R.J. Decker (Staffel 1) – Hiaasens Florida-Krimi, weichgespült fürs TV

📅

📝

**Alt-Text:**Poster der Disney+-Serie «R.J. Decker»: Ein lächelnder Mann mit Dreitagebart hält eine Kamera mit einem Einschussloch in der Linse vors Gesicht. Im Hintergrund Palmen und warmes Sonnenlicht – Urlaubsatmosphäre in Florida.
3 von 5 Sternen

Disney+ (1 Staffel, 9 Episoden à 45 Min.)

Ich habe mich schon bei «Bad Monkey» als Fan von Carl Hiaasen geoutet. Seine Florida-Krimis sind witzig, voller schräger Figuren und absurder Geschichten. Auch «R.J. Decker» gehört in Hiaasens Florida-Universum.

Decker steht im Mittelpunkt von Hiaasens Roman «Double Whammy» (1987). Die Serie «basiert lose» auf dieser Vorlage, wie es im Vorspann heisst. Und dieses «lose» entpuppt sich als Problem.

Ein Mann mit Dreitagebart und braunen Haaren hält eine Fujifilm-Kamera aus einem Fahrzeugfenster. Er trägt ein grünes Hemd und blickt konzentriert nach vorne. Im Hintergrund sitzt eine weitere Person.
R.J. Decker (Scott Speedman) war Pressefotograf, bis er für 18 Monate hinter Gitter landete. Jetzt versucht er sich als Privatdetektiv. © Disney+
Der Öko-Rächer aus den Everglades

In «Double Whammy» führt Hiaasen eine seiner skurrilsten Figuren ein: Clinton Tyree, genannt Skink. Tyree war Gouverneur von Florida, bis er sein Amt eines Tages fluchtartig verliess und in den Everglades verschwand. Hier lebt er seither als Öko-Aktivist, der sich von «roadkill» ernährt und gegen die Zerstörung der Natur kämpft.

Skink bleibt in Hiaasens Romanen zwar eine Nebenfigur, doch er taucht in acht Büchern auf, die man deshalb die «Skink-Reihe» nennt. In «R.J. Decker» taucht Skink jetzt aber überhaupt nicht auf.

Zwei Personen in einem Polizeibüro: Eine Frau im braunen Blazer schaut einen Mann im gemusterten T-Shirt an, der einen Stift hält. Im Hintergrund sind Computerbildschirme und ein Polizeiemblem zu sehen.
Dass Mel Abreu (Bevin Bru), die neue Ehefrau seiner Ex-Frau, Polizistin ist, kommt Decker mehr als einmal sehr gelegen. © Disney+
Weichgespült fürs breite Publikum

Das hat seinen Grund: Produzent Rob Doherty hat Hiaasens abstruse Florida-Welt für das Durchschnitts-TV-Publikum weichgespült. Eine exzentrische Figur wie Skink passt da nicht ins Bild.

Das Schrillste, was übrig bleibt, ist Deckers Trailer, in dem er wohnt, und sein Kumpel, den er im Gefängnis kennenlernte und der am Tag seiner Entlassung Millionen mit einem Rubbellos gewann.

Zwei Männer in lässiger Sommerkleidung unterhalten sich an einem geschwungenen Bartresen. Auf dem Tresen stehen Flaschen und Gläser. Die Szene wirkt wie eine Innenaufnahme aus einer TV-Serie.
Mit dem Geld, das er beim Rubbeln gewonnen hat, hat sich Wish Aiken (Kevin Rankin) ein Restaurant gekauft. © Disney+
Privatdetektiv mit krimineller Vergangenheit

Damit hat Doherty der Geschichte ziemlich alle Ecken und Kanten abgeschliffen, die in «Bad Monkey» noch zum Tragen kamen. Deshalb ist «R.J. Decker» nicht mehr und nicht weniger als eine nette Serie über einen Privatdetektiv mit krimineller Vergangenheit (er war allerdings unschuldig).

Dazu kommen der oben erwähnte Knast-Freund, Deckers Ex-Frau, die inzwischen mit einer Polizistin verheiratet ist, und die Frau, deren Zeugenaussage ihn damals hinter Gitter brachte – und die nun wieder auftaucht.

Zwei Personen gehen eine sonnige Strasse entlang. Die Frau trägt einen cremefarbenen Hosenanzug, der Mann ein blaues Hemd mit Jeans. Beide lächeln und sind in ein Gespräch vertieft.
Emi Ochoa (Jaina Lee Ortiz) ist die Frau, die Decker hinter Gitter brachte. Als sie wieder auftaucht, wird ihre Beziehung noch komplizierter. © Disney+
Hiaasen-Fans hoffen auf Skink

In diesem Umfeld löst Decker mithilfe seiner Freund:innen einige halbwegs unterhaltsame, teils skurrile Fälle, bis ihn die alte Geschichte einholt, die ihn einst ins Gefängnis brachte. Das ist alles solide, doch Hiaasens bissige Satire auf Floridas von Korruption und Gier geprägte Gesellschaft fehlt schmerzlich.

Hiaasen-Fans hoffen inständig, dass Skink in der bereits auf ABC gestarteten zweiten Staffel endlich auftaucht. Ich hoffe das auch – sonst lohnt sich das Einschalten kaum.

Besetzung: Scott Speedman | Jaina Lee Ortis | Kevin Rankin | Bevin Bru | Adelaide Clemens | David Zayas | Mélodie Rose Romano
Serie entwickelt von: Robert Doherty
Genre: Krimi
USA, 2026

Beitrag teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung