

HBO Max (Mini-Serie, 7 Episoden à 30 Min.)
Die USA feiern. Vor 250 Jahren erklärten die Gründerväter die Unabhängigkeit vom britischen Königreich. Ein geeigneter Anlass, um auf die Geschichte dieser Nation zu blicken, die die Neuzeit geprägt hat. Besonders reizvoll wäre ein humorvoller Blick darauf – denn heute gibt es in den USA wenig zu lachen.
Genau das versucht die Serie «Life, Larry and the Pursuit of Unhappiness: an Almost History of America». Doch der Versuch scheitert. Die Serie ist zwar nicht so geschmacklos wie die Käfigkämpfe, die Trump vor dem Weissen Haus inszenierte.
Der grosse Komödiant hat versagt
Aber Larry David, der die Serie entwickelt hat und im Mittelpunkt steht, versagt im wichtigsten Punkt: Seine Sketche über bedeutende Ereignisse aus der US-amerikanischen Geschichte sind schlicht nicht lustig.

Das überrascht. Denn David ist Co-Creator von «Seinfeld» und begeistert das Publikum seit Jahren mit seiner Serie «Curb Your Enthusiasm». Darin spielt er einen pedantischen und sturen Prinzipienreiter, der aber im Kern oft recht hat und deshalb zum sympathischen Antihelden wird.
Mit diesen Charakterzügen ausgestattet begibt er sich nun auch auf Zeitreise in die US-amerikanische Geschichte. Aber hier funktioniert dieser Ansatz überhaupt nicht.
Die Witze sind lau bis peinlich
Wenn er als Robert R. Livingston fordert, die Unabhängigkeitserklärung solle auch das Verbot enthalten, Desserts oder Regenschirme zu teilen oder sich im Bart zu kraulen, nutzt sich der Witz nach wenigen Minuten ab.

Nahezu peinlich wirkt es, wenn er sich neben Rosa Parks (Jurnee Smollett) in den Bus setzt, sie belabert und plötzlich fragt, was sie schlimmer fände: Von einem Weissen oder einem Schwarzen überfallen zu werden. Sei doch eine soziologisch interessante Frage, fügt er an. Oder wenn er während der Grossen Depression in einer Suppenküche eine Frau (Kaley Cuoco) anbaggert, deren Mann sich eben erst das Leben genommen hat.
Nur selten: ein Sketch mit etwas Biss
Etwas besser gelingt die Szene mit George Washington (Rob Reiner in seiner letzten Rolle), der erklärt, warum er keine dritte Amtszeit anstrebt, und hofft, dass seine Nachfolger seinem Beispiel folgen.

David, als Mann aus dem Volk unter den Zuhörern, findet das etwas naiv. Er will vom Präsidenten wissen, wie verhindert wird, dass eines Tages ein beschränkter und korrupter Narzisst Präsident wird, der zudem mit einem Pädophilen befreundet ist. Klar, wer damit gemeint ist.
Wehmütige Erinnerung an Philomena Cunk
Doch wie die meisten Sketche – ich habe 12 von 28 gesehen – ist auch dieser zu langfädig und franst aus, statt eine starke Schlusspointe zu setzen. Es gelingt David nicht, humorvoll eine tiefere Wahrheit in den Geschichtsepisoden zu enthüllen oder sie mit Sarkasmus in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.

Wehmütig erinnert man sich an Philomena Cunk, die in «Cunk on Britain» erfrischend respektlos die Geschichte ihres Landes beleuchtet. Unvergesslich auch, wie sie in «Cunk on Earth» einen US-amerikanischen Historiker fragt, weshalb es in seinem Land erlaubt sei, andere Menschen mit Schusswaffen zu ermorden. So hätte sich auch David mit dem Second Amendment auseinandersetzen können.
Beeindruckend sind nur die Stars und das Intro von Barack Obama
Zwei Dinge sprechen dennoch für «Life, Larry and the Pursuit of Unhappiness». Erstens: das beeindruckende Staraufgebot. Es erstaunt, wen David alles für sein Projekt gewinnen konnte.

Zweitens: das Intro mit Barack Obama, der die Serie zusammen mit Michelle Obama produzierte. Obama leitet mit viel Pathos in die Geschichte der «grossen Nation» ein, die die revolutionäre Idee verbreitet, dass alle Menschen gleich sind. Doch plötzlich wechselt er den Ton und wettert gegen kleinkarierte, miesepetrige Neinsager, die den Fortschritt blockieren.
Der Ex-Präsident zeigt, dass er nicht nur Staatsmann kann, sondern auch Komödie. Man sehnt sich nach der Zeit zurück, als Politiker im Weissen Haus sassen, die ihr Amt verstanden – und manchmal auch für Unterhaltung sorgten.
Besetzung: Larry David | Samuel L. Jackson | Barack Obama | Kaley Cuoco | Kathryn Hahn | John Hamm | Don Johnson | Richard Kind | Jimmy Kimmel | Timothy Olyphant | Rob Reiner | Jurnee Smollett | Lin-Manuel Miranda | Rita Wilson | Paul Rudd | Vince Vaughn
Serie entwickelt von: Larry David | Jeff Schaffer
Genre: Historie | Komödie
USA, 2026











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