

Apple TV (2 Staffeln, 15 Episoden à 45 Min.)
«Hijack» war als Mini-Serie konzipiert. Doch der durchschlagende Erfolg des Flugzeugentführungsdramas bewog Apple dazu, eine zweite Staffel in Auftrag zu geben. Das ist nicht immer eine gute Idee, wie die ebenfalls von Apple TV produzierte Serie «Bad Sisters» gezeigt hat. Leider gilt das auch für die zweite Staffel von «Hijack».
Logiklöcher statt nervenaufreibender Spannung
Das bedeutet nicht, dass Sam Nelsons (Idris Elba) Abstieg in den Berliner Untergrund völlig misslungen ist. Aber die Entführung einer Berliner U-Bahn fesselt deutlich weniger als die spannungsgeladene Geiselnahme an Bord des Flugs KA29. Hauptsächlich wegen der vielen Logiklöcher in der Handlung, die man ohne Spoiler nicht detailliert aufzeigen kann.

Was man sagen kann: Sam Nelson ist in Berlin und steigt in die U5 ein. Er wirkt vom ersten Moment an sehr angespannt. Eine junge Frau (Jasmine Bayes), die ihn von früher kennt, spricht ihn an, doch er wimmelt sie ab. Sein Augenmerk gilt einem Mann mit Rucksack.
Der Rucksackmann und der nervöse U-Bahnfahrer
Er konfrontiert den Mann und fordert ihn auf, den Inhalt seines Rucksacks auszupacken. Der Mann weigert sich. Ein Handgemenge folgt, bis zwei Polizisten eingreifen und den Mann aus der U-Bahn auf den Bahnsteig zerren.
Problem gelöst? Nein, auch im Führerstand der U5 herrscht Hektik. Der Fahrer Otto (Christian Näthe) versucht über Funk einen Gleisarbeiter zu erreichen. Zudem schaut er immer wieder nervös auf die Uhr.

Von Berlin nach Schottland
Szenenwechsel: In einer abgelegenen Waldhütte in Schottland klopft es an die Tür. Marsha (Christine Adams), Sams Ex-Frau, öffnet die Tür. Eine Frau und ein Mann stehen davor. Sie bringen ihr einen Blumenstrauss. Landidylle? Nein. Bald folgt eine tödliche Verfolgungsjagd.
Weitere Schauplätze, die eine Rolle spielen, sind die britische Botschaft und die U-Bahnleitstelle in Berlin. In der Botschaft wartet Olivia Thatcher (Clare-Hope Ashitey) auf Sam, mit dem sie zu einer Besprechung verabredet war. Sam taucht nie auf. In der Leitstelle tritt Clara Berger (Lisa Vicari) ihren Dienst an. Sie betreut heute die U5. «Da ist es immer ruhig», sagt ihr Kollege. Er irrt sich gewaltig.

Und dann geistert noch der BKA-Beamte Zoran Beck (Dejan Bućin) durch die Serie. Er durchsucht Wohnungen und fahndet nach Verdächtigen. Was das mit der U-Bahnentführung zu tun hat, bleibt lange unklar.
Und jetzt auf See? Aber bitte mit einer besseren Story
Was sich wirklich hinter der Entführung verbirgt, die am Ende der ersten Staffel beginnt, ist clever, wenn auch sehr kompliziert konstruiert. Da mischt der britische Geheimdienst mit und die Spur führt zurück zur Entführung des Flugs KA29.

Doch wie eine U-Bahn voller Leute einen einzelnen Entführer immer wieder unbehelligt durch die Wagen spazieren lässt, strapaziert die Glaubwürdigkeit der Story übermässig. Das und andere Ungereimtheiten kann auch der wirklich gute Cast, allen voran Idris Elba, nicht übertünchen.
Gut möglich, dass wir Sam Nelson nicht zum letzten Mal gesehen haben. Vielleicht folgt als Nächstes die Entführung einer Fähre? (Flugzeug, Zug, Schiff war schon die Reihenfolge in der Serie «Departure»). Hätte sicher seinen Reiz. Mein Wunsch wäre nur: Macht die Story konsistenter und glaubwürdiger als diesen Ausflug in den Berliner Untergrund.
Besetzung: Idris Elba | Christine Adams | Christian Näthe | Clare-Hope Ashitey | Lisa Vicari | Christiane Paul | Toby Jones | Arsher Ali | Dejan Bućin | Ian Burfield | Archie Panjabi | Stuart Atterton | Daniel O’Farrell
Serie entwickelt von: Jim Field Smith | George Kay
Genre: Thriller
GB/USA, 2026












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