

HBO Max (1 Staffel, 10 Episoden à 30 Min.)
Steve Carell ist ein häufiger und meist gern gesehener Gast auf dem heimischen Bildschirm. Der 64-Jährige ist seit seiner Rolle als Michael Scott im US-amerikanischen Remake der britischen Serie «The Office» (2005–2013) vor allem als Komödiendarsteller bekannt.
Obwohl Carell in den letzten Jahren etwa in «The Big Short» (2015), «Vice» (2018) oder in «The Morning Show» (2019–2021) auch ernste Rollen spielte, bleibt Comedy sein Hauptfach. Seine Auftritte sind immer solide, garantieren aber nicht, dass das gesamte Werk überzeugt.

Amüsant, aber nicht überragend
Die Politsatire «Space Force» (2020–2022) bot kaum witzige Unterhaltung und wurde von Netflix nach zwei Staffeln abgesetzt. Gut gelungen war dagegen die Midlife-Crisis-Dramedy «The Four Seasons». Das ist nicht zuletzt Tina Fey zu verdanken, die eine erfahrene Comedy-Autorin ist.
«The Rooster» liegt irgendwo dazwischen: amüsant, aber nicht überragend. Carell spielt den erfolgreichen Trashautor Greg Russo, der als Gastdozent am Ludlow College ein Semester verbringt.

Die Tochter als Brandstifterin, der Vater als Retter
Eigentlich wollte er nur ein paar Tage dort verbringen, um seine Tochter Katie (Charly Clive) aufzumuntern. Sie unterrichtet am College und wurde gerade von ihrem Mann Archie (Phil Dunster, «Ted Lasso») wegen einer Studentin sitzen gelassen.
Dafür rächt sie sich und verbrennt Archies wertvollstes Buch: eine Erstausgabe von Leo Tolstoys «Krieg und Frieden». Dumm nur, dass das Feuer aufs Haus übergreift und alles in Schutt und Asche legt.
Greg kann College-Präsident Walter Mann (John C. McGinley) aber davon abhalten, seine Tochter hinauszuwerfen. Als Gegenleistung muss er sich für ein Semester als Dozent verpflichten. Denn Walter ist begeistert von der Idee, endlich einen Autor an seiner Uni zu haben, von dem die Eltern seiner Student:innen tatsächlich schon mal gehört haben. Das, so hofft er, hilft bei den Spenden.

Clash der Kulturen und Generationen
Wie erwähnt, Greg schreibt Trash. Sein Romanheld heisst Rooster, ist ein Privatdetektiv, der bei seinen Abenteuern gern Frauen verführt. Das kommt bei den Studenten gut an. Die Studentinnen nehmen ihn aber schon in der ersten Stunde in die Mangel. Weil Greg darauf mit einer politisch unkorrekten Äusserung reagiert, landet er vor dem Disziplinarausschuss. Es bleibt nicht bei diesem einen Mal.
Der Clash der Kulturen und der Generationen ist ein Thema, über das sich die Serie amüsiert. Daneben sorgen der Streit zwischen Katie und Archie und Gregs Romanze(n) für unterhaltsame Momente. Anderes kommt hinzu, trägt aber nur dazu bei, dass «Rooster» ziemlich unfokussiert wirkt.

Carell überzeugt, das Drehbuch nicht
Geht es um Greg, der nie ein College besucht hat und sich minderwertig fühlt, bis er merkt, dass er vielleicht gerade deswegen den Studierenden etwas geben kann? Um Gregs Beziehung zu seiner Tochter? Um deren Kampf um ihr Selbstwertgefühl? Oder um zynische Dozenten, die den Draht zu ihren Student:innen schon lange verloren haben?
Immerhin, egal in welches Setting das Drehbuch Steve Carell schmeisst, er findet sich immer schnell darin zurecht. Man kauft ihm den Selbstzweifler ab, den besorgten Vater, den selbstlosen Helfer, den unsicheren Verliebten. Seine Leistung ist wieder solide, während die ganze Serie eher als schwankend einzustufen ist.
Besetzung: Steve Carell | Danielle Deadwyler | Phil Dunster | Charly Clive | Lauren Tsai | John C. McGinley | Annie Mumolo | Maximo Salas | Rory Scovel | Connie Britton | Alan Ruck
Serie entwickelt von: Bill Lawrence | Matt Tarses
Genre: Komödie
USA, 2026











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