Devs (Mini-Serie) – Quantencomputer gegen den freien Willen

Läuft bei: Disney+ (Mini-Serie, 8 Episoden à 50 Min.)

Lily (Sonoya Mizuno) und ihr Freund Sergei (Karl Glusman) arbeiten für das Tech-Unternehmen Amaya. Sergei wird vom Amaya-Chef Forest (Nick Offerman) ins «Devs»-Team berufen. Diese Eliteprogrammierer:innen arbeiten an einem geheimnisvollen Projekt, in dessen Zentrum ein ultraleistungsfähiger Quantencomputer steht.

Der Freund verschwindet

Nach seinem ersten Arbeitstag bei «Devs» kommt Sergei am Abend nicht nachhause. Lily ist beunruhigt und meldet ihren Vorgesetzten bei Amaya, dass Sergei verschwunden ist. Der Sicherheitschef Kenton (Zach Grenier) zeigt ihr Bilder von Überwachungskameras, die Sergei beim Verlassen des Firmengeländes zeigen.

Das Verschwinden ihres Freunds führt Lily (Sonoya Mizuno) auf die Spur des wahren Ziels des Projekts «Devs». © FX

Lily kann sich nicht damit abfinden, dass ihr Freund einfach so abgehauen sein soll. Sie bittet ihren Ex-Freund Jamie (Jin Ha) um Hilfe. Er soll ein passwortgeschütztes Programm auf Sergeis Handy knacken. Jamie will ihr aber (noch) nicht helfen.

War es wirklich Suizid?

Am nächsten Tag wird Sergeis Leiche auf dem Amaya-Gelände gefunden. Aufnahmen der Überwachungskameras zeigen, wie er sich mit Benzin übergiesst und anzündet.

Dass Sergei Suizid begangen haben soll, ist für Lily unvorstellbar. Einen ersten Hinweis, dass sie recht haben könnte, ergibt sich aus dem Programm auf seinem Handy. Jamie entschlüsselt es schliesslich doch für Lily. Die Spur, die sie darauf findet, deutet auf Spionage und möglicherweise Mord.

Einschätzung

Nach den ersten beiden Episoden könnte man meinen, «Devs» sei ein herkömmlicher Thriller im Silicon-Valley-Milieu. Ist es auch ein bisschen, aber das ist bei weitem nicht alles, was die Serie zu bieten hat. Mehr zum Inhalt preiszugeben, würde aber den Spass verderben.

Faszinierend kühl und gemächlich

Doch schon von Beginn an spürt man, dass sich hier kein Whodunit herkömmlicher Machart abspielen wird. Dafür sind die Figuren zu distanziert, wirken seltsam emotionslos. Mit Ausnahme von Lily, die ihre Befürchtungen über Sergeis Schicksal mit Tränen in den Augen ausdrückt. Doch Lily wird sich später ebenfalls der allgemeinen Kühle und Rationalität hingeben.

Die Stunde der Wahrheit: Katie (Alison Pill) erzählt Lily, was wirklich passiert ist und geschehen wird. © FX

Auch das Tempo ist für einen Thriller viel zu gemächlich. Beides nicht ganz untypisch für den Macher der Serie: Alex Garland. Garland ist vor allem bekannt für den Sci-Fi Thriller «Ex Machina» (fand ich sehr gelungen) und das Horrordrama «Annihilation» (fand ich wenig gelungen).

«Devs» stellt tiefgründige Fragen

Wie in seinen beiden Filmen unterlegt Garland auch in «Devs» die Handlung mit philosophischen Betrachtungen. Ohne zu viel zu verraten, geht es in «Devs» um die Frage des freien Willens gegen Determinismus.

Das verpackt er geschickt in eine Geschichte, die dazu die Übermacht der Tech-Giganten und die fehlende Kontrolle über diese Firmen thematisiert und die Frage, wie viele Welten existieren eigentlich?

Die verstorbene Tochter als gruslige Statue

Etwas banal wirkt einzig die Motivation von Forester, die Forschung an seinem mysteriösen Projekt verbissen voranzutreiben. Er kommt nicht über den Tod seiner kleinen Tochter hinweg.

