Furious (Staffel 1) – Die gerechte Wut einer Serienmörderin

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**Alt-Text:** Serienplakat «Furious» auf Hulu: Ein farbintensives Gesicht in Rot, Orange und Gelb dominiert das Bild. Davor steht eine kleine weibliche Silhouette. Oben der Name «Emmy Rossum», unten der Slogan: «There's a thin line between hunter and prey.»
5 von 5 Sternen

Disney+ (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)

Ein Agent jagt besessen einen Serienmörder – das ist abgedroschen. Eine Agentin jagt eine Serienmörderin – das klingt frisch und verspricht Neues. Doch «Furious» belässt es nicht beim Geschlechtertausch. Der Thriller spinnt eine Hintergrundgeschichte, die erst Unbehagen weckt, dann Entsetzen und Wut.

Die lustvolle Betrachtung eines Todeskampfes

Dabei beginnt alles sehr konventionell. Eine junge Frau sitzt an Halloween verkleidet vor einem Haus. Als ein Junge mit seiner Mutter auftaucht und Süssigkeiten will, geht sie ins Haus.

Dort schleppt sich im oberen Stock ein Mann mit blutverschmierten Händen über den Boden. Die Frau tadelt ihn: Er solle zurück in sein Zimmer. Doch er robbt weiter, stürzt die Treppe hinab. Die Frau legt sich neben ihn, lächelt ihn an und sagt: «Jetzt ist es Zeit für dich zu sterben». Sie zieht eine Spritze auf, injiziert sie und sieht zufrieden zu, wie er röchelnd stirbt.

Zwei Personen liegen nebeneinander und schauen sich an: ein Mann in weissem, zerknittertem Hemd und eine junge Frau mit langen blonden Haaren in schwarzer Bluse. Die Szene wirkt intim und dramatisch.
Catherine (Lola Petticrew) geniesst es, dass ihre Opfer ihr hilflos ausgeliefert sind. © Hulu/Disney+
Vermeintlich stereotype Figuren

Catherine (Lola Petticrew) scheint eine klassische Psychopathin zu sein, die aus reinem Vergnügen tötet. Auch ihre Gegenspielerin, die FBI-Agentin Alice Black (Emmy Rossum), entstammt scheinbar dem üblichen Drehbuchbausatz.

Alice ist neu beim FBI und will sich beweisen, damit sie in ihre Wunschabteilung wechseln kann. Sie will zur Einheit, die sich mit Sexualverbrechen beschäftigt. Da kommt es wie gerufen, dass ihr vormaliger NYPD-Kollege Danny (Scoot McNairy) sie als Unterstützung für den Halloween-Mord anfordert.

Das Opfer ist Caleb Easton (Clark Moore), Sohn des einflussreichen Geschäftsmanns Jay Easton (Peter McRobbie). Polizei und FBI rätseln über das Motiv. Doch Alice erinnert sich an einen ähnlichen Fall.

**Alt-Text:**Eine Frau mit dunklem, lockigem Haar trägt eine dunkelblaue Windjacke mit der gelben Aufschrift «FBI». Sie blickt nachdenklich zur Seite. Im Hintergrund ist ein grünes Licht zu sehen.
Für Alice (Emmy Rossum) führt die Jagd nach der Serienmörderin zur Konfrontation mit ihrer eigenen Vergangenheit. © Hulu/Disney+
Was Täterin und Jägerin verbindet

Ein Zuhälter, der einen Sexring mit Teenagerinnen betrieb, wurde vor einiger Zeit ebenfalls mit einer Überdosis Fentanyl tot aufgefunden. Nach und nach wird klar: Dieselbe Täterin steckt hinter beiden Morden.

Catherine war eine der jungen Frauen, die Männern feilgeboten wurden und die mit den Mädchen tun und machen konnten, was sie wollten. Sie war 15, als sie mit ihrer besten Freundin ins Haus von Jay Easton bestellt wurde. Ihre Freundin starb an diesem Abend. Jetzt will Catherine Rache.

Auch Alice wurde Opfer von Gewalt. Ihr ehemaliger Freund, ein NYPD-Cop, schlug sie regelmässig, wenn er zu viel getrunken hatte. Als ihre Kollegen und Vorgesetzten ihn deckten, verliess sie den Polizeidienst.

Ein Mann im dunkelblauen Anzug mit Krawatte sitzt vor einem FBI-Emblem und einer US-Flagge. Er trägt einen Dienstausweis und blickt ernst in die Kamera.
Das System schützt die Täter. Nicht Marshall (Jake Lacey) musste das NYPD verlassen, sondern seine Freundin Alice, die er regelmässig misshandelte. © Hulu/Disney+
Als Zuschauer:in im moralischen Dilemma

«Furious» führt langsam und eindringlich in die Gefühlswelt der beiden Frauen ein, die keine Chance haben, je Gerechtigkeit zu erfahren für das, was ihnen angetan wurde. Das System schützt die Täter, weil es Männer sind und weil sie Macht besitzen.

Das führt zu einem moralischen Dilemma: Catherine mordet grausam, doch man versteht sie. Ihre Wut ist berechtigt, ihr Rachefeldzug nachvollziehbar. Alice geht es ähnlich. Sie versteht Catherins Beweggründe. Dennoch will sie sie fassen. Aber noch mehr will sie Jay Easton zur Verantwortung ziehen, der – so stellt sich heraus – über Jahrzehnte junge Frauen missbrauchte.

**Alt-Text:**Eine Frau im Blazer beugt sich über einen Schreibtisch und spricht eindringlich mit einem Mann im Anzug, der in einem Bürostuhl sitzt. Im Hintergrund eine Stadtsilhouette. Büroatmosphäre.
Das System schützt die Täter. Nora (Quincy Tyler Bernstine) kommt ihrem Vorgesetzten (Danny McCarthy) auf die Spur, der Jay Easton jahrelang gedeckt hat. © Hulu/Disney+
Was sich hinter den Initialen J.E. verbirgt

Es ist kein Zufall, dass dieser abscheuliche Widerling die Initialen J.E. trägt. «Furious» greift die Geschichte von Jeffrey Epstein auf, der jahrelang unbehelligt einen Ring zur sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen betreiben konnte und dabei vom Schutz mächtiger Freunde profitierte.

Doch die Serie nutzt Epsteins Fall nicht bloss als Empörungsvehikel. Sie beleuchtet die Komplexität sexueller Gewalt, in der es durchaus auch Grautöne gibt. Die hervorragenden Schauspieler:innen und Dialoge, die nie in Klischees verfallen, tragen dazu bei, dass es «Furious» gelingt, dem abgelutschten Genre des Serienmörder-Krimis frischen Wind einzuhauchen.

Besetzung: Emmy Rossum | Lola Petticrew | Scoot McNairy | Quincy Tyler Bernstine | Jake Lacy | Rob Yang | Steve Way | Danny McCarthy | Hope Davis | Peter McRobbie
Serie entwickelt von: Elizabeth Meriwether
Genre: Thriller | Drama | Krimi
USA, 2026

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