Blind (Mini-Serie) – Düster, packend und (fast) makellos

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**Alt-Text:** Serienposter «Blind» (SRF): Drei Personen vor dunklem Hintergrund – eine Frau links, ein Mann mit weissem Blindenstock in der Mitte, ein Mann rechts. Unten der Serientitel «Blind».
4 von 5 Sternen

Play Suisse (Mini-Serie, 6 Episoden à 50 Min.)

Bei Schweizer Serien ertappe ich mich oft dabei, dass ich Mühe bekomme, wenn die Handlung überdreht wirkt. Ähnlich übertriebene Plots stören mich bei US-amerikanischen oder britischen Produktionen aber kaum. Das liegt wohl daran, dass Schweizer Serien quasi vor der Haustür spielen und ich sie im Hinterkopf mit der Realität abgleiche.

Bei «Blind» musste ich diesen Reflex schnell überwinden, um diesem ausgefallen düsteren Krimi nicht unrecht zu tun. Denn die Geschichte nach dem Roman von Christine Brand bietet Spannung, Verwirrung und lässt keine Sekunde Langeweile aufkommen.

Keiner glaubt einem Ohrenzeugen

Im Mittelpunkt steht Nathaniel Brenner (Sven Schelker). Er ist als Kind erblindet. Ein traumatisches Erlebnis aus mehreren Gründen. Heute arbeitet er als Barkeeper. Eines Abends, als die Bar bereits geschlossen ist, taucht eine Frau auf. Sie spricht kurz mit ihm, dann überschlagen sich die Ereignisse: Die Frau wird entführt.

Ein Mann in einem weissen, blutbefleckten Hemd steht in einem schwach beleuchteten Raum. Seine Hände sind blutüberströmt und halten einen Gegenstand. Sein Gesichtsausdruck wirkt angespannt und erschrocken.
Nathaniel (Sven Schelker) wird vom Zeugen eines Verbrechens zum Hauptverdächtigen für die Polizei. © SRG SSR

Das erzählt Nathaniel der Polizei. Doch Kommissar Sandro Bandini (Nicola Perot) zweifelt an Nathans Schilderungen. Nicht zuletzt, weil dieser blutverschmiert auf der Wache auftaucht und den Tathergang logischerweise nur eingeschränkt schildern kann. Wer glaubt schon einem Ohrenzeugen?

Das Liebespaar gerät aneinander

Doch die Journalistin Milla Nova (Lia von Blarer) eilt Nathan zu Hilfe. Sie kennt ihn seit seiner Jugend – und sie ist Sandros Freundin. Diese Dreieckskonstellation wird noch für manchen Konflikt sorgen.

Denn Milla und Sandro geraten sich noch in einem zweiten Fall ins Gehege. Sie recherchiert zu rätselhaften HIV-Ansteckungen, während er eine Leiche in der Aare findet – eines der Opfer dieser Infektionen, wie sich herausstellt. Die Spur führt zu Jean Schwaabe (Manuel Rubey), einem Maltherapeuten und Heiler von der esoterischen Sorte. Alle Opfer hatten an seinen Kursen teilgenommen.

Zwei junge Menschen sitzen auf einem Bett in einem schwach beleuchteten Dachzimmer und schauen sich intensiv an. Die Frau trägt ein schwarzes Top, der Mann ein dunkelblaues T-Shirt.
In der Nacht ein Liebespaar und tagsüber Konkurrenten. Milla (Lia von Blarer) jagt nach Schlagzeilen, Sandro (Nicola Perot) nach Verbrecher:innen. © SRG SSR/Severin Nowacki

«Blind» verknüpft die beiden Fälle geschickt und überzieht die Handlung mit traumatischen Ereignissen, sei es in der Vergangenheit oder in der Gegenwart. Das wirkt manchmal überzogen, dient aber dem Plot und schafft düstere, verstörende Momente.

Wo es mir dann doch zu viel wurde

Das Einzige, was ich «Blind» nicht verzeihe, ist die Darstellung Millas als Topjournalistin. Sie schreibt – mal so schnell im Zug von Bern nach Zürich – einen Artikel, in dem sie ohne einen Hauch von Belegen Jean Schwaabe als Urheber der HIV-Ansteckungen darstellt.

Dafür und dass sie den Artikel heimlich ins Blatt hievt, gehört sie gnadenlos gefeuert. Aber ihr Chef ist ein glühender Fan und deckt sie, weil sie so brillant schreibt. Diese Szene hat meine Toleranz für übertriebene Darstellungen definitiv überstrapaziert 😅.

Besetzung: Sven Schelker | Lia von Blarer | Nicola Perot | Deleila Piasko | Manuel Rubey | Esther Gemsch | Barbara Terpoorten | Michael Neuenschwander | Stefan Merki
Serie entwickelt von: Plinio Bachmann
Genre: Krimi | Drama
CH, 2026

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