The Old Man (Staffel 1) – Das Duell der betagten Spione

4 von 5 Sternen

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 7 Episoden à 55 Min.)

Dan Chase (Jeff Bridges) lebt zurückgezogen in einem Haus. Nur zwei Rottweiler leisten ihm Gesellschaft. Dan sorgt sich um seinen Geisteszustand. Er befürchtet, dement zu werden, wie seine Frau, die vor ein paar Jahren starb.

Der kaltblütige Rentner

Zudem scheint er auch paranoid zu sein. Seiner Tochter Emily (Alia Shawkat) erzählt er am Telefon, dass irgendwas nicht stimme. Dan bastelt aus Büchsen eine Art Alarmanlage und installiert sie im Haus.

Tatsächlich scheppert es eines Nachts. Dan entdeckt einen Einbrecher. Er hetzt die Hunde auf ihn. Als der Eindringling am Boden liegt, fragt Dan nach seinem Namen. Er erhält keine Antwort und erschiesst ihn kaltblütig.

Dan hält sich zwei Rottweiler. Weniger aus Tierliebe. Sie sind seine brandgefährlichen Leibwächter. © FX/Disney+
Eingeholt von der Vergangenheit

Es war kein gewöhnlicher Einbrecher. Darauf deutet der Schalldämpfer, den er auf seiner Waffe aufgesetzt hatte. Und Dan ist kein gewöhnlicher alter Mann, sondern ein ehemaliger CIA-Agent, der seit über drei Jahrzehnten untergetaucht ist.

Doch jetzt holt in seine Vergangenheit ein. Eine Spezialeinheit der CIA hat ihn aufgespürt. In die Operation involviert ist auch der stellvertretende FBI-Direktor Harald Harper (John Lithgow).

Zwei alte Freunde werden zu Todfeinden

Harper und Chase haben eine gemeinsame Vergangenheit. Sie waren beide in Afghanistan, als die CIA in verdeckten Operationen afghanische Warlords im Krieg gegen die Sowjetunion unterstützte. Diese alte Geschichte bringt sie erneut zusammen. Allerdings auf unterschiedlichen Seiten.

Während Chase auf der Flucht ist und Harper die Jagd organisiert, enthüllt sich langsam, was damals in Afghanistan passiert ist und weshalb das für beide 30 Jahre später lebensgefährlich wird.

Im Afghanistan-Krieg beschaffte Dan (Bill Heck) Waffen für einen Warlord im Kampf gegen die Sowjetunion. © FX/Disney+

Einschätzung

Gleich am Anfang gibt es diese eine Szene. Chase kämpft gegen einen CIA-Agenten. Minutenlang versetzen sich die beiden Fausthiebe, würgen sich gegenseitig, wälzen sich am Boden. Ein schier endloser Kampf, den Chase verliert. Aber am Schluss eben doch nicht. Seine Hunde zerfleischen den Widersacher.

Action ist eher untypisch für die Serie

Dieser Kampf zeigt: Chase hat zwar noch einiges drauf, ist aber schlicht zu alt für solche Zweikämpfe. Aber er erledigt auf seine Weise gnadenlos, wer sich ihm in den Weg stellt. Chase will dabei nicht nur sich selber schützen, sondern vor allem seine Tochter.

Harold Harper (John Lithgow) hat zu einer seinen Agentinnen eine familiäre Beziehung entwickelt, die sich überraschend verändern wird. © FX/Disney+

Andererseits ist diese Actionszene untypisch für «The Old Man». Viel öfter grübeln die Figuren der Frage nach, was war, was ist und weshalb es nach 30 Jahren wohl unvermeidlich so weit kommen musste.

Viele alte Männer, aber nicht nur zum Glück

Das wäre wahrscheinlich langweilig, wenn das einerseits nur die alten Männer täten, von denen es noch mehr als nur Chase und Harper gibt. Und andererseits nicht so hervorragende Schauspieler wie Bridges und Lithgow die Mono- und Dialoge führten.

Da sind zum Glück aber ein paar andere Figuren, die auch etwas zu sagen haben. Emily, die Tochter von Chase, hören wir lange nur am Telefon. Als sie dann auftaucht, sind die Umstände ziemlich überraschend. Emily rückt immer mehr ins Zentrum des Geschehens.

Zoes überraschende Wandlung

Eher unfreiwillig wird Zoe (Amy Brennaman) in die Geschichte verwickelt. Chase mietet sich auf der Flucht bei ihr ein. Als er erneut aufgespürt wird, nimmt er sie mit, weil seine Verfolger mit ihr wohl kurzen Prozess machen würden.

Zoe ist aber alles andere als dankbar dafür und sie lässt sich nicht einfach rumkommandieren. Chase muss zur Kenntnis nehmen, dass er sie ziemlich falsch eingeschätzt hat.

Ein Mann und eine Frau sitzen an einem Tisch in einem Restaurant und reden miteinander.
Zoe (Amy Brennaman) entpuppt sich als clevere Frau, die aus der unmöglichen Situation, in die sie Chase bringt, einiges für sich rausholt. © FX/Disney+
Unüblich behäbig, aber überzeugend

Für einen Thriller ist «The Old Man» beinahe etwas zu behäbig inszeniert. Lange Dialoge beim Autofahren, viele Rückblenden und eben wenig Action. Das kann man als altersgerecht ansehen angesichts der schon fast betagten Protagonisten.

Es dient aber vor allem dazu, den Figuren Raum und Zeit für ihre Geschichten zu geben. Der Thrill passiert mehr auf der psychologischen Ebene und mit der einen oder anderen überraschenden Wendung. Eher unüblich für das Genre, aber überzeugend im Resultat. Einzig wieder einmal der übliche Dämpfer: Kein befriedigendes Ende nach der ersten Staffel. Man muss wieder warten, bis die zweite kommt.

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Besetzung: Jeff Bridges | John Lithgow | Alia Shawkat | Amy Brenneman | E.J. Bonilla | Bill Heck | Hiam Abbass | Gbenga Akinnagbe | Leem Lubany
Serie entwickelt von: Robert Levine | Jonathan E. Steinberg
Genre: Thriller | Drama
USA, 2022