

ARD (VPN)/Sky Show (5 Staffeln, 48 Episoden à 45 Min.)
Die letzte Staffel von «Babylon Berlin» beginnt mit einem Anfang. Was auf eine gewisse Art sehr unbefriedigend ist. Denn wir wissen, was die unausweichlichen Folgen waren, als Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte.
Egal, welchen Weg «Babylon Berlin» für die finale Staffel einschlägt, es kann kein Happy End geben – weder für Deutschland noch für Gereon Rath (Volker Bruch) und Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries). Aber die beiden wehren sich mit Händen und Füssen – und Bomben.

Die Jagd nach der Krankenakte eines Gefreiten
Zuerst muss Charlotte den Zusammenhang mehrerer Morde in Berlin aufdecken. Die Spuren führen in ein Lazarett, wo am Ende des Ersten Weltkriegs Kriegsversehrte behandelt wurden, darunter der österreichische Gefreite Adolf Hitler.
Der behandelnde Arzt stuft Hitler als Simulanten ein. Würde das jetzt bekannt, käme das dem neu ernannten Reichskanzler Hitler sehr ungelegen. Deshalb müssen Hitlers Krankenakte und die Zeugen von damals verschwinden.

Der Bombenanschlag
Die Entlarvung von Hitlers angeblicher Erblindung durch Senfgas als Lüge hätte den Lauf der Geschichte verändern können. Eine andere Möglichkeit wäre sein Tod durch einen Bombenanschlag gewesen, wie ihn Gereon und sein Bruder (Jens Harzer) planen.
Der geeignete Anlass dafür ist das Treffen Hitlers (Clemens Schick) und einiger Getreuen wie Hermann Göring (Devid Striesow) mit den mächtigsten Industriellen Deutschlands, zu dem Alfred Nyssen (Lars Eidinger) einlädt. Er hält Hitler für einen nützlichen Idioten, der ihm und seinen Kollegen zu noch mehr Reichtum verhelfen wird.

Die Volksfront gegen den Faschismus
Die dritte Möglichkeit, wie Hitler zu verhindern gewesen wäre, ist historisch verbrieft. Hätten sich SPD und KPD vereint gegen die Faschisten gestellt, wäre Deutschland die Nazi-Herrschaft erspart geblieben.
In «Babylon Berlin» versucht ein Trio um die Kriegswitwe Elisabeth Behnke (Fritzi Haberland) zwei führende Vertreterinnen der beiden Parteien an einen Tisch zu bringen. Tatsächlich nähern sich die beiden in ihren Positionen an, aber die Anstrengungen für eine Volksfront kommen zu spät.

Obwohl wir wissen, dass all diese Anstrengungen scheitern werden, fesseln die Handlungsstränge. Stimmungsvolle Gesangseinlagen (hervorragend: Zaho de Sagazans «Zu Asche, zu Staub») und bunte Shows in Berlins queerem Untergrund setzen faszinierende Kontrapunkte zum düsteren Alltag, in dem SA-Schergen mordend durch die Strassen ziehen.
Der perfekte Abschluss der Serie zur passenden Zeit
Man kann nicht darüber hinwegsehen, dass die letzte Staffel von «Babylon Berlin» perfekt in die heutige Zeit passt. Lügen und Desinformation als politische Botschaft, Wirtschaftsbosse, die sich aus Profitgier um einen Autokraten scharen, und Parteien, die zusammenfinden müssen, um im Kampf gegen den Rechtsextremismus zu gewinnen – zu alldem finden sich Entsprechungen in der Gegenwart.
Das alles ist bedrückend. Bei «Babylon Berlin» überwiegt am Ende die Faszination für eine deutsche Serie, wie es sie noch selten gab. Sie ist ein Glanzstück, das über alle Staffeln hinweg von A bis Z gelungen ist.
Besetzung: Volker Bruch | Liv Lisa Fries | Fritzi Haberlandt | Karl Markovics | Christian Friedel | Godehard Giese | Jens Harzer | Martin Wuttke | Hannah Herzsprung | Lars Eidinger | Peter Jordan | Udo Samel | Devid Striesow | Misel Maticevic | Clemens Schick
Serie entwickelt von: Henk Handloegten | Tom Tykwer | Achim von Borries
Genre: Drama | Historie | Krimi
D, 2026












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