A Storm for Christmas (Mini-Serie) – X-Mas-Kitsch, aber zum Glück aus dem hohen Norden

Serienposter mit Schriftzug. Im Vordergrund ein Tannenbaum mit Weihnachtskugeln. Im Hintergrund Flugzeuge im Schneegestöber.
3 von 5 Sternen

Läuft bei: Netflix (Mini-Serie, 6 Episoden à 30 Min.)

Eines ist diese Weihnachts-Mini-Serie aus Norwegen sicher nicht: originell. Ein gutes Dutzend Leute, die auf dem Flughafen in Oslo im Schneesturm feststecken, das hat man schon gesehen. Wer aber knapp drei Stunden festtägliche Wohlfühlunterhaltung sucht, wird hier sehr passabel bedient.

Trotz aller Klischees, die obendrauf noch beigemixt werden, hat die norwegische Serie einen grossen Pluspunkt verglichen mit US-amerikanischen Produkten: Der Fremdschämfaktor ist massiv kleiner.

Niemand ist glücklich vor Weihnachten

Weshalb genau das so ist, kann ich nicht richtig festmachen. Denn die Zutaten stammen aus der herkömmlichen Scriptküche. Ein paar Menschen begegnen sich kurz vor Heiligabend auf dem Flughafen. Alle tragen ihre Bürde, die sie so kurz vor Weihnachten besonders drückt.

Mehrere Menschen stehen und sitzen in einer Abflughalle eine Flughafens.
Jede:r hat seinen besonderen Wunsch für Weihnachten. Ob er sich erfüllt? Spoiler: Ja. © Netflix

Da ist der Konzertpianist, dem das Karriereende droht. Ein Ehepaar mit kleiner Tochter, das sich dauernd streitet. Eine Priesterin, die mit ihrem Glauben hadert. Eine Mutter, deren Sohn für eine Operation dringend in die USA fliegen muss. Eine Tochter, die ihren Vater seit Jahren zum ersten Mal sehen wird. Eine Romantikerin, die einem Zyniker begegnet. Auch eine Jöh-Geschichte mit Hund gibt es und noch einige mehr.

Nordisch tönt alles weniger gesülzt, oder?

Rührselig wird das alles erst ganz am Schluss. Vorher gibt’s noch ein bisschen was zu schmunzeln, wenn der Pianist verzweifelt einen Ort zum Rauchen sucht. Oder der Santa Claus eine antikapitalistische Brandrede hält, weil die Kleinkinder bei ihm Wünsche von 1000 Franken aufwärts deponieren.

Ein Mann sitzt am Klavier. Hinter ihm stehen Zuschauer:innen. Zwei Weihnachtsbäume umrahmen die Szene.
Ein Klavier in der Abflughalle? Wo gibt’s denn so was. Egal: Musik erwärmt die Herzen. © Netflix

Dass sich am Ende fast alles in eitel Sonnenschein auflöst, versteht sich von selbst. Warum also ist das jetzt alles nicht so schlimm, wie es zu erwarten wäre? Vielleicht helfen schon mal die Sprachen: Auf Norwegisch, Schwedisch und Dänisch klingen auch banale Dialoge weniger gesülzt. Und «God jul» tönt doch irgendwie bodenständiger als «Merry Christmas», oder?

«Guilty pleasure» halt

Vielleicht suche ich auch nur eine Ausrede, um zu rechtfertigen, dass ich mir drei Stunden Wohlfühl-Weihnachtskitsch angeschaut habe, ohne mich dabei dauernd zu schämen und die verschwendete Lebenszeit zu beklagen. Im Gegenteil, es war kurzweilig – ein klassisches «guilty pleasure». Einzig der Soundtrack mit englischen Weihnachtsschnulzen, der war von Anfang bis Schluss wirklich unerträglich.

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Besetzung: Dennis Storhøi | Maibritt Saerens | Jan Gunnar Røise | Jon Øigarden | Ariadna Cabrol | Sus Noreen Jondahl Wilkins | Ravdeep Singh Bajwa | Valter Skarsgård | Ida Elise Broch | Evelyn Rasmussen Osazuwa | Hanna Ardéhn
Genre: Romanze | Drama | Komödie
NOR, 2022