

Netflix (1 Staffel, 6 Episoden à 50 Min.)
Einen Superlativ verdient «GIGN» («Elite Force»): Die Serie endet so abrupt wie keine andere. Das passt zu ihrem unentschlossenen Stil, der nicht recht weiss, was er erzählen will.
«GIGN» schwankt zwischen dem actionreichen Alltag einer Eliteeinheit der Polizei und dem komplizierten Privatleben der Hauptfigur David (Tomer Sisley), das von Familie, Freundschaft, einer Affäre und Loyalität geprägt ist.
Wenn es persönlich wird, wird es banal
David kommandiert eine GIGN-Einheit (Groupe d’intervention de la Gendarmerie nationale). Zu Beginn beobachtet er Polizist:innen, die sich für die Antiterroreinheit beworben haben, bei einer Prüfung. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei Max (Tristan Zanchi).

Max besteht die Prüfung mit Bravour. Aber David freut sich nicht darüber. Im Gegenteil: Er erhöht den Schwierigkeitsgrad für Max bei der nächsten Prüfung. Dahinter steckt eine der vielen persönlichen Geschichten, die den Figuren Tiefe verleihen sollen.
Genau hier liegt die Schwäche von «GIGN». Diese Dramen wirken klischeehaft und banal. Bei Max ist es die Geschichte seines Vaters, der zur «GIGN» gehörte und im Dienst ums Leben kam. Max will in seine Fussstapfen treten. David, sein Götti, will das verhindern, weil Max‘ Mutter nicht noch einen geliebten Menschen verlieren soll.
Die Kolleg:innen sind die wirkliche Familie
Das alles wird mit viel Pathos erzählt. Wie Max seinen Vater als Helden verehrt, wie David seinem Freund und Partner kurz vor dessen Tod geschworen hat, sich um Max zu kümmern. Und wie David seine Zukunftspläne opfert, um Max beschützen zu können, als dieser die Aufnahme in die GIGN schafft.
Denn eigentlich wollte David den Dienst quittieren, um endlich mehr Zeit für seine Frau Jessica (Judith El Zein) und seine Tochter Manon (Leah Aubert) haben. Doch er ist mit seinem Beruf verheiratet und stellt die GIGN immer über seine Familie. Ein weiteres Klischee.

Die Stärke von «GIGN» liegt in den Einsätzen der Spezialeinheit. Da kommt Spannung auf und es ist Action drin. Beim ersten Einsatz verfolgt die Elitetruppe einen Kleinlaster, der gestohlenen, hochexplosiven Sprengstoff transportiert. Als sie den Transporter stellen, droht der Fahrer, die Ladung in die Luft zu jagen. Erst nach nervenaufreibenden Verhandlungen gelingt es GIGN, die Gefahr zu bannen.
Als Actionserie ok, als Drama ein Flop
Doch sie finden nur die Hälfte des gestohlenen Sprengstoffs. Die Suche geht weiter und konfrontiert David mit seiner Vergangenheit. Mehr sei nicht verraten, aber das Drehbuch schlägt hier haarsträubende Volten.
«GIGN» hätte besser funktioniert, wenn sich die Handlung nur auf die Abenteuer einer Antiterroreinheit beschränken würde. Das hätte saubere, wenn auch unoriginelle Action geboten. Man müsste sich dann nicht über den misslungenen Versuch ärgern, den Figuren mit stereotypen Hintergrundgeschichten Tiefe zu verleihen.
Besetzung: Tomer Sisley | Guillaume Gouix | Tristan Zanchi | Thierry Neuvic | Géraldine Pailhas | Judith El Zein | Leah Aubert | Audrey Looten | Grégori Derangère
Serie entwickelt von: Sylvain Caron | Julien Leclercq
Genre: Thriller | Action | Drama
F, 2026











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