Star Trek: Discovery (Staffel 4) – Eine Crew in der Sinnkrise

Läuft bei: Paramount+ oder in deutscher Synchronfassung auf Pluto TV

Michael Burnham ist jetzt Captain der USS Discovery. Eine Dunkle-Materie-Anomalie (DMA) taucht in der Galaxie auf und zerstört ganze Planeten, darunter auch die Heimat von Book, Michaels Freund.

Die Wissenschaftler können sich nicht erklären, wie dieses Phänomen entstanden ist, und wissen auch nicht, wie es zu stoppen ist. Mit der Zeit stellt sich heraus, dass die DMA kein natürliches Phänomen ist – nur: Wer oder was steckt dahinter? Die Discovery muss es herausfinden, um die Zerstörung der Erde zu verhindern.

Ich finde

Ich war bis jetzt ziemlich angetan von der Serie. Die Abenteuer, die die ehemalige Meutererin Burnham mit der Discovery-Crew absolvierte, waren spannend und unterhaltsam in guter Star-Trek-Tradition.

Auch in dieser vierten Staffel ist die Hauptgeschichte mit der zerstörerischen DMA, die die ganze Galaxie bedroht, nicht unspannend. Allerdings macht dieser Erzählstrang fast den kleineren Teil der ganzen Story aus. Immer wieder geht es um Probleme und Sinnkrisen von Crew-Mitgliedern.

Book stürzt in tiefe Depressionen nach der Zerstörung seines Heimatplaneten, das ist ja noch nachvollziehbar. Dr. Culber, der von den Toten auferstanden ist, kämpft mit der Frage: warum gerade ich? Lieutenant Tilly sucht den Sinn des Lebens. Captain Saru entdeckt die Liebe, usw.

Was bewegend sein sollte, nervt nur

Dass Seriencharaktere individueller gezeichnet werden, ist nicht ungewöhnlich oder per se schlecht. Was aber auf den Geist schlägt, sind diese pseudo-tiefsinnigen Dialoge, in denen diese Probleme gewälzt werden. Was eigentlich bewegend sein sollte, nervt nur. Weil in jeder Episode mindestens zwei Figuren eine grosse Krise schieben, zerstört es zu einem grossen Teil den Spass an der Serie.

Einen anderen nervigen Aspekt, in dem sich dieser Hang zu banalem Pathos auch zeigen liesse, muss ich hier auslassen, weil sich das nicht ohne Story-Spoiler erklären liesse.

Wer sich ärgerte, als Discovery bei Netflix verschwand, kann sich jetzt trösten. Es ist nicht wirklich schade drum. Leider – denn die ersten drei Staffeln waren recht gut.

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Besetzung: Sonequa Martin-Green | Doug Jones | Anthony Rapp | Mary Wiseman | David Ajala | Oded Fehr | Tara Rosling | Chelah Horsdal | Sonja Sohn
Showrunner: Bryan Fuller | Alex Kurtzman
Genre: Science-Fiction
USA, 2021

The Wire (Staffeln 1-5)

Läuft bei: Sky (5 Staffeln, 60 Episoden à 60 Min.)

Baltimore in den Nullerjahren: eine Stadt im Zerfall, Drogenkriminalität, Korruption und Arbeitslosigkeit beherrschen die Stadt. Eine spezielle Einheit der Polizei versucht gegen die Drogenbarone und die geschmierten Politiker anzukämpfen, auch nicht immer mit den saubersten Methoden.

Ich finde

Es hat gedauert, bis ich dieses Urgestein der modernen TV-Serie endlich komplett geschaut habe. Die erste Staffel schon zweimal angefangen und hängen geblieben. Auch jetzt habe ich mich zu Beginn gefragt, weshalb die Serie so hochgelobt ist.

Einverstanden, eine tolle Sozialstudie in einem äusserst unbehaglichen Umfeld – egal ob in den Drogenvierteln, im Polizeirevier oder Bürgermeisterbüro. Aber ähnlich vielleicht wie bei «Breaking Bad» braucht’s ein bisschen Durchhaltevermögen. Mit der vierten und fünften Staffel hat sich die Serie einen der obersten Plätze in der ewigen Bestenliste der TV-Serien redlich verdient.

