

HBO Max (Mini-Serie, 5 Episoden à 45 Min.)
Österreichische TV-Serien lieben das Skurrile – eine Tradition, die weit zurückreicht. Von 1976 bis 1984 produzierte der ORF die Krimiserie «Kottan ermittelt», die das Genre auf den Kopf stellte. Zuschauer:innen und die Polizeigewerkschaft protestierten nach den ersten Folgen heftig.
Kein Wunder: Statt klassischer Krimi-Kost bot die Serie anarchische Satire. Skurrile Figuren, Wiener Schmäh, schwarzer Humor und die gnadenlose Demontage von Polizei und Obrigkeit machten «Kottan ermittelt» zu einem eigenwilligen Experiment im deutschsprachigen Fernsehen.
Ein wundervoller Ort voller Spinner
In dieser Tradition steht auch «Braunschlag». 2012 rückte das fiktive Dorf im Waldviertel, nahe der tschechischen Grenze, erstmals ins Rampenlicht (Staffel ebenfalls auf HBO Max). Der Ort, bevölkert von schrägen Charakteren, stand kurz vor der Pleite. Doch Bürgermeister Gerri Tschach (Robert Palfrader) und Discobetreiber Richard Pfeisinger (Nicholas Ofczarek) hatten eine rettende Idee: Sie inszenierten ein Marienwunder.

Das perfekte Opfer für die Erscheinung der Jungfrau Maria war Richard Mattusek (Raimund Wallisch), Betreiber eines UFO-Landeplatzes. Mit der gleichen Inbrunst, mit der er zuvor Aliens angekündigt hatte, verbreitete er die frohe Botschaft, dass ihm die Mutter Jesu erschienen sei. Bald strömten Hunderte Pilger:innen nach Braunschlag. Doch die geniale Idee stürzte nicht nur das Dorf, sondern auch das Leben von Gerri und Richard ins Chaos.
Ein Neuanfang in den heilen 80er-Jahren
14 Jahre später knüpft der ORF mit «Braunschlag 86» an. Wieder stehen Gerri und Richard im Mittelpunkt. Sie blieben als Einzige im Dorf, nachdem es am Ende der ersten Staffel evakuiert werden musste. Der Grund: Der örtliche Firmenpatron hatte illegal radioaktive Abfälle gelagert.

Heute strahlt in Braunschlag nichts mehr – dabei wäre ein wenig Strahlkraft willkommen, um das Dorf neu zu beleben. Gerri und Richard haben erneut einen Einfall: Sie erklären, dass Braunschlag ab sofort im Jahr 1986 lebt. Ein Sprung zurück in eine vermeintlich heile Welt: ohne Internet, ohne Handys, ohne Flüchtlinge, ohne Globalisierung. Die Mauer steht noch, und Tschernobyl liegt ein paar Monate in der Zukunft.
Die Vergangenheit löst keine Probleme der Gegenwart
Die Nostalgie-Idee zieht tatsächlich neue Bewohner:innen an: Digital-Detox-Fans, völkische Nationalisten und einen Teenager-Milliardär, der die Retro-Idylle in einen Themenpark verwandeln will. Es entbrennt ein Wettstreit um die Zukunft des Dorfs in der Vergangenheit. Auch UFO-Fan Richard Mattusek mischt wieder mit.

So schräg die Geschichten auch diesmal sind, schwingt mehr Nachdenklichkeit mit als in der ersten Staffel. Die Vergangenheit, das zeigt sich schnell, liefert keine Antworten auf die Fragen von heute oder morgen. «Braunschlag 86» wirkt dadurch bedrückender – ein Spiegel der Gegenwart. Unterhaltsam bleibt die Serie trotzdem.
Besetzung: Robert Palfrader | Nicholas Ofczarek | Raimund Wallisch | Nina Proll | Maria Hofstätter | Stefanie Reinsperger | Arthur Vischer | Thomas Stipsits | Erol Nowak
Buch und Regie: David Schalko
Genre: Komödie | Drama
AUT, 2026











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