Limitless (Staffel 1) – Gesünder leben (und sterben) mit Chris Hemsworth

Serienposter mit Schriftzug. Ein Mann in voller Laufbewegung rennt auf die Kamera zu.

Läuft bei: Disney+ (1 Staffel, 6 Episoden à 60 Min.)

Chris Hemsworth, bekannt als der nordische Gott Thor aus dem Marvel Cinematic Universe, begibt sich auf die Suche nicht nach dem ewigen, aber immerhin langen und gesunden Leben. Das allein tönt noch nicht wirklich reizvoll.

Mehr als Ernährungstipps und Fitnessübungen

Dann schaut man sich den Trailer von «Limitless» an und ist nicht nur von den tiefblauen Augen des australischen Schauspielers fasziniert (und seinem Oberkörper 😉). Hemsworth taucht in arktische Gewässer, klettert in atemberaubenden Höhen, stürmt in ein brennendes Gebäude. Das verspricht Action, nicht nur gesundbeterische Ernährungstipps und ein paar Fitnessübungen.

Zwei Menschen in Schutzanzügen und Atemmasken. Im Hintergrund lodern Flammen.
Stresstest im Feuerinferno. © National Geographic for Disney+ / Craig Parry

Hemsworth lässt sich auf ein paar ziemlich wahnwitzige Herausforderungen ein, die genüsslich inszeniert werden, teilweise ein bisschen überdramatisiert. Dahinter steckt Darren Aronofsky, der die Serie produziert hat und bekannt ist für seinen opulenten, etwas melodramatischen Stil in Filmen wie «Pi» oder «Black Swan».

Humor, Entschlossenheit und Zweifel

Man steigt vielleicht vor allem wegen des zu erwartenden Gaudis in die Serie ein. Aber man bleibt dabei, weil einem Hemsworth mit (australischem) Humor und seiner Entschlossenheit, mit der er die Aufgaben angeht, bei der Stange hält. Manchmal lässt er sogar eine verletzliche Seite durchscheinen. Wobei man nicht vergessen darf, dass der Mann von Beruf Schauspieler ist.

Was ebenso zum Sehvergnügen beiträgt, sind die Drehorte. Sie werden mit eindrucksvollen Aufnahmen in Szene gesetzt, wie man es von National Geographic gewohnt ist. Den Stresstest absolviert Hemsworth auf dem Dach von «Crown Sydney», dem höchsten Gebäude der Stadt. Auf einem schmalen Kransteg balanciert er 270 Meter über dem Hafen.

Ein schmaler Balken in grosser Höhe auf dem die Beine und Füsse eines balancierenden Menschen zu sehen sind.
Obwohl Hemsworth gesichert ist und Stressübungen hinter sich hat, ist sein Puls ziemlich hoch bei diesem Balanceakt. © National Geographic for Disney+
Expert:innen mit Hang zum Pathos

Mutmasslich auf den Lofoten schwimmt er im knapp 2° kalten arktischen Meer. Idyllische rote Häuser säumen den Hafen, es schneit, wenn Hemsworth ins eiskalte Nass taucht. Für eine zweitägige Wanderung ohne Hilfsmittel kehrt er nach Australien zurück ins Northern Territory. Das Nachtlager schlägt er in der Nähe eines wunderschönen Wasserfalls auf.

In jeder Episode erklären Expert:innen ausführlich, welche positiven Auswirkungen die Herausforderungen auf den Körper haben. Das ist oft mit etwas zu viel Pathos inszeniert. Ob die Wissenschaftlichkeit ihrer Aussagen bis ins Letzte standhält, müsste man verifizieren.

Eine Gondel schwebt hoch über Baumwipfeln. An einem langen Seil klettert ein Mann empor zur Gondel.
In den Blue Mountains hoch über den Baumwipfeln absolviert Hemsworth eine mörderische Kletterübung. © National Geographic for Disney+
Gesund leben? Gesund sterben!

Mit der Zeit bekommt man aber genug von der Predigt der Selbstoptimierung. Die Botschaft ist ein bisschen zu penetrant, dass jede:r alle Krankheiten besiegen kann, egal ob Krebs, Alzheimer oder Herzkreislauf, wenn er:sie sich nur anstrengt.

Umso versöhnlicher ist die letzte Episode, in der Hemsworth mit Altern, Sterben und Tod konfrontiert wird. Das Eingeständnis, dass auch das gesündeste Leben im Tod endet, holt den Optimierungswahn auf den Boden der Tatsachen zurück.

Hemsworth Begegnung mit dem Tod

In dieser Episode zeigt sich wohl am besten, was «Limitless» auszeichnet. Die Serie ist massentauglich und oft konventionell, wenn auch immer optisch herausragend inszeniert. Hin und wieder geht sie aber an die Grenzen dessen und ein bisschen darüber hinaus, was man üblicherweise in solchen Dokus vorgesetzt bekommt.

Ältere Menschen machen Turnübungen. Mitten drin ein Mann mit einem Anzug und Helm, Seile an Händen und Füssen.
Hemsworth probiert Aerobic in einem Anzug, der ihn die Anstrengungen spüren lässt, die ihn im Alter erwarten. © National Geographic for Disney+/Craig Parry

Zum Thema Tod spricht Hemsworth mit einer jungen Frau, bei der Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde. Das ist tatsächlich berührend und man glaubt ihm, dass ihn diese Begegnung tief bewegt hat.

