Neagley
Staffel 1, Prime Video


Wer bei Jack Reacher auf seine Kosten gekommen ist, wird auch an der neuen Action-Serie mit Frances Neagley Gefallen finden. «Neagley» ist ein Spin-off von «Reacher» und folgt demselben Erfolgsrezept: viel Action mit einem Hauch Drama.
Neagley arbeitet als Privatdetektivn in Chicago. Doch sie wird mit einem Fall konfrontiert, der sie persönlich trifft. Ihr Schulfreund Tommy ist ums Leben gekommen. Er wurde von einer Hochbahn überfahren. Für die Polizei ist der Fall klar: Suizid. Neagley sieht das anders, als sie von Tommys Eltern eine Nachricht erhält, die er für sie hinterlassen hat.
Die Spur führt zu einem Bauernhof, auf dem Lawrence Cole als Sektenführer eine treue Anhängerschaft um sich geschart hat. Hinter der idyllischen Fassade verbirgt sich ein Labor, in dem illegal an Menschen experimentiert wird. Neagley holt sich Unterstützung: Der Polizist Hudson Riley, die Detektei-Assistentin Renee Birdwhistle und der Strassenjunge Keno stehen ihr zur Seite.
Die Aufdeckung von Coles Machenschaften sorgt für reichlich Action, Fäuste, Kugeln und Blut. Doch wie Reacher kämpft auch Neagley mit inneren Dämonen. Eine traumatische Kindheitserfahrung hat bei ihr Haptophobie ausgelöst: Sie erträgt es nicht, andere zu berühren oder berührt zu werden.
Ob es dieses Spin-off braucht, bleibt Geschmackssache. Abgesehen von der Hauptfigur unterscheidet es sich kaum vom Original. Wer nach der vierten Staffel von «Reacher» noch nicht genug Action hat, findet in «Neagley» aber Unterhaltung für den nächsten Serienmarathon.
Babylon Berlin
Staffel 5, ARD/Sky Show


Die letzte Staffel von «Babylon Berlin» beginnt mit einem Anfang. Was auf gewisse Weise unbefriedigend ist: Wir wissen, was folgte, als Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. Ein Happy End kann es nicht geben – weder für Deutschland noch für Gereon Rath und Charlotte Ritter. Doch die beiden wehren sich mit Händen und Füssen – und Bomben.
Charlotte deckt den Zusammenhang mehrerer Morde auf. Die Spuren führen in ein Lazarett, wo am Ende des Ersten Weltkriegs der Gefreite Adolf Hitler behandelt wurde. Sein Arzt hielt ihn für einen Simulanten. Würde das bekannt, käme es dem neuen Reichskanzler ungelegen. Also müssen die Krankenakte und die damaligen Zeugen verschwinden.
Gereon und sein Bruder planen einen Bombenanschlag auf ein Treffen Hitlers mit den mächtigsten Industriellen Deutschlands. Der Gastgeber Alfred Nyssen hält Hitler für einen nützlichen Idioten, der den Reichen noch mehr Macht und Geld verschaffen soll. Er irrt sich gewaltig. Auch eine Volksfront von SPD und KPD hätte Hitler vielleicht stoppen können. In der Serie versucht ein Trio, zwei führende Frauen beider Parteien an einen Tisch zu bringen. Doch die Annäherung kommt zu spät. Obwohl wir wissen, dass alle diese Anstrengungen scheitern, fesseln die Handlungsstränge.
Die letzte Staffel passt erschreckend gut in die Gegenwart: Lügen als politische Botschaft, Wirtschaftsbosse, die sich aus Profitgier um einen Autokraten scharen, und Parteien, die sich im Kampf gegen Faschismus vereinen müssen. Bedrückend ist das allemal. Am Ende überwiegt aber die Faszination für eine deutsche Serie, die über alle Staffeln hinweg von A bis Z gelungen ist.
R.J. Decker
Staffel 1, Disney+


Ich habe mich bei «Bad Monkey» als Fan von Carl Hiaasen geoutet. Seine Florida-Krimis sind witzig und voller schräger Figuren. Auch «R.J. Decker» gehört in dieses Universum. Decker steht im Mittelpunkt von Hiaasens Roman «Double Whammy» von 1987. Die Serie basiert laut Vorspann «lose» auf der Vorlage. Dieses «lose» ist das Problem.
Im Roman führt Hiaasen eine seiner skurrilsten Figuren ein: Clinton Tyree, genannt Skink. Einst Gouverneur von Florida, verschwand er in den Everglades. Dort lebt er als Öko-Aktivist, ernährt sich von «roadkill» und kämpft gegen Naturzerstörung. In der Serie taucht er aber gar nicht auf.
Produzent Rob Doherty hat Hiaasens abstruse Florida-Welt fürs TV weichgespült. Übrig bleiben Deckers Trailer und sein Knast-Kumpel, der am Tag seiner Entlassung Millionen im Rubbellos gewinnt. So fehlen der Serie die Ecken und Kanten, die «Bad Monkey» noch hatte.
«R.J. Decker» ist eine nette Serie über einen Privatdetektiv mit krimineller Vergangenheit – er war allerdings unschuldig. Dazu kommen sein Knast-Freund, Deckers Ex-Frau, die inzwischen mit einer Polizistin verheiratet ist, und die Frau, deren Zeugenaussage ihn damals hinter Gitter brachte – und die nun wieder auftaucht.
Decker löst unterhaltsame, teils skurrile Fälle, bis ihn die Vergangenheit einholt. Das ist solide TV-Unterhaltung, doch mit Hiaasens bissiger Satire auf Floridas korrupte Gesellschaft wäre daraus noch mehr zu machen gewesen.
Fans hoffen, dass Skink in der zweiten Staffel auftaucht. Ich hoffe das auch – sonst lohnt sich das Einschalten kaum.
In Kürze


