

Apple TV (1 Staffel, 10 Episoden à 50 Min.)
Carol Sturka (Rhea Seehorn) dürfte eine der griesgrämigsten und grantigsten Personen sein, die auf der Erde zu finden ist. Kein Wunder, dass sie ausrastet, als die Welt nur noch mit glücklichen und freundlichen Menschen bevölkert ist. «What the hell is wrong with you people?», schreit sie ihre lächelnden Mitmenschen an.

Ein «Geschenk» des Himmels
Allerdings hat sie einen Punkt: Den Frieden auf Erden verdankt die Menschheit nicht der plötzlichen Einsicht, dass die Welt ein besserer Ort ist, wenn man sich mit Anstand und Respekt begegnet. Schuld daran ist ein ausserirdisches Virus, das alle infiziert hat – ausser Carol und elf weitere Menschen.
Kommt dazu, dass knapp eine Milliarde Menschen die Transformation nicht überlebten, darunter Carols Partnerin Helen (Miriam Shor). Verständlich, dass Carol mehr als unglücklich über das «Geschenk» aus dem Weltall ist.
Die Story, die sich Vince Gilligan («Breaking Bad», «Better Call Saul») für seine neue Serie ausgedacht hat, ist wirklich überraschend und ungewöhnlich. Zwar ist die Story angelehnt an Sci-Fi-Klassiker wie «Invasion of the Body Snatchers» oder «The Thing», nimmt aber nicht die übliche Wendung ins Horrorgenre.

Sind Miesepeter die besseren Menschen?
Stattdessen macht «Pluribus» aus einem eigentlich paradiesischen Zustand eine beklemmende Dystopie. Dabei ist der Kniff mit der miesepetrigen Carol wohl eine der besten Ideen. Würde sich eine sympathische Hauptfigur der ausserirdischen Invasion entgegenstellen, würde man das als Null-acht-fünfzehn-Story abtun.
So aber gerät man immer wieder ins Grübeln. Wäre die Welt nicht besser, wenn es keine Carols gäbe? Sie ist ja nicht nur dauernd schlecht gelaunt. Sie verhöhnt ihre Fans, die ihre schlüpfrigen Fantasyromane lieben, und bezeichnet sie als Idioten. Eigentlich verachtet Carol alle Mitmenschen, ausgenommen Helen.

Der Preis fürs Glücklichsein
Sicher, die andere Seite hat auch ihre Nachteile. Der Preis für das Glück ist hoch. Man verliert als Teil einer Schwarmintelligenz jegliche Individualität, arbeitet nur noch im und für das Kollektiv und muss sich einer sehr unappetitlichen Diät unterwerfen.
Dennoch wirkt diese neue Zivilisation deutlich attraktiver als andere Ausprägungen, wie etwa die Borg im «Star Trek»-Universum. Diese Ambivalenz der Gefühle verlässt einen nie, wenn man Carol zuschaut, wie sie sich mit ihrer neuen Umgebung auseinandersetzt.

Rhea Seehorn ist beeindruckend
Dass «Pluribus» nicht in eine deprimierende Düsternis verfällt, ist nicht nur der sonnigen Atmosphäre von New Mexico zu verdanken. Der Humor, gerne ziemlich schwarz, kommt trotz allem nicht zu kurz. Das ist ein weiterer Pluspunkt für die Serie.
Nicht zuletzt beeindruckt Rhea Seehorn mit ihrer Leistung. Sie ist in fast jeder Einstellung zu sehen, spielt die Wut, Angst und Konfusion, die Carol durchlebt, mit grossartiger Leichtigkeit.

Begeisternd, aber nicht makellos
Bei aller Begeisterung für «Pluribus» ist die Serie nicht ganz makellos. Sie gefällt sich etwas zu sehr in der eigenen Cleverness und verliert sich in Längen. Am deutlichsten zeigt sich das beim endlosen Trip von Paraguay nach New Mexico, den Manousus (Carlos-Manuel Vesga) unternimmt. Das soll wohl atmosphärisch wirken und den Charakter vertiefen, ist aber im besten Fall schön anzusehen oder wirkt eben ziemlich langweilig.
Trotzdem muss man «Pluribus» zugestehen, dass sie eine der aussergewöhnlichsten Serien des vergangenen Jahres war. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht, jetzt, wo Carol im Kampf gegen die ausserirdische Bedrohung zu wanken beginnt, während Manousus umso entschlossener dagegen vorzugehen scheint.
Besetzung: Rhea Seehorn | Karolina Wydra | Carlos-Manuel Vesga | Miriam Shor | Samba Schutte | Menik Gooneratne | Darinka Arones | Soledad Campos | Anna Mhairi | Max Reeves
Serie entwickelt von: Vince Gilligan
Genre: Science-Fiction | Drama | Komödie
USA, 2025











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