

Prime Video (1 Staffel, 8 Episoden à 50 Min.)
«Scarpetta» landete auf meiner Liste, weil ich vor etwa 20 Jahren einige der Bücher von Patricia Cornwell über die Gerichtsmedizinerin gelesen hatte. Als ich die Serie einschaltete, musste ich feststellen, dass mir kaum etwas vertraut vorkam. Offensichtlich hinterliess die Krimireihe keinen bleibenden Eindruck.
Zwei Serienmorde auf zwei Zeitebenen
Bei der Serie könnte das anders sein, allerdings nicht im positiven Sinn. Die Erwartung an einen Krimi ist klar: Es geht um ein Verbrechen und dessen Aufklärung. Das liefert «Scarpetta» sogar doppelt. Einmal in der Gegenwart, andererseits 1998 am Anfang von Dr. Kay Scarpettas Karriere.

In der vergangenen Zeitebene jagt sie einen sadistischen Serienmörder, der mehrere Frauen getötet hat. Der Polizist Pete Marino (Jake Cannavale) verdächtigt den Ehemann des jüngsten Opfers. Kay Scarpetta (Rosy McEwen) hält das für unwahrscheinlich und verfolgt andere Spuren.
2026 kehrt Scarpetta (Nicole Kidman) nach Virginia zurück. Sie wird von einer Richterin (gespielt von Patricia Cornwell) als oberste Gerichtsmediziner vereidigt. Ihr erster Fall ist erneut der brutale Mord an einer Frau. Vieles am Tatort erinnert an die Serienmorde von 1998.
Die Familie funkt dauernd dazwischen
Auf der Leiche finden sich Fingerabdrücke. Sie gehören zu Matt Peterson (Anson Mount). Er war der Ehemann, den Scarpetta damals als Täter ausschloss. Hatte sie sich geirrt und einen Unschuldigen hinter Gitter gebracht?

Damit ist der Grundstein gelegt für interessante Mordermittlungen. «Scarpetta» könnte ein guter Krimi werden. Würde da nicht dauernd ihre Familie dazwischenfunken.
Scarpetta hat ihre Nichte Lucy (Ariana DeBose) grossgezogen. Lucy steckt in einer Krise, weil sie vor kurzem ihre Ehefrau Janet verlor. Doch sie liess Janet als KI-Figur wiederauferstehen und unterhält sich nun dauernd mit ihr.
Im Dauerstreit mit der Schwester
Creepy? Ja, aber nicht nervig. Dafür sorgt Scarpettas überdrehte, selbstsüchtige Schwester Dorothy (Jamie Lee Curtis). Ihre Figur scheint einzig dazu zu dienen, dauernd Streit anzufachen. Das führt zu zermürbenden Dialogen, in denen sich die Schwestern nur anbrüllen.
Kompliziert sind die Familienverhältnisse zudem, weil Dorothy mit Scarpettas ehemaligem Polizeikollegen Pete Marino (jetzt von Bobby Canavale gespielt, Jakes Vater 😃) verheiratet ist. Pete schwärmt heimlich aber immer noch für Kay. Deshalb ist er eifersüchtig auf Benton Wesley (Simone Baker), Kays Ehemann, den sie wie Pete bei ihrem ersten Fall kennenlernte,

Unnötiges Drama statt spannende Ermittlungen
Diese Fokussierung auf Familiendrama ist die Erfindung der Serienmacher:innen. Das zeigt sich daran, dass Dorothy in den Büchern keine tragende Rolle spielt.
Oder an anderen Details wie dem Tod von Scarpettas Vater. In der Buchreihe stirbt er an Leukämie. In der Serie wird sein Tod zu einem traumatischen Ereignis. Die kleine Kay muss miterleben, wie er bei einem Raubüberfall ermordet wird. Drama, Baby!
Was sich die Produzent:innen davon versprechen, ist mir rätselhaft. Mir hat der ganze Familien-Zoff den Spass an der Serie ziemlich verdorben.
Besetzung: Nicole Kidman | Jamie Lee Curtis | Bobby Cannavale | Simon Baker | Ariane DeBose | Tiya Sircar | Rosy McEwen | Jake Cannavale | Hunter Parrish | Savanna Lumar | Anson Mount
Serie entwickelt von: Elizabeth Sarnoff
Genre: Krimi | Drama
USA, 2026











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