Star Trek: Strange New Worlds (Staffel 4, Paramount+)
Die zentrale Frage bei dieser Serie lautet: Womit überrascht «Strange New Worlds» diesmal? Kurz gesagt: Die Enterprise-Crew wird zu Muppets, taucht in die schwelgerische Welt der Soap Opera ein und erkundet fremde (Unter)Welten in prachtvollem Chiaroscuro. All das sind charmante Ideen, doch mein persönliches Highlight dieser Staffel bleibt Una Chin-Rileys Gesangseinlage. Sie performt Bonnie Tylers «Total Eclipse of the Heart» – auf Klingonisch. Eine gelungene Hommage an die kürzlich verstorbene Sängerin, auch wenn das wohl Zufall war, da Tyler bei den Dreharbeiten noch lebte. Doch auch die klassischen Weltraumabenteuer-Episoden bieten erneut gute Unterhaltung. «Strange New Worlds» bleibt ein verlässlicher Genuss für Sci-Fi-Fans.


House of the Dragon (Staffel 3, HBO Max/Sky Show)
Meine Königin Rhaenyra, es fällt mir schwer es auszusprechen, doch die Stunde ist gekommen, an der sich unsere Wege trennen. Ich stand Euch lange Zeit treu zur Seite, als Ihr furchtlos gegen die hinterhältigen Hightowers, den Thronräuber Aegon und dessen blutrünstigen Bruder Aemond gekämpft habt. Dabei nahm ich hin, dass Eure mächtigsten Kämpfer, die Drachen, oft langatmigen Plots weichen mussten. Nun erobert Ihr zwar endlich den Eisernen Thron. Doch es offenbart sich endgültig, dass Eure Geschichte nur ein blasser Schatten dessen ist, was noch kommen wird. Es fehlt Euch zur sehr die Strahlkraft einer Daenerys Targaryen, Eurem Umfeld ein Held wie Jon Snow und Euren Gegnern ein Schalk wie Tyrion Lannister, als dass ich bei Eurem vorbestimmten Niedergang zuschauen möchte.


Matlock (Staffel 2, Sky Show)
Madleine «Matty» Kingston, die unter dem falschen Namen Matlock in einer Anwaltskanzlei arbeitet, sucht immer noch nach Beweisen, dass der oberste Boss der Kanzlei eine Studie zur Gefährlichkeit von Opioiden verschwinden liess. An ihrer Seite steht die Anwältin Olympia, ehemalige Schwiegertochter des Chefs. Daneben vertreten die beiden mit einem Team Klient:innen vor Gericht. Die Mischung von Gerichtsfällen und Mattys Mission funktioniert wiederum gut. Allerdings schlägt der Hauptplot mehr Haken als eine Hase auf der Flucht, um den Bogen über die ganzen 16 Episoden zu ziehen. Das wirkt auf die Dauer ermüdend. Einige Nebenfiguren und ihre Geschichten sorgen für etwas Ablenkung. «Matlock» bleibt unterhaltsam, hat aber von seinem Glanz eingebüsst.
Auf der Watchlist

Silo (Staffel 3, Apple TV)

Blind (Mini-Serie, Play Suisse)

Ted Lasso (Staffel 4, Apple TV)
Serien-Top-Ten
| 1️⃣ | ![]() | Babylon Berlin (Staffel 5) Historienkrimi, ARD/Sky Show |
| 2️⃣ | ![]() | Furious Thriller, Disney+ |
| 3️⃣ | ![]() | Neagley Action, Prime Video |
| 4️⃣ | ![]() | Star Trek: Strange New Worlds (Staffel 4) Sci-Fi, Paramount+ |
| 5️⃣ | ![]() | Braunschlag 1986 Komödie, HBO Max |
| 6️⃣ | ![]() | The Bombing of Pan Am 103 Dokudrama, Netflix |
| 7️⃣ | ![]() | Sugar (Staffel 2) Mysterykrimi, Apple TV |
| 8️⃣ | ![]() | R.J. Decker Krimi, Disney+ |
| 9️⃣ | ![]() | GIGN/Elite Force Action/Drama, Netflix |
| 🔟 | ![]() | Blodsoffer Nordic-Noir-Krimi, Netflix |
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Das Aus für „Spider Noir“ nach nur einer Staffel. Die sehr spezielle Superhelden-Serie war wahrscheinlich zu wenig massentauglich. Schade.