

HBO Max (2 Staffeln, 30 Episoden à 50 Min.)
Wer hätte gedacht, dass es gelingt, das Genre der Krankenhausserie aus dem Koma zu holen. Was in den letzten Jahren über den Bildschirm flimmerte, könnte man auch als hirntot bezeichnen. Es bewegt sich zwar etwas, aber es ist völlig seelenlos.
Serien wie «Grey’s Anatomy» oder «Chicago Med» gehören schon längst auf die Palliativabteilung, denn sie sind unheilbar einfallslos und eintönig. Dass man sie nicht sterben lässt, mag daran liegen, dass sie Erinnerungen wecken.
Die Urmutter aller Krankenhausserien
Erinnerungen an packende Geschichten von Menschen, die unter stressigsten Bedingungen Leben retteten. Geschichten, bei denen man atemlos mitfieberte. Geschichten, wie sie «ER» erzählte.

«ER» – kurz für Emergency Room – ist nicht nur die Urmutter aller Krankenhausserien. Die Show, die von 1994 bis 2009 über 15 Staffeln lief, revolutionierte die Produktionsweise von Fernsehserien. Ohne «ER» hätte es Serien wie «24», «The West Wing» oder «The Wire» nicht gegeben.
«ER» bestach durch eine rasante Erzählweise, verstärkt durch die hektische Kameraführung, episodenübergreifende Handlungsstränge, die Einbindung von politisch-gesellschaftlichen Themen und durch ein überragendes Mass an Authentizität.
Vom Medizinstudenten zum Chef der Notaufnahme
Genau das zeichnet jetzt wieder «The Pitt» aus. Noah Wyle spielt Dr. Michael «Robby» Robinavitch, der das ED – kurz für Emergency Departement – des Pittsburgh Trauma Medical Centers leitet. Es ist ein vertrautes Gesicht. Wyle spielte in «ER» den angehenden Arzt John Carter.
Es ist nicht die bedeutendste Verbindung zu «ER». Die schafft R. Scott Gemmill, der als Showrunner für «The Pitt» verantwortlich zeichnet und schon als Autor bei «ER» tätig war. Er greift das Erfolgsrezept von «ER» wieder auf. «The Pitt» ist keine Innovation, sondern eine Rückbesinnung auf gute TV-Shows.

Hektik und Drama in Echtzeit
«The Pitt» fesselt von der ersten Minute an. Jede Episode wird (fast) in Echtzeit erzählt. Die erste Staffel beginnt mit Robbys Dienstantritt am Todestag seines Mentors, den er während der Covid-Pandemie nicht retten konnte.
Es ist auch der erste Arbeitstag für einige Medizinstudierende, die ihr Praktikum beginnen. Sie werden von erfahrenen Ärzt:innen betreut, was in der Hektik der völlig überlasteten Notaufnahme aber nicht allzu viel heisst.
Auch die Neulinge müssen sofort mit anpacken. Unterstützend zur Seite steht das Pflegepersonal. Wobei die Neulinge gleich zu Beginn die wichtigste Regel lernen: Wenn ein:e Pfleger:in etwas sagt, dann tu es. Das gilt für alle Ärzt:innen.

ICE-Agenten verursachen Panik im Krankenhaus
Der erste Arbeitstag dauert 15 Stunden und zeigt nicht nur, was alles im menschlichen Körper schiefgehen kann. Auch zwischenmenschlich brodelt es. Obwohl ein weiterer Leitspruch lautet: Lass deine persönlichen Probleme vor der Tür der Notaufnahme, sonst sterben Menschen.
«The Pitt» greift getreu dem «ER»-Erfolgsrezept gesellschaftspolitische Themen auf: Obdachlosigkeit, Kindesmissbrauch, Sterbehilfe, häusliche Gewalt oder als US-amerikanische Besonderheit ein Amoklauf bei einem Festival und ICE-Agenten, die in der Notaufnahme für Panik unter Patient:innen und Personal sorgen.

Das nächste Revival wartet schon
Wer «The Pitt» einschaltet, wird Mühe haben, wieder abzuschalten. Die Serie entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Warum niemand früher auf die Idee kam, wieder eine Krankenhausserie im Muster von «ER» zu produzieren, bleibt ein Rätsel. Denn «The Pitt» beweist, dass das heute noch bestens funktioniert.
Ich bin gespannt, ob das auch für eine andere Serie aus diesem Genre gilt. Nach 16 Jahren Pause wird «Scrubs» fortgesetzt. Anders als «The Pitt» setzt sie auf Komik statt Hektik und Drama. Das war damals sehr unterhaltsam, bleibt abzuwarten, wie gut das heute gelingt.
Besetzung: Noah Wyle | Patrick Ball | Katherine LaNasa | Supriya Ganesh | Fiona Dourif | Taylor Dearden | Isa Briones | Gerran Howell | Shabana Azeez | Amielynn Abellera | Brandon Mendez Homer | Kristin Villanueva | Ned Brower | Sepideh Moafi | Irene Choi | Lucas Iverson
Serie entwickelt von: R. Scott Gemmill
Genre: Drama
USA, 2025











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