Kacken an der Havel (Staffel 1) – So bescheuert, dass es brillant ist

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Poster für die Netflix-Serie «Kacken an der Havel». Acht Personen bilden einen Kreis und schauen von oben in die Kamera, vor blauem Himmel mit Wolken. In der Mitte steht der gelbe Serientitel und das rote Netflix-Logo. Ein kleiner gelber Vogel ist ebenfalls zu sehen.
4 von 5 Sternen

Netflix (1 Staffel, 9 Episoden à 35 Min.)

Eine Serie über einen Möchtegern-Rapper, in der eine Ente namens Tupac die Erzählerin mimt, und «Kacken an der Havel» heisst. Das kann nur in die Hose gehen, oder? Weit gefehlt!

Die Komödie der Brüder Dimitrji und Alex Schaad setzt nicht, wie der Titel vermuten liesse, auf Schenkelklopferwitze oder Fäkalhumor. Stattdessen lebt sie von verrückten Figuren, überdrehten Plots und absurden Dialogen. Dieser Mix macht wirklich Spass.

Nie wieder trostlose Provinz

«Kacken an der Havel» beschreibt keine Tätigkeit, sondern einen fiktiven Ort in Brandenburg. Hier ist Toni (Anton «Fatoni» Schneider) aufgewachsen und bei erstbester Gelegenheit abgehauen. Er schwor sich, nie wieder in diese trostlose Provinz zurückzukehren.

Ein Mann mit Sonnenbrille und Kopfhörern steht auf einer Landstrasse. Er trägt eine grüne Jacke und ein gemustertes Hemd. Im Hintergrund ist ein Ortsschild mit der Aufschrift «Willkommen in Kacken an der Havel» zu sehen, umgeben von Feldern und Bäumen.
Toni (Anton Schneider) hat Kacken den Rücken gekehrt, um in Berlin ein Rap-Star zu werden. © Netflix

Toni zog nach Berlin, um seinen grossen Traum zu verwirklichen. Er wollte ein Rap-Star werden. Jahre später steht er aber hauptberuflich in einer Pizzeria am Ofen. Rappen ist manchmal am Wochenende angesagt an Amateurwettbewerben, bei denen Toni mit Abstand der älteste Teilnehmer ist.

Beim Retten einer Ente vom Baum gefallen

Bei einem dieser Battles ruft seine Schwester an: Die Mutter ist tot. Sie starb, wie sie es sich immer wünschte. Sie fiel beim Retten einer Ente vom Baum. Das hätte sie vielleicht noch überlebt, aber ein Blitzschlag besorgte den Rest.

Widerwillig fährt Toni zur Beerdigung nach Kacken, fest entschlossen danach gleich wieder nach Berlin zurückzukehren. Man versteht ihn, nachdem man das Kaff und seine Familie kennengelernt hat.

Eine Frau sitzt auf einem Sattel auf einem Holzgestell. Davor ein Maler, der sie auf einem Pferd malt. Umstehende Personen beobachten die Szene. Im Hintergrund sind alte Gebäude und Plakate zu sehen.
Veronica Ferres will als Bürgermeisterin von Kacken vor allem ihren Ruhm und ihr Vermögen mehren. © Netflix

Die prägende Figur von Kacken ist die Bürgermeisterin – Veronica Ferres. Ihr Bild hängt an allen Ecken, in der Schule, die nach ihr benannt ist, wird Veronica-Ferres-Kunde unterrichtet. Die Dorfpolizistin macht einen Hofknicks, bevor sie mit ihr spricht. Ferres interessiert sich aber nicht für ihr Amt. Sie betreibt einen lukrativen Handel mit einer illegalen Substanz.

Wer wen Papa nennt und wer nicht

Die Polizistin ist Tonis Schwester Nancy (Jördis Triebel). Er hat noch zwei weitere Schwestern, die Zwillinge Kaia (Sophie Münster) und Karo (Jana Münster). Die eine spricht nicht mehr mit ihm, seit er ihre Hochzeit versaut hat. Was Toni nicht versteht. Es war immerhin schon die dritte Hochzeit. Oder die vierte? Die andere Schwester sprengt gern Dinge in die Luft.

