballast, den sie mitnimmt?

Zweifel sind angebracht, denn das Motto, das jeder Episode vorangestellt ist, ist ziemlich desillusionierend: «Wenn man klein ist, kommt einem alles belangvoll vor, wenn man gross ist, kommt einem alles belanglos vor.» Wofür also hat man denn den riesigen Stress mit diesem Erwachsenwerden?

PS: (K)Ein Vergleich mit «L’amica geniale»

Einen Vergleich mit den Büchern oder der hochgelobten Serie «L’amica geniale», die auf Ferrantes «Neapolitanischer Saga» beruht, kann ich leider nicht leisten. Ich habe sie nicht gelesen und die Serie nicht gesehen.

Eine zuverlässige Quelle sagt mir aber, dass «La vita bugiarda degli adulti» nicht ganz so stark ist wie «L’amica geniale», was aber schon in den Büchern so sei.

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Besetzung: Giordana Marengo | Valeria Golino | Alessandro Preziosi | Pina Turco | Azzurra Mennella | Raffaella Rea | Giuseppe Brunetti | Maria Vera Ratti
Genre: Drama
ITA, 2023

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