Noch überzeugender wäre es gewesen, wenn er in einem Sterbehospiz mit Menschen gesprochen hätte, die nur noch Tage zu leben haben. Aber das hätte die Grenze des Zumutbaren für ein Durchschnittspublikum wohl überschritten.

Wie viele Sterne gibst du «Limitless» Staffel 1?
1 Stimme

Besetzung: Chris Hemsworth | Elsa Pataky | Peter Attia | Ross Edgley | Aaron Grist | Luke Zocchi | Liam Hemsworth | Luke Hemsworth | India Rose Hemsworth
Serie entwickelt von: Darren Aronofsky | Ari Handel
Genre: Doku
USA / AUS / GB, 2022

Westworld (Staffel 4) – Eine tolle Serie hat ihren Zenit überschritten

Läuft bei: Sky (4 Staffeln, 36 Episoden à 55 Min.)

Was bisher geschah
Weil es viel zu kompliziert ist, die Handlung der vorhergehenden Staffeln zusammenzufassen, empfehle ich dafür ein YouTube-Video (Engl. mit engl. UT):
WESTWORLD Season 1-3 Recap (22 Min.) oder nur die 3. Staffel (8 Min.)

Sieben Jahre sind vergangen seit der Zerstörung von «Rehoboam», dem System, das in Staffel 3 die Menschheit manipulierte. Charlotte Hale (Tessa Thompson) verfolgt gemeinsam mit William (Ed Harris) ihr Ziel, die Kontrolle über die Menschen zu erlangen.

Dolores ist jetzt Christina

Charlotte (die ja eigentlich Dolores Abernathy ist) ersetzt Menschen durch Hosts. Ihre Gegenspieler:in sind Maeve (Thandiwe Newton) und Caleb (Aaron Paul), die ihre Pläne zu durchkreuzen versuchen.

Teddy (James Marsden) war die grosse Liebe von Dolores. Er öffnet Christina (Evan Rachel Wood) die Augen. © HBO

In New York lebt Christina (Evan Rachel Woods), die aussieht wie Dolores, aber offensichtlich nicht die uns bekannte Dolores ist. Sie arbeitet für eine Unterhaltungsfirma und erfindet Charaktere für Computergames.

Die Apokalypse naht

Allerdings scheint ihre Arbeit eng verknüpft mit der Realität. Ein Mann wirft ihr vor, dass sie sein Schicksal bestimme. Tatsächlich weist er Ähnlichkeiten auf mit einer von Christinas fiktiven Figuren. Und wie diese Figur nimmt er sich das Leben.

Auch Bernard (Jeffrey Wright) begegnen wir wieder. Er hat Jahre in der virtuellen Welt, dem «Sublime» verbracht und Simulationen durchgespielt. Bernard weiss nämlich, dass die reale Welt dem Untergang geweiht ist. Nur eine einzige Reihe von Ereignissen könnte das verhindern. Die will er jetzt in Gang setzen.

Einschätzung

Es ist ziemlich aussichtslos, die Story der vierten Staffel von «Westworld» nachzuerzählen. Die Zeitebenen werden – wie üblich in dieser Serie – wild durcheinandergewirbelt. Und alles ist viel komplizierter, als es scheint.

Rätsel um Rätsel

Im zweiten Teil dreht die Geschichte in eine andere Richtung, als man zu Beginn erwarten würde. Die Hosts haben die Welt erobert und den Spiess umgedreht. Charlotte lässt die Menschen wortwörtlich nach ihrem Willen tanzen.

Das ist einerseits faszinierend. Andererseits beschleicht einen der Verdacht, dass die vielen Rätsel, die unendlichen Verwirrspiele, die uns die Serie auftischt, nur noch reiner Selbstzweck sind.

Charlotte (Tessa Thompson) hat sich die Menschen untertan gemacht. © HBO
Ein bisschen wie «Inception» – man kann es lieben oder hassen

Wäre nicht ganz überraschend, schliesslich steckt ein Nolan hinter der Serie. Jonathan, der Bruder von Christopher Nolan. Dessen Film «Inception» teilt die Welt ja auch in zwei Lager: Die grossen Fans und die Hater, die dem Film vorwerfen, das sei reine selbstverliebte Gehirnwindungsverdrehung. Oder neudeutsch: ein Mindfuck.

Auf jeden Fall ist es ziemlich anstrengend, dauernd darauf zu achten, ob wir gerade wieder die Zeitachse gewechselt haben. Rauszufinden, ob da ein Host oder ein Mensch vor einem steht. Und überhaupt: In welcher (virtuellen) Realität sind wir eigentlich?

Ehrvoller Abgang mit einer fünften Staffel – hoffentlich

Trotzdem bewahrt die Geschichte einiges an Reiz. Auch wenn man gerade den Faden verloren hat, welche Version von Maeve wiedermal von den Toten auferstanden ist.

Die ganz grosse Begeisterung, die vor Jahren die ersten beiden Staffeln von «Westworld» auslösten, stellt sich nicht mehr ein. Die Serie hat ihren Zenit überschritten. Jetzt noch ein ehrenvoller Abschluss mit einer fünften Staffel und dann ist gut.

Die Umfrage ist beendet

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Besetzung: Evan Rachel Woods| Thandiwe Newton | Ed Harris | Jeffrey Wright | Tessa Thompson | James Marsden | Luke Hemsworth | Aaron Paul | Angela Sarafyan | Aurora Perrineau | Nozipho Mclean
Serie entwickelt von: Lisa Joy | Jonathan Nolan
Genre: Science-Fiction | Thriller | Mystery
USA, 2022