Johnny Carrera (Dimitrij Schaad) ist der trauernde Witwer und Tonis Stiefvater. Allerdings einige Jahre jünger als Toni. Deshalb weigert sich Toni, ihn Papa zu nennen.

Sechs Personen posieren fröhlich in einem modernen Wohnzimmer. Sie tragen lässige Kleidung und umarmen sich, während sie in die Kamera lächeln. Das Set wirkt wie aus einer Comedy-Serie mit gemütlicher Einrichtung und warmer Beleuchtung.
Alle sind glücklich, dass Toni wieder da ist. Na ja, sie tun zumindest so für die Kamera. (Sophia und Jana Münster, aussen, Sky Arndt, Jördis Triebel, Dimitrij Schaad) © Netflix

Bald nennt ihn jedoch jemand Papa. Ein Junge, der mitten auf der Strasse steht, als Toni nach Berlin zurückfahren will. Charly (Sky Arndt), Dauergrinser und Landesmeister im Luftanhalten, ist der Spross von Tonis Beziehung mit Jana (Hannah Ehrlichmann), die schwanger wurde, kurz bevor Toni nach Berlin abhaute.

Die schwierige Wahl zwischen Familie und Karriere

Damit scheint Tonis Schicksal besiegelt. Er wird in Kacken bleiben und die verlorenen Jahre mit seinem Sohn nachholen. Oder doch noch Rap-Star werden?

Denn ein Video seines letzten Auftritts geht viral, und Frau Müller-Müller (Taneshia Abt) von Cutie Hearts Records wird auf ihn aufmerksam. Sie fliegt per Helikopter in Kacken ein und bietet ihm einen Vertrag an. Es gibt nur eine Bedingung, Toni muss einen Hit für sie schreiben.

Drei Personen stehen vor einem schwarzen Helikopter auf einer Wiese. Links ein Mann mit Kappe und rosa Pullover, der eine Schachtel hält. In der Mitte ein Mann mit kariertem Mantel, rechts eine Person in blauer Jacke und Sonnenbrille. Der Helikopter trägt das Logo «Cutie Heart Records».
Dalia Müller-Müller (Taneshia Abt) bringt Toni einen Plattenvertrag und seine Welt völlig durcheinander. © Netflix

Das allein wäre schwierig genug für den notorischen Prokrastinierer. Mit dem Sohn an der Seite, der unbedingt mit Papa am Stand-up-Paddle-Limbo-Wettbewerb teilnehmen will, wird alles noch komplizierter.

Die Gebrüder Schaad als Alchemisten

«Kacken an der Havel» bietet noch einiges mehr an schrägen Geschichten und Figuren. Ein mit Goldgebiss bewehrter Matthias Brandt taucht als Labelchef Dr. Drehws auf. Und als Schweizer:innen dürfen uns über Köbi (Maxwell Mare) amüsieren, Charlys Rivale um seine grosse Liebe, der penetrant nur reines Schwyzerdütsch spricht.

Die Gebrüder Schaad haben ein buntes Panoptikum mit einer Unmenge an schrägen Geschichten und noch schrägeren Figuren geschaffen. Das erinnert manchmal an Wes Anderson, aber auch an Monty Python. Ihre Serie erweist sich als gelungenes Alchemistenexperiment: Aus Kacke(n) haben sie (Komödien-)Gold gemacht.

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Besetzung: Anton Schneider | Sky Arndt | Dimitrij Schaad | Jördis Triebel | Runa Greiner | Sophia Münster | Jana Münster | Vincent Redetzki | Ruth Reinecke | Taneshia Abt | Matthias Brandt | Veronica Ferres | Sherine Merai | Maxwell Mare | Hannah Ehrlichmann
Serie entwickelt von: Alex Schaad | Dimitrij Schaad
Genre: Komödie
D, 2026

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