

Sky Show (Mini-Serie, 6 Episoden à 50 Min.)
Nichts geht über britische Spione: für Action und Glamour James Bond, für Intrigen und Verrat George Smiley, für Sarkasmus und Desillusion Jackson Lamb. Sie alle verdanken ihre Existenz nicht zuletzt drei historischen Figuren: Donald Maclean, Guy Burgess und Kim Philby.
Diese drei gehörten zu den berüchtigten «Cambridge Five». Sie spionierten von den 1930er- bis in die 1950er-Jahre als Doppelagenten für den KGB. Ihr Übername geht darauf zurück, dass alle fünf – die anderen beiden sind Anthony Blunt und John Cairncross – in Cambridge studierten und dort rekrutiert wurden.
Mein bester Freund – ein Verräter
«A Spy Among Friends» basiert auf dem gleichnamigen Buch von Ben Macintyre und fokussiert auf Kim Philby. Die Serie beginnt, als Philby (Guy Pearce) als KGB-Maulwurf enttarnt wird. 1963 schickt der SIS (Secret Intelligence Service) – heute meist MI6 genannt – den Agenten Nicholas Elliott (Damian Lewis) nach Beirut.

Elliott war eng mit Philby befreundet. Er soll ihm ein Angebot unterbreiten: Immunität und Rückkehr nach England im Tausch gegen ein umfassendes Geständnis. Doch am Ende der stundenlangen Unterhaltungen über mehrere Tage entscheidet sich Philby für eine andere Option. Er flieht nach Moskau.
Die Frau gegen den «boys‘ club»
Elliott kehrt nach London zurück und wird dort seinerseits vom Inlandgeheimdienst MI5 verhört. Lily Thomas (Anna Maxwell Martin) will herausfinden, ob Elliott Informationen von Philby erhielt und ihn dafür entkommen liess. Denn die Gespräche, die allesamt abgehört wurden, enthalten einige kryptische Passagen.
Vieles dreht sich darin allerdings um ihre enge Freundschaft. Elliott ist zutiefst enttäuscht von Philby, den er fast schon anhimmelte. Rückblenden zeigen, wie sie sich im Krieg kennenlernten und im privilegierten «boys‘ club» der Upper Class amüsierten.

Elliotts Herkunft prägt auch seine Begegnungen mit Thomas. Der Frau aus dem Norden begegnet er zunächst herablassend – bis er erkennt, dass er sie unterschätzt hat.
Klassen- und Machtstrukturen werden seziert
Die Serie ist ein klassischer Spionagethriller: Niemand traut dem anderen, niemand legt die Wahrheit offen. Auch als Zuschauer:in tappt man lange im Dunkeln, wer welche Agenda verfolgt. Sicher ist nur, dass alle gegen die CIA arbeiten, die ebenfalls mitmischt.
Faszinierend sind aber vor allem die Dialogsequenzen. Darin werden die britischen Klassen- und Machtstrukturen seziert. Elliott und seine Kollegen sind über Philbys Verrat entsetzt, weil er den Tod Hunderter Menschen verursachte. Doch ebenso schockiert sie, dass er die ungeschriebenen Regeln der elitären «chaps»-Elite brach.

Regeln, die nicht unbedingt im Einklang mit jenen stehen, die normale Bürger:innen befolgen, wie Lily Thomas feststellt. Ihre Figur, die keinen historischen Hintergrund hat, dient als Kontrast zur Männerwelt der Geheimdienste der 1960er-Jahre.
Hervorragendes Darsteller-Trio
Sie ist allerdings dank der fesselnden Darbietung von Anna Maxwell Martin, die gerade erst in «Star City» als eiskalte KGB-Offizierin glänzte, mehr als nur eine Quotenfrau. Martin bietet Damian Lewis Paroli, der Elliott reizvoll als süffisanten Oberschichtler spielt. Guy Pearce spielt überzeugend den charismatischen Kim Philby, dessen grösste Stärke darin besteht, überall Freunde zu gewinnen.

«A Spy Among Friends» besticht durch die kluge Verbindung von Spionagethriller und Charakterdrama. Die Serie zeigt Verrat und Loyalität nicht als Gegensätze, sondern als Geflecht aus Freundschaft, Selbsttäuschung und politischen Interessen. Gerade die ruhige, atmosphärisch dichte Inszenierung und die herausragenden Darsteller machen den Fall Kim Philby zu einem gelungenen Stück Spionagegeschichte.
Besetzung: Guy Pearce | Damian Lewis | Anna Maxwell Martin | Stephen Kunken | Adrian Edmondson | Monika Gossmann | Nicholas Rowe | Luca Russel | Lucy Akhurst | Anastasia Hille | Daniel Lapaine | Thomas Arnold
Serie entwickelt von: Alexander Cary
Genre: Historie | Drama | Thriller
GB, 2022











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