Die Figuren bekommen noch mehr Tiefe, die Geschichten noch mehr Differenzierung. Hier gelingt die Zeichnung dieser Gesellschaft perfekt, wo der Alltag eigentlich die reine Hölle ist. Gewalt, Mord, Betrug und Intrige nimmt man auch als Zuschauer als Normalzustand einfach zur Kenntnis. Hier noch nach Moral zu fragen, ist absolut nutzlos.

Trotz dieser depressiven Grundstimmung versinkt man nicht im Elend. Denn egal, ob Drogenbaron, Killer, korrupter Politiker oder Alkoholiker mit Polizeibadge – es sind alles Menschen. Nicht wirklich tröstlich, aber gnadenlos packend.

Besetzung: Dominic West | John Doman | Deirdre Lovejoy | Wendell Pierce | Lance Reddick | Sonja Sohn | Clarke Peters | Andre Royo | Michael Kenneth Williams | Idris Elba | Delaney Williams | Jamie Hector
Created by: David Simon
Genre: Krimi | Drama
USA, 2002-2008

The Blacklist (Staffel 8)

Läuft bei: Netflix (8 Staffeln, 175 Episoden à 45 Min.)

The Blacklist für Einsteiger

Der intellektuelle Lebemann und Grosskriminelle Raymond Reddington arbeitet mit einer geheimen FBI-Task Force zusammen. Er liefert dem FBI Hinweise auf andere Kriminelle, dafür ist ihm Immunität garantiert. Mit der Agentin Elizabeth Keen verbindet ihn eine besondere Beziehung, die über die Staffeln hinweg langsam enthüllt wird.

Es geht rund in der achten Staffel. Reddington begeht einen Mord zu viel und macht sich Liz zur Todfeindin. Sie will endgültig mit ihm abrechnen, steigt aus der FBI Task Force aus und baut ihr eigenes kriminelles Netzwerk auf, um Reddington zur Strecke zu bringen.

Aber – es kommt alles ein wenig anders. Am Schluss der Staffel ist man nur noch einen kleinen Schritt davon entfernt, die wahre Identität von Raymond Reddington zu erfahren und wie er wirklich zu Liz steht …

Ich finde

… aber weil’s eine neunte Staffel geben soll, wird dieses letzte Geheimnis nicht gelüftet. Ein Cliffhanger, der etwas nervt. Denn die ganze Staffel hindurch redet Reddington hundertmal um den heissen Brei herum, was es nicht spannend, sondern nur noch nervig macht. Man sitzt da und denkt sich: Spucks aus oder halt die Klappe, aber laber nicht dauernd denselben Sch… .

Spannender dagegen ist die Storyline, dass Liz jetzt zur dunklen Seite wechselt. Nur: Auch da haperts ein bisschen. Liz-Darstellerin Megan Boone verschwindet plötzlich für acht Episoden aus der Serie.

So erfährt man zwar immer, was sie jetzt Schlimmes anstellt, aber nur aus der Sicht der anderen. Bis sie dann wieder auftaucht und eine Folge lang diese acht Episoden aus der Sicht von Liz nacherzählt werden – ziemlich bemühend.

Das Grundrezept von Blacklist funktioniert immer noch. Dass die Geschichte um das Geheimnis von Reddington und Liz weitergetrieben wird, ist auch ok.

Aber Stoff für 23 Episoden gibt das nicht wirklich her, 12 hätten gereicht. Und die grosse Überraschung am Schluss kommt nicht so überraschend, wenn man vorher gelesen hat, dass eine Hauptfigur aus der Serie ausgestiegen ist.

Besetzung: James Spader | Megan Boone | Diego Klattenhoff | Harry Lennix | Hisham Tawfiq | Amir Arison | Mozhan Marnò | Laura Sohn | Deirdre Lovejoy
Created by: Jon Bokenkamp
Genre: Krimi | Thriller
USA, 2020