Wolf Hall (Staffel 2) – Der Aufstieg und der tiefe Fall von Thomas Cromwell

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Zwei Männer in historischen Kostümen stehen vor einem roten Vorhang. Oben ist das Logo der BBC und die Titel «Wolf Hall & The Mirror and the Light» zu sehen. Die Männer tragen Pelzmäntel und Hüte aus der Tudor-Zeit.
5 von 5 Sternen

BBC (VPN)/arte (2 Staffeln, 12 Episoden à 60 Min.)

Unglaubliche zehn Jahre hat es gedauert, bis die zweite Staffel der Verfilmung von Hillary Mantels meisterhaften «Wolf Hall»-Reihe endlich auf die Bildschirme kam. Wie der erste Teil ist auch die finale Staffel ein grandioses Zeitstück mit umwerfenden Darsteller:innen. Das Warten hat sich gelohnt.

«The Mirror and the Light» setzt 1536 ein, kurz nach der Hinrichtung von Anne Boleyn, der zweiten Frau von Henry VIII. Thomas Cromwell (Mark Rylance) erreicht den Höhepunkt seiner Macht als oberster Berater des Königs (Damian Lewis). Doch bald beginnt sein Niedergang. Vier Jahre später wird Cromwell wegen Verrats und Ketzerei zum Tode verurteilt und auf dem Tower Hill hingerichtet.

Zwei Männer in historischer Kleidung. Der linke trägt einen roten Mantel und einen Hut, beugt sich leicht vor.
Einst engster Vertrauter des Königs Henry VIII (Damian Lewis) fällt Thomas Cromwell (Mark Rylance) in Ungnade. © BBC
Der hohe Preis der Macht

Die Serie schildert eindringlich, aber ohne Pathos oder Sensationslust, wie es dazu kam. Es ist vor allem eine Reise in die Seele von Thomas Cromwell, der vom Sohn eines Handwerkers in die höchsten Gefilde der Macht aufstieg und dafür einen hohen Preis bezahlte.

Damit ist nicht nur sein Ende auf dem Schafott gemeint. Cromwell ordnet alles seiner unerschütterlichen Loyalität zum König unter. Deshalb trifft er Entscheidungen, von denen er weiss, dass sie moralisch falsch sind. Für den Machterhalt überschreitet er Grenzen und zerstört seine politischen Gegner, im Wissen, dass sich das eines Tages rächen wird.

In einem prunkvollen Raum sitzt eine Gruppe von Männern in historischer Kleidung um einen Tisch. Im Zentrum steht ein Mann in prunkvollem Gewand.
Cromwell schafft sich im Kabinett des Königs durch seine kompromisslose Art manchen Feind. © BBC
Rylance und Lewis: Hinreissendes Duo

Mark Rylance spielt diese ambivalente Figur hinreissend. Auch wenn sein Gesichtsausdruck stoische Ruhe ausstrahlt, spiegeln seine Augen Zweifel, Unsicherheit und Abscheu wider, die ihn innerlich quälen. Ebenfalls eindrucksvoll ist Damian Lewis als Henry VIII. Vielleicht ist es der heutigen Zeit geschuldet, dass er in manchem an Trump erinnert: eitel, überheblich, unberechenbar und stets auf den eigenen Vorteil bedacht.

Cromwell versucht, diesen irrlichternden Machthaber im Zaum zu halten. So will er verhindern, dass Henry seine Tochter Mary hinrichten lässt, die sich weigert, Henry als Oberhaupt der Kirche anzuerkennen. Cromwells Einsatz für Mary könnte auch ein Versuch sein, seine Schuld am Tod von Anne Boleyn wiedergutzumachen.

Eine Frau in historischer Kleidung und roter Kopfbedeckung, verziert mit Perlen und Schmuck, schaut ernst.
Cromwell bringt die eigensinnige Mary (Lillit Lesser) dazu, sich ihrem Vater zu fügen und rettet so ihr Leben. © BBC

Die Versöhnung zwischen Henry und Mary gelingt. Doch Cromwell Einsatz für Marys Leben wird ihm später als Eigennutz ausgelegt. Man unterstellt ihm, er habe darauf spekuliert, Mary zu heiraten und selbst König zu werden.

Cromwell fällt in Ungnade

Das ist jedoch nicht der Hauptgrund für Cromwells Untergang. Der beginnt mit Tod von Jane Seymour, Henrys dritter Frau, und der Suche nach der nächsten Königin. Um Verbündete gegen das spanisch-französische Bündnis zu gewinnen, das die englische Krone bedroht, wählt Cromwell das Haus von Kleve.

Doch die Auserwählte Anna von Kleve missfällt Henry. Die Ehe wird zwar geschlossen, hält aber nur ein paar Monate. Henry macht Cromwell für diese Schmach verantwortlich.

Zwei Personen in historischer Kleidung stehen nebeneinander in einem dunklen Raum.
Im Porträt, das Hans Holbein von ihr malte, gefiel Anna von Kleve (Dana Herfurth) dem König. In natura dann nicht mehr. © BBC
Opfer seiner eigenen Methoden

Dass Cromwell in der Gunst des Monarchen gefallen ist, machen sich seine Gegner zunutze. Er wird entmachtet und eingekerkert. Die Vorwürfe, die ihm seine ärgsten Feinde unterbreiten, sind fast allesamt haltlos. In den Verhören empört sich Cromwell entsprechend.

Doch er weiss, dass es nicht um Wahrheit und Gerechtigkeit geht. Schliesslich hat er selber genauso gegen seinen Widersacher agiert. Jetzt, als seine Tage gezählt sind, zeigt sich Cromwell von einer anderen, verletzlichen Seite. Und wieder bringt Rylance auch diese Gefühlslage perfekt herüber.

Zwei mittelalterlich gekleidete Männer stehen in einem Torbogen aus Backstein. Der vordere Mann trägt einen schwarzen Hut.
Der Duke of Norfolk (Timothy Spall) ist einer von Cromwells Feinden, der nur auf den richtigen Moment wartet, um Cromwell zu stürzen. © BBC
Die Geschichte geht weiter, die Serie leider nicht

Obwohl man von Beginn an weiss, wie die Geschichte von «The Mirror and the Light» verläuft, fesselt jede Episode dieses hervorragenden Historiendramas. Man bedauert das Ende. Nicht nur, weil Cromwell stirbt, sondern vor allem, weil die Geschichte weitergeht, wie wir wissen.

Henry heiratet Catherine Howard am Tag von Cromwells Hinrichtung. Sie wird die zweite Königin, die er zum Schafott schickt. Noch spannender wird aber der Machtkampf zwischen seinen Töchtern Mary und Elizabeth.

Aus Hillary Mantels Feder werden wir dazu leider nichts mehr lesen oder sehen. Sie starb im September 2022, zwei Jahre, bevor die BBC «The Mirror and the Light» ausstrahlte.

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Besetzung: Mark Rylance | Damian Lewis | Thomas Brodie-Sangster | Charlie Rowe | Richard Dillane | Harry Melling | Lilit Lesser | Jonathan Pryce | Claire Foy | Alex Jennings
Genre: Drama | Historie | Biografie
GB, 2024

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