Amaya ist allgegenwärtig in Forests (Nick Offerman) Tech-Firma. © FX

Nach ihr ist nicht nur seine Firma benannt. Eine gigantische, ziemlich gruslige Statue seiner Amaya überragt auch das ganze Gelände. Aber für den Plot ist dieser Schicksalsschlag entscheidend.

Nach dem Ende geht es weiter – im eigenen Kopf

Man lässt sich am Schluss gerne und mit Gewinn auf die leicht verwinkelte und etwas behäbige Geschichte ein. Zudem ist es eine dieser eher seltenen Geschichten, bei der nach dem Ende der Serie die Gehirnwindungen noch ein bisschen weiterdrehen.

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Besetzung: Sonoya Mizuno | Nick Offerman | Jin Ha | Cailee Spaeny | Alison Pill | Stephen McKinley Henderson | Zach Grenier | Jefferson Hall
Serie entwickelt von: Alex Garland
Genre: Drama | Mystery | Science-Fiction
USA, 2020

The Good Fight (Staffel 5) – Covid, Cancel Culture und der Sturm aufs Kapitol

Läuft bei: Disney+ (5 Staffeln, 51 Episoden à 45 Min.) / Amazon (Staffeln 1-3)

Diane Lockhart gerät zunehmend unter Druck: Die mehrheitlich afroamerikanische Belegschaft will sie nicht mehr an der Spitze der Kanzlei. Das strapaziert Dianes Beziehung zu Liz Roddick, der zweiten noch verbliebene Chefin der Kanzlei, nachdem Adrian Boseman die Firma verlassen hat.

Auch mit ihrem Ehemann Kurt durchlebt Diane turbulente Zeiten, weil er mit Leuten in Kontakt stand, die am 6. Januar das Kapitol stürmten. Kurt kommt deshalb ins Visier des FBI.

Auf der juristischen Seite beschäftigt die Kanzlei – neben anderen Fällen – ein selbsternannter Richter. Hal Wackner (Mandy Patinkin – immer wieder schön, ihn zu sehen) hat im Lagerraum eines Copy-Shops das «Amtsgericht 9¾» eröffnet, in dem er frei von rechtlichen Regeln seine Urteile fällt. Diese Anarcho-Justiz findet zum Entsetzen von Diane grossen Anklang bei Rechtssuchenden.

Ich finde

In der fünften Staffel heisst es leider Abschied nehmen von zwei tragenden Figuren: Der bisherige Firmenchef Adrian Boseman wendet sich der Politik zu und die Anwältin Lucca Quinn hat ein lukrativeres Angebot angenommen als Finanzchefin für ihre superreiche Freundin Bianca.

Dafür beginnt mit Carmen Moyo eine neue Anwältin. Sie kommt zwar direkt von der Uni, macht aber einem wichtigen Klienten der Firma so viel Eindruck, dass er sie als seine Hauptanwältin will.

Aktuelle Themen unterhaltsam verpackt

Auch dieser Anarcho-Richter Wackner sorgt für viel Aufruhr mit seiner unkonventionellen Rechtsprechung, die aufzeigt, wie sehr das «richtige» Justizsystem (in den USA) sich von den Ansprüchen der Bevölkerung entfremdet hat.

Mit dem Sturm aufs Kapitol, Cancel Culture, Covid-Krise, Rassendiskriminierung und -bewusstsein finden sich wie gewohnt aktuelle politisch-gesellschaftliche Themen wieder, die in Rechtsfälle verpackt werden. Immer kritisch, witzig, teilweise auch sarkastisch und deshalb sehr unterhaltsam.

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Besetzung: Christine Baranski | Sarah Steele | Nyambi Nyambi | Audra McDonald | Michael Boatman | Gary Cole | Mandy Patinkin | Charmaine Bingwa | Zach Grenier
Showrunner: Michelle King | Robert King
Genre: Krimi | Drama
USA, 2021