Outer Range (Staffel 1) – Zeitreise in den Rocky Mountains

Läuft bei: Amazon (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

Royal Abbott (Josh Brolin) bewirtschaftet mit seiner Frau Cecilia (Lili Taylor) und den beiden Söhnen Rhett (Lewis Pullman) und Perry (Tom Pelphrey) eine grosse Farm in Wyoming. Das Leben ist hart, nicht nur finanzielle Probleme plagen die Familie.

Eine Leiche verschwindet in einem mysteriösen Loch

Vor Monaten ist Rhetts Ehefrau spurlos verschwunden. Die Nachbarsfamilie Tillerson, mit denen die Abbotts seit jeher keine guten Beziehungen pflegen, beanspruchen einen grossen Brocken Land der Abbotts. Und dann ist da noch ein mysteriöses, waberndes Loch auf seinem Land, das Royal eines Tages entdeckt.

Damit nicht genug. Bei einem Streit hinter dem Saloon prügelt Rhett einen der Tillerson Brüder zu Tode. Perry und Royal helfen Rhett, die Spuren zu verwischen. Royal wirft die Leiche in das ominöse Loch.

Ein Fenster in die Zukunft

Dabei wird er aber beobachtet. Autumn (Imogen Poots), eine junge Frau, die ein paar Tage zuvor aufgetaucht ist und um Erlaubnis bat, auf dem Land der Abbotts zu campieren. Sie stösst Royal ins Loch, das sich als Zeitmaschine erweist. Er landet in der Zukunft.

Autumn (Imogen Poots) fühlt sich seltsam angezogen von den Abbotts und ihrem geheimnisvollen Loch. © Amazon

Das Land rund um das Loch sieht ganz anders aus. Bohrmaschinen und Tanks stehen auf dem ehemaligen Weideland. Das ganze Städtchen hat sich um das Loch versammelt. Cecilia geht auf ihren Mann zu und flüstert ihm ins Ohr, dass er vor zwei Jahren gestorben sei und jetzt fliehen müsse. Royal springt wieder ins Loch.

Die Fremde wird zur Bedrohung

Zurück in der Gegenwart eskaliert auch hier die Situation. Trevor Tillersons Leiche taucht wieder auf. Sheriff Joy (Tamara Podemski) verdächtigt die Abbotts und sucht Beweise.

Autumn ist besessen von der Idee, dass sie eine spezielle Verbindung mit dem Land der Abbotts und dem Loch hat. Sie agitiert gegen Royal und die beiden werden zu Todfeinden.

Einschätzung

«Outer Range» ist ein mysteriöses Familiendrama in der Cowhand*-Welt der wunderschönen Rocky Mountains mit Bisons, Rindern, Rodeos, Saloons und überdimensionierten Gürtelschnallen. Eine Mischung von «Yellowstone», «X-Files» und «Dynasty» (wie rogerebert.com schreibt), die ziemlich gut gelungen ist.

Grunzen statt reden

Ich habe zwar meine liebe Mühe mit diesen verstockten Cowhand-Charakteren, die kaum einen ganzen Satz über die Lippen bringen. Royal Abbott könnte ich prügeln, wenn er ein knappes «Hmm» grunzt, statt eine vernünftige Antwort zu geben. Dabei würde das manches Problem der Abbotts lösen.

Royal Abbott (Josh Brolin) ist ein typischer verstockter Farmer. Aber am Ende wird klar, weshalb er nicht viel über seine Vergangenheit preisgeben will. © Amazon
Das Loch, die Zeit und Gott

Aber dann wäre die Geschichte weniger dramatisch und schneller erzählt. Sie lebt davon, dass jede:r sein Geheimnis hegt und oft auch damit ringt. Royal trifft nicht zum ersten Mal auf dieses Loch, als er die Leiche darin entsorgt. Für ihn hat das Loch viel mit der Frage seiner Herkunft zu tun und ob es einen Gott gibt.

Autumn kennt ihr Geheimnis selber noch nicht so genau. Sie weiss nur, dass das Schicksal sie mit den Abbotts und dem wabernden Schlund verbindet. Im Staffelfinale wird ein bisschen aufgelöst, was diese Verbindung ist.

Etwas mehr Tempo und einen Fingerzeig mehr

Für meinen Geschmack hätte «Outer Range» zwar – neben mehr ganzen Sätzen in den Dialogen – etwas mehr Tempo in die Geschichte bringen können. Auch ein, zwei Andeutungen mehr, wie dieses Loch und die Zeit zusammenhängen, wären hilfreich gewesen, damit man interessierter dabeibleibt.

Aber wenn man sich auf diese typische Westernatmosphäre einlässt und den Figuren ein paar Eigenheiten nachsieht, dann unterhält «Outer Range» ordentlich.

Achtung Cliffhanger und falsche Töne

Allerdings muss noch vor zwei Dingen gewarnt werden: Die Geschichte ist nicht zu Ende erzählt, eine zweite Staffel noch nicht bestätigt. Könnte also etwas unbefriedigend werden, wenn Amazon die Serie nicht verlängert.

Wirklich schlimm ist der Soundtrack. Da werden Songs eingespielt, die zwar in einen Western passen, aber null zur Handlung. Und eine der Figuren singt dauernd laut und so falsch, dass es zwar in den Ohren etwas wehtut, aber irgendwie auch witzig ist.

*Ist die gender-inclusive Version von Cowboy und -girl. Habe ich zum ersten Mal in «The Power of the Dog» gehört.

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Besetzung: Josh Brolin | Imogen Poots | Lili Taylor | Tom Pelphrey | Tamara Podemski | Lewis Pullman | Noah Reid
Serie entwickelt von: Brian Watkins
Genre: Mystery | Western | Drama
USA, 2022